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Kreta - Michael P Reimelt

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(1986-2000)

Fremdenverkehr gilt weltweit als außerordentlich bedeutender Wirtschaftszweig. Viele Regionen sind von den Einnahmen dieses Sektors abhängig und damit ökonomischen, ökologischen als auch soziokulturellen Auswirkungen, sowohl in positiver, als auch in negativer Hinsicht, ausgeliefert.

Genau diese Effekte erfordern es, dass auch die Tourismusindustrie sich zu Gunsten der Nachhaltigkeit zu verändern hat, um auch zukünftigen Gästen und Bewohnern von Urlaubsdestinationen die selben Möglichkeiten zu bieten, wie wir sie heute vorfinden.

In „Elemente für ein nachhaltiges Tourismuskonzepts" (Libertas Paper Nr. 60) wurden die globalen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Auswirkungen des Fremdenverkehrs erarbeitet.¹ Im Anschluss daran wurden mögliche Lösungsinstrumente zur Erreichung des Ziels „Nachhaltiger Fremdenverkehr" erarbeitet.

Auch diese Ausgabe verfolgt diesen Weg. Zunächst wird in den Kapiteln zwei und drei der untersuchte Raum vorgestellt, um in weiterer Folge im vierten Abschnitt die für die Nachhaltigkeit relevanten Effekte im Bereich der Ökonomie, Ökologie und Soziologie zu erarbeiten. In Kapitel fünf werden mögliche Lösungsinstrumente zur nachhaltigen Fremdenverkehrsgestaltung auf der griechischen Insel Kreta dargestellt.

2      Der Untersuchungsraum

Die Republik Griechenland ist mit ihren 10,96 Millionen Einwohnern seit 1981 Mitglied der Europäischen Union. Die Landesfläche von 132.000 km² teilt sich auf 107.000 km² Festland und 25.000 km² Inselfläche auf. Von den 3.054 Inseln gelten nur 167 als bewohnt. Die größte dieser Inseln ist Kreta mit 8.261 km² und knapp 578.000 Bewohnern.²

2.1       Ökonomie und Tourismus Griechenlands

2.1.1      Wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus

Das Bruttosozialprodukt Griechenlands betrug im Jahr 2003 147,39 Milliarden Euro,³ die griechische Wirtschaft ist überwiegend dienstleistungsorientiert (61,4 Prozent der Beschäftigten arbeiten im tertiären Sektor). Abbildung 1 zeigt, in welchen Sektoren die griechische Bevölkerung beschäftigt ist. Man kann darin eindeutig den Trend vom primären zum tertiären Sektor erkennen.⁴

Abbildung 1: Beschäftigung nach Sektoren, Griechenland 1998 und 2003

(Quelle: National Statistical Service of Greece (Homepage) Ohne Autor (ohne Jahr:2))

Einen bedeutenden Anteil des für Griechenland wichtigen tertiären Sektors nimmt der Fremdenverkehr ein. Der Tourismussektor erwirtschaftete im Jahr 2002 20,84 Milliarden Euro und kann 15,0 Prozent zum griechischen Bruttosozialprodukt beitragen.

Auch im Bereich der Steuereinnahmen spielt der griechische Fremdenverkehrssektor eine starke Rolle. Im Jahr 1997 wurden 14,65 Prozent (4,11 Mrd. US-$) der gesamten Steuereinnahmen aus diesem Segment gewonnen, 11,92 Prozent (2,16 Mrd. US-$) der Staatsausgaben flossen in der Tourismus.

Tourismus ist mit seinem Beitrag von 40 Prozent im Jahr 1999 einer der wichtigsten Bestandteile der griechischen Außenhandelsbilanz. Durch die erwirtschafteten Überschüsse kann das Zahlungsdefizit um 29 Prozent reduziert werden.

Neben einem besonders starken Zuwachs der Urlauberzahlen in den letzten 20 Jahren (1981: 5,58 Millionen; 2000: 13,57 Millionen) ist ein überproportionaler Anstieg der Ausgaben der Touristen zu verzeichnen (1981: 1,89 Mio. US-$; 2000: 9,22 Mio. US-$).

Im Jahr 2002 waren 687.030 Personen im Fremdenverkehrsbereich beschäftigt. Das entspricht einem Anteil von 16,8 Prozent der gesamten griechischen berufstätigen Bevölkerung.

2.1.2      Entwicklung, Planung und aktuelle Tourismusdaten

2.1.2.1      Entwicklung

Die Geschichte des Fremdenverkehrs in Griechenland ist relativ jung. Erst nach dem zweiten Weltkrieg begann sich langsam die Tourismusindustrie zu entwickeln. Im Jahr 1950 besuchten nur rund 30.000 Touristen Griechenland.¹⁰

1967 wurde vom griechischen Ministerium für Koordination ein Aktionsplan ausgerufen, der Griechenland in Förderungsgebiete einteilte (vgl. Abbildung 2).

Steuererleichterungen, Infrastrukturerweiterungen und günstige Kredite für Tourismusbetriebe sollten den Fremdenverkehr entwickeln. Die Maßnahme war Auslöser für den Bau großer Tourismusanlagen, vor allem auf den Inseln von Kos, Rhodos und Kreta.¹¹ Dieser Bauboom und die günstige Preislage in Griechenland, verglichen mit den durchschnittlich höheren Preisniveaus in den Ursprungsländern führte zum Anstieg der Touristenzahlen.¹² 1970 besuchten bereits 1,6 Millionen ausländische Urlauber Griechenland,¹³ 1980 waren es 5,3 Millionen, 1990 8,3 Millionen,¹⁴ und 2002 bereits 14,92 Millionen.¹⁵

Abbildung 2: Tourismus Förderungszielgebiete

(Quelle: Kousis (1984), S 65)

Auch wenn das Touristenaufkommen stark zugenommen hat, so lässt sich durch Abbildung 3 zeigen, dass die Entwicklung Schwankungen unterliegt. 1991 kam es durch die Jugoslawienkrise zu einem Rückgang, 1995 und 1996 gab es einen Einbruch durch den Kosovokonflikt, durch Rezession in den wichtigsten Ursprungsländern aber auch durch die gestiegene Konkurrenz, beispielsweise aus der Türkei. Der starke Anstieg im Jahr 1999 wird auf das Erdbebenunglück in der Türkei zurückgeführt. Es lässt sich aus der Abbildung ableiten, dass die griechische Tourismusindustrie sehr krisenanfällig ist.¹⁶

Abbildung 3: Besucherzahlen und Tourismuseinnahmen Griechenland, 1950 bis 2002

(Quelle: nach Buhalis/Diamantis (2001), S 147; Greek National Tourism Organization (Homepage), Ohne Autor (2003:1); National Statistical Service of Greece (2002), S 18)

2.1.2.2      Planung

Fremdenverkehr in Griechenland wurde und wird auch heute noch großteils zentralistisch geplant. Alle wichtigen Entscheidungen in Bezug auf Planung, Verwaltung und Politik werden von Athen aus getätigt.¹⁷

Für die Planung im Tourismussektor ist die Greek National Tourism Organization (GNTO) zuständig, die ihre Richtlinien vom griechischen Ministerium für Entwicklung erhält. Als primäres