Sociolinguistics

Soziolinguistik
HSK 3.2
2nd edition
2. Auflage

Handbücher zur
Sprach- und Kommunikations-
wissenschaft
Handbooks of Linguistics
and Communication Science
Manuels de linguistique et
des sciences de communication
Mitbegründet von Gerold Ungeheuer (†)
Mitherausgegeben 1985Ϫ2001 von Hugo Steger
Herausgegeben von / Edited by / Edite´s par
Herbert Ernst Wiegand
Band 3.2
2. Auflage
Walter de Gruyter · Berlin · New York
Sociolinguistics
Soziolinguistik
An International Handbook of the Science
of Language and Society
Ein internationales Handbuch zur Wissenschaft
von Sprache und Gesellschaft
2nd completely revised and extended edition
2., vollständig neu bearbeitete und erweiterte
Auflage
Edited by / Herausgegeben von
Ulrich Ammon · Norbert Dittmar
Klaus J. Mattheier · Peter Trudgill
Volume 2 / 2. Teilband
Walter de Gruyter · Berlin · New York
Țȍ Printed on acid-free paper which falls within the guidelines
of the ANSI to ensure permanence and durability.
Library of Congress Cataloging-in-Publication Data
Sociolinguistics : an international handbook of the science of language
and society ϭ Soziolinguistik : ein internationales Handbuch zur
Wissenschaft von Sprache und Gesellschaft / herausgegeben von Ul-
rich Ammon ... [et al]. Ϫ 2nd completely rev. & extended ed.
p. cm. Ϫ (Handbooks of linguistics and communication science ;
3.2)
Contributions in German and English.
Includes bibliographical references.
ISBN-13: 978-3-11-017148-8 (v. 2 : cloth. : alk. paper)
ISBN-10: 3-11-017148-1 (v. 2 : cloth. : alk. paper)
1. Sociolinguistics. I. Ammon, Ulrich. II. Title: Soziolinguistik.
III. Series: Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissen-
schaft ; Bd. 3.2.
P40.S564 2005
306.44Ϫdc22
2005024673
Bibliographic information published by Die Deutsche Bibliothek
Die Deutsche Bibliothek lists this publication in the Deutsche Nationalbibliografie;
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ISBN-13: 978-3-11-017148-8
ISBN-10: 3-11-017148-1
ĄCopyright 2005 by Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, D-10785 Berlin
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reproduced in any form or by any means, electronic or mechanical, including photocopy, recording, or any
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Cover design: Rudolf Hübler, Berlin
Typesetting: Dörlemann Satz GmbH & Co. KG, Lemförde
Printing: Tutte Druckerei GmbH, Salzweg
Binding: Lüderitz & Bauer classic GmbH, Berlin
Printed in Germany
Contents / Inhalt V
Contents / Inhalt
Volume 2/ 2. Teilband
VI. Neighbouring Disciplines
Nachbarwissenschaften
89. Christine A.Monnier, Cultural Sociology / Kultursoziologie . . . . . . 855
90. Carl-Friedrich Graumann, Sozialpsychologie / Social Psychology . . . 865
91. Volker Heeschen, Ethnology and Anthropology / Ethnologie und
Anthropologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 870
92. Hannes Scheutz, Dialektologie / Dialectology . . . . . . . . . . . . . . 879
93. Rainer Dietrich / Patrick Grommes / Jürgen Weissenborn, Psycho-
linguistik / Psycholinguistics . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 892
94. Wilfried Krings, Sozialgeographie / Human Geography . . . . . . . . . 910
VII. Sociolinguistic Methodology
Soziolinguistische Methodologie
95. Hartmut Haberland, Research Policy / Forschungspolitik . . . . . . . 917
96. Norbert Dittmar, Möglichkeiten und Grenzen einer soziolinguistischen
Theorie / The Possibilities and Limits of a Sociolinguistic Theory . . . 930
97. Hans Goebl, Forschungsethische Probleme / Issues in Research
Ethics . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 946
98. Matthew J. Gordon, Research Aims and Methodology / Forschungsziele
und Methodologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 955
99. Toni Rietveld / Roeland van Hout, Quantitative Methods / Quantitative
Methoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 965
100. Werner Kallmeyer, Qualitative Methoden / Qualitative Methods . . . . 978
101. Peter Schlobinski, Phasen des Forschungsprozesses / Stages of
Research . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 992
102. David Sankoff, Problems of Representativeness / Probleme der
Repräsentativität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 998
103. Gillian Sankoff, Cross-Sectional and Longitudinal Studies /
Querschnitt- und Längsschnittuntersuchungen . . . . . . . . . . . . . 1003
104. Aaron V. Cicourel, Elicitation as a Problem of Discourse / Elizitierung
als ein Diskursproblem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1013
105. Heinrich Löffler, Forschungsplanung bei Mikro- und Makrostudien /
Research Planning in Micro- and Macro-Studies . . . . . . . . . . . . 1023
106. Hartmut Lüdtke, Beobachtung / Observation . . . . . . . . . . . . . . 1033
107. Charles L. Briggs, Sociolinguistic Interviews / Soziolinguistisches
Interview . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1052
VI Contents / Inhalt
108. Peter Atteslander, Schriftliche Befragung / Written Investigations . . . 1063
109. Manfred Auwärter, Experiment / Experiments . . . . . . . . . . . . . . 1076
110. Bernard Spolsky, Tests / Test . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1085
111. Edward Finegan, The Possibilities and Limits of Corpus-Linguistic
Description / Möglichkeiten und Grenzen korpuslinguistischer
Beschreibung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1095
112. John de Vries, Language Censuses / Sprachenzensus . . . . . . . . . . 1104
113. Marlis Hellinger, Contrastive Sociolinguistics / Kontrastive
Soziolinguistik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1117
114. Helmut Richter, Transkriptionssysteme / Transcription Systems . . . . 1126
115. Roeland van Hout, Statistical Descriptions of Language / Statistische
Sprachbeschreibung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1134
116. Roeland van Hout, Linguistische Messverfahren / Linguistic
Measurements . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1140
117. David Sankoff, Variable Rules / Variablenregeln . . . . . . . . . . . . 1150
118. Wolfgang Klein, The Grammar of Varieties / Varietätengrammatik . . 1163
119. Norbert Dittmar / Peter Schlobinski, Implikationsanalyse /
Implicational Analysis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1171
120. Romuald Skiba, Computeranalyse / Computer Analysis . . . . . . . . 1187
121. Frederick Erickson, Ethnographic Description / Ethnographische
Beschreibung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1197
122. Werner Kallmeyer, Konversationsanalytische Beschreibung /
Conversational Analysis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1212
123. Kristin Bührig / Jan D. ten Thije, Diskurspragmatische Beschreibung /
Discourse-Pragmatic Description . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1225
124. Peter Garrett, Attitude Measurements / Messung von Einstellungen . . 1251
125. Eugene Casad, Analyses of Intelligibility / Verständlichkeitsanalyse . . 1261
126. Cailin Kulp / Karen M. Cornetto / Mark L. Knapp, The Description of
Non-Verbal Behavior / Beschreibung nonverbalen Verhaltens . . . . . 1273
VIII. Findings of Sociolinguistic Research
Ergebnisse der soziolinguistischen Forschung
127. Basil Bernstein †, Social Class and Sociolinguistic Codes / Sozial-
schicht und soziolinguistische Kodes . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1287
128. William F. Mackey, Multilingual Cities / Mehrsprachige Städte . . . . 1304
129. Ulrike Altendorf, Stadtdialektforschung / Urban Sociolinguistics . . . 1312
130. Sonja Vandermeeren, Research on Language Attitudes / Sprach-
einstellungsforschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1318
131. Wolfgang Wildgen, Sprachkontaktforschung / Research on Language
Contact . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1332
132. Peter Hans Nelde, Research on Language Conflict / Sprachkonflikt-
forschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1346
133. Françoise Gadet, Research on Sociolinguistic Style / Soziolinguistische
Stilforschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1353
134. Harald Haarmann, Research on National Languages / National-
sprachenforschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1361
Contents / Inhalt VII
135. Peter Mühlhäusler, Research on Pidgins and Creoles / Pidgin- und
Kreol-Forschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1377
136. Lothar Hoffmann, Fachsprachenforschung / Research on Languages
for Special Purposes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1385
137. Gudrun Held, Ethnographie des Sprechens / The Ethnography of
Speaking . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1394
138. Penelope Brown, Linguistic Politeness / Sprachliche Höflichkeit . . . . 1410
139. Jürgen Streeck, Ethnomethodologie / Ethnomethodology . . . . . . . 1416
140. Iwar Werlen, Linguistische Relativität / Linguistic Relativity . . . . . . 1426
141. Klaus J. Mattheier, Dialektsoziologie / Dialect Sociology . . . . . . . . 1436
142. Patrick Renaud, Domain and Role Specific Research / Domänen- und
rollenspezifische Forschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1447
143. Peter Schlobinski, Netzwerk-Untersuchungen / Research on
Networks . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1459
144. Jeanine Treffers-Daller, Code-Switching / Sprachwechsel . . . . . . . . 1469
145. William F. Mackey, Bilingualism and Multilingualism / Bilingualismus
und Multilingualismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1483
146. Jannis K. Androutsopoulos, Research on Youth-Language /
Jugendsprach-Forschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1496
147. Guus Extra / Durk Gorter, Linguistic and Ethnic Minorities /
Sprachliche und ethnische Minderheiten . . . . . . . . . . . . . . . . 1506
148. Harald Haarmann, Linguistic Barriers between Speech Communities
and Language Choice in International Contacts / Sprachbarrieren
zwischen Sprachgemeinschaften und Sprachwahl in internationalen
Kontakten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1521
149. Ulrich Ammon, Pluricentric and Divided Languages / Plurizentrische
und geteilte Sprachen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1536
150. E. Annamalai, Communities with „Undeveloped Languages“ / Gemein-
schaften mit „unentwickelten Sprachen“ . . . . . . . . . . . . . . . . 1543
151. Harald Haarmann, Roofless Dialects / Dachlose Dialekte . . . . . . . 1545
152. Jenny Cheshire, Age- and Generation-Specific Use of Language /
Alters- und generationsspezifischer Sprachgebrauch . . . . . . . . . . 1552
153. Gisela Klann-Delius, Gender and Language / Geschlecht und Sprache 1564
154. Monica Heller, Language and Identity / Sprache und Identität . . . . . 1582
155. Richard Y. Bourhis / Anne Maass, Linguistic Prejudice and Stereotypes /
Linguistisches Vorurteil und Stereotyp . . . . . . . . . . . . . . . . . 1587
156. Rick Jedema / Ruth Wodak, Communication in Institutions /
Kommunikation in Institutionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1602
157. Ulrich Schmitz, Sprache und Massenkommunikation / Language and
Mass Communication . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1615
158. Dieter Nerius, Gesprochene und geschriebene Sprache / Spoken and
Written Language . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1628
159. Rudolf de Cillia / Ruth Wodak, Political Discourse / Politischer
Diskurs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1638
160. Harald Haarmann, The Politics of Language Spread / Sprach-
verbreitungspolitik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1653
VIII Contents / Inhalt
161. Florian Coulmas, Economic Aspects of Languages / Ökonomische
Aspekte von Sprachen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1667
162. Karen Risager, Cross- and Intercultural Communication / Trans- und
interkulturelle Kommunikation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1674
163. Dennis R. Preston, Perceptual Dialectology / Perzeptive Dialektologie 1683
164. Suzanne Romaine, Historical Sociolinguistics / Historische Sozio-
linguistik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1696
165. Hannes Scheutz, Aktuell stattfindender Lautwandel / Sound Change in
Progress . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1704
166. Peter Auer, Sound Change / Lautwandel . . . . . . . . . . . . . . . . 1717
167. Helmut Lüdtke, Grammatischer Wandel / Grammatical Change . . . . 1727
168. Malgorzata Fabiszak, Semantic and Lexical Change / Bedeutungs- und
Wortschatzwandel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1737
Volume 1/ 1. Teilband
Preface . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . V
Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XVIII
I. The Subject Matter of Sociolinguistics
Der Gegenstand der Soziolinguistik
1. Peter Trudgill, Sociolinguistics: An Overview / Soziolinguistik: Ein
Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
2. William Labov, Quantitative Analysis of Linguistic Variation /
Quantitative Analyse sprachlicher Variation . . . . . . . . . . . . . . 6
3. Paul Kerswill, Social Dialectology / Sozialdialektologie . . . . . . . . 22
4. David Britain, Geolinguistics – Diffusion of Language / Geolinguistik –
Sprachdiffusion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
5. Suzanne Romaine, Language-Contact Studies / Sprachkontaktstudien 49
6. John Holm, Pidgin and Creole Studies / Pidgin- und Kreolstudien . . . 58
7. Karol Janicki, The Sociology of Language / Sprachsoziologie . . . . . 67
8. Deborah Tannen, Interactional Sociolinguistics / Interaktionale
Soziolinguistik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
9. Deborah Schiffrin, Discourse Analysis and Conversation Analysis /
Diskurs und Konversationsanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
10. Howard Giles / Jennifer Fortman, The Social Psychology of Language /
Sozialpsychologie der Sprache . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99
11. Muriel Saville-Troike, Anthropological Linguistics and the Ethno-
graphy of Speaking / Anthropologische Linguistik und Ethnographie
des Sprechens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109
12. J. R. Martin / G. Williams, Functional Sociolinguistics / Funktionale
Soziolinguistik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120
13. Colin H. Williams, The Geography of Language / Geographie der Sprache 130
Contents / Inhalt IX
II. Basic Sociolinguistic Concepts
Soziolinguistische Grundbegriffe
14. Joachim Raith, Sprachgemeinschaft – Kommunikationsgemeinschaft /
Speech Community – Communication Community . . . . . . . . . . . 146
15. Georg Kremnitz, Diglossie – Polyglossie / Diglossia – Polyglossia . . . 158
16. Hitoshi Yamashita / Kayoko Noro, Kommunikative Kompetenz –
Sprachliche Kompetenz / Communicative Competence – Linguistic
Competence . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 165
17. Hideaki Takahashi, Language Norms / Sprachnorm . . . . . . . . . . 172
18. Ulrich Ammon, Funktionale Typen und Statustypen von Sprach-
systemen / Functional Types and Status Types of Linguistic Systems 179
19. Gaetano Berruto, Sprachvarietät – Sprache (Gesamtsprache,
historische Sprache) / Linguistic Variety – Language (Whole Language,
Historical Language) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 188
20. Martin Durrell, Linguistic Variable – Linguistic Variant / Sprach-
variable – Sprachvariante . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 195
21. Martin Durrell, Sociolect / Soziolekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 200
22. Bernd Spiller, Stil / Style . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 206
23. Norbert Dittmar, Register / Register . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 216
24. Martin Pütz, Sprachrepertoire / Linguistic Repertoire . . . . . . . . . 226
25. Lothar Hoffmann, Fachsprache / Language of Specific Purposes . . . . 232
26. Harald Haarmann, Abstandsprache – Ausbausprache / Abstand-
Language – Ausbau-Language . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 238
27. Norbert Dittmar, Umgangssprache – Nonstandard / Vernacular –
Nonstandard . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 250
28. Connie Eble, Slang and Antilanguage / Slang und Argot . . . . . . . . 262
29. David Britain, Dialect and Accent / Dialekt und Akzent . . . . . . . . 267
30. Ulrich Ammon, Standard Variety / Standardvarietät . . . . . . . . . . 273
31. Ronald Butters, Focussing and Diffusion / Konzentration und Diffusion 283
32. Stephen Barbour, National Language and Official Language / National-
sprache und Amtssprache . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 288
33. Michael G. Clyne, Pluricentric Language / Plurizentrische Sprache . . 296
34. Bettina Migge, Pidgin Language and Creole Language / Pidginsprache
und Kreolsprache . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 300
35. Rainer Dietrich, Erstsprache – Muttersprache / First Language – Mother
Tongue . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 305
36. Rainer Dietrich, Zweitsprache – Fremdsprache / Second Language –
Foreign Language . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 311
37. Alberto M. Mioni, Classical Language – Dead Language / Klassische
Sprache – Tote Sprache . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 314
38. Ingwer Paul, Ritualsprache / Ritual Language . . . . . . . . . . . . . 323
39. Lars Vikør, Lingua Franca and International Language / Verkehrs-
sprache und Internationale Sprache . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 328
40. Iwar Werlen, Domäne / Domain . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 335
41. Georges Lüdi, Code-Switching / Sprachwechsel . . . . . . . . . . . . . 341
X Contents / Inhalt
III. Sociological Concepts
Soziologische Begriffe
42. Gary D. Bouma / Haydn Aarons, Religion / Religion . . . . . . . . . . 351
43. Ana Deumert, Ethnicity / Ethnizität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 355
44. Hans Heinrich Blotevogel, Region / Region . . . . . . . . . . . . . . . 360
45. Andreas Gardt, Nation / Nation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 369
46. Werner Georg, Schicht / Class . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 378
47. Uta Gerhardt, Rolle / Role . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 384
48. Klaus Gloy, Norm / Norm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 392
49. David Lasagabaster, Attitude / Einstellung . . . . . . . . . . . . . . . 399
50. Lothar Krappmann, Identität / Identity . . . . . . . . . . . . . . . . . 405
51. Hermann Strasser / Norbert Brömme, Prestige und Stigma / Prestige and
Stigma . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 412
52. Ute Schönpflug, Individuum / Individual . . . . . . . . . . . . . . . . 417
53. Rudolf Fisch, Gruppe / Group . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 423
54. Uta Gerhardt, Situation / Situation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 430
55. Michael Schenk / Alexander Bergs, Netzwerk / Network . . . . . . . . 438
56. Hartmut Häußermann, Stadt / City . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 443
57. Hermann Strasser / Norbert Brömme, Stand und Kaste / Orders and
Castes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 461
58. Hans J. Hummell, Institution / Institution . . . . . . . . . . . . . . . . 467
59. Wolfgang Lipp, Subkultur / Subculture . . . . . . . . . . . . . . . . . 478
60. Rosita Rindler Schjerve, Minderheit / Minority . . . . . . . . . . . . . 480
61. Glyn Williams, Community / Gemeinschaft . . . . . . . . . . . . . . . 486
IV. The Social Implications of Levels of Linguistic Analysis
Soziale Implikationen von Sprachanalyse-Ebenen
62. Ernest W.B. Hess-Lüttich, Die sozialsymbolische Funktion der Sprache /
The Social Symbolic Function of Language . . . . . . . . . . . . . . . 491
63. Bernd Pompino-Marschall, Phonetics / Phonetik . . . . . . . . . . . . 503
64. Silke Hamann / Marzena Zygis, Phonology / Phonologie . . . . . . . . 512
65. Rüdiger Harnisch, Morphologie / Morphology . . . . . . . . . . . . . 522
66. David Singleton / Jeffrey L. Kallen, Lexicon / Lexikon . . . . . . . . . 530
67. Werner Kummer, Syntax / Syntax . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 540
68. Martina Rost-Roth / Almut Zwengel, Semantik / Semantics . . . . . . 546
69. Jochen Rehbein / Shinichi Kameyama, Pragmatik / Pragmatics . . . . . 556
70. Shana Poplack, Code-Switching / Sprachwechsel . . . . . . . . . . . . 589
71. Deborah Schiffrin, Discourse / Diskurs . . . . . . . . . . . . . . . . . 597
72. Sachiko Ide / Chikako Sakurai, Politeness Forms / Höflichkeitsformen 605
73. Konstanze Jungbluth / Brigitte Schlieben-Lange †, Text / Text . . . . . 614
74. Utz Maas, Geschriebene Sprache / Written Language . . . . . . . . . 633
75. Gerhard Augst, Orthografie / Orthography . . . . . . . . . . . . . . . 646
76. Hartmut Traunmüller, Paralinguale Phänomene / Paralinguistic
Phenomena . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 653
77. Harald G. Wallbott †, Nonverbale Phänomene / Nonverbal Phenomena 666
78. Bencie Woll / Rachel Sutton-Spence, Sign Language / Zeichensprache 677
Contents / Inhalt XI
V. The History of Sociolinguistics
Geschichte der Soziolinguistik
79. Hans Goebl, Vorsoziolinguistische Entwicklungen in der Erforschung
von Sprache und Gesellschaft / Pre-Sociolinguistic Developments in
the Research on Language and Society . . . . . . . . . . . . . . . . . 684
80. Norbert Dittmar, Forschungsgeschichte der Soziolinguistik (seit Ver-
wendung dieses Ausdrucks) / History of Research on Sociolinguistics
(after the Coining of the Term) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 698
81. Raphael Berthele, Dialektsoziologie – Soziolinguistische Aspekte
der Dialektologie / Dialect Sociology – Sociolinguistic Aspects of
Dialectology . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 721
82. Fritz Schütze / Jörg Meindl, Die Rolle der Sprache in der soziologischen
Forschung – historisch gesehen / The Role of Language in Sociological
Research – in a Historical Perspective . . . . . . . . . . . . . . . . . . 739
83. Harald Haarmann, Sociolinguistic Aspects of Cultural Anthropology /
Soziolinguistische Aspekte der Kulturanthropologie . . . . . . . . . . 769
84. Martin Steinseifer / Jean Baptiste Marcellesi / Abdou Elimam,
Marxian Approaches to Sociolinguistics / Marxistische Ansätze der
Soziolinguistik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 786
85. Michael Clyne, History of Research on Language Contact / Geschichte
der Sprachkontaktforschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 799
86. Ian Hancock / Ana Deumert, History of Research on Pidgins and
Creoles / Geschichte der Pidgin- und Kreolforschung . . . . . . . . . 806
87. Harald Haarmann, Geschichte der Anwendungen der Soziolinguistik /
History of Application of Sociolinguistics . . . . . . . . . . . . . . . . 818
88. Wolfgang Serbser, Forschungsgeschichte des symbolischen Inter-
aktionismus / History of Research on Symbolic Interaction . . . . . . 836
Volume 3/ 3. Teilband
IX. Regional Overview
Regionaler Überblick
169. Lars Vikør, Scandinavia / Skandinavien
170. Li Wei, The British Isles / Die Britischen Inseln
171. Roland Willemyns, The Low Countries / Niederlande
172. Ulrich Ammon, Die deutschsprachigen Länder / The German-
Speaking Countries
172a. Walter Haas, Die Schweiz / Switzerland
173. Françoise Gadet, France / Frankreich
174. Edgar Radtke, Italy / Italien
175. Juan Andrés Villena Ponsoda, The Iberian Peninsula / Die Iberische
Halbinsel
176. Miklós Kontra, Hungarian In and Outside Hungary / Ungarisch in und
außerhalb Ungarns
XII Contents / Inhalt
177. Klaus Steinke, Rumänien und Moldau / Romania and Moldavia
178. Gerhard Neweklowski, Die südslawische Region / The South-
Slavic Area
179. Wladyslaw Luba´ s, Die westslawischen Sprachen / The West-
Slavic Languages
180. Karl Gutschmidt, Die ostslavische Region / The East-Slavic Area
181. Ina Druviete, The Baltic States / Die baltischen Staaten
182. Ian Hancock, Gipsy Languages / Zigeunersprachen
183. Victor A. Friedmann, Albania / Albanien
184. Peter Trudgill / Daniel Schreier, Greece and Cyprus / Griechenland
und Zypern
185. Lars Johanson / Elisabetta Ragagnin, Central Asia and Mongolia /
Zentralasien und Mongolei
186a. George Hewitt, Georgia / Georgien
186b. Jos. J. S. Weitenberg, Armenia / Armenien
187. Birgit N. Schlyter, Turkey / Türkei
188. Yahya Modarresi, Iran, Afghanistan and Tajikistan / Iran,
Afghanistan und Tadschikistan
189. Enam Al-Wer, The Arabic-speaking Middle East / Der arabisch-
sprachige Mittlere Osten
190. Bernard Spolsky, Israel and the Jewish Languages / Israel und die
jüdischen Sprachen
191. Clive Holes, The Arabian Peninsula and Iraq / Die Arabische
Halbinsel und der Irak
192. Keith Walter, North Africa / Nordafrika
193. Louis-Jean Calvet, Francophone West Africa / Das frankophone
Westafrika
194. Ronny Meyer, Sudan and the Horn of Africa / Sudan und das Horn
von Afrika
195. Magnus Huber, Anglophone West Africa / Das anglophone Westafrika
196. Silvester Ron Simango, East Africa / Ostafrika
197. Louis-Jean Calvet, Democratic Republic of Congo, Rwanda and
Burundi / Die demokratische Republic Congo, Ruanda und Burundi
198. Emilio Bonvini, Lusophone Africa / Das lusophone Afrika
199. Tore Janson, Southern Africa / Südliches Afrika
200. Robert Chaudenson, Madagascar and the Comoros / Madagaskar
und die Komoren
201. Robert Chaudenson, The Indian Ocean / Der Indische Ozean
202. Braj B. Kachru, South Asia / Südasien
203. Cheng Tien-mu / Fritz Pasierbsky China / China
204. David Bradley, Mainland Southeast Asia / Südostasiatisches Festland
205. Lars Vikør, Malaysia and Insular Southeast Asia / Malaysia und
insulares Südostasien
206. Shinji Sanada, Japan und Korea / Japan and Korea
Contents / Inhalt XIII
207. Anne Pauwels, Australia and New Zealand / Australien und Neuseeland
208. Andrew Pawley, The South Pacific / Der südliche Pazifik
209. John Edwards, Canada / Kanada
210. Lyle Campbell, The USA / Die USA
211. Cecilia Cutler / Stephanie Hackert / Chanti Seymour, Bermuda and
the Bahamas / Bermuda und Bahamas
212. Yolanda Lastra, Mexico and Central America / Mittelamerika
212a. Ralph Penny, The Hispanophone Caribbean / Die hispanophone
Karibik
213. Hubert Devonish, The Anglophone Caribbean / Die anglophone
Karibik
214. Jean Bernabé, The Francophone Caribbean / Die frankophone Karibik
215. Marta Dijkhoff / Silvia Kouwenberg / Paul Tjon Sie Fat, The Dutch-
speaking Caribbean / Die niederländischsprachige Karibik
216. Rainer Enrique Hamel / Pedro Martín Butragueño, Hispanophone
South America / Hispanophones Südamerika
217. Maria Marta Pereira Scherre, Brazil / Brasilien
218. Daniel Schreier / Andrea Sudbury / Sheila Wilson, English in the South
Atlantic Ocean / Englisch im Süd-Atlantik
X. Linguistic Change, Sociolinguistic Aspects
Sprachwandel, soziolinguistische Aspekte
219. Ana Deumert, The Relationship between Linguistic and Social Change /
Das Verhältnis von sprachlichem und sozialem Wandel
220. Utz Maas, Der Übergang von Oralität zu Skribalität in soziolinguisti-
scher Perspektive / The Change from Oral to Written Communication
from a Sociolinguistic Perspective
221. Joachim Gessinger, Alphabetisierung von Sprachgemeinschaften /
The Alphabetization of Speech Communities
222. Edgar Radtke, Konvergenz und Divergenz regionaler Varietäten /
Convergence and Divergence of Regional Varieties
223. Frantiˇ sek Daneˇ s, Herausbildung und Reform von Standardsprachen
und Destandardisierung / Development and Reform of Standard
Languages and Destandardization
224. Jiˇ ri V. Neustupn´ y, Sociolinguistic Aspects of Social Modernization /
Soziolinguistische Aspekte gesellschaftlicher Modernisierung
225. Jiˇ ri Nekvapil, The Development of Languages for Special Purposes /
Herausbildung von Fachsprachen
226. Robert Phillipson, Colonisation and Decolonisation / Kolonisation
und Dekolonisation
227. Rainer Enrique Hamel, The Development of Language Empires /
Entwicklung von Sprachimperien
228. Wolfgang Dressler / Rudolf de Cillia, Spracherhaltung – Sprachverfall –
Sprachtod / Language Maintenance, Language Decline and Language
Death
XIV Contents / Inhalt
229. Paul Kerswill, Migration and Language / Migration und Sprache
230. Marinel Gerritsen / Roeland van Hout, Sociolinguistic Developments as
a Diffusion Process / Soziolinguistische Entwicklungen als Diffusions-
prozesse
231. Robert Phillipson, Language Spread / Sprachverbreitung
232. Paul T. Roberge, Language History and Historical Sociolinguistics /
Sprachgeschichte und historische Soziolinguistik
XI. Application
Anwendung
233. John Gibbons, Forensic Sociolinguistics / Forensische Soziolinguistik
234. Roger W. Shuy, Discourse Analysis and the Law / Diskursanalyse
und Recht
235. Nikolas Coupland / Virpi Ylänne-McEwen, The Sociolinguistics of
Ageing / Soziolinguistik des Alterns
236. Jenny Cheshire, Sociolinguistics and Mother-tongue Education /
Soziolinguistik und Muttersprachdidaktik
237. Sarah Michaels / Richard Sohmer / Mary Catherine O’ Connor,
Discourse in the Classroom / Diskurs im Schulunterricht
238. Marilyn Martin-Jones, Sociolinguistics and Second Language
Teaching / Soziolinguistik und Zweitsprachunterricht
239. Helga Bister-Broosen, Sociolinguistics and Foreign Language Teaching /
Soziolinguistik und Fremdsprachenunterricht
240. Helge Omdal, Language Planning: Standardization / Sprachplanung
und Standardisierung
241. Ana Deumert, Language Planning – Language Determination /
Sprachplanung – Sprachdeterminierung
242. Harald Haarmann, Language Planning: Graphization and the
Development of Writing Systems / Graphisation und die Entwicklung
von Schreibsystemen
243. Rodolfo Jacobson, Language Planning: Modernization / Sprach-
planung: Modernisierung
244. Götz Kaufmann, Language Maintenance and Reversing Language
Shift / Spracherhalt und Umkehr von Sprachumstellung
245. Aaron Bar-Adon, Language Revival / Sprachwiederbelebung
246. Frantiˇ sek Daneˇ s, Sprachpflege / Language Cultivation
247. Ulrich Püschel, Lexikographie und Soziolinguistik / Lexicography
and Sociolinguistics
248. Ludwig Eichinger, Soziolinguistik und Sprachminderheiten / Socio-
linguistics and Linguistic Minorities
249. Claude Piron, Choosing an Official Language
250. Helga Kotthoff, Angewandte feministische Linguistik / Applied
Feminist Linguistics
251. Walt Wolfram, Sociolinguistics and Speech and Language Pathology /
Soziolinguistik und Sprachtherapie
252. Robin Tolmach Lakoff, Therapeutic Discourse / Therapeutischer Diskurs
Contents / Inhalt XV
253. Helen Spencer-Oatey, Sociolinguistics and Intercultural Communi-
cation / Soziolinguistik und interkulturelle Kommunikation
254. Carolyn Temple Adger / Donna Christian, Applied Social Dialectology /
Angewandte Sozialdialektologie
255. Reinhard Fiehler, Rhetorik / Rhetoric
256. Matthias Jung, Aufklärung von ideologischem Sprachgebrauch /
Revealing the Implications of Ideological Language Use
257. Tove Skutnabb-Kangas, Linguistic Human Rights / Sprachliche
Menschenrechte
Index of Subjects / Sachregister
89. Cultural Sociology 855
1. Defining culture and meaning – The
dilemma
2. Bourdieu, culture and power: an overview
3. Language and symbolic power
4. The contemporary relevance of Bourdieu’s
approach to language
5. Conclusion
6. Literature (selected)
Conceptualizations of culture and its rela-
tionship to language have long been ridden
with theoretical and methodological diffi-
culties. Such apories have prevented an inte-
grated but differentiated examination of lan-
guage and linguistic productions in a
properly epistemologically defined cultural
context. The following discussion will show
that sociological approaches that have fo-
cused on language and culture almost in-
variably position themselves on different
sides of the old objectivism / subjectivism
debate without providing conceptualiz-
ations of either culture or language that
would allow the overcoming of this episte-
mological division. Such an analytical
stance can only provide one-sided views of
culture and social uses of language, and pre-
vents any attempt at constructing a coherent
and integrated approach of such issues.
Moreover, such partial views of the ways in
which culture and linguistic productions are
related to social structure necessarily pre-
clude scientific examinations of the social
conditions of production of cultural / lin-
guistic products. The discussion will show
that Pierre Bourdieu’s conceptualizations of
the relationships between culture, social
structure and linguistic productions provide
an epistemologically satisfying resolution of
traditional dilemmas in the study of culture
and society – objectivism / subjectivism,
structure / agency, determination / freedom,
to mention only a few formulations of these
dilemmas. As a result, Bourdieu is able to
provide a coherent and, at the same time,
differentiated approach of culture and so-
ciety that is able to grasp – make available
for sociological / anthropological examin-
ation – the socially constructed aspects of
linguistic productions.
1. Defining culture and meaning –
The dilemma
The concept of “culture” itself is utterly
problematic. In the opening paragraphs of
his essay on “thick description” (Geertz
1973), Clifford Geertz lists the different defi-
nitions of this concept as mentioned in
Clyde Kluckhohn’s Mirror for Man –
“(1)‘the total way of life of a people’; (2) ‘the
social legacy the individual acquires from
his group’; (3) ‘a way of thinking, feeling
and believing’; (4) ‘an abstraction from be-
havior’; (5) a theory on the part of the an-
thropologist about the way in which a group
of people in fact behave; (6) a ‘storehouse of
pooled learning’; (7) ‘a set of standardized
orientations to recurrent problems’; (8)
‘learned behavior’; (9) a mechanism for the
normative regulation of behavior; (10) ‘a set
of techniques for adjusting both to the exter-
nal environment and to other men’; (11) ‘a
precipitate of history’” (Geertz 1973, 4, 5).
This list perfectly illustrates a point made
by Orville Lee III (Lee 1988), that anthro-
pologists and sociologists are better at dis-
cussing what culture does than at defining
what it is. Additionally, these different defi-
nitions conceptualize culture as either the
normative framework for behavior or the
behavior itself without clearly specifying the
conditions of possibility of moving from one
level to the other. In other words, these defi-
nitions distinguish between two domains
under the jurisdiction of culture without es-
tablishing the relationships between them;
that culture regulates behavior is obvious;
how it does so cannot be explained away by
learning or internalization. This conceptual
VI. Neighbouring Disciplines
Nachbarwissenschaften
89. Cultural Sociology/ Kultursoziologie
856 VI. Neighbouring Disciplines
difficulty reflects the broader dilemma of
the sociological study of culture: either to
study the abstract normative framework
that accounts for statistical regularities (the
objectivist level) or to examine social actors’
actual behavior and thinking patterns (the
subjectivist level) with specific attention to
processes of interactions and intersubjective
understanding / construction of these ab-
stract structures; each approach annihilat-
ing the relevance of the other in the process.
Of course, the objectivist approach to cul-
ture par excellence is structuralism, illus-
trated particularly the towering figure of
Claude Levi-Strauss (Levi-Strauss 1969).
Structural anthropology is the translation to
the field of social sciences of Saussure’s for-
mal linguistics. Saussure’s (Saussure 1974)
distinction between language (la langue)
and speech (la parole) proved seminal for
the scientific study of language. Language,
for structural linguistics, is the abstract
mental structure, the whole linguistic sys-
tem, the deep structure. Speech is the surface
manifestation, defined as the temporary,
partial use of the system in real situations of
linguistic use. For Saussure, only the struc-
ture of the former is the proper object of
scientific study. Further more, the linguistic
system is composed of linguistic signs, them-
selves based on the arbitrary relationship
between a signifier and a signified. Meaning
is established as relationships between lin-
guistic signs, not by speakers’s intentions or
reflection of reality. Therefore, the logic of
the system is based on relationships of op-
positions and differences.
Levi-Strauss (Levi-Strauss 1969) applied
this logic of distinction and opposition to
the different components of cultural sys-
tems: kinships structures and myths are ana-
lyzed in relational terms rather than, re-
spectively, in terms of filiation or content.
Moreover, the formal models derived from
such coding of oppositions and differences
reflect the universal reasoning mechanisms
of the human mind; this is why such systems
of oppositions can be found in all kinship
structures and mythologies. In other words,
from a structuralist perspective, individual
cultural systems and elements are the equiv-
alent of speech, a specific manifestation of
the general system, not to be analyzed in
terms of their unique content but as part of
a larger system of oppositions to be unveiled
(because not publicly or consciously avail-
able to agents) through structural analysis.
At the other end of the spectrum, we find
the subjectivist side of the epistemological
dilemma. Approaches such as Sartre’s exis-
tentialism, phenomenological sociology, as
illustrated by the work of Alfred Schutz
(Schutz 1970), ethnomethodology (even
though different branches of the ethnome-
thodological program could be classified
differently), all interpretive approaches or
rational actor theory are representative of
this trend. These approaches emphasize vol-
untarism, interactions, intersubjectivity and
social actors’ understanding of their circum-
stances basis for meaning and action. The
implication of such an analytical stance is
that meaning – as created in and through ac-
tions – is immediately and visibly available
and constitutive of culture, thereby rejecting
the deep / surface structures division. Such a
conception is present in Geertz’s essay on
“thick description” (Geertz 1973, 5): ‘The
concept of culture I espouse (…) is essen-
tially a semiotic one. Believing, with Max
Weber, that man is an animal suspended in
webs of significance he himself has spun, I
take culture to be those webs, and the analy-
sis to be therefore not an experimental
science in search of law but an interpretive
one in search of meaning.’
However, it should be noted that there are
differences between Geertz’s conceptualiz-
ation of meaning and that of rational action
theories or phenomenology. On the one
hand, for rational action theories (Elster
1986), man is mostly homo economicus,
consciously devising strategies to maximize
profits. Such individual motivations pro-
duce individual strategies and intentional
actions. On the other hand, Alfred Schutz’s
(Schutz 1970) phenomenological sociology
focuses its analysis on action as experienced
by the actor from within the natural attitude
of everyday life. The natural attitude is the
experience of the world as given, factual,
real, stable, ‘out there’, external to the indi-
vidual, experienced in common. From this
perspective, culture and social structure are
experienced in this taken-for-granted basis
and constitute the stable and familiar back-
ground for action. Meaning is the product
of both the natural attitude and the actor’s
use of commonsense knowledge. Common-
sense knowledge consists of typifications,
social in nature, stored in a stock of knowl-
edge whose structure varies according to
practical relevances. Most of these typifi-
cations are acquired through language and
89. Cultural Sociology 857
only some of these from direct observations.
In addition, as part of the natural attitude,
actors operate under the assumption of
‘reciprocity of perspectives’ – things appear
to be the same for ego and alter; hence, mu-
tual understanding is possible.
Such a conception seems close to Geertz’s
idea that ‘culture consists of socially estab-
lished structures of meaning’ (Geertz 1973,
12) with the noticeable difference that
Geertz emphasizes the social, as opposed to
individual or psychological, basis of mean-
ing (Lee 1988, 117). For Geertz, endorsing
here Wittgenstein’s claims against mentalist
depictions of meaning in favor of praxeo-
logical accounts (Wittgenstein 1958, also,
for a detailed explanation of Wittgenstein’s
ideas, see Monnier 1998), there is no need to
focus on individual experience since ‘culture
is public because meaning is’ (Geertz 1973,
12); therefore, all meaningful behavior is
cultural because it is intelligible only by vir-
tue of embedded in structures of meaning
that are cultural / social in nature. As a me-
thodological policy, ‘thick description’ (a
term borrowed from British analytical phil-
osopher Gilbert Ryle – Ryle 1957) is the abil-
ity to interpret signs and actions within their
structures of meaning, or, to use the now fa-
mous example described by Geertz, to be
able to make the difference between a twitch
and a wink (Geertz 1973, 6); ‘Analysis, then,
is sorting out the structures of signification
(…) and determining their social ground
and import’ (Geertz 1973, 9), in other
words, finding the proper public / available
frame of interpretation for actions and be-
haviors.
Finally, ethnomethodology radicalizes
such assumptions one step further by ex-
ploring the ways in which meaning and
other cultural elements are emergent prod-
ucts of social situations and interactions. In
other words, if culture is a normative order,
it is not an order external to situations but
an order produced from within social situ-
ations. Harold Garfinkel’s project, when he
wrote his Studies in Ethnomethodology (Gar-
finkel 1984), was to make empirically visible
and available for examination presupposi-
tions of common culture at the basis of the
production of meaning and action. If mean-
ing is an emergent product of social situ-
ations and interactions, then, this is where
the analytical focus should be: how do
members of society produce their actions so
as to make them understandable / recogniz-
able as meaningful actions? In other words,
where Geertz assumes the existence of struc-
tures of meaning, ethnomethodologists in-
vestigate the interactional and situational
productions of such structures.
The most empirically prolific branch of
ethnomethodology to study culture and ac-
tion is conversation analysis. Conversation
analysis assumes that meaning is produced
according to the methodical use of a sequen-
tial order that constitutes an ‘architecture of
intersubjectivity’ (Heritage 1984). Determi-
nation of meaning of objects, utterances and
events are decided based on their location
within a given organizational context. If
there is to be a structural context, this con-
text is elaborated and produced in situ,
through the turn-taking organization of in-
teractions (Sacks/Schegloff/Jefferson 1974).
As Peter Eglin explains, ‘members’ knowl-
edge of their society – culture – is methodo-
logical and reflexive, rather than substan-
tive. Not that as members we do not know
substantive ‘things’. Rather ‘knowing that’
is embedded in ‘knowing how’ (Eglin 1980,
126). ‘Methodological’ means here the pro-
cedures to assign meaning to events. Se-
quential location is one such procedure for
understanding. In a sense, with all necessary
cautions, the poststructuralist slogan, ‘there
is nothing outside the text’, could apply
here: there is nothing outside the interaction
and more specifically, outside of the turn-
taking system. Analysis of culture and lin-
guistic productions starts and ends with
situated interactions.
To summarize these developments, when
we try to define culture, we are left with the
alternative of either focusing on uncon-
scious structures and systems that deny the
possibility of agency, as structuralism would
have it, or eliminating the structure alto-
gether and focusing on individuals’ volun-
tarist / economic choices (rational actions),
individuals’ sense making experiences as a
concerted interactive accomplishment with-
in a sequential order (phenomenology / eth-
nomethodology). Both types of approaches
fail to provide a satisfactory theoretical or
methodological solution for a coherent, in-
tegrated and differentiated conception of
culture that would allow the study of cul-
ture, social structure and linguistic produc-
tions. Indeed, it seems that each perspective,
culture-as-structure or culture-as-method,
involves an epistemological impossibility to
conceptualize the other side of the dilemma.
858 VI. Neighbouring Disciplines
Such an impossibility, we will argue, has
been overcome by Pierre Bourdieu in his
sociology of culture and power.
2. Bourdieu, culture and power: an
overview
Pierre Bourdieu is first and foremost a soci-
ologist of culture, but to him, culture is more
than just what we all share by virtue of being
members of a society, language, symbols, in-
stitutions. Culture is a symbolic order. Cul-
ture also provides the basic elements of
domination and of reproduction of that
domination. Culture determines the way we
experience and understand reality, through
communication and interaction. However,
through communication and interaction,
among other cultural elements, are also es-
tablished and reproduced social hierarchies.
In other words, culture embodies power.
Bourdieu provides a conceptualization of
culture and linguistic productions that clar-
ifies the relationships between structural de-
termination and possibility of action while
avoiding the traps of objectivism and subjec-
tivism, in other words, a conceptualization
that takes into account both the existence of
unobservable and unconscious structures
and agents’ interpretations. As Loic Wac-
quant indicates, this involves a double me-
thodological movement: ‘First, we push
aside mundane representations to construct
the objective structures (spaces of posi-
tions), the distribution of socially efficient
resources that define the external con-
straints bearing on interactions and repre-
sentations. Second, we reintroduce the im-
mediate, lived experience of agents in order
to explicate the categories of perception and
appreciation (dispositions) that structure
their actions from inside’ (Bourdieu/ Wac-
quant 1992, 11). This double move is illus-
trated particularly well by the impressive
collective work under Bourdieu’s direction,
La Misere Du Monde (Bourdieu 1995). In
this work, each chapter, corresponding to
different interviews and addressing different
aspects of the research, is composed of two
parts: an objectivist moment, abstracted
from agents’ representations but framing
these at the same time (epistemological
break), and a more subjectivist moment
where the text of the interviews is extensively
transcribed to reflect agents’ formulations
of their situation within the objective condi-
tions specified in the first moment. Such an
organization shows that objective structures
are the first order of analysis while represen-
tations are a second order. This organization
also establishes the absence of separation
but the relational logic between structures
and agency. This relational logic is best illus-
trated by Bourdieu’s central concepts of
habitus and fields, which represent the con-
ceptual solution to the objectivism / subjec-
tivism dilemmas.
As the now famous definition indicates,
habitus is system of ‘durable, transposable
dispositions, structured structures predis-
posed to function as structuring structures,
that is as principles which generate and or-
ganize practices and representations that
can be objectively adapted to their outcomes
without presupposing a conscious aiming at
ends or an express mastery of the operations
necessary in order to attain them’ (Bourdieu
1990, 53). Habitus is a set of dispositions
that incline agents to act (speak, move, ges-
ture) and react in certain ways (appreciate,
dislike, contempt, etc.). These dispositions
generate practices and attitudes that are
regular, and seemingly natural and subjec-
tive, without being consciously controlled
by the individual. In Reproduction, Bour-
dieu defines habitus as ‘product of struc-
tures, producer of practices, and reproducer
of structures’ (Bourdieu/Passeron 1977).
To say that these dispositions are incul-
cated means that they are acquired through
the process of socialization: children are in-
culcated a sense of the social hierarchies and
of their own position, through the acquisi-
tion of ways of speaking, table manners, cul-
tural tastes (Bourdieu 1984). The body and
mind are socialized such that actors learn to
feel “naturally” at ease in certain settings
(close to their own habitus) and “out of
place” in others (distant from their own habi-
tus). The dispositions produced through so-
cialization are also structured in the sense
that they necessarily reflect the social condi-
tions within which they were acquired. An in-
dividual from a working-class background
will have acquired dispositions which are dif-
ferent from those acquired by individuals
brought up in a middle-class environment.
From the start, the individual’s subjectivity is
in fact, the product of being socialized into a
specific part of a stratified social order. This
explains why people belonging to the same
social background usually feel comfortable
with one another; having experienced the
similar material and social conditions create
89. Cultural Sociology 859
common dispositions (again, cultural tastes
and ways of being). These dispositions are
also durable in that they constitute the indi-
vidual’s long-lasting ways of doing, being,
perceiving, speaking; acquired during child-
hood, they are not conscious, therefore not
easy to change. These dispositions are gen-
erative and transposable; this means that
they endow the actor with a capacity to act
and perceive in many different situations
(agency). Habitus is what gives consistency
to a social actor’s persona.
For Bourdieu, and this will be a central
consideration when applied to language,
habitus is not just a way of thinking and
feeling, this is also a way of the body. This is
easy to understand when we compare the
way boys and girls are socialized to eat,
walk, sit, laugh, talk differently. Social hier-
archies are incorporated in the body, – a
bodily hexis, the socially structured habits of
the body; as Bourdieu defines it, ‘bodily
hexis is political mythology realized, em-
bodied, turned into a permanent disposi-
tion, a durable way of standing, speaking,
walking, and thereby of feeling and think-
ing’ (Bourdieu 1990, 69, 70). These hier-
archies are reproduced through the minute
practices of agents, unwittingly.
The habitus is the set of dispositions that
endows actors with a capacity to act, but
they do so in specific settings and situations
that may or may not be consistent with the
settings in which the habitus was acquired.
Thus, an actor’s practice will not be just a
product of habitus but a product of the re-
lation between habitus and the specific con-
text at hand (here, the structuralist influence
is clear).
In Bourdieu’s words, such settings are
fields or market: ‘field defines the structure
of the social setting in which habitus oper-
ates’ (Swartz 1997, 117) or a structured
space of positions hierarchically interrelated
(dominant / dominated) on the basis of the
unequal distribution of different kinds of re-
sources or capital: economic (material
wealth), cultural (knowledge, skills, edu-
cational credentials), social (relationships,
networks, connections), symbolic (prestige)
or linguistic. Through their habitus, social
actors are endowed different amounts of dif-
ferent capitals and different types of capital
have different values depending on the field.
The economic sphere, literature, arts, re-
ligion, politics are examples of fields; each
of these fields are characterized by their own
sets of positions, their differential distribu-
tion of capital and the value of the different
products, evaluated according to a logic spe-
cific to each field and which is not necess-
arily an economic logic in the usual sense.
Social agents use strategies to increase their
amount of the kind of capital valued in the
specific field, this may not necessarily be
economic capital or to impose their defini-
tion of what is legitimate in the field. En-
dowed with different amount of different
kinds of capital, social agents are not
equally positioned in a field, so that the
chances of modifying the distribution of
capital and of improving their position with-
in the field may be limited.
For instance, in the educational field, as
developed in Reproduction (Bourdieu/Pass-
eron 1977), middle-class and upper-class
children are better positioned to take the
most advantage of the settings and to suc-
ceed because there is a consistency between
their habitus and the educational field; their
productions are more likely to be valued
than those of working-class or lower-class
students whose habitus place them at dis-
tance from what is valued in the field. The
homology between the habitus of middle-
class and upper class students places them in
the best positions within the educational
field, where their economic advantage is re-
inforced by their easier access to the rewards
provided by the educational system (cultural
capital). And in turn, this cultural advan-
tage can be translated into economically ad-
vantageous positions on the job market; that
is, the cultural capital can be translated into
economic capital, hence the reproduction of
social stratification.
In addition, because of this homology be-
tween middle-class habitus and educational
field, middle-class and upper-class students
are more likely to feel “naturally at home”
within the educational system because of the
correspondence between their academic
products (in terms of speaking and writing
in the way valued by the system) and the ex-
pectations and requirements of the edu-
cational setting. Conversely, because their
products, especially linguistic or intellec-
tual, are devalued, working-class and lower
class students are more likely to feel alien-
ated and that school ‘is not for people like
them’ (self-defeating strategy), with the con-
sequence of leaving the field at an early
stage. In other words, they are more likely to
experience symbolic violence – defined as
860 VI. Neighbouring Disciplines
the shift, in advanced societies ‘from overt
coercion and the threat of physical violence
to forms of symbolic manipulation’ (Swartz
1997, 82). Placed in a situation of cultural
and educational disadvantage because of an
initial economic handicap, working-class
and lower-class students are unable to ac-
quire the cultural capital translatable into
economic capital, hence again, the repro-
duction of social stratification, in addition
to the feeling of not belonging.
Concepts of habitus, field and capital are
Bourdieu’s successful transcendence of the
objectivism / subjectivism dilemma. These
concepts account for the existence of uncon-
scious objective structures at the same time
that they provide for the actions, as de-
scribed by the famous formula: [(habitus)
(capital)] + field = practices (Swartz 1997,
141).
3. Language and symbolic power
Culture, of course, involves language; for
Bourdieu, language and culture cannot be
analyzed separately; the specificity of Bour-
dieu’s approach is that language has to be
analyzed in the context of its conditions of
production and reception. In this respect,
Bourdieu integrates some insights from the
formalist linguistics initiated by Saussure
but clearly rejects basic assumptions from
this approach (Bourdieu 1991, 54).
Without entering into the details of for-
mal linguistics, a summary of the basic
points that Bourdieu challenges can be pro-
posed: for Saussure (Saussure 1974), speech
is not the proper object of analysis because
it does not give access to the fundamental
underlying linguistic structures; actual
speech acts are just one of many possible
combinations of linguistic elements; the lin-
guist has to access the whole system, the
deep structure rather than the surface ex-
pressions. The same methodological stance
was later captured by Chomsky’s distinction
between competence (deep structure) and
performance (speech) (Chomsky 1965). The
general point is that formal linguistics estab-
lished as its proper object an abstract con-
struct that has no practical existence. For
Bourdieu, this methodological move detach-
es analytical activity from the reality of lin-
guistic activity as struggle for distinction in
specific fields. What is lost in the process is
the cultural and social nature of linguistic
activities. Language is treated just as the
product of rules of grammar and not as a so-
cial and practical phenomenon, as it should
be for Bourdieu.
What constitutes the proper object of
analysis, for Bourdieu, is the way language is
used in the production and reproduction of
domination; language, as part of the bodily
hexis, is one of the cultural and symbolic re-
sources through which actors can achieve
profits of distinction, that is, mark them-
selves linguistically within a specific field. In
other words, there is, for Bourdieu, a lin-
guistic habitus, a set of dispositions to speak
(that is, to articulate) in a certain manner, to
say certain things, and a learned capacity to
properly use linguistic resources in certain
situations without embarrassing oneself or
feeling out of place and having to stay mute
(Thompson 1991, 37).
Any linguistic expression is not used in
abstracto but in specific fields or in specific
linguistic markets where these products take
their specific values, sanctions and rewards
according to the specific configuration of
the market, organized as a field of struggle
and power. The most common example that
can be given is the educational situation
where linguistic expressions are not just
products of rules of grammar but a reflec-
tion (and a reproduction) of the relations of
power specific to that field. The educational
situation is a setting where authority is
unevenly distributed among the participants
and that authority is recognized as legit-
imate by the dominated participants (stu-
dents). The authority whose “natural” in-
cumbent is the teacher, far from being a
“natural” fact, reflects historical institu-
tionalized power relations. This authority
takes its “naturalness” from the fact that it is
recognized as legitimate, that is, misrecog-
nized as arbitrary. For Bourdieu, there is no
better and more absolute dominance than
the one that takes on the clothes of natural-
ness.
The linguistic market determines what
can be said and what values are attributed to
the linguistic products. Therefore, the actors
endowed with a linguistic habitus with a
structure close to that of the linguistic mar-
ket in question will see their products highly
valued, while those actors with a linguistic
habitus at odds with the structure of lin-
guistic market will see their linguistic prod-
ucts poorly valued and dismissed. The deter-
mination of what is valued and what is not is
the result of political struggle.
89. Cultural Sociology 861
The best example of such a struggle is
given by Bourdieu himself in his description
of the historical and political processes at
work (and their correlative relations of
power) in the constitution of a unified lin-
guistic market in France, where the use of
standard French would be valued and the
use of local or regional dialects would be dis-
missed as of no value. People in positions of
power would be the ones speaking French.
Those actors who already possessed it were
given a privileged position in the establishing
of the nation-state, while those lacking this
linguistic competence would occupy domi-
nated positions; only the linguistic compet-
ence in French mattered, the ability to speak
several local dialects would be devalued.
Linguistic differences were thereby reflec-
tions of social differences.
The educational system would play an
important part in this constitution of the
linguistic market by inculcating the domi-
nant language (presented as national lan-
guage). The educational system would legit-
imate the use of French at the expense of
dialects; the only language worth being
taught by professionals would be standard
French. The educational system worked as a
huge normalizing machine for the new uni-
fied labor market. This move also corre-
sponded to the development of an import-
ant state bureaucracy whose members were
chosen on the basis of their educational cre-
dentials.
If Bourdieu is critical of formal lin-
guistics, he is also critical of approaches to
language that were more attentive to speech
activities and social conditions of produc-
tion. Austin (Austin 1962) is certainly the
philosopher that initiated the analysis of
speech acts. The notion of “performative” is
designed to capture the notion that utter-
ances are not just correct grammatical ex-
pressions of meaning; utterances are speech
acts, that is, activities in their own right, pro-
duced and treated as such by speakers and
hearers.
But performatives are not utterances that
accomplish certain activities by themselves;
specific conditions have to be met in order
for the performative to really “perform”.
These felicity conditions are not specifically
grammatical, they are institutional and so-
cial; the utterance “I declare you husband
and wife” is a performative only if said by
the appropriate person (a priest) authorized
to perform a ceremony (and recognized as
legitimate by the audience), under the ap-
propriate circumstances (a wedding and not,
say, a mass), at the appropriate time in the
situation. If these conditions are not met,
the utterance will fail to perform the ex-
pected action.
The problem that Bourdieu sees in Aus-
tin’s conceptualizations and the speech act
approach (Searle’s work, for instance), is
that these insights on the institutional and
social nature of felicity conditions are not
developed and retreat back to the strictly
linguistic dimension of performative utter-
ances (as in Searle’s work on the promise,
Searle 1969). Rather than focusing on the
external factors that give language and ut-
terances their authority and performative
capacity, speech act theorists return to the
linguistic model and focus on internal fac-
tors of performativity.
The power of words, for Bourdieu, does
not reside in the words themselves, but in
the social, political and institutional real-
ities of the fields in which these words are
uttered. This is why neither formal lin-
guistics, nor interactional and pragmatic
approaches – such as conversation analysis –
get to the real social nature of linguistic ex-
changes, which is a political economy, with
its power relations situated on specific mar-
kets. For Bourdieu, there can be no ideal
speech situations (Habermas 1984) that
would allow expressions free from con-
straints and power relations. Ideal speech
situations are abstractions that also miss
the fundamental nature of linguistic activ-
ities as products of culture: to produce and
reproduce relations of power and domi-
nance.
There is clearly a conjunction between
Bourdieu’s approach to language and the
work of sociolinguists like William Labov
(Labov 1972). In his studies of language in
department stores and language in Inner
Cities, Labov identified the different ways of
speaking of middle-class and working-class
and the logic of dominance in linguistic ex-
changes. Labov aptly located these differ-
ences not so much in what is spoken but on
different articulatory styles. Both noticed
the tendency to euphemism used by middle-
class speakers, the use of hedges and phrase
fillers, in Labov’s terms. But where Labov
only sees bourgeois verbosity – which Bour-
dieu defines as ‘populism’: ‘the inverted cel-
ebration of the autonomy and integrity of
popular cultural forms’ (Bourdieu/Wac-
862 VI. Neighbouring Disciplines
quant 1992, 84n.29) – and tries to rehabili-
tate popular speaking, Bourdieu sees a strat-
egy of distinction, the way through which
middle-class speakers mark their distance to
language, just as they are able to mark their
distance to economic necessity without os-
tentation. The attention to style at the ex-
pense of content is a specificity of bourgeois
speaking, but not simply as verbal inflation,
but as distinction, the capacity to distance
one’s speech from its pure function of com-
munication.
If Bourdieu is in agreement with Labov’s
insights, the point of contention is, for
Bourdieu, Labov’s insistence to rehabilitate
popular language and ways of speaking
(Bourdieu 1991, 82, 89). For Bourdieu,
Labov forgets what his own studies have
shown: that the linguistic norm is accepted
and recognized as legitimate by the whole
linguistic community, including those who
occupy a dominated position. For instance,
in Labov’s study of department stores, he
showed that working class salespersons
confronted with upper-class customers
adopt the linguistic style of their customers,
at the expense of their own working-class
accent, thereby accepting unwittingly the
necessity for them to modify their linguistic
expressions, that is to normalize their lin-
guistic products according to the logic of
the field. Therefore, for Bourdieu, class
domination runs deeper than Labov seems
to estimate; the dominated seem to have no
interest in rehabilitating their own linguistic
practices but feel the need to normalize
their speech in ‘formal’ situation, thereby
accepting their linguistic / symbolic domi-
nation.
4. The contemporary relevance of
Bourdieu’s approach to language
In 1986, California passed a ballot proposi-
tion that declared English to be the official
language of the state, as a result of lobbying
by English-only organizations. In 1998,
English-only organizations pressed for Cali-
fornia ballot initiative, Proposition 227, to
limit instruction of immigrant children to
one year in their native language before they
moved into classes taught in English. They
argue that they are not trying to discrimi-
nate against immigrants but trying to inte-
grate them more quickly. Latino civil rights
leaders have pointed out the discriminatory
nature of bilingual programs in public
schools. Research has shown that the elimin-
ation of bilingual programs is positively cor-
related with dropping out of school. What is
ironic is that most immigrants not only rec-
ognize that English is the language of social
and official discourse in the US, but learn it.
Last year, 40,000 immigrants were turned
away or were on waiting lists for adult Eng-
lish classes in Los Angeles alone.
The debate over bilingual education
clearly indicates the relevance of Bourdieu’s
conceptualizations on language. The insist-
ence on English as the only language to be
taught in indicates a struggle for dominance
in the field of education. The acceptance of
bilingual programs, where teachers use both
language and children are also supposed to
learn both would mean the loss of a ‘natural’
advantage for English-speaking students
over the peers with limited English profi-
ciency. In an educational context where
standard English is the norm, middle-class
and upper-class students possess the ‘right’
kind of habitus, homologous to the require-
ments of the field. The insistence on the ex-
clusive use of standard English reflects the
struggle for the maintenance of this advan-
tage given to middle-class and upper-class
students with an Anglo background.
The rejection of bilingual education is the
rejection of a reorganization of the field
where the linguistic expressions and products
of the usually dominated and devalued stu-
dents would suddenly gain value. To produce
valued linguistic expressions, for middle-class
and upper-class students, would mean to
place themselves in a not-so-dominant posi-
tion, since they would have to face the same
kind of obstacles Latino students do. The
positions and their interrelations within the
field would be modified in favor of students
from non-Anglo background. Moreover, if
bilingual education implies the use by teach-
ers of Spanish or Ebonics, this would chal-
lenge the idea of standard English as the de-
sirable norm and dominant language.
We realize that what is at stake for the
English-only organizations, is not so much a
rapid assimilation of immigrant children, but
maintenance of an educational status quo
beneficial to certain categories of students, a
status quo that maintains unequal education,
therefore unequal opportunities for students.
It is a known fact that Latino students have
the highest dropping-out-of-school rate. This
could be explained by the feeling of alien-
ation that such students feel in an environ-
89. Cultural Sociology 863
ment where their linguistic and intellectual
products are not valued, where their lin-
guistic competence in their native language is
treated as a handicap rather than an asset,
that is, where they are most likely to experi-
ence symbolic violence.
We find again here the shortcomings
Bourdieu found in Labov: the positive ree-
valuation of dominated students’ linguistic
products does not change the basic fact that
English is the dominant language, the for-
mal language. The norm is something that
imposed itself as natural to the whole lin-
guistic community; immigrants themselves
want their children to learn English, as a
pathway to economic opportunities. They
recognize standard English as the dominant
language. The fact of Latino students speak-
ing English does not have the same meaning
as American students speaking Spanish. To
understand this idea, it is enough to re-
member presidential candidates Al Gore
and George W. Bush addressing Latino
audiences in Spanish; the fact that this was
noticed by the media involves what Bour-
dieu calls the “symbolic negation of the hier-
archy” (Bourdieu 1982, 62). For Bourdieu,
only people sure of their status and their
dominance can pretend to deny the existence
of linguistic hierarchies that reflect social
hierarchies; Latinos addressing these candi-
dates (one is Vice-President, the other is
Governor of Texas) would certainly never
think of doing so in Spanish. Thus, by using
a dominated language, both officials rein-
force the objective hierarchy by pretending
to ignore it. Only they can step out of for-
mality, precisely by virtue of their authority.
Another area of linguistic contention in
the contemporary debate about education
in the United States has to do with the use
of Ebonics, or Black English. This contro-
versy is reminiscent of Basil Bernstein’s
(Bernstein 1964) conceptualization of lin-
guistic codes that translate into educational
disadvantage for already socially disadvan-
taged students. This issue has to do with the
labeling and tracking of minority students
within the educational system if they do not
know how to speak standard English and
use another language (Spanish) or dialect
(Black English). And because the system is
unable to teach minority children to speak
and write standard English, it reproduces
the social inequality it is supposed to re-
duce, placing minority students at a disad-
vantage.
As Farley (Farley 2000, 398f.) has aptly
described, Black English is not an inferior
version of standard English, even though it
is often considered as such by educators.
Black English was considered to be anarch-
ic, not adequately structured and not to have
the syntactic richness of standard English
(Deutsch 1963, 174), resulting in children
with poor linguistic capacities. Subsequent
research in sociolinguistics has shown that
this is not the case; Black English is a struc-
tured language, with rules comparable to
those of standard English; it is a variation of
standard English, not an inferior or de-
graded version of it; Black English is also a
cultural product in that it integrates el-
ements rooted in Western African languages.
It still remains that students using Black
English were considered culturally deprived
and this often resulted in tracking decisions
based on the idea that black students were il-
literate or slow learners. It is a known fact
that minority students are more likely to be
defined as learning-disabled on the basis of
their scores on standardized testing. This, in
turn, created low expectations from teachers
for these students, and consequently, lower
achievements. This self-fulfilling prophecy is
common knowledge among social scientists
specialized in education. The stigma at-
tached to the use of Black English creates
conditions under which black students
achievement is made more difficult and less
expected and considered.
Farley (Farley 2000, 399) also noticed a
class difference: middle-class black students
were more adept at code-switching (Bern-
stein 1964) than lower-class black students.
Middle-class black students were able to
gain mastery of both Black English and
standard English and to use either one of
them in appropriate situations (standard
English being used mostly in formal situ-
ations and white-dominated settings). For
lower-class black students, the mastery of
code-switching was not as easy; they seemed
to have trouble learning standard English,
that is, they were more likely to use Black
English in school (formal situation) where
that specific “code” was labeled inappropri-
ate and reflecting poor linguistic abilities on
the part of the student. For Farley, this re-
flects a difference in the cultural capital of
the parents. Black middle-class parents
speak both Black English and standard
English, while poor children’s parents
usually speak only Black English.
864 VI. Neighbouring Disciplines
It appears that, in the end, the cultural
capital of the parents (a class matter) is more
relevant than the strict racial factor: it is ea-
sier for middle-class students (whatever
their race) to learn standard English, be-
cause it reflects their own habitus, which is
dominant habitus; it is more difficult for
lower-class black students to learn standard
English because it is not part of the cultural
capital transmitted to them by their parents,
thereby participating in the social reproduc-
tion of inequality in the American class
structure. However, even if class is a key fac-
tor, race is still important in that white
working-class children do not suffer from
the disadvantage suffered by black working-
class students. The white working-class
habitus, even if it is a dominated habitus, is
closer to the dominant habitus than that of
working-class black students. Consequently,
in the social reproduction of inequality, the
disadvantage of class is combined with the
disadvantage of race for lower-class and
poor black students.
5. Conclusion
It is obvious that Bourdieu’s conceptualiz-
ation of culture and linguistic products
overcomes the theoretical and methodologi-
cal dilemmas mentioned earlier. As opposed
to structuralism, Bourdieu’s conception of
culture does not require the building of the-
oretical models, completely detached from
social reality, and to be applied back to this
social reality – what Bourdieu (Bourdieu
1977) calls the ‘intellectualist fallacy’, when
‘theoretical explanation is substituted for
the practical mastery or practical intelligi-
bility that actors employ in their actions’
(Swartz 1997, 59). On the other hand, ap-
proaches that assume meaning to be visible,
public, self-evident and self-constructing,
not only miss the presence of unconscious
structures, that notions such as habitus and
fields permit to rescue, but they also, by the
same token, ignore the fundamental dimen-
sion of social life: domination. Indeed, when
conversation analysis focuses exclusively on
turn-taking systems, it dismisses the pres-
ence of preexisting institutional constraints
on speech; it ignores the differential abilities
to speak, the fact that not all actors enter in-
teractions endowed with the same linguistic
capital is not addressed. Conversation
analysis does not deny the existence of insti-
tutional roles; rather it assumes that these
roles are produced from within the situ-
ation.
Against these one-dimensional visions of
social reality, Bourdieu’s relational and dif-
ferentiated yet coherent conceptualization
of culture and cultural products thematizes
both the unconscious and the visible aspects
of practices. It delineates the relationships
between structure and agency, mediated by
the concepts of habitus and field and rees-
tablishes the primacy of power and domi-
nation relations at the core of social life and
as an essential component of culture.
6. Literature (selected)
Austin, John L. (1962) How to Do Things With
Words, Oxford.
Bernstein, Basil (1971–1975) Class, Codes and
Control: Theoretical Studies towards a Sociology
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Bourdieu, Pierre (1977) Outline of A Theory of
Practice, Cambridge, Mass.
–, (1982) Ce Que Parler Veut Dire. L’économie des
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–, (1984) Distinction. A Social Critique of the
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–, (1991) Language and Symbolic Power, Cam-
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Bourdieu, Pierre/Passeron, Jean-Claude (1977)
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Eglin, Peter (1980) “Culture as Method: Location
as An Interactional Device”, in: Journal of Prag-
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Elster, Jon (1986) Rational Choice, New York.
Farley, John (2000) Majority-Minority Relations,
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Garfinkel, Harold (1984) Studies in Ethnometho-
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90. Sozialpsychologie 865
Geertz, Clifford (1973) The Interpretation of Cul-
ture, New York.
Habermas, Jürgen (1984) The Theory of Com-
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Monnier, Christine (1998) The Anatomy of A
Political Spectacle: An Essay in Postanalytic Eth-
nomethodology, Doctoral Dissertation, University
of Manchester, UK.
1. Einführung und Begrenzung des Themas
2. Sozialpsychologie in ihren
Forschungsschwerpunkten
3. Literatur (in Auswahl)
1. Einführung und Begrenzung des
Themas
Im Rahmen eines Handbuchs, in dem
Sprach- und Gesellschaftswissenschaften
vereint zu Wort kommen, darf ein Kapitel
über Sozialpsychologie nicht fehlen. Dies
festzustellen, mag einem Kenner der Mate-
rie überflüssig erscheinen. Doch lässt die
Tatsache, dass die Psychologie weder zu den
Sprachwissenschaften zählt, noch ihr Status
als Sozialwissenschaft konsensuell gesichert
ist, eine Vorüberlegung angeraten erschei-
nen. Denn die Sozialpsychologie, um die es
im Folgenden geht, ist stärker aus psycholo-
gischer als aus soziologischer Perspektive
entwickelt worden, wobei „stärker“ sowohl
die Menge sozialpsychologischer Publika-
tionen wie den Einfluss von Theoriebildung
und Forschung meint. Doch es geht nicht
nur um Fragen der Gewichtung. Beide, die
psychologische wie die soziologische Sozial-
psychologie sind auch disziplinär unter-
schiedlich zu verorten. Das aber heißt, dass
Ryle, Gilbert (1957) The Concept of Mind, Ox-
ford.
Sacks, Harvey/Schegloff E.A./Jefferson Gail
(1974) “A Simplest Systematics for the Organiz-
ation of Turn-Taking for Conversation”, in: Lan-
guage 50, 696 – 735.
Saussure, Ferdinand de (1974) Course in General
Linguistics, London.
Schutz, Alfred (1970) On Phenomenology and So-
cial Relations, Chicago.
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Swartz, David (1997) Culture and Power. The Soci-
ology of Pierre Bourdieu, Chicago.
Thompson, John B. (1991) “Editor’s Introduc-
tion”, in: Language and Symbolic power, Bour-
dieu, P., Cambridge, Mass, 1–31.
Wittgenstein, Ludwig (1958) Philosophical Inves-
tigations, Oxford.
Christine A.Monnier, Illinois (U.S.A.)
sie an verschiedenen universitären Institu-
tionen mit hinreichend verschiedenen Curri-
cula, unterschiedlichen Literaturen, also in
durch Autoren, Theorien und methodologi-
sche Präferenzen durchaus unterscheidba-
ren Referenzsystemen, gelehrt und gelernt
werden. Hinzu kommt, was den denkbaren
Vorteil zweier konkurrierender Orientierun-
gen fast wieder zunichte macht, dass die bei-
den Sozialpsychologien sich weitgehend
voneinander abgeschottet haben, so dass
Jones (1998, 5) dieses Resultat getrennt lau-
fender Institutionalisierungen als „mutuelle
Isolierung und disziplinäre Inzucht“ cha-
rakterisieren kann. Die Gründe für dieses
Schisma liegen in der Geschichte (Grau-
mann, 1979; 2001), auf die hier nur insoweit
eingegangen werden soll, als historische
Entwicklungen die in diesem Kapitel darzu-
stellenden Spielarten und Schwerpunkte so-
zialpsychologischer Forschung verständli-
cher machen können.
Neben der Artikulation der heutigen So-
zialpsychologie nach Perspektiven und For-
schungsschwerpunkten soll, wo es vertret-
bar ist, die Sozialpsychologie der Sprache
thematisiert werden. Diese Akzentsetzung
lässt sich nicht nur mit der Rahmen-thema-
tik dieses Handbuches rechtfertigen. Viel-
90. Sozialpsychologie/ Social Psychology
866 VI. Neighbouring Disciplines
mehr hat Sprache, vor allem Sprachge-
brauch, seit der letzten Auflage von 1987 in
der Sozialpsychologie deutlich an Promi-
nenz gewonnen, so dass sie heute als Thema
nicht mehr aus ihr wegzudenken ist (vgl. Se-
min/Fiedler, 1992).
2. Sozialpsychologie in ihren
Forschungsschwerpunkten
Was im Folgenden als Forschungsschwer-
punkte der Sozialpsychologie angesprochen
und skizziert wird, lehnt sich an mittlerweile
üblich gewordene Differenzierungen der So-
zialpsychologie an (Graumann 2001; Doise
1986; Higgins/Kruglanski 1996; Stephan/
Stephan/ Pettigrew 1991). Die Schwerpunk-
te der Forschung ergeben sich aus unter-
schiedlichen Orientierungen bzw. Analyse-
ebenen, je nachdem, ob das Erkenntnis-
interesse sich auf das Individuum, auf inter-
individuelle Prozesse und Beziehungen oder
auf soziale Strukturen, wie Gruppen oder
im (sozialpsychologischen) Grenzfall auf die
Gesellschaft im Ganzen richtet.
2.1. Schwerpunkt auf dem Individuum
Was die heute dominante Individuumszen-
triertheit der Sozialpsychologie betrifft, ist
ein kurzer historischer Hinweis unvermeid-
lich. Denn sowohl aus der Innen- wie der
Außenperspektive ist die sich zu Anfang des
20. Jahrhunderts bildende Sozialpsycholo-
gie Individualpsychologie gewesen. Die Au-
ßenansicht mag der für die Gründung der
Soziologie wesentliche Georg Simmel (1908,
425) repräsentieren; für ihn war die Sozial-
psychologie nicht einmal „ein nebengeord-
netes Pendant der individuellen Psycholo-
gie, sondern … ein Teilgebiet eben dieser“.
Alles, was über die (eng gezogenen) Grenzen
des Individuums hinausreicht, wie schon
das einander Anblicken, zählt zur „Verge-
sellschaftung“ und gehört damit für Simmel
in die Soziologie. Aber dass die Sozialpsy-
chologie „eine Wissenschaft vom individuel-
len Verhalten und Bewußtsein“ sei, betont
auch F.H. Allport (1924, 1) in dem ersten
und lange Zeit einflussreichen Lehrbuch der
Sozialpsychologie. Dieser theoretische und
schon bei Allport methodologische Indivi-
dualismus, den die Sozialpsychologie also
mit der Allgemeinen Psychologie teilt, hat
bis heute die dominante Perspektive gesetzt.
Innerhalb dieses Rahmens ist der Unter-
schied zur Allgemeinen Psychologie auch
denkbar gering. Die Hauptthemen, die die
Allgemeine differenzieren, gliedern auch die
Sozialpsychologie: Wahrnehmung, Kogniti-
on, Emotion, Motivation werden durch Vo-
ranstellung des Attributs „sozial“ zu Haupt-
kapiteln der Sozialpsychologie. Wurde im
Rahmen des behavioristischen Paradigmas
ein „Reiz“ zu einem „sozialen Reiz“, wenn
er der „Reaktion“ eines anderen Individu-
ums zuzuordnen war, so heißt in der heuti-
gen kognitiven Sozialpsychologie (oder Psy-
chologie der Informationsverarbeitung) eine
„Kognition“ bzw. „Information“ immer dann
„sozial“, wenn sie auf Andere (und das heißt
in der Regel auf andere Individuen) verweist.
Was die frühe Sozialpsychologie (etwa F.H.
Allports) in terminis von „responses“ am Indi-
viduum festmachte, ist durch den gegenwärti-
gen Fokus auf „(soziale) Kognition“ vollends
in das Innere des homo psychologicus verlegt,
so dass man ohne Übertreibung sagen kann,
dass die kognitive Sozialpsychologie der
Untersuchung intrapersonaler Prozesse und
Strukturen dient.
Diese Untersuchung hat seit den zwanzi-
ger Jahren das wissenschaftliche Profil der
Sozialpsychologie geprägt. Von Anfang an
und über Dekaden hinweg war die Erfor-
schung sozialer Einstellungen oder Attitü-
den so zentral, dass sie fast zur Definition
der Sozialpsychologie diente. Den Grund
für das starke Interesse an der Erforschung
(und nicht zuletzt der Messung) sozialer
Einstellungen, die heute, kurz gesagt, als
evaluative Reaktionstendenzen begriffen
werden, war in der für die Praxis relevanten
Annahme zu finden, dass (1), wer die Ein-
stellung eines Individuums zu einem sozia-
len Sachverhalt kennt, auch dessen diesbe-
zügliches Verhalten vorhersagen könne und
(2), um das Verhalten von Menschen zu än-
dern, man zuerst einmal deren Einstellung
verändern müsse. Bei einer derartigen An-
nahme verwundert es nicht, dass, wer immer
daran interessiert ist, aus politischen, wirt-
schaftlichen, pädagogischen oder anderen
sozialen Interessen das Verhalten seiner
Mitmenschen im Sinne dieser Interessen zu
verändern, zu den Mitteln der Einstellungs-
messung und -änderung gegriffen hat und
dies auch heute noch tut, obwohl die Bezie-
hung zwischen Einstellung und Verhalten
inzwischen als differenzierter und komple-
xer verstanden wird (Eagley/Chaiken, 1993).
Jüngeren Datums, doch seit den siebziger
Jahren von beachtlichem Einfluss auf die so-
zialpsychologische Forschung, ist das Inte-
90. Sozialpsychologie 867
resse an einem intrapersonalen Prozess der
Erklärung fremden und eigenen Verhaltens
durch dessen Zuweisung (Attribution) zu
mutmaßlichen (äußeren wie inneren) Ursa-
chen. Die heute miteinander konkurrieren-
den (hauptsächlich vier) Attributionstheo-
rien beleuchten unterschiedliche Facetten
alltäglicher Handlungserklärungen, sind –
vielleicht aus diesem Grunde – bisher nicht
zu einer Integration gekommen, finden aber
auf jeder analytischen Ebene sozialpsycho-
logischer Forschung Verwendung, also auch
auf dem interindividuellen, dem Intergrup-
pen- und dem Gesellschafts-Niveau (Hew-
stone, 1989; Försterling, 2001).
Mit Einstellung und Attribution sind nur
zwei, wenngleich historisch bedeutsame,
Themen des zentralen, sehr umfangreichen
und forschungsintensiven Bereiches der so-
zialen Kognition angesprochen. Unter die-
sem Titel werden alle (intrapersonalen) Pro-
zesse und Strukturen behandelt, die dem
Erwerb, der Speicherung, der Repräsentati-
on und dem Abruf sozialen Wissens dienen,
bei der Wahrnehmung und der Beurteilung
anderer und der eigenen Person (Selbst).
In dieser weiten Fassung läuft das Kon-
zept der „sozialen Kognition“ die gleiche
Gefahr wie vor Dekaden das der „sozialen
Einstellung“, nämlich ein Synonym zu wer-
den für Sozialpsychologie. Der Primat des
Kognitiven hat einigen Themen der zeitge-
nössischen Sozialpsychologie eine besonde-
re Prominenz verliehen, etwa dem der sozia-
len Kategorisierung, die man als Herzstück
der Repräsentation der Wirklichkeit anse-
hen kann. Mit Hilfe sozialer Kategorien
ordnen und vereinfachen wir die Mannigfal-
tigkeit der physischen wie der sozialen Reiz-
welt. Der dabei ins Spiel kommenden Mittel
und Techniken, wie Schemata, Stereotype,
Heuristiken und Urteilstendenzen (biases)
sind wichtige Kapitel der Kognitionsfor-
schung der Sozialpsychologie gewidmet
(vgl. Wyer/Srull, 1994).
2.2. Schwerpunkt auf interpersonalen
Beziehungen und Interaktionen
Die Idee, das Forschungsinteresse vom Indi-
viduum weg auf das zu verlagern, was sich
zwischen Individuen oder zwischen Indi-
viduen und sozialen Aggregaten und Struk-
turen abspielt, mag für den eingefleischten
methodologischen Individualisten eine hoff-
nungslose, wenn nicht sinnfreie Utopie sein:
Wo anders als am Individuum kann man Be-
obachtungen und Messungen machen? Zwi-
schen Individuen ist methodologisch, wenn
nicht ontologisch, nichts Psychisches oder
Soziales, also nichts, das für eine Sozialpsy-
chologie relevant wäre.
Doch gibt es, seit Wilhelm Wundt, einer
der Begründer einer wissenschaftlichen Psy-
chologie, den Versuch machte, diese auf zwei
komplementäre Fundamente zu stellen, ne-
ben einer individuellen und experimentellen
Psychologie eine (damals „Völkerpsycholo-
gie“ genannte), deren Forschungsschwer-
punkte die „Wechselwirkung“ zwischen vie-
len Einzelnen, zwischen Einzelnen und ihrer
Gemeinschaft und die aus solchen Wech-
selwirkungen resultierenden (kulturellen)
Produkte waren. Unter den nur aus interin-
dividueller Wechselwirkung verstehbaren
Erzeugnissen stand bei Wundt (1900–1920)
an erster Stelle die Sprache. Sie ist insofern
Modellfall für die Psychologen interessie-
rende Wechselwirkung, als sie
(a) aus der Interaktion vieler entsteht,
(b) die Voraussetzung für zwischenmensch-
liche Kommunikation ist und
(c) als entwickeltes Gebilde selbst in Wech-
selwirkung mit den sich ihrer bedienen-
den Individuen steht.
Ähnliches gilt für die anderen aus der Wech-
selwirkung vieler entstehenden kulturellen
Gebilde wie Mythos, Religion, Sitte und
Recht.
Noch einen theoretisch bedeutsamen
Schritt weiter als Wundt ist George H. Mead
(1978) gegangen, für den das menschliche
Bewusstsein sozial, d. h. interaktional, kon-
stituiert wird. Diesem Primat des Sozialen
entspricht, dass die an Mead und dem ihm
folgenden „symbolischen Interaktionismus“
anschließende empirische Forschung sich
vorwiegend in der soziologischen Sozialpsy-
chologie findet.
In der psychologischen Sozialpsychologie
finden sich Untersuchungen echter Wechsel-
wirkung, also reziproker Interaktion, am
ehesten im Bereich interpersonaler Kommu-
nikation und Beziehungen und, teilweise, in
der Kleingruppenforschung. Doch schon der
Schwerpunkt auf dem Individuum, der den
überwiegenden Teil der experimentellen sozi-
alpsychologischen Forschung ausmacht, ist
nicht auf die Untersuchung intrapersonaler
Prozesse und Strukturen beschränkt. Ein ei-
gener Akzent liegt auf der Analyse der Kon-
zeption, die Individuen von sich selbst, von
ihrer Identität haben und miteinander teilen.
Nicht zuletzt durch den Kontext und den
wachsenden Einfluss der auf Tajfel und Tur-
868 VI. Neighbouring Disciplines
ner zurückgehenden „Theorie der sozialen
Identität“ (Abrams/Hogg, 1990) ist die Fra-
ge der Identität in den Kontext der Bezie-
hungen zwischen Personen bzw. Gruppen
gerückt worden. Dabei wird jeweils das
Selbstverständnis aus dem sozialen Ver-
gleich (und entsprechenden Kategorisierun-
gen) gewonnen: im Falle der persönlichen
Identität aus dem Vergleich mit (meist nahe-
stehenden) Individuen und deren Persön-
lichkeit(sstruktur). Im darauf nicht redu-
zierbaren Fall sozialer Identität geht es
dagegen um ein Gruppenphänomen (s. 2.3.).
Im Bereich interpersonaler Phänomene ha-
ben bis in die heutige Sozialpsychologie Pro-
bleme der sozialen Beeinflussung, des proso-
zialen (altruistischen) und des antisozialen
(aggressiven) Verhaltens, sowie der wechsel-
seitigen Anziehung einen festen Platz auf
der Forschungsagenda. Lediglich im Bereich
der interpersonalen Kommunikation hat
sich eine Neuerung durchgesetzt. Neben die
immer schon betriebene Erforschung der
nonverbalen Kommunikation ist (man ist
versucht zu sagen: endlich) auch die der
sprachlichen Kommunikation getreten, was
eine eigene Zeitschrift (The Journal of
Language and Social Psychology, seit 1982),
ein spezielles Handbuch (Giles/Robinson
1990), repräsentative Kapitel in den Hand-
büchern der Sozialpsychologie (Krauss/
Chiu 1998; Krauss/Fussell 1996) und eine
Reihe von Forschungsmonographien sozial-
psychologischer Orientierung (z. B. Marko-
va et al. 1995; Semin/Fiedler 1992) doku-
mentieren. (Auf rein sprachpsychologische
Publikationen gehe ich in diesem Kontext
nicht ein.)
Das erstaunlich späte Interesse der Sozi-
alpsychologie an sprachlicher Kommunika-
tion hat einmal methodologische Gründe.
Sowohl der Primat des Experiments wie die
Komplexität und Kulturspezifität der Spra-
che ließ die auf Dyaden beschränkte nonver-
bale Kommunikation als bevorzugtes For-
schungsparadigma erscheinen. Doch mit
dem Interesse an sozialer Kognition stellte
sich immer dringender die Frage, wie Kogni-
tionen sozial auch im Sinne ihrer Verbrei-
tung werden: Was man je nach Theorie „so-
ziale Repräsentation“ (Moscovici) oder
„sozial geteilte Kognition“ (Resnick et al.,
1991) nennt, bedarf der sprachlichen Ver-
mittlung.
Es ist also ein letztlich genuin sozialpsy-
chologisches Interesse, die Rolle der Sprache
und die Modalitäten des Sprachgebrauchs
bei der Vermittlung sozialer Kognitionen
mit in die Forschung einzubeziehen. Vor al-
lem Robert Krauss und seine MitarbeiterIn-
nen haben die wichtigen Fragestellungen im
Kontext Sprache und soziales Verhalten ex-
pliziert. Davon können hier nur wenige an-
gesprochen werden. Am Anfang steht ihr
Versuch, Forschungsansätze und -ergebnis-
se in eine nach vier Kommunikationsmodel-
len konzipierte Ordnung zu bringen.
Kurz skizziert, handelt es sich bei dem,
was Krauss et al. (1996; 1998) das Enkodier-
Dekodier-Modell nennen, um das ursprüng-
lich im Kontext der Informationstheorie
entworfene Modell der Nachrichtenvermitt-
lung. Modelle, die sie als „intentionalisti-
sche“ bezeichnen, gehen davon aus, dass er-
folgreiche Kommunikation den Austausch
von „kommunikativen Intentionen“ im-
pliziert, als dessen Paradigma die an das
„Kooperationsprinzip“ gebundenen Kon-
versationsmaximen, aber auch die „Spre-
chakttheorie“ gelten kann. Ein wiederum
anderer Akzent, nämlich der Orientierung
am Adressaten, kennzeichnet alle „Modelle
der Perspektivenübernahme“, die einem
Grundgedanken von George Herbert Mead
(1978) verpflichtet sind, aber vor allem in
der Sozialpsychologie angewendet werden.
Der auf Bachtin zurückgehende Typus des
dialogischen Modells, der wohl als letzter in
der Sozialpsychologie Fuß gefasst hat (Mar-
kova/Foppa 1990; Markova et al. 1995;
Wertsch 1991), setzt als für das Verständnis
von Sprache verbindliches Bezugssystem
den Dialog an, dessen Sinn nicht wie bei den
genannten Modellen in der Übermittlung
von Information, sondern primär in der
Konstitution von Intersubjektivität zu sehen
ist. Diesem Ziel dient die zu jeder Kommu-
nikation gehörende Übermittlung von In-
formation, deren Reziprozität im dialogi-
schen Modell besonders betont wird.
2.3. Schwerpunkt auf Gruppe und Kollektiv
Während am Anfang der modernen Sozial-
psychologie das Interesse an der sogenann-
ten Kleingruppe so stark war, dass ihre Er-
forschung, speziell der „Gruppendynamik“,
als ein neues und zukunftsweisendes Para-
digma angesehen wurde, spielen heute weni-
ger die Gruppen als Einheit als vielmehr die
Gruppenzugehörigkeit und die damit ver-
bundenen Identifikations- und Kategorisie-
rungsprozesse der Gruppenmitglieder eine
Rolle. Wie schon angedeutet, wird (im Un-
terschied zu personaler) die soziale Identität
90. Sozialpsychologie 869
aus der Zugehörigkeit zu einer Gruppe her-
geleitet. Entsprechend den verschiedenen Zu-
gehörigkeiten bzw. Mitgliedschaften haben
Individuen auch mehrere verschiedene so-
ziale Identitäten.
Bei den zu solchen Identitäten führenden
Identifikationsprozessen spielt die Sprache
mehrfach entscheidend mit. Schon die Kate-
gorisierungsprozesse, die mit jeder Identifi-
kation einhergehen, setzen je nach Benen-
nung andere Akzente und vor allem andere
Werte. Je nach Kategorisierung als „Frei-
heitskämpfer“, als „Rebell“, „Aufrührer“
oder gar als „Terrorist“ wird ein Kämpfer in
einem Krieg oder Bürgerkrieg nicht nur an-
ders wahrgenommen und beurteilt, sondern
auch anders behandelt. Unterschiedliche
Namen sind nicht nur linguistische (seman-
tische), sondern auch soziale Markierungen.
Das im Enddefekt diskriminierende Belegen
mit pejorativen sprachlichen Etiketten ist
eine vielgeübte Technik sprachlicher Ag-
gression (Graumann 1998), die oft der phy-
sischen Aggression vorausgeht bzw. sie
bekräftigt. Eine Reihe von empirischen Un-
tersuchungen der letzten Jahre hat den
Nachweis erbracht, dass „subtile“ Diskrimi-
nierungen, die im Sinne der Sprechakttheo-
rie indirekt und implizit sind, sozial genau
so wirkungsvoll werden können wie direkte
und explizite Diskriminierungen der Zuge-
hörigkeit zu einer anderen ethnischen, reli-
giösen, politischen oder Geschlechter-Kate-
gorie.
2.4. Psychologie der Gesellschaft
Mit der analytischen Ebene einer Psycholo-
gie der Gesellschaft vollziehen wir entweder
den (als kontinuierlich anzusetzenden)
Übergang zu einer soziologischen Sozial-
psychologie, zu dem im Französischen als
socio-psychologie bezeichneten Zwischen-
reich zwischen Soziologie und Psychologie
oder aber den Rückgang auf Anfänge der
Sozialpsychologie, die zumindest das Pro-
gramm einer „Psychologie der Gesellschaft“
hatte. Wenn in der modernen Psychologie
die Rede von einer societal psychology ist
(Himmelweit/Gaskell 1990), dann ist die
schon in der „Völkerpsychologie“ themati-
sierte Wechselwirkung gemeint, die wir zwi-
schen den kulturellen Gebilden einer Gesell-
schaft und ihren Mitgliedern ansetzen. Sie
verlagert den Fokus der Forschung weg von
dem in der (psychologischen) Sozialpsycho-
logie favorisierten Individuum, aber auch
weg von den in der Soziologie bevorzugt
untersuchten sozialen Strukturen und Insti-
tutionen. Stattdessen erfolgt eine Rückbesin-
nung auf eine soziokulturelle Matrix indivi-
duellen Erlebens und zwischenmenschlichen
Verhaltens. Die Aufmerksamkeit des Sozial-
psychologen richtet sich stärker als bisher auf
die Dualität und Interaktion von kognitiver
Verarbeitung und sozialer Regulation.
Wie vollzieht sich der tatsächlich beob-
achtbare und der fälschlich, aber öffentlich
propagierte soziale Wandel konkret als
Wandel von Wert- und speziell Moralvor-
stellungen, von sozialen Repräsentationen
und naiven Theorien über natürliche, ökol-
logische, ökonomische, allgemein: soziale
Sachverhalte? Ändert sich die Realität (neh-
men wir das Beispiel „wachsende Jugendkri-
minalität“) oder ändert sich nur unsere
Wahrnehmung? Und wieviel davon ist wirk-
lich unsere Wahrnehmung, wieviel veröf-
fentlichte Meinung?
Solche von einer auf die Gesellschaft ge-
richteten Sozialpsychologie aufgeworfenen
Fragen legen eine Vereinigung (oder Wie-
dervereinigung) sozial- und kulturpsycholo-
gischer Perspektiven nahe. Die lange Zeit
dekontextualisierten (vorwiegend intraper-
sonalen) Phänomene der Sozialpsychologie
bringen mit dem Versuch, sie wieder stärker
im gesellschaftlichen Kontext zu sehen, die
„kulturelle Matrix“ sozialen Erlebens und
Verhaltens auf die Agenda der Sozialpsy-
chologie. Mit einer stärker kulturpsycholo-
gischen Orientierung verbinden denn auch
die jüngsten Handbücher der Sozialpsycho-
logie ihre Zukunftserwartungen.
Wie schon bei der „Völkerpsychologie“
kommt dabei der Sprache eine zentrale Be-
deutung zu. Eine Sozialpsychologie, die
sich, wie es Hilde Himmelweit (1990) gefor-
dert und zu realisieren begonnen hat, der ge-
sellschaftlichen Realität öffnet, wird sich al-
lerdings auch stärker als bisher den Chancen
und dem Risiko der Interdisziplinarität öff-
nen.
3. Literatur (in Auswahl)
Abrams, Dominic/Hogg, Michael A., eds., (1990)
Social Identity Theory: Constructive and Critical
Advances, New York.
Allport, Floyd H. (1924) Social Psychology, Bos-
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Doise, Willem (1986) Levels of Explanation in So-
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Eagley, Alice/Chaiken, Shelly (1993) The Psycho-
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870 VI. Neighbouring Disciplines
Försterling, Friedrich (2001) Attribution. An In-
troduction to Theories, Research and Applications.
Hove.
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chologen vor der Interaktion. Ein Schisma und
seine Geschichte“, in: Zeitschrift für Sozialpsy-
chologie 10, 284–304.
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chapter in the social psychology of aggression“,
in: Journal of the Theory of Social Behaviour 28,
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cally“, in: Introduction to Social Psychology, 3rd
ed., Hewstone M./Stroebe W., eds., Oxford, 3–22.
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Cognitive Processes to Collective Beliefs, Oxford.
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book of Social Psychology, vol. 1, Gilbert, D.T./
Fiske, S.T./Lindzey, G., eds., Boston, Mass., 3–57.
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munication“, in: Social Psychology. Handbook of
Basic Principles, Higgins, E.T./Kruglanski, A.W.,
eds., New York, 655–701.
Krauss, Robert, M./Chiu, Chi-Yue (1998)
„Language and social behavior“, in: The Hand-
1. Introduction: the scope of the disciplines
2. Methods and themes
3. Unity and diversity of speech during
evolution and in different cultures
4. Conflicting methods, difficult delimitations,
shared subjects
5. Literature (selected)
1. Introduction: the scope of the
disciplines
Ethnology originates from the discovery of
“the other”: otherness is manifested by ot-
her cultures, other societies, other behavio-
urs, the way of life of individuals within the-
se systems and the mechanisms of estab-
book of Social Psychology, 4th ed., Gilbert, D.T./
Fiske, S.T./Lindzey, G., eds., vol. 2, Boston,
Mass., 41–88.
Markovà, Ivana/Foppa, Klaus, eds., (1990) The
Dynamics of Dialogue, New York.
Markovà, Ivana/Graumann, Carl F./Foppa,
Klaus, eds., (1995) Mutualities in Dialogue; Cam-
bridge.
Mead, George H. (1978) Geist, Identität und Ge-
sellschaft, Frankfurt/Main.
Resnick, Lauren B./Levine, John M./Teasley, Ste-
phanie D., eds., (1991) Perspectives on Socially
Shared Cognition, Washington, D.C.
Semin, Gün R./Fiedler, Klaus, eds., (1992)
Language, Interaction and Social Cognition, Lon-
don.
Simmel, Georg [1908] (1968) Soziologie – Unter-
suchungen über die Formen der Vergesellschaftung,
5. Aufl., Berlin.
Stephan, Cookie W./Stephan, Walter G./ Petti-
grew, Thomas F., eds., (1991) The Future of Social
Psychology, New York.
Wertsch, James V. (1991) Voices of the Mind. A
Sociocultural Approach to Mediated Action, Lon-
don.
Wundt, Wilhelm (1900–1920) Völkerpsychologie –
Eine Untersuchung der Entwicklungsgesetze von
Sprache, Mythos und Sitte, 10 Bde., Leipzig.
Wyer, Robert S./Srull, Thomas K., eds., (1994)
Handbook of Social Cognition, 2nd ed., 2 vols.,
Hillsdale, NJ.
Carl-Friedrich Graumann, Heidelberg
(Deutschland)
lishing the identity of groups and peoples.
Differences and, consequently, similarities
as starting-points hint at the paradox that
ethnology as a science can hardly transcend
the observer’s viewpoint. Stating differences
tempts observers to ask whether matters
could be different in one’s own society: the
understanding of differences leads to uto-
pian ideas. Otherness can be partial, detach-
ed from the territory occupied by a group or
tribe, consisting in bundles of self-ascribed
characteristics: ethnology studying ethnicity
fades into culture studies and sociology. The
favoured object of American cultural an-
thropology since Boas was “culture”: the
variability of cultures and the pliability of
91. Ethnology and Anthropology/Ethnologie und Anthropologie
91. Ethnology and Anthropology 871
ity within otherwise uncontrollable variability.
Sign systems express cultures, thus, one could
think of ethnosemiotics as a kind of meta-eth-
nology (Singer 1994; Parmentier 1997). Eth-
nological facts lend themselves to being used,
ordered, and interpreted by other disciplines,
probably all of them reducing, explaining (and
covering up) otherness, which remains the eth-
nologist’s primal object (philosophy: Cassirer
1923–1929; biology: Eibl-Eibesfeldt 1997; psy-
chology: Wundt 1900–1920; Bischof 1996;
law: Fikentscher 1995). No clear-cut bound-
aries to other disciplines seem to exist, these
disciplines easily exploit ethnological facts,
and ethnological works may be undetermined
by theory and epistemology: all this suggests
that methods, objects, and themes are of prime
importance for ethnology.
2. Methods and themes
Ethnologists have studied “tribal societies,
peasant villages, or bands of hunter-ga-
therers in remote parts of the world” (Salz-
mann 1998, 2); insofar as they study also
modern societies they would turn into soci-
ologists if they were not committed to a
“holistic approach”: they study kinship,
marriage, socialization, rites of passage, co-
operation, conflict management, exchange
and trading-partnerships, ritual, magic, dis-
ease, curing-ceremonies, religion, myths,
dance, worldview, cognition, classification,
symbols, reference to space and time – to
name some of the most important and per-
sistent themes – in order to place all these
components into their cultural context and
to treat them as parts of a whole or a system.
E.g. economic exchange is related with mar-
riage and trading-partnerships as well as
with ritualized ways of exchanging objects,
that is with dance and its aesthetic compo-
nents and with religion and myths, which de-
scribe and sustain primordial identity and
social security. Or, to give another example,
individual health and beauty are guaranteed
by the well-being of the whole society which
in turn is the outcome of carrying out all
ceremonies related to gardening, initiating
the boys, and worshipping the ancestors.
Ethnologists tend to treat what could be a
singular theme in other disciplines as “phé-
nomène social total” (M.Mauss, see Poirier
1968, 129–130). The “holistic approach means
emphasizing the connections among the
many different facets of the human condi-
tion” (Salzmann 1998, 2).
Homo sapiens by culture. British social an-
thropology was dominated by the search for
social structures and man’s forming part of
structured groups (see Eriksen 1995; Hen-
dry 1999). Anthropology quite simply ac-
cumulates cultural and biological anthro-
pology, archaeology, and linguistics. The
terms for the discipline(s) merge and become
irrelevant due to and the disappearence of
the traditional societies as main subjects,
multiple and contradicting methods and
theories, the rise of sub-disciplines, e.g. eth-
nolinguistics and linguistic anthropology,
the development of new paradigms, e.g. cog-
nitive and evolutionary anthropology, and
the changing relationships to sociology, psy-
chology, and biology (see Fischer 2003).
Ethnology and sociology have common
ancestors, e.g. E. Durkheim and M. Weber;
social anthropology giving priority to social
organization was at times not distinguish-
able from sociology. In France institutions
and researchers suggest the unity of the dis-
ciplines (Poirier 1968). A division (of la-
bour) can only be made by degrees along the
scales concerning the field of study and
methods, e.g.: tribe or band, small size of
speech community, segmentary society –
state society, nation; egalitarian society –
stratification, hierarchical organization; de-
scent – history; ritual – institutions; nar-
ratives – interviews, quantifiable statements;
holistic study of one society – study also of
subdivisions (e.g. age groups); field work
and participant observation (of unstaged
behaviour) – interviews (giving accounts of
opinions), statistical methods. – In other
words: while ethnology has a well defined
subject of study, namely a tribe and its terri-
tory, “the social” must be established as an
autonomous domain. The distinctions col-
lapse with respect to epistemology, the phe-
nomenology of strangeness or otherness
does not change when attention shifts from
understanding another individual of one’s
own group to reconstructing another tribe’s
universe of meaning. Discovering, describ-
ing, and evaluating concrete otherness is
above all the practical deconstruction of
one’s own position and of balancing indeter-
minacies, while theoretical questions can be
handed over to hermeneutics and postmod-
ern epistemologies.
Understanding is mediated through sign
systems as well as by placing facts within ex-
panded frameworks of psychology, biology,
history, law, providing epistemological secur-
872 VI. Neighbouring Disciplines
Furthermore, ethnology is set apart from
the other social sciences by a “strong field-
work component”. The ethnologist lives for
extended periods of time in the society he
studies, participating in, and being immersed
by, its everyday activities. The unique mixture
of distanced observation and sharing experi-
ences with the people observed is called par-
ticipant observation (see Salzmann 1998,
2–4; Stagl 1993; Illius 2003). The procedures
of the participant observer can be thought of
as a kind of initiation into the life of the
‘other’ society or as a second socialization.
Several developments occur during these
steps from observation toward understand-
ing, translating, and writing down results. In
the past, ethnologists took their informants
as representatives of the other culture; now-
adays informants are turned into collabor-
ators and colleagues: into indiviuals whose
statements should be supplied by series of
interviews or even tests (Wassmann 1992).
The observer will learn to draw a distinction
between etic/emic features, between univers-
ally given and culturally defined and rel-
evant sets of behavioural acts or symbols,
e.g. to express one’s thanks (or to apologize)
words and idioms, formulas of address, ges-
tures, and gifts may be used. However, a spe-
cific culture selects specific acts, for instance
only a (return) gift instead of words or the
facial expression of emotions, only this gift
being emically meaningful in the contexts of
thanking or apologizing. The observer con-
structs a model of how to behave as a native
and models the knowledge required for
members of one culture (such construction
and modelling being the aim of cognitive an-
thropology). Research specifying and evalu-
ating differences presupposes the com-
parative method, which shows, how cultures
transform biologically given facts, respond
to basic needs in different ways, establish
different symbol systems in the same en-
vironments and construct different uni-
verses of meaning in response to the ends of
balancing the individual’s and the commu-
nity’s interests. E.g. genetics would affirm
that ego is related to father’s brothers in (al-
most) the same way as to mother’s bothers,
yet kinship studies show that numerous cul-
tures make a rigorous distinction. Kinship
and marriage also react to the social needs
of exchange and alliance (Lévi-Strauss
1949). Languages refer to the given geo-
graphical space in rather different ways
using absolute models (with terms for the
cardinal directions) and relative models
(deictic systems like ‘here and there’) (Levin-
son 1997, Goddard 1998).
The fieldworker turns ephemeral utter-
ances into systematized statements and oral-
ity into textuality. Besides necessarily being
a translator he also studies processes of en-
textualization and contextualization. By
generalizing observations and decontextual-
izing utterances seemingly permanent valu-
es, ideas, in one word: shareable culture is
constructed. By (re-)contextualizing every-
day accounts as well as sacred and non-
sacred narratives the ethnologist studies the
means of mediation and transmission dur-
ing ritual, performance, and rhetorics. Fin-
ally, he has to be aware of the fact that the
presentation of the data could be ascribed
the mere status of a literary genre or that of
a scientific description. Probably, all ethno-
logical works show an imbalance between
personal accounts and distanced scientific
presentation, maybe, this kindles the aware-
ness of “otherness” as a prerequisite for all
ethnological work, because it consists in
“Auslegung”, in the interpretation of differ-
ences (Kohl 1993). For this “Auslegen” the
role of language as a universal means, as pre-
condition of culture and as part of culture
has increasingly been taken into account, giv-
ing rise to subdisciplines like ethnolinguistics,
the ethnography of speaking, and discourse
studies.
3. Unity and diversity of speech
during evolution and in different
cultures
In the recent decades the supposed differ-
ences between Homo sapiens and the non-
human primates vanished little by little; fea-
tures like play, tool use, war, communication
and manipulation by communication, rit-
ualization, tradition and material culture
have been discovered in the animal kingdom
(e.g. McGrew 1992). The features which
characterize only human beings are symbol
use and the development of a unique sym-
bolic code, namely language, as a precondi-
tion of culture, for the tradition and shaping
of culture, and as a storehouse of culture
(see Deacon 1997). Language is a crucial
component of culture, it is, consequently, a
means of laying bare cultural structures, of
discovering culturally specific constellations
of symbol codes, and of stumbling on cul-
91. Ethnology and Anthropology 873
tural peculiarities. The term linguistic an-
thropology well captures the wide scope of
all kinds of combining anthropology and
linguistics (see Salzmann 1998, 3). The so-
cial uses of the symbolic code are the main
field of the ethnography of speaking, which
studies speaking as a cultural practice and
speech as social performance (see Duranti
1997, 2–9), while recent discourse studies
stress the fact that culture is located in signs,
which circulate and are pieced together in
social practices, the symbolic code being a
vehicle of social interaction and a matter of
negotiation (Urban 1996). Cultural lin-
guistics proposes a new synthesis of (lin-
guistic) anthropology and cognitive lin-
guistics treating speech acts, ways of
speaking, and communicative genres as
scripts, schemas, and models (Palmer 1996,
36). Besides that linguistic method influenced
the models and paradigms of (social and
cultural) anthropology, the most prominent
examples being given by Lévi-Strauss, who
correlated the structure of phonemic sys-
tems mainly consisting of oppositions, the
abstract interplay of signs in cultural struc-
tures, the rules of the exchange of women
and the circulation of goods (Hymes 1983,
192–3; Hainzl 1997). The term culture which
linguistic anthropology loosely defines as
social use of specific sign systems can be
grounded on the systematic whole of all sign
systems and communicative behaviours in
a given culture. If culture consists of that
whole, namely the symbolic meaning of
objects, non-verbal signs and communication,
symbolic actions, rites, ceremonies, and lan-
guage, specific cultures originate from the
“verschiedene Zuordnung von ‘Präsenz’ und
repräsentierenden Systemen,” from “Komple-
mentarität, Korrelierbarkeit, Reflexivität,
Generalisierbarkeit und Aufgabenspezifik
der verschiedenen Codes und der kommu-
nikativen Verhaltensweisen” (Heeschen,
2003). E.g. in tribal societies the initiation of
boys may symbolize renewal, rebirth, growth,
and continuity of the society, while in western
societies these notions are expressed by ab-
stract reasoning, statistics, health indices or
rather strange objects (like flags for identity).
In the same way Halbwachs’ ‘mémoire collec-
tive’ or Assmann’s ‘kulturelles Gedächtnis’ is
not served by language only, but also by differ-
ent and culture-specific symbol systems:
mimesis (learning and memorizing by imi-
tation of actions and ceremonies), objects
(tools, houses, cities, roads indicating one’s
own past or the ancestors’ world), language
and communication (memorizing interac-
tions of one’s lifetime), and, finally, the ‘kul-
turelles Gedächtnis’, consisting of myths,
images, dance, sacred artefacts or mnemo-
topes which establish sense and meaning
beyond one’s lifetime and the individual’s
space (Assmann 1992, 20–60). As far as the
whole of a culture is aimed at, linguistic an-
thropology must be supplemented by se-
miotics, oral tradition, nonverbal signs and
systems of transmission. Again, ethnology
favours a holistic approach against research
strategies of delimiting special areas or par-
ticular subjects.
Linguistic anthropology forming part of
cultural anthropology as formed by Boas,
continued by Hymes, and displayed by Salz-
mann and Foley tends to look for specific
ethnographies of communication neglecting
universal rules of speaking. Language must
have developed in small bands of up to
25 members and in alliances of such bands
of at least 175 members. Only that size guar-
antees marriage, avoidance of incest, and the
likelihood of the tribe’s survival. The size of
today’s last hunter-gatherers and peasant
villages exactly corresponds to the prehis-
toric figures. Associations of above 450
members tend to separate in case of conflict
and in the absence of conflict-managing in-
stitutions. The average size of a language
community, at least that of a communi-
cation unit, could have been around
450 members (for references see Heeschen
2001b). The size correlates with the import-
ance of nonverbal communication in dyads,
families, and intimate circles of related indi-
viduals. First, verbal communication in
face-to-face interaction is characterized by a
high degree of indirection, avoidance of ex-
pressing needs and desires, of asking ques-
tions, and of uttering direct requests. Sec-
ond, allusion, veiled speech and discourse
freed from the burden of regulating behav-
iour or expressing criticism is favoured:
proto-aesthetic, distanced forms of speaking
and the artistic handling of speech develop.
Third, information is not freely given, se-
crecy, thriftiness, riddles, metaphors, pre-
tence, evasive lies and stories told in the
simulative mode thrive. Fourth, language
has the purpose of modelling and mapping
the environment, of referring to space, to
movements, to human and other living
beings, and of enabling human beings to tell
stories. Fifth, one of the main functions
874 VI. Neighbouring Disciplines
speech developed from, or is a by-product
of, is the artistic handling of speech and
everyday storytelling: the phatic commu-
nion realized by speaking, that is, the bonds
and the feeling of togethernes established by
speaking, as well as the means of harmoniz-
ing life in groups (Malinowski 1935; see also
Senft 1997, 10–14). Sixth, a speaker who ad-
dresses himself to a member of another
band or tribe cannot rely on nonverbal
means for the expression of needs and de-
sires, but has to apply oratory, distanced
speech, irony, allusions, in short Bühler’s
representational function of language is
required. Seventh, the survival value of lan-
guage is proved by stories: by myths describ-
ing paths, areas of abundance, places of
meetings of lost bands in empty spaces; by
accounts of settlement and early migrations,
which, e.g., yield rules for settling questions
of ownership; by establishing a time depth,
such accounts remembering the doings of
the ancestors, past alliances, obligations,
and claims. Eighth, speech constructs reality
turning fiction into social facts: to say that
somebody has stolen creates the unalterable
fact of ‘thievishness’.
Unlike signals in the animal kingdom lan-
guage is decoupled from the functional
cycles like eating or copulating, it is in-
herently equivocal, and only achieves full
functionality – and acquires adaptive value –
when simulating a reality outside the inter-
actional context. In order to achieve social
aims speakers are confronted with the task
of making language suitable for social uses.
They do this by digressing and making de-
tours. They refer to objects outside the im-
mediate interaction, to past events, to absent
or never seen objects; they tell stories to ap-
pease anger and manage conflict, and they
chat to establish amicable relations prior to
reaching decisions. They divert attention
from the immediate interaction, thereby ren-
dering future interaction possible. However,
by making detours, i.e. by means of digres-
sion, misdirection, and play, language be-
comes suited to communicating desires,
achieving goals, and expressing consent or
disapproval. The development of speaking
amounts to a continual levelling out of the
differences between the mapping function of
language and its (logically or historically)
subsequent social uses. In this levelling out
the general functions of language are cul-
turally specified or adapted to specific cul-
tures. During interaction speech does not
guarantee reliability – an unusual feature in
the evolution of communication (Zahavi/
Zahavi 1998, 371–3). Verbal signals only be-
come reliable when they are ritualized and
reintroduced into functional cycles (like
greeting formulas), when cultures specify
the situatedness and institutionalize the set-
ting, choose certain contents, define the
speaker and the style, restrict the audience,
combine speech acts with other symbolic
codes or create composite signals (complete
list of components in Hymes 1974, 45–65).
Although speech may have developed into
an independent urge, which is the antagonist
of threatening silence, curbs aggression and
fosters bonding, it is not – or never was –
sufficient, when it comes to comforting,
teasing, criticising, choosing between flight
and approach in encounters with strangers,
leave taking, courting, begging, sharing, ad-
monishing, exchange cycles, and managing
conflicts. In situations I have labelled the
Bruchzonen (the danger zones) of social life
culturally specified ways of speaking and the
creation of composite signals guarantee the
reliability of speech and restrict the power of
constructing fictive realities. Examples of
such composite signals are as follows: smil-
ing while begging, the combination of eye-
brow flash, eye contact and greeting formu-
la, a song castigating a miserly neighbour,
an institutionalized interrogation for which
place, participants, and wordings are de-
limited and where relaxed non-verbal behav-
iour is prescribed. Some features of the ver-
bal code are probably universal, the degree
of complementarity of the codes as well as
the composition of signals are highly cul-
ture-specific. Even speech, the onset or use
of speech, in particular situations is a con-
scious or ritualized choice: in order to ac-
cuse somebody one may plant a sign in front
of the accused person’s hut or the commu-
nity may invite him to join a more or less
formal round of talks. Thus, contrary to
what the size of speech communities, low
population density, and the efficiency of non-
verbal communication suggest, the findings of
ethnographies of speech and communication
are not uniform, speakers are always caught in
the web of their cultural specifities. Speech is
always performed, enacted, situated according
to cultural resources and practices (see Bau-
man 1986; 2001).
The resulting differences are shown by
comparing rather complete ethnographies
of communication (Eibl-Eibesfeldt/Schie-
91. Ethnology and Anthropology 875
fenhövel/ Heeschen 1989; Hoëm 1995; Illius
1999; Sherzer 1990; see also Urban 1991). In
one society begging is a highly developed
verbal art, in another all signs of begging be-
haviour are banished, speakers of one so-
ciety artfully enact storytelling, in another
society stories are informal expansions of
everyday talk. The rules of differentiation
are not yet fully understood. All these eth-
nographies demonstrate that in order to
understand and adequately describe speech
and communication, the whole of a culture
is presupposed; there is a close and neces-
sary relationship between language and cul-
ture, yet this relationship is not only a simple
correlation. First of all, from W. v. Hum-
boldt via Boas into modern introductions
into ethnology, language can be understood
as a heuristic means of ‘hiking through’
otherness, finding ideas and understanding
worldviews (Humboldt’s Vehikel-These, s.
Heeschen 1977). Language is “an important
adjunct to a full understanding of the cus-
toms and beliefs of the people we are stu-
dying. But in all these cases the service
which language lends us is first of all a prac-
tical one – a means to a clearer understand-
ing of ethnological phenomena which in
themselves have nothing to do with lin-
guistic problems.” (Boas 1991, 52) Second,
the ways of speaking, the communicative
genres and the elaboration or poorness of
parts of the lexicon either form part of a cul-
ture or are keys to such parts. In Boasian
formulations grammar may be included: “If
ethnology is understood as the science deal-
ing with the mental phenomena of the life of
the peoples of the world, human language,
one of the most important manifestations of
mental life, would seem to belong naturally
to the field of work of ethnology.” (Boas
1911, 52) Third, the question whether gram-
mar presents, or leads to, ethnological facts
is still unsolved. The discussion culminated
in the so-called linguistic relativity or Sapir-
Whorf hypothesis (Humboldt’s Weltan-
sichts-These, see Heeschen 1977; Koerner
1998; Lee 1996; Lucy 1992a; Slobin 1996):
linguistic structures determine (or lead to,
favour or suggest) opinions, ideas or even
worldviews. In this case language would
not be only part of culture, but a precon-
dition of culture. The strong hypothesis was
repeatedly “rethought”, weakened, and sup-
plemented (Gumperz/Levinson 1996; Levin-
son 1997; 2000; Lucy 1992a; b; Palmer
1996). Subparts of the grammar like nu-
meral classifiers may influence the inform-
ants’ awareness of, and treating, numbers in
tests. Thought individually develops in dia-
logues, ‘texts’, and speech, thus, according
to Humboldt, form guarantees freedom of
use. Language is supplemented by non-ver-
bal codes. The speakers of a language with
only two colour adjectives may show high
awarenes of, and preoccupation with, col-
ours as displayed in ornaments, the colours
of fruits or the shades of the skin. Speakers
of a language without verbal tenses may be
preoccupied with the flow of time because of
the seasons and seasonal activities. In aes-
thetic forms of communication or in trying
out new wordings in problem-solving and
philosophy the awareness may be kindled,
and turned to, linguistic form: thinking is
carried out for speaking, that is, thought is
guided and conditioned by the search for
suitable grammatical forms; whatever lin-
guistic structures propose, it can be ques-
tioned and clarified by reducing or de-
stroying the structures and falling back on
the semantics of a proposition (see Slobin
1996). Fourth, language is a storehouse of
culture embodying “the intellectual wealth
of the people who use it” (Hale 1992, 36). As
far as aesthetic forms are concerned, lan-
guage form and the intellectual production
are inseparable. “Some forms of verbal art –
verse, song, or chant – depend crucially on
morphological and phonological, even syn-
tactic properties of the language in which it
is formed.” (Hale 1992, 36)
Fifth, modes of thought (e.g. the totem-
istic mode of thought, the mode of thought
based on ancestor worshipping) may oper-
ate above the level of single language com-
munities and influence or determine the
thinking of rather different language com-
munities in the same way (see Fikentscher
1995, 18–36). Sixth, language is an open
code, not restricted like, for instance, the set
of facial expressions, the symbols of man-
hood or the symbols used for marking
boundaries. It is reflexive and generalizing;
speakers may discuss, interprete, redefine,
and question the validity and meaning of the
non-verbal symbols. They may even tran-
scend the common world and explore the
non-worlds and alternative worlds. “Evol-
utionsbiologische und systemtheoretische
Überlegungen” lead Eibl (1995, 16) to the
conclusion: “Unser Erleben und Handeln ist
begleitet von dem mehr oder weniger deut-
lichen Bewußtsein, daß alles auch irgendwie
876 VI. Neighbouring Disciplines
anders sein könnte. […] Nichtwelt ist das
Andere, Undefinierte, Unbestimmte.” Lan-
guage, then, could be a means of abolishing
limitations, i.e. of questioning the specifities
of a culture. This relationship is not yet well
understood. The dialogue between ethnol-
ogy and “otherness” is founded on the open-
ness of the linguistic code and the limi-
tations of the other codes. From this follows
the dilemma of ethnology scrutinizing
‘otherness’, relying on fieldwork, and coping
with the singularities of informants and
friends: it can break closed systems and limi-
tations, yet the process is irreversible, a gen-
eralized reflexive code operates above single
cultures.
The different systems of combining the
verbal and the non-verbal symbolic codes as
well as the distinct correlations between lan-
guage and culture lead to the diversity of
cultures and to variations within specific
cultures. Ethnology and anthropology de-
vote themselves to the diversity of cultures
and to the otherness expressed in different
symbol systems and transmitted from one
system to the other, either within a speech
community or from one group to the other.
4. Conflicting methods, difficult
delimitations, shared subjects
I believe that essentialistic definitions of
what human beings are or what culture is
cannot be of great value; we have seen that
features which seemed to characterize hu-
manity were detected in the animal king-
dom. Collecting and evaluating features in
order to establish typological order and to
create continua seems to be much more ef-
fective. The only feature which still distin-
guishes human beings from animals is sym-
bol use. Human beings “have language” and
are “political animals”. The creation and
use of symbols is connected with the numer-
ous ways of creating “differences” and dif-
ferent cultures. Without looking back at
biological foundations, at basic needs, and
at possible evolutions in small bands spread
over vast and sparsely populated areas eth-
nology and anthropology would run the risk
of studying only pseudo-speciation. As to
language and culture, the subject of ethnol-
ogy, the following contrasting statements
may indicate how cultures are differentiated
by assembling different features. The evol-
ution of language seems to aim at creating a
symbolic code suitable for serving a repre-
sentational function, which implies that di-
rect interactional, communicative or ma-
nipulative signals are given up; cultures
make social use of this code by restricting
this function and by creating composite sig-
nals in performances, institutions, and en-
actments. The representational function is
universal; the social uses are culture-spe-
cific. Communication in face-to-face inter-
action either uses composite signals or
prefers non-verbal signals, while communi-
cation with strangers, with members outside
one’s group, band, or tribe, relies on the
careful, if not artistic handling of speech
and its representational function. Non-ver-
bal signals are reliable, speech is unreliable
in the danger zones of a society and must be
made unequivocal by ritualization and insti-
tutionalization. Different cultures combine
in different ways the symbolic codes accord-
ing to task-specificity and appropriate func-
tional load. This differentiation leads to sig-
nalling one’s identity, which is a way of
encapsulating oneself in a culture and pro-
tecting oneself against strangers, other
groups, or tribes. However, man also trans-
lates, interpretes, clarifies and overcomes
barriers, non-verbal symbols being used for
identity and encapsulation, while language is
especially suited for negotiation, dialogues,
repairs, symbol creation, transferring the
meaning of the other codes into a general
one and expressing one’s own interests in fic-
tion and aesthetic forms. If culture is really
located in signs, in the transmission of signs
and the negotiation of their meaning in so-
cial life, speech may be the only key to cul-
ture. However, the relationships of language
and culture are manifold, speech is always
supplemented in different ways by other
codes. All codes could be translated into,
and described by, language. The reflexivity
of language ensures a kind of meta-code for
ethnology. Thus discovering, understand-
ing, and explaining “otherness” as the task
and subject of ethnology is a matter of
choice between several codes and languages,
it is a way of translating the culture-specific
complementarity of several codes within one
culture into a meta-code of another commu-
nity. Ethnology is a method of adequation
starting from “differences”, while other dis-
ciplines – biology, semiotics, probably also
sociology – start from universal processes of
differentiation. So far there has been a lack
of theoretical studies related to the diversity
of languages and cultures; descriptive
91. Ethnology and Anthropology 877
studies prevailed. A closer look at the pro-
cesses of differentiation would suggest that
variation and diversity are by nature and
necessity “embodied” in the social uses of
language and cultural traditons and that
language and culture “coevolve” (see Levin-
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92. Dialektologie 879
1. Zum Verhältnis von Dialektologie und
Soziolinguistik
2. Zur Rekonstruktion soziolinguistischer
Parameter und Kategorien in der
Wissenschaftsgeschichte der Dialektologie
3. Entwicklungen und Aspekte einer
kommunikationsorientierten Dialektologie
4. Literatur (in Auswahl)
1. Zum Verhältnis von Dialektologie
und Soziolinguistik
Die Wissenschaftsgeschichte der Dialekto-
logie ist seit ihren Anfängen zu Beginn des
19. Jhds. eng verwoben mit der Entwicklung
der Sprachwissenschaft insgesamt; wech-
selnde Forschungsinteressen, Methoden und
theoretische Grundannahmen der verschie-
denen linguistischen Richtungen finden ihren
Niederschlag auch in den Beschreibungen der
Dialekte, wie umgekehrt auch die Erfor-
schung von räumlich gebundenen Varietäten
wichtige Impulse für die Entwicklung von
sprach- und insbesondere sprachverände-
rungstheoretischen Konzeptionen beisteuert.
Die wissenschaftsgeschichtliche Entwicklung
der Dialektologie – in Deutschland noch ver-
schärft durch die Isolierung ab den 1930er
Jahren – zeigt im Laufe des 20. Jhds. eine zu-
nehmende Abkoppelung vom Entwicklungs-
gang der allgemeinen Linguistik. Die weitge-
hende Fixierung auf Dialektgeographie, das
teilweise zum Selbstzweck gewordene Sam-
meln von lokal-idiosynkratischen Datenkor-
pora ruraler Provenienz und eine ausgeprägte
Theorieabstinenz – all dies sind Entwicklun-
gen, die die Dialektologie vom inneren Be-
reich der sprachwissenschaftlichen Diskussi-
on und Theoriebildung sukzessive an deren
Peripherie rücken.
Durch die verstärkte Urbanisierung und
den damit verbundenen Rückgang des strikt
kleinräumig gebundenen Dialekts, beson-
ders aber durch die Etablierung der Sozio-
linguistik seit den 1960er Jahren, gerät die
Erforschung ruraler Dialekte in eine Krise,
die vor allem im anglo-amerikanischen Be-
reich eine grundlegende Neuorientierung
hin zu einer stark variationistisch ausgerich-
teten „urban dialectology“ zur Folge hat
(Chambers/Trudgill 1998). Im Gegensatz
dazu bleibt die deutsche Dialektologie zu-
nächst mehrheitlich auf die Fokussierung
der traditionellen Fragestellungen und auf
eine Abgrenzung der Gegenstandsbereiche
von Dialektologie und Soziolinguistik be-
dacht: Die Dialektologie habe sich auf die
Untersuchung räumlich gebundener Sprach-
formen zu beschränken; eine Ausweitung auf
soziolinguistische Parameter brächte einen
Identitätsverlust der dialektologischen Dis-
ziplin mit sich (Goossens 1981). Nach wie
vor werden – einen entsprechend kleinen
regionalen Ausschnitt vorausgesetzt – Dia-
lekte als homogene Systeme verstanden, Va-
riabilität hauptsächlich als Form von
Sprachmischung – dem sich überschneiden-
den Vorkommen unterschiedlicher homoge-
ner Varietäten – begriffen: „Die traditionelle
Dialektologie als sprachgeographische Diszi-
plin beschäftigte sich – obwohl ein soziolin-
guistisches Mißverständnis immer wieder zur
entgegengesetzten Behauptung führt – nicht
oder nur am Rande mit sprachlicher Variati-
on“ (Goossens 1986, 257). Diese Position per-
petuiert Erkenntnisinteresse und Forschungs-
ziele der „klassischen“ Dialektologie, die im
Wesentlichen auf die sprachgeographische
Verteilung und historische Entwicklung ein-
zelner (phonologischer, morphologischer, lexi-
kalischer) Merkmale der dialektalen „Grund-
schicht“ gerichtet sind.
Nun ist weder zu bestreiten, dass der Re-
gionalität von Merkmalen tatsächlich eine
wichtige Rolle im sprachlichen Repertoire
einer Sprechergemeinschaft zukommt, noch
sind die herausragenden Ergebnisse dialek-
tologischer Forschungsarbeit unter den Prä-
missen des Homogenitätspostulats zu be-
zweifeln. Nicht zu bestreiten ist allerdings
auch die Problematik einer sprachtheoreti-
schen Position, die von der empirisch auf-
findbaren mehrdimensionalen Variabilität
abstrahiert und diese systematisch unbe-
rücksichtigt lässt. Der variationslinguisti-
sche Gegenentwurf zur dominierenden Ho-
mogenitätsannahme der „Systemlinguistik“
beruht demgegenüber auf dem Postulat
der prinzipiellen Variabilität, dem „Variabi-
litätsaxiom“ natürlicher Sprachen. Diese
sprachtheoretische Fundierung verschiebt
das Forschungsinteresse auf die verschiede-
nen Parameter und Ordnungsstrukturen der
sprachlichen Heterogenität. Trotz dem Pri-
mat des räumlichen Variationsparameters
weitet sich damit der Gegenstandsbereich
einer auf das Variabilitätsaxiom gegründe-
ten „kommunikationsorientierten“ Dialek-
92. Dialektologie/ Dialectology
880 VI. Neighbouring Disciplines
tologie: Es geht nicht mehr nur darum, die
raumgebundenen Merkmale auszumachen
und ihre geographische Verteilung darzu-
stellen, sondern ihre Verortung – formal und
funktional – im individuellen und kollekti-
ven sprachlichen Repertoire aufzuspüren.
Ein solches Verständnis von Dialektologie
zeitigt weitreichende Konsequenzen sowohl
in der Auswahl der Informanten und der
Aufnahmesituation als auch in der Wahl ge-
eigneter Beschreibungs- und Darstellungs-
methoden; die soziale Wertigkeit unter-
schiedlicher Varietäten und ihr funktionaler
Einsatz in spezifischen konversationellen
Aktivitätstypen werden genauso zum Un-
tersuchungsgegenstand wie die Entstehung
von Sprachwert- und Sprachgebrauchs-
strukturen in verschiedenen kommunikati-
ven – auch komplexen urbanen – Netzwer-
ken. Schließlich ergeben sich auch neue
Zugänge zu den Prozessen der Sprachverän-
derung, die im Zusammenhang mit synchro-
ner Sprachvariation zu untersuchen und als
multiple Diffusionsprozesse zu begreifen
sind.
Auf dieser Basis wird auch eine neue
Sichtweise des Verhältnisses von Dialektolo-
gie und Soziolinguistik jenseits von wechsel-
seitiger Ausgrenzung möglich. Es geht für die
Dialektologie nicht um die Auslieferung an
modernistische Strömungen mit der Gefahr
eines Identitätsverlustes der gesamten Diszi-
plin, sondern um deren grundsätzliche Posi-
tionierung als jenes Teilgebiet der Sprachwis-
senschaft, dessen Gegenstandsbereich nicht
die Norm der Schrift- und Standardsprache
ist, sondern das weite Spektrum der nicht
standardsprachlichen – und damit in jedem
Falle regional gebundenen – Varietäten in al-
len ihren Bezügen. Damit lässt sich auch ein
Bogen spannen zur wissenschaftshistori-
schen Frühzeit der Dialektologie, in der be-
reits viele „moderne“ Fragestellungen und
Einsichten zu finden sind.
2. Zur Rekonstruktion sozio-
linguistischer Parameter und
Kategorien in der Wissenschafts-
geschichte der Dialektologie
2.1. Die Anfänge: J.A. Schmeller
Als Begründer einer wissenschaftlichen Dia-
lektologie gilt Johann Andreas Schmeller, in
dessen Werken sich wesentliche Denkansät-
ze der modernen Soziolinguistik vorgezeich-
net finden. So wird etwa die Verschiedenheit
der „National- und Provincialsprachen“ –
entgegengesetzt zur damaligen Mehrheits-
meinung – aus den sozialen und geschicht-
lichen Bedingungen heraus erklärt, sie ergebe
sich „notwendig … aus der Natur ihrer
producierenden Umstände“ (Schmeller 1803,
40). Er unterscheidet bereits verschiedene
Sprachschichten – „die gemeine ländliche
Aussprache, die Aussprache der Bürgerklasse
in den Märkten und Städten, die Aussprache
der Gebildeten“ (1821, 465) – und darf damit
den Originalitätsanspruch für jene soziolin-
guistische Kategorisierung für sich reklamie-
ren, die gemeinhin einer späteren Äußerung
Wegeners zugeschrieben wird („der dialect
des gebildeten, der des halbgebildeten städt-
lers, die bauernsprache“ – Wegener 1880,
465). – Bemerkenswert ist dabei die dezidiert
deskriptive, non-pejorative Sicht unterschied-
licher Varietäten, denen jeweils das gleiche
Leistungspotential zugestanden wird; jede
Sprachvarietät könne genauso gut zur nor-
mativ geltenden Schriftsprache werden, man
brauche in ihr nur „zu schreiben, zu dichten,
in ihr zu predigen, zu philosophieren“, zu-
dem seien alle Varietäten im Hinblick auf ihre
„grammatikalischen Spracheigenschaft[en]“
gleichwertig (Schmeller 1803, 41). Mit die-
ser „Differenzkonzeption“ steht Schmeller
ganz im Gegensatz zur „defizittheoretischen“
Mehrheitsmeinung seiner Zeit, die die Mund-
arten als „verderbte Hochsprache“, als roh,
verkommen, fehlerhaft bewertet. – Mit Be-
strebungen der angewandten Soziolinguistik
verbinden sich schließlich Schmellers sprach-
pädagogische und -emanzipatorische Inten-
tionen: Seine Arbeiten sollten durch die Ein-
sicht in die sprachlichen Gegebenheiten des
Dialekts nicht zuletzt auch den Mundartspre-
chern die Möglichkeit eröffnen, einen leichte-
ren Zugang zur Schriftsprache zu finden.
Ganz ähnlichem Engagement entspringt die –
im Gefolge der soziolinguistischen Sprachbar-
rierendiskussion der 1970er Jahre entstande-
ne – Schriftenreihe „Dialekt-Hochsprache
kontrastiv“ (vgl. 3.2.).
2.2. Der variationistische Ansatz
Ein Meilenstein in der Entwicklung einer
variationistischen Sprachtheorie ist das in
vielerlei Hinsicht bahnbrechende Werk
Hugo Schuchardts, das auf die Dialektolo-
gie entscheidenden Einfluss ausübt. Ihm
verdanken wir u. a. die früheste Formulie-
rung einer variationistischen Sprachverände-
rungstheorie, die – als scharfe Gegenposition
92. Dialektologie 881
zur junggrammatischen Auffassung – die
Diffusion (lexikalisch und sozial) als gene-
relles Prinzip der Durchführung von Wan-
delvorgängen postuliert (Schuchardt 1885).
Verbunden damit ist auch die Kritik am Be-
griff des Dialekts selbst, der als bloße Abs-
traktion erscheint: „Das Alte und Neue er-
scheint aber innerhalb eines Dialektes nicht
bloß nach dem Alter, sondern auch nach Ge-
schlecht, Bildung, Temperament, kurz in
der verschiedenartigsten Weise verteilt“;
„Sprachmischung nehme ich […] auch in-
nerhalb der homogensten Verkehrsgenos-
senschaft an“ (Schuchardt 1885, 62f.; 64). –
Weiter zugespitzt und empirisch untermau-
ert werden diese Thesen durch dialektolo-
gische Untersuchungen, wobei sich insbe-
sondere die romanische Dialektologie dem
Einfluss von sozialen Faktoren im engeren
Sinne zuwendet. So belegt Rousselot (1891)
mithilfe des Einsatzes selbst erfundener pho-
netischer Messgeräte, dass sich in Abhängig-
keit von Geschlecht, Alter und Beschäftigung
sogar zwischen einzelnen Mitgliedern einer
Familie erhebliche Sprachunterschiede nach-
weisen lassen; Gauchat (1905) untersucht in
seiner berühmten Studie über die frankopro-
venzalische Mundart von Charmey im Kan-
ton Fribourg (Schweiz) erstmals genauer
Zusammenhänge zwischen Dialektvarianten
und sozialen Variablen wie Alter, Geschlecht,
sozialer Stellung und Beruf. Er kann zeigen,
dass auch innerhalb eines Dorfes nachhaltige
sprachliche Unterschiede bestehen – die Idee
von der sprachlichen Einheit einer zusammen-
gehörenden Gruppe oder eines Dialekts war
damit widerlegt. – Hermann (1929) überprüft
die sprachlichen Verhältnisse in Charmey er-
neut nach einer Zeitspanne von mehr als
zwanzig Jahren und liefert damit ein Modell
für „real-time“ Untersuchungen aktuell vor
sich gehender Sprachveränderungen.
In der deutschen Dialektologie entstehen
ebenfalls mehrere Ortsmonographien, in de-
nen die soziale Schichtung und Gebunden-
heit verschiedener Sprachvarietäten zumin-
dest gesehen und angesprochen wird; als
herausragende Beispiele seien die Arbeit des
Gauchat-Schülers Enderlin (1913) über
Kesswil und Hotzenköcherles (1934) bei-
spielhafte Studie über die sprachlichen Ver-
hältnisse in Mutten genannt (vgl. dazu auch
Reiffenstein 1982). – Dem dialektologischen
Postulat folgend, dass der Forscher mög-
lichst jenen Dialekt beschreiben solle, von
dem er selbst Kenntnis habe, finden sich
(trotz der grundsätzlichen Abwertung von
Stadtsprachen als dialektale Störzonen)
auch einige Stadtuntersuchungen. Dabei
nötigt die Suche nach der „echten“ Stadt-
mundart zwangsläufig zur Reflexion über
die Auswahl geeigneter Gewährspersonen,
die teils in der gebildeten bürgerlichen Mit-
tel- und Oberschicht (Hoffmann 1890), teils
in der Arbeiterschicht (Frank 1898) gesehen
werden. Bemerkenswert ist Sexauers (1927)
Untersuchung von Pforzheim, in der die
„Landmundart“ alter Leute aus der einge-
meindeten Vorstadt, die „Stadtmundart“
der älteren Arbeiter in der Innenstadt, die
städtische „Halbmundart“ der jüngeren Ar-
beiter in anderen Stadtteilen und die „Um-
gangssprache“ der Zuzügler unterschieden
und beschrieben werden. – Insgesamt führt
jedoch die bereits am Beginn des 20. Jhds.
einsetzende Dominanz der Dialektgeogra-
phie zur Abwertung der Ortsgrammatiken
und einem entsprechenden Rückgang ein-
schlägiger Forschungsanstrengungen.
2.3. Der ethnographische Ansatz
Das etymologische Interesse Schuchardts
und seines Umfeldes, zusammen mit der
Überzeugung, dass die Herkunft eines Wor-
tes dann am besten zu erfassen sei, wenn man
gleichzeitig möglichst genauen Aufschluss
über den jeweils bezeichneten Gegenstand –
sein Aussehen, seine Herstellung, seine Ver-
wendung etc. – erhalte, bewirkt eine verstärk-
te Hinwendung zur „Realienkunde“, zur
Volks- und Völkerkunde: Sprachgeschichte
und Kulturgeschichte gelten als untrennbarer
Konnex. Dieser „proto-ethnographische“ An-
satz gipfelt in dem klassischen „Sprach- und
Sachatlas Italiens und der Südschweiz“ der
Gauchat-Schüler Jaberg und Jud (Jaberg/Jud
1928–40). – In der deutschen „kulturmor-
phologischen Schule“ der Dialektologie wird
ebenfalls die Interdependenz von Gesell-
schaft, Kultur und Sprache in den Mittel-
punkt gerückt; die Koinzidenz historischer
Territorialgrenzen, volkskundlicher Raum-
strukturen und dialektaler Isoglossenverläu-
fe bestätigen die zugrundeliegende These,
dass Sprachgrenzen als Kulturgrenzen,
Sprachräume als Kulturräume aufzufassen
sind (vgl. Aubin/Frings/Müller 1926; Bach
1950; Grober-Glück 1982).
882 VI. Neighbouring Disciplines
3. Entwicklungen und Aspekte einer
kommunikationsorientierten
Dialektologie
Der kurze wissenschaftsgeschichtliche Ex-
kurs macht deutlich, dass viele jener Frage-
stellungen, die die Variations- und Soziolin-
guistik seit 1960 bestimmen, zum ersten Mal
in der älteren dialektologischen Forschung
thematisiert wurden. Es bedurfte allerdings
des entschiedenen Anstoßes von außen, um
auch innerhalb der gegenwärtigen Dialek-
tologie die Entwicklung „kommunikations-
orientierter“ Ansätze voranzutreiben. Im
Folgenden sollen die wichtigsten Gegen-
standsbereiche und Forschungsperspektiven
einer solchen Dialektologie skizziert wer-
den, wobei wir uns weitestgehend auf die
Darstellung der Verhältnisse im Deutschen
beschränken.
3.1. Kommunikationsorientierte Parameter
in arealer Perspektive
3.1.1. Die Beschränkung der dialektgeogra-
phischen Informantenauswahl auf alte Bau-
ern wird bereits früh in der romanischen
und – beeinflusst davon – auch in der ameri-
kanischen Dialektologie als Manko angese-
hen; so legt etwa Kurath (1939) für seinen
„Atlas of New England“ drei unterschiedli-
che Informantengruppen fest – neben gering
Ausgebildeten mit wenig Leseerfahrung und
wenigen Sozialkontakten sollten auch Leute
mit High-school-Ausbildung und mit Col-
lege-Ausbildung berücksichtigt werden, jede
dieser Gruppen wird zudem in zwei unter-
schiedliche Altersklassen eingeteilt. – Die
Einbeziehung und systematische Auswer-
tung von altersspezifischen und z. T. diastra-
tischen Unterschieden wird in Deutschland
erstmals beim „Mittelrheinischen Sprachat-
las“ (vgl. Bellmann 1994) angewendet. Ne-
ben alten Bauern berücksichtigt eine zweite
Aufnahmeserie auch jüngere, mobile Hand-
werker und Arbeiter; in beiden Fällen wird
die jeweils dialektalste Variante der Infor-
manten erhoben. Die kontrastive Karten-
darstellung der Ergebnisse beider Aufnah-
men ermöglicht die Visualisierung arealer
und – in eingeschränkter Form – auch
sprachsoziologischer Verhältnisse (durch
die Beschränkung auf manuell Tätige tritt
die soziale Stratifizierung gegenüber der Al-
tersschichtung deutlich in den Hinter-
grund). – Stärker variationslinguistisch aus-
gerichtet ist der Atlas zur „Wortgeographie
der städtischen Alltagssprache in Hessen“
(Friebertshäuser/Dingeldein 1988); als Daten-
grundlage dienen die gebräuchlichen alltags-
sprachlichen Realisierungen jeweils mehrerer –
jüngerer – Informanten in jedem der 61 ausge-
wählten Zentralorte Hessens.
3.1.2. Von ganz anderer Art sind jene
wenigen Arbeiten, die – abseits jeder her-
kömmlichen Dialektgeographie – möglichen
regionalen Unterschieden in interaktiven
Prozessen und Strukturen nachgehen; hier
erfolgt eine Erweiterung bzw. Überwindung
der traditionellen Areallinguistik nicht im
Sinne einer größeren sozialen Streuung des
Informantenkreises, sondern durch die Be-
handlung neuer, kommunikationsorientierter
Fragestellungen. So fordern etwa Schlieben-
Lange/Weydt (1978) programmatisch die
Untersuchung „pragmalinguistischer“ Regu-
laritäten; als Beispiele werden Merkmale
von „adjacency pairs“ genannt: regional un-
terschiedliche Begrüßungsformeln oder Re-
aktionen auf Dankesbezeigungen, Fragen
u. dgl. – In diesem Zusammenhang sind auch
bislang kaum untersuchte Bereiche wie Mo-
dal- oder Diskurspartikeln von Interesse;
dabei geht es nicht nur um das Vorkommen
regionalspezifischer Ausdrücke (z. B. eh,
halt, fei als süddt.-bair. Partikeln mit je
unterschiedlicher regionaler Reichweite),
sondern auch um die regional oder sozial/
subkulturell unterschiedliche kommunikati-
ve Funktion gleicher Ausdrucksformen. – In
prinzipiell gleicher Weise gilt dies auch für
bisher weitgehend vernachlässigte syntakti-
sche Strukturen der gesprochenen Sprache,
die im Sinne der Standardsprachnorm als
„Normverstöße“ geahndet werden, sich aber
aus interaktionsanalytischer Perspektive im
Kommunikationsprozess als geordnete, struk-
turierte Muster nachweisen lassen. Diese
Muster sind jeweils mit spezifischen konversa-
tionellen Aktivitäten verbunden und können
als interaktiv relevante, systematisch auf die
Erfordernisse der Gesprächsorganisation zu-
geschnittene grammatische Phänomene re-
konstruiert werden. Als mögliches Beispiel ei-
ner regional differierenden Verwendung sei die
kausale Konjunktion weil genannt, die sowohl
in Verb-Letzt- als auch in Verb-Zweit-Sätzen
auftritt. Standardsprachlich verpönt und zu-
meist als regionale Spezifität des Süddeutsch-
Österreichischen abgetan, zeigen neuere Stu-
dien das Vorkommen dieses Merkmals auch
im mittel- und norddeutschen Bereich – aller-
dings gegenüber süddeutschen Vorkommen
mit einer Umkehrung des quantitativen Ver-
92. Dialektologie 883
hältnisses von Verb-Zweit zu Verb-Letzt-
Stellung. Nicht restlos geklärt ist, inwieweit
sich hinter diesem Unterschied funktionale
Differenzen verbergen: Während im Norden
der Unterschied zwischen weil-Verbletzt vs.
weil-Verbzweit vorwiegend den Unterschied
von propositionaler vs. epistemischer Begrün-
dung abzubilden scheint, liegen im Mittel-
bairisch-Österreichischen die entsprechenden
funktionalen Unterschiede in jenen konver-
sationellen Ressourcen, die mit weil-Verb-
letzt als unselbständiger, primär retrospek-
tiver, potentiell turnbeendender Struktur
gegenüber weil-Verbzweit als selbständiger,
potentiell turn- bzw. sequenzerweiternder
Struktur gegeben sind (vgl. Scheutz 2001).
Grundsätzlich geht es in den hier ange-
sprochenen Bereichen um Kontextualisie-
rungskonventionen – die im Sozialisations-
prozess zu erlernende Verbindung von
Kontextualisierungsmitteln und Bedeutung–,
die weitgehend sprach- und kulturspezifisch
geprägt sind. So verstanden, wäre damit das
Programm einer dialektbezogenen „interkul-
turellen Kommunikationsforschung“ umris-
sen, die jene Ansätze, die üblicherweise für
den Vergleich unterschiedlicher Sprachen
verwendet werden, auf die soziale und regio-
nale Varietätenlandschaft innerhalb eines
Sprachgebietes überträgt (vgl. auch 3.6.).
3.2. Soziale Verteilung von Dialekt und
Standardsprache
3.2.1. Die Rezeption der Soziolinguistik im
deutschsprachigen Gebiet war in ihren An-
fängen wesentlich geprägt von der Code-
Theorie des britischen Soziologen Bernstein,
die auf die hiesigen Sprachverhältnisse anzu-
wenden versucht wurde; es ging dabei vor
allem um den Nachweis einer schichtspezi-
fischen Verteilung von Dialekt und Stan-
dardsprache und eine Klärung der Frage, ob
der Dialekt als Sprachbarriere im Sinne eines
restringierten Codes zu werten sei. Einfluss-
reich war die Untersuchung von Ammon
(1972), die von einer strikten Korrelation
zwischen sozioökonomischer Schicht und
Sprachkompetenz ausgeht. Lediglich sozio-
ökonomisch höheren Schichten komme –
bedingt durch größere kommunikative An-
forderungen in ihrem Berufsfeld und entspre-
chend größerer regionaler Mobilität – stan-
dardsprachliche (z. T. zusätzlich dialektale)
Kompetenz zu; die durch manuelle Berufstä-
tigkeiten gekennzeichnete Unterschicht da-
gegen bleibe vorwiegend an den nur kleinräu-
mig verwendbaren Dialekt gebunden, ihre
Fähigkeit zu standardsprachlicher Kommu-
nikation beschränke sich auf die rezeptive,
passive Komponente. Diese Thesen werden
durch empirische Stichproben im schwäbi-
schen und fränkischen Dialektgebiet bestä-
tigt. Trotz aller Einwände, die gegen die
Code-Theorie Bernsteins und deren Über-
tragung auf das Verhältnis von Dialekt und
Standardsprache im Deutschen vorgebracht
werden können, zeitigte diese Arbeit doch
nachhaltige Folgen: Vor allem im schul-
pädagogischen Bereich wurde der Dialekt
als soziale Ungleichheit perpetuierende
„Sprachbarriere“ in den Vordergrund der
damals allgemein geführten Sprachbarrie-
ren-Diskussion gerückt. Es entstand eine ei-
gene Schriftenreihe „Dialekt/Hochsprache –
kontrastiv“ (Besch/Löffler/Reich 1976–81),
die die sprachdidaktische Forderung nach
Berücksichtigung jeweils unterschiedlicher
regionalsprachlicher Voraussetzungen für
den Erwerb der Standardsprache begleitend
unterstützte. In kontrastiver Analyse wer-
den standardsprachliche und dialektale
Strukturen verglichen, aus der Dokumenta-
tion der Unterschiede ergeben sich bessere
Einsichten in die spezifischen Schulschwie-
rigkeiten dialektsprechender Kinder und
entsprechend auch neue Möglichkeiten für
die Erstellung geeigneter sprachdidak-
tischer Materialien (vgl. dazu auch Sieber/
Sitta 1986).
3.2.2. Die Frage der makrosozialen Ver-
teilung von Dialekt- und Standardsprach-
kompetenz und deren regionale Unterschied-
lichkeit steht auch im Mittelpunkt der
dialektsoziologischen Forschungsarbeit (vgl.
dazu Mattheier 1980, 59ff.). Abgesehen von
bundesweiten und großregionalen demosko-
pischen Erhebungen innerhalb Deutschlands
basieren auch einschlägige dialektologische
Arbeiten (vgl. Überblick in Niebaum/Macha
1999, 144–152) vorwiegend auf subjektiven
Sprachdaten, deren Aussagekraft allerdings
äußerst prekär ist: Zum einen bleibt der zen-
trale Untersuchungsgegenstand „Dialekt“
undefiniert und dem individuellen Interpre-
tationsspielraum der Befragten überlassen,
zum anderen sagen die mithilfe von Frage-
bögen erhobenen Selbsteinschätzungen von
Dialektkompetenz und Dialektgebrauch mehr
über das soziale Selbstbild und das Aspira-
tionsniveau der Befragten aus als über deren
tatsächliches Sprachverhalten. Trotz dieser
notwendigen Einschränkungen ergibt sich in
regionaler Hinsicht insgesamt das Bild einer
Art Zweiteilung: Während in Nord- und Mit-
884 VI. Neighbouring Disciplines
teldeutschland nur etwas mehr als ein Drittel
der Bevölkerung „gute“ Dialektkompetenz
für sich beansprucht, nimmt diese Zahl nach
Süden hin kontinuierlich zu; in der Schweiz
schließlich dürfte das Merkmal der Dialekt-
kompetenz für alle Sprecher zutreffen. Hin-
sichtlich der alters-, ausbildungs- und berufs-
spezifischen Verteilung der Dialektkompetenz
finden wir die erwartete Abnahme der Dialekt-
kompetenz bei jüngeren, besser ausgebildeten
und nicht manuell Tätigen; der geschlechtsspe-
zifische Vergleich weist für Männer einen hö-
heren Anteil an Dialektsprechern aus.
3.2.3. Gleichlaufend mit der Erhebung
der sozialschichtspezifischen Verteilung der
Dialektkompetenz wurde auch der Frage
des regional unterschiedlichen Dialektge-
brauchs, des situativen Einsatzes von Dia-
lekt und Standardsprache nachgegangen.
Dabei spielt das Konzept der Diglossie (Fer-
guson 1959; vgl. Schiffman 1997) eine wich-
tige Rolle, das in der ursprünglichen Fas-
sung eine Sprachsituation bezeichnet, in der
sich funktional und strukturell streng ge-
trennte, mit unterschiedlichem Prestigewert
ausgestattete H(igh)- und L(ow)-Varietäten
gegenüberstehen. Dieses Modell, das sich
u. a. auf die Verhältnisse in der deutschspra-
chigen Schweiz bezog, wurde im Hinblick
auf seine Anwendbarkeit auch auf andere
regionalspezifische Dialekt/Standard-Ver-
hältnisse im Deutschen diskutiert und modi-
fiziert. – Wenngleich auch hier die verwen-
deten subjektiven Sprachdaten nur eine sehr
oberflächliche Orientierung erlauben (wel-
che sprachlichen Eigenschaften sind etwa
tatsächlich gemeint, wenn jemand angibt,
mit dem Arzt „Dialekt“ bzw. „Hochsprache“
zu sprechen?), kann man – stark vereinfa-
chend – davon ausgehen, dass sich innerhalb
des deutschen Sprachgebietes drei unter-
schiedliche diglossische Räume festmachen
lassen: der schweizerdeutsche Bereich, in dem
der Gebrauch des Dialekts mittlerweile – ent-
gegen Fergusons ursprünglicher Diagnose –
nahezu alle mündlichen Kommunikationsan-
lässe umfasst, so dass häufig von „medialer“
Diglossie gesprochen wird (d.h. Verwendung
der Standardsprache in der schriftlichen, des
Dialekts in der mündlichen Kommunikation);
der norddeutsche Bereich, in dem gewisserma-
ßen das umgekehrte Verhältnis gilt –
(sub)standardsprachliche Varietäten dominie-
ren weitgehend, Plattdeutschsprecher verwen-
den nur in wenigen Kommunikationsanlässen
den niederdeutschen Dialekt (vgl. Stellmacher
1995); und schließlich der mittel- und süddeut-
sche Bereich (vgl. Wiesinger 1988), in dem es
eine Art Varietätenkontinuum gibt, aus dem je
nach Kommunikationsanlass eine standard-
oder dialektnähere Variante ausgewählt wird,
wobei die Bandbreite des zur Verfügung ste-
henden sprachlichen Repertoires – abhängig
vom sozialen Hintergrund der Sprecher – indi-
viduell unterschiedlich ausfällt.
3.3. Soziolinguistisch orientierte
Variationsuntersuchungen:
Ortssprachenforschung
3.3.1. Während besonders im angloamerika-
nischen Raum die traditionelle Dialektologie
mit der zunehmenden Etablierung der Sozio-
linguistik an Bedeutung verlor und eine
nachhaltige Umorientierung im Sinne einer
urbanen soziolektalen Varietätenforschung
stattfand (vgl. Labov 1966; 1972; Trudgill
1974; Milroy 1984), blieb in der deutschspra-
chigen Dialektologie zunächst die Untersu-
chung heterogener sprachlicher Verhältnisse
in größeren Ortschaften weitgehend ausge-
klammert. Zwar führt die verspätet einset-
zende Rezeption des Strukturalismus zu einer
Renaissance der Ortsmonographien, For-
schungsinteresse und empirischer Zugang
bleiben jedoch arealbezogen und folgen der
bewährten Strategie, eine bestimmte Sprach-
varietät als gültig für die gesamte lokale
Sprechergemeinschaft anzusetzen. In glei-
cher Weise verfahren auch noch spätere
Orts- bzw. Stadtdialektbeschreibungen un-
terschiedlicher theoretischer Provenienz und
auch in gegenwärtigen dialektgeographi-
schen Großprojekten werden kleine Ort-
schaften, größere Gemeinden und Städte
prinzipiell gleich behandelt (z. B. beim Baye-
rischen Sprachatlas; lediglich München und
Nürnberg werden gesondert untersucht; vgl.
Stör 1999). Das dialektgeographische Inte-
resse an der Stadt richtet sich hauptsächlich
auf die Beeinflussung der Umgebung im Sin-
ne einer Ausstrahlung stadtsprachlicher For-
men auf die umliegenden ländlichen Gebie-
te – grundlegend ist dabei die These, dass die
Stadt als Ausgangspunkt von Neuerungen
jene Veränderungen vorwegnimmt, die die
ländliche Peripherie erst allmählich nachvoll-
zieht. Diese sprachlichen Unterschiede mani-
festieren sich in den Sprachatlas-Karten in
spezifischen Isoglossen-Formationen, die die
Städte als Neuerungs-Enklaven ausweisen
(vgl. dazu Debus 1962; 1978; Renn 1994).
3.3.2. Abseits des dialektologischen main-
streams entstehen seit 1950 mehrere Arbei-
ten, die die sprachliche Variabilität innerhalb
92. Dialektologie 885
der Ortssprachen aus unterschiedlicher Per-
spektive thematisieren. Neben Höh (1951),
der Zusammenhängen zwischen sozialen
Faktoren und Sprachverhalten in einem
pfälzischen Dorf nachgeht, ist hier vor allem
Hofmann (1963) zu nennen, die das Ausmaß
der Übernahme stadtsprachlicher Wetzlarer
Lautformen durch pendelnde Arbeiter aus
einer dörflichen Umlandgemeinde unter-
sucht. Besonders bemerkenswert ist schließ-
lich Wolfensbergers (1967) Untersuchung
des aktuell vor sich gehenden Sprachwan-
dels in einer dörflichen Schweizer Gemein-
de. Er fordert programmatisch die Berück-
sichtigung der sprachlichen Variabilität –
die „Ortsmundart“ sei nichts anderes als die
„Gesamtheit der in einem Ort gesproche-
nen Individualmundarten“ (Wolfensberger
1967, 4) – und vergleicht das Sprachverhal-
ten unterschiedlicher Gruppen, wobei die
dialektgeographischen Aufnahmen für den
Schweizerdeutschen Atlas eine historische
Kontrastfolie abgeben. Alter und Ortsansäs-
sigkeit der Probanden erweisen sich für die-
sen Ort als wichtigste Steuerungsfaktoren,
wogegen sich der soziale Status kaum im
Dialektgebrauch niederschlägt.
Ansätze dieser Art weisen in eine Rich-
tung, die in den 1970er Jahren im Kontext
des allgemeinen Interesses an Soziolinguis-
tik zunehmend an Bedeutung gewinnt: die
Entwicklung einer vor allem durch die Ar-
beiten Labovs inspirierten Ortssprachenfor-
schung, die die wechselseitigen Bezüge von
sprachlichen und sozialen Merkmalen in-
nerhalb einer Sprechergemeinschaft in den
Vordergrund rückt und erstmals Tonbandauf-
nahmen aus natürlichen Gesprächen als
Sprachdatengrundlage heranzieht. Als erste
einschlägige Untersuchung ist Stellmacher
(1977) (Niedersachsen) zu nennen, größer an-
gelegte Ortssprachenprojekte sind das Erp-
Projekt (Rheinland) und das Ulrichsberg-Pro-
jekt (Mittelbairisch/Oberösterreich). Hier
wird mit jeweils unterschiedlichen Schwer-
punktsetzungen das Sprachverhalten ver-
schiedener sozialer Gruppen fokussiert; die
Konstituierung dieser Gruppen erfolgt nicht
auf der Grundlage unspezifischer soziologi-
scher Schichtmodelle, sondern auf Grund von
Faktoren wie Berufs- und Ausbildungsstand,
von denen eine direkte Beeinflussung des
Sprachgebrauchs zu erwarten ist. Gemeinsam
ist diesen Studien auch die Erhebung der si-
tuativen Sprachvariation durch die Aufnahme
von Gesprächen unterschiedlichen Formali-
tätsgrades. Trotz der Unterschiedlichkeit der
zu Grunde liegenden Dialektgebiete und des
in ihnen geltenden Stellenwerts des Dialekts
bestätigen die Ergebnisse in ähnlicher Weise
die Relevanz der sozialen und situativen
Faktoren für den Dialektgebrauch. Einiger-
maßen unterschiedlich sind die jeweiligen
Erkenntnisinteressen und Datengrundlagen:
Das Erp-Projekt befasst sich neben der Kor-
relation von sozialen und sprachlichen
Merkmalen hauptsächlich mit Fragen der
Spracheinstellung als interpretative Res-
source; die Projektergebnisse in Hufschmidt
et al. (1983) beruhen ausschließlich auf sub-
jektiven Sprachdaten aus der gleichzeitig
durchgeführten Fragebogenerhebung. Erst
Lausberg (1993) zieht für die Untersuchung
des individuellen Variationsverhaltens ausge-
wählter Sprecher Daten aus den Sprachauf-
nahmen heran, Kreymann (1994) vergleicht
objektsprachliche Daten des Erp-Projektes
mit den Ergebnissen späterer Erhebungen. Im
Ulrichsberg-Projekt (Scheutz 1982; 1999)
dient die Variationsanalyse hingegen als Aus-
gangspunkt für die Modellierung von Laut-
veränderungsprozessen in der Auseinander-
setzung mit Theorien des Lautwandels bzw.
der Phonologie; dies setzt eine detailgenaue
Analyse des Variationsverhaltens unterschied-
licher phonologischer Regeln, ihrer möglichen
Hierarchisierung und ihrer spezifischen Kook-
kurrenzrestriktionen am objektiven Sprach-
material voraus.
Zu verweisen ist auch auf eine Reihe von
Arbeiten, die sich auf bestimmte Ausschnit-
te sprachlicher Repertoires von Ortsgesell-
schaften bzw. auf den Einfluss einzelner
spezifischer sozialer Variationsparameter
konzentrieren; so etwa analysieren Senft
(1982), Macha (1991) und Steiner (1994) das
Sprachverhalten jeweils spezifischer Berufs-
gruppen; Scholten (1988), Burger/Häcki Bu-
hofer (1992) gehen der Entwicklung dialek-
taler bzw. substandardsprachlicher Formen
im Spracherwerb nach; Geschlechterdiffe-
renzen im Dialektgebrauch untersuchen –
allerdings wiederum nur an subjektiven
(Selbsteinschätzungs-) Sprachdaten – Frank-
Cyrus 1991, Sieburg 1992; zum Einfluss so-
zialpsychologischer Faktoren wie der „Orts-
loyalität“ vgl. Mattheier (1985), Leuenber-
ger (1999).
3.3.3. Die Untersuchung großer Städte
unter spezifisch sozio- und variationslin-
guistischer Perspektive setzt in Deutschland
vergleichsweise sehr spät ein. – In der Tradi-
tion von Labovs Forschungen zum „urban
vernacular“ steht Schlobinskis (1987) Ana-
886 VI. Neighbouring Disciplines
lyse des Berlinischen, wobei die soziale Stra-
tifizierung dialektaler Merkmale in einem
Arbeiterbezirk, einer „bürgerlichen“ Wohn-
gegend und einem Ostberliner Arbeiterbezirk
verglichen wird. Das Informantensample ist
sozial nach dem Kriterium des Berufsstandes
und weiter nach Alter und Geschlecht ge-
schichtet; verschiedene Merkmale des Berli-
nischen werden quantifiziert und mit sprach-
internen und sprachexternen Faktoren
korreliert. Zur Interpretation der vorgefun-
denen Unterschiede zwischen den einzelnen
Bezirken werden die ebenfalls vorgenomme-
nen Spracheinstellungstests herangezogen;
dabei zeigt sich, dass eine stärker dialektale
Sprechweise je nach untersuchtem Bezirk mit
differierenden sozialen Konnotationen und
entsprechend unterschiedlichen Prestigebe-
wertungen besetzt ist (vgl. zum Berlinischen
auch Schönfeld 1989). – In der Ausrichtung
der Untersuchung auf den Zusammenhang
von sozialen und sprachlichen Merkmalen
ähnlich, jedoch aus gänzlich anderer theore-
tischer Fundierung mit Schwerpunktsetzung
auf der Struktur des Dialekt-Umgangsspra-
che-Standard-Verhältnisses, entstehen eine
Reihe von Untersuchungen zum Wieneri-
schen. Ausgehend vom Ansatz der Natürli-
chen Phonologie und deren unterschiedli-
chen phonologischen Regeltypen bzw. deren
Hypothesen zum Zusammenhang von sozia-
ler und phonologischer Natürlichkeit, wird
ein differenziertes „zweidimensionales“ Mo-
dell des sprachlichen Repertoires (vgl. dazu
3.4.) entworfen (Dressler/Wodak 1982); die-
ses Konzept ist auch die theoretische
Grundlage für Moosmüllers (1987) Studie
zur soziophonologischen Variation im Wie-
nerischen. – Eine bemerkenswerte Umkeh-
rung der traditionellen soziolinguistischen
Kategorienbildung legt Hofer (1997) seiner
Untersuchung im Rahmen des Basler Stadt-
sprachenprojektes (vgl. Löffler 1998) zu
Grunde: Hier werden nicht sprachexterne
Faktoren zur Gruppenbildung verwendet
und mit sprachlichen Merkmalen korreliert,
sondern die Ergebnisse der quantitativen
Sprachanalyse werden einer Clusteranalyse
unterzogen, die dann als Ausgangspunkt für
die Konstituierung von Sprechergruppen
dienen. Diese Gruppen gleichen Sprachver-
haltens werden erst in einem nächsten
Schritt mit unterschiedlichen sozialen Kate-
gorien korreliert.
Im Gegensatz zu diesen Untersuchungen,
deren Interesse der quantitativ feststellba-
ren Struktur der Variation gilt, fokussieren
interaktionsanalytisch ausgerichtete ethno-
graphische Studien die kommunikative
Funktion von sprachlichen Ausdrucksmit-
teln, die soziale Bedeutung von Sprachfor-
men als Ausdruck der Verdeutlichung und
Bewertung sozialer Zugehörigkeit (vgl.
3.6.). – So werden etwa komplementär zur
quantifizierenden Untersuchung Schlobin-
skis im Projekt „Stadtsprache Berlin“ auch
sprachliche Verhaltensformen – beispiels-
weise der „großschnauzige“ Sprechstil als
spezifische Form der Selbstbehauptung –
ethnographisch beschrieben; die Ergebnisse
von Spracheinstellungstests lassen Sprach-
wertstrukturen erkennen, die als Interpreta-
tionsgrundlage unterschiedlichen Sprachge-
brauchs dienen können (vgl. Dittmar/
Schlobinski/Wachs 1986; Dittmar/Schlobin-
ski 1988). – Dezidiert interaktionsanalytisch
ausgerichtet ist das umfangreiche Mannhei-
mer Projekt „Kommunikation in der Stadt“
(vgl. Kallmeyer 1994–95). Dabei geht es um
die ethnographische Beschreibung von ein-
zelnen Stadtteilen, von jeweils typischen
Kommunikationssituationen, die als konsti-
tutiv für das Stadtteilleben gelten können,
und von spezifischen Gruppen, deren sozia-
ler Zusammenhang sich über personale
Netzwerke und eine gemeinsame Interak-
tionsgeschichte herstellt (z. B. eine „Kegel-
gruppe“ von Berufskollegen etc.). Dialek-
tales Sprechen und seine Strukturen
interessieren hier nicht per se, sondern wer-
den als einer von mehreren interaktionsana-
lytisch relevanten Parametern in die ethno-
graphische Beschreibung mit einbezogen.
Dies gilt auch für die Untersuchung unter-
schiedlicher lokaler Kommunikationskultu-
ren in Bern (vgl. Lieverscheidt et al. 1995);
dabei stehen individual- bzw. gruppenspezifi-
sche Modi der Selbstdarstellung, der Verbali-
sierungsfreudigkeit, der Themeneinführung
und Themenbehandlung etc. im Mittelpunkt.
Eine von den bisher dargestellten Ansät-
zen abweichende Richtung der Stadtspra-
chenforschung verfolgt Auer (1990) in seiner
Analyse der Konstanzer Alltagssprache. Die
detaillierte Analyse unterschiedlicher pho-
nologischer Regeln und des Grades ihrer
wechselseitigen Korreliertheit dient nicht
dem Nachweis des sozialen Symbolisie-
rungswertes einzelner Regeln für je spezifi-
sche Sprechergruppen, sondern der mög-
lichst adäquaten Erfassung der Struktur
des alltagssprachlichen phonologischen Re-
pertoires der Konstanzer „Sprechgemein-
schaft“ – der Erfassung jener Möglichkeiten
92. Dialektologie 887
also, die dem Sprachbenutzer insgesamt zur
Verfügung stehen (vgl. 3.4.).
3.4. Strukturen sprachlicher Repertoires
Die zuletzt angesprochene Frage der Struk-
turierung des Varietätenraumes zwischen
Dialekt und Standardsprache gehört zu den
zentralen Forschungsaufgaben der deutsch-
sprachigen Dialektologie, Variations- und
Soziolinguistik (vgl. Überblick in Munske
1983; Auer 1990; Christen 1998; Spangen-
berg 1998; Scheutz 1999). Nach wie vor
dominant ist dabei die Vorstellung verschiede-
ner quasi-homogener Sprachschichten zwi-
schen den beiden sprachlichen Polen. Neben
der lange tradierten und populären Dreitei-
lung Dialekt – Umgangssprache – Hoch-
sprache sind auch Gliederungen mit bis zu
sechs unterschiedlichen Sprachschichten vor-
geschlagen worden. Problematisch daran ist
allerdings, dass sich eine solche Varietät
durch klare strukturelle Merkmale – etwa
eine Menge von Kookkurrenzrestriktionen,
die nur für diese Varietät gelten – von an-
deren Varietäten abgrenzen lassen müsste.
Die plakative Demonstration der möglichen
Realisierung einzelner Wörter oder Sätze
in unterschiedlichen „Dialektniveaus“ kann
jedoch keine ausreichende Evidenz für das
Postulat diskreter, grammatisch definierter
Sprachschichten sein (vgl. die Kritik in
Scheutz 1999, 106ff.). Die soziolinguistische
Alternative liegt im Konzept des differenzier-
ten „sprachlichen Repertoires“ – eine para-
digmatisch geordnete Menge von Ausdrucks-
alternativen –, das den einzelnen Sprechern
zur Verfügung steht. Die traditionellen Kon-
strukte von Umgangssprache, Verkehrsspra-
che, Halbmundart u. dgl. lösen sich damit auf
in ein höchst komplexes Konglomerat ver-
schiedener und verschiedenartiger Regeln
und Formen innerhalb eines multidimensio-
nalen Variationsraumes. Hier finden Konver-
genz- und Divergenzprozesse statt, die aus der
Wechselwirkung einzelner konfligierender
(artikulationsphonetischer, phonologischer,
morphologischer, kognitionspsychologischer,
soziolinguistischer) Parameter resultieren.
Um die Struktur der sprachlichen Variation
erkennen und adäquat beschreiben zu kön-
nen, ist es notwendig, die Anwendungsbedin-
gungen und Kookkurrenzbeziehungen der
einzelnen Regeln und Merkmale und ihre so-
zialstilistische Wertigkeit möglichst detail-
liert zu erfassen. Komplementär dazu ist es
notwendig, eine theoretisch plausible Model-
lierung dieses sprachlichen Gesamtgefüges in
Angriff zu nehmen. Das innerhalb des La-
bovschen Paradigmas postulierte „eindimen-
sionale“ Variationsmodell, das von einer ein-
zigen zu Grunde liegenden Grammatik und
entsprechenden – mit unterschiedlichen Fak-
toren kovariierenden – variablen Regeln aus-
geht, ist für die Beschreibung und Erklärung
der deutschsprachigen Dialekt/Standard-
Variation und ihrer lokal differierenden
Struktur ungeeignet. Von Seiten einer theore-
tisch interessierten Dialektologie und Varia-
tionslinguistik sind dafür ungleich plausible-
re „zweidimensionale“ Modelle vorgeschlagen
worden, die die Existenz zweier unterschied-
licher – dialektaler vs. standardsprachlicher –
zugrundeliegender Strukturen postulieren.
Diese Strukturen dienen jeweils als Aus-
gangspunkt inhärent variabler (intrasystema-
rer) standard- bzw. dialektspezifischer pho-
nologischer Regeln unterschiedlichen Formats
(z. B. prälexikalische – lexikalische – postlexi-
kalische Regeln); von ganz anderer Art sind
dagegen jene (intersystemaren) Korrespon-
denzregeln, die jeweils dialektale und stan-
dardsprachliche Entsprechungsformen einan-
der zuordnen (vgl. dazu den Überblick in
Auer 1990, 257ff.).
3.5. Sprachvariation und Sprachwandel
Die Konstruktion einer Sprachverände-
rungstheorie gehört zu den essentiellen Auf-
gaben der allgemeinen Linguistik und der
Soziolinguistik (zum Lautwandel vgl. Art.
166). Die Konzentration auf die Erstellung
eines universellen Katalogs möglicher Ver-
änderungen, die Suche nach (sprachinter-
nen) Erklärungen für einzelne Verände-
rungstypen, und nicht zuletzt die Art der zur
Verfügung stehenden Daten ließen inner-
halb der allgemeinen Linguistik notorisch
die Fragen nach der Entstehung und Aus-
breitung von Veränderungen in den Hinter-
grund treten. Das Interesse der Soziolin-
guistik richtet sich nun vornehmlich auf
diese prozessualen Aspekte von Verände-
rungen. Da auffindbare Sprachvariation
und aktuell vor sich gehender Sprachwandel
in einem wechselseitigen Bedingungsgefüge
stehen, kann mit den Methoden der synchro-
nen Variationsforschung auch der diachrone
Veränderungsvorgang empirisch untersucht
werden: Schnitte durch das gegenwartssprach-
liche Varietätenspektrum reflektieren eine
„Momentaufnahme“ unterschiedlicher Ver-
änderungsstadien in Sprachveränderungspro-
zessen. Mit der Konstruktion einer „sozial
realistischen“ Sprachveränderungstheorie ist
888 VI. Neighbouring Disciplines
ein direkter Bezug zu den in Kap. 2 angespro-
chenen Fragestellungen und Einsichten aus
der Frühzeit der allgemeinen Linguistik und
der Dialektologie hergestellt: Schuchardts Po-
sition nimmt das moderne Verständnis von
Veränderungen als multidimensionale Diffusi-
onsprozesse vorweg; die besonders innerhalb
der romanischen Dialektologie untersuchten
sozialen Einflussfaktoren werden in rezenten
sozio- und variationslinguistisch ausgerichte-
ten dialektologischen Projekten im Detail zu
ergründen versucht. Während sich angloame-
rikanische Arbeiten zunehmend mit der Er-
kundung des konkreten Vorgangs der Entste-
hung und der Weitergabe von Neuerungen
beschäftigen – also der Frage, wie aus der
ungerichteten Variation von Merkmalen tat-
sächlich spezifisch gerichtete Variation und
damit Sprachwandel entsteht und welche Pa-
rameter diese Variation steuern (vgl. Milroy
1992; Labov 2001) –, steht in der deutschen
Soziodialektologie nach wie vor die Doku-
mentation des unterschiedlichen Gebrauchs
von dialektalen Merkmalen in Abhängigkeit
von sprachinternen und -externen Faktoren
im Mittelpunkt. Die Ergebnisse lassen sich
zumeist als Prozesse des Dialektabbaus inter-
pretieren. Dieser Dialektabbau führt nicht nur
zum Verschwinden dialektaler Merkmale und
Regeln, sondern kann sich auch als Etablie-
rung neuer „umgangssprachlicher“ Aus-
gleichsformen im Spannungsverhältnis von
Dialekten und überregionaler Standardspra-
che niederschlagen (vgl. 3.4.). Es handelt sich
somit um Konvergenzvorgänge, die Unter-
schiede zwischen Varietäten verringern. Ne-
ben solchen vertikalen Konvergenzprozessen
treten jedoch auch varietäteninterne Verände-
rungen (sowohl in Dialekten als auch in (re-
gional)standardsprachlichen Varietäten) auf,
die zu Divergenzentwicklungen führen kön-
nen; auch zwischen benachbarten Dialekten
sind Konvergenz-/Divergenzprozesse zu beob-
achten. Trotz zahlreicher einschlägiger Vorar-
beiten bleibt für eine sprachwandeltheoretisch
interessierte Dialektologie noch viel zu tun.
Ein zentrales Desiderat liegt dabei in der
Überwindung der bestehenden Barrieren zwi-
schen Soziolinguistik und theoretisch orien-
tierter allgemeiner Linguistik. So wertvoll und
aufschlussreich einzelne Arbeiten zweifellos
sind, bleibt doch kritisch anzumerken, dass
nur in seltenen Fällen die deskriptive Ebene
transzendiert wird; die Auswahl der unter-
suchten – meist phonologischen – Merkmale
erfolgt häufig ohne Bezugnahme auf die
Strukturen des Gesamtsystems und ist zu-
meist eher forschungspraktischen Zweckmä-
ßigkeiten als theoretischen Begründungen ge-
schuldet. Eine entsprechende Fundierung,
verbunden mit differenziertester empirischer
Analysearbeit, scheint jedoch notwendig, um
zu einem tieferen Verständnis von Verände-
rungsvorgängen zu gelangen (vgl. etwa La-
bovs Auseinandersetzung mit der Theorie des
„junggrammatischen“ Wandels und der „lexi-
kalischen (und sozialen) Diffusion“ 1981;
1994; 2001). – Analog zu der im vorangegan-
genen Abschnitt diskutierten Notwendigkeit
eines zweidimensionalen Modells für die Be-
schreibung und Erklärung von lautlichen
Variationsstrukturen im Deutschen muss auch
für Wandelprozesse zwischen intrasystemarer,
inhärenter Variabilität und entsprechenden
Veränderungen und intersystemaren Substitu-
tionsvorgängen unterschieden werden (vgl.
Scheutz 1982); die theoretisch präzise Diffe-
renzierung unterschiedlicher phonologischer
Regeltypen erweist sich als entscheidend für
die Interpretation ihrer spezifischen Variati-
onsstruktur in Akkomodations- und Wand-
lungsprozessen (vgl. Hinskens’ (1996) vorbild-
hafte Studie über Dialektausgleichsvorgänge
im Limburgischen und den in Hinskens (1998)
aufgezeigten Zusammenhang von unterschied-
lichen Lautveränderungstypen mit post-
lexikalischen, lexikalisch diffundierenden und
lexikalisierten phonologischen Regeln).
Die angesprochene zweidimensionale Sicht-
weise taucht in der Wissenschaftsgeschichte
der Dialektologie ebenso auf wie die „jung-
grammatische“ Kontroverse um unterschied-
liche Formen von Lautveränderungen – die
dialektologische Unterscheidung zwischen
„Lautwandel vs. Wortverdrängung“ (Haag
1929/30) bzw. „Lautwandel vs. Lautersatz“ in
der Wiener Schule der Dialektologie (Lessiak,
Pfalz, Kranzmayer in Wiesinger 1983) nimmt
zentrale Themen der rezenten sprachwandel-
theoretischen Forschungsdiskussion vorweg. –
Die einschlägige Relevanz dialektologischer
Vorarbeiten erweist sich auch noch in anderer
Hinsicht: Die alten Ortsaufnahmen der tradi-
tionellen Dialektologie bieten mit ihrem z.T.
reichhaltigen Datenmaterial die Vorausset-
zungen für einen Vergleich mit gegenwärtigen
Verhältnissen; der verschiedentlich beklagte
Umstand, dass sich aus forschungsprakti-
schen Gründen meist keine „real time“, son-
dern lediglich „apparent time“ Untersuchun-
gen zum Sprachwandel anstellen ließen,
verlöre damit zumindest für gut dokumen-
tierte Dialektlandschaften an Brisanz.
92. Dialektologie 889
3.6. Sprachvariation als linguistische
Ressource
Die Grenzen des Labovschen quantitativen
Paradigmas der Soziolinguistik liegen in der
dezidierten Orientierung am soziologischen
Schichtenmodell; Sprachverwendung und
soziale Kategorien sind direkt aufeinander
bezogen. Daraus ergibt sich folgerichtig
auch das Postulat, dass sich der Prestigewert
einzelner sprachlicher Merkmale zwangs-
läufig aus seiner sozialschichtspezifischen
Verortung ableiten lasse und für alle Gesell-
schaftsmitglieder in gleicher Weise gültig
sei. – Interaktionsanalytische Ansätze set-
zen dem gegenüber auf die Beobachtung
von Kommunikationsprozessen in sozialen
Beziehungsnetzwerken – hier ist der Ort, an
dem jene gruppenspezifische Wertvorstel-
lungen, Einstellungen und Verhaltensmuster
entstehen, die auch für das individuelle
Sprachverhalten ausschlaggebend sind; die
soziale Schichtzugehörigkeit erweist sich da-
bei vielfach als zweitrangig. Von besonderer
Bedeutung für diesen interaktionsanalyti-
schen Ansatz der Sprachvariationsfor-
schung sind die Arbeiten von Gumperz; in
unserem Zusammenhang interessieren vor
allem seine Untersuchungen zum Code-
switching. Die einflussreiche Studie zur
kommunikativen Funktion von Dialekt und
Standardsprache in einem kleinen norwe-
gischen Ort (Blom/Gumperz 1972) zeigte
eindrücklich die Bedeutung von Bezie-
hungsnetzwerken für die Ausbildung von
Kommunikationsverfahren, die als rhetori-
sche Strategien den Einsatz der unterschied-
lichen Sprachvarietäten steuern. Obzwar
alle Informanten in der dialektologischen
Befragung annähernd dieselben dialektalen
Merkmale produzierten, ergaben sich in der
verbalen Interaktion gravierende Unter-
schiede: Während eine Gruppe den Dialekt
als unmarkierte Varietät in den meisten
alltäglichen Kommunikationsanlässen be-
nützt, standardsprachliche Varianten dage-
gen lediglich auf „offizielle“ Situationen be-
schränkt („situatives“ Code-switching),
verwendet eine andere Gruppe, für die eben-
falls der Dialekt in den meisten Situationen
als unmarkierte Varietät gilt, die Standard-
sprache nicht nur in offiziellen Situationen,
sondern wechselt auch innerhalb des glei-
chen konversationellen Aktivitätstyps vom
Dialekt in die Standardsprache („metapho-
risches“ Code-switching); eine dritte Grup-
pe schließlich benützt die Standardsprache
als unmarkierte Varietät und wechselt so-
wohl situativ als auch innerhalb eines gleich-
bleibenden Aktivitätstyps in den Dialekt.
Dies macht deutlich, dass die kontextuelle
Einbettung der Interaktion nicht nur an au-
ßersprachlichen Faktoren festzumachen ist,
sondern von den Gesprächspartnern selbst –
u. a. durch die Verwendung bestimmter Va-
rianten aus dem verfügbaren sprachlichen
Repertoire – interaktiv produziert wird. Die
Variantenwahl fungiert somit als Kontex-
tualisierungshinweis, als linguistische Res-
source zur Definition der Situation und zur
adäquaten Bedeutungszuschreibung und In-
terpretation von Äußerungen (vgl. Gumperz
1982). Das Verstehen von Kontextualisie-
rungshinweisen setzt das Vorhandensein
jeweils gleicher sozialer Wert- und Wissens-
systeme voraus, die in sozialen Beziehungs-
Netzwerken durch regelmäßige Kommunika-
tion mit spezifischen Kommunikationszielen
und entsprechenden Kommunikationsverfah-
ren ausgebildet werden. – Wenngleich der
überwiegende Teil der Untersuchungen zum
Code-switching bi- und multilinguale Spre-
chergemeinschaften betreffen (vgl. Auer
1998), ist dieser Ansatz zweifellos auch für –
lokal unterschiedliche – sprachliche Reper-
toires im Spannungsverhältnis von Dialekt
und Standardsprache von zentraler Relevanz.
Für das Deutsche liegen mit der Studie von
Auer (1986) und z.T. auch mit dem Mannhei-
mer Stadtsprachenprojekt (vgl. 3.3.) erste An-
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892 VI. Neighbouring Disciplines
1. Einleitung
2. Sprachliches Wissen
3. Spracherwerb
4. Sprechen und Sprachverstehen
5. Literatur (in Auswahl)
1. Einleitung
Die Psycholinguistik als eine Kognitionswis-
senschaft beschäftigt sich mit der Frage,
welches Wissen und welche kognitiven Pro-
zesse die Sprachfähigkeit des Menschen aus-
machen. Nach dem Stand der Forschung ist
davon auszugehen, dass Menschen, die in
den ersten Lebensjahren störungsfrei ihre
Muttersprache erworben haben, über ein
umfassendes und differenziertes, systemati-
sches Sprachwissen verfügen und in der
Lage sind, die hoch routinisierten kogniti-
ven Programme sowie die jeweils passenden
sprachlichen Mittel in der Kommunikation
zu verwenden, also sowohl zu äußern als
auch in den Äußerungen der Gesprächs-
partner zu verstehen. Auch wenn die Psy-
cholinguistik in ihrer wissenschaftlichen
Systematik eine vergleichsweise junge Diszi-
plin ist, so ist doch festzuhalten, dass das In-
teresse von Wissenschaftlern seit der Antike
auf kognitive Vorgänge des Spracherwerbs
und der Sprachverarbeitung sowie auf ande-
re sprachliche Phänomene gerichtet wurde;
vgl. die Artikel in den Kapiteln I bis XII des
Handbuchs ,Geschichte der Sprachwissen-
schaften‘ (Auroux/Koerner/Niederehe u. a.
2001). Zu einem systematischen, empiri-
schen, heute vorwiegend experimentell ar-
beitenden Forschungsgebiet hat sich die
Psycholinguistik unter dem Einfluss der na-
turwissenschaftlichen Revolution seit der
Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt. Mit
einer geradezu rasanten Differenzierung der
Methoden gingen einerseits rasche und
reichhaltige Erkenntnisfortschritte, anderer-
seits aber auch eine deutliche Spezialisie-
rung einher. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt
haben sich die folgenden Schwerpunkte in
der Psycholinguistik als forschungsrelevante
Gegenstandsbereiche etabliert: Spracher-
werb, sprachliches Wissen und Sprachverar-
beitung, die jeweils in ihren normalen Aus-
prägungen sowie in den verschiedenen
Störungs- und Krankheitsbildern untersucht
werden. Den derzeitigen Stand der For-
schung stellen bei wechselnder Schwer-
punktbildung Carroll (1999), Dietrich
(2002) und Whitney (1998) im Überblick
dar. Mit soziolinguistischen Phänomenen
sind Spracherwerb und Sprachverarbeitung
enger verbunden als die anderen psycholin-
guistischen Arbeitsgebiete. Sie stehen des-
halb in diesem Artikel im Mittelpunkt.
2. Sprachliches Wissen
Im Spracherwerb wird das sprachliche Wis-
sen erworben, das dann seinerseits für die
Sprachverarbeitung grundlegend ist. Wenn
wir mit jemandem reden – selbst etwas
sagen oder hören, was gesagt wird – liegt
unsere Aufmerksamkeit auf den Sachver-
halten, von denen die Rede ist, und nicht
auf der Sprache selbst. Auf Laute, Wörter,
Sätze und Texte und auf die Fähigkeit, sie
fließend auszusprechen und zu verstehen,
wird man im Allgemeinen erst unter Bedin-
gungen aufmerksam, die der Kommunika-
tion fremd sind. Dieser Tatsache wird man
sich eigentlich erst bewusst, wenn man sich
z. B. in einer Fremdsprache übt, wenn man
die Ausdrucksweise eines Kindes beobach-
tet, wenn man sich beim Lösen eines Kreuz-
worträtsels versucht oder eine schwer les-
bare Handschrift entziffert. Intuitiv und
ungewollt, nimmt man diese Beobachtungs-
perspektive auch leicht dann ein, wenn man
einen der seltenen und meist erheiternden,
ungewollten Versprecher hört wie in dieser
Konzertansage eines Rundfunksprechers:
„Sie hören nun die h-Mess-Molle, Verzei-
hung, die h-Moss-Melle, ich bitte sehr
um Entschuldigung, die h-Moll-Messe von
Johann Sebaldrian Bach – ich häng mich
auf!“ (Leuninger 1993, letzte Umschlag-
seite).
Dass solche Lautvertauschungen passie-
ren, lässt darauf schließen, dass die komple-
xe Wortform h-Moll-Messe für den Zweck
der aktuellen Äußerung zusammengesetzt
worden ist und dass die Verarbeitung nicht
planmäßig abgelaufen ist. Darin zeigt sich,
dass die menschliche Sprachfähigkeit auch
die kognitiven Prozeduren des Sprechens
und Hörens sowie des Lesens und Schrei-
bens umfasst. Die Selbstkorrektur wieder-
um zeigt, dass die korrekte Form dem Spre-
cher bekannt, also irgendwo in seinem
sprachlichen Wissen gespeichert ist.
93. Psycholinguistik/ Psycholinguistics
93. Psycholinguistik 893
2.1. Inhalt und Aufbau des sprachlichen
Wissens
Das sprachliche Wissen ist in erster Linie
nicht bewusstes Wissen, sondern Wissen
ähnlich der unbewussten Kenntnis der drei-
dimensionalen Gliederung des Raumes bei
der Durchführung von Bewegungen oder
der Beherrschung der Schwerkraftverhält-
nisse bei der Manipulation von Objekten im
Raum. Bestandteile des sprachlichen Wis-
sens sind eine quasi ,selbstverständliche‘
Kenntnis des Sprachsystems mit all seinen
Produktions- und Rezeptionsprozessen, so-
wie ein ebenso selbstverständliches Wissen
über Einheiten und Strukturen mitsamt der
Frequenz ihrer Verwendung. In diesem Ab-
schnitt wird dieser letztere Komplex be-
trachtet. Ihm liegt wiederum eine Zweitei-
lung zugrunde, und zwar in einerseits das
Inventar der sprachlichen Einheiten, d. h. le-
xikalisches Wissen, das als sog. mentales Le-
xikon im Langzeitgedächtnis gespeichert ist,
und in andererseits grammatisches Wissen,
das Kombinationsregeln für die Verknüp-
fung dieser Einheiten in der Form einer
mentalen Grammatik bereit stellt. Evidenz
für diese Wissensbestände gewinnt man im
Wesentlichen aus zwei Quellen. Eine nahe
liegende erste Quelle ist die Beobachtung
des alltäglichen Umgangs mit Sprache. So
verwenden Menschen einer Sprachgemein-
schaft für dieselben Sachen im Großen und
Ganzen dieselben Wörter und sprechen sie
übereinstimmend aus. Sie konstruieren ihre
Sätze nach denselben Kombinationsregeln.
Auch erkennen Menschen Abweichungen in
Versprechern, in den Äußerungen von Fremd-
sprachensprechern und in dem sprachlichen
Verhalten von Sprachkranken. Weitere Evi-
denz entstammt systematischen Beobachtun-
gen, den Ergebnissen zahlreicher Sprachver-
stehens- und Sprachproduktionsexperimente.
Auf einzelne Experimente wird jeweils im Zu-
sammenhang mit dem untersuchten Phäno-
men eingegangen.
2.1.1. Lexikalisches Wissen
Das mentale Lexikon eines Individuums
verfügt durchschnittlich über 50.000 lexika-
lische Einheiten. Hierbei ist zu berücksichti-
gen, dass die individuelle Ausstattung des
mentalen Lexikons durch soziale Faktoren
erheblich variieren kann. Die lexikalischen
Einheiten stellen nun nicht einfach eine Lis-
te von Wörtern einer bestimmten Sprache
dar. Vielmehr repräsentiert jede Einheit eine
Menge von Informationen, unter anderem
über die Verwendungsbedingungen und die
Bedeutung eines Wortes sowie über das ggf.
damit bezeichnete Konzept. Sie enthalten
aber auch Informationen über alle gramma-
tisch relevanten syntaktischen Eigenschaf-
ten eines Wortes sowie über alle für die Arti-
kulation bzw. die Schreibung relevanten
lautlichen bzw. graphematischen Eigen-
schaften. Dabei haben allerdings die lautli-
chen Eigenschaften Vorrang. Wir müssen
also, entsprechend der Vielfalt der gespei-
cherten Information für die Gliederung des
mentalen Lexikons eine komplexe Struktur
annehmen. Stand der Forschung ist es, zu-
nächst eine horizontale Gliederung in Ebe-
nen je nach Art der Information anzuneh-
men. Demnach gliedert sich das Lexikon in
eine konzeptuelle Ebene, eine syntaktische
Ebene und eine phonologische Ebene, die
auch Information über Verwendungshäufig-
keiten enthält. Hinzu kommt eine vertikale
Gliederung, die durch die Verknüpfung der
zu einer lexikalischen Einheit gehörenden
Information orthogonal zu den Ebenen ent-
steht. Daraus ergibt sich in grober Annähe-
rung schematisch das folgende Bild vom
Aufbau des Lexikons (Abb. 93.1).
Für die Stichhaltigkeit der Annahme,
dass es so etwas wie lexikalische Einheiten
gibt, spricht ganz allgemein, dass gesunde,
erwachsene Menschen in der Lage sind, Ob-
jekte eindeutig zu benennen. Abstraktere
Evidenz beschrieb schon Cattell (1885). Die
Beobachtung war, dass unter bestimmten
Bedingungen die Verarbeitung einzelner
Buchstaben beim Lesen länger dauerte als
die Verarbeitung ganzer Wörter. Es zeigte
sich später auch, dass Reihen von Buchsta-
benfolgen, die sog. Non-Wörter ergeben,
langsamer verarbeitet werden als gleich lan-
ge Ketten tatsächlicher Wörter. Von Reicher
(1969) wurde nachgewiesen, dass diese Ef-
fekte nicht etwa auf Häufigkeitsphänomene
beim Übergang von einem zum anderen
Buchstaben zurückgehen, sondern dass sie
in der Tat mit der Worthaftigkeit zu tun ha-
ben. Dieser sog. Wortüberlegenheitseffekt
zeigt sich darin, dass Wörter, die zunächst
vollständig und dann teilweise maskiert prä-
sentiert werden, häufiger richtig mit einem
zur Auswahl angebotenen Buchstaben aus
der ersten Präsentation ergänzt werden als
Non-Wörter. Dieser Effekt erklärt sich wahr-
scheinlich dadurch, dass bei der Worterken-
nung immer auch auf Bedeutungsvorstellun-
gen zurückgegriffen wird. Sein genaues
894 VI. Neighbouring Disciplines
Zustandekommen, auch bei akustischer
Wahrnehmung, ist Gegenstand andauernder
Forschung (vgl. Krueger 1992, Hildebrandt/
Caplan/Sokol et al. 1995, und kritisch Balota
1994, 310). Dafür, dass Bedeutungsinforma-
tion in die lexikalische Einheit integriert ist,
spricht der sog. Stroop-Effekt (vgl. Stroop
1935). Er äußert sich darin, dass die Farbe, in
der ein Farbwort schriftlich präsentiert wird,
schwieriger zu benennen ist, wenn die Bedeu-
tung des Farbwortes mit der Schriftfarbe
nicht übereinstimmt (vgl. ausführlicher Mil-
ler 1991/1993, 148). Dass auch Lautinforma-
tionen in der lexikalischen Einheit kodiert
sind, zeigt sich daran, dass Laute in Wörtern
identifiziert werden können, auch wenn sie
durch Geräusche überlagert werden. Werden
aber einzelne Laute komplett durch Geräu-
sche ersetzt, fällt die Worterkennung schwer.
Ein Effekt, der bei Non-Wörtern nicht auf-
tritt (vgl. Samuel 1986).
Mit dem Nachweis lexikalischer Einhei-
ten ist allerdings noch nicht bestimmt, wie
komplexe lexikalische Gebilde im mentalen
Lexikon repräsentiert sind. Dazu gibt es im
Wesentlichen zwei Hypothesen, die Full-
Parsing-Hypothese und die Full-Listing-
Hypothese. Erstere besagt, dass zumindest
komplexe Wortformen im Verarbeitungs-
prozess stets analysiert und anschließend
mit Lexikoneinträgen abgeglichen werden.
Evidenz hierfür liefern sog. Stranding-Ver-
sprecher wie Stanislaw Lem verglühe ich eh-
rend (Leuninger 1993, 69), bei denen Mor-
phemvertauschungen vorliegen. Das lässt
auf einzeln gespeicherte Morpheme und de-
ren fehlerhafte Zusammensetzung im Pro-
duktionsprozess schließen. Man kann aber
auch annehmen, dass die Vertauschung erst
auf der phonologischen Ebene erfolgte, also
nach Abruf der komplett gespeicherten Ein-
heit und vor der phonologischen Kodierung.
Dies spricht für die zweite Hypothese, nach
der die lexikalischen Einheiten mit allen
Strukturinformationen en bloc gespeichert
sind. Beide Annahmen konfligieren in ihrer
Reinform mit der strikt ökonomischen Or-
ganisation des menschlichen Geistes. Die
Full-Listing-Annahme impliziert eine Ver-
letzung des Ökonomieprinzips, weil aus ihr
Abb. 93.1: Schema des in lexikalische Einheiten (vertikale Gliederung) und in Ebenen gegliederten Netz-
werks von Informationen im mentalen Lexikon.
93. Psycholinguistik 895
folgt, dass im mentalen Lexikon unökono-
misch viel Speicherkapazität belegt wird, die
Full-Parsing-Annahme impliziert einen un-
ökonomisch hohen Zeitaufwand als Folge
des aufwendigen Rechenaufwandes in jedem
Verwendungsfall der komplexen Einheit.
Mittlerweile weiß man, dass einiges für
den folgenden Ausweg aus dem Dilemma
spricht: Speicherung der komplexen Form
wird angenommen, wenn es um nicht trans-
parente Wortformen, wie unregelmäßige
Tempusformen geht, die zu hohen Analyse-
aufwand bedeuten und sie wird ebenfalls an-
genommen aufgrund von Häufigkeitseffek-
ten wie sie plural- oder singulardominan-
te Wortformen zeigen. Insbesondere der
schnellere Zugriff auf die Pluralform bei
pluraldominanten Wörtern im Vergleich zu
deren Singularform spricht dafür, dass die
eigentlich komplexere Form nicht zerlegt
worden sein kann. Experimentell nachge-
wiesen wurde dies von Schreuder/Baayen
(1995) in einem lexikalischen Entschei-
dungsexperiment, bei dem die Versuchsper-
sonen visuell oder auditiv präsentierte Sti-
muli so schnell wie möglich als Wörter oder
Non-Wörter ihrer Sprache identifizieren
sollen. Die wesentlichen Faktoren bei der
Speicherung lexikalischer Einheiten schei-
nen demnach Frequenz und Analyseauf-
wand zu sein (vgl. zur gesamten Problematik
Schriefers 1999); für Full-Listing argumen-
tieren Butterworth 1983; Seidenberg 1987,
für Full-Parsing Pinker/Prince 1991, für eine
Synthese Caramazza/Laudanna/Romani
1988; Chialant/Caramazza 1995).
Die grundlegende Gliederung des menta-
len Lexikons in einen lautlichen Bereich, die
Lexemebene, und einen nicht-lautlichen Be-
reich, die Lemmaebene, gilt inzwischen als
gesichert. Einfache Evidenz dafür findet
sich im Alltagsphänomen des Auf-der-Zun-
ge-Liegens eines Wortes, dem Tip-of-the-
Tongue- oder TOT-Phänomen, bei dem
man zwar Bedeutung und Syntaxinformati-
on zum gesuchten Wort angeben kann, die
Lautform aber, zumindest vorübergehend,
nicht. Brown/McNeill (1966) haben dieses
Phänomen auch experimentell bestätigt.
Dass die Informationen einer lexikalischen
Einheit vertikal verknüpft sind, zeigt sich in
Priming-Experimenten, bei denen in einer
lexikalen Entscheidungsaufgabe, vor der
Präsentation des Zielwortes ein semantisch
ähnliches Wort gezeigt wird. Dies führt
dann zur schnelleren Entscheidung zwi-
schen Wort und Non-Wort. Auch bei gehör-
tem Prime-Wort und gelesenem Zielwort
tritt dieser Effekt auf. Demnach hängen un-
ter anderem semantische, phonologische
und graphematische Informationen einer le-
xikalischen Einheit zusammen (vgl. Seiden-
berg/Mc Clelland 1989; kritisch Besner 1990).
Die horizontale Gliederung lässt sich am
einfachsten vom Lemma her veranschauli-
chen. Dieses verknüpft die Ausdrucksseite
einer lexikalischen Einheit nach oben mit se-
mantischer Information, die je nach Modell
auch auf übereinzelsprachlicher, konzeptu-
eller Ebene angesiedelt sein kann. Nach
„unten“ stellt das Lemma die Verbindung
zur syntaktischen Information, d. h. Infor-
mation über Wortart, Genus, Argumente,
her. Weiter unten schließt sich die im Lexem
kodierte lautliche Information an (vgl. Dell
1990). Evidenz für diese Ebenen, die als ver-
schiedene Prozessphasen in der Sprachpro-
duktion effektiv werden, sah Garrett (1980)
in Versprechern wie Liebling, ich gehe die
Mülltüte holen und in einem die Post wegwer-
fen; ausführlich referiert ist Garretts Ver-
sprecheranalyse in Dietrich (2002, 145ff.).
Solche Wortvertauschungen, die zu einer
syntaktisch wohlgeformten Struktur führen,
können nur stattfinden, wenn die syntakti-
sche Kodierung vor der lautlichen Kodie-
rung abgeschlossen ist. Experimentelle Evi-
denz für diese Unterscheidung, die auch auf
die semantische Information ausgedehnt
werden kann, fanden Levelt/Schriefers/Vor-
berg et al. (1991). Neben einer Objektbenen-
nungsaufgabe sollte hier in einigen Fällen
eine lexikale Entscheidungsaufgabe ausge-
führt werden, bei der das zu entscheidende
Testitem entweder semantisch oder phono-
logisch ähnlich oder identisch zum Objekt-
begriff war oder völlig beziehungslos dazu.
Es zeigte sich, dass die semantisch bzw. pho-
nologisch ähnlichen Testitems die Entschei-
dungszeit unterschiedlich beeinflussten.
Wenn das Lemma des Zielwortes, also auch
die semantische Information, schon ausge-
wählt wurde, kann demnach nur ein dem
Zielwort lautlich ähnliches Testwort die
Entscheidungszeit verkürzen, weil dann
ähnliche Lexeme ko-aktiviert sind. Die hier
vorgestellte Gliederung des mentalen Lexi-
kons findet ihre Entsprechung in Annahmen
über den Sprachverarbeitungsprozess.
2.1.2. Grammatisches Wissen
Bezüglich des grammatischen Wissens ist
zwischen Art und Inhalt des Wissens einer-
seits und der Art und Weise seiner Repräsen-
896 VI. Neighbouring Disciplines
tation andererseits zu unterscheiden. Den
Inhalt des grammatischen Wissens betref-
fend, unterscheidet man weiter zwischen
den universalen Wissensbeständen, die zur
kognitiven Grundausstattung des Menschen
gehören und den einzelsprachlichen Spezi-
fizierungen. Für diese Unterscheidung
spricht unter anderem, dass einerseits alle
bekannten Sprachen praeter propter über
Kategorien wie Nomina und Verben verfü-
gen, andererseits aber deren Anordnung im
Satz, z. B. Subjekt-Verb-Objekt oder Sub-
jekt-Objekt-Verb, Sprachen typologisch
unterscheidet. Was unter dem universalen
grammatischen Wissen genau zu verstehen
ist, ist umstritten. Die nativistische, mit dem
Namen Chomsky (1993, 1995) verbundene
und im eigentlichen Sinne universalgram-
matische Position geht davon aus, dass
dieses Wissen als Manifestation der mensch-
lichen Sprachfähigkeit ein vom übrigen Pro-
blemlösewissen isoliertes kognitives Modul
darstellt. Evidenz dafür wird im Spracher-
werb gesehen, da dieser beim gesunden
Kind immer stattfindet und immer zum Er-
folg führt, obwohl die Inputdaten unterde-
terminiert sind, also an der Oberfläche nicht
alle notwendigen Strukturbildungsprozesse
erkennen lassen, und obwohl sie defizient
sein können, also ungrammatische Struktu-
ren aufweisen können. Außerdem fehlt dem
Kind die sog. negative Evidenz, d. h. dem
Kind begegnen im Input keine expliziten
Hinweise auf kombinatorisch mögliche aber
umgebungssprachlich ,falsche‘ Strukturen,
die es bei der Ausbildung seiner grammati-
schen Kenntnisse leiten könnten. Die bloße
Abwesenheit formal möglicher, aber nicht
zielsprachlicher Strukturen im Input reicht
nicht aus, um zu erklären, dass sie vom Kind
nicht als nicht wohlgeformt abgelehnt wer-
den. Beobachtungen, die diese Annahmen
stützen, finden sich unter anderem in Fodor
(1983), Pinker (1994) und in den kontrover-
sen Diskussionen in Eubank (1991). Die ko-
gnitivistische Gegenposition, vertreten in
Slobin (1985) und Klein (1991) und – im
Blick auf den Zweitspracherwerb – in Klein/
Perdue (1997), sieht das universale Wissen
als die Fähigkeit an, Wahrnehmungen kate-
gorisieren und ggf. Funktionen zuordnen zu
können. Bezogen auf Sprache werden sog.
Operationsprinzipien als Verarbeitungsma-
ximen angenommen, die es ermöglichen für
den Aufbau sprachlichen Wissens relevante
Daten aus dem Input zu isolieren. Beispiels-
weise weist ein solches Prinzip den Sprach-
erwerbsmechanismus an, die letzte Silbe ei-
ner Einheit besonders zu beachten. Als
Resultat zeigt sich, dass post-verbale und
post-nominale Markierungen eher als prä-
verbale und prä-nominale erworben werden,
und dieses auch sprachübergreifend (vgl.
Slobin 1985, 1164ff.). Trotz aller Unter-
schiede ist festzuhalten, dass es einen uni-
versalen Wissensbestand geben muss, der
den Spracherwerb steuert und schließlich zu
einzelsprachlichem grammatischen Wissen
führt.
Dieses einzelsprachliche Wissen war bis-
her nur in begrenztem Umfang Gegenstand
psycholinguistischer Forschung. Die we-
sentlichen Aussagen über dieses Wissen, das
Wissen über die gesamte Kombinatorik für
Satzbau, Wortbildung und Phonotaktik ei-
ner Sprache umfasst, entstammt der Lin-
guistik. Allerdings haben einige psycholin-
guistische Experimente deren Erkenntnisse
bestätigt oder auch zu Anpassungen der lin-
guistischen Theorie geführt. Schon Levelt
(1983) hat anhand von Selbstkorrekturen,
die regelmäßig mehr als nur den defekten
Ausdruck umfassen, gezeigt, dass Wissen
über die phrasale Gliederung von Äußerun-
gen vorhanden sein muss. Das deckt sich mit
Garretts (1980) Analyse von Versprecherda-
ten, die auch auf phrasales Wissen, aber
auch auf Wissen über deren Reihungsmög-
lichkeiten hindeuten. Nach neueren Expe-
rimenten, wie in van Nice/Dietrich (im
Druck) dokumentiert, scheint aber bei den
Linearisierungsprozessen nicht nur syntak-
tisches Wissen, sondern auch semantisches
Wissen wie beispielsweise solches über Fak-
toren wie Belebtheit vs. Unbelebtheit, eine
Rolle zu spielen.
Weit weniger Einigkeit besteht bei den
Annahmen darüber, wie das grammatische
Wissen mental repräsentiert ist. Hier stehen
sich zwei Modelle gegenüber, die sich hin-
sichtlich ihrer Erklärungsstärke unterschei-
den, aber auch mit Blick darauf wie gut sich
mit ihrer Hilfe Produktionsabläufe model-
lieren und simulieren lassen. Für letzteren
Zweck eignen sich die sog. konnektionis-
tischen oder Netzwerk-Modelle. Danach
ist das grammatische Wissen in den Knoten,
den Verbindungen und den Aktivations-
werten dieser Knoten und Verbindungen
kodiert. Die Aktivation kommt durch Fre-
quenzeffekte zustande und führt zu stärke-
ren und damit schnelleren Verbindungen.
Einheiten von Knoten repräsentieren kate-
goriales Wissen und die Verbindungen
93. Psycholinguistik 897
repräsentieren Strukturwissen. Auf diese
Weise gruppieren sich Knoten und Verbin-
dungen zu Schichten (engl. layer), die dann
das Konzept-, Syntax- und Phonologiewis-
sen bilden. Als probabilistisches Modell eig-
net es sich vor allem, um den Zeitbedarf von
Produktionsabläufen zu erfassen und zu
qualitativen Aussagen zu kommen, die expe-
rimentell ermittelten menschlichen Produk-
tionsdaten nahe kommen. Dagegen können
die konkurrierenden Symbolverarbeitungs-
modelle eher Prinzipien und strukturelle Res-
triktionen einer Grammatik rekonstruieren
(vgl. Fodor/Pylyshyn 1988). Sie setzen sich
nämlich aus modular organisierten formalen
Teilsystemen zusammen, die jeweils intern
Rechenprozesse über einem festen Inventar
aus Konstanten und Variablen durchführen,
deren Ergebnisse dann als Input an das
nächste Teilsystem weitergegeben werden.
Mit solchen Modellen ist nun wiederum
noch nichts über die neurophysiologische
Repräsentation sprachlichen Wissen und
seine Lokalisation im Gehirn gesagt. Lange
Zeit ging man von einer linkshemisphäri-
schen Verortung des sprachlichen Wissens
aus, wobei man annahm, dass im linken
mittleren Stirnlappen, dem Broca-Zentrum,
eher grammatisches Wissen gespeichert ist
und im linken Hinterhauptlappen, und hier
im sog. Wernicke-Zentrum, lexikalisches
Wissen. Diese Annahmen gehen zurück auf
Untersuchungen der Neurologen Broca und
Wernicke im 19. Jh., die bei Patienten,
die entsprechende sprachliche Störungen
hatten, Läsionen in der jeweiligen Region
feststellten. Aufgrund neuerer und detail-
lierterer Untersuchungsmethoden mithilfe
bildgebender Verfahren (vgl. Überblick in
Crystal 1997, Kap. 45) wird diese Zuord-
nung inzwischen kritischer gesehen. Bei
Sprachverstehensexperimenten zeigte sich,
dass die Aktivationen der Hirnzellen we-
sentlich größere Bereiche erfassen, aller-
dings keineswegs immer exakt dieselben.
Sprachproduktionsexperimente lassen sich
wegen der aufwendigen Messmethoden bis-
her noch kaum durchführen. Auch ist die
zeitliche Auflösung dieser Methoden noch
sehr gering, so dass sich auch noch keine
völlig verlässlichen Aussagen über Hirnre-
aktionen bei einzelnen Prozessschritten wie
der syntaktischen oder lautlichen Verarbei-
tung treffen lassen.
3. Spracherwerb
Die zentrale Aufgabe, die das sprachlernen-
de Kind zu lösen hat, besteht darin, heraus-
zufinden, welche Regeln der Beziehung zwi-
schen Laut und Bedeutung in seiner Sprache
zugrundeliegen. Im Mittelpunkt der aktuel-
len Spracherwerbsforschung stehen unter
anderem die beiden folgenden Fragen:
(1) Welche Arten von Wissen muss das
Kind erwerben, wenn es eine Sprache lernt?
(2) Wie gelingt dies dem Kind, d. h. wel-
cher Art sind die zugrundeliegenden Lern-
prozesse?
Was die erste Frage anbelangt, so müssen
wenigstens zwei Arten von Wissen unter-
schieden werden. Erstens, das sprachliche
Wissen im engeren Sinn, das in der Phono-
logie, Morphologie, Syntax und Semantik
der zu lernenden Sprache besteht. Dabei
sind die spezifischen Annahmen, die über
das vom Kind zu erwerbende sprachliche
Wissen und die beteiligten Lernprozesse ge-
macht werden, nicht unabhängig davon, im
Rahmen welches linguistischen Modells
man das sprachliche Wissen des Erwachse-
nen zu erfassen versucht. Zweitens muss
vom Kind die Verwendung des sprachlichen
Wissens beim Sprechen und Verstehen er-
lernt werden. Auch diese Komponente des
Spracherwerbs kann nicht unabhängig von
einer Theorie der Sprachverwendung beim
Erwachsenen untersucht werden. Im Mittel-
punkt der Spracherwerbsforschung steht die
Beantwortung der zweiten Frage. In seiner
allgemeinen Form ist dieses Problem Gegen-
stand der Lernbarkeitstheorie, die unter-
sucht, wie menschliche Sprache unter be-
stimmten Inputbedingungen, Annahmen
über die Natur des zu erwerbenden Wissens,
Fähigkeiten des Kindes, usw. erworben wer-
den kann (Wexler/Culicover 1980; Pinker
1984; Bertolo 2001). Was den konkreten Er-
werbsprozess anbelangt, so stellen sich zwei
Hauptfragen:
(1) Über welche Fähigkeiten verfügt das
Kind zu Beginn des Spracherwerbsprozes-
ses?
(2) Auf welche Informationen im sprach-
lichen und nichtsprachlichen Input greift
das Kind beim Aufbau des sprachlichen
Wissens zurück?
Spracherwerbstheorien unterscheiden sich
hauptsächlich darin, wie sie diese Fragen be-
antworten. Vor allem die Annahmen über
die anfänglichen Fähigkeiten des Kindes ha-
ben weitreichende theoretische und empi-
898 VI. Neighbouring Disciplines
rische Konsequenzen: je mehr sprachbe-
zogenes Wissen man beispielsweise dem
neugeborenen Kind zuschreibt, umso weni-
ger wird es aufgrund von Erfahrungen er-
werben müssen, und umgekehrt. Vieles deu-
tet darauf hin, dass der Spracherwerb
zumindest teilweise genetisch determiniert
ist (Lenneberg 1967; Rice 1996; Stromswold
2001). Erstens lernt nahezu jedes entwick-
lungsunauffällige Kind die wesentlichen le-
xikalischen und grammatischen Eigenschaf-
ten seiner Sprache innerhalb des gleichen
Zeitraums, nämlich den ersten drei Lebens-
jahren, und das unabhängig davon, welche
Sprache erworben wird (Slobin 1985ff.).
Zweitens ist die Fähigkeit zum Spracher-
werb sehr robust. Sie wird in vielen Fällen
selbst durch starke Beeinträchtigungen geis-
tiger oder perzeptueller Fähigkeiten oder
große Unterschiede bei den externen Er-
werbsbedingungen nicht wesentlich beein-
trächtigt.
So erwerben Kinder mit dem genetisch
bedingten Williams-Beuren-Syndrom bei
geistiger Behinderung, die im allgemeinen
mit schweren kognitiven Defiziten verbun-
den ist, erstaunliche sprachliche Fähigkei-
ten. Dabei ist noch offen, ob dies auf gleiche
Art und Weise wie bei unauffälligen Kin-
dern geschieht (Clahsen/Almazan 1998).
Diese Fälle legen auch nahe, dass die Fähig-
keit, sprachliches Wissen zu erwerben, rela-
tiv unabhängig von der übrigen kognitiven
Entwicklung ist, d. h. sie sind Evidenz für
eine eine modulare Organisation der
menschlichen Kognition.
In Bezug auf die perzeptuellen Beein-
trächtigungen zeigt sich, dass der Spracher-
werb blinder Kinder von dem sehender
Kinder nicht wesentlich verschieden ist
(Landau/Gleitman 1985). Und auch der Er-
werb der Gebärdensprache bei gehörlosen
Kindern zeigt weitgehende Gemeinsamkei-
ten mit dem der gesprochenen Sprache (Leu-
ninger 2000). Was die externen Erwerbsbe-
dingungen anbelangt, so scheint etwa der
simultane Erwerb mehrerer Sprachen keine
größeren Veränderungen im Erwerbsverlauf
der beteiligten Sprachen gegenüber der mo-
nolingualen Erwerbssituation mitsichzu-
bringen (Meisel 2001; Tracy 1995).
Drittens gibt es Hinweise darauf, dass nur
bis zu einem bestimmten Alter ein sponta-
ner, erfolgreicher Spracherwerb möglich ist,
ebenfalls auf eine genetische Determinie-
rung des Erwerbsprozesses hin. Dies zeigen
unter anderem die Fälle von Kindern, die
erst Jahre nach der Geburt zum ersten Mal
mit Sprache in Berührung kamen und so
erst verspätet mit dem Spracherwerb begin-
nen konnten. Die sprachlichen Fähigkeiten
dieser Kinder erreichen vor allem im syntak-
tischen Bereich keine normalen Werte (Cur-
tiss, 1977). Auch hängt das Maß, in dem
Kinder Sprachverluste, die durch Eingriffe
im Gehirn verursacht wurden, im Laufe der
späteren Sprachentwicklung wieder ausglei-
chen können, von dem Zeitpunkt des Ein-
griffs ab; d. h. die negativen Auswirkungen
sind umso geringer, je früher der Eingriff
stattgefunden hat (Bates/ Vicari /Trauner
1999). Daraus kann geschlossen werden,
dass sich die Sprachlernfähigkeiten im Lau-
fe der Entwicklung verändern, ohne dass
bisher klar ist, worin diese Veränderungen
im Einzelnen bestehen. Möglicherweise hän-
gen sie mit der zerebralen Entwicklung, z. B.
der Lateralisierung der Sprachzentren in der
linken Hemisphäre zusammen (Locke 1997;
Friederici/Penner/Weissenborn 2002). Die
Fähigkeit zum Erwerb einer Sprache wie der
menschlichen ist vermutlich gattungsspezi-
fisch. Tiere können ihr Verhalten mithilfe
eines zahlenmäßig beschränkten Inventars
von situationsspezifischen Signalen koordi-
nieren. Ihrem Kommunikationssystem fehlt
jedoch die Eigenschaft, die das menschliche
auszeichnet, nämlich die Möglichkeit zur
Bildung einer unendlichen Menge unter-
schiedlicher Mitteilungen auf der Basis einer
endlichen Zahl diskreter Elemente. Diese
Eigenschaft erlaubt es dem Menschen, ko-
operative Problemlösungen zu finden, die
über biologisch vorprogrammierte hinaus-
gehen. Alle Versuche Primaten Kommuni-
kationsformen beizubringen, die über diese
Eigenschaft verfügen, sind bisher geschei-
tert (Hauser 2001; Jackendoff 2002). Diese
Tatsachen legen nahe, dass das Kind von An-
fang an keine ,tabula rasa‘, kein unbeschrie-
benes Blatt ist, das sprachliches Wissen über
generelle, für alle Lerninhalte gleiche beha-
vioristische Reiz-Reaktions-Lernmechanis-
men erwirbt, sondern dass es über initiale
Fähigkeiten verfügen muss, die den zu beob-
achtenden relativ schnellen und fehlerfreien
Spracherwerb unter wechselnden Erwerbs-
bedingungen möglich machten. Deshalb ist es
plausibel anzunehmen, dass die kognitiven
Fähigkeiten des Menschen wenigstens teil-
weise modular strukturiert sind, d. h. dass
sie bis zu einem gewissen Grade auf infor-
mationsspezifischen Subsystemen beruhen,
die sich auf der Basis genetisch determinier-
93. Psycholinguistik 899
ter initialer Fähigkeiten entwickeln. Ein
zentrales Ziel der Spracherwerbsforschung
ist es, zu erfassen, worin diese initialen per-
zeptuellen und kognitiven Fähigkeiten be-
stehen, die es dem Kind ermöglichen, die für
den Erwerb des grammatischenWissens not-
wendigen Informationen im sprachlichen
und nicht-sprachlichen Input zu identifizie-
ren. Weiterhin muss geklärt werden, wie das
Kind aufgrund dieser Informationen das
zielsprachliche Wissen aufbaut. Man geht
davon aus, dass dem sprachlernenden Kind
anfänglich in unterschiedlichem Maße pho-
netisch-phonologische, konzeptuell-seman-
tische, morphologisch-syntaktische, sowie
pragmatische Informationen zur Verfügung
stehen, die im Spracherwerbsprozess mit-
einander interagieren (Hirsh-Pasek /Golin-
koff 1996). Diese Interaktion unterliegt zeit-
lichen Beschränkungen. So muss das Kind
als Erstes sprachlich relevante lautliche Ein-
heiten wie potentielle Morpheme und Wör-
ter im Input identifizieren, bevor es se-
mantisch-konzeptuelle Repräsentationen mit
lautlichen Repräsentationen verbinden, d. h.
lexikalische Bedeutungen aufbauen, und
aus dem Mit-einander-Vorkommen sprach-
licher Einheiten die zugrundeliegenden
grammatischen Regeln ableiten kann. Zum
Beispiel muss es zunächst über die lautliche
Einheit /bal/ verfügen, bevor es sie mit dem
unabhängig entwickelten Begriff BALL ver-
binden kann. Und um die Einheit /bal/ syn-
taktisch kategorisieren zu können, muss es
unter anderem auch schon Einheiten wie
/de:r/ identifiziert haben, um etwa aufgrund
des gemeinsamen Vorkommens von /de:r/
und /bal/ die Einheit /bal/ als Substantiv zu
klassifizieren.
Vermutlich ist das Kind schon sehr früh
in der Lage, die Bedeutung einer Äußerung
wenigstens teilweise aufgrund bekannter
Wörter und dem Verständnis der Sprechsi-
tuation zu erschließen. Das bedeutet, dass
der Input für die Lernmechanismen des
Kindes in zunehmendem Maße aus Paaren
von Bedeutungen und Äußerungen (,Laut-
ketten‘) besteht. Der Lernmechanimus stellt
dann versuchsweise Verbindungen zwischen
den Bedeutungselementen und den zu-
vor identifizierten lautlichen Einheiten des
sprachlichen Inputs her. Eine zentrale Funk-
tion des Sprachlernmechanismus des Kindes
ist es somit, aufgrund von perzeptueller In-
putinformation Repräsentationen zu bilden,
die in einem systematischen Verhältnis zu an-
deren linguistisch relevanten Repräsentations-
ebenen des Inputs stehen. Das Kind nutzt
also beim Spracherwerb die regelhaften Be-
ziehungen aus, die zwischen unterschied-
lichen linguistischen und nichtsprachlichen
Komponenten des Inputs bestehen (Weissen-
born/Höhle 2001). Ein Beispiel hierfür ist
der detailliert untersuchte Parallelismus
zwischen der prosodischen Struktur einer-
seits und der lexikalischen und syntakti-
schen Struktur andererseits (Jusczyk 1997;
Höhle/Weissenborn 1999). So zeigen etwa
deutsche und englische Kinder schon im
ersten Lebensjahr eine Präferenz für Laut-
kombinationen, die aus einer betonten An-
fangssilbe und einer unbetonten Folgesilbe
bestehen. Diese Präferenz ermöglicht es
dem Kind, zweisilbige Wörter, wie Katze,
die die gleiche lautliche Struktur haben, im
sprachlichen Input zu erkennen. Das heißt,
schon Säuglinge sind in der Lage, das konti-
nuierliche Sprachsignal aufgrund von Ei-
genschaften wie Grundfrequenz, Lautstärke
und Dauer in potentielle sprachliche Einhei-
ten wie Silben und Wörter zu segmentieren
und wesentliche Strukturmerkmale der Ziel-
sprache werden schon vor dem Einsetzen
der eigentlichen Sprachproduktion, d. h. im
ersten Lebensjahr erworben. Dabei scheint
die Bedeutung zunächst noch keine erkenn-
bare Rolle zu spielen. Die Sensibilität des
Kindes für die akustischen Eigenschaften
des Inputs, verbunden mit sehr effizienten
Mechanismen zu Erkennung von Vorkom-
mensmustern sprachlicher Elemente, ist so-
mit eine der wichtigsten Voraussetzungen
für die Identifikation erster sprachlicher
Einheiten und die ihrer Kombination zu-
grundeliegenden Regeln. Vermutlich lassen
sich charakteristische Eigenschaften des
Spracherwerbsprozesses, wie die von An-
fang an weitgehende Übereinstimmung der
kindlichen Äußerungen mit Strukturen der
Erwachsenensprache, auf diese Sensibilität
für die phonetisch-phonologische Inputin-
formation zurückführen. Die Beobachtung,
dass das kindliche Sprachlernen zunächst
vor allem auf distributionelle und häufig-
keitsbezogene prosodisch-segmentale, d. h.
lautliche Eigenschaften des Inputs zurück-
zugreifen scheint, legt nahe, dass die ersten
mentalen Repräsentationen und vermutlich
auch die ersten Kombinationsregeln für
sprachliche Einheiten, nicht primär konzep-
tuell-semantisch oder pragmatisch motiviert
sind. Weiterhin deutet die Beobachtung,
dass, wenn die ersten Wortkombinationen
auftreten, diese in den meisten Fällen mit
900 VI. Neighbouring Disciplines
der Wortstellung der Zielsprache überein-
stimmen (Weissenborn 2000), darauf hin,
dass das Kind schon sehr früh Regeln folgt,
die auf generellen Wortklassen beruhen.
Auch wenn anfänglich bei Verben, die der
gleichen syntaktischen Klasse angehören,
zunächst nur ein Teil der bei dieser Klasse
möglichen Konstruktionen verwendet wird
(Tomasello/ Brooks 1999), schließt dies die
Existenz allgemeiner Verbklassen in der
mentalen Grammatik des Kindes nicht aus.
Was den nicht-sprachlichen Input an-
belangt, so verfügen schon Säuglinge über
Repräsentationen für Objekte, Handlungen,
Zeit, Raum, Kausalität, usw., aufgrund de-
rer sie ihn bis zu einem gewissen Grad ana-
lysieren können. Inwiefern diese Repräsen-
tationen das Ergebniss der Interaktion des
Kindes mit seiner Umwelt sind, oder ob es
sich um zumindest teilweise angeborenes
Wissen handelt, ist noch nicht ausreichend
geklärt (Kellman/Arterberry 1998). Dass im
kindlichen Erstspracherwerb bestimmte Ab-
weichungen von der Zielsprache praktisch
nicht auftreten, obwohl der sprachliche In-
put des Kindes aufgrund des Vorkommens
struktureller Mehrdeutigkeiten zu falschen
Generalisierungen Anlass geben könnte,
legt weiterhin nahe, dass die Lernmechanis-
men stark kontextgebunden sind. Das heißt,
Kinder scheinen aus dem Vorkommen eines
sprachlichen Phänomens in einem gegebe-
nen Kontext nicht so leicht darauf zu schlie-
ßen, dass es auch in einem anderen Kontext
verwendet werden kann. So finden sich etwa
im Input des deutschen Kindes sowohl finite
Sätze mit, als auch finite Sätze ohne Sub-
jekt: vgl. „Hans spielt Ball“ gegenüber
„spielt Ball“ als Antwort auf die Frage „Was
macht Hans gerade?“. Anders jedoch als im
Italienischen, wo das Subjekt in finiten Sät-
zen in jeder Position im Satz ausgelassen
werden kann, beschränken sich in der deut-
schen Kindersprache die Auslassungen des
Subjektes von Anfang an im Wesentlichen
auf die Kontexte, in denen sie auch in der
Erwachsenensprache möglich sind (Roeper/
Weissenborn 1991; Weissenborn 1990a;
1990b; 1992). D.h. das Kind nimmt trotz sei-
nes anfänglich sehr häufigen Auslassens von
Subjekten in initialer Position in finiten Sät-
zen keine Verallgemeinerung auf andere
Kontexte vor. Damit stellt sich für das Kind
auch nicht das Problem, eine inkorrekte Ver-
allgemeinerung korrigieren zu müssen, was
aufgrund des Fehlens von expliziten, syste-
matischen, grammatikbezogenen Korrektu-
ren von Fehlern des Kindes durch Erwach-
sene Schwierigkeiten machen würde
(Brown/ Hanlon 1970). Somit stellt sich die
Frage, wie die dennoch zu beobachtenden
Übergeneralisierungen in der Kinderspra-
che im Verlaufe der Sprachentwicklung wie-
der eliminiert werden. Unter anderem wurde
vorgeschlagen, dass der Lernmechanismus
des Kindes bewirkt, dass selbstgenerierte
Formen, die mit bestehenden, synonymen
Formen der Zielsprache konkurrieren, wie-
der aufgegeben werden (Clark 1993; Pinker
1999). Zu den charakteristischen Abwei-
chungen von der Erwachsenensprache gehö-
ren unvollständige Äußerungen. Typisch
hierfür ist ein Infinitivsatz wie „maria buch
lesen“, der im Kontext unter anderemMaria
liest ein Buch bedeuten kann. Äußerungen
wie diese können durch ein Prinzip der mini-
malen Struktur erklärt werden. Es gründet
sich auf die Beobachtung, dass das Kind an-
fänglich Äußerungsstrukturen wählt, deren
Produktion den geringsten Aufwand an
grammatischen Regelanwendungen erfor-
dert. So vermeidet das Kind durch die Ver-
wendung des Infinitivs die im deutschen
finiten Hauptsatz obligatorische Realisie-
rung der Verbzweitstellung und der Subjekt-
Verb-Kongruenz, die mit der Wahl einer
finiten Verbform verbunden ist (Weissenborn
2000). Wichtig ist hier die Beobachtung, dass
auch die reduzierten Konstruktionen des
Kindes schon erwachsenensprachlichen Re-
geln gehorchen: so zeigen die infinitivischen
Konstruktionen nahezu ausnahmslos die
Wortfolge (Subjekt) Objekt Verb und nicht
(Subjekt) Verb Objekt: „Maria lesen Buch“.
Das heißt, Abweichungen der Kinderspra-
che von der Sprache der Erwachsenen beste-
hen vor allem im Auslassen obligatorischer
Elemente und nicht etwa in der inkorrekten
Verwendung von in der Äußerung realisier-
ten Elementen (Maratsos 1998). Im Gegen-
satz zum Erstspracherwerb lassen sich im
Fremdspracherwerb von Erwachsenen, in-
korrekte Verwendungen vorhandener Ele-
mente, wie Wortstellungsfehler, vgl. z. B.
*Bert sagt, dass Maria liest ein Buch häufi-
ger beobachten. Dies deutet auf unterschied-
liche Lernprozesse im Erst- und Fremd-
spracherwerb hin (Weissenborn 2000; zu den
Gemeinsamkeiten Klein/Perdue 1997). Das
gelegentliche Auftreten der gleichen Verben
in finiten Verbzweit-Sätzen (Verrips/ Weis-
senborn 1992), und die Tatsache, dass Infi-
nitivsätze auch dann noch häufig benutzt
werden, wenn das Kind schon überwiegend
93. Psycholinguistik 901
finite Sätze verwendet, zeigen, dass das an-
fängliche Überwiegen von infinitivischen
Äußerungen nicht auf fehlendes grammati-
sches Wissen des Kindes zurückgeführt wer-
den kann. Möglicherweise ist das Prinzip
der minimalen Struktur Ausdruck einer noch
nicht vollzogenen, bei Erwachsenen jedoch
anzunehmenden, die kognitive Belastung
der Sprachproduktion durch morphosyn-
taktische Operationen wie Subjekt-Verb-
Kongruenz reduzierenden Automatisierung
grammatischer Prozesse (Friederici 1994;
Friederici/Penner/Weissenborn 2002). Was
den Wortschatzerwerb anbelangt, so muss
von einer engen Beziehung zwischen kon-
zeptueller und lexikalischer Entwicklung
ausgegangen werden. Unklar ist noch, in
welcher Form der Erwerb des Vokabulars,
aber auch der Grammatik selbst wieder die
konzeptuelle Entwicklung beeinflussen kann
(Weinert 2000). Allgemein lässt sich bei der
Bedeutungsentwicklung, wie schon beim
Syntaxerwerb, eine frühe Übereinstimmung
mit der Bedeutungsstruktur des Lexikons der
Zielsprache beobachten. Auch im Bereich des
Wortschatzerwerbs geht man davon aus, dass
das Kind bei der Bedeutungszuschreibung zu
einem Wort von bestimmten, möglicherweise
angeborenen Präferenzen geleitet wird, die
die gerade zu Anfang des Bedeutungser-
werbs aufgrund der erst rudimentären Ana-
lysefähigkeiten des Kindes besonders hohe
kontextuelle Mehrdeutigkeit des sprach-
lichen und nichtsprachlichen Inputs ein-
schränken. So nimmt man z. B. an, dass beim
Erwerb der Bedeutung von Nomina diese
Präferenzen die Aufmerksamkeit des Kindes
beim Hören des betreffenden Wortes auf
eine kleine Untermenge von eindeutigen
Objektmerkmalen (z. B. Objektganzheit oder
Form bei rigiden Objekten) beschränken
und somit die Referenzmöglichkeiten einen-
gen. Aufgrund dieser anfänglichen Beschrän-
kungen entstehen die typischen Übergenera-
lisierungen des frühen Wortschatzes wie z. B.
„Ball“ als Bezeichnung aller kugelförmigen
Gegenstände. Irreversible, falsche Verallge-
meinerungen (wie beispielsweise „Pferd“ für
„Gras“) werden hingegen durch diese Lern-
prinzipien ausgeschlossen (Markman 1994;
Bloom 2000). Auch bei dem Erwerb von
Verbbedeutungen werden vergleichbare Prä-
ferenzen angenommen. So steht zu Beginn
des Verblexikonerwerbs vermutlich die so
genannte ,Ereignisstruktur‘ im Mittelpunkt
des Lernprozesses. In diesem Bereich lernt
das Kind, welchen Ereignistypus ein gegebe-
nes Verb bezeichnet: [Zustand], [Vorgang
ohne Endzustand], [Vorgang mit End-
zustand], usw. Die anderen Bedeutungs-
komponenten des Verbs, nämlich die Kern-
bedeutung und die Argumentselektion,
werden erst später für den Erwerbsprozess
aktuell (Schulz/ Wymann/ Penner 2001). Vor
allem der Erwerb der Bedeutung von Verben
bedarf noch detaillierter Untersuchungen.
Der Zeitpunkt, wann eine Regel erworben
wird, hängt unter anderem davon ab, wann
das Kind Zugang zu den Informationen im
Input hat, die es ihm erlauben, das betref-
fende Regelwissen aufzubauen. Untersu-
chungen zeigen, dass dies von Faktoren wie
der Häufigkeit und der Eindeutigkeit der
notwendigen Informationen abhängt (Pen-
ner/Weissenborn 1996).
Das stetige quantitative Anwachsen des
sprachlichen Wissens des Kindes wird be-
sonders im Bereich des Lexikonerwerbs
deutlich. Wichtige empirische Fragen sind,
ob sich dieses Wissen auch qualitativ ver-
ändert, und inwiefern es im Verlauf der
Entwicklung mit dem des Erwachsenen
übereinstimmt, oder von ihm abweicht. Im
ersteren Fall spricht man von Kontinui-
tät, im letzteren von Diskontinuität der
Entwicklung (Weissenborn/Goodluck/Roe-
per 1992). Die Kontinuitäts- wie die Dis-
kontinuitätshypothese stehen im Mittel-
punkt intensiver aktueller Forschungen
(Penner/Weissenborn 1996). Was die eben-
falls in diesen Problemkontext gehören-
de Frage nach der individuelle Variation
von Erwerbsverläufen anbelangt, so bedarf
es hierzu vor allem noch einer grossen
Zahl vergleichender Langzeitstudien (Tra-
cy 1991). Während unser Verständnis der
frühen Phasen der Sprachentwicklung in
den letzten Jahren erhebliche Fortschritte
gemacht hat, ist unsere Kenntnis der späte-
ren Entwicklung, vor allem soweit sie über
die deskriptive Erfassung von Erwerbsver-
läufen hinaus eine Klärung der dabei betei-
ligten Erwerbsmechanismen betrifft, noch
sehr lückenhaft. Was letztere anbelangt, ist
anzunehmen, dass hier der Erwerb von
Eigenschaften einzelner lexikalischer Ein-
heiten eine wichtige Rolle spielt. Er ermög-
licht vermutlich dem Kind, die sprachspe-
zifischen Ausprägungen von syntaktischen
Regularitäten, wie sie etwa durch die Bin-
dungsprinzipien erfasst werden sollen, die
die Verwendung und Interpretation prono-
minaler Elemente regulieren, zu determi-
nieren (Guasti 2002).
902 VI. Neighbouring Disciplines
4. Sprechen und Sprachverstehen
Sprechen und Sprachverstehen sind Millise-
kunden schnelle, komplexe Informations-
umwandlungsvorgänge. Der bewussten Kon-
trolle sind diese Vorgänge nur auf höheren
Planungsebenen zugänglich. Schon Gold-
mann-Eisler (1968) zeigte, dass sich Pla-
nungsaktivitäten, anders als die syntakti-
sche Komplexität, auf die relative
Pausenlänge in Äußerungen als Indikator
für bewusste Eingriffe auswirken. Butter-
worth (1980) konnte des Weiteren zeigen,
dass Funktionswörtern, die grammatische
Relationen ausdrücken, kürzere Pausen vo-
rausgehen als Inhaltswörtern, die auch auf
abstraktere Konzepte referieren können.
Die Pausenverteilung zeigte aber keinen Zu-
sammenhang mit der internen Struktur von
Sätzen oder Phrasen (vgl. Butterworth 1980,
168f.). Daraus kann geschlossen werden,
dass die oberflächennahen Prozesse hoch
automatisiert sind. Dass offenbar unter-
schiedlich gut in den Produktionsprozess
eingegriffen werden kann, legt nahe, dass er
seinerseits aus Teilprozessen besteht, die je-
weils spezifische Information verarbeiten
und als Output weitergeben. Dieser Gedan-
ke wird seit Fodor (1983) unter dem Stich-
wort „Modularitätshypothese“ diskutiert.
Demnach setzt sich das Sprachproduktions-
und auch das Sprachrezeptionssystem aus
autonomen Modulen zusammen, was wie-
derum zu Vorhersagen über Eigenschaften
des Sprachsystems führt, die dieses mit an-
deren modularen Systemen teilt. Das
Sprachsystem arbeitet somit domänenspezi-
fisch, d.h die darin ablaufenden Prozesse
greifen auf spezifisch sprachliches Wissen
und nicht auf das übrige Informationsverar-
beitungswissen des menschlichen Geistes
zurück. Ferner nimmt das Sprachverarbei-
tungssystem unverzüglich und zwangsläufig
seine Arbeit auf, sobald sprachbezogener
Input vorliegt. Und wie bei den Pausen
schon diskutiert, unterliegt das System kei-
ner zentralen Kontrolle. Es arbeitet schnell,
zumindest wenn man in Rechnung stellt,
wieviele Prozesse von der Veranlassung zur
Rede bis zur vollständigen Äußerung ablau-
fen. Außerdem wird angenommen, dass die
einzelnen Module auch als solche neuronal
repräsentiert sein sollten. Störungen können
einzelne Module betreffen oder auch das
ganze System. Sie betreffen aber nicht not-
wendigerweise auch andere kognitive Berei-
che, wie auch Störungen in anderen Berei-
chen nicht unbedingt das Sprachsystem mit
betreffen. Diese Annahmen sind nach wie
vor forschungsleitend. Überzeugende, prä-
zise Evidenz liefern neuerdings auch neuro-
physiologische Untersuchungen. So konnte
van Turennout (1997) mittels Messung elek-
trischer Hirnpotenziale nachweisen, dass die
Lauterkennung der Genusentscheidung im
Processing zeitlich nachgeordnet ist. Inde-
frey/Levelt (2000) gelang durch Aktivie-
rungsmessungen eine grobe Zuordnung von
Hirnarealen der linken Hemisphäre zu ein-
zelnen Phasen der Sprachproduktion, von
der Wahl lexikalischer Mittel bis hin zur Ar-
tikulation. Dennoch fällt eine eindeutige
Isolierung der Module noch schwer. Das
zeigen nicht zuletzt Sprachstörungen, die
zwar im Kern jeweils ein Teilsystem betref-
fen, aber beispielsweise für mündliche und
schriftliche Sprachverarbeitung unterschied-
lich ausfallen können oder nur entweder die
Produktions- oder die Rezeptionsseite be-
treffen (vgl. den Überblick in Dietrich 2002,
235ff. oder eingehend Blanken/Dittmann/
Grimm et al. 1993).
4.1. Sprechen
Sprechen ist nicht nur das Resultat eines Ar-
tikulationsvorgangs, sondern eine Kombi-
nation von Prozessen, die sich nach Inhalt
und nach Nähe zum Artikulationsgeschehen
in drei Gruppen gliedern. Da sind zunächst
die sprachfernen Prozesse der Kommunika-
tionsplanung. Von diesen zu unterscheiden
sind die sprachnahen Planungsprozesse, die
Makroplanung, die zur kognitiven Reprä-
sentation eines äußerungsgerechten Aus-
schnitts aus dem Sachverhalt führt, dem In-
put der Mikroplanungsprozesse. Bei der
Mikroplanung wird zum ersten Mal auf das
mentale Lexikon, genauer auf die Konzepte,
zugegriffen. Das Ergebnis der Mikropla-
nung ist eine strukturierte, begriffliche Re-
präsentation, die Äußerungsbedeutung und
ihre situationelle Einbettung, zusammen ge-
nommen Message genannt. Diese Message
wird dann als Input von den direkt sprachli-
chen Prozessen verarbeitet. Zunächst erfolgt
die syntaktische Kodierung, nach deren
Vorgaben die phonologische Kodierung er-
folgt. Am Ende steht ein phonetischer Plan,
der vom Artikulationssystem umgesetzt
wird. Eine empirisch gut bestätigte Annah-
me ist, dass das direkt sprachliche Teilsys-
tem zeitlich seriell-parallel, gewissermaßen
fließbandartig, arbeitet, wodurch die Äuße-
rung ,stückweise‘ (inkrementell) entsteht. Es
93. Psycholinguistik 903
werden also in jedem Teilsystem des Pro-
duktionsapparates Teilstücke, Inkremente,
der zu produzierenden Äußerung bearbei-
tet. Dies geschieht nacheinander von Teil-
system zu Teilsystem, also seriell; da aber
zugleich jedes Teilsystem nach Abgabe eines
Inkrements an den ,nächsten Arbeitsplatz‘,
das nächste Teilsystem, ohne Unterbre-
chung das nächste Teilstück aufnimmt und
bearbeitet, arbeiten alle Teilsysteme dau-
ernd: man nennt diese Dynamik seriell-pa-
rallel.
4.1.1. Die Schritte im Einzelnen
Die Kommunikationsplanung ist eine Reak-
tion auf Veränderungen in gegebenen Si-
tuationsbedingungen, die eine sprachliche
Aktivität erfordern. Eine solche Situations-
veränderung kann etwa die Bitte um eine
Wegauskunft sein. Daraus ergibt sich für
den Sprecher ein globales Ziel, nämlich die
erfolgreiche Beschreibung des gesamten We-
ges und darin Äußerungsabsichten für jede
Einzeläußerung. Um das Ziel zu erreichen,
muss der Sprecher Wissen aus verschiedenen
Wissensbeständen aktivieren und außerdem
die aktuellen Gesprächsbedingungen, z. B.
persönlich vs. telefonisch, und das unter-
stellte Hörerwissen berücksichtigen. Dieses
Wissen wird während der weiteren Produk-
tion ständig aktualisiert. Eine kompakte
Darstellung dieser Vorgänge findet sich in
Clark (1996); einen groben Überblick bietet
dort das erste Kapitel (Clark 1996, 3ff.). Die
Kommunikationsplanung führt zu einer
abstrakten, gedanklichen, inneren ,kommu-
nikativen Aufgabe‘, die die konzeptuelle
Vorbereitung (Makroplanung und Mikro-
planung) inhaltlich und strukturell ein-
schränkt. Durch die Makroplanung wird
festgelegt, welche Informationen unter den
situativen Bedingungen geeignet sind, die
kommunikative Aufgabe zu lösen und wel-
che dieser Informationen unmittelbar auf
die Aufgabe bezogen sind. Diese bilden die
Hauptstruktur. Je nach Diskurstyp und
Wissensverteilung zwischen Sprecher und
Hörer kann es auch Nebenstrukturäußerun-
gen, die auch Hintergrundäußerungen ge-
nannt werden, geben. Aus der kommunikati-
ven Aufgabe leiten sich ferner die Topik-
und die Fokusbedingungen ab: Das heißt,
dass zur Beantwortung der kommunikativen
Aufgabe notwendige Information als Fokus-
information gekennzeichnet wird. Dann
muss entschieden werden, in welcher Rei-
henfolge die Information präsentiert, also in
eine lineare Abfolge gebracht wird. Krite-
rien dafür sind bei narrativen Aufgaben die
chronologische Abfolge von Ereignissen, bei
anderen, wie etwa Personenbeschreibungen
oder Spielanweisungen eher Schemawissen.
Ein weiterer Teilprozess der Makroplanung
ist die Segmentierung in äußerungsgerechte
Einzelsachverhalte.
Durch die Mikroplanung werden diese
Segmente auf eine Bedeutungsstruktur aus
funktionalen, miteinander verbundenen
Komponenten abgebildet. Typische Kompo-
nenten sind Satzmodusinformation, Moda-
litätsinformation und Referenzen auf Orte,
Zeit(räume), Personen und Objekte und auf
darüber prädizierte Ereignisse, Zustände
oder Vorgänge (vgl. Dietrich 2002, 135; von
Stutterheim 1997, 59; zu Makro- und Mi-
kroplanung vgl. Levelt 1989, Kap. 4). Wegen
der seriell-parallelen Arbeitsweise des
Sprachsystems ist anzunehmen, dass diese
propositionale Struktur als Message schon
für jede Äußerungseinheit, und nicht erst
nach Bearbeitung der gesamten Aufgabe, an
die direkt sprachlichen Prozesse weitergege-
ben wird. Experimentelle Evidenz für diesen
Ablauf erbrachten Timmermans/Schriefers/
Sprenger et al. (1999). Sie konnten zeigen,
dass bei starker zeitlicher Versetzung zwi-
schen Objektpräsentationen die Ereignisse
um das erste Objekt schon vollständig enko-
diert werden, so dass schließlich beide Vor-
gänge in separaten, koordinierten Sätzen
ausgedrückt werden, während bei kürzerer
Versetzung beide Objekte in einer koordi-
nierten Nominalphrase in einem Satz ausge-
drückt werden.
Das direkt sprachliche, formgebende Teil-
system hat die Aufgabe, die Bedeutungs-
struktur auf eine syntaktische Stuktur abzu-
bilden, zu kodieren, wie es technisch heißt,
und diese dann auf eine phonologische
Merkmalkette und diese schließlich auf mo-
torische Programme zu beziehen, die die Ar-
tikulation steuern. In welcher Reihenfolge
die Bedeutungsbestandteile syntaktisch ko-
diert und dann in die Satzkette eingefügt
werden, ist bekanntlich von mehreren Fak-
toren abhängig. Die bestuntersuchten sind
einerseits die konzeptinhärenten semanti-
schen Merkmale und Rollen (Agens, Patiens
etc., belebt/unbelebt u. a.), aktuelle, kon-
textuell bestimmte Merkmale (relativ zum
Diskursstand neu eingeführte vs. bekannte
Information) und andererseits syntaktische
Präferenzen wie ,Subjekt voran‘ und die Ba-
siswortstellung der jeweiligen Sprache (SVO,
904 VI. Neighbouring Disciplines
SOV etc.). An der Modellierung dieses Zeit-
ablaufs wird seit Garrett (1980) intensiv ge-
arbeitet; vgl. Bock/Loebell/Morey (1992),
Dietrich/van Nice (im Druck) van Nice/Die-
trich (im Druck), Feleki/Branigan (1997),
Prat-Sala/Branigan (2000), Pickering/Brani-
gan/McLean (2002) und speziell zur Kodie-
rung der syntaktischen Phrase Pechmann
(1995). Diskutiert werden zwei Modelle. Ein
Zwei-Stufen-Modell (Garrett 1980; Bock/
Loebell/Morey 1992) postuliert, dass die
Message zunächst in eine ungereihte, mobi-
le-artige hierarchische syntaktische Struk-
tur überführt wird (function assignment)
und diese dann nach rein syntaktischen
Prinzipien (Subjekt voran etc.) in eine mor-
phosyntaktische Kette. Das damit konkur-
rierende Einstufen-Modell (Branigan und
Mitarbeiter, Dietrich und Mitarbeiter)
postuliert die Möglichkeit eines pipeline-
artigen Ablaufs, nach dem die Wortkette we-
sentlich durch die Reihenfolge der Verfüg-
barkeit von konzeptuellen Elementen der
Message direkt bestimmt wird. Nach beiden
Modellen liegt als Ergebnis der syntakti-
schen Kodierung eine Kette von Wortfor-
men mit Satzstrukturinformation vor, in der
auch alle Lemmainformationen bezüglich
Wortart, Argumentstruktur und morpholo-
gischer Merkmale enthalten sind. Dies ist
nun der Input für die phonologische Ko-
dierung. Dazu müssen zunächst die zum
Lemma gehörigen Lexemmerkmale mit In-
formationen über Lautmerkmale und Sil-
benstruktur abgerufen werden. Außerdem
muss die Intonationskontur der gesamten
Äußerung passend zur Informationsstruk-
tur festgelegt werden. Das Problem hierbei
ist, dass die Lexeme in anderer Form artiku-
liert werden als sie im Lexikon gespeichert
sind. Augenfällig ist das beispielsweise bei
der Auslautverhärtung, die bei einigen Fle-
xionsformen nicht vorhanden ist, z. B. bei
Rand vs. Ränder, sowie bei Assimilations-
prozessen. In diesen Fällen wird die Silben-
struktur aufgelöst und umgestaltet, was u. a.
in Levelt (1989, Kap. 8–10) unter dem Be-
griff Resilbifizierung diskutiert wird. Eine
solche Prozedur wäre aber hochkomplex
und mit der Schnelligkeit der Artikulation
nicht gut vereinbar. Neuerdings wird ver-
sucht mit der Annahme eines Sprechsilben-
lexikons zu arbeiten, das Silbifizierungswis-
sen im phonologischen Wissen verankert
und das die Lexeminformation metrisch an
die Intonationskontur anpasst (vgl. Levelt/
Roelofs/Meyer 1999, Abschn. 6.4). Die me-
trisch organisierte Silbenkette muss nun so
aufbereitet sein, dass sie als sog. präartikulato-
rische Repräsentation für artikulationsmoto-
rische Prozesse lesbar ist; für die hier invol-
vierten psychomotorischen Prozesse vgl.
Herrmann/Grabowski (2001). Die schließlich
produzierte, akustisch wahrnehmbare Laut-
kette stellt den Input für das Sprachverste-
henssystem dar.
4.2. Sprachverstehen
Nicht unplausibel wäre die Annahme, dass
das Sprachverstehen einfach der zum Spre-
chen spiegelbildliche Prozess ist und dass
auch dieselbe kognitive Apparatur benutzt
wird wie beim Sprechen. Dem steht aller-
dings schon die einfache Beobachtung ent-
gegen, dass man sich beim Sprechen selbst
zuhören kann. Sprachstörungen, die entwe-
der nur die Produktions- oder nur die Re-
zeptionsseite betreffen können, lassen den
Schluss zu, dass das Ausmaß der Überlap-
pungen eher gering ist (vgl. Harley 2001,
395). Vielmehr ist das Sprachverstehenssys-
tem ein eigenes kognitives System, das mit
dem Produktionssystem lediglich das lexi-
kalische Wissen und die Mechanismen der
,hohen‘ konzeptuellen Repräsentationen
teilt. Ähnlich dem Produktionssystem um-
fasst das Verstehenssystem eine Kombinati-
on von in sich geschlossenen Teilsystemen,
die sich nach Inhalt und Nähe zur auditiven
Wahrnehmung in zwei große und mehrere
kleinere Systeme gruppieren, die lexikali-
sche Erkennung mit Lauterkennung und
Worterkennung, sowie das Satzverstehen
mit syntaktischem Verstehen und den Proze-
duren des Bedeutungsverstehens. Die Frage,
ob der Worterkennung prälexikalische Pro-
zesse, die auf Silbenerkennung basieren, vo-
rausgehen, ist noch umstritten. Bei der Satz-
erkennung muss die syntaktische Gliederung
der Äußerungen analysiert werden und
darauf aufbauend muss ein Verständnis des
Inhalts entwickelt werden. Dazu müssen Re-
ferenzen erkannt werden und ggf. Inferenz-
ziehung erfolgen.
Die Lauterkennung setzt voraus, dass der
Schallstrom segmentiert wird und dass den
so ermittelten Segmenten mittels Kategori-
sierung eine Funktion zugewiesen wird. Das
klingt einfacher als es ist. Denn einerseits
stellt jeder Laut akustisch ein spezifisches
Schwingungsbild dar (vgl. Pompino-Mar-
schall 1995), andererseits unterscheidet sich
jedes individuelle Lautvorkommen von an-
deren durch stimmliche Eigenschaften des
93. Psycholinguistik 905
Sprechers und durch Situationsbedingun-
gen, z. B. bei einem Telefongespräch, von
dieser Reinform. Noch unentschieden ist, ob
es ausreicht, wenn eine kritische Merkmals-
menge vorliegt, ob Hörer den Artikulations-
prozess unbewusst nachvollziehen, ob ein
Lautereignis immer als Allophon zu einem
gespeicherten Phonem wahrgenommen wird
oder ein Mischsystem vorliegt (vgl. Remez
1994, 15). Um nun aber Lemmata identifi-
zieren zu können, also um zur Worterken-
nung zu kommen, müssen die erkannten
Phoneme mit Lexemen im lexikalischen
Langzeitwissen des Hörers assoziiert wer-
den. Dieser Prozess, so wird allgemein ange-
nommen, beginnt unmittelbar mit der Iden-
tifizierung des ersten Phonems, läuft also
on-line ab. Dafür spricht neben der Alltags-
erfahrung, nach der wir nicht das Gefühl ha-
ben, mit dem Verstehen bis zum Ende einer
Äußerung zu warten, experimentelle Evi-
denz. Ein klassisches Experiment ist das
sog. Gating-Experiment. Dabei wird der
Versuchsperson ein Wort ,stückweise‘ prä-
sentiert, in wachsenden Segmenten, und sie
soll es benennen, sobald sie genügend Infor-
mation hat. Marslen-Wilson/Tyler (1980)
haben erkannt, dass es für jedes Wort einen
lexikalisch bestimmten Diskriminations-
punkt gibt, ab dem es sich von allen anderen
Wörtern des Lexikons unterscheidet. Oft-
mals entscheiden sich Versuchspersonen
aber schon vor der Wahrnehmung dieses
Punktes für ein Wort. Die Logik dahinter
scheint die zu sein, dass mit dem ersten Pho-
nem eine ,Kohorte‘ von lautlich gleich be-
ginnenden Wörtern aktiviert wird, die
schrumpft, je mehr Phoneme wahrgenom-
men werden, und die bei Erreichen des Dis-
kriminationspunktes nur noch ein Element
umfasst. Folgeuntersuchungen haben erge-
ben, dass Frequenzeffekte die Festlegung
auf einen Kandidaten beschleunigen können
(vgl. Marslen-Wilson 1990). Problematisch
bleibt dabei die korrekte Worterkennung
beispielsweise bei Assimilationen, bei denen
die Lautform u. U. zu keinem passenden
Kandidaten führt. Daher hat Marslen-Wil-
son (1987) postuliert, dass Lemmainforma-
tion und sogar auch Kontextinformation
zur Lexemerkennung gewissermaßen top-
down mitaktiviert wird. Im TRACE-Modell
(McClelland/Elman 1986) wurde diese An-
nahme zu einem vollständig interaktiven
Modell ausgebaut, in dem jedes Phonem in
einem Netzwerk Verbindungen zu jedem
Lemma, in dem es vorkommt, unterhält.
Dies führt allerdings zu einer unökonomisch
hohen Zahl an Aktivierungen. Daher liegen
vielleicht Modelle, die prälexikalische Pro-
zesse annehmen, die zwischen Phonem- und
Lexemerkennung geschaltet sind, näher an
den Fakten. Danach wird der lautliche In-
put zunächst in Silben segmentiert, wobei
metrische Information u. U. schon vor der
Isolation von Phonemen wirksam wird und
dazu verwendet wird, Lemmakandidaten
einzugrenzen, daher heißt es metrisches Sil-
benerkennungsmodell (vgl. Cutler / Norris
1988; McQueen / Norris / Cutler 1994; zum
Überblick über alle Theorien Cutler 1999).
Sobald alle Lemmata eines Satzes identi-
fiziert sind, liegt dem Sprachverstehenssys-
tem eine linear geordnete Wortfolge vor, die
allerdings immer noch nicht der komplexen
Bedeutung der Äußerung entspricht. Um zu
dieser zu gelangen, muss zunächst die syn-
taktische Struktur der Wortfolge errechnet
werden, um die grammatischen Bezüge zwi-
schen den Äußerungsteilen zu erkennen, be-
vor inhaltliche Relationen erkannt werden
können. Die syntaktische Analyse, das Par-
sing, führt das menschliche Satzanalysesys-
tem, der menschliche Parser, durch. Dieser
benötigt spezifisches, also Syntaxwissen, um
arbeiten zu können. Dieses kann Konstitu-
entenstrukturwissen über alle möglichen
Konstituenten und ihre Kombinatorik in
einer Sprache sein. Das scheint aber wenig
plausibel, wenn man beispielsweise den rela-
tiv schnellen Erstspracherwerb in Beziehung
setzt zu den ungefähr tausend Kategorien
und ihren möglichen Kombinationen, die
Brockhaus (1971, 69) für einen Ausschnitt
der deutschen Syntax postuliert. Ökonomi-
scher scheint die Annahme von Prinzipien-
wissen über den Strukturaufbau zu sein, wie
es u. a. im Rahmen der Generativen Gram-
matik vorgeschlagen wird (vgl. einführend
Grewendorf / Hamm/ Sternefeld 1987 / 1999,
Kap. IV). Für das Verständnis der Prozesse
des Sprachverstehens interessant ist aber
eher der Vorgang des Parsings selbst. Auch
hier ist wieder anzunehmen, dass der Pro-
zess on-line verläuft und schon mit der ers-
ten verwertbaren Einheit beginnt. Evidenz
dafür stammt aus Experimenten und Stu-
dien zu Problemfällen des Parsings. Diese
liegen bei mehrdeutigen Sätzen und bei den
sog. Garden-Path-, zu deutsch Holzweg-
oder Sackgassensätzen vor. Der Holzweg-
Effekt tritt bei Sätzen auf, die über eine lan-
ge Anfangskette des Satzes hinweg eine be-
stimmte Analyse nahe legen, die sich aber
906 VI. Neighbouring Disciplines
schließlich als falsch herausstellt. Das führt
zum Zusammenbruch des Parsingvorgangs
oder sogar zur Ablehnung des Satzes als un-
grammatisch. Ein Beispiel ist der Satz Hans
versprach Maria im Urlaub keine Zigaretten
mehr anzuvertrauen (Dietrich 2002, 216).
Hier wird zunächst Maria als Argument zu
versprechen analysiert, eine Analyse, die sich
erst mit dem Auftauchen von anzuvertrauen
als falsch herausstellt. Seit Frazier (1979)
wird angenommen, dass dieser Effekt auf
zwei Arbeitsprinzipien des Parsers beruht:
Minimal Attachment und Late Closure. Ers-
teres besagt, dass die nahe liegendste struk-
turelle Verknüpfung vorgenommen wird
und letzteres besagt, dass neu eintreffendes
lexikalisches Material so lange wie möglich
in die bisherige Analyse integriert wird. Eine
weitere Annahme dieses Garden-Path-Mo-
dells der syntaktischen Analyse ist, dass der
Parser in zwei Schritten arbeitet, erst Phra-
sen analysiert und diese dann zu Sätzen
montiert. Ist nun wie oben schon die Analy-
se einer Phrase fehlgegangen, kommt es
auch zu gestörtem Satzzusammenbau. Ein
alternatives Modell schlagen Tanenhaus/
Spivey-Knowlton/Hanna (2000) vor. Hier
arbeitet der Parser nicht strikt seriell, son-
dern teilweise parallel, und zwar werden
mögliche alternative Analysen gleichzeitig
gestartet, wobei die unter den gegebenen Be-
dingungen wahrscheinlichste weiter verfolgt
wird. Die Wahrscheinlichkeit errechnet sich
aus Häufigkeiten von Strukturmustern oder
darüber, dass es in einer gegebenen Sprache
wahrscheinlicher ist, dass das Agens an ers-
ter Stelle im Satz steht. Damit erklären sie
den Holzweg-Effekt in dem bekannten eng-
lischen Beispielsatz The horse raced past the
barn fell, in dem das Pferd als Agens ver-
standen wird und nicht als Patiens des Ge-
jagtwerdens. Ihr Modell erklärt auch, wa-
rum der strukturgleiche Satz The landmine
buried in the sand exploded keinen Holzweg-
Effekt auslöst. In ihrem interaktiven Modell
hat nämlich auch semantische Information
Einfluss auf Entscheidungen des Parsers, die
es in diesem Beispiel wahrscheinlich macht,
dass die Landmine nicht selbst gegraben hat
(Tanenhaus/Spivey-Knowlton/Hanna 2000,
93). Dass nicht-syntaktische Information
spätestens nach der erfolgreichen Syntax-
analyse benötigt wird, zeigen mehrdeutige
Sätze, die teilweise spontan als wohlgeformt
akzeptiert werden, obwohl sie strukturell
mehrdeutig sind wie Der Junge sah das Mäd-
chen mit den Blumen (Dietrich 2002, 225)
verglichen mit Der Junge sah das Mädchen
mit dem Fernglas. In diesen Fällen kommt
Weltwissen ins Spiel, z. B. darüber, dass man
mit Hilfe von Blumen nicht mehr sieht oder
auch Situationswissen, z. B. wenn im bisheri-
gen Diskursverlauf schon von einem Mäd-
chen mit Fernglas die Rede war. Damit
wird in einem letzten Schritt des Sprachver-
stehens wieder die konzeptuelle Ebene akti-
viert.
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Danksagung: Susanne L. Anschütz hat uns mit
ihrer inhaltlichen und sprachlichen Bearbeitung
eines Entwurfs dieses Textes sehr geholfen.
Rainer Dietrich/Patrick Grommes/
Jürgen Weissenborn, Berlin (Deutschland)
910 VI. Neighbouring Disciplines
1. Begriffsentwicklung und -verständnis
2. Arbeitsgebiete
3. Die Sprache als Untersuchungsobjekt in der
Sozialgeographie
4. Perspektiven
5. Literatur (in Auswahl)
1. Begriffsentwicklung und
-verständnis
Der Begriff Sozialgeographie tauchte im
Laufe des 19. Jahrhunderts in Frankreich
zum ersten Mal in der wissenschaftlichen
Terminologie auf, und zwar in der Sozio-
logie bei Vertretern der Le Play-Schule so-
wie bei dem Geographen Elisée Reclus
(1830–1905) (vgl. Dunbar 1977; Werlen
2000, 40f.). Die mit dem Begriff verknüpften
Anregungen wurden vereinzelt aufgegriffen,
jedoch nicht zu einem fest umrissenen Kon-
zept ausgebaut. Der Begriff selbst hat im
Laufe der Zeit eine sehr unterschiedliche,
sich schon bald auf die Geographie be-
schränkende Verbreitung und inhaltliche
Ausfüllung erfahren. Dabei machte sich nicht
nur der Einfluss einzelner Wissenschaftler
und Schulen geltend, auch nationale For-
schungs- und Ausbildungstraditionen sowie
die jeweilige politisch-ideologische Orientie-
rung spielten eine Rolle. Ein verbindendes
Leitmotiv blieb bis heute die Diskussion des
Verhältnisses zu den Sozialwissenschaften.
Bereits 1931 beispielsweise formulierte Fried-
rich Metz (1890–1969), der Kulturgeograph
werde „nicht so rasch nach Regeln, Gesetz-
mäßigkeiten und Verallgemeinerungen stre-
ben, wie das nun einmal im Wesen der Sozio-
logie liegt“ (Rezension in Zs. d. Ges. f. Erdk.
zu Berlin 1931, 70). Je nach Selbstverständ-
nis führt sich die heutige Sozialgeographie
auf verschiedenartige Wurzeln zurück. Zu
diesen gehören z. B. die ,géographie humai-
ne‘ des Franzosen Paul Vidal de la Blache
(1845–1918) und sein Konzept der Lebens-
formengruppen (genres de vie), die in Ams-
terdam von Sebald Rudolf Steinmetz
(1862–1940) begründete ,soziographische‘
Schule oder die auf Robert Ezra Park
(1864–1944) zurückgehende Chicagoer Schu-
le der ,human ecology‘ (vgl. Thomale 1972;
Werlen 1995). Der Höhepunkt in der Be-
liebtheit des Begriffs Sozialgeographie lag in
den 60er und 70er Jahren in einigen Ländern
des westlichen Europa, darunter der Bun-
desrepublik Deutschland, wo er an die Kon-
junktur der Soziologie angekoppelt war und
blieb. Dass die damalige, aus der verbreite-
ten ahistorischen Zeitströmung hervorge-
gangene Tendenz, Sozialgeographie als
etwas Neues, als Nachkriegsprodukt hinzu-
stellen, den Tatsachen nicht entsprach, hat
Rössler (1991) aufgezeigt. – In seiner weites-
ten Auslegung wird der Begriff Sozialgeo-
graphie verwendet, um die gesamte nicht-
naturwissenschaftliche Komponente der
Allgemeinen Geographie zu bezeichnen.
Dies gilt für die ,sociale geografie‘ der Nie-
derlande (vgl. de Pater/Sint 1982). In diesem
Fall steht Sozialgeographie für die im Deut-
schen üblichen Begriffe Anthropo- oder
Kulturgeographie oder Geographie des
Menschen. In der Bundesrepublik hat die
Abwertung der historisch-genetisch ausge-
richteten Kulturlandschaftsgeographie zeit-
weise dem Hendiadyoin Wirtschafts- und
Sozialgeographie Auftrieb gegeben, mit dem
eine neue, überlegene Wissenschaftlichkeit
demonstriert werden sollte (Bartels 1970;
vgl. Wirth 1979, 28). Ein Anspruch auf
methodische Erneuerung lag auch der Auf-
fassung zu Grunde, derzufolge die Sozial-
geographie „den gemeinsamen gesellschaft-
lichen Urgrund und Rahmen für die
einzelnen Funktionsgruppen (Wirtschaft,
Siedlung, Verkehr usw.) aufzuzeigen“ habe
(Bobek); sie erhalte dadurch eine zentrale
Bedeutung innerhalb der Anthropogeogra-
phie (Ruppert 1973, 290). Sie ist demnach
als Betrachtungs- und Erklärungsweise zu
charakterisieren, die auf sämtliche Teilge-
biete der Anthropogeographie angewendet
werden kann (vgl. Ruppert et al. 1987). Eine
weitere, dritte Möglichkeit ist die, unter So-
zialgeographie lediglich ein Teilgebiet neben
der Bevölkerungs-, Wirtschafts- oder Sied-
lungsgeographie zu verstehen (vgl. Wirth
1979, 79). – In den kommunistischen Län-
dern verhinderte nach Hottes (1973, 339)
„die Wertung sämtlicher sozialer Prozesse
als ökonomische Prozesse … ex verbo die
Entstehung einer Sozialgeographie“; im
Rahmen der herrschenden Ökonomischen
Geographie seien aber durchaus auch „sozi-
algeographische“ Themen aufgegriffen wor-
den. Erst nachdem die sowjetische Geogra-
phie im Zusammenhang mit dem XXIII.
Internationalen Geographenkongress, der
1976 in Moskau stattfand, eine gewisse Öff-
94. Sozialgeographie/ Human Geography
94. Sozialgeographie 911
nung eingeleitet und dabei vor allem die So-
zialgeographie rezipiert hatte (vgl. Stadel-
bauer 1980, 45), konnte dem Vorbild gefolgt
werden. So überrascht es nicht, dass Neu-
mann/Krönert (1980, 107), Angehörige des
Instituts für Geographie und Geoökologie
der Akademie der Wissenschaften der DDR,
die Ansicht vertraten, die Anerkennung
und Praktizierung sozialer Aspekte in der
geographischen Forschung erforderten
„Überlegungen zur Einordnung sozialgeo-
graphischer Betrachtungsweisen in die Öko-
nomische Geographie und […] längerfristig
auch die Ausarbeitung einer Konzeption der
,Sozialgeographie‘ auf marxistisch-leninisti-
scher Grundlage.“ Dass es dazu gekommen
wäre, ist nicht ersichtlich. Zwar erschien
zum 40jährigen Jubiläum der DDR eine
neue – und wie sich zeigen sollte, letzte –
Landeskunde unter der Firmierung „ökono-
mische und soziale Geographie“ (Scherf
1990), aber der damit suggerierte Anspruch
wurde nicht eingelöst. Das Unterkapitel
„Sozialräumliche Gliederung“ (s. u. 2.3) be-
gnügte sich mit einer einzigen Seite (von ca.
500). – Der erste, nach der „Wende“ erschie-
nene deutsche Studienführer Geographie
macht klar, dass derzeit Übersichtlichkeit
nicht erwartet werden sollte (Heinritz/
Wiessner 1994, 9–10). Welche Fachvertreter
Sozialgeographie als einen ihrer „themati-
schen Arbeitsbereiche“ betrachten, ist dem
Mitgliederverzeichnis des Verbands der
Geographen an Deutschen Hochschulen zu
entnehmen (Dittmann/Kraas/Schmiedecken
1999, 420).
2. Arbeitsgebiete
Angesichts der Vielzahl von Ansätzen und
Interpretationen können die folgenden Aus-
führungen nicht mehr als eine grobe Orien-
tierungshilfe bieten. Sie berücksichtigen die
wichtigsten seit dem 2. Weltkrieg festzustel-
lenden Arbeitsgebiete der Sozialgeographie
im engeren Sinne. Als bibliographisches
Hilfsmittel ist die Bibliographie Géographi-
que Internationale (zuletzt 107, 2002) zu
nennen, die ab 82, 1977 Géographie sociale/
Social geography als Unterkategorie von
Géographie Humaine ausweist.
2.1. Soziale Faktoren in der
Kulturlandschaft
Unter Kulturlandschaft ist ein von mensch-
lichen Gesellschaften gestalteter Erdraum
zu verstehen. Lange Zeit stand die Kultur-
landschaft, vor allem in ihrer Sonderausfor-
mung als Agrarlandschaft, im Mittelpunkt
der Forschung, die sich bemühte, die indivi-
duellen Gegebenheiten zu erfassen und zu
erklären. Zu diesem Zweck müssen die Ein-
zelbestandteile der Kulturlandschaft, z. B.
bestimmte formale Erscheinungen (Orts-
und Flurformen) oder großräumige Er-
schließungsmuster (Städte- und Verkehrs-
netze, landwirtschaftliche Betriebssysteme),
historisch-genetisch eingeordnet und auf die
für ihre Entstehung und Fortentwicklung
verantwortlichen Faktoren, zu denen auch
die gesellschaftlichen zählen, zurückgeführt
werden. Als Beispiel sei eine Studie (Kuls/
Tisowsky 1961) über das Rhein-Main-Ge-
biet angeführt. Dort ließ sich bei landwirt-
schaftlichen Spezialkulturen (Feldgemüse-,
Obstbau) eine deutliche zentral-periphere
Zonierung feststellen. Normalerweise sind
solche Zonierungen im Sinne des Thü-
nen’schen Modells mit der wachsenden Ent-
fernung vom Markt zu erklären; hier jedoch
erwies sich die agrarsoziale Sortierung, und
zwar die wechselnde Bedeutung der Feier-
abendlandwirte, als ausschlaggebend. Dies
heißt zugleich, dass es sich um eine relativ
junge, an eine fortgeschrittene Phase der In-
dustrialisierung gebundene Erscheinung
handelte.
2.2. Sozialräumliche Wandlungsprozesse
Den Anstoß zu einer Interessenverlagerung,
die über die traditionelle Kulturlandschafts-
forschung hinauswies, gab in den 50er Jahren
Wolfgang Hartke (1908–1997). Er verstand
die Kulturlandschaft als ,Registrierplatte‘ so-
zial gesteuerter Prozesse (vgl. Werlen 2000,
143ff.). Folglich können bestimmte kultur-
landschaftliche Erscheinungen Indikatoren
für gesellschaftliche Veränderungen darstel-
len, die in ihrem raum-zeitlichen Ablauf an-
derweitig nicht oder nur schwer nachweisbar
sind. Das Auftreten von Brachflächen in der
Agrarlandschaft zum Beispiel kann sozial be-
dingt sein und zeigt in diesem Fall den Über-
gang vom Arbeiterbauerntum zur reinen au-
ßerlandwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit an.
Hartke hat diese Erscheinung als Sozialbra-
che bezeichnet; im Nachhinein hat sie sich als
vorübergehend herausgestellt. Sie trat nicht
überall gleichzeitig und vor allem nicht in
gleicher Intensität auf. Ein Raum, der bei
wichtigen sozialen Wandlungsprozessen (wie
dem oben erwähnten) eine einheitliche Ten-
denz aufweist, galt nach Hartke als ,Raum
gleichen sozialgeographischen Verhaltens‘.
912 VI. Neighbouring Disciplines
Das Problem der Mehrdeutigkeit kultur-
landschaftlicher Erscheinungen wurde me-
thodisch dadurch bewältigt, dass die Kartie-
rung dieser Erscheinungen, also z. B. der
Brachflächen, mit einer parzellengenauen
Besitzkartierung nach agrarsozialen (oder
generellen sozialen) Kategorien kombiniert
wurde. Erst die vergleichende Auswertung
ergibt eine sichere Beurteilungsgrundlage.
Der mit diesem Verfahren verbundene hohe
Aufwand schränkt den Indikatorenansatz
auf räumliche Einheiten in der Größenord-
nung von Gemarkungen ein (vgl. Dege
1982). Der Identifizierung von ,Räumen
gleichen sozialgeographischen Verhaltens‘
waren daher enge Grenzen gesetzt. Seitdem
Datenschutz praktiziert wird, sind entspre-
chende Analysen zusätzlich erschwert. – Die
Brücke zu einer großräumigen Perspektive
bietet die Innovationsforschung, die sich mit
Regelhaftigkeiten bei der Ausbreitung (Dif-
fusion) von Neuerungen befasst. Sie ist auf
zeitlich gestaffelte und räumlich fixierte Da-
ten angewiesen, d. h. sie muss wissen, wann
und wo eine Neuerung angenommen wor-
den ist. Sofern geeignetes Material verfüg-
bar ist, lassen sich, wie Bartels (1968) an-
hand der Aufbruchentschlüsse türkischer
Gastarbeiter aus der Region Izmir zeigen
konnte, Rückschlüsse auf soziale Wand-
lungsprozesse ziehen.
2.3. Sozialräumliche Gliederung
Den oben skizzierten Ansatz ordnete Hartke
einer traditionellen Aufgabe der Geogra-
phie, nämlich ,der beschreibenden und
erklärenden Gliederung der Welt‘, zu. Zu
sehen ist dies vor dem Hintergrund wieder-
holter Bemühungen des Faches um Raum-
gliederungen, denen wirtschaftliche Krite-
rien zugrunde lagen (wirtschaftsräumliche
Gliederungen) und die sinnvollerweise um
solche mit sozialer Dimension zu ergänzen
waren. Anders als bei dem Nachweis einzel-
ner sozialräumlicher Prozesse kommt es hier
darauf an, bestehende Differenzierungen
flächendeckend zu erfassen. Dies kann auf
verschiedenen Maßstabsebenen und sowohl
quantifizierend als auch nicht-quantifizie-
rend erfolgen. Eine vielbeachtete nicht-
quantifizierende Gliederung im Weltmaß-
stab hat Hans Bobek (1903–1990) vorgelegt
(1959). Er unterschied dabei mehrere gesell-
schaftliche Entfaltungsstufen, die von der
Wildbeuterstufe bis zur Stufe des produkti-
ven Kapitalismus, der industriellen Gesell-
schaft und des jüngeren Städtewesens rei-
chen. Die Mehrzahl der Gliederungen
bezieht sich allerdings auf vergleichsweise
kleine Raumausschnitte und beruht auf ad-
ministrativen Gebietseinteilungen, vorzugs-
weise den Gemeinden (soziale Gemeinde-
typisierungen). Da viele Großstädte ein
kleinteiliges Mosaik von statistischen Zähl-
bezirken aufweisen, hat sich die Forschung,
begünstigt durch den EDV-Einsatz, bevor-
zugt dieser Raumkategorie zugewandt, zu-
mal sie hier an klassische Modelle der städ-
tischen Raumstruktur anknüpfen konnte.
Der Aussagewert der Gliederungen hängt
weitgehend davon ab, was die amtliche Sta-
tistik an Daten bereitstellt. Da sie soziale
Gruppenzugehörigkeiten und Verhaltens-
weisen nicht direkt erfassen kann, muss mit
Hilfsgrößen (z. B. Stellung im Beruf, Aus-
bildungsniveau) oder Merkmalskombina-
tionen operiert werden. Als Beispiele für
unterschiedliche Methoden seien die Dar-
stellungen von Braun (1968) für Hamburg,
De Lannoy (1978) und Kesteloot (1980) für
Brüssel oder Pacione (1998) für Rom ange-
führt. – Möglichkeiten einer sozialgeogra-
phischen Auswertung bieten auch die Resul-
tate politischer Wahlen. Mit ihrer Hilfe
ermittelte z. B. Ganser (1966) für München
eine Gliederung, die Kategorien wie ,Mobi-
lität‘, ,soziale Integration‘ oder ,soziale Ni-
vellierung‘ heranzieht. – Eine Sonderform
der sozialräumlichen Gliederung stellen Un-
tersuchungen dar, die sich mit dem Phänom
der sozialen bzw. ethnischen Segregation
auseinandersetzen (vgl. Lichtenberger 1998
a, 239ff.; Rudolph/Lentz 1999).
2.4. Gruppenspezifische
Funktions-Standort-Systeme
In den 60er Jahren trat die heute so genann-
te Münchner Schule mit einem Konzept
auf den Plan, das einen damals bestimmen-
den Aspekt der städtebaulichen Diskussion
reflektierte, nämlich die Forderung nach
räumlicher Trennung der städtischen ,Funk-
tionen‘ Wohnen, Arbeiten und sich Erholen.
Es wahrte zugleich die Nähe zu den An-
schauungen der sogenannten funktionalen
Phase der Anthropogeographie (vgl. Maier/
Paesler/Ruppert u. a. 1977, 16–20, 23; Wer-
len 1995, 517f.), insofern nach den Funktio-
nen selbst und den mit ihnen zusammenhän-
genden ,verorteten Einrichtungen‘ nunmehr
deren Träger in den Vordergrund traten.
Das Münchner Konzept hat zumindest in
der (alten) Bundesrepublik viel Anklang ge-
funden und wurde nicht selten mit der Sozi-
94. Sozialgeographie 913
algeographie schlechthin gleichgesetzt. Ihm
war auch das erste deutschsprachige Lehr-
buch der Sozialgeographie verpflichtet (Mai-
er/Paesler/Ruppert u. a. 1977). Die Autoren
definierten ihren Gegenstand als „die Wis-
senschaft von den räumlichen Organisati-
onsformen und raumbildenden Prozessen
der Daseinsfunktionen menschlicher Grup-
pen und Gesellschaften“ (a.a.O. 1977, 21).
Mit ,Daseinsgrundfunktionen‘ (anfangs
Grunddaseinsfunktionen) sind die einzelnen
menschlichen Daseinsäußerungen gemeint:
,in Gemeinschaft leben‘, ,wohnen‘, ,arbei-
ten‘, ,sich versorgen‘, ,sich bilden‘ und ,sich
erholen‘, d. h. Aktivitäten, „die allen sozia-
len Schichten immanent, massenstatistisch
erfaßbar, räumlich und zeitlich meßbar sind
und sich raumwirksam ausprägen“ (a.a.O.,
100). Jeder der Grundfunktionen wird eine
eigene Arbeitsrichtung zugeordnet, also eine
Geographie des Konsum-, Bildungs- oder
Freizeitverhaltens. Obwohl betont wird, es
gebe keine ,Hierarchie der Grundfunktionen‘,
sind die Forschungserträge im Einzelnen un-
terschiedlich hoch. Profilieren konnte sich
die Münchner Schule hauptsächlich mit
Studien zur ,Geographie der Freizeitstand-
orte und des Freizeitverhaltens‘ (vgl. dazu
Hagel/Maier/ Schliephake 1982, 160–273). –
Das raumwirksame Verhalten wird in seinen
gruppenspezifischen Ausprägungen unter-
sucht. Dabei gilt als ,sozialgeographische
Verhaltensgruppe‘ eine Anzahl von Men-
schen, die sich ,in einer vergleichbaren so-
zialen Lage‘ befinden und „infolgedessen
Verhaltensweisen entwickeln, die vergleich-
bare Einflüsse auf räumliche Prozesse und
Strukturen ausüben“ (Maier/Paesler/Rup-
pert u. a. 1977, 50). Diese Bestimmung wirft
Fragen auf, und zwar erstens, wie lassen sich
Gruppen von Menschen in vergleichbarer
sozialer Lage identifizieren (bzw. für speziel-
le Untersuchungszwecke isolieren), zwei-
tens, mit wie vielen derartigen Gruppen ist
in den einzelnen Raumkategorien (z. B.
Großstadt, Dorf) zu rechnen, und drittens,
bedingt die vergleichbare soziale Lage tat-
sächlich eine vergleichbare Raumwirksam-
keit? Diese Fragen sind bis heute nicht
befriedigend geklärt. – Unterscheidungs-
merkmal zwischen den ,sozialgeographi-
schen‘ Gruppen ist ihre Reaktions- oder
Reichweite, d. h. die effektive Distanzüber-
windung und Prägekraft. Für die Versor-
gungsfunktion zum Beispiel bedeutet das:
die Wegstrecke, die zum Einkaufen üblicher-
weise zurückgelegt wird, und die verfügbare
Kaufkraft. Es gibt Gruppen, die einen aus-
gedehnten räumlichen Aktionsradius ha-
ben, während andere innerhalb eines sehr
engen Areals agieren und zudem wenig zur
Entstehung oder Aufrechterhaltung eines
differenzierten Warenangebots beitragen.
Jede Gruppe prägt somit die Einzelhandels-
standorte, wenn auch selten in reiner Form,
da sie in der Regel von verschiedenen Grup-
pen in Anspruch genommen werden. Das
Beispiel verdeutlicht zugleich, was mit grup-
penspezifischen Funktions-Standort-Syste-
men gemeint ist.
2.5. Wahrnehmung und Bewertung
räumlicher Gegebenheiten
Die gruppenspezifische Reichweite wird ge-
filtert durch die jeweilige Wahrnehmung und
Bewertung der räumlichen Gegebenheiten.
Gehandelt wird auf diese Weise nur inner-
halb eines bestimmten Informationsfeldes
(Wirth 1979, 206ff.). In jüngster Zeit hat sich
die Forschung zunehmend Fragen zuge-
wandt, die sich aus diesem Umstand erge-
ben. Das Ziel ist zunächst die empirische
„Erfassung der Signale und Symbole, die
direkt oder indirekt auf die Informationen
des Individuums einwirken“ (Hagel/Maier/
Schliephake 1982, 23). Dazu stehen verschie-
dene Techniken zur Verfügung, unter denen
Mental-Map-Analysen, Bildserien-Tests und
semantische Profile hervorzuheben sind. Sie
vermitteln einen Eindruck von dem Vorstel-
lungsbild (Image), das sich bei den befrag-
ten Individuen oder Personengruppen über
Räume bzw. Raumausschnitte entwickelt hat
(vgl. Klüter 1994). Als Beispiel sei eine empi-
rische Untersuchung über Ostfriesland (Da-
nielzyk/Krüger/Schäfer 1995) genannt.
2.6. Räumliche Konzentrationen sozialer
Probleme und Konflikte
In den 70er Jahren verstärkte sich besonders
in der nordamerikanischen und britischen
Geographie der Trend, sozialräumliche Mus-
ter nicht nur zu erfassen und zu erklären (vgl.
2.3.), sondern auch kritisch hinterfragen zu
wollen. Darin zeigt sich ein verändertes, nor-
matives Wissenschaftsverständnis, das da-
rauf angelegt ist, „to try and help produce a
fairer, more just society, a society which allo-
cates scarce resources on a more equitable ba-
sis“ (Jones/Eyles 1979, 221f.). Praktisch äu-
ßerte sich dieses Bemühen um eine gerechtere
Gesellschaft in Untersuchungen, die beste-
hende bzw. als solche bewertete sozialräum-
liche Ungerechtigkeiten oder – neutral aus-
914 VI. Neighbouring Disciplines
gedrückt – räumliche Disparitäten in den
Lebensbedingungen aufdecken (vgl. Johns-
ton/Gregory/Smith 1994, 562f.). Das geläu-
figste Verfahren ist dabei die Berechnung so-
genannter Sozialindikatoren nach dem
Vorbild der Sozialwissenschaften (vgl. Thie-
me 1985). Daneben ist die Kartierung von
Konfliktfällen und -potentialen zu erwäh-
nen. Der Optimismus der Anfangsphase
scheint, was die Veränderbarkeit räumlicher
Strukturen angeht, inzwischen einer nüchter-
nen Betrachtungsweise gewichen zu sein. Sie
wird bekräftigt durch die Erkenntnis, dass
sich räumliche Disparitäten oft über längere
Zeiträume und verschiedenartige politische
Systeme hinweg als persistent erweisen.
2.7. Sozialgeographie „alltäglicher
Regionalisierungen“
In den 1980er und 1990er Jahren trat Benno
Werlen (*1952) mit mehreren Veröffentli-
chungen (1995; 1995–98; 1997; 2000) in Er-
scheinung, in denen er das „alltägliche Geo-
graphie-Machen“ (Begriff von Anthony
Giddens) thematisiert. Dieses soll die So-
zialgeographie auf wissenschaftliche Wei-
se untersuchen. Die handlungstheoretische
Konzeption definiert als Ziel die Herstel-
lung, Nutzung und Bedeutungskonstitution
räumlicher Bedingungen (Werlen 1995,
Abb.3). Dem Ziel kann auf verschiedenen
Maßstabsebenen (lokal, regional, global)
nachgegangen werden. Gerade bei den zu
ermittelnden „Einbettungen in globale
Handlungszusammenhänge“ seien die han-
delnden Subjekte auch „mit jenen Folgen
ihres Tuns zu konfrontieren, die sich außer-
halb ihres unmittelbaren Erfahrungsbe-
reichs äußern“ (a.a.O., 520). Inwieweit sich
die handlungstheoretische Neuorientierung
sozialgeographischer Forschung, wie sie
Werlen propagiert, längerfristig durchsetzen
kann, muß sich erweisen. Eugen Wirth
(1998, 61) beispielsweise äußerte sich in dem
Sinne, dass beim Bemühen um Erklärung
kulturgeographischer Sachverhalte Hand-
lungstheorie durchaus zum „Königsweg“
werden könne.
3. Die Sprache als
Untersuchungsobjekt in der
Sozialgeographie
Als raumrelevantes gesellschaftliches Phä-
nomen findet die Sprache in der Geographie
durchaus Beachtung. Für Haggett (1979,
247–253) ist sie neben der Religion eines der
wichtigsten Kriterien für den Vorgang der
kulturellen Differenzierung der Erde. Er
bringt u. a. ein Schema der Hauptfaktoren,
die zu linguistischen Veränderungen führen.
Vor allem in landeskundlichen Arbeiten
sind sprachliche Raummuster zu verschiede-
nen Zwecken herangezogen worden (vgl.
Hard 1966, 62). Ein breiteres eigenständiges
Forschungsgebiet hat sich daraus jedoch
nicht entwickelt, trotz nachdrücklicher Auf-
forderungen, die Ansätze systematisch aus-
zubauen. So sah Hard (1966, 64) in der Me-
thode der Mundartforschung „ein eigentlich
unentbehrliches Instrument der Sozialgeo-
graphie […], ein Instrument, das sie sehr zu
ihrem Schaden vernachlässigt“. Er meinte,
keines der seinerzeit gebräuchlichen physio-
gnomischen und statistischen Kriterien be-
sitze „die Empfindlichkeit, die Vielseitigkeit
und den indikatorischen Wert dieses sprach-
lichen Reagens“ (a.a.O., 65). – Die Arbeiten
der Münchner Schule (vgl. 2.4.) sind unter
diesem Aspekt unergiebig. Bei deren Fixie-
rung auf Funktions-Standort-Systeme
könnte die Sprache am ehesten einen Platz
unter dem Thema Verkehrs- und Kommuni-
kationsverhalten finden. Nach Maier/Paes-
ler/Ruppert u. a. (1977, 30) stand allerdings
gerade dieses Thema noch ganz in den An-
fängen, und bezeichnenderweise fehlt bei
den Nachbarwissenschaften, von denen Ele-
mente und Erkenntnisse einbezogen werden
müssten, die Linguistik. Dennoch ist mitt-
lerweile ein Zugewinn nicht von der Hand
zu weisen, so etwa, wenn unter dem Titel
„Territorialität auf dem Mikromaßstab“ –
es handelt sich um die Fallstudie eines
Zweitwohnsitz-Komplexes in Schweden –
soziolinguistische „Grenzen“ thematisiert
werden (Geipel 1989). – Aus dem Blickwin-
kel der Theoretischen Geographie wusste
Eugen Wirth (1979, 192–196) die Sprach-
und Mundartforschung, die sich mit kultu-
rellen Ausgleichsvorgängen und Entmi-
schungsprozessen befasst, zu würdigen. Er
entdeckte in ihr einen Ausgangspunkt, ,der
zu weiteren fruchtbaren Fragen anregen
kann‘. Zu denken wäre an die Auswertung
linguistischer Forschungsergebnisse unter
dem Aspekt des Informations-, Kontakt- und
Interaktionsfeldes gesellschaftlicher Grup-
pen (vgl. Wirth 1979, 206–228). Entspre-
chende Studien entstanden besonders in
Großbritannien, wo Withers (1984) für
Schottland in diachronischer Betrachtung
über einen Zeitraum von knapp 300 Jahren
94. Sozialgeographie 915
hinweg auf parish-Ebene den Rückgang des
Gälischen verfolgte, oder Aitchison/Carter
(1999) die Verhältnisse in Wales behandel-
ten.
4. Perspektiven
Sozialgeographie, wie immer verstanden,
hat heute im universitären Lehrbetrieb und
bis in die Höheren Schulen hinein einen fes-
ten Platz; daran wird sich wohl nicht so
rasch etwas ändern. In der theorieorientier-
ten Forschung hingegen herrscht zur Zeit,
von Einzelvorstößen abgesehen (vgl. 2.7),
eher Zurückhaltung. Der Erfolg der Münch-
ner Schule (vgl. 2.4), auch wenn er letztlich
einem „Siegeszug ins Abseits“ (Heinritz
1998) gleichkam, scheint noch immer dämp-
fend nachzuwirken. So befindet sich unter
den zahlreichen Arbeitskreisen der Deut-
schen Gesellschaft für Geographie, der Deut-
schen Akademie für Landeskunde, des Deut-
schen Verbands für Angewandte Geographie
sowie im Bereich der Hochschulgeographie
keiner, der ausdrücklich als sozialgeogra-
phisch deklariert wäre (Dittmann/Kraas/
Schmiedecken 1999, 432–443). Dennoch sind
mancherlei weiterführende Ansätze festzu-
stellen. So beschäftigt sich Elisabeth Lichten-
berger (1998b) mit der sehr lohnenden Auf-
gabe, die Sozialgeographie in die boomende
Stadtökologie einzubauen. Nicht zuletzt wird
jenseits aller Grundsatzdiskussionen ein Be-
darf an Untersuchungen fortbestehen, die
sich ganz pragmatisch und mit bewährten
Methoden der vielfältigen regionalen Proble-
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95. Research Policy 917
stage (for some examples in connection with
linguistics, see Sampson 1980). This doesn’t
mean that we have come to a postmodern
disillusionment about the connections bet-
ween social history and research history;
the case of sociolinguistics is a good ex-
ample of a branch of science whose inaugur-
ation and original blossoming was sup-
ported by a clearly perceived, and also real,
need for knowledge about language use in
society, especially in connection with foreign
and post-colonial policy, the management of
social unrest and the planning of more effi-
cient education. Although one could not say
that sociolinguistics was born out of an ex-
plicit research policy, sociolinguistics has in
its early decennia clearly benefitted from
such policies.
Already in the 1980’s it was very difficult
to find clear statements of formulated re-
search policy for sociolinguistics. This could
in part be explained by the difference be-
tween natural science on the one hand (es-
pecially ‘big science’, for which those state-
ments can be found, cf. Bush 1945), and the
social sciences or even the humanities.
Cherns (1974, 13) claimed that in the West-
ern countries, no formulated research pol-
icies for social sciences existed at that time.
Such policies only existed in the socialist
countries, since they simply had policies
for everything. If one could talk about so-
ciolinguistic research policy at all, one had
to refer to the fact that policies are not ex-
clusive to governments. Among those or-
ganisations which have shown an interest in
sociolinguistics and which follow an explicit
or implicit policy of supporting socioling-
uistic research could be singled out inter-
national (usually USA-based) organizations
like the philanthropical foundations (Fox
1975a; 1975b; Fisher 1982). To mention one
example, the Ford Foundation in particular
showed a keen interest in the development of
sociolinguistics. At that time, it was necess-
1. Introduction
2. Sociological models of research processes
3. Morals and autonomy
4. Institutional framework
5. Two case studies
6. Conclusion
7. Literature (selected)
1. Introduction
When an earlier version of this article was
written for the first Edition of the Handbuch
Soziolinguistik, the author still felt it was
necessary to argue that scholarly research
practices had to be understood on the back-
ground of societal demands that it was sup-
posed to serve. Although this view was
hardly new, even in linguistics (the Norwe-
gian linguist Hans Vogt hat already argued
for this in 1935, cf. Vogt 1973), it had got a
new momentum in many publications in the
1970’s and 1980’s, as witnessed by some of
the references in the earlier article, as those
to Kjolseth (1971), Bratt Paulston (1971),
Newmeyer/Emonds (1971), Eisenberg/Haber-
land (1972), the introduction in Simon
(1975), Dittmar (1975), contributions in Bol-
inger et al. (1976) and Wunderlich (1976),
Haberland/Skutnabb-Kangas (1981, reprinted
1996), contributions in Finke (1983), Phillip-
son/Skutnabb-Kangas (1985) and Hujanen
and Peura (1983).
By now it is commonplace that knowl-
edge is a social and socially produced phe-
nomenon. It is equally commonplace – as it
was not for many people twenty years ago –
that there is no deterministic relationship
between the need of a society for particular
knowledge and the actual knowledge pro-
duced, which could be channelled through
what we might term the ‘research policy’ of
governments and other agents. All too often
governments and others have not seen the
light and failed to commission research that
might have proven extremely useful at a later
VII. Sociolinguistic Methodology
VII. Soziolinguistische Methodologie
95. Research Policy/ Forschungspolitik
918 VII. Sociolinguistic Methodology
ary to broaden the scope of ‘research policy’
by referring to all external factors relevant
for the formulation of research aims in so-
ciolinguistics.
In the meantime, things have become even
more difficult. This can in part be explained
by the general post-Cold War tendency to
abolish grand-scale government policies
even for ‘big science’, as claimed by Fuller
(2000). But especially for sociolinguistics,
the central issues that could justify even
lukewarm government support and that so-
ciolinguistics could offer a help in solving
(minority education planning, social crisis
management, linguistic integration of mi-
grant workers and immigrants, as well as
post-colonial language policy), are not at
the very core of sociolinguistic research any
more, at least not with a direct focus on ap-
plication. The occasional flaring up of lan-
guage-related conflicts (like in the ‘Ebonics’
debate of 1996/7, cf. Pullum 1997) is rather
the exception than the rule and has not had
any impact on mainstream sociolinguistic
research comparable to the impact of similar
issues in the 1960’s and 1970’s. Even the
European Science Foundation, which earlier
organised research in the sociolinguistics of
migration, has not continued this support.
Not that these problems do not exist any-
more, but sociolinguistics is not any more –
inside or outside the discipline – considered
as a provider of basic research for solving
these problems. There is, of course, and
maybe paradoxically, no lack of socially re-
sponsible sociolinguists that address prob-
lems with societal relevance: I only want to
mention the work on Critical Discourse
Analysis by Fairclough, Wodak, van Dijk
and many others, the work of Phillipson and
Skutnabb-Kangas on language rights (Skut-
nabb-Kangas/Phillipson eds. 1994; Skut-
nabb-Kangas 2000) and the engagement for
endangered languages (e.g. Robins/Uhlen-
beck 1991; Haberland 1999). None of this
can be called the outcome of an explicit re-
search policy, though, although research on
endangered languages has got some UN-
ESCO support now.
In view of this changed situation since the
1980’s, I have changed this new version of
the handbook article only slightly, not mak-
ing any attempt to bringing it up to date, in
recognition of the fact that the original ar-
ticle not only dealt with the period of time it
was written in, but also was an obvious
product of its own historical context.
2. Sociological models of research
processes
“The man who pays the fiddler calls the tune” –
old American saying, quoted after Bowen (1975,
15).
Sociologists of science (both professional
ones, and researchers reflecting on their
practice) differ in their attitude to ‘external
factors’. There are those who hold that
tracking down the source of research funds
will lead to establishing who has an interest
in what kind of research. Thus said Wunder-
lich, “We already have part of the answer to
the question ‘Who has what interest in this
kind of science?’ when we have discovered
the sources of financial support for a par-
ticular institute.” (1979, § 1.4) or, even more
radically, Dittmar referring to the research
reported in Labov (1972), “essential parts of
Labov’s investigations were financially sup-
ported by governmental institutions. It is
clear that such support was given in order to
resolve urgent social problems. These sociol-
inguistic studies are then, obviously enough,
social crisis management.” (1975, 260)
On the other hand, one can like Sampson
in his critique of Wunderlich, maintain that
“though material motives play some part in
influencing academic life, they are only one
class of factors and often not the most im-
portant. The purely intellectual pleasure of
exploring new and rich structures of ideas is
itself a powerful motive, and one which
often succeeds in attracting a share of a so-
ciety’s resources in competition rather than
collaboration with material motives.” (1980,
168)
The two competing positions have been
described as externalism and internalism,
where externalism stresses the influences on
the research process from outside, whereas
internalism stresses its intrinsic determi-
nation. (In the form represented by Samp-
son, internalism is compatible with an at-
tack on the sociology of knowledge and thus
apparently on sociological models of the re-
search enterprise in general. What Sampson
sets up against the proponents of the sociol-
ogy of knowledge is a sociological model of
research in itself.) – Externalism comes in
two variants. Strong externalism claims that
social factors influence the cognitive struc-
ture of a science. Weak externalism claims
only that social factors influence the choice
between the options open to researchers at
95. Research Policy 919
any given point (Schäfer 1978, 384). An-
other question then is where the available
options come from. The theory of finaliz-
ation of science (Böhme/van den Daele/
Krohn 1976; Schroyer 1984) claims that at a
certain stage of the development of a par-
ticular science even these options come from
the outside, so the apparently scholarly
choices now have become essentially politi-
cal ones. But this stage is only reached as a
final phase in the development of science,
after earlier phases first of Darwinist (or
chance) production of choices and then of
‘normal’, or ‘paradigmatic’ science. When
this model of developmental dynamics is ap-
plied to linguistics, linguistics is usually clas-
sified as ‘preparadigmatic’ and is therefore
not considered a ‘post-paradigmatic’ disci-
pline to which alternatives or options are
presented from outside (Lang 1976). But so-
ciolinguistics being a social science, Berger’s
remark about social sciences in general
applies equally to sociolinguistics: “Social
scientists typically provide three rather dif-
ferent kinds of assistance to policy-makers:
knowledge, legitimation, and partisanship”
(Berger 1980, 3).
Externalism meets with a number of
problems. One of them is that it often is
identified with a theory of external determi-
nation, i.e. what Shapin (1982) calls the ‘co-
ërcive model’. In this form, externalism is
offensive to the feelings of many researchers
who do not feel ‘determined’: this model
“portrays the role of the social and of socio-
logical explanation in unpalatable normative
light: as if it were said that ‘no rational per-
son would ever allow himself to be socially
determined.’” (1982, 195) This leads to an-
other problem: externalist analyses are often
interpreted as if they implied moral criticism
of researchers who do not maintain their au-
tonomy.
“One traditional source of difficulty in
sustaining a sociological approach to scien-
tific knowledge comes from the view that the
power and validity attributed to science is
guaranteed by its freedom from ‘social in-
fluences’. In this account social consider-
ations can only work to corrupt proper
science; the scholar convinced of the value
of science and concerned to defend it from
attack must therefore take great care before
showing the presence of social interests in
scientific activity. Writers in this tradition
tend to read sociological accounts of scien-
tific knowledge as aspersions, however great
the pains taken by sociological writers to
state otherwise. By now this particular battle
has been fought too many times that it is
pointless to do more than reiterate: socio-
logical accounts have no bearing upon what-
ever evaluations one may wish to put upon
science.” (Shapin 1982, 187)
Talking about internal factors, one can
turn one’s interest to the group dynamic pro-
cesses within the researchers’ own group.
(See Jernudd 1983 for an analysis of this
kind for language planners.) Darnell (1969),
and, following her, Murray (1983) consider
the stage of ‘professionalization’, i.e. the re-
searchers’ group becoming independent
from the “judgment of outsiders”, as the
true hallmark of mature science. For them,
statements like the one by Dittmar (1975)
quoted above, if accepted, would imply that
sociolinguistics still has the status of a ‘gov-
ernment science’, like anthropology in the
United States up to Franz Boas. In this view,
‘external’ and ‘internal determination’ are
not alternative views of research processes,
but successive historical stages. Murray’s
central concept is that of ‘group formation’,
and he is concerned with establishing these
groups’ “autonomy from judgement by non-
professionals” which he considers “a prin-
ciple [sic!] component of professionaliz-
ation” (1983, 397). To put it very bluntly: the
fact that Gumperz, Bright, Ferguson and
some other linguists met in India, at the
Deccan College in Poona, some time in the
1950’s, where they were “confronted with
linguistic diversity even within villages”
(1983, 234), and acted as catalysts for the de-
velopment of each other’s ideas, is more im-
portant to Murray than what brought them
there and who supported their activities in
India. A statement like the following by
Bright takes on for Murray (1983, 235) the
status not just of an anecdote, but of central
evidence:
“South Asia was an area where the phe-
nomena of language contact and linguistic
area were impossible to ignore […]. And it
was also an area where the sociolinguistic
phenomena of language variation were im-
possible to ignore. One day in 1956, in
Poona, a conversation with John Gumperz
inspired me to explore the role of those so-
ciolinguistic phenomena in language his-
tory.” (Bright 1976, 271)
One should not forget, though (as has
been pointed out by Shapin (1982) and Sö-
derqvist (1986)), that ‘internal’ factors are
920 VII. Sociolinguistic Methodology
as ‘social’ or ‘material’ as ‘external’ factors;
that is, to reject or relativize externalism
does not mean to reject social models, or to
deny that ‘interests’ are factors that deter-
mine the research process. Söderqvist could
show for the development of ecology in
Sweden that the researchers’ interest in rec-
ognition both within their academic en-
vironment and vis-à-vis the funding institu-
tions can be as powerful a factor in
determining the direction in which a science
develops as the demands made on this
science from those funding institutions.
Those institutions not only ‘buy’ researchers
to solve their problems; researchers have
also offered themselves as those who can
solve the problems identified by the funding
institutions, and part of their academic
work consists in convincing the external
world that they have something to offer.
Science is as much a seller’s as a buyer’s
market. One should compare CAL director
Troike’s (1976) complaint about the lack of
job opportunities for linguists in the then
just started bilingual programs in US, with
Cawson’s pronouncedly critical evaluation
of the role of linguists and educationalists
in the promotion of TEFL (1975, 405–407).
Troike points out that linguists are not in-
volved in bilingual education as much as one
should expect:
“The United States is almost alone
among countries with bilingual programs –
including such places as Mexico, Peru,
India, the Philippines, and Zaire – in not
recognizing the importance of linguistics in
bilingual education, and in not utilizing lin-
guists in key policymaking, materials devel-
opment, teacher training, and evaluation ef-
forts.” (Troike 1976, 2)
Cawson (1975) essentially states that lin-
guists had come into the field of language
teaching in the US in the 1940s at a point
when educators had little to offer. After this,
linguists continued to identify any problem
area as a basically linguistic one, whereas
educators persisted in ignoring language.
For Cawson as a representative of a funding
agency (the Ford Foundation), struggling
for funds by way of claiming problem areas
as falling within one’s own domain appears
little helpful to the furthering of aims more
general than the promotion of professional
employment.
3. Morals and autonomy
Although research ethics clearly is an issue
that deserves discussion (cf. art. 97), the is-
sues discussed here have often been blurred
by being considered moral issues, and quite
mistakenly so. Pointing out that somebody
did research while working for this or that
government agency (especially when De-
partments of Defence, as they are called, are
involved) can be interpreted as criticism,
and may very often be intended as such. But
if one is to interpret it as criticism, one has
to presuppose that research should not be in-
volved with any extraneous agents or fac-
tors. Pointing out such connections is only a
criticism per se, if the very assumption is
made beforehand that scientific truth is ab-
solute, and not dependent on any external
factors (where this assumption is not to be
considered as an empirical observation, but
rather as a normative claim). Naturally, such
an autonomy is illusory. This does, of
course, not mean that there are no moral
questions connected with research, es-
pecially not in sociolinguistics. The sociol-
inguist faces a moral dilemma, but this di-
lemma is not the choice between pure,
disinterested truth-seeking, and custom-
made investigations ‘on demand’, but rather
the one described by Bratt Paulston (1971),
namely between investigations that might
support long-term visions, and a kind of ‘so-
cial bricolage’ which might or might not
help on short terms, but which inevitably
will be conservative in the sense that it will
help in perpetuating the existing social and
political structures. A possible consequence
of the postulate of scholarly autonomy is
that the assumption of external determining
factors implies the attribution of ‘wicked-
ness’ to a group of people (governments,
foundations, other funders of research).
This kind of wickedness is assumed to thrive
in an atmosphere of clandestine conspiracy,
but the interesting – and for many people
quite surprising – fact is that most would-be
conspirators talk quite openly about their
interests and how they are going to channel
them into research programs. – The idea that
research should be autonomous is probably
typical for European scholars, and can be
partly explained in terms of how the ‘repu-
tational system’ (Whitley 1982) for research
organisation works in Europe. The same
problem does not usually exist for North
Americans, who against the background of a
95. Research Policy 921
considerably different system of research or-
ganisation and financing discuss matters
about research policy very openly. This
makes it possible, for example, for the Ford
Foundation to state its research policy in a
way that Europeans rather would expect
from ‘opting-out’ left wing critics. – One
should not forget that ‘autonomy’ of the re-
searcher is not a recognised value in some
societies. After a trip to the People’s Repub-
lic of China, Ferguson reported to his
American colleagues about a country where
needs defined, and priorities set by society
are implemented directly in the research
process,
“I found myself in a society in which the
only use of linguistics is to ‘serve the people’
[…]. In fact, language research is so appli-
cation oriented that linguistics as a scholarly
discipline or body of theory seems not to
exist in the People’s Republic.” (Ferguson
1975, 3)
In Western societies, the question is how
much and what kind of autonomy the re-
search scholar has. That there is a relative
autonomy of some kind, is not denied by
anybody. One has also to keep in mind that
the desire to paint the lack of autonomy of
the researcher in too dark colours can be an
attempt to evade the responsibility of the
scholar (by claiming that everything is deter-
mined by external, ‘objective’ factors any-
way). People like Sampson seem to insist
that developments in research are non-pre-
dictable, since they only depend on the whim
of the researcher. People like Murray and
Darnell are mainly interested in the group-
internal processes and the point where these
processes become independent of external
domination. Still others like the ‘finalists’
argue that only ‘mature’ disciplines such as
physics can be subjected to external control
and that linguistics is too immature to be
more than an amateurs’ playground (Lang).
This might be true of ‘theoretical lin-
guistics’, but hardly applies to socioling-
uistics. In the 1970s, this was pointed out
several times in connection with the econ-
omic motivation of much sociolinguistic re-
search, namely where it is associated with
the problem of “qualification and dequalifi-
cation” (to borrow a phrase from Lenders/
Mazeland/van Nieuwstadt (1978)). But one
would have to subscribe to conspiracy-the-
ory ideas about the machinations of a ‘sur-
plus value gang’ in order to believe that re-
search funding means ‘buying’ or even
‘ordering’ the results of the research.
Allowing a certain measure of freedom of
action and control on the part of the re-
searchers themselves, even at the cost of fi-
nancing mutually contradictory results,
might even make good sense. Between 1965
and 1969, the Ford Foundation funded
Basil Bernstein’s research unit in London
with US$ 21.6620 (Fox 1975a, 33). While
thus supporting ‘deficit hypothesis’ re-
search, the very same Foundation also gave
huge grants to the Center for Applied Lin-
guistics in the United States which was host
to so many ‘difference hypothesis’ research
projects. This is a contradiction only for
those who imagine that research funding by
non-university agents is motivated by the
need for results immediately useful to the
funder.
4. Institutional framework
Most academic research in most countries is
still carried out within universities. Depend-
ing on the model for university research
planning and funding which is standard in
the several countries, this implies varying
degrees of dependence on extramural guid-
ance and pressure. In the classical (Prussian)
model, which represents one extreme, all
research within the universities is state-
funded, but the internal distribution is the
exclusive privilege of those who have at-
tained a certain position in the reputational
system acknowledged by the state in the
form of a professorship (Whitley 1982).
University-based and university-funded re-
search is the type of research that is under
least control from outside. To a certain de-
gree, universities can formulate their own re-
search policies, although they often enough
choose not to do so. University research can
often be residual research where research in-
terests hibernate as soon as public interest in
some research topics has faltered. In almost
all countries of the world where it has exist-
ed, this type of completely self-controlled re-
search administration is being more and
more reduced. – Alternative models occur
where one or more of the constitutive fea-
tures of the classical model vary: In many
countries, universities, or some universities
are not state-funded, but privately owned to
some degree. This does not seem to affect re-
search policies significantly, since the inter-
ests represented among the trustees or in the
governing bodies of the universities usually
922 VII. Sociolinguistic Methodology
do not differ radically from those repre-
sented in government. – In many cases, re-
search is carried out in Academies of
Science and similar national or supra-
national state-funded institutes. Since these
institutions are not committed to the unity
of teaching and research, their programs,
budgets etc. can be changed more easily and
are therefore subject to more control from
non-academic instances. Therefore, at least
in theory, they can be used to implement or
prepare policies to a higher degree than uni-
versity research. This model has been chosen
increasingly in Western Europe, and is to be
found elsewhere, and was firmly established
in the socialist countries (for a survey of the
PR China in the 1970’s, cf. Lehmann 1975).
A country which has a central research insti-
tute which does much sociolinguistic work is
Japan with its National Language Research
Institute (Watanuki 1984). India has both its
Central Institute for English (and, since
1972 Foreign Languages), Hyderabad, es-
tablished by the Indian government in 1958
in order to improve the teaching of English
in India, and the Central Institute of Indian
Languages (Mysore) established in 1969 by
the Indian government for teachers’ training
in regional Indian languages. Both Indian
institutes have in their history received
money from the Ford Foundation and other
sources, but maintain that they have been
able to keep their independence from both
state and sponsor interference. Literacy re-
search (Jalaluddin 1983) is done in State Re-
source Centers in adult education like the
“Literacy House” in Lucknow, Uttar Pra-
desh. – A variant on the state-funded, non-
university research model is found where re-
search is not carried out directly in state in-
stitutions but in nominally independent
agencies like the Center for Applied Lin-
guistics (CAL) in Washington, D.C., USA.
These are neither universities (and have
therefore no teaching commitments), nor
government research institutes, although
their budgets are partly state-supplied,
which means that there is a possibility of
state influence not so much on single re-
search projects, but on the general level and
range of research commissioned. The Center
for Applied Linguistics was set up in 1959
on the initiative of the Ford Foundation in
order to coordinate research and develop-
ment activities concerned with the Teaching
of English as a Foreign Language (TEFL).
Later on, due to its independence from uni-
versity research, it could take on other re-
sponsibilities (see below and Shuy 1979). In
the CAL, both state funding and support
through foundations like the Ford Foun-
dation have always been significant. This
model was sometimes quoted as being par-
ticularly well suited for “emergency re-
search” (Shuy 1979), as in connection with
the language problems of Cuban (in the
1960s) and Indochinese (in the 1970s) refu-
gees in the USA. – Research can be carried
out at universities but still be funded by
sources outside the ordinary budget of the
institution. Sources can be non-university
state finds, or private funds like the Rock-
efeller Foundation (anthropology), Ford
Foundation (sociolinguistics), Carnegie Cor-
poration (anthropology, bilingualism), Volk-
swagenstiftung (sociolinguistics). The fund-
ing history of the British Linguistic
Minorities Project (Couillaud et al. 1985)
can be used as an illustration here: although
the project was based at a university, fund-
ing sources of the project itself and associ-
ated projects included the British Depart-
ment of Education and Science, the (then)
EEC, and the British Social Sciences
Research Council (Linguistic Minorities
Project 1984, 365). – In the United States,
government agencies interested in socioling-
uistic research results supported socioling-
uistic research at universities like the Office
of Education of the Department of Health,
Education and Welfare (until 1979), fol-
lowed by the Department of Education cre-
ated by the Carter administration, as did re-
search councils and similar institutions (in
the US, the National Science Foundation, cf.
Schaffter 1977; cf. also National Academy
of Sciences 1964). Joint financing was a
model found in many countries; in 1967,
when a Bilingualism Center was started at
Laval University in Québec (Canada), it was
funded partly by the Ford Foundation,
partly by the university itself; and partly by
other sources (Mackey (1967, 3)). – A still
different model was later developed in
Sweden, where the term sektorforskning
(‘sector research’) is applied to research or-
ganised by a government department either
through its own research institutes (as is the
case in the defense ‘sector’), or the tradi-
tional research agencies (like universities).
The idea is to separate pure research from
sektorforskning whose “results have to be
suitable to serve as a basis for the measures
of authorities or various organizations”
95. Research Policy 923
(Royal Commission on Immigration, ap-
pointed in 1968, quoted in Peura 1988).
In the autonomous university model, es-
pecially under a strictly hierarchical univer-
sity system, principal researchers and dis-
tributors of research funds are ideally
identical, which minimises the need for an
explicit formulation of an (external) re-
search policy, at least as different from the
formulation of (internal) research strategy,
and even for actual decisions about the
placement of funds. This does not apply to
the other models, where policies emerge
more clearly, either through formulated pol-
icies or through the actual placement of
money: as soon as research funds appear or
disappear, one can be sure that somebody
will be commenting on this fact.
Within these different institutional
frameworks, sociolinguistics is placed in dif-
ferent sub-departments, varying from “lin-
guistics”, via “language policy”, “language
planning”, “language in education” (this the
title of a Ford Foundation publication, Fox
1975 a), to special terms like gengo seikatsu,
“language life”, coined by Sibata for the sur-
veys of the (Japanese) National Language
Research Institute at the end of the 1940s
(Sibata 1951; 1983). In a country like North
Korea (Mou 1984, 171), linguistics as a
whole is identified with “language plan-
ning” and placed as part of the social
sciences. The status of linguistics in the
People’s Republic of China is similar. Much
linguistic research there is concerned with
implementing the policy of proliferation of
putonghua (since 1956) and, on a lesser scale,
of the pinyin writing system (since 1958)
(Barnes 1983), and with language planning
for minority languages (Coulmas/Thümmel/
Wunderlich 1981). – One has also to take
into account that many countries lack insti-
tutions which could formulate, or even im-
plement, a sociolinguistic research policy.
Many Third World countries, although in-
dependent in name, are still dependent on
help from external agents for research. In
the case of sociolinguistics, these are often
missionaries (Gilliam 1984). The situation
which is described by Encel (1984) for the
Pacific region in the 1920’s has not changed
that much. At that time, “the second Pacific
Science Congress, held in Australia, strongly
urged the Australian Federal Government
to develop anthropology. The congress re-
solved that governments responsible for the
welfare of ‘native’ peoples should support
anthropological training for officials and for
missionaries.” (1984, 58) Even though many
‘native’ peoples have become independent
since, the anthropological (and socioling-
uistic) research deemed necessary for their
welfare by external agents is still paid for,
and conducted by, those very external
agents. – So the ‘subjects’ of research mostly
appear as its ‘objects’. This applies to the
countries of the centre as much as it applies
to the periphery. Fox (1979, 4) talks about
the “racial disturbances of the 1960’s” as
motivating factors behind linguistic re-
search in minority languages and dialects.
What he refers to are the racial conflicts in
the United States which, among others, cul-
minated in the events at Watts in 1968. Here
the minorities of the United States are only
visible as ‘outsiders’ causing ‘troubles’. It is
mainstream society, upset by the unrest,
which commissions research in order to
forestall future troubles; those who pro-
tested are not seen as people who could
order research themselves in order to re-
move the reasons for their protest.
5. Two case studies
Although much and important socioling-
uistic work has been done in many other
countries (e.g. in Western Europe the re-
search occasioned by the language problems
of migrant workers and their children),
some of the main theoretical developments
in sociolinguistics have been started in the
United States. It is therefore not too much
beside the point to look at two particular
cases where social problems have triggered
off research initiatives.
5.1. Case I: sociolinguistics and the global
national interest of the USA
It is interesting that the United States of
America, which very often invokes the con-
cept of ‘the national interest’, obviously
does not seem to see anything crude or ob-
jectionable in the fact that pursuing this
national interest very often implies extensive
activities abroad. The term ‘sociolinguistics’
can be traced back to the end of the 1940s,
and it makes sense to reconstruct the devel-
opment of the discipline internally (see, e. g.
Neustupn´ y 1975). Still there is an alternative
account of the history of sociolinguistics,
suggested by an official historian of the in-
volvement of the Ford Foundation in lin-
guistic research in the USA, namely that so-
924 VII. Sociolinguistic Methodology
ciolinguistics came into being as an answer
to certain needs having become obvious in
the pursuit of the ‘national interest’ of the
USA. According to Cawson (1975), sociol-
inguistics really got off the ground as a spin-
off of the activities of the Center for Applied
Linguistics: “In 1963–64 the bibliographical
resources of the CAL were used to prepare
for the full-scale seminar at Bloomington,
Indiana. Seventeen linguists and sociol-
ogists met daily for 8 weeks … It may be an
over simplification to say this meeting cre-
ated Sociolinguistics. It was certainty the
first full-length exploration of the field. It
got off to a slow start, but when it finished,
the outlines of a new discipline had become
apparent, and a theoretical base had been
established for field operations that were to
influence language work for a decade or
more” (1975, 449).
The first time sociolinguistics came into
the picture within the activities of the CAL
was in connection with the Survey of Second
Language Teaching in Asia, Africa, and
Latin America conducted by the Center in
the period December 1959 to March 1961.
As an unsigned notice in the Linguistic Re-
porter states, “In carrying out the survey, the
Center repeatedly found that one of the
most serious gaps in available information
was the ‘language situation’ in a given
country or area. This includes not only basic
crude data, such as what languages are
spoken where and by how many people in a
given area, but also information on the use
of different languages and dialects, on the
content and functions of multilingualism,
and the attitudes of speakers toward their
own language and toward other languages,
on the linguistic channels of communication
throughout the society and on the corre-
lation of linguistic factors with other aspects
of society” (anon. 1962, 6).
The identification of a lack of knowledge
about what here is called the “language situ-
ation” as a major obstacle for a survey of the
state of the teaching of second languages
lead to the instigation of sociolinguistic sur-
veys in the countries concerned; in the fol-
lowing years the Ford Foundation funded
sociolinguistic surveys in five African coun-
tries (see Whiteley 1972; 1974; Ohanessian/
Ferguson/Polomé 1975). The original inter-
est in the role of second languages around
the world goes back to the period of the
break-up of the British Empire, when it was
obvious that new ways had to be found if the
dominant position of English as a world lan-
guage was to be maintained, a position
which was not only in the interest of Great
Britain, but also of the United States. Brit-
ain had earlier used American experiences
with the blacks of the South in the develop-
ment of her own colonial policy in Africa,
partly with help from the Rockefeller Foun-
dation (Cawson 1975, 408–410; Fisher 1977;
1982); one of the recommendations of the
Phelps-Stokes report (Jones 1922; 1925) was
to ‘restrict’ the role of English in the col-
onies to the powerful role of a second lan-
guage and to boost the local vernaculars in
primary education: basically an apartheid
policy. The Phelps-Stokes recommendations
were adopted in 1925 as the basis of colonial
education policy in a White Paper of the
British Government, and a Department of
Colonial Education was established within
the London Institute of Education. (On the
role of anthropology in British colonial
politics in general, see Forde 1953.) After
the Second World War, American resources
could help to continue where the British had
left off.
5.2. Case II: sociolinguistics and the
American disadvantaged
In the 1960s, the problem of integrating eth-
nic minorities in the USA became urgent;
and soon two different, but related lin-
guistic problems were identified in connec-
tion with it: that of bilingual subcultures,
and that of speakers of non-standard dia-
lects. As to the first, Charles Hockett had
stated already in 1959: “There are millions
of American citizens who speak Spanish
natively. There are at least ten thousands
who speak Italian. There are a good many
who know Japanese. Our traditional melt-
ing pot has tended to conceal this from us.
We need, I suspect, to turn the fire off under
that pot; to modify our national character
just enough that we glory in our heterogen-
eous cultural heritage instead of rendering
second and third generation hyphenated
Americans always just a bit ashamed of
their backgrounds. A million dollars spent
in furthering the economic and social wel-
fare of our Puerto Rican citizens – not in
‘Americanizing’ them, but in promoting
their participation in collective national life
without losing their own heritage – would
serve the national interest more than the
same amount spent in improving the teach-
ing of Spanish” (1959, 6).
95. Research Policy 925
As to the second, J. L. Dillard commented
in 1966 on the CAL’s Urban Language
Study whose immediate application was
“the development of teaching materials in a
‘Standard English’ for speakers – predomi-
nantly Blacks of a low socio-economic stra-
tum – of disadvantaging varieties of Eng-
lish” (Twaddell 1975, 443),
“It seems fortunate that such a study was
conceived, on partly independent grounds,
at about the time that the educational and
social problems of these Negroes began to
assume importance to the nation as a whole.
Members of the Urban Language Study
staff do not, of course, think that language is
the only key to the solution of these prob-
lems; they do think, however, that it is an im-
portant key, and perhaps the one most ac-
cessible” (Dillard 1966, 1).
So it was again the Center for Applied
Linguistics that organized research in these
areas, helped with substantial contributions
from the Ford Foundation and from the
Carnegie Corporation. But other institu-
tions soon took over (Shuy 1969). In 1967,
Joshua Fishman, whose book on language
loyalty in the US had been published in
1966, received the largest single grant under
the National Defense Education Act for his
study of bilingualism among Puerto Ricans
in the mainland United States. In 1968, The
Bureau of Indian Affairs of the US Depart-
ment of the Interior commissioned CAL re-
search which resulted in a publication on the
problems of teaching English to American
Indians (Ohanessian 1968). Also in 1968,
the US Congress passed the Bilingual Edu-
cation Act and recognized “the special edu-
cational needs of the large numbers of
children of limited English-speaking ability
in the United States.” “Congress declared it
to be the policy of the United States to pro-
vide financial assistance to local educatio-
nal agencies to develop and carry out new
and imaginative elementary and secondary
school programs designed to meet these
special educational needs.” (Molina 1973) In
the following years, a number of projects
were started to implement this policy. It is im-
portant to note though that direct funding of
projects (e.g. through the Department of
Health, Education and Welfare, or its suc-
cessor (from 1979), the Department of Edu-
cation) concentrated heavily on development
rather than basic research.
In January 1974, the Supreme Court of
the US ruled that “public school systems are
required by federal law to take positive ac-
tion to help children who do not speak Eng-
lish”. This was the outcome of the Lau vs.
Nichols case brought against the San Fran-
cisco schools on behalf of the city’s Chinese
children (cf. anon. 1974). Immediately after,
the Center for Applied Linguistics was asked
to implement the new policy. Again, this
meant more development work than basic
research. A high level of interest in socioling-
uistic research even from government agen-
cies was maintained, until the Reagan ad-
ministration’s cutbacks in 1981/82 started to
hit the bilingual programs, mostly as a con-
sequence of severe cutdowns in the whole
sector of Education. The question is what
made these cuts possible. ‘Public opinion’ is
sometimes given great weight here; cf. the
discussion about an article in the New York
Times in November 1976, where fears were
articulated that bilingual programs might
create ‘divisiveness’ in the US along ethnic
lines (comparable to Québec nationalism)
(Fishman 1977) – a discussion that is still
going on. Still, what is articulated in news-
paper articles only reflects attitudes towards
research, and towards policies supposed to
be based on research, that have their roots in
more basic developments in a society.
6. Conclusion
The curious fact cannot be escaped that lan-
guage planning has existed for a long time,
long before sociolinguistics came into the
picture. Language policy does not have to
presuppose linguistic research, not to men-
tion a language research policy. This is
rather the way sociolinguists would like to
have it: that language policy should be scien-
tifically based. There is no particular evi-
dence that politicians take research results
particularly seriously; researchers are often
in the position that the expertise they can
provide is called upon when it fits the politics
decided upon on independent grounds, and
dismissed as ‘utopian’, ‘unrealistic’ or ‘irrel-
evant’ if it does not. So it seems that the real
battlefield is not so much research, but the
area where experts really are indispensible:
the preparation of teaching materials, the de-
velopment of teaching programs, and the ac-
tual teaching. This fits in nicely with the im-
pression given by even a superficial analysis
of the money spent in the US for bilingual
programs etc., namely that much more
money is spent on ‘development’ than on
hardcore ‘research’.
926 VII. Sociolinguistic Methodology
In some cases, sociolinguistic problems
are purely functional and therefore only lin-
guistic problems. As Mackey (1983, 193)
suggests, “American traditional tolerance
toward language minorities has always been
more pragmatic than legalistic. If Spanish
safety signs on aircraft might actually save
lives, why not install them?”
This is hardly the whole story. Very often,
sociolinguistic problems are social problems
in the first place, with a language problem
accompanying it, ensuing or being at the
root of it. In these cases, it is often a ques-
tion of who identifies social and political
problems as language problems and who de-
cides that sociolinguists can help solving
them. Basically, three groups can be in-
volved in this decision:
(a) Mainstream society and its agents
(from government institutions to philan-
thropical foundations), i.e. those concerned
with the ‘troubles’ that may be caused by
language-connected problems,
(b) those affected by the problems and
their agents (trade unions, minority organiz-
ations etc.), and
(c) sociolinguistic researchers.
The question as to how far groups (a) and
(b) are different is, of course, a question of
the degree of antagonism between the rel-
evant groups in a given society. In the case of
international language problems, group (a)
corresponds most closely to ‘motherland’ or
‘center’ countries, and group (b) to ‘pe-
riphery’, ‘colony’ or ‘dependent’ countries. –
It is obvious that group (c) is the one that
is most likely to identify a social problem as
a language problem. It depends on the de-
gree of rationalism one attributes to institu-
tions of group (a) whether one takes the fact
that a problem has been defined as a lin-
guistic problem by them as proof that it
really is one. The amount of money spent by
group (a) agents on sociolinguistic research
has in the past been taken as a proof that the
problems attacked by this research are basi-
cally language problems; it could also be a
measure of the degree of desperation in
group (a) agents and of the ability of sociol-
inguists to sell themselves, and it looks by
now as if both this desperation and the abil-
ity of sociolinguists to sell themselves have
decreased significantly in the last decades of
the 20
th
Century. Group (c) people have oc-
casionally associated themselves with group
(b) in order to turn their research from ‘af-
firmative’ into ‘emancipatory’ research; the
sociolinguist’s dilemma has often been that
the actual funding of research rather had
to go through group (a)’s channels than
through group (b), which rarely has suffi-
cient funds even to support research that
could identify which problems are language-
related and which are not.
In 1989, I ventured the prediction that the
following areas of potential language con-
flict will be defined as so important that so-
ciolinguistic research will be considered
necessary, or helpful, in order to avoid open
social conflicts:
In the center countries, bilingual and dig-
lossic situations will continue to be perceiv-
ed as potentially disintegrating. There is a
certain tendency today to encourage diver-
sity (cf. National Heritage Project in Cana-
da, Linguistic Minorities Project in Great
Britain), rather than to call for ‘compensa-
tory’ linguistic integration. This applies at
least to those countries which have recog-
nised their minorities as groups which are
there to stay. Relatively fast shifts of politi-
cal attitudes are not to be excluded, though,
especially if governments eager to restrain
their budgets can eye a possibility to save a
penny here or there by cutting down on re-
search funds.
In the periphery countries, a lot of survey-
ing has still to be done. The centers have
ample funds for supporting English lan-
guage teaching and similar activities, but no
clear idea of which research policy to pursue
(apart from the fact that some rearguard
fighting goes on about which is ‘world lan-
guage #2’). The open question is whether to
push English not just as a language of wider
contact between countries, but also within
multilingual countries. Some scholars in
Third World countries feel that multilingual
and multicultural development only can
gain from using English as a second lan-
guage in limited internal use (Afolayan
1984). Others point out that while the pro-
cess of ‘retribalization’ triggered off by the
resurgence of ethnic minority nationalism
may have positive effects in First World
Countries, it can come into conflict “with
the process of detribalization as a prerequi-
site for national unity in Third World coun-
tries” (Srivastava 1983, 99). Whatever lan-
guage policy a country chooses will of
course also have effects on its language re-
search policy. – In countries like the former
USSR, the People’s Republic of China and
India, which define themselves as multilin-
95. Research Policy 927
gual, a lot of practical problems have to be
solved and are being worked on; changes in
policies vis-à-vis the different languages will
of course affect the research being done, but
apparently only in the long term. – Smaller
Third World countries have so few resources
of their own all the research they can afford
is too little anyway; they will for some time
be dependent on foreign (center) scholars
looking for a topic for a thesis or other aca-
demic kudos. These expatriate researchers
have often been suspected of exclusively pur-
suing their own private interests (cf. an ar-
ticle in the Nairobi Sunday Post of July 9
1972 quoted by Bowen 1975, 26), and it is
not sure at all whether the ‘subjects’ benefit
from this kind of research at all. Fur-
thermore, it is doubtful whether much of
this research, motivated by the researcher’s
aspirations in the academic reputational
system, is ever in fact used by those who
might be able to use it. – Research on minor-
ities in those countries which do not con-
sider themselves bilingual, and where mi-
norities either are not recognized (Koreans
in Japan, Kurds in Turkey), or are not given
any special attention (Albanians in Greece),
will be dependent on those groups them-
selves calling upon researchers (which is un-
likely given their resource status), on aca-
demic idealists full of curiosity, and on
foreign institutions seeking ‘intelligence’.
From the vantage point of the year 2002,
these predictions seem to have held (apart
form the fact that the political context in
some countries, especially the former social-
ist countries of Eastern Europe and Asia,
has changed, without basically affecting the
language situation, though). But it doesn’t
seem that the continued existence of these
research desiderata has led to any imple-
mentation of new large scale research pol-
icies. Much of the research that indeed has
been done has happened within the already
existing research and teaching institutions,
although in many countries, especially in
Western Europe, the tendency to dissolve
the Humboldtian unity of research and
teaching has led to a higher degree of central
control of budgets through Research Coun-
cils and similar institutions. It does not seem
though, as if his situation has led a formu-
lation of any remarkable new research strat-
egies or policies for sociolinguistics.
Acknowledgement
The first version of this article benefitted in
1988 from discussions with Margaret Ma-
lone, Markku Peura, Robert Phillipson,
Tove Skutnabb-Kangas, Thomas Söder-
qvist, and Thomas W. Webb.
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930 VII. Sociolinguistic Methodology
1. Problem- und Phänomenebene
2. Theorie in den Verhaltenswissenschaften:
Zur Theoretisierbarkeit des Verhältnisses
Sprachstruktur – Sozialstruktur
3. Wege zur Theorie: heuristische
Überlegungen, Hypothesenformulierungen
4. Kontext- und interaktionssensitive
Soziolinguistik
5. Ausblicke und Desiderate
6. Literatur (in Auswahl)
1. Problem- u. Phänomenebene
,Theoriebildung‘ ist eine immanent ,logische‘
und nicht ,zeitgeist-abhängige‘ Aufgabe einer
(Teil-)Disziplin. Dennoch zeigt ein historio-
graphisches und wissenssoziologisches Studi-
um geisteswissenschaftlicher Einzeldiszipli-
nen, dass ,Theoriebildung‘ eine Funktion des
Entwicklungsstandes einer Disziplin ist. In-
stitutionelle lehr- und forschungsspezifische
Gestalt nahm die Soziolinguistik in den sech-
ziger Jahren an (vgl. Art. 80 in diesem Band).
In kreativer Weise wurden Aufgaben und wis-
senschaftlicher Arbeitsbereich der Soziolin-
guistik skizziert. In der 20jährigen Spanne
einer forschungsintensiven empirischen For-
schungsphase (1970–1990) wurden makro-
und mikrosoziolinguistische, qualitative und
quantitative Ansätze und Methoden in para-
digmatischer Form etabliert. Forschergrup-
pen und Projekte sammelten sich hinter Ori-
entierungsetiketten wie ,Varietäten- oder
Variationslinguistik‘, ,Ethnographie der
Kommunikation‘, ,soziale Stilistik‘, sprach-
soziologische Typologie von Sprachgemein-
schaften‘ etc. Die zunehmende Grundstän-
digkeit dieser Teilgebiete und die Kumulation
empirischer Ergebnisse führte in den neunzi-
ger Jahren in Anbetracht der Fülle deskrip-
tiv-empirischer Details zu vertieften Erklä-
rungsbedürfnissen und einem Atemholen in
theoretischer Reflexion. Zeugnisse dieser
neueren Phase sind Versuche der Theoretisie-
rung der sprachlichen Relativität (Lucy 1972;
Gumperz & Levinson 1996), des interakti-
onsbezogenen Ansatzes der Kontextualisie-
rung (Gumperz 1992; Auer 1992), der Typo-
logie von Sprachgemeinschaften (Ammon,
1992; Dittmar 1997; vgl. auch Art. 113), die
Theorie der soziolinguistischen Variablen
(Chambers 1995) sowie des theoriefähigen
sozio- und variationslinguistischen Kerns im
Schnittpunkt unterschiedlicher Forschungs-
perspektiven (Lieb 1998; Berruto 1995; Ditt-
mar 1999 in Stevenson 1999).
Entwicklungsgeschichtliche Vorbedingung
der soziolinguistischen Theoriebildung ist so-
mit eine empirisch fundierte paradigmatische
Ausdifferenzierung. Die theoretische Reflexi-
on ist aus der Not der Faktenverortung gebo-
ren. Diese wissenssoziologische historiogra-
phische Ausprägung werte ich als Bestätigung
der Erlanger Philosophie der existenz-, wirk-
lichkeits- und interaktionsbezogenen wissen-
schaftlichen Propädeutik (Kamlah & Loren-
zen 1973). Ein Forschungsgegenstand und das
Bedürfnis nach „abstrakter“ Verortung seiner
Einzelerkenntnisse gründet in menschlichen
Bedürfnissen, die den Antrieb für eine zuneh-
mende Kumulation von Wissen motivieren. In
der jungen Existenzgeschichte der Soziolin-
guistik setzt die theoretische Reflexion natür-
lich und notwendigerweise als Krisenpräventi-
on ein. Welcher Ordnungsdimension soll das
neue Wissen einverleibt werden? Welche Res-
sourcen sind für eine systemische Orientierung
relevant? Theoriebildung ist also nicht nur ein
immanent fachwissenbezogenes, sondern auch
interaktiv relevantes Orientierungsbedürfnis.
Eine zweite wissenssoziologische Prämisse
der Soziolinguistik ist ihre aus der Gesell-
schaftspraxis motivierte Forschungsgeschich-
te. Neue Variationsforschung entstand aus
Kommunikationskonflikten in städtischen
Zentren. Sprachgemeinschaftsprofile wurden
in Regionen zunehmender Mehrsprachigkeit
aufgestellt. Die Sprachbarrierendiagnose war
eine Reaktion auf sprachbedingtes Versagen
in der Mobilisierung von Bildungsreserven.
,Code-switching‘-Untersuchungen resultieren
aus dem Zuwachs nicht-muttersprachlicher
Schüler in europäischen Schulklassen. ,Gen-
derlect‘-Forschungen haben ihre Quelle in zu-
nehmendem Bedürfnis nach Befriedung ge-
schlechtsspezifischer Konflikte. Der aktuelle
Boom in der Entwicklung valider Testinstru-
mente zur Diagnose einzelsprachlicher Kennt-
nisse dient der Verbesserung der Unterrichts-
methoden im gemischten, muttersprachlichen
und nicht-muttersprachlichen Sprachunter-
richt. Mit der Soziolinguistik liegt somit ein
stark anwendungsbezogenes Forschungspara-
digma vor. Hierin liegt die Identität der Diszi-
plin, vor allem die Antriebskraft zur For-
schung. Was nun an soziolinguistischer
96. Möglichkeiten und Grenzen einer soziolinguistischen Theorie
The Possibilities and Limits of a Sociolinguistic Theory
96. Möglichkeiten und Grenzen einer soziolinguistischen Theorie 931
Theorie(bildung) zumutbar, d. h. aus der
Perspektive lebensweltlichen Zuschnitts
konstituiert oder aus wissenschaftstheoreti-
scher Sicht systemisch aufgebaut werden
kann, ist die theoriepolarisierende Quaestio:
disziplinimmanente Abstraktion vs. lebens-
weltliche Rekonstruktion.
2. Theorie in den Verhaltens-
wissenschaften: Zur Theoretisier-
barkeit des Verhältnisses Sprach-
struktur – Sozialstruktur
In einer Theorie können zum Zusammen-
hang von Sprache und Gesellschaft nur „Sät-
ze“ formuliert werden. Solche Sätze können
aber nur durch andere Sätze überprüft wer-
den. Beobachtungen, Tests und Experimente
stellen keine Aussagen dar, sondern Handlun-
gen und Erlebnisräume. „Erst die Aussagen,
in denen die Ergebnisse von Beobachtungen
und Experimenten sprachlich festgehalten
wurden, kann man zur Nachprüfung von em-
pirischen Hypothesen und Theorien verwen-
den. Die Gesamtheit der Aussagen, welche
für derartige Überprüfungen benutzt werden,
nennt man die Basis der wissenschaftlichen
Erkenntnis“ (Stegmüller 1965, 446). Carnap,
Schlick, Neurath, Popper u. a. arbeiteten im
Rahmen des bekannten Wiener Kreises an
einer Theorie der erfahrungswissenschaft-
lichen Erkenntnis. Unter den unterschied-
lichen Meinungen der Mitglieder des Wiener
Kreises hebt sich Poppers Auffassung als in
der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
besonders folgenreich ab: seiner Meinung
nach sollen erfahrungs- u. verhaltensbezoge-
ne Sätze als Basissätze formuliert werden, de-
ren Erkenntnisse intersubjektiv verständlich
und nachprüfbar als Aussagen formuliert
sein müssen (offensichtliche Implikationen:
sie müssen in einer allgemeinverständlichen,
nicht-privaten, konventionellen Formulie-
rung vorgelegt werden. Die Basissätze be-
schrieben nach Popper „beobachtbare Ereig-
nisse und werden am besten in der Gestalt
singulärer Existenzsätze formuliert: ,an der
und der Raum-Zeit-Stelle gibt es das und
das‘“ (Stegmüller 1965, 447). Carnap hat gro-
ßen Wert auf die Feststellung gelegt, dass so-
wohl Allaussagen als auch Einzelaussagen
mit konventionellen Argumenten überprüft
und die Geltung von gewissen Voraussagen
verifiziert werden muss. Er glaubte nicht an
die Möglichkeit positiver Verifizierung von
Aussagen, sondern nur an ihre Falsifizierung.
Eine logisch fundierte Theorie, die im We-
sentlichen den Begriff der wissenschaftli-
chen Erklärung zum Gegenstand hat, for-
mulierten Hempel und Oppenheim (vgl.
Stegmüller, a.a.O., 459ff.). Die Beschreibung
stellte das Ergebnis von Wahrnehmungen
und Beobachtungen in einer sprachlichen
Aussage als Antwort auf die Frage „Was ist
der Fall?“ dar. Die Erklärung, das so ge-
nannte Explanandum, ist die Antwort auf
die Frage „Warum ist/war dies der Fall?“
Um nun ein Explanandum (eine Erklärung)
zu formulieren, werden zwei Klassen von
Aussagen benötigt: 1. Antecedensbedingun-
gen A
1
, A
2
, …, A
K
(konkrete, die Art der Be-
obachtungen betreffende Bedingungen);
eine zweite Klasse wird benötigt, die allge-
meinen Gesetzeshypothesen, die G
1
, G
2
, …,
G
r
genannt werden. Die beiden Antecedens-
bedingungen heißen Explanans, der aus ih-
nen zu schließende gültige Satz Explanan-
dum (E). „Eine wissenschaftliche Erklärung
besteht also in einer logischen Ableitung des
Explanandums aus dem Explanans“ (Steg-
müller 1965, 451). Nicht nur sind viele wei-
tere theoretische Zusätze zu diesen Elemen-
taraussagen nötig (vgl. Stegmüller Kap.
VIIII und X), vor allem gibt es Besonderhei-
ten für die engeren Disziplinen ,Soziologie‘
und ,Linguistik‘. Was empirische Linguistik
bedeute, dies eine eminent grundlegende
Frage der Soziolinguistik, wird mit beispiel-
loser Aufmerksamkeit, ja politischer Lei-
denschaft, in den siebziger Jahren disku-
tiert. – „Inwiefern ist Linguistik empirisch“?
beschäftigt Thomas Ballmer (1976) einmal
in Bezug auf die von ihm für falsch gehalte-
ne Homogenitätsannahme von Chomsky im
Unterschied zu der fundamentalen Hetero-
genitätsannahme von Labov, zum anderen
in Bezug auf das Problem, welche Wahr-
heitsbedingungen für richtig erhobene und
ausgewertete und gültig beschriebene Daten
erfüllt sein müssen, um einer Sprachtheorie
der Sprachverwendung dienen zu können.
Er diskutiert also in Begriffen von Hempel
und Oppenheimer die Antecedensbedingun-
gen, die ja empirischer Art und überprüfbar
sein müssen, als Voraussetzungen für Expla-
nanda. „Eine wissenschaftliche Theorie [Rb,
Th, Sb] ist empirisch genau dann, wenn die
Spielregeln (Sp) denjenigen Wissenschaft-
lern, die gewöhnt sind, die Regeln (Sp) bei
der Prüfung der formalen Aussagen oder der
Theorie (Th) auf Wahrheit – das heißt doch
Übereinstimmung mit der Wirklichkeit Sb –
einzuhalten, keine Immunisierungsstrate-
932 VII. Sociolinguistic Methodology
gien gestatten“ (Ballmer 1976, 33). Ein gül-
tiges (valides, reliables) Argumentieren mit
sprachlichen Daten verlangt eine Definition
der Empirizität von Theorien:
„Eine Theorie, die als Menge von Aussa-
gen bezüglich eines materialen Realitätsbe-
reichs und der akzeptierten Spielregeln auf-
gefaßt wird, ist empirisch, wenn die (unter
Umständen unendliche) Konjunktion der
Aussagen empirisch ist. Eine Theorie, die als
Prädikat bezüglich eines materialen Reali-
tätsbereichs und der akzeptierten Spielregeln
aufgefaßt wird, ist empirisch, wenn die Aus-
sage, daß das Prädikat auf die materiale Rea-
lität zutrifft, empirisch ist“ (Ballmer 1976,
41). Ballmers Vorschläge sind weitgehend
und gehören sicher zu den Rahmenbedin-
gungen einer Theoretisierung empirischer
Linguistik. Besonders wertvoll sind seine
Überlegungen zur Überprüfung des Wahr-
heitsgehalts empirischer Beobachtungen und
Aussagen. Eine Umsetzung des Ballmerschen
Konzepts auf empirische Untersuchungen
der Soziolinguistik liegt nicht vor. Das Pro-
blem der ,Empirie‘, das ja nur ein Teil der so-
ziolinguistischen Theorie sein kann, ist al-
lerdings unter dem Begriff ,Methodologie‘
wieder in den Fokus soziolinguistischen Inte-
resses geraten. Unter dem Titel „Corpus Lin-
guistics. Investigating Language Structure
and Use“ haben Biber, Conrad und Reppen
(1998) einen methodologisches Kompendium
zur empirisch gehaltvollen Beschreibung von
Sprachgebrauch (Register, Varietäten, gram-
matische Strukturen) geschrieben, das zen-
trale Standards für empirisches Arbeiten
formuliert, allerdings ohne weitreichende
theoretische Ansprüche. Soziolinguistische
Theoriebildung wurde, wie schon erwähnt, in
den siebziger Jahren als große Herausfor-
derung empfunden. Uta Quasthoff (1978)
widmet die Herausgabe eines Buches dem
Problem „Sprachstruktur – Sozialstruktur.
Zur linguistischen Theorienbildung“. Becker,
Dittmar und Klein (1978) gehen einleitend zu
einer empirischen Untersuchung von Lerner-
varietäten auf die von Grimshaw (1971) for-
mulierten Generalhypothesen ein und fragen
sich, ob diese (im Folgenden wiedergegeben)
verifiziert werden können:
– Sprachverhalten reflektiert die Sozial-
struktur
– Sprachverhalten bedingt soziales Ver-
halten
– Sozialstruktur bedingt Sprachverhalten
– Sprachverhalten und Sozialverhalten
bedingen sich gegenseitig
Becker, Dittmar und Klein führen über den
Umweg einer kritischen Diskussion ver-
schiedener linguistischer Theorien des
20. Jahrhunderts zu den Grimshawschen
Hypothesen aus: „Aussagen wie, dass die
Sozialstruktur X die Sprachstruktur Y de-
terminiert, oder dass überhaupt die Sprach-
struktur der Sozialstruktur folgt, wirken so
lange merkwürdig, als sie sehr allgemein
und unbestimmt sind“ (1978, 164). Welcher
Zusammenhang besteht aber im Einzelnen
zwischen der Ausbildung von Nasalen in ei-
nem Sprachsystem und einer feudalistischen
Gesellschaftsordnung? Oder: Wenn man
z. B. feststellt, dass in Japan ein komplexes
sozialverbindliches Anredesystem besteht
(a) und gleichzeitig eine hoch komplexe hie-
rarchische Gesellschaft im Sinne einer Sozi-
alstruktur existiert, so können diese beiden
Aussagen (a) und (b) im Sinne des HO-Sche-
mas als Antecedensbedingungen gelten,
dennoch ist überhaupt nicht klar, welchen
Schluss (E = Explanandum) man hieraus
ziehen soll – bedingt die komplexe hierar-
chische Gesellschaftsstruktur die Anrede-
formen und die Anredeformen umgekehrt
die Gesellschaftskomplexität? Hier fehlen
uns genaue Kenntnisse über die zugrunde
liegenden Gesetzmäßigkeiten. Becker, Ditt-
mar und Klein schließen sich der Anwen-
dung des HO-Schemas in Einzeluntersu-
chungen an. Unter „explanativer Funktion“
verstehen sie zweierlei:
„Einerseits können soziale Fakten unter
Rückgriff auf sprachliche Gegebenheiten er-
klärt werden – z. B. soziale Benachteiligung
aus Nichtbeherrschung eines bestimmten
Wortschatzes.“ Andererseits kann man auch
„strukturelle Züge einer Sprache unter
Rückgriff auf soziale Gegebenheiten“ erklä-
ren (vgl. das Beispiel Japan und Anredefor-
men, siehe oben). Diese schwierigen Fragen
können wohl im Augenblick nur durch Hy-
pothesenbildungen am Beispiel von Einzel-
untersuchungen voran gebracht werden –
für stark strukturierte, strenge Explikatio-
nen fehlen jegliche Hinweise auf strukturelle
Gesetzmäßigkeiten; weder ,Sprachstruktur‘
noch ,Sozialstruktur‘ wurden in den beiden
beteiligten Wissenschaften bisher annä-
hernd modelltheoretisch formuliert. Die
Linguistik hat es sicherlich einfacher, forma-
le Theorien von Sprache aufzustellen und
diese in einem theoretischen Modell explizit
darzustellen. Viele Versuche gibt es hierzu,
aber selbst die besten würden es nicht erlau-
ben, Gesetzmäßigkeiten zu formulieren, die
96. Möglichkeiten und Grenzen einer soziolinguistischen Theorie 933
zu strukturellen Aussagen über den Zusam-
menhang von Sprachstruktur und Sozial-
struktur führen könnten. Becker, Dittmar
und Klein (1978, 164, 165) sehen daher in
Aussagen wie „die Sozialstruktur X bedingt
in dem Maße q die Sprachstruktur Y“ eine
„didaktisch-expositorische Funktion“ (164):
gewisse Einzelergebnisse werden in plakati-
ver, leicht erfassbarer und didaktisch ver-
ständlicher Weise auf den Punkt gebracht.
Solche Aussagen können auch eine „prak-
tisch-politische Funktion“ haben, in dem
beispielsweise auf Benachteiligungen be-
stimmter Gruppen aufmerksam gemacht
und ein gesellschaftliches Korrektiv einge-
fordert wird (vgl. die erfolgreiche Produkti-
on der Sendung „Sesamstraße“ auf dem
Hintergrund der Feststellung von sprachli-
chen und kommunikativen Defiziten von
Schwarzen in amerikanischen Ghettogebie-
ten). Ganz sicher ist zum gegenwärtigen
Zeitpunkt die „heuristische Funktion“ von
Relevanz: es gilt, über viele Einzelstudien
Hypothesen zu bilden und die Erklärungs-
kraft einzelner Parameter herauszuarbeiten.
Will man allerdings eine im wissenschaftli-
chen Sinne höhere und bedeutendere Funk-
tion erfüllen, nämlich die „deskriptive
Funktion“ (1978, 164), so setzt dies immer-
hin voraus, dass „(a) es klar ist, was unter
Sprachstruktur und was unter Sozialstruk-
tur verstanden werden soll – also beispiels-
weise Sprachstruktur im Sinne der Monta-
gue-Grammatik; es liegen (b) abgesicherte
Beschreibungen der Struktur einer Sprache
und der entsprechenden Gesellschaft vor; es
ist (c) gezeigt worden, dass zwischen Ele-
menten dieser Strukturen bestimmte Zu-
sammenhänge bestehen – z. B. zwischen dem
Kasussystem und den Herrschaftsverhält-
nissen, dem Bau von Nebensätzen und der
Produktionsweise, den Wortbildungsmus-
tern und den Familienstrukturen …“ (a.a.O.
164f.).
Was ,Sozialstruktur‘ angeht, so können
wir natürlich auf die bedeutenden Arbeiten
von Luhmann verweisen, insbesondere auf
Luhmann (1997). Joas (2001) nennt fünf
Schlüsselbegriffe für eine Theorie der Ge-
sellschaft: (1) Sozialstruktur, (2) soziales
Handeln, (3) Kultur, (4) Macht und (5)
funktionale Integration. Unter „Methodo-
logie“ führt Joas die Bedeutung empirischer
Beobachtung und logischer Analyse aus
(2001, 23–24). Unter „Organisation des
Wissens“ versteht er dann die „Theoriebil-
dung“: „eine Theorie ist der systematische
Versuch, Beziehungen explizit zu machen
und deren Wirkung zu erklären. Wissen-
schaftliche Theorien basieren auf Gesetzes-
hypothesen und Fakten, die durch empiri-
sche Beobachtung gewonnen werden … (es
folgen viele Beispiele) … eine Theorie fasst
alle diese Teilerklärungen zusammen und
bezieht sie aufeinander“(a.a.O. 24). Als wis-
senschaftliche Methode hierzu bietet Joas
(2001, 25) das folgende Schema:
Abb. 96.1: Die wissenschaftliche Methodik
In der derzeitigen Soziolinguistik gibt es
verschiedene Ansätze, die aufgrund ver-
schiedener einzelner Ergebnisse Konzepte
und Modelle formulieren, die zu Hypothe-
senbildungen beitragen. Ausgewählte Vor-
schläge exemplarisch im folgenden Kapitel.
3. Wege zur Theorie: heuristische
Überlegungen, Hypothesen-
formulierungen
Die späten achtziger und die neunziger Jah-
re dokumentierten ein neues und vertieftes
Interesse an soziolinguistischer Theoriebil-
dung. In Becker, Dittmar und Klein (1978,
166) wurde nach langer Auseinandersetzung
mit Möglichkeiten und Grenzen soziolin-
guistischer Theorie schließlich die „sehr be-
scheidene These“ formuliert:
„Was man im Bereich ,Zusammenhang
von Sprachstruktur und Sozialstruktur‘ der-
zeit tun kann und tun soll, ist: konkrete Ein-
zeluntersuchungen durchführen und Punkt
für Punkt feststellen, ob und wo es derartige
Zusammenhänge gibt. Dabei kann man den
technischen Apparat der neuesten linguisti-
schen Theorien … heranziehen; man sollte
es sogar“.
Ein Dutzend Jahre später stehen die So-
ziolinguisten vor einer Vielzahl von feingra-
nulierten Einzelergebnissen: Wie werden
diese erklärt? Welche theoretischen Vorga-
ben ermöglichen es, sie in sozio- kognitive
Erklärungsschemata einzuordnen und wel-
A. empirische
Beobachtung
B. logische Analyse
1. Abstraktion Abgrenzung der
Analyseeinheiten
2. Interpretation 2. Ermittlung der
Beziehungen
3. Replikation 3. Theorienbildung
934 VII. Sociolinguistic Methodology
che Modelle bieten sich als Interpretations-
folie an? Die Fülle der Einzelergebnisse
zwingt zur Reduktion der Fakten und zu ih-
rer Zuspitzung auf Hypothesen und Theore-
me. Fishman unterschied in seinem frühen
Entwurf einer Makro-Soziolinguistik die de-
skriptive Sprachsoziologie von der dynami-
schen Sprachsoziologie. Die Makro-Sozio-
linguistik, so Fishman, sei mit der Vertei-
lung von Sprachen und Varietäten, ihrem
Status und ihren Funktionen in Sprachge-
meinschaften befasst.
3.1. Status und Funktion von Sprachen und
Varietäten
Stewart (1968) und Ferguson (1966) unter-
schieden Mehrheiten- und Minderheitenspra-
chen, Verkehrssprache, Standard, Pidgin,
Creole, ,klassische‘ Sprache (= tote Sprache)
etc. Schließlich diskutierte Ferguson (1966,
314ff.) Typen von Funktionen, die von einer
Sprache erfüllt werden können (offizielle
Funktion, Gruppenfunktion, Funktion der
überregionalen Kommunikation, bildungs-
u. erziehungspolitische Funktion, religiöse
Funktion, internationaler Gebrauch und in-
ternationale Verwendung, etc. Fasold
(1984), der diese neueren Arbeiten aufgreift
und in eine formale Gesamtschau bringt,
formuliert die Formel für Taiwan: „5
X
L =
3L maj (Sow, 2Vg) + 0
+
Lmin ([V]) + 2Lspec
(Cr, Ssi)“ (a.a. O. 64). Diese Formel ist nach
Ferguson, zitiert nach Fasold (1984, 64), fol-
gendermaßen zu lesen: „There are five
languages, + a block, of which three major
languages, one a standard language full fil-
ling the official and wider communication
functions, and two vernaculars full filling
the group function; there are no minor
languages, but there is a block of vernacular
languages that, taken together, qualify as a
minor language; and there are two langua-
ges of special status, the other a classical
language full filling the religious function
and one a standard language full filling the
school-subject and international communi-
cation functions“ (a.a.O. 64). Fasold greift
die Perspektive auf und formuliert soge-
nannte qualitative Formeln, die Sprach-
funktionen mit Attributen verbinden. Die
„offizielle Funktion“ einer Sprache ist dann
verbunden mit den soziolinguistischen At-
tributen „(1) hinreichende Standardisierung,
(2) Wissensbestand bei einem gesellschaft-
lichen oder Gruppenkader von Gebildeten
selber.“ Dittmar (1997) hat die Überlegun-
gen zur Formulierung soziolinguistischer
Profile weiter ausgebaut. Zunächst werden
vier Skalen unterschieden, die zu spezifizie-
ren sind:
1. die Korpusdimension,
2. Sprachfunktionen,
3. die Skala der Autorität/Legitimität,
4. das sprachliche kommunikative Reper-
toire und
5. die Relation unter den Kategorien (1)
bis (4).
Mittels Attributen definiert Dittmar (1997,
158–160) dann die relevanten Eigenschaften
der nationalen, offiziell, territorialen, ver-
kehrssprachlichen, minoritären und regio-
nalen Funktionen von L. Wie schwierig es
ist, in soziolinguistische Profile neben den
qualitativen Ausprägungen (siehe relevante
Eigenschaften, Fasold 1984; Dittmar 1997)
qualitative Verhältnisse zu berücksichtigen,
geht aus der kritischen Diskussion von Zen-
sus und Surveys von Sprachgemeinschaften
hervor. Als experimentellen Testfall für
quantitative Formeln/Ausprägungen mag
man Afrika wählen. Hier gibt es verschiede-
ne statistische Angaben zu Mehrheiten- u.
Minderheitensprachen, Varietäten (Dialek-
ten) und Funktionszuschreibungen für
Sprachen und Varietäten. Relevante Aspek-
te mit qualitativ erklärbaren Ausprägungen
sind statistisch schwer zu erfassen. Häufig
geben Zensus- und Survey-Daten grober
Verzerrungen der wirklichen Verhältnisse
wieder. Es werden statistische Analysen
auch durch große Wanderbewegungen im
Innern Afrikas erschwert, deren Dynamik
so groß ist, dass statistische Angaben schon
in der Regel eine gewaltige Standardverzer-
rung aufweisen. Ammon (1989) bietet einen
Ansatz für die Beschreibung von Status und
Funktion (soziale Position) einer Sprache
innerhalb eines Landes. Ausgehend von der
theoretisch relevanten Literatur definiert
Ammon mit Hilfe der Logik den Begriff
Sprache (L), Nähe und Distanz zwischen
Sprachen und ihren Varietäten und kontext-
bedingt Probleme der Funktionsbestim-
mung. So gibt es Varietäten, die kein
„Dach“ haben (z. B. Deutsch als Minderhei-
tensprache in Südbrasilien). Außerdem gibt
es neben den monozentrischen Sprachen
(z. B. Französisch) plurizentrische (Eng-
lisch, Deutsch etc.). Hier zerfällt eine Ein-
zelsprache nicht nur in Varietäten, sondern
auch in nationalspezifische Zentren mit un-
terschiedlichen Normen sprachlicher Legiti-
mität und Autorität. Ammon unterscheidet
soziolinguistische Profile, soziolinguistische
96. Möglichkeiten und Grenzen einer soziolinguistischen Theorie 935
Typen (Status und Funktion) und die Kon-
takthaftigkeit von Sprachen untereinander.
Weitere Dimensionen sind: soziokulturelle
Attribute der Sprecher (Ruf, Geschlecht, so-
ziale Schicht, Religion etc., Ammon: a.a.O.
67), Sprachgebrauch in Domänen (Typolo-
gie von Gebrauchssituationen), wobei je-
weils zwischen monoaktiv und interaktiv
unterschieden wird (73–76), Grad der Kulti-
viertheit/der ,Gebildetheit‘, legaler Status
einer Sprache L oder Varietät V (z. B. Ge-
brauchsverbote), territoriale/regionale Ver-
breitung/Ausdehnung (Unterscheidung von
nativen und nicht-nativen Sprechern), Ein-
stellungen etc. Die von Ammon aufgeführ-
ten Dimensionen sind skaliert und listenar-
tige Konfigurationen; sofern möglich,
werden die Listeneinträge nach Komponen-
ten hierarchisch geordnet und mit numeri-
schen Werten versehen. Ob nun Profilbil-
dungen durch numerische gehaltvoll sind,
müssen Einzelbeschreibungen ergeben. Die
deskriptive Adäquatheit der aufgestellten
Listen und der skalierten Dimensionen muss
empirisch validiert werden; es besteht ja die
Frage, ob die einzelnen gewählten Katego-
rien und Unterkategorien genügend univer-
sell sind, um die jeweils relevanten Eigen-
schaften und Merkmale einer Gesellschaft
zu erfassen. Die genannten Arbeiten stehen
stellvertretend für viele weitere. Ammon hat
z. B. die Rolle des Deutschen als internatio-
nale Wissenschaftssprache sehr detailliert
untersucht und die Kriterien, der er für Sta-
tus und Funktion von Sprachen im Rahmen
soziolinguistischer Profile erarbeitet hat,
auf den einzelsprachlichen Fall des Deut-
schen angewandt. Wichtige Fragen bleiben
jedoch Mittelpunkt:
(1) Kann die so konzipierte Soziologie der
Sprache(n) auch zu Sprachgebrauchs-
u. Varietätenanalysen verpflichten?
(2) Mit allen konzipierten Komponenten
und Kategorien (Attributen) handelt es
sich um vom Forscher extern an Spre-
cher, Kommunikationssituationen und
Sprachen-Varietätenkonstellationen
angelegte Begriffe. Würde man den Be-
griff des ,Repertoires‘ (siehe Gumperz
1972; Auer 1990) anwenden, würde man
zu sprecherbezogenen und sprechergrup-
penbezogenen Urteilen und sozialen Ka-
tegorisierungen kommen. Diese wären si-
cher anderer Art als die von Ammon
vorgeschlagenen (und quantifizierbaren).
(3) Ist es wirklich möglich, eine neutrale,
multiperspektivische, multifaktorielle
Gestalt einer Sprachgemeinschaft in
Form eines systemischen Puzzle aufzu-
stellen ohne einen spezifischen sozio-
kulturellen Fokus? McConnell nennt
einen solchen Ansatz „global scale so-
ciolinguistics“, stellt jedoch in den Mit-
telpunkt seiner Betrachtung die Vitali-
tät von Sprachen und Varietäten, die
von ihrem Status, ihrer Demographie
und ihrer institutionellen Unterstüt-
zung (für diese drei Dimensionen gibt
es viele Unterkategorien) abhängen. Ist
es nicht sinnvoll, eine Gewichtung der
Faktoren vorzunehmen, z. B. im funk-
tionalen Sinne von „language power“
oder „cultural and linguistic vitality“?
Ein Faktor wie „Vitalität“ einer Spra-
che kann man natürlich nur axioma-
tisch begründen; allerdings besitzt er
Erklärungskraft. Die rein deskriptive
Sprachsoziologie scheint zur Zeit Ante-
cedensbedingungen zu erfüllen, nicht
jedoch jene, die die Gesetzmäßígkeiten
betreffen und damit das Explanandum
liefern.
3.2. Theorie der sprachlichen Anpassung
und „Acts of Identity“
Giles’s „accomodation theory“ betrifft In-
teraktionsereignisse und interaktives Ver-
halten und beruht letztlich auf einer Defini-
tion der ethnischen Gruppe als „those
individuals who preceive themselves to be-
long to the same ethnic category“ (Giles
1979a; 1979b) spezifiziert „accomodation
theory“ folgendermaßen:
„A basic postulate of accommodation
theory is that people are motivated to adjust
their speech style, or accommodate, as
means of expressing values, attitudes and in-
tentions towards others. It is proposed that
the extent to which individuals shift their
speech styles toward or away from the
speech styles of their interlocutors is a
mechanism by which social approval or dis-
approval is communicated. A shift in speech
style toward that of another is termed con-
vergence and is considered often a reflection
of social integration, whereas a shift away
from the other’s style of speech represents
divergence and is considered often a tactic
of social dissociation“ (1982, 105).
Unter den vielen Beispielen, die Giles zu
seiner Theorie anführt, finden wir auch je-
nes, dass Giles und Byrne zu zwei recht ähn-
lichen, aber sprachlich distinktiven Gemein-
schaften geben. Die Autoren erläutern,
936 VII. Sociolinguistic Methodology
unter welchen Bedingungen sich eine starke
Vitalität positiv auf die muttersprachliche
Kompetenz auswirkt und welche Faktoren
zu einer schwachen Ausprägung der Identi-
fizierung mit der Sprache führen. Die Dyna-
mik dieses Prozesses führen Giles u. a. zu der
Unterscheidung von ,convergence‘ und ,di-
vergence‘. ,Konvergenz‘ wird die Anpassung
von Einzeldialekten an die Regeln der regio-
nalen Umgangssprache oder des Standards
genannt, umgekehrt können Gruppen oder
Kommunikationsgemeinschaften einer Ein-
zelsprache aus dem Konsens ausscheren und
divergieren (z. B. das Schweizerdeutsche in
den letzten 50 Jahren). Konvergenz und Di-
vergenz sind inzwischen auf die Sprachen
und Varietäten Europas fruchtbar ange-
wandte Begriffe. Sie stehen für die Tendenz
der zunehmenden Übereinstimmung mit
oder der Distanzierung von Sprachen und
Varietäten. Eine Übersicht über die neueste
empirische und theoretische Literatur findet
sich in Auer & Hinskens (1996). Der Theorie
der sprachlichen Anpassung liegen Prozesse
der Identifizierung oder der Distanzierung
zugrunde. Auf der Ebene des Individuums
haben sich Le Page und Tabouret-Keller
(1985) mit sprachlicher Identität auseinan-
dergesetzt. Sie unterscheiden sich von Giles
u. a. dadurch, dass sie den Sprecher selber in
den Mittelpunkt der Theorie stellen. Er oder
sie bringt sein oder ihr linguistisches System
selbst hervor und die Sprechhandlungen, die
in Diskursen geäußert werden, sind Projek-
tionshandlungen. Eine soziale Gruppe muss
nicht durch den Forscher von „außen“ defi-
niert werden; der Sprecher selber und seine
„Existenz“ sind das grundlegende Postulat
dieser Theorie. Le Page hebt hervor, dass
„the individual creates for himself the pat-
terns of his linguistic behaviour so as to re-
semble those of the group or groups with
which from time to time he wishes to be
identified, or so as to be unlike those from
whom he wishes to be distinguished“ (Le
Page & Tabouret-Keller 1985, 181). Grup-
pen oder Kommunikationsgemeinschaften
und die für sie zutreffenden Attribute haben
keine andere existenzielle Origo als den
Geist der Individuen; Gruppen oder Ge-
meinschaften reagieren gerade so wie eben
Individuen untereinander. Sprechhandlun-
gen werden als Projektionshandlungen ver-
standen: „The speakers projected their inner
universe, implicitly with the invitation to ot-
hers to share it, at least in so far as they re-
cognise his language as an accurate symbo-
lisation of the world and to share his
attitudes towards“ (Le Page & Tabouret-
Keller 1985, 181). „There is no system for
the speaker to internalise other than that
which he has himself created, which is alrea-
dy internal, and is already the idiosyncratic
expression of this research for identify and
role. To the extent that he is reinforced, this
behaviour in a particular context may beco-
me more regular, more focused; to the extent
that he modifies his behaviour to accommo-
date to others it may for a time become more
variable, more diffuse, but in time the beha-
viour of the group – that is he and those with
whom he is trying to identify – will become
more focused. Thus linguistic systems, both
in individuals and in groups, may be consi-
dered as focused or diffuse“ (Le Page et al
1974, 14).
In makrosoziolinguistischer Perspektive
haben wir zahlreiche externe Faktoren für
Sprachfunktionen angeführt. Es ist schier
unmöglich, zum gegenwärtigen Zeitpunkt
unseres empirischen Wissens eine Hierar-
chie der Bedeutung dieser Faktoren zu in-
formieren, geschweige denn Faktoren zu-
gunsten anderer in ihrem theoretischen
Gewicht zu streichen. Auf der Folie dieser
Schwierigkeiten hält Fasold (1992, 351) eine
soziolinguistische Theorie nicht für mög-
lich. Mit Bezug auf die Theoriebildung
schreibt er: „Is there such a thing? Can there
be such a thing? Should there be such a
thing? It is clear to me that the answer to the
first question is ,no‘ but to understand why I
say that, I need to give some idea of my view
of set of phenomena can be explained by
means of the interaction of a very small set
of principles. A theory that had a different
principle for every observation would not be
worthy of the name. One that could explain
a vast number of different observations by
means of a single grand principle would be
impressive indeed. A theory, then, is more
successful the greater its scope and the fewer
its arbitrary or axiomatic principles. There
are those who do not accept this intellectual
style, but I personally cannot imagine pro-
ceeding in any other way. If there were a uni-
fied sociolinguistic theory of language, it
would consist of a small number of princi-
ples, perhaps a score or so, involving social
context, that would account for a range of
phenomena that might include diglossia,
conversational turn-taking, and consonant
cluster reduction in non-standard dialects“
(Fasold 1992, 352). Und in einem späteren
96. Möglichkeiten und Grenzen einer soziolinguistischen Theorie 937
Kommentar erläutert Fasold weiter „Alt-
hough most linguistic explanation of
language as a device for human communica-
tion, it is my view that it is far too early to
accept this conclusion without question. We
need some linguists who are willing to try to
discover if there are structural principles ha-
ving nothing to do with communication. If
there are, and we succeed in identifying and
characterizing them, then and only then will
it be time to work on a meta-theory – a uni-
fied sociolinguistic theory of language – that
can account for when principles from one
set apply rather than principles from the ot-
her“ (a.a.O., 355). Fasold unterstreicht, wie
schon Becker, Dittmar und Klein (1978),
dass zunächst einmal kein von außen oder
äußeren sozialen Parametern motivierter
Faktor vorliegt, der das Kasussystem, den
Relativsatz, grammatische Kongruenzprin-
zipien (unter anderem) erklärt – offenbar
handelt es sich hier um intern motivierte for-
male linguistische Parameter. Erst wenn die-
se spezifiziert sind und sich daraus ein Er-
klärungsbedarf ergibt, z. B. Erklärungen
durch Kontext oder soziale Faktoren, dann
wäre eine solche Theorie sozialer Parameter
vonnöten. Es gibt durchaus Überlegungen,
die außersprachlichen Faktoren auf solche
zu reduzieren, die zentrale Erklärungskraft
haben. Hierzu gehören die bereits erwähn-
ten Größen ,Vitalität‘, ,Demographie‘ und
,Institutionelle Unterstützung‘. Andere Über-
legungen sind jedoch in Dittmar (1989) an-
gestellt worden. Unter Rückgriff auf Haber-
mas (1981) wurden in Dittmar (1989) sechs
zentrale Faktoren isoliert, die im Wesent-
lichen die Variation des Sprachgebrauchs,
aber auch die Verbreitung, Ausbreitung und
Verschwinden von Sprachen in einem signi-
fikanten Maße erklären. Diese Faktoren
sind:
(1) soziale Integration
(2) kommunikative Fähigkeiten und sozia-
les Handeln
(3) Identität
(4) Strukturen sprachlicher Variation
(5) Verbreitung
(6) Wandel
Diese Faktoren werden – im Einzelnen
unterspezifiziert – zu einer Art Matrix
verarbeitet, die in einem jeweiligen Fall tat-
sächlicher sprachlicher Vorkommen das Fak-
torenbündel spezifiziert, das die Sprachpro-
duktion erklärt. Die Idee in Dittmar (1989)
ist eine methodologische: Indem die sprachli-
chen und außersprachlichen Ausprägungen
für die formulierten sechs Großparameter in
spezifischen Subkategorisierungen beschrie-
ben werden, können Sprachen und Sprachge-
meinschaften miteinander verglichen werden,
wobei Gemeinsamkeiten und Unterschiede
jeweils zu Bausteinen einer Theorie beitragen
können. In ähnlicher Weise, allerdings auf
dem Hintergrund der Ausführungen von
Ammon (1989), hat Hellinger im Artikel 113
Prinzipien der „kontrastiven Soziolinguistik“
formuliert. Auch hier geht es um die Idee,
zentrale Parameter, die für alle Sprachen und
Sprachgemeinschaften gelten, zu spezifizie-
ren und in ihren unterschiedlichen Ausprä-
gungen vergleichend zu erfassen. Natürlich
hat diese Methodologie das Problem, das
sogenannte tertium comparationis zu finden
(ein Problem, das alle kontrastiven Analysen
haben). Während Hellingers Ansatz (vgl.
Art. 113) das Problem aller kontrastiven An-
sätze hat, nämlich die Tatsache, dass der An-
satz statisch ist, Prozesse nicht einbezogen
sind, die aufgestellten Parameter in der sozia-
len Dynamik des jeweiligen Kontextes eine
ganz unterschiedliche Rolle spielen können,
ist eine solche enge kontrastive Perspektive in
Dittmar (1989) nicht angelegt; vielmehr ist
bei diesem Ansatz an quantitative und quali-
tative, statische und dynamische Aspekte des
Vergleichs gedacht.
3.3. Beiträge zu einer Theorie der Variation
Seit Humboldt und Schuchhardt im letzten
Jahrhundert legen Linguisten immer wieder
Wert auf die Feststellung, dass Sprache vari-
iert und Kommunikation ohne Variation
„dysfunktional“ (Labov) sein würde. Wie
Fasold (1992) schon erläuterte, sehen die
meisten Variationsbeschreibungen linguis-
tische Modelle vor, die im Bereich der all-
gemeinen Sprachwissenschaft aufgestellt
wurden und mit einer bestimmten Erklä-
rungskraft für sprachliche Fakten mit be-
stimmten Bezug zu Form und Funktion for-
muliert wurden. Diese trivial anmutende
Bemerkung belegt immerhin, dass linguis-
tische Theorien, d. h. die Regeln und der
Beschreibungsapparat selbst, nicht von Va-
riationstheoretikern innovativ formuliert
wurden. In der Regelformulierung werden
bestehende Beschreibungssysteme benutzt
und teilweise geringfügig verändert, um
Phänomenen der Variation gerecht werden
zu können. Solche Methoden und Methodo-
logien nenne ich hier konservativ. So hat De
Camp die Beschreibung durch Implikations-
skalen eingeführt und damit einen Apparat
938 VII. Sociolinguistic Methodology
geschaffen, der im Rahmen der generativen
Grammatik auf Variation angewandt wer-
den kann (vgl. Art. 119). Die Anordnung
von Regeln wird durch solche Implikations-
skalen im Sinne der Beschreibung von Varia-
tion genauer gefasst. Ähnlich sieht es aus
mit der sogenannten Variablenregel, die in
Art. 117 beschrieben ist. Zwar beziehen sich
Variablenregeln auf eine phonologische
oder morphologische Regel, deren Varia-
nten unterschiedliche quantitative Gewich-
tungen im Auftreten innerhalb eines Korpus
haben, aber die gewählte Beschreibungsme-
thode entspricht dem der Varietätengram-
matik, die allerdings im Bezug auf die Be-
schreibung von Vorkommen eine etwas
weiter gefasste, vor allem syntaktisch moti-
vierte Variationskomponente hat. Beide
Modelle (siehe die Art. 117 und 118) sind
keine aus der Variation geborene innovative,
alternative Art der Grammatikschreibung,
sondern eine Erweiterung vorhandener Mo-
delle auf Sprachgebrauchskorpora, d. h. ge-
wisse Vorkommen in diesen Korpora werden
korpuslinguistisch als Sprachverwendungs-
muster mit quantitativen Methoden (Statis-
tik, Häufigkeitsanalysen) beschrieben (vgl.
auch Biber, Conrad und Reppen 1998).
Trotz wichtiger methodischer Unterschiede
zwischen den Instrumenten Variablenregel,
Varietätengrammatik, Implikationsskala und
„semantischer Netzwerkanalyse“ (Hasan
1992) und die damit verbundenen Vor- u.
Nachteile in den Aussagen (siehe die Diskus-
sionen in den Beiträgen in diesem Handbuch),
ist die Grundlage dieser Ansätze ähnlich:
(1) Sprachgebrauch, die Konstitution der
Bedeutung im Akt des Sprechens in so-
zialen Kontexten, wird als ein System ge-
fasst, dem statisch gleichförmig wirkende
Faktoren zugrunde liegen, die statistisch
(als relative Häufigkeiten) erfasst werden
können. Damit werden systemlinguisti-
sche Konzepte an Sprachgebrauchsbe-
dingungen durch quantitative Gewich-
tungen angepasst.
(2) die soziale Gewichtung und Bedeutung
eines Merkmals/einer Regel in einem
Korpus ergibt sich aus ihrer Verwen-
dungshäufigkeit in der Produktion. Ei-
nerseits bleibt dabei die rezeptive Seite/
die Pragmatik des Hörers ausgeschlos-
sen, andererseits wird der Häufigkeit
an sich ein explikativer Wert beigemes-
sen – kontextspezifische, unterschiedli-
che Bedeutungen eines Merkmals wer-
den dabei ignoriert, der quantitative
Wert und die Interpretation als Gewicht
an sich gewertet.
(3) Es wird mehr oder weniger streng da-
rauf geachtet, dass die Bedeutung der
Einheiten, deren Variation untersucht
wird, die gleiche ist/konstant gehalten
wird. Das Problem der Bedeutung kann
allerdings einer Konzeption wie der der
Varietätengrammatik durch rein forma-
le syntaktische Analysen neutralisiert
werden. Das Problem der „Statik“ von
Bedeutungen ist damit jedoch nicht ge-
löst. – Qualitative Aspekte der Interak-
tion sowie der lokalen Bedeutung von
Wörtern in der zeitlichen Abfolge
sprachlicher Handlungen werden damit
ausgeblendet. Im Grunde handelt es
sich bei diesen Ansätzen zur Beschrei-
bung von Variation um eine realitätsbe-
zogene, sprachgebrauchsspezifische Re-
adjustierung der an sich apriorischen
Grammatiken. In diesem Sinne sind Va-
rietätengrammatiken weniger idealis-
tisch und realitätsbezogener, jedoch
wiederum im Bezug auf die Dynamik
der Kommunikation und Interaktion
zu grob und zu wenig dynamisch. Dies
soll nicht bedeuten, dass Studien von
Biber et al., Klein (siehe Art. 118), Labov,
Sankoff, van Hout u.a. nicht spezifische
interessante Aspekte aufdecken und am
Sprachgebrauch erfassen; allerdings müs-
sen erst die Qualitäten beschrieben wer-
den (im Sinne von Fasold 1992), die das
Verhalten im komplexen Zusammenwir-
ken semiotischer Kommunikationssyste-
me bedingen. So lange solche Qualitäten
nicht genau beschrieben sind, können Va-
riationsstudien kein kategorisches, deter-
ministisches Explanandum liefern. An
dieser Gesamtsituation der Modellierung
sprachlicher Variation ändert auch der
mit logischer Stringenz formulierte An-
satz von Lieb (1998) nichts. Liebs Ver-
dienst liegt darin, die vielfältigen, explizi-
ten empirischen Arbeiten auf dem
Gebiet der Variationslinguistik mit ei-
nem mengentheoretischen „Dach“ zu
versehen. Natürlich ist Lieb (1998) nur
ein Teil und eine Art Übersicht über die
detaillierteren theoretischen Darlegun-
gen in Lieb (1993). Zunächst einmal
stellt der Ansatz von Lieb keine eigen-
ständige neue Modellierung des Be-
reichs ,Variation‘ dar. Es geht also nicht
grundsätzlich um das Verhältnis von
96. Möglichkeiten und Grenzen einer soziolinguistischen Theorie 939
sprachlichen und nichtsprachlichen Va-
riablen, um die Grenzen des Qantifi-
zierbaren bzw. qualitativ zu Beschrei-
benden, um die Explananda, seien sie
nun sprachlicher Art und von nicht-
sprachlichen Verhältnissen abhängig
oder in einem gegenseitigen Bedin-
gungsverhältnis. Untersuchungen wie
die von Labov, Sankoff, Eckert, Biber
etc. stellen für Lieb faktisch ausgewie-
sene Oberflächenstrukturbeschreibun-
gen der gesprochenen Sprache dar. Im
Wesentlichen rekonstruiert er auf expli-
zite, formal-logische Weise die Grund-
lagen dieser Arbeiten; das Gleiche gilt
für das Konzept der historischen Spra-
che von Coseriu. Mit Hilfe der Begrif-
fe „Allophon“/„allophon“ rekonstru-
iert Lieb die bei Labov mangelnde Un-
terscheidung zwischen phonetischen
und phonologischen Variablen. Die Lo-
gik leuchtet ein, für Soziolinguisten, die
an der Lösung von Beschreibungspro-
blemen des Sprachgebrauchs arbeiten,
wäre es nun sehr nützlich gewesen,
wenn Lieb sich einige bedeutende quan-
titative Arbeiten herausgegriffen hätte,
um an ihrem Beispiel aufzuzeigen, was
an Unterschieden in der Beschreibung
und in der Erklärung aufgrund der „al-
lophonischen“ Unterscheidungen an-
ders wäre. Würden die theoretischen
Vorschläge zu substantiell anderen em-
pirischen Ergebnissen und Erklärungen
führen?
Der zweite Gesichtspunkt betrifft den „Va-
rietätenansatz“ im Rahmen der von Coseriu
formulierten ,historischen Sprache‘, die al-
lerdings von Coseriu anders als von Lieb
verstanden wird. Lieb kommt zu der Dicho-
tomisierung zwischen Epochengliederung
(holistischer Ausdruck) und die „Gliede-
rung in Individualsprachen (persönliche
Ausprägung)“ (Lieb 1998, 11). Liebs theore-
tische Konzeption bietet eine logische
Grundlage für die Varietätenarchitektonik
von Coseriu. Konservativ sind seine Ausfüh-
rungen aber insofern, als keine die Realität
reflektierende, den sprachsoziologischen
IST-Bestand theoretisierende Innovation
erfolgt. Mit Bezug auf die Arbeiten von
Mattheier u. a. seit Ende der neunziger Jahre
und den Überlegungen in Dittmar (1997) so-
wie die theoretischen Reflexionen von Ber-
ruto (1995) zur Diglossie gibt es keine Fort-
schritte. Das Verhältnis von Grunddialekten
und den Attributen ,regional‘ vs. ,überregio-
nal‘ wird ja von den neueren Arbeiten zu
,Substandard‘ substantiell berührt, auch die
Diskussion um die Theoretisierung der Be-
griffe ,Konvergenz‘ und ,Divergenz‘ bleibt
bei Liebs Konzeption außen vor. Daher ist
der Eindruck nicht ganz falsch, dass grund-
legend Abstraktionen in einer empirischen
Disziplin wie der Soziolinguistik erst erfol-
gen können, nachdem es ca. 20 bis 30 Jahre
Vorlauf ,Empirie‘ gegeben hat. – Wenn man
Lieb und Chambers (1995) als zwei Seiten
der gleichen Münze nimmt, dann handelt es
sich bei Lieb um eine konservativ-reduktive
formale Explikation unmittelbarer und nur
sprachwissenschaftlich relevanter Teile der
Soziolinguistik, der sprachlichen Variation.
Bei Chambers handelt es sich um eine Dis-
kussion aller sozial signifikant oder sich als
solche erweisender Faktoren im Sinne deter-
minierender Parameter sprachlicher Alter-
nativen/an soziale Kontexte gebundene Va-
rianten. Wie bei Lieb ist die ,linguistische
Variable‘ im Zentrum des Interesses. Anstatt
aber seine Form und Funktion im Rahmen
sprachlicher Strukturen zu diskutieren, in-
teressiert Chambers die nichtsprachlichen
Korrelate der Variablen. Hier werden an-
hand vorliegender Studien diskutiert:
Schicht, Netzwerk und Mobilität, Ge-
schlecht, Alter und schließlich die von Giles
u. a. formulierte sozialpsychologische De-
terminante ,Anpassung‘ (Akkommodation).
Lieb und Chambers Arbeiten sind komple-
mentär – wie eben die zwei Seiten einer glei-
chen Münze. Beide behandeln linguistische
Variablen, bei Chambers ist die Theorie je-
doch lediglich ein nicht explizierter, ohne
Anbindung im Raum hängender Aufhänger,
der motiviert, die bestehenden Forschungen
mit ihrer sozialen Signifikanz darzustellen
und daran anschließend zu fragen, was an
den jeweiligen Feststellungen unhinterfragt
ist und hinterfragt werden müsste. Das Buch
beginnt auch bezeichnenderweise mit fol-
gendem Satz „the correlation of dependent
linguistic variables with independent social
variables, the subject matter of this book,
has been the heart of sociolinguistics …“
(Chambers 1995, Xvii). Mit anderen Wor-
ten: es ist das Labov-Sankoffsche Thema der
qualitativen Variation und ihrer Beschrei-
bung: was aber ist hier von Theorie geleitet
und was sind theorieleitende Prinzipien? Er-
gebnisse eines Experiments X können durch
Ergebnisse eines Experiments Y korrigiert
werden, wenn man die Art die Anlage des
Experiments, seine Signifikanz unter Ge-
940 VII. Sociolinguistic Methodology
sichtspunkten der Validität und Reliabilität
diskutiert und dem einen Experiment höhe-
re Güte als dem anderen zuweist. Dann aber
müssen Validität und Reliabilität, wenn es
sich um qualitative Studien handelt, auch an
Kriterien gemessen werden, die zu formulie-
ren und zu explizieren sind. In dem Buch
von Chambers ist dies nicht der Fall. So
bleibt ein Hin- und Herwenden empirischer
Studien, die eine gegen die andere ausspie-
lend, aber kein Modell theoretischer Reich-
weite wie wir dies in der Linguistik oder in
der Logik gewöhnt sind. Chambers kann
man als einen Überblick oder eine Zusam-
menfassung verschiedener in der Literatur
bekannter großer Studien sehen – mit ent-
sprechenden historischen und literarisch
fundierten Kommentaren. Nicht nur fehlt
ihm eine Theoriekonzeption, es fehlen auch
die Impulse, die zu einer Korrektur beste-
hender Konzepte zugunsten einer theoreti-
schen Modellbildung vonnöten wären. Im
Unterschied zu Lieb (hohe Abstraktion, jen-
seits der mühevollen Niederungen empiri-
scher Daten) und Chambers (Enthusiast
der korrelativen Soziolinguistik, auf der Su-
che nach einem Mosaik zusammenwirken-
der sozialdeterminierender Faktoren) stellt
Downes in seiner umfangreichen Monogra-
phie „Language and Society“ (1998) mehr-
fach und mit sowohl philosophischem als
auch verhaltenswissenschaftlichem Know-
How die Frage nach der Erklärung sprachli-
cher Variation (Kap. 11: Language and So-
cial Explanation). Wie schon Dittmar (1996,
115ff.) unterscheidet Downes zwischen kor-
relativen kausalen Erklärungen und die
teleologischen, handlungsbezogenen Er-
klärungen. Die pragmatische, telelogische
Spielart soll im Kapitel 4 erläutert werden.
Im Kontext dieses Kapitels spielt die kausa-
le, meist mit quantitativen Argumenten ver-
bundene korrelative Sicht eine dominante
Rolle. In dieser Sicht sind die sprachlichen
Faktoren die abhängigen und die nicht-
sprachlichen die unabhängigen. Dieser Typ
von Erklärung, sucht Erklärungen durch
positive Belege sozialer Fakten. Das Ziel ist
es, empirische Theorien zu entwickeln, die
strukturelle Muster sozialen Verhaltens für
große gesellschaftliche Gruppen voraussa-
gen und erklären. Die Legitimität solcher
Erklärungen ist beispielsweise durch die sta-
tistische Prozedur der Signifikanz gegeben.
Sprachliche Ausprägungen korrelieren hoch
oder nur in geringem Maße mit gesellschaft-
lichen Konstrukten (außersprachlichen Va-
riablen) wie soziales Netzwerk (Erklärungs-
variable mit hohem Prestige), Alter (vgl.
Eckert 1997), soziale Schicht (Chambers
1995, 34–80), Geschlecht (Chambers 1995,
102–145; Wodak u. Benke 1997, 127–150),
um nur die wichtigsten zu nennen. Unter
den genannten Variablen ist nur Alter eine
metrische, Geschlecht ist eine ordinale Va-
riable und soziale Schicht bzw. Netzwerk
eine nominale Variable, die durch Indika-
toren eine empirisch handhabbare Operatio-
nalisierung erfährt. Die jeweiligen Indikato-
ren werden als ,soziale Fakten‘ gehandhabt,
die, gemessen an einem geeichten sprachli-
chen Nullpunkt, Abweichungen auf der
Skala der Variation messen. Alter und Ge-
schlecht sind relativ günstig als universale
soziale Faktoren handhabbar (sie sind in je-
der Gesellschaft vertreten, ihre Kategorisie-
rung ist eindeutig und es handelt sich um
natürliche soziale Parameter). In welchem
Maße nun sprachliche und kommunikative
Ausprägungen für Geschlecht und für Alter
eine vergleichbare Rolle spielen, hängt von
Art, Typ und Geschichte der jeweiligen Ge-
sellschaft ab.
Auf dem Gebiet dieser beiden Variablen
lassen sich jedoch sicher hoch signifikante
vergleichende Studien durchführen.
Bei den beiden anderen Variablen (hier
nur stellvertretend für weitere wichtige so-
ziolinguistische Variablen, (vgl. Chambers
1995 u. a.) kann nicht mit Hilfe von Natür-
lichkeit kategorisiert werden (im Sinne der
social categorization von Sacks), viel mehr
müssen mehr oder weniger plausible Indika-
toren gewählt werden, um das Konstrukt
,soziale Schicht‘ oder ,soziales Netzwerk‘
genauer zu erfassen (vgl. für eine höchst sen-
sible Netzwerkkonzeption (Barden & Groß-
kopf 1998). Viele quantitative Studien
deuten ganz klar darauf hin, dass kommuni-
kative Netzwerke beispielsweise eine grund-
ständige hoch signifikante, erklärungsstarke
soziale Variable darstellen. Das Gleiche gilt
für Geschlecht und Alter. Dennoch ist z. B.
,Alter‘, wie Eckert (1997) ausführt, keine
leicht zu kategorisierende Variable. Und die
quantitativen Indikatoren für soziale Netz-
werke lassen recht unterschiedliche In-
terpretationen zu. Die Frage ist nun, wie
kausale Erklärungen zu teleologischen im
Verhältnis stehen. Kausale verhaltenswis-
senschaftliche Erklärungen bündeln einzel-
ne soziale Fakten zu komplexen zusammen
und konstruieren Zusammenhangsmaße
zwischen wohl definierten komplexen sozia-
96. Möglichkeiten und Grenzen einer soziolinguistischen Theorie 941
len Fakten (Sprache, Verhaltensmanifestati-
on). Ein Laut, ein Morphem, eine syntakti-
sche Konstruktion, eine Handbewegung,
eine Kopfnicken, ein bestimmter Blickkon-
takt etc. werden immer wieder in einer ganz
bestimmten Ausprägung mit einer durch In-
dikatoren operationalisierten sozialen Va-
riable als „ideelle Merkmalausprägungen“
miteinander korreliert. Es spricht vieles da-
für, dass die Menge gleichartiger oder eben
andersartiger Ereignisse eine Bedeutung ha-
ben, sozusagen soziale Signifikanz für grö-
ßere Mengen von Individuen (Gruppen).
Andererseits ist natürlich gemäß der Frage
der Relevanztheorie eine tiefergehende Er-
klärung darin zu sehen, wie Menschen Ver-
halten und dessen Ergebnisse über Hand-
lungen längerfristig aufbauen. Dieser Frage
widmet sich die qualitative, interpretative
oder teleologische Soziolinguistik.
4. Kontext- und interaktionssensitive
Soziolinguistik
Die korrelative Soziolinguistik wurde mit
Recht auch als sprecher- oder produktions-
bezogene Soziolinguistik bezeichnet (vgl.
hierzu Dittmar 1996). Die Sprecheräuße-
rung schneidet ja die Äußerungsintention
auf einen jeweiligen Hörer zu, der wiederum
die Äußerung selber und den gesamten Kon-
text interpretiert und daraufhin neue Äuße-
rungen produziert. Dieser interaktive Pro-
zess hat natürlich auf das Verhalten via
Handeln einen erheblichen Einfluss. Lin-
guisten, Philosophen und Sozialwissen-
schaftler haben das schon seit langem er-
kannt und in der einen oder anderen Weise
in ihren Arbeiten/Theorien zur Interaktion
formuliert. Downes (1998) erläutert dieses
Paradigma auf den Seiten 419 – 432. Ditt-
mar (1994) gibt für Sprecher- Hörerinterak-
tionen mit entsprechenden diskursiven Aus-
tauschprozessen den Regeltyp III an (1996,
140ff.). Mit diesem Regeltyp III werden
ganz spezifische Handlungs- u. Organisati-
onsprinzipien im Diskurs erfasst. Auer
(1999) führt 22 Klassiker der Diskurs- Kon-
versations- u. Interaktionsanalyse auf.
Schiffrin, Tannen und Hamilton (2001) ge-
ben eine umfassende Übersicht aller mit
Diskurs und Interaktion verbundenen
sprachlichen, kommunikativen und sozial-
wissenschaftlichen Methoden und Theo-
rien. Im Folgenden gehe ich auf die Konzep-
tion des kontextsensitiven Sprechens via
Analyse der „contextualization cues“ von
Gumperz und (als neueren Vertreter dieser
Richtung) Auer ein. – Der Ansatz des kon-
textsensitiven Kommunizierens („con-
textualization approach“) hat in Europa,
aber auch in den USA große Wirkung und
etabliert sich als Zwischenglied/Link/Brücke
zwischen der Variationslinguistik und der
soziolinguistischen Interaktionsanalyse. Im
Klartext heißt dies: Auf der einen Seite wird
der Prozess der Interaktion als Produktion
und Rezeption, als Handeln und Widerhan-
deln, als Organisieren von Diskursen, von
gemeinschaftlichen Reden etc. begriffen; auf
der anderen Seite geht es nicht nur um holis-
tische Äußerungen und Redeteile, sondern
auch um sprachliche und nichtsprachliche
Zeichen, insbesondere auch um bisher weni-
ger gut untersuchte Bereiche wie Prosodie,
Rhythmus etc. Grundlegende Beiträge zur
Methodik und Theorie, aber auch mit empi-
rischen Beiträgen finden sich in Auer und Di
Luzio (1992).
Als späte Frucht der ethnographischen
Untersuchungen zur Variation in Hemnes-
berget (Norwegen) sowie in Indien und in
anderen Kontexten konzipierte John Gum-
perz einen kontextsensitiven Ansatz in der
Soziolinguistik, der die soziale Bedeutung
alternativer Varianten im Sprachgebrauch-
system mit ihrer pragmatischen Funktion
im interaktiven Austausch verbindet. Ein
Schlüssel zu seinem Ansatz ist sicher die kul-
turelle Relativität, die den sprachlichen Zei-
chen als Formen anhaftet und als unver-
brüchliche, unübersetzbare, eigenständige,
interpretative Perspektiven in die interkultu-
relle Kommunikation (Muttersprachler –
Nichtmuttersprachlerkommunikation, z. B.)
eingeht. Die Gumperzsche Konzeption be-
zieht sich auf nicht-referentielle Mittel
(Schlüsselwörter, die auf situative oder so-
ziale Aspekte einer aktuellen Sprechsituati-
on verweisen), wobei prosodische Eigen-
schaften von Äußerungen und diskursiven
Einheiten eine besondere Rolle spielen. So
würde eine Äußerung, die als Sprechhand-
lung einer Bitte bedeutungsspezifisch ausge-
drückt wird, bei einem starken Senken der
Stimme im Kontext muttersprachlicher
deutscher Sprecher fehlschlagen, da ein He-
ben der Stimme am Ende der prosodischen
Phrase erwartet würde. Nun gibt es zahlrei-
che ,gate keeping‘-Situationen, in denen die
Sprache, z. B. in Bewerbungsgesprächen,
eine Schlüsselrolle spielt. Wenn in solchen
Bewerbungsgesprächen, wie es Gumperz für
Pakistani (Urdu-Sprecher) in London auf-
942 VII. Sociolinguistic Methodology
zeigte, mit der prosodischen Gestalt entge-
gen den muttersprachlichen Erwartungen
Bedeutungen ausgedrückt werden, die ganz
andere Interpretationen nach sich ziehen,
als die Sprecher selber intendiert haben, so
muss von interkulturellen Fehlschlägen ge-
sprochen werden. An der Aufdeckung sol-
cher interkultureller Fehlschläge, insgesamt
aber an der sozialen Bedeutung stilistischer
Varianten und ihrer kontextspezifischen
Bedeutung, ist Gumperz interessiert; sein
Ansatz der Kontextualisierung (Gestalt
sprachlicher Zeichen in einem spezifischen
aktuellen Kontext) beschreibt die Relation
sprachlicher Zeichen mit situativen und in-
teraktiven Bedingungen des Kontextes, aus
deren spezifischer Relation Hörer gewisse
Schlüsse ziehen (inferencing). Nach Auer
(1992, 4) umfasst der Begriff ,Kontextuali-
sierung‘ „all activities by participants which
make relevant, mentain, revise, cancel. Any
aspect of context which, in turn, is responsi-
ble for the interpretation of an utterance in
its particular locus of occurrence“. Die je-
weilige Kontextspezifik wird flexibel und
reflexiv genannt. Zwischen Kontext und
Diskurs muss eine multidimensionale Bezie-
hung angenommen werden und nicht nur,
wie Gumperz zunächst meinte, eine unidi-
rektionale (einseitig gerichtete). Kontext ist
vielmehr ein ständig sich veränderndes Kon-
tinuum in der Zeit und bildet damit unter-
schiedliche szenische Hintergründe für Äu-
ßerungen. Ein bedeutender theoretischer
Punkt in Gumperz’ Ansatz ist die Annahme,
dass die Beziehung zwischen Äußerungen
und Kontext reflexiv ist, d. h. sie beeinflus-
sen einander; Sprache ist nicht nur vom
Kontext determiniert, sondern trägt ihrer-
seits zur Konstruktion von Kontexten in
grundlegender Weise bei. Somit ist der Kon-
text in seiner Sicht nicht nur eine soziale Fa-
cette der Interaktion sondern ein Ergebnis
der Beteiligten und ihrer sozialen Anstren-
gungen, wesentliche Eigenschaften eines
Kontextes miteinander zu teilen. Daher ma-
chen soziale und materielle Fakten nicht al-
lein die Relevanz einer Interaktion zu einem
gegebenen Zeitpunkt aus, sondern eine
Sammlung kognitiver Schemata und Model-
le. Der Kontext umfasst:
(1) gewisse materielle und soziale Fakten
der Interaktion, die durch objektive Be-
obachter beschrieben/erfasst werden
können;
(2) Informationen, die von den Beteiligten
vor Beginn der Interaktion nicht be-
wusst oder geplant waren und die unab-
hängig von der jeweiligen Interaktions-
situation bestehen. Jedenfalls können
die emergenten Kontextparameter auf
sprachliche Aktivitäten verweisen, die
durch soziale oder materielle Mittel/
Umstände der Interaktion nicht vo-
rausgesagt werden können. Sie bezie-
hen sich auch auf soziales Wissen, das
die Teilnehmer miteinander teilen, aber
aus den nicht sichtbaren kognitiven
Dispositionen oder Ressourcen der
Sprecher in gemeinsam geteilte Hinter-
gründe und kognitive Schemata konver-
tiert werden müssen. In seinem die
Theorie von John Gumperz rekonstru-
ierenden Beitrag (Auer 1992) formuliert
er erste Komponenten einer Typolo-
gie von ,Kontextualisierungshinweisen‘
(contextualization cues). Kontextuali-
sierungshinweise können definiert wer-
den als eine Beziehung zwischen einem
Sprecher, einem Kontext, einer Äuße-
rung und einem (nicht-referentiellem)
Kontextualisierungshinweis: „contextua-
lization cues are used by speakers in or-
der in enact a context for the interpreta-
tion of a particular utterance“ (Auer
1992, 31).
Nach Auer können drei Gruppen von Kon-
textschemata unterschieden werden. Die
erste Gruppe bezieht sich auf intra-episodi-
sche Kontextualisierungsarbeit. Hier han-
delt es sich um kulturelles Wissen, z. B. wie
Erzählungen in einem kulturellen Kontext
hervorgebracht werden, wie man deiktisch
auf die äußere Welt referiert, was zuerst und
danach erzählt werden soll etc. Die zweite
Gruppe solcher kontextuellen Schemata, die
sogenannten „default-Zuweisungen“, die
routinierte Annahmen über die Welt impli-
zieren. Diese Schemata gehören zum
„default-Wissen“, das das Wissen über typi-
sche Objekte und Situationen impliziert
(dieses Wissen ist ein grundlegender Teil un-
seres Allgemeinwissens und tritt immer dann
in Aktion, wenn Lücken zwischen Handlung,
Interpretationen etc. entstehen und mit ent-
sprechendem Sinn gefüllt werden müssen).
Hierzu gehören auch die Themaerwartungen
im Rahmen von Institutionen etc. Eine dritte
Gruppe von Kontextparametern beziehen
sich auf den physischen Kontext der Interak-
tion, auf die Zeit, auf die sichtbaren Merk-
male der Teilnehmer (ethnische Gruppe, Ge-
schlecht, Alter etc.). Deiktische Mittel,
Gesten, Blickkontakt etc. sind Manifestatio-
96. Möglichkeiten und Grenzen einer soziolinguistischen Theorie 943
nen der dritten Gruppe von Kontextgrößen.
In der mikroethnographischen Soziolinguis-
tik stellen die Textualisierungshinweise eine
Brücke zwischen linguistischen und nicht-lin-
guistischen Verhaltensmerkmalen dar, indem
sie Variation, Prosodie, Gesten und Körper-
bewegungen in die Typen sozialer Bedeutung
von Äußerungen einschließen. Ausgehend
von geteilten Hintergrundannahmen und
einer interaktionsspezifischen Type von Kon-
textualisierungshinweisen spricht man in An-
lehnung an Deborah Tannen in erweiterter
Funktion des Gumperzschen Kontextuali-
sierungsansatzes auch von soziolinguisti-
schen Stilen. Dabei bewahren Autoren wie
Kallmeyer, Keim u. a. aus dem Mannheimer
Stadtsprachenprojekt (vgl. Kallmeyer 1994)
die enge Verzahnung von sprachlichen Mus-
tern und Kontextmerkmalen, andere wie
Selting, Kotthoff u. a. interpretieren Kon-
textbezüge in engem Zusammenhang mit
dem konversationanalytischen Ansatz.
Während Auer eine Theorie der Kontextua-
lisierung versucht, wird im Rahmen der Stil-
analyse mit konversationeller Prägung die
Bedeutungskonstitution im Verlauf der In-
teraktion durch wechselseitige Äußerungen
von Sprecher und Hörer in den Vordergrund
gestellt; eine Theorie wird gerade abgelehnt,
da jeder Akt ein gemeinsames, in der Inter-
aktion vollzogenes Ereignis mit einer be-
stimmten Organisationsform darstellt. Die
theoretisch wie empirisch fundiersten Stil-
analysen sind im Rahmen des Mannheimer-
Projektes zu kommunikativen Routinen und
zu Gesprächsaktivitäten im spezifischen
Kontextrahmen und ihren Wechselstruktu-
ren je nach Aktivität und Gruppe in Mann-
heim entstanden (vgl. Kallmeyer et al.
1994). In Dittmar (1997) wird stringent dar-
gestellt, dass Stile mit Persönlichkeits- u.
Ausdrucksvariablen zu tun haben, während
Register nicht sprecherspezifisch, sondern
nach Maßgabe von Sprachgebrauchstypen
und Mustern organisiert sind.
5. Ausblicke und Desiderate
Ein kohärentes Bild notwendiger theoreti-
scher Orientierung und einer obligatori-
schen Vorgehensweise bei der Modellbil-
dung gibt es nicht. Im Folgenden sollen
einige Anregungen für die Weiterarbeit ge-
geben werden. Vielerorts hat sich die Ideolo-
gie eingebürgert, man müsse entweder quan-
titativ oder qualitativ arbeiten – eine Brücke
zwischen diesen beiden Königswegen gebe
es aber nicht. Wir würden hier wie in der
Medizin so argumentieren, dass ausschließ-
lich homöopathische Mittel nicht der richti-
ge Weg sein können, ausschließlich schulme-
dizinische Mittel sind aber auch nicht immer
die beste Lösung. So kommt es darauf an,
auf den jeweiligen Zweck der Mittel, den
Kontext, die Anwender etc. genauer zu
schauen. Wenn man ein Gebiet neu
erforscht, z. B. (wir konstruieren) den Zu-
sammenhang zwischen Handicap/Art des
Behindertseins und sprachlicher Variation/
sprachlichen Ausprägungen dieses Behin-
dertseins, so ist es ganz sicher von großem
Nutzen, erstmal mit relativ großen Stichpro-
ben und repräsentativ bestimmte Typen von
Vorkommensweisen, von stilistischen Mus-
tern, von phonetischen Eigenheiten etc. zu
erfassen. Wenn genügend breite Informatio-
nen über das Phänomen vorliegen und ziem-
lich deutlich wird, was eine große und was
eine kleine Rolle spielt, was sehr abweichen-
de und weniger abweichende Merkmale
sind, dann empfiehlt es sich, mit ethnogra-
phischen und qualitativen Untersuchungen
in die Tiefe zu gehen und den Phänomenbe-
reich mikroanalytisch zu erklären. Die
Grenzen der quantitativen Beschreibung
und Erklärungen liegen immer in der Sta-
tisch-Zusammenfügung nicht-natürlicher,
operationalisierter Konstrukte unter Ver-
nachlässigung der Dynamik der Entwick-
lung, der Genese in Handlungen und Inter-
aktionen etc. gibt es z. B. immer wieder
gewisse statistische Ausprägungen, so ist des
öfteren die quantitative Seite relativ klar
und eindeutig erfasst; hier gibt es dann kei-
nen Erkenntnisfortschritt mehr, außer dass
die Handlungs- u. Motivationsdimensionen
in ein bestimmtes Verhalten genauer erfasst
und erklärt werden (hier sollte man sich am
Erstspracherwerb orientieren, der genau
diesen Weg geht). Mit anderen Worten:
quantitative, insbesondere statistische Un-
tersuchungen haben eindeutige Grenzen: sie
machen Sprachverhaltensfotos von außen,
sie nehmen aus unterschiedlichen Perspekti-
ven als auf Fotos fixierte Fakten des Verhal-
tens wahr und bringen die so veräußerlich-
ten Verhaltensweisen in eine Erklärung der
quantitativen Korrelation. Hier fehlen dann
die Innenseiten der Außenseiten, d. h. der
Anteil der intentionalen Akte und die Ge-
schichte/Dynamik ihrer Entwicklung im
Individuum, in seinem Handeln und in der
Interaktion. Zweitanalysen kann man mit
differenzierten Indikatoren durchführen,
944 VII. Sociolinguistic Methodology
Tagebücher der an Netzwerken Beteiligten,
innere Wahrnehmungen von Kontakten, In-
terpretationen der Relation/Beziehung zu
anderen etc. sind wertvolle Ergänzungen
und tiefergehende Korrekturen für die
quantitativen Ausprägungen.
Unter den fruchtbaren neueren Theore-
tisierungen finden sich die von Bartsch be-
gonnenen und Ammon fortgesetzten An-
sätze, Varietäten bzw. Funktionen von
Sprachen und Varietäten explizit zu bestim-
men/zu definieren. Solche Definitionsversu-
che zeigen uns, wie weit wir empirische Ele-
mente solcher Definition belegen können
oder bisher nicht belegt haben (Hinweis auf
zukünftige Forschung). Folgende Arbeits-
bereiche haben m. E. Priorität:
Die Untersuchung von Varianten/Varia-
blen syntaktischer Art und über die Syntax
hinausgehend (semantische und diskursive
Phänomene). Über das, was geleistet wurde
auf diesem Gebiet, geben Du Bois und San-
koff (2001) Auskunft. Die Untersuchungen
sind auch hier richtungweisend. Die meisten
soziolinguistischen Beschreibungen bezie-
hen sich auf soziale Bedeutungen der vom
Sprecher produzierten Varianten. Zuneh-
mend sollte die Rolle des Hörers einbezogen
werden; wie weit hat der Variantenzuschnitt
mit Zuhörern und Kontext zu tun? Theore-
tisierungen über den Kontext scheinen wich-
tig.
In Bereichen, in denen quantitative Quer-
schnittstudien vorliegen, sollten fundierend
qualitative, semantisch und pragmatisch rele-
vante Untersuchungen durchgeführt werden.
Hier könnte eine größere Erklärungstiefe er-
reicht werden. Die Oberfllächenuntersuchun-
gen wären zu ergänzen durch quantitative
Beschreibungen, die die kommunikativen
Funktionen von Varianten kontextspezifisch
erfassen. Gillian Sankoff hat in ihrem Beitrag
(vgl. Art. 103) deutlich gemacht, dass wir die
gesellschaftlichen Antriebskräfte und Fakto-
ren nur in Längsschnittuntersuchungen in real
time differenziert erfassen und damit die pri-
mären, sekundären und tertiären Faktoren in
der Zusammensetzung ihrer auf Sprache wir-
kenden Schubkraft differenzieren können.
Erste empirische Ergebnisse machen Mut, die-
se Linie fortzusetzen und für die Theorie
fruchtbar zu machen. Eine soziolinguistische
Theorie oder eine Theorie des Sprachwandels
dürfte es somit nicht geben.
6. Literatur (in Auswahl)
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946 VII. Sociolinguistic Methodology
1. Vorbemerkung
2. Ethik als Leitprinzip in Wissenschaft und
Forschung
3. Ausgewählte Fallstudien
4. Schlussfolgerung
5. Literatur (in Auswahl)
1. Vorbemerkung
Ich habe für die erste Ausgabe dieses Hand-
buchs vor etwa 20 Jahren einen gleichbetitel-
ten Kurzartikel (Goebl 1988) verfasst, in
dem ich vor dem Hintergrund einer für Fra-
gen genuiner Ethik damals noch recht wenig
interessierten Soziolinguistikszene versucht
habe, einen gerafften Problem-, Methoden-
und Literaturüberblick zu geben und einige
im weitesten Sinn als „soziolinguistisch“
einzustufende Beispielsfälle hinsichtlich ih-
rer forschungsethischen Relevanz zu be-
leuchten. Wiewohl der damals bereits deut-
lich erkennbare Aufwärtstrend der Ethik –
verstanden als wissenschaftliche Beschäfti-
gung mit allen Fragen von Moral – sich in
der Zwischenzeit überaus stürmisch fortge-
setzt hat, ist es im seit der Mitte der 80-er
Jahre unzweifelhaft stark erweiterten Ein-
zugsbereich der Soziolinguistik rund um
ethische Probleme nach wie vor recht still
geblieben. Somit hat sich ein erstaunlicher
Hiat aufgetan:
Auf der einen Seite haben sich inner- und
außerhalb von Universitäten und wissen-
schaftlichen Großinstituten (wie Max-
Planck-Gesellschaft [München], Frauenho-
fer-Gesellschaft [München], Ludwig-Boltz-
mann-Gesellschaft [Wien], Joanneum Re-
search [Graz] etc.) sowie wissenschaftlichen
Organisationen (wie Deutsche Forschungs-
gemeinschaft [Bonn], Centre National de la
Recherche Scientifique [Paris], European
Science Foundation [Straßburg] etc.) Ethik-
Kommissionen etabliert, die sich mit institu-
tions- und/oder disziplinrelevanten Ethik-
Kodizes (cf. Deutsche Forschungsgemein-
schaft 1998 und Max-Planck-Gesellschaft
1999) versehen haben, ist ferner innerhalb
des engeren Fachbereichs der Philosophie
weltweit die (theoretische und praktische)
Ethikforschung enorm angewachsen (Kurz-
überblick bei Gil 1993) und dazu auch die
Publikationstätigkeit im Bereich der soge-
nannten „Bereichsethiken“ (wie z. B. Medi-
zin-, Gen-, Medien-, Ökonomie- [etc.] ethik)
glattweg unübersehbar geworden (cf. die
exemplarische Auswahl bei Nida-Rümelin
1996, die „Encyclopedia of Applied Ethics“
[EAE], den Sammelband von Morscher/
Neumaier/Simons 1998 und das „Jahrbuch
für Wissenschaft und Ethik“ [seit 1996]). All
das ist aber nicht nur der inneren „Nor-
mal“-Dynamik der Wissenschaftsentwick-
lung zuzuschreiben, sondern unzweifelhaft
auch als Antwort bzw. Reaktion auf die im-
mer dringlicher werdenden kontinentalen
und weltweiten Herausforderungen im Be-
reich von Wirtschaft, Demographie, Medi-
zin, Technik, Ökologie, Ökonomie etc. auf-
zufassen. Und schließlich scheint dieser
Zuwachs zusätzlich durch die großen politi-
schen Umbrüche von 1989/90 und die damit
verbundenen politischen, wirtschaftlichen
und gesellschaftlichen Verwerfungen und
Neuorientierungen beschleunigt und inten-
siviert worden zu sein.
Auf der anderen Seite hat sich im Bereich
der Soziolinguistik durch die immer stärker
beachtete handlungsorientierte und wirk-
lichkeitsstiftende Funktion des Sprechens
das methodische und empirische Spektrum
jener Forschungen enorm erweitert, denen in
der einen oder anderen Form (real)politische
Relevanz zuzuschreiben ist. Damit stehen
viele Soziolinguisten de facto vor Dilemma-
ta, die durchaus analog zu jenen einzustufen
sind, vor denen sich Genforscher, Ökonomen
oder Ingenieure befinden, wenn sie die kon-
kreten Folgen ihres wissenschaftlichen Tuns
sub luce ethicae abzuschätzen haben. In der
Soziolinguistik ist diese Entwicklung grosso
modo im Schlagschatten des „linguistic
turn“ abgelaufen, also einer in Philosophie
(Diskussionsethik von J. Habermas [z. B.
1992] und K.-O. Apel [z. B. 1988]), Politolo-
gie, Historie, Publizistik (Medienwissen-
schaft) diesseits und jenseits des Atlantiks
entstandenen Rückbesinnung auf spezielle
soziale und pragmatische (Zusatz)Funk-
tionen von Sprache: das gilt ganz besonders
für deren realitätskonstituierenden Cha-
rakter sowie die Öffentlichkeits- und Kon-
textgebundenheit politischer Sprache. Am
kompaktesten tritt im Umfeld der Soziolin-
guistik diese neue Optik im Rahmen der
„Kritischen Diskursanalyse – Critical Dis-
course Analysis“ (cf. hier unter 3.4.) zutage.
Wie weit sich in den letzten drei Lustren
das Spektrum der mit konkreten Anwen-
97. Forschungsethische Probleme/ Issues in Research Ethics
97. Forschungsethische Probleme 947
dungen (und damit ethisch bewertbaren
Eingriffen in die soziale Wirklichkeit) be-
fassten Bindestrich-Linguistiken geöffnet
hat, zeigt exemplarisch ein Vergleich der
Aktivitäten der (bundes)deutschen „Gesell-
schaft für Angewandte Linguistik“ (gegrün-
det 1968) einerseits und des (US)amerika-
nischen „Center of Applied Linguistics“
(gegründet 1959) andererseits, der über das
Internet jederzeit leicht durchführbar ist.
Trotz dieses überaus beachtlichen ange-
wandten Engagements einer ursprünglich
nur theoretisch begründeten Wissenschaft
hat sich – in erstaunlichem Kontrast zu zahl-
reichen anderen, nicht direkt mit Sprache
befassten Sektoren der Geistes- und Kultur-
wissenschaften – im engeren Bereich von So-
zio-, Ethno- oder Kontaktlinguistik – abge-
sehen von Initiativen zugunsten bedrohter
Sprachen („Gesellschaft für bedrohte Spra-
chen (GBS)“, Köln, ab 1997; „Dokumenta-
tion bedrohter Sprachen“ (DOBES)), Nim-
wegen, ab 2001) – keine eigenständige
Ethikdiskussion etabliert. Auf dieses Defizit
wurde von mir bereits 1995 (Vortrag dazu
schon 1993 gehalten) und erneut im Jahr
1996 von H. Kniffka hingewiesen. Bei der
Literatursuche ist allerdings auch zu beach-
ten, dass zahlreiche thematisch hierher pas-
sende Reflexionen nicht unter dem Label der
„Ethik“, sondern unter jenem der „Verant-
wortung“ bzw. „Verantwortlichkeit“ der
Wissenschaft laufen (cf. z. B. Max-Planck-
Gesellschaft 1985; Barta/Ernst/Moser 1994;
Mittelstraß 1996 oder Skutnabb-Kangas
2000).
2. Ethik als Leitprinzip in
Wissenschaft und Forschung
Vorauszuschicken ist, dass jegliche Wissen-
schaftsethik vornehmlich mit drei Bereichen
konfrontiert ist: 1) mit dem Ethos der wis-
senschaftlichen Praxis, verstanden als ein
regelgeleitetes Handeln inmitten der Ge-
meinschaft der übrigen Wissenschaftler
(scientific community). Dazu gehören alle
die intellektuelle und kollegiale Redlichkeit
des einzelnen Wissenschaftlers bestimmen-
den Verhaltensweisen (wie z. B. die Vermei-
dung von Plagiat und Datenverfälschung,
die Respektierung von Prioritäten etc.) und
auch spezielle Regeln zur „korrekten“ An-
wendung der jeweiligen facheinschlägigen
Methoden; 2) mit dem Verhältnis zwischen
dem wissenschaftlichen Nutzen der an bzw.
über Menschen betriebenen Forschung und
den Kosten bzw. dem Schaden, den diese
Forschung den untersuchten Menschen be-
reitet, 3) mit dem Verhältnis von allgemein-
ethischen bzw. moralischen Werthaltungen
zu jenen Fragen, die bei der Anwendung jeg-
licher wissenschaftlicher Fachkompetenz im
realen Leben aufkommen. Am bekanntesten
sind diesbezüglich genetische und medizini-
sche Forschungen und alle Fragen der
„Technikfolgenabschätzung“.
Unzweifelhaft ist zum ersten Bereich ein
allgemeiner Konsens in der Fachkollegen-
schaft leichter zu etablieren als zum zweiten,
wo zahlreiche inhaltliche und prozedurale
Unsicherheiten und damit Möglichkeiten
zum Dissens bestehen. So müsste zunächst
hinsichtlich des Umfangs und der Gültigkeit
der ethischen bzw. moralischen Grundorien-
tierungen eine begriffliche und sachliche
Übereinkunft hergestellt werden. Dies inter-
national zu erreichen ist schon deshalb
schwer bis unmöglich, weil derartige Orien-
tierungen sehr stark von kulturell-sprachli-
chen, disziplinspezifischen und auch zeitge-
bundenen A prioris abhängig sind (cf. dazu
Gumperz/Levinson 1996 passim und – nur
exempli causa – die forschungsethischen Re-
gelungen der Universität Montréal: „Ethi-
que de la recherche avec des êtres humains:
[URL 2002] http://www.fas.umontreal.ca/
fas/fasinfo/docethique.htm).
Zudem stellt sich zusätzlich ganz massiv
das uralte und von zahlreichen großen Geis-
tern von Immanuel Kant (1724–1804; cf. be-
sonders seine Opera von 1785 und 1788),
über Max Weber (1864–1920; cf. seine Auf-
sätze von 1904 und 1917) bis Karl Popper
(1902–1994; cf. Adorno 1969) immer wieder
evozierte Dilemma zwischen der (wertfrei
bzw. voraussetzungslos durchgeführten)
empirischen Suche nach einem IST und der
anschließenden (wertgesteuerten bzw. inte-
ressensgeleiteten) Einflussnahme auf dieses
IST mittels der präskriptiv-normativen Set-
zung eines spezifischen SOLLS. Gerade für
die Sozio-, Kontakt- und Ethnolinguistik
ergeben sich hier durch deren traditionelles
Interesse für sozial, sprachlich und ethnisch
diversifizierte Objektlagen sehr explizit
wahrnehmbare Herausforderungen. Ich ver-
weise dazu auf Stichwörter wie „Kulturrela-
tivismus“ (Vivelo 1981) oder „Ethnozentris-
mus“ (Preiswerk/Perrot 1973), für die in den
letzten Jahrzehnten durch die Etablierung
einer vergleichenden Stereotypen-, Image-
und Wahrnehmungsforschung (i. e. zu den
représentations sociales) wertvolle Ergän-
948 VII. Sociolinguistic Methodology
zungen (cf. z. B. Fischer 1981) entstanden
sind.
Das hier angezeigte Dilemma ist anhand
verschiedener Einzelbeispiele vor allem seit
der Aufklärung immer wieder aufzeigbar,
wo der stürmisch voranschreitende Impetus
wissenschaftlicher Eliten sehr oft mit der ra-
dikalen Absolutsetzung der eigenen Wert-
haltungen und dem festen Willen verbunden
war, durch eine massive politische Einfluss-
nahme auf die als rückständig und schlecht,
jedenfalls aber als unbedingt verbesserungs-
würdig angesehene Wirklichkeit diese nach
Maßgabe der eigenen Ideale zu verändern.
Als hierfür klassische Zeit ist die Epoche der
Französischen Revolution anzusehen, die
zahlreichen bürgerlichen (aber auch adeli-
gen!) Intellektuellen die Chance bot, die zu-
vor im Zeichen der Aufklärung durch 50
oder mehr Jahre gehegten Ideale mit Hilfe
der neu etablierten politischen Systeme
(Convention, Herrschaft von Napoleon etc.)
Wirklichkeit werden zu lassen. Aus soziolin-
guistischer Perspektive ist diesbezüglich das
Schicksal von Henri Grégoire (1750–1831),
seines Zeichens (Revolutions)Bischof von
Blois, exemplarisch, der sich nach 1790
massiv in drei Richtungen engagierte: 1) für
die Ausrottung aller im weitesten Sinn als
„französisch“ anzusprechenden galloroma-
nischen Substandardvarietäten („patois“)
zum einen und aller nicht-französischen
Sprachen zum anderen sowie für die paralle-
le, massive Diffusion des Französischen in
ganz Frankreich, 2) für die bürgerliche
Emanzipation der Juden, 3) für die Freilas-
sung der schwarzen Sklaven in den französi-
schen Überseekolonien. Während man heut-
zutage den beiden letzten Aktivitäten
uneingeschränkt Beifall zollen wird, trifft
dies für die zuerst genannte Zielsetzung –
wenigstens aus der Sicht der mitteleuropäi-
schen Soziolinguistik (wo die funktionale
Mehrsprachigkeit, die multiple Kompetenz
der Sprecher, die kommunikative Pluralität
etc. sehr positiv besetzte Werte sind) – ganz
sicher nicht zu. Vom Standpunkt des abbé
Grégoire und zahlreicher anderer führender
Köpfe der französischen Aufklärung war
aber einerseits die Koexistenz zweier oder
mehrerer Idiome in einem Kopf ein entschie-
denes Manko und andererseits die alleinige
Präsenz des Französischen in diesem Kopf
nicht nur ein Vorteil durch das Faktum des
eliminierten Sprachen„chaos“, sondern vor
allem auf Grund eines geradezu messianisch
anmutenden Glaubens an die intellektuelle,
zivilisatorische und politisch veredelnde bzw.
regulierende Kraft der französischen Spra-
che. Auch dafür findet man zahlreiche vor-
bereitende Stimmen im Verlauf des 18. Jahr-
hunderts (cf. Certeau/Julia/Revel 1975,
passim).
Was nun die Abschätzung der konkreten
Beeinflussung der realen Welt durch wissen-
schaftliches Tun betrifft, so ist im Fall sozio-
linguistischen Forschens die Lage bei wei-
tem nicht so klar wie in den prominenten
Bereichsethiken (Politische Ethik, Rechts-
ethik, Wirtschaftsethik, Ökologische Ethik,
Tierethik, Genethik etc.) Und zwar nicht al-
lein deshalb, weil die Forschungsfolgen im
Bereich der Soziolinguistik oft nur schwer
erkennbar sind, sondern auch, weil deren
ethische Beurteilung bisweilen diffizile Pro-
bleme aufwerfen kann. Unmittelbar auffäl-
lig sind Forschungsfolgen während bzw. bei
der Durchführung sozio-(etc.)linguistischer
Forschungen, wo es um den direkten Um-
gang mit den Gewährs- und/oder Versuchs-
personen geht. In diesem Fall kommen Nor-
men zur Anwendung, die in Soziologie oder
Psychologie wohlerprobt und selbstver-
ständlich sind: vorhergehende Informierung
der Gewährspersonen über die Methoden
und Forschungsziele sowie Einholung von
deren Zustimmung zum Untersuchungsde-
sign, Vermeidung jeglicher Täuschung, kei-
ne versteckten Beobachtungen oder Bild-/
Tonaufzeichnungen, Wahrung der persönli-
cher Integrität und Würde der Versuchs-
oder Gewährspersonen, menschlicher Res-
pekt vor diesen selber bzw. vor ihrer Kultur,
Zusicherung des Anonymats, Beachtung ei-
ner ausbalancierten Schaden-Nutzen-Rela-
tion etc. (cf. dazu z. B. Schuler 1980; Barnes
1977; den Sammelband von Lenk 1991 oder
die weiter oben zitierten Bestimmungen der
Universität Montréal).
Dass es diesbezüglich immer stringenten
Handlungsbedarf geben wird, ist seit dem in
den 70-er Jahren durchgeführten Milgram-
Experiment auch einer breiteren Öffentlich-
keit wohlbekannt (cf. Milgram 1974 und
Lenk/Maring 1991). Eher mittelbar sind
jene Beeinflussungen einzustufen, die sich
aus der Expertenfunktion bzw. aus der „in-
formiert-allwissenden“ Rolle des Soziolin-
guisten ergeben. Das Spektrum der diesbe-
züglichen Möglichkeiten ist relativ breit. Es
reicht von „patriotisch“ induzierten Stel-
lungnahmen und Expertisen von Wissen-
schaftlern zugunsten der eigenen und zuun-
gunsten einer fremden Sprache oder Kultur
97. Forschungsethische Probleme 949
in Krisenzeiten (cf. hier unter 3.2.) – wie das
unzählige Male im Rahmen der diversen
Nationalphilologien vor dem Hintergrund
der bewegten Staatengeschichte des 19. und
20. Jahrhunderts geschehen ist – bis zu ge-
nuin forensischen Expertisen eines soziolin-
guistisch ausgewiesenen Fachmanns, wo-
durch die Rechtssprechung unterstützt und
damit die Verurteilung bzw. Freisprechung
von Menschen ermöglicht wird (cf. Kniffka
2000). Dazu gehören aber auch die Analyse,
Entlarvung und Abwehr rassistischer, xeno-
phober oder sexistischer Diskurse, wie sie im
Rahmen der „Kritischen Diskursanalyse“
betrieben werden. Doch ist dabei auffällig,
dass bislang dazu keine (selbst)kritische Me-
taebene errichtet wurde, von der aus bei-
spielsweise untersucht wird, inwiefern die
zur Abwehr der eben zitierten Diskurse ein-
gesetzten Mittel ihrerseits wissenschafts-
ethisch relevant bzw. einzustufen sind.
3. Ausgewählte Fallstudien
Die in der Folge streiflichtartig vorgestellten
Problemlagen haben nur illustrativen Cha-
rakter; sie schließen im übrigen zum Teil an
die bereits 1988 und 1995 von mir bespro-
chenen Situationen an und ergänzen diese.
3.1. „Ebonics“
„Ebonics“ ist einer der zahlreichen Namen
für das „African American Vernacular Eng-
lish“, also einer Substandardvarietät des
US-Englischen, die von weiten Teilen der
schwarzen Bevölkerung der USA gespro-
chen und von vielen direkt damit Befassten
(Eltern, Schüler, Lehrer) und auch von
Außenbeobachtern als soziales bzw. sogar
kognitives Handikap für den Schulerfolg der
afro-amerikanischen Jugend angesehen
wird. Letztendlich handelt es sich bei diesem
Problemfall um eine popularisierte Spielart
der alten Defizit-Hypothese, bei der sprach-
liche Differenzen sehr eng – und vor allem
kausal – mit sozialen Differenzen verbunden
werden. Im Dezember 1996 hat eine kalifor-
nische Schulbehörde in Oakland angesichts
unübersehbarer Probleme von schwarzen
Schülern beim Erwerb des Standardeng-
lischen beschlossen, deren Alltagsidiom
(„Ebonics“ etc.) dadurch „anzuerkennen“,
als es fortan vom Lehrpersonal im Unter-
richt als Vermittlungssprache verwendet
und somit nicht mehr als tabuisierte bzw.
diskriminierte Sprechweise angesehen wer-
den solle. In der Folge wurden spezielle
Lehrprogramme zur kontrastiven Vermitt-
lung von Ebonics und Standardenglisch er-
arbeitet und in den Unterricht eingebracht.
Unmittelbar darauf (Jänner 1997) hat die
„Linguistic Society of America“ beschlos-
sen, diese Initiative durch eine spezielle Ent-
schließung zu unterstützen, in der unter Be-
rufung auf die internationale linguistische
Forschung sozusagen ex cathedra festge-
stellt wurde, dass Ebonics genau wie allen
anderen Sprachen dieser Welt „systematic
and rule-governed“ sei und unter keinen
Umständen als „slang, mutand, lazy, de-
fective“ bzw. „ungrammatical“ oder gar als
„broken English“ qualifiziert werden dürfe.
Zugleich wurde festgestellt, dass „speakers
of other varieties [als die nationale Mehr-
heitssprache] can be aided in their learning
of the standard variety by pedagogical ap-
proaches which recognize the legitimacy of
the other varieties of a language“. Im Grun-
de handelt es sich bei dieser Causa, die im
Internet zu zahlreichen sehr engagierten
Pro- und Contra-Leserbriefen geführt hat,
um eine indirekte Fortsetzung zum 1977–79
abgeführten Ann Arbor-Prozess, wo eine
analoge schulische Problematik durch ein
Gerichtsgutachten des bekannten Sozio-
und Geolinguisten W. Labov (1982) unter
expliziter Berufung auf ethische Maßstäbe
befördert worden war (cf. auch Baugh
2000).
3.2. Sprache und Landgewinn: das
ˇ
Stokavische als Definiens für die
neuen Grenzen Serbiens
Der Zerfall des Ostblocks (nach 1989) und
jener Jugoslawiens (nach 1991) haben zahl-
reiche Nationalismen und die damit verbun-
denen Irrationalismen freigesetzt, von deren
Existenz die westliche Öffentlichkeit bis zu
diesem Zeitpunkt entweder nichts mehr wis-
sen wollte oder – vermöge einer während der
Zeit des Kalten Krieges sehr flach geworde-
nen Kenntnis der Welt hinter (und neben)
dem Eisernen Vorhang – konnte. Für den in
der Folge vorgestellten Fall kann man in fast
allen der in den 90-er Jahren neu entstande-
nen Staaten analoge Beispielsfälle finden.
Hier geht es um die ethisch eindeutig klassi-
fizierbare Aktion eines auch international
gut bekannten serbischen Linguisten – Pavle
Ivic´ –, der als Mitglied der Serbischen Aka-
demie der Wissenschaften einerseits bereits
1985/86 am Zustandekommen eines poli-
tisch hochbrisanten Memorandums zur
künftigen Entwicklung Serbiens beteiligt
950 VII. Sociolinguistic Methodology
war und andererseits 1991/92 unter Vorbrin-
gung zweifelhafter wissenschaftlicher Argu-
mente dafür plädierte, dass all jene, die in-
nerhalb Ex-Jugoslawiens einen ˇ stokavischen
Dialekt sprechen, eo ipso – d. h. nach der
Gleichung
ˇ
Stokavisch = Serbisch – Serben
seien, und dass somit, da Sprache (= Ser-
bisch) und Territorium (= Serbien) ein un-
trennbares Konglomerat darstellten, die
künftige Nordgrenze des vor allem gegen
Kroatien kriegerisch durchzusetzenden neu-
en Serbiens mit der Nordgrenze des
ˇ
Stoka-
vischen zusammenfallen müsse. Bemerkens-
wert ist – wie Erdmann-Panˇ ci´ c in ihrer 1996
erschienenen Analyse dieser Causa deutlich
gemacht hat – nicht nur, dass die Argumen-
tation von P. Ivic´ auf geistigen Strömungen,
Definitionen und Texten beruht, die schon
in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
akut waren, und dass Ivic´ in der serbischen
Öffentlichkeit für seine „Beweisführung“
die breiteste Zustimmung erfuhr, sondern
vor allem die Tatsache, dass dadurch – er-
neut unter Fortführung älterer Vorstellun-
gen und Programme – die Idee (und spätere
Realisierung) der „ethnischen Säuberung“
durch eine linguistische Fachexpertise ope-
rativ unterstützt wurde. Im vorliegenden
Fall wurden auch sämtliche Standards der
„good scientific practice“ insoferne verletzt,
als sich Ivic´ im Rahmen seiner „Beweisfüh-
rung“ begrifflich weitab von den seit Jahr-
zehnten international etablierten sozio- und
ethnolinguistischen Normen bewegte.
Der hier geschilderte Fall mag als extrem
gelten. Weniger virulente, aber inhaltlich
durchaus vergleichbare Situationen können
in Europa vor allem im Einzugsbereich des
früheren Ostblocks vorgefunden werden. Im
westlichen und zentralen Teil Europas sind
die um die diversen Regional- und Minder-
heitensprachen geführten Diskurse heute in
der Regel deutlich weniger heftig, wiewohl
sich auch hier immer wieder sehr fragwürdi-
ge Schieflagen finden (cf. Skutnabb-Kangas
2000, passim). 1992 wurde vom Europarat
im Wege der Durchsetzung europaweiter
Normen für eine minoritätenfreundliche Po-
litik aller Staaten Europas der Text einer
„Europäischen Charta der Regional- oder
Minderheitensprachen“ beschlossen und den
diversen europäischen Regierungen und
Parlamenten mit der Aufforderung zur Un-
terzeichnung und nachfolgenden Ratifika-
tion übergeben. Beide Schritte wurden zwi-
schenzeitlich – nach z. T. ausführlichen
innenpolitischen Diskussionen – von vielen
(aber bei weitem nicht von allen) Staaten
Europas gesetzt. Nun ist in diesem Zusam-
menhang die „Europäische Sprachenchar-
ta“ deshalb besonders interessant, weil sie
an mehreren Stellen auf den Schiedsspruch
von Experten verweist, den die Streitpartei-
en zwecks Konfliktlösung anfordern sollten.
Wenn also ein soziolinguistischer Experte in
einer solchen Causa sein Parere abzugeben
hat, so sind die damit verbundenen Folge-
wirkungen ganz eindeutig nicht unbeträcht-
lich.
3.3. „The strange case of Sonderführer
Weisgerber“
In den letzten 15 Jahren wurde die wissen-
schaftsgeschichtliche Aufarbeitung der NS-
Zeit massiv vorangetrieben. Anhand der da-
bei zutage geförderten historischen Fakten
hinsichtlich des Verhaltens verschiedener
Linguisten während der NS-Zeit selber und
hinsichtlich deren Umgangs damit nach
1945 wurden kritische Standards erarbeitet,
die auch für die Belange der Forschungs-
ethik relevant sind. Unter den zahlreichen
dabei entdeckten bzw. – soweit nicht schon
vorher bekannt – genauer ausgeleuchteten
Fällen ist die Causa des Indogermanisten,
Germanisten und Keltologen Leo Weisger-
ber (1899–1985) besonders markant. Dies
vor allem deswegen, weil Weisgerber, der
sich in der Zwischenkriegszeit als Keltologe
internationale Notorietät erworben hatte,
nach der deutschen Besetzung Frankreichs
im Jahr 1940 sich massiv in kulturpolitische
Belange der Bretagne (bretonnante) ein-
mischte, wobei er speziellen Wert auf die
Schaffung einer einheitlichen gesamtbreto-
nischen Graphie legte. Er trat dabei als mit
besonderen politischen Vollmachten verse-
hener „Sonderführer“ auf und kam als sol-
cher mit zahlreichen intellektuellen Führern
des bretonischen Autonomismus in Kon-
takt, die bereits vorher wenig freundliche
Gefühle gegenüber dem französischen Staat
gehegt hatten. Er ermunterte diese sowohl in
ihrer antifranzösischen Haltung als auch in
ihren (oft sehr irreal-mythischen) Bemühun-
gen um eine sprachliche und kulturelle
Emanzipation des Bretonischen von der vie-
le Jahrhunderte alten „Bevormundung“
durch das Französische. Er verfolgte damit
einerseits geopolitische Zielsetzungen, die
für das NS-Regime strategische Bedeutung
hatten, und griff andererseits im Sinne älte-
rer, in der deutschen Keltologie gehegter
bzw. entwickelter Vorstellungen von einer
97. Forschungsethische Probleme 951
germanisch-keltischen Ur-Allianz anti-latei-
nischer (bzw. anti-romanischer) Ausprägung
in das (kultur)politische Alltagsgeschehen
der von den deutschen Truppen besetzten
Bretagne ein. Zahlreiche seiner damaligen
bretonischen Gesprächspartner wurden
nach dem Krieg wegen Kollaboration mit
dem Feind zu hohen Strafen verurteilt oder
gingen in die Emigration. In der Bretagne
selber ist die Erinnerung – ob negativ oder
positiv – an Weisgerbers Aktionen heute
noch recht lebendig.
Bemerkenswert ist erneut die Verflech-
tung genuin linguistischen Fachwissens,
mythischer Irrationalität, und eines auf
konkrete (hier: sprachpolitische) Folgen ab-
zielenden außerwissenschaftlichen Aktio-
nismus. Dass dabei das Postulat der Kant-
Weber-Popper’schen Wertfreiheit und jenes
der wissenschaftlichen Verantwortlichkeit
auf der Strecke bleibt, ist evident. Ich frage
mich aber auch hier, ob mit dem bei solchen
Aufarbeitungen immer vorzufindenden fi-
nalen „Verdammungs“-Gestus wirklich all
das gesagt bzw. zur Information der Nach-
welt herauspräpariert wurde, was aus for-
schungsethischer Sicht darin insgesamt ent-
halten ist; cf. dazu zuletzt Hutton 1999,
106–143 und Heinz/Braun 1999.
3.4. Die „Kritische Diskursanalyse/Critical
Discourse Analysis (CDA)“
In meiner Darstellung von 1988 habe ich als
Beispiele für eine „sociolinguistique enga-
gée“ – also eine gegen Machtmissbrauch
und (kultur)politische Ungleichheit auftre-
tende Soziolinguistik – die in Katalonien
und Okzitanien (Südfrankreich) von einhei-
mischen Forschern praktizierten Ange-
wandten Linguistiken (vor allem sozio- und
ethnolinguistischer Ausrichtung) zitiert (cf.
Badia i Margarit 1977 und Lafont 1974).
Zwischenzeitlich hat sich international mit
der CDA ein Forschungsparadigma etab-
liert, das ähnliche Ziele mit viel ausgefeilte-
ren und auch radikaleren Methoden anpeilt.
Einer der prominentesten Vertreter der CDA
definiert diese jüngst so: „Critical Discourse
Analysis is a type of discourse analytical re-
search that primarily studies the way social
power abuse, dominance and inequality are
enacted, reproduced and resisted by text and
talk in the social and political context. With
such dissident research, critical discourse
analysis take explicit position, and thus
want to understand, expose and ultimately
to resist social inequality.“ (van Dijk 2001,
352). Damit verbunden sind die folgenden
acht Forschungspostulate: „1. CDA addres-
ses social problems, 2. Power relations are
discursive, 3. Discourse constitutes society
and culture, 4. Discourse does ideological
work, 5. Discourse is historical, 6. The link
between text and society is mediated, 7. Dis-
course analysis is interpretative and expla-
natory, 8. Discourse is a form of social acti-
on.“ (van Dijk 2001, 353).
Daraus ergibt sich eine klare Positionie-
rung der CDA-Forscher, die mit der ein-
gangs erwähnten Wertfreiheit im Sinne von
Kant, Weber oder Popper nichts mehr ge-
mein hat. Methodisch ist die Arbeitsweise
sehr interdisziplinär; zahlreiche Kernbegrif-
fe wie power, dominance, hegemony, ideology,
class, gender, race, discrimination, interests
etc. stammen ursprünglich von außerhalb
der Linguistik, sind aber seit einiger Zeit –
allerdings nicht in dieser Kompaktheit – Be-
standteile des soziolinguistischen Begriffsin-
ventars. Ein spezieller Schwerpunkt der
CDA ist das Verhältnis von Macht und der
damit angepeilten Kontrolle, welch letztere
sich über Texte, Gespräche und letztendlich
über die Köpfe der Menschen erstreckt. Die
CDA interessiert sich schließlich dafür, wel-
che kognitiven Prozesse in den solcherart
dominierten Köpfen ablaufen, und bemüht
sich, diese vor allem in den Domänen gen-
der, inequality, ethnocentrism, antisemitism,
nationalism und racism aufzuzeigen. Beson-
dere Beachtung wird dabei den zu die-
sen Themen in den Medien, der Politik und
auch in verschiedenen Alltagssituationen
abgeführten Diskursen gewidmet. Histo-
risch gesehen hat die CDA Bezüge zur Kriti-
schen Theorie der „Frankfurter Schule“
(Max Horckheimer [1895–1973], Theodor
W. Adorno [1903–1969], Jürgen Habermas
[1929-]), ist aber in der Substanz in Großbri-
tannien und Australien entstanden und erst
darnach auf die USA und Europa überge-
sprungen. Mit Blick auf das Thema dieses
Beitrags kann gesagt werden, dass die meis-
ten Vertreter der CDA im Grunde zwar mit
klaren moralischen und politischen Vorstel-
lungen zu Werk gehen, sich aber recht wenig
um eine explizite (forschungs- bzw. wissen-
schafts-)ethische Begründung ihrer Tätig-
keit bemühen: cf. z. B. Fairclough 1995; Jä-
ger/Link 1993; Tannen 1994; van Dijk 1993
oder Wodak 1997.
952 VII. Sociolinguistic Methodology
3.5. Deutsche Sprach- und
Kommunikationserfahrungen zehn
Jahre nach der „Wende“
Diese Problematik – die hier mit dem Titel
eines 2001 dazu erschienenen Sammelban-
des bezeichnet wird – involviert forschungs-
ethisch relevante Fragen in den folgenden
Bereichen: Berücksichtigung bzw. Bewusst-
machung der persönlichen Herkunft und
Betroffenheit bzw. von biographisch beding-
ten Vorabeinstellungen der Forscher (hier:
von germanophonen Germanisten) bei der
Wahrnehmung und anschließenden wissen-
schaftlichen Verarbeitung der diesseits und
jenseits der (1989 gefallenen) „Mauer“ exis-
tierenden Sprachunterschiede; Valorisierung
von v. a. identitäts- und perzeptionsspezifi-
schen Differenzen hinsichtlich der kommu-
nikativen Funktion bestimmter situativ, the-
matisch etc. determinierter Sprachstile
(„Situlekte“), sensible Abtönung von Diver-
genz – und Konvergenz-Aussagen zur BRD-
DDR-Deutsch-Problematik in Anbetracht
des weitgehend außer Frage stehenden Hin-
tergrund-„Tabus“ der nach 1945 ungebro-
chen aufrechtzuerhaltenden sprachlichen
Einheit der (deutschen) Nation, Augenmaß
beim Ziehen entsprechender Vergleiche
(z. B. mit dem Schicksal oder der heutigen
Lage anderer politisch geteilter [Kultur]Na-
tionen) etc. Konkret geht es dabei vor allem
um die Hintanhaltung von für die Bewohner
der Ex-DDR und deren sprachliche Belange
subkutan negativen Diskursen bzw. um die
Herstellung einer wissenschaftlichen Ge-
sprächskultur „auf gleicher Augenhöhe“ (cf.
dazu Antos/Fix/Kühn 2001, passim).
3.6. English only – zulässig auch für
Linguisten?
Diese Frage zielt auf den sich derzeit lang-
sam durchsetzenden Trend, global, konti-
nental, national und subnational unter Lin-
guisten – also unter erklärten Fachleuten für
Sprache[n] – immer mehr zur exklusiv ein-
sprachigen (aktiven und passiven) Kommu-
nikation auf Englisch überzugehen. Zugleich
soll hier aber mit Nachdruck festgehalten
werden, dass sich das Problem der sprachli-
chen Form der internationalen Kommunika-
tion bei Naturwissenschaftlern, Ärzten oder
Ingenieuren ziemlich anders als bei Linguis-
ten präsentiert (bzw. präsentieren sollte), bei
welch letzteren Forschungsgegenstand und
Kommunikationsmedium immerhin mitei-
nander identisch sind bzw. sein können. Es
wird hier weiters unterstellt, dass Sprachwis-
senschaftler eine größere Verantwortung für
alles Sprachliche tragen als beispielsweise
Chemiker. Damit ist die Verantwortung von
Linguisten für die Erhaltung der Glottodi-
versität (cf. dazu Skutnabb-Kangas 2000,
63f.; Calvet 1974 oder die eingangs [1.] zitier-
ten Initiativen GBS und DOBES) dieser Welt –
in Analogie zu jener von Biologen für deren
Biodiversität (cf. Lee 1998) – angesprochen.
Die Alltagserfahrung eines jeden Sprach-
wissenschaftlers zeigt, dass im Publikations-
wesen der „Linguistik“ – verstanden als
Obermenge für die Allgemeine und Ange-
wandte Sprachwissenschaft sowie für zahl-
reiche partikuläre Philologien und Einzel-
linguistiken (wie Romanistik, Slawistik,
Germanistik, Orientalistik, Keltologie etc.) –
eine im 19. und frühen 20. Jahrhundert auf-
gekommene Vielfalt an Publikationssprachen
langsam aber stetig vor der Dominanz des
Englischen zurückweicht (cf. z. B. Ammon
1998), sowie dass parallel dazu allem An-
schein nach auch die Breite der effektiven
Sprachenkenntnisse der Linguisten im welt-
weiten Durchschnitt zurückgeht. Es mag
sein, dass daran die Imitation US-amerikani-
scher Kommunikationsnormen beteiligt ist.
„Learning dominant languages additively, in-
cluding English for everyone, is OK. It is sub-
tractive dominant language learning (where
for instance English is learned at the cost of
the mother tongues, not in addition to them)
that kills other languages.“ (Skutnabb-Kan-
gas 2000, XXXIII). Dieses allmählich viru-
lent werdende Defizit wirft zahlreiche auch
ethisch relevante Probleme auf. In grober
Vereinfachung lässt sich die anstehende Pro-
blematik durch drei Argumente beleuchten:
durch ein historisches, ein kognitives und ein
professionelles Argument.
1) das historische Argument: alle (west)eu-
ropäischen Großsprachen sind im Wege einer
langsamen, aber bewussten Abkehr der
schreibkundigen Eliten von der früheren la-
teinischen Einschriftigkeit durch einen pro-
grammatisch vorangetriebenen Ausbau ihrer
grammatischen, stilistischen, lexikalischen
und textologischen Potentiale entstanden.
Die damit verbundenen Kulturleistungen
sind unschätzbar groß; sie haben zur Berei-
cherung der betreffenden Sprachgruppen so-
wie der übrigen Welt beigetragen und werden
somit zu Recht in den einschlägigen Sprach-
geschichten entsprechend laudativ hervorge-
hoben. Doch damit nicht genug: das bei
„alten“ Großsprachen wie z. B. Deutsch,
97. Forschungsethische Probleme 953
Französisch oder Englisch seit dem Hoch-
und Spätmittelalter entfaltete Bemühen um
Sprachausbau kann auch heute – d. h. vor
unser aller Augen – bei praktisch all jenen
Kleinsprachen beobachtet werden, deren
Träger sich nach Maßgabe ihrer jeweiligen
politischen, demographischen oder mate-
riellen Möglichkeiten nicht auf die (Mit)Be-
nützung einer fremden (vollausgebauten)
Dachsprache beschränken wollen, sondern
vielmehr auf den proprialen Sprachausbau
und dessen Popularisierung bzw. Diffusion
innerhalb der eigenen Sprachgruppe hinar-
beiten. Durch die (direkte oder indirekte)
Vernachlässigung der im Zuge solcher Sprach-
und Kulturausbau-Aktivitäten geschaffenen
patrimonia linguistica entstehen zahlreiche
Probleme, die unter anderem auch ethisch
relevant sind. Dabei unterstelle ich in diesem
Zusammenhang, dass Sprachwissenschaft-
ler eher als beispielsweise Physiker imstande
sind, diese Probleme zu erkennen und da-
raus die nötigen Konsequenzen zu ziehen.
2) das kognitive Argument: alle Sprachen
sind Träger spezieller Weltbilder und zu-
gleich Speicher des gesamten dazugehören-
den Wissens (cf. Gumperz/Levinson 1996
passim). Durch Vernachlässigung oder glat-
te Ignoranz von Sprachen (vonseiten Frem-
der oder gar der eigenen Sprecher) wird der
Zugang zu diesen Weltbildern und Wissens-
schätzen verstellt. Wer als Linguist heutzu-
tage nur Lesekenntnisse aus Englisch hat,
wird beispielsweise nicht imstande sein, die
volle Spannweite der Entwicklung der euro-
päischen Sprachwissenschaft im 19. Jahr-
hundert zu verstehen, als Deutsch und Fran-
zösisch gerade für Philologie und Linguistik
zu Wissensspeichern allerersten Ranges ge-
worden sind, die zusätzlich durch zahlreiche
historisch, philosophisch und ideologisch
relevante Komponenten angereichert wur-
den. Da zudem unbestritten ist, dass Spra-
chen ihre Weltbild- und Memoria-Funktion
nur dadurch aufrechterhalten können, dass
sie verwendet (d. h. gesprochen, verstanden,
geschrieben oder gelesen) werden, ergibt
sich ein weiterer ethisch relevanter Stimulus
für ein verstärktes Engagement der Linguis-
ten zugunsten einer lebendigen Sprachen-
vielfalt (d. h. vor allem in ihren eigenen
Köpfen und auch in ihrer Berufswelt).
3) das professionelle Argument: die alltäg-
liche Lektüre von linguistischen Fachtexten
in einem halben Dutzend Groß- und etli-
chen Kleinsprachen ist ohne jeden Zweifel
für jeden Sprachwissenschaftler ein vortreff-
liches Fachtraining. Der praktische Um-
gang mit Sprachen (ob aktiv oder passiv, ge-
lesen oder gesprochen) ist nicht nur für
Sprachschüler, sondern auch für Linguisten
eine conditio sine qua non bzw. sollte dies –
ethisch betrachtet – wenigstens sein. Im üb-
rigen haben die Linguisten eine zusätzliche
Sonderverantwortung für ihre eigene Erst-
oder Muttersprache. Als Gegenargument
hört man oft, dass sich Linguisten vor allem
deshalb nur mehr des Englischen bedienten,
„um international wahrgenommen“ zu wer-
den. Aus ethischer Perspektive kann das fol-
gendermaßen beurteilt werden: wer so
denkt, schätzt den Umfang dieses individu-
ell wirksamen Nutzens höher ein als jenen
des kollektiv relevanten Schadens, der lang-
fristig aus der Nichtbenützung einer altetab-
lierten nicht-englischen Wissenschaftsspra-
che entstehen könnte. Im übrigen zeigen
sziento- und bibliometrische Beobachtun-
gen immer wieder, dass zwischen der von
den Autoren wissenschaftlicher Texte er-
hofften Breitenwirkung ihrer Produkte und
deren tatsächlicher Rezeption ein tiefer Gra-
ben klafft, und zwar ziemlich unabhängig
von der verwendeten Publikationssprache.
Oft findet ein (durchaus hervorragender)
Artikel im Durchschnitt nur eine Handvoll
Leser. Auf eine durch die Verarmung der Le-
sekompetenzen der Fachkollegenschaft re-
duzierte Breite von deren Fachkompetenz
kann als nächster Schritt das Vergessen und
damit Verschwinden weiter Sektoren von
(unter großen Mühen) bereits erarbeitetem
Wissen folgen. Dadurch entstehen einsichti-
gerweise materielle und immaterielle Kosten
der verschiedensten Art, die natürlich eben-
so ethisch bewertbar sind. Zwar mag es ku-
rios klingen: doch offenbar sollte die Emp-
fehlung der EU, dass jeder ihrer Bürger
neben seiner Muttersprache und dem Engli-
schen mindestens noch eine weitere Fremd-
sprache „beherrschen“ möge, eindrücklich
gerade den Linguisten in Erinnerung geru-
fen werden (cf. Gerechtfertigte Vielfalt 1988
und English only? in Europa/in Europe/en
Europe 1994).
4. Schlussfolgerung
Die am Ende meines Beitrags von 1988 prä-
sentierte „Zusammenfassung“ hat nichts
von ihrer damaligen Aktualität verloren: ich
resümiere daher in der Folge erneut deren
Quintessenz. Da im Sinne der Lehre Kants
die Soziolinguistik wie jede Wissenschaft
954 VII. Sociolinguistic Methodology
durch eine Menge individuell und/oder sozial
verankerter traditioneller Vorprägungen,
Einstellungen und Wissensinhalte konditio-
niert ist, sollte sie ihre Erkenntnis-, Theorie-
und Handlungsfähigkeit durch die Entwick-
lung und Schärfung ihres Problembewusst-
seins für ethische Aspekte erweitern. Es sollte
eine retroaktiv wirksame Spirale in Gang ge-
setzt werden: 1) höheres ethisches Problem-
bewusstsein, 2) höhere intellektuelle und
pragmatische Akzeptanz ethischer Probleme,
3) höheres Verantwortungsbewusstsein der
Wissenschaft gegenüber dem eigenen Tun. Es
kann dies im innerwissenschaftlichen Bereich
und an der Schnittstelle zwischen der Sozio-
linguistik und der von ihr beobachteten Rea-
lität geschehen. Zu hoffen wäre, dass eine
Schärfung des Problembewusstseins der So-
ziolinguistik in der hier geforderten Art zu-
sätzlich eine Vertiefung des wissenschafts-
historischen Bewusstseins zur Folge hat.
Allerdings wäre – in Anspielung auf den im
Rahmen der Ökologie zwischenzeitlich aus-
führlich diskutierten Problemfall der „tech-
nokratischen Illusion“ – vor einer unbe-
dacht-voreiligen Weltverbesserei im Sinne
einer „glottokratischen Illusion“ zu warnen,
deren Problematik eingangs am Beispiel des
französischen Revolutions-Bischofs Henri
Grégoire aufgezeigt worden war.
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in the construction of social identity? Such
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searcher begins to develop an approach to
answering them. Particular languages or lin-
guistic forms are specified as are the individ-
uals or groups among whom they will be in-
vestigated. From this point, the researcher
98. Research Aims and Methodology
Forschungsziele und Methodologie
956 VII. Sociolinguistic Methodology
decides on procedures to be followed in
carrying out the investigation. Thus, the
methods adopted in a given study flow more
or less directly from the research aims (for a
detailed discussion of the stages in the re-
search process see art. 101). This statement,
however, presents the process as deceptively
straightforward. In fact, the researcher’s
task is complicated by the fact that answers
to a given research question can be sought in
myriad ways. In choosing among the various
approaches, researchers must bear in mind
the implications of the available methods
and ground their decisions in a defensible
theoretical framework.
This chapter explores dimensions of the re-
lationship between research aims and
methods. The objective is to illustrate how
decisions at various stages of the research
process are guided by theoretical interests
even when those interests must be tempered
by practical concerns. The basic model of the
research process that is assumed here clearly
does not apply across the entire diversity of
approaches practiced under the banner of so-
ciolinguistics. Nevertheless, the general issues
raised are intended to be relevant to socio-
linguists working in a variety of paradigms.
One characteristic of sociolinguistic re-
search that distinguishes it from work in
many other subfields (e.g., generativist syn-
tax and phonology) is the nature of the data
considered. Sociolinguists generally take as
the object of their analysis data collected
empirically rather than data constructed on
the basis of intuition. This commitment
typically entails finding subjects who can
serve as sources, collecting useful data from
these subjects, and applying appropriate
analytical tools to make sense of the observ-
ed data (cf. art. 95). In the following sec-
tions, I explore some of the methodological
choices presented at each of these stages.
The chapter concludes with a comparative
examination of two case studies.
2. Speaker sampling
Operating on the fundamental assumption
that language must be considered in its so-
cial context, sociolinguists pay careful atten-
tion to the question of whose language is
being investigated. The conclusions that the
researcher can draw depend greatly on the
speakers studied, and the connectedness of
research aims and methods is perhaps no-
where more clear than in the construction of
a speaker sample. I will use ‘speaker’ as a
general term for research subject acknowl-
edging the fact that investigators might be
interested in linguistic elements other than
speech (e.g., written usage, nonverbal com-
munication, language attitudes).
The need for sampling arises (cf. art. 103)
from the practical constraints we face in in-
vestigating the questions of broad theoretical
interest that drive our research. Even the
most ambitious (and best-funded) studies
cannot gather data from every relevant speak-
er. In this sense sampling is an issue with
which all researchers must come to terms.
In constructing a sample, questions of rep-
resentativeness are always of fundamental
concern. The strength of a sample depends
on the extent to which it can be said to be rep-
resentative of some larger population. The
goal is a sample that accurately reflects the
range of characteristics found in the broader
group. For this reason, the challenge of at-
taining a representative sample grows in pro-
portion to the size and heterogeneity of the
population about which one wishes to gen-
eralize (see further art. 102; Hatch/Farhady
(1982); Seliger/ Shohamy (1989)).
The standard social scientific response to
such a challenge is to adopt formal pro-
cedures for random sampling. Early sociol-
inguistic projects such as Labov’s New York
City study and Shuy/Wolfram/Riley’s Det-
roit work followed that model. At the time,
these pioneering efforts represented a tre-
mendous step forward from earlier dialecto-
logical research in terms of the social range
of speakers who were sampled. Neverthe-
less, such projects illustrate the difficulty of
applying random sampling to this style of
investigation which relies on relatively time-
consuming face-to-face interviews for data
collection. It can be a significant challenge
to find subjects willing to sit for an interview
of 1–2 hours using strict random sampling;
moreover, the analysis of the conversational
data gathered in such interviews can take
10 times as long. It is perhaps not surprising
that although the Detroit researchers con-
ducted an impressive 702 interviews, due to
data-handling constraints they selected a
much smaller sample, 60, on which to base
their analysis. Similarly, for much of his
analysis, Labov drew on data from 81 speak-
ers, a sample pared down an original group
of 340 subjects.
Random sampling (cf. art. 99) is today
rarely used in sociolinguistic research except
98. Research Aims and Methodology 957
in macro-level survey projects (e.g., the
Hungarian National Sociolinguistic Survey
(see Kontra 1995). Most investigators em-
ploy instead some form of quota or judg-
ment sampling. In this approach the re-
searcher typically determines in advance the
social characteristics to be investigated and
structures a sample accordingly. So, for
example, a researcher who wishes to exam-
ine both gender- and class-based variation
might seek equal numbers of males and fe-
males representing the working and middle
classes. Subjects who fit the categories of in-
terest are recruited until the predetermined
quotas are met. The investigator obviously
has much greater control over the sampling
process in this situation than when random
sampling is employed – a fact that rightly
raises questions about the potential for re-
searcher bias. To combat the threat of bias,
the researcher must be careful to make prin-
cipled decisions and to demonstrate that the
judgments made are justified by the aims of
the study.
By way of illustration, we can consider
three studies that incorporate different ap-
proaches to sampling the same social vari-
able: age. Speakers differing in age are com-
monly sampled in studies of language
change as a means of gaining some perspec-
tive into apparent time. One such example is
Britain’s (1992) investigation of the inton-
ational feature known as the high rising ter-
minal contour (HRT) in New Zealand Eng-
lish. This feature had been examined in
other dialects, including Australia, but had
not been extensively studied in New Zeal-
and. In order to establish the general social
distribution of HRT, Britain needed to in-
vestigate a fairly broad range of speakers.
He collected data from speakers represent-
ing three generations aged 20–29, 40–49,
and 70–79, and his results showed a steady
increase in the use of HRT across the gener-
ations. The structure of his sample thus
allowed him to establish that HRT is a
change in progress.
A rather different situation obtained in
the case of my research in the state of Michi-
gan (Gordon 2001). This study investigated
the Northern Cities Shift, a pattern of sound
change affecting 6 vowels and heard across
the northern U.S. Unlike HRT in New Zeal-
and, the Northern Cities Shift was fairly
well established to be a change in progress in
this dialect. Therefore, a broad continuum
of speakers in terms of age was not felt to be
necessary. I structured my sample to include
two generations: adolescents (16–18 years)
and middle-aged speakers (40–55 years).
The objective was to compare two clearly
separated groups. While the chronological
difference between these groups is not as
great as if elderly speakers had been examin-
ed, they were predicted to demonstrate the
greatest contrast in terms of their speech be-
havior. Adolescent speech is typically most
innovative as this group seems to play a
critical role in the advancement of language
change. By contrast, the speech of middle-
aged adults is often found to be more con-
servative even than that of older speakers
owing to the demands of the linguistic mar-
ketplace in which working adults participate
(see Chambers 1995).
In structuring their samples, researchers
may also be motivated by circumstances that
are more local as was Hazen (2000) in his
study of grammatical variation among resi-
dents of a rural North Carolina county.
Hazen sought to examine cross-generational
changes, but his principal concern lay with
the linguistic construction of ethnic identity.
He sampled European-, African-, and
Native-American subjects and stratified the
sample according to age. Still, in this he was
guided by his focus on ethnicity. Rather than
using more arbitrary chronological distinc-
tions, Hazen divided his subjects according
to whether they had gone through the public
schools before, during, or after the period of
racial integration that began in the 1960s.
The transition from segregated to integrated
schools was a powerful event shaping ethnic
relations in this community (as elsewhere).
For this reason, constructing a sample that
was sensitive to the historical context of-
fered Hazen more concrete explanations of
changes suggested by the data.
These examples illustrate some of the
ways in which methodological decisions
about sampling are guided by the goals of
the project. Each of these cases sought to
uncover sociolinguistic patterning in the
usage of particular linguistic features and
constructed a sample that accomplished that
aim. It is probably true that some social
scientists, including some sociolinguists,
may discount approaches like these that do
not employ random sampling. Still, if ran-
dom sampling had been done in these cases,
it is not clear that the picture of the sociol-
inguistic situation to emerge would have
been any richer or even as rich.
958 VII. Sociolinguistic Methodology
Regardless of the procedures used, what is
crucial is that researchers be careful in mak-
ing generalizations on the basis of their
samples and that they provide details about
their sampling procedures in published re-
ports so that others can judge the validity of
the claims. When writing these reports, re-
searchers should attend to what Johnstone
(2000) calls the “grammar of particularity”
and clearly distinguish particular observa-
tions from generalized speculations (e.g.,
“The men in this study interrupted more
than the women in these conversations” vs.
“Men interrupt more than women in conver-
sation”).
3. Data collection
Prefacing any decisions about data collec-
tion is the question of which kinds of data
will be most useful, and like all questions of
method it can only be answered by consider-
ing the general aims of the project. The
variety of linguistic data of interest to so-
ciolinguists is great as are the methods em-
ployed for collecting them. Discussed here
are examples of several approaches though
no attempt is made to represent the wide
range of current methods.
3.1. Surveys
One approach familiar to many branches of
social science is the survey (cf. art. 101; 106).
In linguistic research, surveys are perhaps
best known from the work of dialect
geography. We can distinguish two basic ap-
proaches to surveying based on their admin-
istration. Some surveys are of the question-
naire type and are typically distributed in
written form and completed by the respon-
dents and returned to the investigator.
Others are administered directly either in
person or over the telephone by the investi-
gator or fieldworker.
Survey methods (cf. art. 103) offer an ex-
tremely efficient means of gathering data
from a large sample of respondents in a
relatively short amount of time. Neverthe-
less, they do present certain restrictions on
the researcher. A major limitation stems
from the fact that survey questions are pre-
pared in advance. The investigator needs to
have a good sense of which issues will be rel-
evant for the surveyed population. For
example, in studying language choice, a sur-
vey that asks respondents which language
they use in particular contexts (e.g., in the
home, in the classroom, with their doctor) is
more likely to produce useful results than
one phrased more generally (e.g., when do
you speak Spanish?).
As an explicitly metalinguistic procedure,
surveys also impose limitations on the kinds
of data they can gather. One rather obvious
point here is that respondents can provide
information only about things of which they
are aware. So, for example, a researcher in-
terested in pronunciation could examine fea-
tures involving relatively clear-cut choices
(e.g., Does your pronunciation of route
rhyme with boot or with bout? Do cot and
caught sound the same to you or different?).
Features involving more subtle – often sub-
phonemic – distinctions may be harder to
examine at least through a written question-
naire.
Moreover, it is well known that speakers
do not always accurately assess their own
usage, particularly as regards socially
charged features. Recall Trudgill’s Norwich
research (1972) in which he found women
tended to misreport their own speech as
being closer to the standard usage while men
tended to misreport theirs as closer to the
local vernacular. Responses to direct ques-
tions about usage cannot, therefore, auto-
matically be taken at face value. By the same
token, surveys can be profitably employed in
the study of language attitudes and stereo-
types. For example, Dubois/Melaçon (2000)
examined attitudes regarding the relation-
ship between Creole identity and language
use in Louisiana using a questionnaire ad-
ministered by fieldworkers.
Surveys generally seek categorical re-
sponses, and, thus, are not useful instruments
in the examination of stylistic contrasts or
other kinds of intraspeaker variation. Re-
spondents might be asked which of several
forms they use; if they use different forms to
different degrees in different social or lin-
guistic contexts, such details are not easily
captured in a survey. Investigators can en-
courage multiple responses by using more
open-ended questions (e.g., what word(s) do
you use for X), but respondents cannot be re-
lied on to describe the relative frequency of
use of alternative forms or stylistic differ-
ences among them.
Despite their limitations, surveys can be a
valuable technique for sociolinguists. They
are well-suited to macro-level research in-
cluding studies of societal bi-/multilingual-
ism. In one recent example, Dakubu (2000)
98. Research Aims and Methodology 959
reports on survey projects investigating
changing patterns of language use in Ghana.
Surveying has also been profitably em-
ployed in recent projects examining the
status of particular linguistic features. For
example, Chambers (1994; 1998) has di-
rected a project that surveys the Golden
Horseshoe region of Canada (near Toron-
to). This study employs a written question-
naire containing 76 items investigating mor-
pho-syntactic, lexical, and phonological
variables. In form, this survey resembles
those employed by dialectologists. It in-
cludes, for example, labeling questions (e.g.,
“What do you call the upholstered piece of
furniture that two or three people sit on in
the living room?” as well as some forced-
choice type (e.g., “The little devil sneaked/
snuck into the theatre”). The project differs
from traditional dialectology, however, in
that it seeks a broad social range of respon-
dents. The survey contains 11 questions
covering demographic information includ-
ing age, sex, occupation, and education, and
this information plays a central role in the
analysis.
Surveys can serve as an efficient instru-
ment when the aim is to gather a relatively
circumscribed set of data from a large
number of people. It is fitting that Chambers
refers to his approach as “dialect topogra-
phy” since it produces “a description of sur-
face features” (1994, 36). Such studies can
serve to highlight issues to be pursued in fol-
low-up, micro-level research.
3.2. Participant observation
In terms of the level of interaction between
the researcher and the subjects, participant
observation (cf. art. 106) lies at the far end
of the continuum from survey methods. Par-
ticipant observers seek to become members
of the communities they investigate in order
to gain insight into local practices and
norms. Traditionally associated with eth-
nography, participant observation is an ap-
proach that seems to be gaining in popular-
ity among sociolinguists (see also art. 106).
Eckert’s (2000) study of a Detroit-area
high school, which I discuss below, has been
an influential example of an ethnographic ap-
proach to sociolinguistic research. Sharing
this orientation but utilizing quite different
methods of investigation is the work done on
Ocracoke, an island community off the coast
of North Carolina. The sociolinguistic inves-
tigation of Ocracoke has been an on-going
project for nearly a decade under the direc-
tion of Walt Wolfram (see e.g., Wolfram/
Hazen/Schilling-Estes 1999). Throughout
this period, a number of fieldworkers have en-
gaged in data collection, making repeated vi-
sits to the community and staying for up to
two weeks at a time. It is unusual for partici-
pant observation to involve several field-
workers, though this community seems to
have become accustomed to the presence of
researchers (and their tape recorders) and
new faces fit into established roles. The fact
that the fieldworkers are students or associ-
ates of Wolfram, who has developed a strong
rapport with the islanders, also serves to en-
sure their goodwill.
One of the benefits of participant obser-
vation is the wealth of data this approach
produces. In the Ocracoke case, the long-
term nature of the project has allowed the
researchers to record hundreds of hours of
speech representing a wide range of con-
texts. In many cases the same individuals
have been recorded in situations varying
from relatively formal interviews with un-
familiar fieldworkers to free-form conver-
sations with fellow islanders. Among many
other things, these materials have inspired
intriguing reexaminations of the nature of
stylistic variation (see below).
The other significant benefit of conduct-
ing participant observation stems from the
depth of insight one gains into the commu-
nity under study. Here the goal is to access, at
least to some degree, local knowledge, or, as
the Ocracoke team states “to understand the
sociolinguistic dynamics of the community
from the perspective of the community
itself ” (Wolfram/Schilling-Estes 1996, 106).
Local knowledge expands researchers’ ex-
planatory possibilities by leading them
beyond the usual macro-social categories
like age, sex, and socioeconomic class. On
Ocracoke, for example, the investigators en-
countered a network of men who meet regu-
larly to play poker. While these men come
from different educational backgrounds and
have varying degrees of contact with non-
islanders, they share a “strong belief in the
positive value of being true islanders” (Wolf-
ram/Schilling-Estes 1996, 106). Given these
facts, it is not surprising that the speech of
these men displays strong use of traditional
vernacular features. Nevertheless, their lin-
guistic similarity might seem anomalous to
an investigator armed only with the usual
demographic profiles of these men.
960 VII. Sociolinguistic Methodology
Given the tremendous demands partici-
pant observation places on the researcher’s
time and energy (cf. art. 106), it clearly is not
suited to all situations. It works best when
examining fairly small, well-delineated com-
munities. Such communities are typically
difficult for outsiders to approach and may
not be accessible through other methods.
Researchers should also bear in mind that as
an ethnographic endeavor, participant ob-
servation is essentially exploratory. It serves
different aims than those guiding survey re-
search. As Eckert explains, “Rather than
testing hypotheses against predetermined
categories, ethnography is, among other
things, a search for local categories. Thus
while survey fieldwork focuses on filling in a
sample, ethnographic fieldwork focuses on
finding out what is worth sampling” (2000,
69).
3.3. Interviews
Interviewing is probably the most com-
monly used method of collecting socioling-
uistic data (see also art. 107). Like survey-
ing, it is a technique familiar in sociology
and related fields. However, the socioling-
uistic interview is unique in that the investi-
gator is typically as interested in the form as
in the content of the interviewee’s responses.
In most cases, the principal purpose of the
sociolinguistic interview is to produce ex-
tended stretches of unscripted speech. Inter-
viewing is, thus, similar to participant obser-
vation in terms of the linguistic data sought.
However, in terms of the actual event – often
a question-and-answer session – interview-
ing can resemble a survey administered by a
fieldworker.
Traditionally the type of speech of grea-
test interest to sociolinguists has been the in-
formal, everyday, conversational style which
Labov (1972) labels “the vernacular.”
Nevertheless, the interview is not an instru-
ment particularly well suited to eliciting this
style of speech (see further Milroy/Gordon,
2003). On this point, two issues deserve brief
mention. First is the observation that in
most cases the interviewer is an outsider to
the community under study and thus a
relative stranger to the interviewees. This is
problematic because conversations among
strangers typically have a more formal tone.
Secondly, the structured nature of the inter-
view as a speech event is not conducive to
free-flowing conversation. The model of the
interview is one familiar to most people (at
least in Western society). In this model, the
topics are set by the interviewer who asks
questions, and a cooperative interviewee
gives clear and concise responses to those
questions. This structure would seem to in-
hibit rather than elicit the kind of speech
sought by sociolinguists.
A number of techniques have been devel-
oped to counteract the formalizing effects of
the interview format. One strategy attempts
to produce emotionally charged responses.
A well-known example is Labov’s “danger
of death” question (1972) which asks inter-
viewees to recount situations in which they
feared for their lives. Similarly, the Ocracoke
researchers had subjects tell ghost stories.
Another strategy involves changing the
dynamics of the usual one-on-one interview.
This can be accomplished by using teams of
interviewers, an approach taken by the
Ocracoke project. Alternatively, the subjects
can be interviewed in groups. Group
sessions allow the researcher to record the
subjects speaking to each other rather than
just to the less familiar interviewer. Fur-
thermore, the peer pressure imposed by the
group helps ensure more natural speech; in-
dividuals are likely to feel constrained to
act, and of course speak, normally and to
avoid the appearance that they are putting
on airs for the interviewer (Nordberg 1980).
Given such problems, the interview is
most often not the ideal method of collect-
ing sociolinguistic data. However, it offers
tremendous practical advantages over time-
consuming ethnographic approaches like
participant observation. If the research aims
call for samples of conversational speech, in-
terviewing offers a good compromise. More-
over, we should not underestimate the
amount of ethnographic information that
can be gleaned from sociolinguistic inter-
views. Interview questions are certainly de-
signed to get the subjects to talk, but they
are also used to provide insight into the so-
cial dynamics of the community and the
subject’s role in it. In my interviews with Mi-
chigan adolescents, for example, I asked
about the kinds of activities and groups they
participated in as well as about the general
social structure of their high schools. This
information proved useful in understanding
some of the linguistic patterns I observed as
my analysis could draw on social distinc-
tions uncovered in my questioning (see
further Gordon 2001). The popularity of the
interview in sociolinguistic research is no ac-
98. Research Aims and Methodology 961
cident; it is a flexible instrument that offers a
convenient means of gathering data suitable
for a range of research purposes.
4. Data analysis
Data do not speak for themselves; every set
of data requires some degree of analysis to
make it meaningful. Unlike during the sam-
pling and data collection stages, the re-
searcher engaged in analysis is generally
more conscious of the influence of theory on
methods. We recognize that our theoretical
goals govern to a large extent which aspects
of the data we examine and how we pursue
those examinations (cf. art. 99; 100). In this
section I illustrate how theory can influence
analytical methods by considering research
in two areas: style shifting and phonological
variation (for a more comprehensive dis-
cussion of data analysis see art. 120).
Until recently, theories about how and
why speakers shift their usage between dif-
ferent styles or registers had not received
nearly as much attention as theories about
interspeaker distinctions. In North America
and elsewhere, Labov’s (1972) “attention to
speech” model was very influential. This
model proposed a stylistic continuum from
casual to careful speech based on the degree
of the speaker’s self-consciousness. Thus,
speakers pay little attention to their usage in
an informal conversation in contrast to a
more formal task like reading aloud a list of
words. Labov’s model has been criticized as
overly simplistic and rightly so. Nevertheless,
it was developed to serve the general goals of
Labov’s research. Style shifting was investi-
gated in order to shed light on the larger pat-
terns of sociolinguistic variation and change.
In this sense, evidence of stylistic variation
was more of an analytical tool than an object
of analysis in its own right.
Several recent studies have altered that
focus to explore directly the motivations
that influence style shifting. Schilling-Estes
(1998) presents such an exploration in her
study of the speech of an Ocracoke native
named Rex O’Neal. She analyzed nearly
4 hours of conversations with O’Neal. This
choice of materials for analysis signals an
aim distinct from Labov’s. In Labov’s work,
style shifting is controlled during data col-
lection by engaging the subjects in different
tasks (e.g., answering questions, reading
from wordlists) whereas Schilling-Estes is
interested in the more naturalistic shifting
that appears over the course of a conver-
sation.
Much of Schilling-Estes’ treatment con-
cerns O’Neal’s use of “performance speech”
in which he puts on a display of the local
dialect. While such consciously constructed
speech has often been dismissed by sociol-
inguists in favor of the “true” vernacular,
Schilling-Estes argues that it displays regu-
lar patterning. More importantly, the ap-
pearance of performance speech in these
conversations raises questions about the na-
ture of style shifting. Previous models, in-
cluding Labov’s, have viewed shifting as a
reactive process – speakers adjust their style
in response to aspects of the situation (e.g.,
the task, the audience). In the conversations
with O’Neal, however, the context remains
more or less constant. Schilling-Estes argues
that O’Neal’s shifts into performance speech
are done as a proactive move: “He has a
choice as to how he wishes to appear … and
he opts to assume the role of the quintessen-
tial quaint islander” (1998, 75).
For our purposes, Schilling-Estes’ study
is significant as an illustration of the value
of applying a fresh analytical perspective to
a problem. She looked for style shifting in
contexts where previous models suggested it
should not appear, and she chose to examine
a form of speech that other analysts might
disregard.
As a second example we may consider a
more technical aspect of data analysis, one
taken from the study of phonological vari-
ation. Researchers in this area deal with two
basic types of variables. Some involve alter-
nations between two or more apparently dis-
crete forms. Cases of segment deletion, such
as “h-dropping” in British English, are of
this type. Other variables display a more con-
tinuous pattern in which pronunciations
seem to range across some dimension of pho-
netic space. This is often the case with vo-
calic variables where a vowel is fronted,
backed, raised or lowered to varying degrees.
For the analyst seeking to assess a given
speaker’s usage, quantitative methods can
serve in both cases. With discrete variables,
the researcher simply counts the number of
times each form appears and typically re-
ports the results as percentages. With con-
tinuous variables, the analytical process is
more complicated. One option that is in-
creasingly popular especially in the U.S. is to
apply instrumental acoustic techniques (see
Milroy/Gordon (2003) for a critical assess-
962 VII. Sociolinguistic Methodology
ment). I wish to focus here on a more tradi-
tional, but still useful approach that relies
on usage indices.
A usage index serves to rank a speaker’s
pronunciation on the phonetic continuum
displayed by the variable under investi-
gation. To clarify how this technique works
we can consider an example related to the
Northern Cities Shift, a pattern of vowel
change mentioned earlier. One of the vowels
affected by this shift is // which undergoes
raising. In my analysis of this vowel, I con-
structed a classification of variants that in-
cluded the conservative form [], and three
raised forms [], [ε], and [ε]. Each of this
forms was assigned a value from 0 for [] to
3 for [ε]. I classified about 50 tokens of //
for each speaker according to this system,
and a usage index was calculated by averag-
ing across these tokens. These indices, thus,
provided a measure of how often and how
high a speaker shifted the vowel; an index
near 0 indicated a conservative speaker, and
an index closer to 3 indicated a speaker who
consistently produced the most extreme
forms. Such indices allow for easy cross-
speaker comparisons.
My approach was by no means novel;
Labov used similar techniques in his New
York City study. Still, it is essential to recog-
nize some of the assumptions involved in
this analysis. The researcher must break up a
phonetic continuum into a series of points
(variants) and judge the speaker’s produc-
tion according to this classification. In this
way, the continuous variable is treated like a
discrete one. There is, however, a crucial dif-
ference in that for the continuous variable,
the analysis assumes a linear relationship
among the variants. Measuring speakers’
usage along a scale like that described above
implies that the variation occurs in a single
dimension. More significantly, it implies
that the social evaluation of the variation
can be mapped onto the same scale. In the
case of //, then, this treatment assumes that
[ε] is evaluated by community members as
more extreme than [ε] in terms of whatever
social meaning it bears, and that [ε] is evalu-
ated as more extreme than []. While this in-
terpretation may be appropriate in cases of
sound changes of this type, it can be prob-
lematic in other instances.
An alternative approach rejects the as-
sumption that the variants of a given vari-
able operate in a single sociolinguistic di-
mension. Watt/Milroy (1999) illustrate this
approach in their study of /o:/, the vowel of
goat, in the northern English city of New-
castle. The authors distinguish four variants
of this variable: a long monophthong [o:], a
closing diphthong [oυ], a centering diph-
thong [υə], and a fronted long mono-
phthong [ɵ:]. These forms certainly do not
lend themselves to ranking on a single pho-
netic dimension since they involve differ-
ences of height and frontness as well as the
presence and the direction of gliding. Rather
than impose a continuum on this variation
and calculate usage indices, Watt/Milroy
simply recorded the number of times each
variant appeared and reported their results
in terms of percentages.
In making this analytical decision, the in-
vestigators also considered the social signifi-
cance of the variants, particularly their geo-
graphical associations. Prior dialectological
research had noted [o:] as a form quite wide-
spread throughout the north of England
whereas [υə] and [ɵ:] were more localized to
the area around Newcastle. The closing
diphthong [oυ] is southern in origin and is
the form used in the standard accent (RP).
By analyzing each form as a discrete variant,
Watt/Milroy were able to reference the
broader social meanings of the forms in the
interpretation of their results. For example,
they found that [υə] and [ɵ:] were used pri-
marily by men especially older working-
class men, a pattern that fits with the com-
mon finding of men’s preference for local
vernacular forms. The data from this project
suggest that local variants such as these are
receding from use. Interestingly, as speakers
abandon the vernacular forms, they tend to
replace them with the broader regional vari-
ants, such as [o:], rather than with forms
from the standard dialect. Such findings lead
Watt/Milroy to the interpretation that New-
castle speech, like that of other cities, is
undergoing a process of dialect leveling as a
regional norm develops across the North.
This conclusion would likely have been
much harder to establish had the authors
not employed an analytical approach that
permitted them to consider the individual
variants on their own sociolinguistic terms.
As the examples discussed in this section
remind us, there are multiple ways of ap-
proaching any kind of sociolinguistic data.
Often it seems our theoretical biases blind us
to the range of analytical possibilities as well
as to the implications of adopting one ap-
proach over another. As in the other stages
98. Research Aims and Methodology 963
in the research process, the methodological
decisions involved in data analysis cannot be
made uncritically.
5. Case studies
By way of conclusion, we turn to a compari-
son of two case studies illustrating very dif-
ferent methodological approaches. It is, of
course, not difficult to find examples of dif-
fering approaches in a field as heterogeneous
as contemporary sociolinguistics. What mak-
es these studies intriguing, however, is the
fact that they deal with the same linguistic
phenomena and that the investigators in both
cases work within the same general para-
digm. Nonetheless, the researchers in these
studies are guided by quite distinct objec-
tives, and thus these cases serve to highlight
the central theme of this chapter.
The first of the cases to be considered is a
project directed by Labov and known as
TELSUR. This ambitious study examines
phonological variation in North America by
means of a telephone survey (hence the
name). One of the goals of this project is to
document the progress of active sound
changes such as the Northern Cities Shift.
Here progress is measured primarily in the
geographical dimension. In this respect,
TELSUR resembles traditional dialectologi-
cal research, and in fact results of the project
will appear in the form of an atlas with maps
displaying isoglosses for the features investi-
gated. From a broader perspective, this
largely descriptive material is intended as a
resource in the investigation of theoretical
issues related to linguistic change. TEL-
SUR, then, is in keeping with Labov’s inter-
est in establishing general principles of
change (see Labov 1994).
The methods employed in the TELSUR
project reflect these research aims. For
example, in deciding which types of speakers
to sample, the researchers were guided by
their interest in on-going sound changes.
The survey concentrates on urban speakers
because cities seem to provide a more fertile
social context for the development and
spread of language change than do rural
communities. Furthermore, within each lo-
cale, the TELSUR investigators specifically
targeted younger women for their sample.
This decision was motivated by the expec-
tation that active sound changes would be
most advanced among this group – a finding
common in studies of linguistic change.
For data collection, TELSUR employed a
combination of survey and interview tech-
niques. Some of the questions were designed
to elicit particular forms while others were
more open-ended and sought to gather ex-
tended stretches of speech. The researchers
were able to incorporate questions of the
former type because they were studying lin-
guistic features with which they already had
some familiarity. As mentioned above, sur-
vey techniques work best in targeting fea-
tures that have been identified ahead of
time. The questions of the latter type, which
are more common in sociolinguistic inter-
views, not only produced data related to a
range of additional features but also pro-
vided examples of the targeted features in a
somewhat different speech context. In this
way, they might offer evidence of style shift-
ing, which, as noted earlier, figures promi-
nently in Labov’s theory of language change.
The analysis of the TELSUR data relies in
large part on instrumental acoustic tech-
niques. Since most of the features studied
involve vowel changes, the researchers
measure formant frequencies in order to
produce a picture of each speaker’s vowel
system. This approach allows for fairly pre-
cise characterization of the spatial relations
among vowels, at least within an individual’s
system. Cross-speaker comparisons are
more problematic (see further Milroy/Gor-
don, 2003). Examining vowel systems in this
way provides a perspective on the internal
dynamics of sound change. This perspective
seems particularly valuable in the study of
chain shifts and mergers, both of which in-
volve vowels encroaching on the space of
their neighbors. In this way, the analytical
approach serves the project’s broader theor-
etical goals of understanding the mechan-
isms driving sound change.
Eckert’s research (2000) in a Michigan
high school illustrates a very different ap-
proach to the study of sound change. The
linguistic focus of Eckert’s project is the
Northern Cities Shift, a set of features that
also figures prominently in TELSUR. Un-
like Labov and his colleagues, however, Eck-
ert’s primary concern lies with the social dy-
namics of language change. Changes like the
Northern Cities Shift introduce variation
into a community, and Eckert explores how
members of that community exploit the lin-
guistic resources stemming from variation
and change to construct social meaning.
Eckert’s objectives in this project were
964 VII. Sociolinguistic Methodology
shaped by her theoretical interest in the ac-
tive role that speakers play in creating so-
ciolinguistic variation. Her project “aims to
treat the speaker as a linguistic agent, to
treat speech as a building of meaning, and to
treat the community as mutually engaged in
a meaning-making enterprise” (2000, 4).
In line with these objectives, Eckert de-
signed her investigation as an in-depth study
of a single community. Her interest in ex-
ploring the sociolinguistic construction of
meaning necessitated her identifying a com-
munity in which the dynamics of this process
could readily be observed. Adolescents pres-
ent an ideal group for such a study. As Eckert
notes, adolescence is a period of “transition
from childhood to adulthood, and from the
family social sphere to a peer-based social
order” (2000, 4). During this stage of life,
identities are created and reshaped, a process
in which language serves as a key symbolic
resource. Eckert chose as a research site a
public high school in suburban Detroit be-
cause it offered access to adolescents from a
relatively broad social spectrum.
Eckert engaged in participant observa-
tion for her data collection. She spent two
years studying the community, visiting the
school on a daily basis for much of that time.
Her research was sanctioned by school auth-
orities though she purposefully avoided
adopting an official role (e.g., teacher, coun-
selor). She was concerned that such a role
might inhibit the open communication she
hoped to establish with students. She col-
lected much of her speech data by talking
casually with the students during their free
time. Eckert’s fairly long-term participant
observation was thus crucial to her research
needs because it allowed her to establish a
strong rapport with the subjects. Moreover,
her methods were significant in terms of the
non-linguistic data they made available.
Over the course of her investigation, Eckert
was able to observe firsthand the actions
and interactions of the students. As a result,
her ethnographic approach provided a much
deeper appreciation for the social dynamics
of the community than might have been
gained through survey methods or sociol-
inguistic interviews.
The real value of participant observation
becomes apparent in the analysis of the data
collected. The insight gained through ethno-
graphic methods allows the researcher to
examine categories of local relevance rather
than just those defined by broad social con-
structs. Eckert’s work illustrates this benefit
in her consideration of the social divide
within the school between the jocks and the
burnouts. These groups instantiate a com-
mon distinction in American high schools
between students who embrace and partici-
pate in the institutional culture of the school
(the jocks) and those who reject that culture
(the burnouts). In order to explore the so-
ciolinguistic dimensions of the jock-burnout
divide, Eckert carried out a quantitative
analysis in which usage of the linguistic vari-
ables (the Northern Cities Shift features)
was measured through auditory coding, an
approach that facilitates comparison across
a sample of speakers (cf. instrumental
acoustic procedures). In this way, she was
able to establish correlations between the so-
cial categories and the linguistic variables.
Still, such statistical data cannot convey the
full significance of the jock-burnout distinc-
tion. Eckert argues that, “The two cat-
egories are based in practices that unfold in
daily and mundane activity, interaction and
movement” (2000, 74). To shine light on
these social dynamics, Eckert draws on a
range of ethnographic observations. She
considers, for example, the territorial divi-
sions within the school building, styles of
dress and personal adornment, friendship
networks, and a host of qualitative state-
ments from the students regarding their own
experience of the school’s social order. This
information works together with the lin-
guistic data to paint a richly detailed picture
of “the meaning-making enterprise” which
Eckert set out to explore.
As the case studies discussed in this sec-
tion and the previous examples illustrate, a
wealth of approaches is available to the so-
ciolinguistic researcher. Indeed the range of
approaches practiced today is surely greater
than at any previous time, and the field con-
tinues to attract innovative researchers to its
ranks. The expansion of the methodological
possibilities makes all the more relevant the
central theme of this chapter that method is
never divorced from theory. Sound metho-
dological decisions are guided by research
aims and are grounded in a defensible
framework. The choices made at every stage
of the research process have implications
that must be considered in the larger critical
context of the project.
Many of the ideas discussed here were de-
veloped in the course of writing Milroy/Gor-
don (2003), and I gratefully acknowledge
99. Quantitative methods 965
Lesley Milroy’s influence in shaping my
thinking on these issues.
6. Literature (selected)
Chambers, Jack K. (1994) “An introduction to
dialect topography”, in: English World-Wide 15,
35–53.
–, (1995) Sociolinguistic Theory, Oxford.
–, (1998) “Inferring dialect from a postal ques-
tionnaire”, in: Journal of English Linguistics 26,
222–246.
Britain, David (1992) “Linguistic change in inton-
ation: The use of high-rising terminals in New
Zealand English”, in: Language Variation and
Change 4, 77–103.
Dakubu, M.E. Kropp (2000) “Multiple bilingual-
isms and urban transitions: coming to Accra”, in:
International Journal of the Sociology of Language
141, 9–26.
Dubois, Sylvie/Melaçon, Megan (2000) “Creole
is, Creole ain’t: Diachronic and synchronic atti-
tudes toward Creole identity in southern Louisia-
na”, in: Language in Society 29, 237–258.
Eckert, Penelope (2000) Linguistic Variation as
Social Practice, Oxford.
Gordon, Matthew J. (2001) Small-Town Values
and Big-City Vowels: A Study of the Northern
Cities Shift in Michigan, Durham, NC.
Hatch, Evelyn/Farhady, Hossein (1982) Research
Design and Statistics for Applied Linguistics. Row-
ley, MA.
Hazen, Kirk (2000) Identity and Ethnicity in the
Rural South: A Sociolinguistic View Through the
1. Introduction
2. Basic components
3. One-way analysis of variance
4. Testing effects
5. One-way analysis of variance in SPSS
6. Post hoc comparisons
7. Multi-factorial designs and interaction
8. Testing effects in a two-factor design
9. Assumptions in analysis of variance
10. Unbalanced designs
11. Other design types
12. Related techniques
13. Literature (selected)
1. Introduction
In sociolinguistic studies, a variety of quan-
titative, statistical techniques can be found.
The same applies to the social sciences, but
Past and Present ‘be’. Publication of the American
Dialect Society, 83, Durham, NC.
Johnstone, Barbara (2000) Qualitative Methods in
Sociolinguistics, New York/Oxford.
Kontra, Miklós (1995) “On current research into
spoken Hungarian”, in: International Journal of
the Sociology of Language 111, 9–20.
Labov, William (1972) Sociolinguistic Patterns,
Philadelphia.
–, (1994) Principles of Linguistic Change, Vol. 1:
Internal Factors, Oxford.
Milroy, Lesley/Gordon, Matthew J. (2003) Sociol-
inguistics: Method and Interpretation, Oxford.
Nordberg, Bengt (1980) Sociolinguistic Fieldwork
Experiences of the Unit for Advanced Studies in
Modern Swedish. FUMS Report no. 90, Uppsala.
Schilling-Estes, Natalie (1998) “Self-conscious
speech in Ocracoke English”, in: Language in So-
ciety 27, 53–83.
Seliger, Herbert W./Shohamy, Elana (1989) Second
Language Research Methods, Oxford/New York.
Wolfram, Walt/Hazen, Kirk/Schilling-Estes Na-
talie (1999) Dialect Change and Maintenance on
the Outer Banks, Tuscaloosa/London.
Wolfram, Walt/Schilling-Estes Natalie (1996)
“Dialect change and maintenance in a post-insu-
lar community”, in: Focus on the USA, Schneider,
E., ed., Amsterdam, 103–48.
Trudgill, Peter (1972) “Sex and covert prestige:
Linguistic change in the urban dialect of Nor-
wich”, in: Language in Society 1, 179–195.
Matthew J. Gordon, Columbia (U.S.A.)
at the same time it is clear that the key tech-
nique in the social sciences is analysis of va-
riance. The same can be said for the analysis
of empirical language data in general. Ana-
lysis of variance is not uncommon in applied
linguistics, but its popularity can be noted in
language attitude studies as well, or in stu-
dies on language loss or shift. In psycholin-
guistics, it is undisputably the standard sta-
tistical technique. Rather surprisingly,
although analysis of variance is common in
sociolinguistics in general, it is rare in socio-
linguistic studies on variation and change.
Its role as the standard or basic technique
seems to be taken over there by variable rule
analysis.
All techniques related to variable rule
analysis can be subsumed under the heading
99. Quantitative Methods /Quantitative Methoden
966 VII. Sociolinguistic Methodology
of frequency analysis. The dependent varia-
ble commonly is the occurrence or non-oc-
currence of a linguistic phenomenon, for in-
stance the deletion of a word final [t] in a
consonant cluster. Such a binomial outcome
seems to be alien to the requirements of ana-
lysis of variance, as the latter statistical tech-
nique assumes the dependent variable to
have a more gradual character (interval le-
vel). The borderline between variable rule
analysis and analysis of variance, however, is
harder to draw than many sociolinguists
perhaps think. This may become clear from
the examples we discuss in this contribution.
The main aim of this contribution, however,
is to point out the power of analysis of va-
riance for a range of quantitative research
questions which typically occur in sociolin-
guistics. Its possibilities neatly demonstrate
the merits of quantitative methods in socio-
linguistic research.
The popularity of analysis of variance in
empirical reserach does not mean that it can
be regarded as a simple technique. Never-
theless, the basic concepts are quite straight-
forward. Analysis of variance can be applied
if two or more groups of participants, infor-
mants, respondents or subjects are compa-
red on the basis of a so-called dependent va-
riable. This may be reaction times in a word
recognition experiment, the performance on
a language proficiency test, the acceptability
scores of regional accents, attitude measure-
ments, a measure of syntactic complexity, or
realization indices of a linguistic variable. It
can be applied as well when a group of par-
ticipants is studied in two or more situations
or conditions. Both effects between groups
of subjects as effects within subjects are fa-
miliar in sociolinguistic research. ‘Between’
factors are for instance age, gender, socio-
economic status, ethnicity, and regional ori-
gin.
Four data characteristics are essential to
analysis of variance:
(1) a participant (subject, informant) be-
longs to only one of the groups defined
in the design.
(2) participants are randomly assigned to
the groups/conditions (experimental
design) or are part of a random sample
(quasi-experimental design).
(3) the response or performance of the par-
ticipant on the dependent variable, is
measured or determined by an index or
score at the interval level.
(4) the observations are independent.
Our introduction to analysis of variance is
organized as follows. Section 2 of this chap-
ter introduces the basic concepts in analysis
of variance. In Section 3 we discuss a one-
way analysis of variance, in which subjects,
respondents or informants belong to a single
set of different groups. Testing effects is de-
monstrated in Section 4, followed in Section
5 by an application of the statistical package
SPSS (version 11.1). We do not intend to
give a general introduction to SPSS. On the
contrary, we present examples in a way
which presupposes some level of understan-
ding as to how database programs work.
Section 6 explains how a significant effect
can be analyzed in further detail by applying
so-called post-hoc comparisons.
Section 7 discusses multifactorial designs
and the phenomenon of interaction, which
is crucial in evaluating the effect of external,
social factors in sociolinguistic research.
Section 8 shows how to carry out two-way
analysis of variance, in which the informants
are divided in different groups by using two
factors. Section 9 deals with the meaning of
the assumptions underlying analysis of va-
riance, the role of transformations, and the
impact of dependency in the data. Section
10 is devoted to the consequences of une-
qual cell sizes, a quite frequently occurring
situation in sociolinguistic research.
Section 11 focuses on other design types
and on repeated measures in particular. In
section 12 we put analysis of variance in the
broader perspective of multiple regression
and multilevel analysis.
To get a first feeling of the power of the
technique of analysis of variance, one can
see it as an extension of the well-known t
test, which is used to compare scores in two
groups. A design in which analysis of varian-
ce is the appropriate technique can involve
more than two groups (for instance infor-
mants from three or more dialect back-
grounds), and the groups can even be defi-
ned along more than one independent
variable. The former example with four dia-
lect backgrounds involves one independent
variable (dialects); adding gender we intro-
duce a second independent variable which
might affect the scores. These independent
variables are called factors. Like in a t test,
we have to distinguish between designs wit-
hout or with repeated measures. Again, with
analysis of variance we can go beyond the
two repetitions of measurements allowed for
in a t test. Thus analysis of variance is a
99. Quantitative methods 967
good technique to analyze data obtained in
longitudinal research in which the measure-
ments are carried out at more than two
points in time, or in research in which parti-
cipants have to respond to more than two
groups of items, or in research in which
speakers are investigated in different style
conditions (minimal pairs, word list, sponta-
neous speech).
In all of these sections, we restrict oursel-
ves to a presentation of the main parts of
analysis of variance. We cannot presume to
give a full account of this powerful techni-
que. The reader who is interested in a com-
plete overview is referred to the standard
textbooks of Winer, Brown & Michels
(1991) and Kirk (1995). An introductory
text book from a linguistic point of view is
Rietveld & Van Hout (1993).
2. Basic components
The basic ideas in analysis of variance can
be illustrated by a simple example. Assume
that we are interested in the effects of so-
cial status on the occurrences of a series
of speech characteristics in spontaneous
speech. Suppose, for sake of simplicity, that
only three informants per group were ran-
domly selected (3x3 = 9 subjects). Social sta-
tus runs from low to high. Table 99.1 con-
tains two hypothetical data sets with data.
Table 99.1: Two hypothetical data sets of data,
both for three groups of three subjects
Both data sets in Table 99.1. have the same
means for the three groups. Given the outco-
mes in both data sets, it is tempting to con-
clude that the subjects belonging to group II
have the highest number of speech characte-
ristics. Given the outcomes of the first data
set only, however, such a conclusion is hard-
ly warranted. Especially the large diffe-
rences or variation in scores between the
subjects within the groups compared to the
differences or variation in the mean scores
between the groups cast serious doubts on
data set 1 data set 2
group group
I II III I II III
9 10 1 3 7 1
1 2 5 4 6 2
2 6 0 5 5 3
¯
X 4 6 2
¯
X 4 6 2
the value of the differences between the me-
ans. It is not unlikely that the variation in
mean number of speech characteristics is
brought about by the variation between the
individual subjects. In that case, the variati-
on between the means only reflects indivi-
dual differences, not differences between the
three social status groups. The second data
set offers a sounder basis for the conclusion
that the three status groups differ, because
the variation within the groups is limited.
Because of the restricted amount of variati-
on within the groups in comparison with the
differences or variation between the groups,
it is more acceptable to reject the hypothesis
that no differences occur between the
groups. This line of reasoning brings us to
the essence of analysis of variance: it invol-
ves the comparison of sources of variation.
In our example two possible sources of va-
riation can be distinguished: variation
brought about by effects induced by the so-
called independent variable (the group), and
variation which is not influenced by the in-
dependent variable and which is brought
about by individual differences between sub-
jects: the error. In the following section the
elements are presented which are necessary
to draw a meaningful comparison between
the two types of variation mentioned here.
3. One-way analysis of variance
In analysis of variance several terms are
used to indicate the independent variable
(representing the different groups compa-
red) and its values. When we say that treat-
ment j (representing one of the values of the
independent variable) influences the magni-
tude of the scores, it is said to constitute an
effect. If that treatment is one of a series of
treatments, the series constitute a factor, and
the treatments are called the levels of that
factor. Factors or independent variables are
generally referred to by Greek letters: ,
etc.; the levels of the factors are indicated by
subscripts. The first level or value of factor a
is referred to by
1
;
2
represents the second
level of that factor and so on. The symbols
are used to formulate models for the data or
scores observed. In fact, formulating and te-
sting models for the observed scores consti-
tutes the underlying idea of analysis of va-
riance, although the reports in which this
technique is used often suggest otherwise.
What is a plausible model of the data given
in Table 99.2? The scores can be symbolized
968 VII. Sociolinguistic Methodology
by X
ij
, in which i refers to the score of indi-
vidual i and j to the level or treatment of the
factor or independent variable investigated.
So, every score has a unique identity.
Table 99.2: Hypothetical data set for three groups
of subjects or treatments
We can assume a model in which every score
X
ij
equals an overall mean called . In such a
model all data or scores observed are equal
and the variation found is supposed to be
caused by irrelevant individual differences
between the subjects. Clearly, the model X
ij
= does not suffice for the data of Table
99.2, as the three subpopulation means dif-
fer from each other fairly systematically. A
term or effect has to be included which re-
presents the value added to or subtracted
from the overall average, according to the
specific treatment:
j
=
j
– . This yields the
following extended model:
X
ij
= +
j
(1)
Given the scores in Table 2, we can assign
the s the values 0, +2 and –2; a perfect match
results between the scores predicted by the
model and the scores observed. In real life,
however, scores do exhibit variation within a
group of subjects. The model needs to be ex-
tended further by a supplementary term re-
presenting an error component:
ij
. It indica-
tes the amount of random variation for
subject i in group (or treatment) j. The full
model of the scores takes on the following
form:
X
ij
= +
j
+
ij
(2)
data set 3
group I group II group III
X
11
= 4 X
12
= 6 X
13
= 2
X
21
= 4 X
22
= 6 X
23
= 2
X
31
= 4 X
32
= 6 X
33
= 2
¯
X
j
X
31
= 4 X
32
= 6 X
33
= 2
The error can take any value, whereas the
treatment effects are assumed to have a con-
stant value in each group. This last model
can be applied to the two data sets of Table
99.3 using
1
= 0,
2
= +2 and
3
= –2 as esti-
mated values. These values are obtained by

X
j


X. The results are given in Table 99.3.
Table 99.3. shows how all individual sco-
res are partitioned or decomposed. A score
is considered to be the sum of separate com-
ponents. In this table we assumed specific
values for and
j
. In empirical research,
however, we do not know these values. They
can only be estimated on the basis of the
patterns present in the data. If the research
design contains one factor or one series of
treatments only, as in the examples given,
the crucial question is whether an effect
j
exists or not. It has to be decided which mo-
del underlies the observed data, model 1 or
model 2:
X
ij
= +
ij
MODEL 1 (3)
X
ij
= +
j
+
ij
MODEL 2 (4)
What can be observed in the data is (1) the
variation between the subjects or informants
within the groups and (2) the variation in
mean scores or values between the groups. If
there is no effect
j
, the variation observed
between the mean scores of the groups (the
between group variation) is brought about
by the variation in the error component (the
within group variation). If an effect
j
is pre-
sent, the variation between the groups in-
creases because of the differences between
the groups. The variation between the
groups now consists of error variation plus
variation caused by the effect
j
.
How can the variation between the
groups be compared with the variation wit-
hin the groups? We have to find a statistic
which applies to our data and whose distri-
bution is known if the null hypothesis is true
(= model 1: there is no effect
j
and the bet-
ween group variation is equal to the within
Table 99.3: The full model (=MODEL 2) specified for two hypothetical data sets of test scores (see Table 99.1),
assuming that
1
= 0,
2
= +2 and
3
= –2
data set 1 data set 2
I II III I II III
4+0+5 = 9 4+2+4 = 10 4–2–1 = 1 4+0–1 = 3 4+2+1 = 7 4–2–1 = 1
4+0–3 = 1 4+2–4 = 2 4–2+3 = 5 4+0+0 = 4 4+2+0 = 6 4–2+0 = 2
4+0–2 = 2 4+2–0 = 6 4–2–2 = 0 4+0+1 = 5 4+2–1 = 5 4–2+1 = 3
¯
X
j
4 6 2 4 6 2
99. Quantitative methods 969
group variation). In order to arrive at this
statistic, we have to decompose the observed
(deviation) scores into parts. This can be
done in the following way:
X
ij


X = (

X
j


X) + (X
ij


X
j
) (5)

X is the general or ‘grand’ mean of all the
observations in the different groups. The
above equation is in fact a simple identity,
but the interesting point is that the deviation
score (on the left) is partitioned into a part
which contains the difference between the
group mean and the grand mean (=

X
j


X),
plus a part which contains the difference
between the individual score and its group
mean (=X
ij


X
j
). The first part is the between
group component, the second part is the
within group component.
Squaring and summing this identity over
n
j
informants and k groups results in the fol-
lowing:
The term in the left-hand part of the equati-
on is the total sum of squares: the sum of
squares of all the observations with respect
to the grand mean

X. The right-hand part of
the equation contains two terms: the first
term represents the sum of squares between
groups, the second one represents the sum of
squares within groups. The total sum of
squares can be partitioned into two additive
and independent components: the between
groups sum of squares (SS
between
) and the wit-
hin groups sum of squares (SS
within
). Each
sum of squares has to be divided by its asso-
ciated degrees of freedom to obtain a va-
riance estimate. The result is a so-called
mean square (MS). The number of degrees of
freedom for the total sum of squares is the
total number of observations minus 1: N – 1.
One degree is lost because of the presence of
the grand mean. The number of degrees of
freedom for the within groups sum of squa-
res is the number of observations within a
group minus 1. Given k groups the number
of degrees of freedom is N – k; k degrees are
lost because of the presence of k group me-
ans. The number of degrees of freedom asso-
ciated with the between groups sum of squa-
res is the number of groups minus 1: k – 1.
One degree is lost here because of the pre-
sence of the grand mean. The degrees of
freedom are additive too: N – 1 = (k – 1) +
k n
j
k k n
j
(X
ij


X)
2
= n
j
(

X
j


X)
2
+ (X
ij


X
j
)
2
(6)
j=1i=1 j=1 j=1i=1
SS
total
= SS
between
+ SS
within
(N – k). The total number of degrees of free-
dom is equal to the number of degrees of
freedom associated with the between groups
sum of squares plus the number of degrees
of freedom associated with the within
groups sum of squares.
In actual experiments the means of the MSs
are not available, but we do know the distri-
bution of the ratio of both mean squares un-
der discussion if the H
0
is true, i. e. the F dis-
tribution. The F distribution permits us to
determine to what extent the observed ratio
of MSs is a probable result under the H
0
. If
that result is not ‘probable enough’, the H
0
is
rejected, and the alternative hypothesis is
accepted.
4. Testing effects
The statistical distribution of the quotient of
two variances is known as the F distribution.
This distribution is in fact a family of distri-
butions. The form of the F distribution is a
function of two elements, the degrees of
freedom associated with the mean square in
the numerator and the degrees of freedom
associated with the mean square in the de-
nominator, df
1
and df
2
respectively. The dis-
tribution can be computed if both mean
squares or variance estimates have the same
expected value. This is the case in our one-
way analysis of variance if H
0
is true; both
variances have the same expected value and
the expected F value is 1.
What is of interest here is that the between
variance is increased by an additional com-
ponent if H
0
is not true, and that this additi-
on is caused by a group effect
j
. The decisi-
on strategy with respect to H
0
and H
1
is
based on the value of the quotient between
the within and between groups variance
(MS
between
/MS
within
). If the value exceeds a
critical value, H
0
is rejected (= model 1) and
H
1
is accepted instead (= model 2).
This decision strategy can be illustrated
by the outcomes for the data set given in Ta-
ble 99.1. In Table 99.4. the relevant part of
the SPSS output of the ANOVA procedure
(= ANalysis Of VAriance) for data set 1 is re-
produced.
In Table 99.4. three sources of variation
are mentioned. The ‘group’ part relates to
the effect ; the residual part represents the
error (the ‘within variance’). Adding the
sum of squares of both parts together gives
the total sum of squares; the same holds for
970 VII. Sociolinguistic Methodology
the number of degrees of freedom. The
group effect is tested by dividing the mean
square of the group effect a by the mean
square of the residual part.
Table 99.4: (Part of the) SPSS output from an
analysis of variance (GLM UNIVARIATE)
applied to data set 2 in Table 99.1.
The resulting F ratio in Table 99.4. is signifi-
cant; H
1
(= model 2) is accepted. When an F
ratio turns out to be significant, we have rea-
son to reject the H
0
that both mean squares
have the same expected value. For instance,
if the F value resulting from MS
between
/MS
wit-
hin
is significant, and if the expected values
are E(MS
between
) =
2

+ n
2

and E(MS
within
) =

2

, we may assume that n
2

§ 0. This as-
sumption means that there is a difference
between the levels or treatments of a factor
somewhere. It does not mean that all levels
or treatments of a factor have different ef-
fects! In the case of more than two levels, it
is quite possible that some of them do not
differ from each other. When one wants to
assess the difference between specific levels,
so-called post hoc tests (also called a-poste-
riori or unplanned tests) have to be used.
Data set 1 in Table 99.1. does not produce a
significant effect.
5. One-way analysis of variance in
SPSS
A statistical computer package widely used
is SPSS. The analyses presented in this chap-
ter are all done in SPSS, but many other
packages are capable of performing the
same statistical analyses. The relevant parts
of the SPSS data matrix are reproduced in
Table 99.5. The matrix consists of variables
(GROUP and TEST) and cases (the partici-
pants). Other statistical packages use com-
parable data formats. Properties or variables
are represented columnwise; cases (partici-
pants, informants, subjects) are represented
rowise.
The following steps lead to an analysis of
variance in SPSS:
Source Sum of
Squares
df Mean
Square
F Sig.
Group 24.000 2 12.000 12.000 0.008
Error 6.000 6 1.000
Total 30.000 8 8.750
Table 99.5: Relevant parts of SPSS data matrix
representing data set 1 from Table 1
The output will appear in an output file on
the screen. SPSS can also run in syntax
mode, where the commands have a text for-
mat. Window commands can be translated
into syntax format by the option PASTE.
Our Univariate example delivers the follo-
wing syntax: by clicking on PASTE
UNIANOVA
ACCENT BY AGE
/METHOD = SSTYPE(3)
/INTERCEPT = INCLUDE
/CRITERIA = ALPHA(.05)
/DESIGN = age .
The first component, ACCENT BY AGE,
specifies the dependent variable which is
split up in the groups defined by the variable
AGE. The significance level (alpha) is set at
.05 by the criteria specification. We will re-
turn to the meaning of the other compo-
nents of the command later. Syntax com-
mands can be set to work by clicking on
RUN in the window of the syntax file.
window Data View click on Analyze
go to General Linear
go to +
click on Univariate
window Univariate
the dependent
variable:
click on the variable
ACCENT
insert under dependent
the independent
variable:
click on the variable AGE
insert under fixed
click on OK
age accent
1 9
1 1
1 2
2 10
2 2
2 6
3 1
3 5
3 0
99. Quantitative methods 971
6. Post hoc comparisons
As mentioned before, a significant F ratio
only leads to the rejection of the global hy-
pothesis that all effects or levels of a specific
factor are equal to zero. We have not asses-
sed which specific effects are present. In ot-
her words, a significant F ratio very often
calls for a further, more elaborate analysis.
The procedures which are used for that sub-
sequent kind of analysis are called post hoc
comparisons. It is a crucial problem to con-
trol the probability level of rejecting a true
H
0
hypothesis when one makes a series of
comparisons.
The application a series of t tests would
bring about a high probability level of com-
mitting a Type I error. Various tests have
been proposed to maintain a significance le-
vel of .05 in a series of (post hoc) statistical
tests. Maintaining this level of significance
will always imply, however, that post hoc
comparisons are based upon relatively con-
servative tests. How a statistical test for post
hoc comparisons should be applied is illu-
strated with the one-factor data set in Table
99.6.
Table 99.6: Fictituous data set for post hoc
After determining that the ‘area’ factor is si-
gnificant at the .05 level (F
3,12
= 12.66), one
Urban areas
I II III IV
6 8 7 2
5 7 6 3
4 6 5 1
3 5 5 2
¯
X
j
4.50 6.50 5.75 2.00
may wish to know which areas do not differ
from each other and should, therefore, be re-
garded as equivalent. In other words, we
want to compare the areas I, II, III and IV
pair-by-pair. We have to resort to procedu-
res which aim at keeping at an acceptable
level. There are quite a few of these availa-
ble. For a review we refer to Jaccard et al.
(1984). Fortunately, the literature on this to-
pic suggests that Tukey’s HSD test and the
Turkey-Kramer modification of it (TK) in
the case of unequal sample n’s are a good bet
for most occasions.
In Tables 99.7., 99.8., and 99.9. part of the
output of the SPSS procedure is reproduced
in which a one-way analysis and associated
post hoc comparisons were carried out for
the data of Table 99.6. The analysis of va-
riance results are presented in Table 99.7.
The analysis of variance results in Table
99.7 show that the between groups factor
(‘urban area’) is significant. In the next step
we asked for the Tukey HSD test ( = .05).
The result of the multiple comparisons ana-
lysis according to the HSD test is given in
Table 99.8.
Table 99.9. points to two homogeneous
subsets: one contains the means of areas I, II
and III, and the other area IV. Consequent-
ly, the first three areas should be considered
equivalent.
Posthoc comparisons can be defined as
procedures to assess which treatments are
considered to be similar or dissimilar in
their effects on the dependent variable. All
treatments must be taken into account, and
a ‘yardstick’ is calculated for pairwise com-
parisons. These procedures can in fact be
seen as specific cases of a more general ap-
proach to the assessment of differences bet-
ween treatment means: contrast analysis
(see Rietveld & Van Hout 1993).
Table 99.7: (Part of) the SPSS analysis of variance table for the data of Table 99.6.
Source Type III Sum of
Squares
df Mean Square F Sig.
Corrected Model 46.688 3 15.563 12.661 .001
Intercept 351.563 1 351.563 286.017 .000
AREA 46.688 3 15.563 12.661 .001
Error 14.750 12 1.229
Total 413.000 16
Corrected Total 61.438 15
972 VII. Sociolinguistic Methodology
Table 99.9. Output post hoc comparisons (Turkey
HSD test) for data Table 99.3
7. Multi-factorial designs and
interaction
Thus far only a single-factor design (also
called a one-way design) has been discussed.
The power of analysis of variance, however,
lies in the ability to investigate the effects of
more than one independent variable on the
dependent variable simultaneously. The
multi-factorial approach is popular in socio-
linguistic research, the most frequent varia-
bles being gender, age and educational level
or socio-economic status. Suppose that the
data given in Table 99.10. were sampled in a
single-factor experiment with three treat-
ments.
There seems to be a ‘break’ in the scores
within the groups in Table 99.11. The first
two subjects achieved lower scores than the
last two. By inspecting their personal profi-
les, it might turn out that the first two mem-
Subset
AREA N 1 2
4 4 2.000
1 4 4.5000
3 4 5.7500
2 4 6.5000
Sig. 1.000 .102
bers of each group are male, whereas the last
two are female. Consequently, part of the
variation within the groups might be due to
a gender factor we did not take into account
in the original model. The scores, originally
displayed in a single- or one-factor design,
can be rearranged in a two-factor design as
shown in Table 99.11.
The rearranged data in Table 99.7. clearly
suggest that the original one-factor design
Table 99.8: Post hoc comparisons (HSD test) for data Table 99.6.
95% Confidende Interval
(I) AREA (J) AREA Mean*
Difference*
(I-J)*
Std. Error Sig. Lower
Bound
Upper
Bound
1 2 –2.0000* .7840 .102 –4.3275 .3275
3 –1.2500* .7840 .417 –3.5775 1.0775
4 2.500* .7840 .034 .1725 4.8275
2 1 2.0000* .7840 .102 –.3275 4.3275
3 .7500* .7840 .776 –1.5775 3.0775
4 4.500* .7840 .000 2.1725 6.8275
3 1 –1.2500* .7840 .417 –1.0775 3.5775
2 –.7500* .7840 .776 –3.0775 1.5775
4 3.750* .7840 .002 1.4225 6.0775
4 1 –2.5000* .7840 .034 –4.8275 –.1725
2 – 4.5000* .7840 .000 –6.8275 –2.1725
3 3.750* .7840 .002 –6.0775 –1.4225
Table 99.10: Single-factor
design with three age groups
(I = young, II = middle, III =
old)
age
I II III
4 7 4
3 8 2
11 9 8
6 10 10
Table 99.11: Two-factor design for the data of
Table 99.10
age
gender I II III
male 4 7 4
3 8 2
female 11 9 8
6 10 10
99. Quantitative methods 973
has to be replaced by a two-factor design.
The scores seem sensitive to the effects of
two factors: age and gender. The model te-
sted should be expanded by including an ef-
fect ß
j
for gender:
X
ijk
= +
i
+
j
+
ijk
(7)
Apart from the question how such a model
with two effects can be tested, an additional
complication may arise when two factors are
involved.
An important concept, not only in the
context of analysis of variance, but also in
that of many other techniques (variable rule
analysis, logit analysis, regression analysis)
is that of interaction. To illustrate this con-
cept, the cell means of four data sets are gi-
ven in Table 99.8., followed in Figure 99.1.
by a graphical representation. In Table
99.12., the variable A is the row variable and
variable B the column variable; the row va-
riable receives the subscript i, the column
variable the subscript j.
Both data sets of Table 99.12. have two
factors. Factor A has two levels, factor B
three. The means of the six cells are display-
ed in Figure 99.1.; the ordinate (y axis) rela-
tes to the cell values, the abscissa (x axis) to
the levels of factor B.
What do the data and their associated
graphs suggest? Interaction is said to occur
in those cases where the differences between
the levels of one factor are not equal for all
levels of another factor. In data set (a), for
instance, the difference between A
1
and A
2
is
3 for all levels of B: 11 – 8 = 3, 16 – 13 = 3,
21 – 18 = 3. In data set (b), on the other
hand, the differences between A
1
and A
2
are
not the same for all levels of factor B: the
difference at level B
1
is 9 – 7 = 2, at B
2
14 – 10
= 4, and at B
3
25 – 13 = 12. In that case the
two factors are said to interact.
Interactional patterns cannot be reprodu-
ced by an additive score model in which only
the two main effects
i
and ß
j
are included. A
supplementary term has to be included in
addition to the terms
i
and ß
j
. A systematic
difference emerges between the scores pre-
dicted by the model and the scores observed.
An interaction term ()
ij
has to be included
to obtain a perfect fit:

X
ij.
= +
i
+
j
+ ()
ij
(8)
For data set (b),
1
= –3 and
2
= 3;
1
= –5,

2
= –1, and
3
= +6. Given these values and
the mean cell scores, the values of the inter-
action term can be determined. For instan-
ce,
Table 99.12: Cell means of two data sets, showing interaction (b) and no interaction (a)
data set (a): no interaction data set (b): interaction
B
1
B
2
B
3
B
1
B
2
B
3
A
1
10 15 8 A
1
7 10 13
A
2
15 20 13 A
2
9 14 25
Figure 99.1.: Graphical representation of the mean cell values of the two data sets of Table 99.9.; the ordi-
nates represent the dependent variable; panel (b) displays interaction
974 VII. Sociolinguistic Methodology

X
12.
= 13 – 3 – 1 + 1 = 10

X
23.
= 13 + 3 + 6 + 3 = 25
The terms +1 and +3 are specific to the cells
(1,2) and (2,3) respectively. More precisely,
they belong to specific combinations of le-
vels i and j of the factors A and B.
8. Testing effects in a two-factor
design
How can an analysis of variance be carried
out in SPSS on the data of Table 99.11.? The
relevant parts of the SPSS DATAMATRIX
are reproduced in Table 99.13.
The data matrix in Table 99.13. shows
how the two independent variables, AGE
and GENDER, should be coded. It is im-
portant to note that the order of the cases is
not relevant for the outcome of the analysis.
Any order will produce the same results in
applying an analysis of variance.
The relevant SPSS output for the analysis
of the data from Table 99.11. is given in Ta-
ble 99.14.
Table 99.14. shows that the SPSS output di-
stinguishes a number of sources of variation:
– The effects we implemented in our score
model, and which are written in capi-
tals: GENDER, AGE and their interac-
tion: AGE*GENDER.
– Corrected Model: this source of variati-
on is the total amount of variation asso-
ciated with the effects that have been in-
corporated in the score model. In our
example the sums of squares of the two
main effects (GENDER and AGE) plus
the sum of squaress of the two-way in-
teraction give the SS of the ‘Corrected
Model’ (sometimes called: ‘explained
variation’): 34.667 + 48.000 + 6.000 =
88.667.
– Intercept: the associated F ratio tests
whether there is reason to assume that
the cell means differ from the overall
mean; normally not relevant.
– Error: refers to the SS obtained by sub-
tracting the SS of the corrected model
from SS
total
.
– Corrected Total: the associated SS is
obtained by summing the SS of the
Corrected Model and that of Error.
R is the correlation between the observed
values and the values predicted by an equa-
tion with the terms of the score model; R
2
is
the square of this correlation and expresses
the percentage of the total variation accoun-
ted for by the score model. If you want to
use R
2
as an estimate of that percentage in
Table 99.14: (Part of the) SPSS output from an analysis of variance (GLM UNIVARIARTE) applied to the
data in Table 99.11.
a R Squared = .937 (Adjusted R Squared = .884)
Source Type III Sum
a
of Squares
a
df Mean Square F Sig.
Corrected Model 88.667
a
5 17.733 17.733 .002
Intercept 533.333
a
1 533.333 533.333 .000
AGE 34.667
a
2 17.333 17.339 .003
GENDER 48.000
a
1 48.000 48.000 .000
AGE * GENDER 6.000
a
2 3.000 3.000 .125
Error 6.000
a
6 1.000
Total 628.000
a
12
Corrected Total 94.667
a
11
Table 99.13: Relevant parts of SPSS data matrix
representing data in Table 99.11.
AGE GENDER DEP
1 1 1
2 1 3
3 1 9
1 2 2
2 2 4
3 2 10
1 1 4
2 1 8
3 1 14
1 2 5
2 2 9
3 2 15
99. Quantitative methods 975
the population, you should use the adjusted
R
2
.
Most statistical tests are based on a num-
ber of assumptions. These can pertain to the
measurement scale (nominal, ordinal, inter-
val, ratio), the method of sampling and/or
assigning subjects to treatments (randomly
or non-randomly), the selection of factor le-
vels, the distribution of the populations
from which the samples are drawn, the dis-
tribution of the error, etc.
9. Assumptions in analysis of variance
There are three general assumptions on
which analysis of variance is based:
(1) the normality assumption: the observa-
tions are drawn from normally distribu-
ted populations;
(2) the homogeneity of variance assumpti-
on: the variances of all (sub)-populati-
ons are equal;
(3) the independence assumption: the ob-
servations are independent.
What can be done if any of these assumpti-
ons is violated or, rather, should anything be
done? In general, analysis of variance is said
to be robust against violations of its assump-
tions. The qualification ‘robust’ means that
the nominal level (the level assumed by the
researcher) is very close to the actual level
(the level which holds in a concrete applica-
tion). Nonnormality hardly appears to af-
fect the level. The F statistic is robust
against heterogeneous variances too, provi-
ded the cell frequencies are equal. For furt-
her information, see Rietveld & Van Hout
(1993, Chapter 4).
In terms of robustness, the independence
assumption is by far the most important one
(cf. Stevens 1986, 202ff., Kenny & Judd
1986). Even small violations can have a dra-
matic effect. When groups are sampled, the
individual observations may turn out to be
dependent because subjects influence or af-
fect other subjects within the same group
with respect to the variable on which they
are measured. This type of dependence is
called ‘nonindependence due to groups’ by
Kenny & Judd (1986). This may occur when
subjects of specific groups have something
in common, for instance the textbook they
have been using, their teacher, and even the
specific social interaction they have been ex-
posed to. Stevens (1986, 204–205) suggests
taking the group mean as the unit of analysis
when within-group dependencies occur.
Another type of dependence is ‘nonindepen-
dence due to sequence’. This may arise when
observations which are repeatedly taken
from single experimental units, exhibit spe-
cific patterns. These patterns may show, for
instance, that adjacent observations are lin-
ked. Notably in rating experiments we can
find this type of nonindependence, for in-
stance when subjects are asked to rate series
of synthesized utterances or samples of pa-
thological speech. It is conceivable that sub-
jects try to vary their ratings in order to
create ‘different looking’ scores. This could
create a sequence where low ratings are fol-
lowed by relatively high ones.
Dependence between observations should
be avoided in collecting data, because it in-
troduces a strong bias in the statistical inter-
pretation of the results. That is why sam-
pling methods in which previously selected
informants are used to find new potential in-
formants should be avoided in language be-
haviour studies.
On the other hand, there are many situa-
tions in which dependence is an essential
part of the phenomenon we want to investi-
gate. An example is the study of interactio-
nal patterns between persons. Dependency
here means that people in interaction influ-
ence each other’s verbal behaviour. When in-
terruptive verbal behaviour is investigated in
opposite-sex dyads, one may think that the
role of the factor sex has to be analysed by
comparing the scores of the male and female
groups; consequently, a straightforward
one-way analysis of variance for indepen-
dent groups will be applied. But beware, this
is wrong. The basic units are not separate
subjects but dyads of subjects, each dyad
consisting of a male and a female subject.
The variable sex, represented within each
dayad, has to be treated like a repeated mea-
sure (the data should be analysed as a ran-
domized block design with k dyads and one
within-block factor with two levels). A dis-
cussion of design issues in dyadic research
can be found in Kenny (1990).
10. Unbalanced designs
Unequal cell sizes often create considerable
problems. In such unbalanced (= nonortho-
gonal) designs a dependency or correlation
may arise between the explanatory factors
(= independent variables). A correlation
between the explanatory variables leads to
problems in the partitioning of the sums of
976 VII. Sociolinguistic Methodology
squares of the dependent variable in a uni-
que way. Where two or more factors are cor-
related, the factors involved explain similar
parts of the dependent variable. Conse-
quently, there is no unique procedure to de-
termine which factor influences the depen-
dent variable and to what extent.
To make this more concrete we present
data from the sociolinguistic study of Milroy
(1980) on the urban vernacular of Belfast.
Central factors investigated by Milroy to ex-
plain linguistic variation were ‘gender’ and
‘social network’. She collected informal
spontaneous speech from 46 informants.
Their speech was analysed for nine so-called
linguistic variables, among them the realizati-
on of /a/. This variable measures the degree of
retraction and back-raising in items such as
‘hat’, ‘man’, ‘grass’. The phonetic realisation
of every occurrence of this variable was sco-
red on a five-point scale, ranging from 1 (ap-
proximating the prestige norm) to 5 (approxi-
mating the vernacular norm). On the basis of
these scores a mean was calculated for every
informant, provided the variable occurred in
the spontaneous speech material collected. A
mean score could be calculated for 37 infor-
mants. The scores on the linguistic variable
can be related to the informant characteri-
stics ‘gender’ and ‘social network’ (the two
factors). Milroy operationalised the factor
‘social network’ on the basis of the multiple-
xity and density of informant’s contacts with
other persons. A higher score indicates a
more open network, a lower score a more clo-
sed one. The data analysed here are given in
Table 99.15. The network scores are divided
into two levels: low scores and high scores.
The original data can be found in the Ap-
pendix in Milroy (1980). In Table 99.15., the
network scores, which in fact range from 0
to 5, are divided into two levels: low scores
(a score of 2 or lower) and high scores (a sco-
re of 3 or higher).
Table 99.15. contains unequal cell fre-
quencies. These point to a correlation bet-
ween network and gender: most female in-
formants have a low network score, whereas
most male informants have a high network
score. If the data are submitted to the
UNIANOVA procedure in SPSS with SS =
Type III, the results are given as presented in
Table 99.16.
Table 99.16. gives the outcomes for an al-
ternative treatment of the sums of squares,
Type I, as well. Under the Type I approach
Table 99.15: Data from Milroy (1980) on the linguistic variable (a); independent variables are gender and
network score (low, high); N = 37
sex
network female male
1.73 2.13 2.16 2.38 2.65 2.73 2.45 2.85
1.45 2.63 1.75 1.05 3.05 2.73
low score 2.25 2.42 2.78
(n = 11,
¯
X = 2.07) (n = 6,
¯
X = 2.74)
2.33 2.48 2.75 2.70 2.83 3.78 3.13 3.43
2.35 2.33 2.50 3.15 3.03 2.75 3.03
high score 2.30 2.55 2.12 2.78
2.18
(n = 7,
¯
X = 2.49) (n = 13,
¯
X = 2.85)
Table 99.16: Sums of Squares (SS) associated with the factors NETWORK, GENDER and their interaction
in the study by Milroy (1980) according to Type I and Type III of the procedure GLM in SPSS.
Type I Type II
Source SS Model SS Model
NETWORK 1.619 R (|) 0.594 R (|, , )
GENDER 2.155 R (|, ) 2.250 R (|, , )
N × S 0.211 R (|, ) 0.211 R (|, )
99. Quantitative methods 977
network is not significant; under the Type
III approach, network is significant. The re-
searcher has to argue which approach is to
be prefered.
11. Other design types
Our introduction to analysis of variance was
based on a specific type of design, i. e. the so-
called completely randomized factorial de-
sign. This design is marked by two characte-
ristics: (1) the subjects are selected randomly
within the groups or they are assigned ran-
domly to the different treatments; conse-
quently, every subject is measured only
once; (2) if more than one factor is involved,
all its levels are crossed with all the levels of
another factor; thus, every level of one fac-
tor is combined with all the levels of the ot-
her factors. Randomized block designs, inclu-
ding designs with repeated measures, differ
with respect to the first characteristic men-
tioned. They are characterized by the use of
so-called blocks. The subjects are distinguis-
hed by these blocks in such a way that the
units within a block are as similar as possi-
ble with respect to the dependent variable
while the units in different blocks are less si-
milar. Homogeneity within blocks can be
achieved by using:
– litter mates or identical twins
– matched subjects (e. g. matched by test
scores)
– repeated measures of a subject
Hierarchical designs differ with respect to
the second characteristic. They are marked
by the presence of nested factors. A factor is
called nested when the levels of that factor
or treatment occur only within specific le-
vels of another factor or treatment.
The type of design has consequences for
the calculation of the mean squares, the de-
grees of freedom, the expected values of the
mean squares and the F ratios. It is impor-
tant, therefore, to be able to specify the na-
ture of the design to be analysed exactly.
There is a wide variety of designs in which
data can be collected and analysed. The way
more complicated designs can be worked
out and analysed is explained in standard
textbooks, such as Winer, Brown & Michels
(1991) and Kirk (1995).
12. Related techniques
Labov (1994; 2001) frequently applies multi-
ple regression analysis to the vowel formant
values of F1 and F2. The F1 and F2 values
are the dependent variable and other varia-
bles are used to explain differences in the vo-
wel formant values. Multiple regression is a
technique which is in many ways compara-
ble to analysis of variance. The latter can in
fact be seen as a special case of multiple re-
gression. Any analysis of variance can be
carried out by multiple regression. However,
multiple regression analysis can do more: (1)
it is applicable to designs in which the inde-
pendent variables are continuous, categori-
cal, or combinations of both; (2) it is also
applicable to designs in which the indepen-
dent or predictor variables are correlated.
However, the occurrence of correlations bet-
ween the independent variables does not
make the interpretation of the results any
easier. It is not our aim to demonstrate ex-
actly how all kinds of designs in analysis of
variance can be transormed into a multiple
regression analysis (see Pedhazur 1982).
A fairly recent development which is im-
portant to sociolinguistic research is the de-
velopment of advanced techniques to test
causal models. The most famous one is LIS-
REL, which is extremely popular in the soci-
al sciences. The low impact of these models
in sociolinguistics must be related to the ab-
sence of a deep interest in quantitative me-
thods, but also to the tradition of sampling
small numbers of speakers.
A relatively new technique to be mentio-
ned is multilevel modelling (hierarchical li-
near models), with many promising applica-
tions. We want to mention the following one.
In Section 11 we presented analysis of va-
riance as a technique which can be used to
detect effects of within-subject factors (re-
peated measures). In many research settings
the within-subject factors under study re-
flect individual change which may be or may
be not affected by between-subjects factors.
Very often the levels of the within-subject
factor represent different points in time, and
the score models underlying individual
change in time are, in fact, ‘growth models’.
The score model used in the traditional, so-
called mixed-ANOVA is assumed to incor-
porate a number of relevant factors: the sub-
jects’ personal bias (a random factor, mani-
festing the unobserved heterogeneity), the
between-subject factor(s), the within-sub-
ject factor and an interaction of between
and within-subject factors. If the latter turns
out to be significant, we have reason to assu-
me that the between-subject factor(s) affec-
978 VII. Sociolinguistic Methodology
ted the time course of the scores (the within-
subject factor). However, this approach has
a number of limitations, associated with
three assumptions underlying analysis of va-
riance with repeated measurements:
– Equal variances: the sphericity-as-
sumption states that the variances of
the differences between the levels of the
within-subject factor(s) are equal; this
assumption is not a realistic one, as we
may expect that subjects will diverge in
their scores in the course of time.
– Equal growth rates: a related phenome-
non is that subjects tend to exhibit indi-
vidual growth rates, which may be a
function of categorical or continuous
background variables. In analysis of va-
riance these individual growth rates can-
not be incorporated in the score model.
– Equal time spacing: spacing between
measurement occasions and the num-
ber of occasions are assumed to be
equal. Especially the last assumption
(no missing data) is awkward, as in
many research settings missing data do
occur.
13. Literature (selected)
Bryck, Anthony S./Raudenbusch, Stephan W.
(1992) Hierarchical Linear Models: Applications
and Data Analysis Methods, Newbury Park, CA.
Jaccard, James/Becker, Michael A./Wood, Gordon
(1984) “Pairwise multiple comparison procedures:
a review”, in: Psychological Bulletin 96, 589–596.
1. Einführung
2. Grundannahmen qualitativer Forschung
3. Alltagsweltliche und wissenschaftliche
Methoden
4. Verfahren der Beobachtung, Befragung und
Analyse
5. Modelle qualitativer Forschungsprozesse
6. Entwicklungsperspektiven
7. Literatur (in Auswahl)
1. Einführung
Qualitative Forschung ist ein Sammelbegriff
für relativ unterschiedliche Ansätze in einer
ganzen Reihe von kultur-, gesellschafts- und
humanwissenschaftlichen Disziplinen. Der
Begriff ,qualitativ‘ bezeichnet verstehend re-
Kenny, David A. (1990) “Design issues in dyadic
reserach”, in: Research Methods in Personality and
Social Pychology, Hendrick, C./Clark M. S., eds.,
Beverly Hills, 164–184.
Kenny, David A./Judd, Charles M. (1986) “Con-
sequences of violating the independence assump-
tion in analysis of variance”, in: Psychological
Bulletin 99, 422–431.
Kirk, Roger E. (1995) Experimental Designs: Pro-
cedures for the Behavioral Sciences, 3
rd
ed., Bel-
mont.
Labov, William (1994) Principles of Linguistic
Change. Internal Factors, Malden/Oxford.
– (2001) Principles of Linguistic Change. Social
Factors, Malden/Oxford.
Levine, Gustav (1991) A Guide to SPSS-X for
Analysis of Variance, Hillsdale, New Jersey.
Milroy, Leslie (1980) Language and Social Net-
works, Oxford.
Pedhazur, Elazar J. (1982) Multiple Regression in
Behavioral Research. Explanation and Prediction,
New York.
Rietveld, Toni/van Hout Roeland (1993) Statisti-
cal Techniques in the Study of Language and
Language Behaviour, Berlin/New York.
Stevens, James P. (1986) Applied Multivariate Sta-
tistics for the Social Sciences, Hillsdale, New Jer-
sey.
Winer, Benjamin J./Brown, Donald/Michels, Ken-
neth M. (1991) Statistical Principles in Experi-
mental Design, New York.
Toni Rietveld/Roeland van Hout,
Nijmegen (The Netherlands)
konstruierende, von der Beobachtung der
Gegenstände angeleitete und auf die Typik
der Gegenstände und nicht auf statistisch
abgesicherte Repräsentativität ausgerichtete
Verfahren, die insofern in Opposition stehen
zu quantitativ messenden, nomothetisch ab-
leitenden und experimentell überprüfenden
Forschungsverfahren.
Qualitative Forschung hat ihre Ursprün-
ge im 19. Jahrhundert und fußt in der gegen-
wärtigen Ausprägung vor allem auf den Ar-
beiten von Max Weber, George Herbert
Mead, Alfred Schütz, der Chicago Schule
der Soziologie, dem Symbolischen Interak-
tionismus, der „dichten Beschreibung“ von
Geertz in der Ethnographie, weiter der Her-
100. Qualitative Methoden/Qualitative Methods
100. Qualitative Methoden 979
rement“ bezeichnet; vgl. Bergmann 1993,
285) erzwingt, dass die wissenschaftlichen
Methoden jeweils in Auseinandersetzung
mit den Spezifika der zu untersuchenden
Gegenstände entwickelt werden. Erforder-
lich ist nicht eine einheitliche Methode für
alle Gegenstände, sondern unterschiedliche
Methoden für verschiedene Typen von Ge-
genständen.
(b) Soziale Realität ist von den Mitglie-
dern konstitutiert und daher in ihrer Sicht
und mit ihren Verfahren zu analysieren. Die
Konstitutionsweise der sozialen Wirklich-
keit ist wesentlich kommunikativ; daher sind
die für die Analyse entscheidenden Verfah-
ren auch kommunikative Verfahren. „Die
soziale Wirklichkeit kann zureichend nur als
sinnhaft durch Kommunikation und Inter-
aktion der Menschen konstitutiertes Gebil-
de begriffen werden; sie kann nur auf dem
Wege der Rekonstruktion kollektiver Deu-
tungsmuster verstanden werden“ (v. Kar-
dorff 1991, 7). Das Prinzip der qualitativen
Forschung wird daher auch als „methodisch
kontrolliertes Fremdverstehen“ bezeichnet
(Matthes/Schütze 1973; Schütze/Meinefeld/
Springer/Weymann 1973; Schütze 1975).
Der wissenschaftliche Zugriff des metho-
disch kontrollierten Fremdverstehen muss
sich „an die dem Forschungsprozess vorgän-
gigen Regeln der alltagsweltlichen Kommu-
nikation anpassen“ (Schütze/Meinefeld/
Springer/Weymann 1973, 434). In besonders
pointierter Weise ist die auf die alltagsweltli-
chen Herstellungsverfahren der Gesell-
schaftsmitglieder ausgerichtete Forschungs-
perspektive in der Ethnomethodologie zum
Programm erhoben worden. Ihr Untersu-
chungsgegenstand sind „Ethnomethoden“
(Vgl. Garfinkel 1967 u. 1974), d. h. „die von
den Mitgliedern einer Gesellschaft im
Handlungsvollzug praktizierte Methodolo-
gie, über welche die – von den Handelnden
als vorgegeben erfahrene und selbstver-
ständlich hingenommene – gesellschaftliche
Wirklichkeit und soziale Ordnung erst pro-
duziert werden“ (Bergmann 1981, 11f.; vgl.
auch Sacks: Aufgabe ist, „to describe me-
thods persons use in doing social life“, 1984,
21).
(c) Als Konsequenz für die Untersuchung
der kommunikativ konstituierten sozialen
Wirklichkeit „von innen“ (Blumer 1973) er-
gibt sich, dass die Alltagsmethoden der Ge-
sellschaftsmitglieder die Grundlage für alle
wissenschaftlichen Methoden bilden. Wis-
senschaftliche Methoden sind Weiterent-
meneutik, der Ethnomethodologie von Ha-
rold Garfinkel sowie der Psychoanalyse (zu
Ansätzen des Sinnverstehens vgl. auch
Graumann/Métraux/Schneider 1991). Qua-
litative Ansätze wurden lange durch das do-
minante naturwissenschaftliche, nomothe-
tisch-deduktive und experimentell-messende
Paradigma an den Rand gedrängt. Seit den
1970er Jahren ist die qualitative Forschung
in den Sozial-, Erziehungs- und Kommuni-
kationswissenschaften wieder verstärkt prä-
sent (vgl. Matthes/Schütze 1973; Schütze
1975), zunächst verbunden mit einer strik-
ten Opposition von quantitativer und quali-
tativer Forschung, seit ca. 15 Jahren aber
auch verknüpft mit einer Diskussion um das
Verhältnis von qualitativen und quantitati-
ven Verfahren, ihre wechselseitige Durchläs-
sigkeit und Kombinierbarkeit in einem For-
schungsprozess.
Zeichen für das gegenwärtige Interesse
und das Bemühen um eine weitergehende
Klärung offener methodologischer Fragen
sind u. a. Lehrbücher und Handbücher
(Lamnek 1988; 1995; Flick/v. Kardorff/
Keupp u. a. 1991; Maxwell 1996; Cresswell
1998; Crabtree/Miller 1999; Flick 1999 u.
2002; Silverman 2000; Denzin/Lincoln 2000
u. 2002; Holliday 2001; Hubermann/Miles
2002). In allen einschlägigen Handbüchern
der Gesprächsforschung und Soziolinguis-
tik sind Artikel zu Fragen der qualitativen
Forschung vertreten (vgl. Esser/Esser 1988;
Dittmar 1988; Gülich 2001; Thimm 2002).
Weiter erscheinen im deutschprachigen
Raum Zeitschriften wie z. B. die Zeitschrift
für qualitative Bildungs-, Beratungs- und
Sozialforschung sowie online-Zeitschriften
und Diskussionsforen wie das Forum Quali-
tative Sozialforschung (<http://www.quali-
tative-research.net/fqs>).
In der Soziolinguistik spielen qualitative
Methoden vor allem in ethnographisch ori-
entierten Untersuchungen und bei der Ver-
wendung von Gesprächsanalyse in der inter-
aktionalen Soziolinguistik eine Rolle
(Kallmeyer 1994/1995; Keim 1995; Schwi-
talla 1995).
2. Grundannahmen qualitativer
Forschung
Die qualitative Forschung fußt auf folgen-
den Grundannahmen:
(a) Die Anforderung der Gegenstandsan-
gemessenheit wissenschaftlicher Verfahren
(von Garfinkel als „unique adequacy requi-
980 VII. Sociolinguistic Methodology
wicklungen und Spezialisierungen von all-
tagsweltlichen Methoden. Sie können sich
durch unterschiedlich starke Abstraktion
gegenüber den Alltagsmethoden auszeich-
nen.
(d) Die Gegenstandsangemessenheit wird
durch eine Ausrichtung auf die Beobach-
tung von Verhalten in natürlichen, ökologi-
schen Kontexten eingelöst im Unterschied
zu experimentellen Verfahren. Höchste Priori-
tät hat das Validitätskriterium, d. h. dass das
Untersuchungsverfahren wirklich das er-
fasst, was mit ihm erforscht werden soll.
Diese sog. Inhaltsvalidität wird durch die
oben offene Auseinandersetzung mit den
Gegenständen und durch die Beobachtung
von Verhalten im ökologischen Kontext und
seine Interpretation durch die Akteure gesi-
chert (vgl. v.Kardorff 1991, 7). Gegenüber
der starken Betonung der internen Validität
z. B. beim Experiment spielt in der qualitati-
ven Forschung die externe Validität eine
zentrale Rolle als Voraussetzung für die
Gültigkeit der Ergebnisse für natürliche Ver-
hältnisse, d. h. auch unter den komplexen
Bedingungen der sozialen Alltagswelt.
(e) Die Inhaltsvalidität der analytischen
Aussagen hat Priorität vor der Einordnung
in allgemeine Theorien. Die Besonderheit
der beobachteten Gegenstände ist entschei-
dend, nicht die theoretische Ableitbarkeit
von zu prüfenden Annahmen darüber.
(f) Dementsprechend lässt sich die Analy-
se von den Beobachtungen an den Daten an-
leiten und vermeidet strikte Vorgaben für
die Relevanz von Beobachtungen. Das Prin-
zip einer möglichst nicht vorstrukturierten
Beobachtung wird u. a. unter Bezug auf das
Konzept der „gleichschwebenden Aufmerk-
samkeit“ formuliert (Freud 1904; vgl. a. v.
Kardorff 1991, 19ff.).
(g) Im Unterschied zu der in der quantita-
tiven Methodologie der Sozialwissenschaf-
ten dominierenden Hypothesenprüfung be-
tont qualitative Forschung die empirisch
fundierte Theoriebildung (vgl. die „disco-
very of grounded theory“ von Glaser/Strauss
1973). Dabei können sowohl qualitative als
auch quantitative Befunde benutzt werden.
(h) Ein viel diskutierter Punkt ist die Fra-
ge der Repräsentativität und Generalisier-
barkeit der Untersuchungsergebnisse. „Im
Bereich qualitativer Forschungsstrategien
geschieht die Sicherung von Allgemeinheit
durch rekonstruktive Verfahren. Medium ist
dabei Kommunikation auf der Grundlage
abstrahierender Typenbildung“ (Kudera
1989, 12). Statt statistischer Repräsentativi-
tät geht es um das Typische. Im Gegensatz
zur Orientierung am Zufall (bei Zufalls-
stichproben) hat eine theoretisch-syste-
matische Auswahl Priorität. „Ziel der
Typenbildung ist – im Unterschied zum Re-
präsentativitätskonzept –, nicht die Über-
tragung von Begrenztem auf Allgemeines,
sondern das Auffinden von Allgemeinem im
Besonderen (Kudera 1989, 12; vgl. a. Lam-
nek Bd. 1, 192/193). „Die Typenbbildung
zielt auf Repräsentanz, nicht Repräsentati-
vität (im statistischen Sinne). Generalisiert
wird nicht wie in quantitativer Forschung
durch einen bedingten Rückschluss vom
Teil aufs Ganze, sondern durch „Abstrak-
tion aufs Wesentliche“. (Kudera 1989, 12).
(i) Qualitative Forschung wird als „huma-
nistic approach“ betrachtet im Unterschied
zu einer Forschung, die durch die sozialtech-
nologische Ausrichtung auf das gesellschaft-
liche Funktionieren der Subjekte bestimmt
ist. Diese Orientierung auf den unmittelba-
ren Bezug zur Praxisbezug spiegelt sich auch
in der Bedeutung von Handlungsrelevanz
und -angemessenheit der Ergebnisse für die
Gesellschaftsmitglieder als ein Qualitätskri-
terium.
3. Alltagsweltliche und
wissenschaftliche Methoden
Der qualitativen Forschung stellt sich, ausge-
hend von der Herstellung der sozialen Welt
durch die Beteiligten, die Aufgabe einer Re-
konstruktion der sozialen Welt „von innen“,
d. h. einer Rekonstruktion der Art und Weise,
wie die Beteiligten die komplexe Herstel-
lungsarbeit leisten. In besonders pointierter
Weise ist die auf die Herstellungsverfahren
ausgerichtete Forschungsperspektive in der
Ethnomethodologie zum Programm erhoben
worden. Ihr Untersuchungsgegenstand sind
„Ethnomethoden“ (vgl. Garfinkel 1967 u.
1974), d. h. „die von den Mitgliedern einer
Gesellschaft im Handlungsvollzug prakti-
zierte Methodologie, über welche die – von
den Handelnden als vorgegeben erfahrene
und selbstverständlich hingenommene – ge-
sellschaftliche Wirklichkeit und soziale Ord-
nung erst produziert werden“ (Bergmann
1981, 11f.); vgl. auch die Formulierung von
Sacks (1984, 21), wonach die Aufgabe darin
besteht „to describe methods persons use in
doing social life“.
Im Sinne des qualitativen Paradigmas sind
wissenschaftliche Methoden Weiterentwick-
100. Qualitative Methoden 981
lungen und Spezialisierungen von alltags-
weltlichen Methoden (vgl. a. Hitzler 1993;
Gülich 2001). Für das methodisch kontrol-
lierte Fremdverstehen genügt es allerdings
nicht, alltagsweltliche Interpretationen zu re-
produzieren und die soziale Welt so zu sehen,
wie die Beteiligten das tun, vielmehr sind die
alltagsweltlichen Interpretationen als Verfah-
rensweise zu rekonstruieren. (Bergmann
1981, 23f.). Die Rekonstruktion ist letzt-
lich immer strukturanalytisch und nicht ein-
fach interpretativ nachvollziehend. Im For-
schungsprozess werden die Konstrukte erster
Ordnung im Sinne von Schütz (die Sinnpro-
dukte der Beteiligten) in Konstrukte zweiter
Ordnung (wissenschaftliche Konstrukte)
überführt. Für die teilnehmende Beobach-
tung z. B. gilt: „So kann es sicherlich nicht
genügen, anzunehmen, der Forscher werde
nach einer gewissen Zeit des Zusammenle-
bens mit der untersuchten Gruppe ,gültige
Interpretationen‘ erbringen, die mit denen
der Handelnden übereinstimmen – es müs-
sen auch Regeln entwickelt werden, nach
denen eine Überprüfung dieser Interpreta-
tionen durch andere Forscher ermöglicht
wird, und es müssen des weiteren Regeln für
den Wechsel zwischen ,Innenperspektive‘
und äußerer Analyse angegeben werden“
(Arbeitsgruppe Bielefelder Soziologen 1976,
S. 43; vgl. Lamnek S. 156). Die Explizie-
rung der Beziehungen zwischen den beiden
Typen von Konstrukten wird als eine
schwierige Aufgabe angesehen (vgl. u. a.
Schütze 1994).
Die Spezialisierung wissenschaftlicher
Methoden gegenüber den zugrunde liegen-
den alltagsweltlichen basiert u. a. auf folgen-
den Prinzipien und Vorkehrungen:
(a) Die Entlastung vom Handlungsdruck
als Beteiligter schafft Möglichkeiten der
Veränderung der Wahrnehmung von sozia-
len Ereignissen. Beobachtungsmethoden wie
die teilnehmende Beobachtung erreichen –
zugunsten von anderen Beobachtungsvor-
teilen – nur eine partielle Freistellung des
Beobachters, während überall dort, wo so-
ziale Ereignisse aufgezeichnet und damit als
Dokument reproduzierbar sind, mit der
Wiederholbarkeit und der gezielten Verän-
derbarkeit der Betrachtungsweise bei der
Analyse einen maximalen Freiraum nutzen
kann. In markanter Weise ist das z. B. der
Fall in der Gesprächs- und Interaktions-
analyse bei der Rekonstruktion der strikt
zeitlich-sequenziellen Herstellung, der die
Interaktionsbeteiligten unterworfen sind,
mithilfe der Aufhebung der Ablaufdynamik
bei der Analyse.
(b) Die Offenheit der Wahrnehmung ge-
genüber den Daten kann als eine Spezialisie-
rung des alltagsweltlichen Erstaunens bzw.
„Sich-Wunderns“ darüber angesehen wer-
den, dass etwas so ist, wie es erscheint, auch
wenn es alltagsweltlich vielleicht als trivial
eingeschätzt wird (z. B. das sich Sprecher in
der Interaktion abwechseln). Damit hängt
unmittelbar das Durchbrechen der Selbst-
verständlichkeit („taken for granted“, Gar-
finkel 1967) zusammen. In diesem Sinne ist
ein wesentlicher Bestandteil des methodisch
kontrollierten Fremdverstehens das Kontrol-
lieren eigener alltagsweltlicher Reaktions-
und Interpretationsweisen. Die verstehende
Analyse stützt sich auf die alltagsweltliche
Interpretationskompetenz des Forschers und
erfordert zugleich eine schrittweise Auflö-
sung des eigenen Vorverständnisses im Pro-
zess der systematischen Analyse.
(c) Ein wirksames Element von Entde-
ckungsverfahren ist die systematische Verän-
derung der alltagsweltlichen Aufmerksam-
keitsspanne. Zu den markanten Stärken der
Konversationsanalyse gehört z. B. die mikro-
skopische Wahrnehmung von kleinen Details
bei der Untersuchung der Produktion von so-
zialer Ordnung in der sprachlichen Interakti-
on. Derartige Details (wie hm, Verzögerun-
gen, das ungeheuer präzise Timing bei
Überlappungen und anderen Phänomenen
im Zusammenhang mit Sprecherwechseln)
erscheinen aus der Teilnehmerperspektive in
vielen Fällen nebensächlich und bleiben un-
terhalb der Aufmerksamkeitsschwelle. Auf
der anderen Seite kann bei der Untersuchung
der Verlaufstrukturen von weitgespannten
Ereigniszusammenhängen die Aufmerksam-
keitsspanne meso- oder makroskopisch er-
weitert werden, um übergreifende Konturen
sichtbar werden zu lassen. Derartige Hand-
lungs- und Ereignisstrukturen werden typi-
scherweise aus einer quasi-naturgeschichtli-
chen Perspektive als Verlauf betrachtet, d. h.
unabhängig von der Sinnkonstitution der
Beteiligten (vgl. Symbolischer Interak-
tionismus, Chicago Schule der Soziologie;
eine soziolinguistische Anwendung in Kall-
meyer/Keim 1996). In analoger Weise gilt
das auch für die Untersuchung von Prozess-
strukturen des Lebensablaufs in der Bio-
graphieforschung, die aus rekonstruktiven
Texten, d. h. der Raffung langer Ereignis-
strecken in biographischen Erzählungen,
Verlaufmuster herausarbeitet.
982 VII. Sociolinguistic Methodology
(d) Eine weitere Abweichung durch Spe-
zialisierung ist das generelle Prinzip der sys-
tematischen Anwendung der gewählten
Analyseverfahren im Sinne einer lückenlo-
sen Analyse aller unter der gewählten Pers-
pektive in Betracht kommenden Phänome-
ne, im Unterschied zu alltagsweltlichen
Beschränkungen der Beobachtung auf ein
für die Durchführung der pragmatischen
Belange ausreichendes Maß.
Die strukturanalytische Auseinanderset-
zung mit den Besonderheiten der Gegen-
stände führt zur Entdeckung von grundle-
genden Eigenschaften und Verfahren der
Konstitution der sozialen Welt. Eine zentra-
le Rolle spielen in der ethnomethodologi-
schen Gesprächsanalyse z. B. „formale
Strukturen“ (vgl. Garfinkel / Sacks 1970) als
stabiles Gerüst der Konstitution von Sinn
und sozialen Zusammenhängen durch die
Beteiligten. Die Einsicht in formale Struktu-
ren wird wiederum für die Entwicklung spe-
zialisierter wissenschaftlicher Methoden be-
nutzt. So ist die Sequenzanalyse in der
Konversationsanalyse durch die Erkenntnis
der grundlegend sequenziellen Ordnung der
Interaktion bestimmt und leitet wirksame
Analyseprinzipien davon ab. In analoger
weise sind die formalpragmatischen Eigen-
schaften von zusammenhängenden Sachver-
haltsdarstellungen, insbesondere des Erzäh-
lens mit den Anforderungen der Konstitution
bestimmter kognitiver Figuren und den
damit zusammenhängenden Darstellungs-
zwängen (der sog. Zugzwänge; Kallmeyer /
Schütze 1977) für die Methode des narrati-
ven Interviews und seiner Analyse grundle-
gend (Schütze 1976 u. 1987). Die qualitati-
ven Verfahren sind immer dort analytisch
besonders stark, wo sie auf solchen forma-
len Strukturen basieren und diese „ausnut-
zen“ (vgl. auch Kap. 3).
Die strukturanalytische Betrachtung der
Hervorbringung der sozialen Wirklichkeit
deckt unterschiedliche Aspekte bzw. Schich-
ten ihrer Konstitutionsweise auf: die Sinn-
produktion der Beteiligten, d. h. die produ-
zierten Sinngehalte und die Verfahren der
Sinnkonstitution; Prozessstrukturen von so-
zialen Ereignissen, übergreifender Ereignis-
verläufe und sozialer Entwicklungen sowie
des Lebensablaufs; darüber werden auch
Tiefenstrukturen des sozialen Geschehens
und seiner Konstitutionsweise zugänglich.
Diese Untersuchungsgegenstände sind eng
miteinander verzahnt, und die sukzessiven
analytischen Fokussierungen bedingen sich
wechselseitig. Dabei treten neben den Her-
vorbringungen von Sinn auch die Beschrän-
kungen der Beteiligten bei der Wahrnehmung
der sozialen Welt zutage. Die Herstellungs-
prozesse sind in den meisten Fällen nur wenig
bewusst und steuerbar. Typischerweise sind
die Akteure schon in einfachen Gesprächs-
verläufen in Prozesse eingebunden, die sie
nur partiell kontrollieren und steuern kön-
nen. Zudem sind die Ereignisse und insbe-
sondere Ereignisfolgen übergreifenden Steu-
ermechanismen und Entwicklungsprozessen
ausgesetzt, die die Akteure im Zweifelsfall
nur bedingt begreifen.
4. Verfahren der Beobachtung,
Befragung und Analyse
Im Folgenden sollen nur einige wenige mar-
kante Verfahren qualitativer Forschung auf-
geführt werden, die jeweils in einer umfang-
reichen Literatur dargestellt und diskutiert
werden. Sie werden hier nur aspektuell, im
Hinblick auf ihre Kerneigenschaften, ihr
Leistungsspektrum und ihren Einsatz im
Rahmen soziolinguistischer Untersuchun-
gen besprochen.
4.1. Beobachtungsverfahren
Ein Schlüsselverfahren der Feldforschung
ist die teilnehmende Beobachtung. Es wurde
geprägt von der ethnologischen / anthropo-
logischen und soziologischen Ethnographie
(vgl. Art. 121 u. 137). Den Ursprung der
teilnehmenden Beobachtung markiert die
Aufgabe der Beobachtungsdistanz wie z. B.
in der sog. Lehnstuhlethnologie, bei der
Mitglieder der untersuchten Population
dem Forscher Informationen zutrugen bzw.
mit dem Beschaffen von Informationen be-
auftragt wurden, die der Forscher dann aus
analytischer Distanz ordnete und auswerte-
te. Teilnehmende Beobachtung zeichnet sich
demgegenüber durch die Teilnahme am so-
zialen Leben der Population aus, das zu un-
tersuchen ist (Spradley 1979).
Die klassische teilnehmende Beobach-
tung liefert Beobachtungen und Interpreta-
tionen, z. B. in Feldnotizen und Beobach-
tungsprotokollen, aber keine Rohdaten der
Beobachtung in Form von Ton- und Video-
Aufnahmen. Das ist einmal historisch durch
den Stand der Aufnahmetechnik bedingt,
zum anderen aber auch durch den Primat
der verstehenden Auseinandersetzung in der
Teilnahmeerfahrung. Allerdings liegt im
100. Qualitative Methoden 983
Verzicht auf die Aufnahme von Rohdaten in
der Beobachtungssituation eine grundlegen-
de Schwäche dieser Vorgehensweise.
Als erfolgreich hat sich folgende Vorge-
hensweise erwiesen: (a) Auf teilnehmende
Beobachtung auch ohne mitlaufende Auf-
nahme kann nicht verzichtet werden, wenn
anders keine Beobachtung möglich ist; teil-
nehmende Beobachtung kann Einblick in
Vorgänge bieten, die anders nicht beobach-
tet werden können. (b) Wo immer möglich
wird die Feldforschung mit Ton- und ggf.
Bildaufnahmen durchgeführt. Um das Risi-
ko der Beeinträchtigung oder sogar des
Scheiterns der Feldforschung zu verringern,
bietet sich häufig an, zunächst klassische
Feldforschung zu betreiben und in einem
zweiten Durchgang Aufnahmen zu machen,
ggf. auch beschränkt auf besonders interes-
sante und dafür geeignete Situationen. Auch
Ton- und Bildaufnahmen sind durch eine
perspektivische und selektive Wahrneh-
mung geprägt, gestatten aber immerhin für
die vorliegenden Ausschnitte einerseits eine
Konfrontation von Interpretationsresulta-
ten mit den Rohdaten und andererseits die
jederzeit wiederholbare Anwendung detail-
lierter Analyseverfahren, die andere Eigen-
schaften des beobachteten Ereignisses her-
vortreten lassen, die der flüchtigen und der
Dynamik der Teilnahme unterworfenen Be-
obachtung des Feldforschers nicht zugäng-
lich sind. (c) Teilnehmende Beobachtung
wird auch bei mitlaufenden Aufnahmen
oder ausschnittweisen Aufnahmen im Feld
nach den üblichen Regeln dokumentiert
durch Feldnotizen, Protokolle (teilweise
während der Beobachtung, häufiger nach-
träglich formulierte), ggf. auch situations-
nah auf Tonband gesprochene Kommentare.
(d) Dokumentiert werden sowohl die ob-
jektivierende Situationswahrnehmung, die
sich auf konkrete Umstände unter Verzicht
auf höherstufige Interpretationen konzen-
triert, gleichsam mit einem „registrierenden
Blick“, als auch die eigene Interpretation
des beobachteten Ereignisses und die eige-
nen Reaktionen, z. B. Fremdheit, Staunen,
Verunsicherung usw. und ihrer Anlässe.
(e) Fremdheitsgefühle und Handlungsunsi-
cherheit beeinträchtigen im Zweifelsfall die
Beobachtungsmöglichkeiten, sind aber auch
hochgradig aussagefähig und stellen einen
zentralen Beobachtungs- und Reflexionsge-
genstand dar. Vgl. dazu auch die psycho-
analytische Ethnologie von Georges Dever-
eux (1967; vgl. a. Legewie 1991, 190), der auf
die Gefahren der Verzerrung durch Gegen-
übertragungen und den problematischen
Rückzug in die scheinbare Objektivität der
distanzierten Beobachtung hinweist und
Ängste, Irritationen und Gegenübertra-
gungsreaktionen des Forschers als eine ei-
genständige Erkenntnisquelle betrachtet
(S. 191). Insofern kann aus der Not der Sub-
jektivität durch Selbstaufklärung des For-
schers eine Tugend gemacht werden (vgl.
auch Habermas 1973). (f) Andererseits er-
streckt sich die Kontroll- und Reflexionsan-
forderung auch auf die wachsende Vertraut-
heit, im Sinne des „going native“ als
Aufgabe der analytischen Distanz zum Ob-
jekt, und des mit dem Teilnahme- und Beob-
achtungsrecht fast regelmäßig verbundenen
Involviertwerdens: als Helfer, Berater, inof-
fizieller Sozialarbeiter oder auch als Doku-
mentar und Publizist bzw. Sprachrohr und
damit Mitspieler bzw. Instrument in einem
politischen Spiel der beobachteten Popu-
lation.
Die Dokumenation der Beobachtungs-
umstände zusammen mit der Analyse der
Notizen und ggf. der Aufnahme sollte eine
Einordnung des beobachteten Ereignisses in
den untersuchten sozialen Zusammenhang
geben, einschließlich seiner Regelhaftigkeit
oder Außergewöhnlichkeit. Daraus ableiten
lassen sich auch Einschätzungen dazu, unter
welchen Bedingungen entsprechende Beob-
achtungen wiederholbar sind. Auch wenn
das in vielen Fällen faktisch nicht ohne Wei-
teres möglich ist, weil die Situations- und
Beteiligungsbedingungen immer wieder spe-
zifisch sind, ergibt sich über die Typisierung
der Bedingungen doch die Möglichkeit, die
Vergleichbarkeit von Folgebeobachtungen
einzuschätzen und ihre stützende oder kriti-
sche Kraft bei der Analyse zu bewerten.
Teilnehmende Beobachtung ist hinsicht-
lich der Wahrnehmungsspanne der jeweiligen
Situationsbeobachtung ein mikrostrukturel-
les Verfahren. Aber durch die Ausweitung
und Streuung der Beobachtung im Verlauf ei-
nes längeren Beobachtungsprozesses wird
zumindest ein mesostruktureller Zugriff auf
Gemeinschaften und soziale Welten möglich
(vgl. Strauss 1993). Die Rekonstruktion der
Referenzwelten der Beteiligten leitet die wei-
tere Beobachtung an; der Feldforscher wan-
dert durch diese Welten und sucht alle von
den Beteiligten als relevant dargestellten Ob-
jekte des sozialen Raumes auf. Hinzu kommt,
dass teilnehmende Beobachtung in der Regel
nur Teil eines Beobachtungs- und Erhe-
984 VII. Sociolinguistic Methodology
bungsprozesses ist zusammen mit Interviews
unterschiedlichen Typs und anderen Ver-
fahren wie z. B. der Konfrontation der Mit-
glieder mit Beobachtungen, ggf. auch Grup-
pendiskussionen (vgl. a. Schütze 1994).
Teilnehmende Beobachtung spielt in der So-
ziolinguistik überall dort eine Rolle, wo mit
ethnographischen Ansätzen gearbeitet wird.
4.2. Befragungsverfahren
Im Gegensatz zu standardisierten Befragun-
gen benutzt die qualitative Forschung offene
Interviews mit dem Ziel, dass der Inter-
viewte die Chance hat, eigene thematische
Relevanzsetzungen einzubringen und seine
Perspektive darzustellen. Der Interviewer
beschränkt sich nach dem thematischen Sti-
mulus am Start auf Interesse-Bekundungen
und Nachfragen sowie eine thematische
Mit-Steuerung durch das Einführen von In-
formationen aus der voraufgehenden Feld-
arbeit. Oberstes Gebot ist, den Interviewten
keine Kategorien und Relevanzen als ver-
bindlich vorzugeben und die Antwortmög-
lichkeiten nicht auf vorgegebene Möglich-
keiten einschränken, sondern Gelegenheit
geben zur Entfaltung eigener Relevanzen.
Der Interviewer gibt nur relativ offene An-
stöße, aber gerade genug, dass der Inter-
viewte seine eigenen Darstellungsaktivitäten
und den Austausch mit dem Interviewer als
relevant empfindet und nicht mit Ratlosig-
keit reagiert und/oder das Interview vorzei-
tig abbricht.
Bei offenen Interviews steht in der Regel
zumindest am Beginn ein thematisches Inte-
resse beim Interviewer im Hintergrund. Die-
ses Interesse kann als ein thematischer Leit-
faden formuliert sein, der aber nur im
Hintergrund zur Kontrolle dient, inwieweit
die vorab als relevant eingeschätzten The-
men vom Interviewten angesprochen wer-
den. Im Zweifelsfall reagiert der Interviewer
in enger Anlehnung an die vom Interviewten
produzierte Themenstruktur mit thematisch
steuernden Rückfragen bzw. Zusatzfragen.
Der Gewinn ist, dass die im voraufgehenden
Untersuchungsprozess bereits erkannten
thematischen Relevanzen nicht „vergessen“
werden. Eine Funktion des Leitfadens ist,
dass mehrere Interviewer in etwa vergleich-
bar vorgehen (vgl. a. die kritische Auseinan-
dersetzung in Hopf 1978).
Von den unterschiedlichen Varianten von
intensiven Tiefeninterviews ist das narrative
Interview wohl die prominenteste Form
(Schütze 1977; Hermanns 1982). Es spielt
u. a. eine herausragende Rolle in der Biogra-
phieforschung. Grundlage ist die Stegreifer-
zählung einer selbsterlebten Geschichte in
Reaktion auf eine allgemeine Themenfrage,
die erzählgenerierende Frage. Narrative In-
terviews haben eine charakteristische Pha-
senstruktur: erster Erzähldurchgang, nur
mit Unterstützung und einfachen Verste-
hensrückfragen des Interviewers, wobei der
Interviewer so lange nicht mit themensteu-
ernden Fragen eingreift, wie der Erzählvor-
gang des Interviewten läuft; Phase der Ver-
tiefung, in der zu Stellen nachgefragt wird,
an denen Zusammenhänge undeutlich bzw.
Entwicklungen nicht plausibel sind, wobei
der Interviewer Detaillierungen und Hinter-
grundgeschichten zur Auffüllung der Ge-
samtdarstellung auslöst. Während dieses Er-
zählvorganges gilt eine Priorität für konkrete,
auf unmittelbare Erfahrung bezogene und
explizit situierte Darstellungen gegenüber
abstrahierenden Reflexionen und theoretisie-
renden Erklärungen. Diese sind vielfach
ebenfalls als Ausdruck der Interviewtenper-
spektive und seiner Orientierungen von Be-
deutung, aber nicht als abgelöste Meinungen,
sondern im Bezug auf Verarbeitungs- und Er-
klärungsanforderungen in Handlungs- und
Erfahrungskontexten. Bei offenen wie narra-
tiven Interviews folgt in der Sequenzstruktur
dann eine argumentative Phase, in welcher
der Interviewer auch Zweifel oder mögliche
Alternativsichten einbringt und den Inter-
viewten zu Begründungen und damit auch zu
stärker abstrahiert-theoretischen Aussagen
veranlasst. Die Stärken des narrativen Inter-
views als Erhebungsinstrument gehen darauf
zurück, dass die zusammenhängende Dar-
stellung von Sachverhalten bestimmten Ver-
fahren und den sog. Zugzwängen des Erzäh-
lens unterliegt wie dem Detaillierungszwang,
der zu einer fortschreitenden Auffüllung von
einfachen Ereigniszusammenhängen führt.
Narrative Interviews sind im Normal-
fall zeitaufwändig und können erheblich in
das Selbstverständnis und die psychische
Befindlichkeit des Interviewten eingreifen.
Insbesondere im Zusammenhang mit proble-
matischen und teilweise systematisch ausge-
blendeten Erlebnissen kann ein narratives
Interview für den Erzähler ein starkes Mit-
tel der Klärung sein, z. B. wenn er – wie
sehr häufig der Fall ist – den gesamten Ge-
schichtenkomplex vorher noch nicht im Zu-
sammenhang dargestellt hat. Verschüttetes
Wissen und übersehene oder verdrängte Zu-
sammenhänge werden durch die Dynamik
100. Qualitative Methoden 985
des Erzählverfahrens bewusst. In diesem Sin-
ne können narrative Interviews im Zweifels-
fall ein wichtiger Schritt der biographischen
Arbeit oder auch der Krisenbewältigung sein
und haben ggf. eine therapeutische Funktion.
Offene Interviews spielen soziolinguis-
tisch vor allem im Rahmen von ethnogra-
phischen Untersuchungen eine Rolle. Sie lie-
fern reiches Material zu den relevanten
sozialen Kategorien, Bewertungskriterien,
Spracheinstellungen und Elementen des
Kommunikationswissens und der Kommu-
nikationsideologie, z. B. Angemessenheits-
vorstellungen. Narrative Interviews bieten
große Möglichkeiten bei der Biographie-
Analyse, wobei die Biographiekonstruktion
sowohl als Rahmen für sprachlich-soziale
Orientierungen bedeutsam ist als auch un-
mittelbar im Sinne einer Sprachbiographie,
ebenso für die Erhebung von Hintergrund-
wissensbeständen. Allerdings werden narra-
tive Interviews in einem technischen Sinne
in der Soziolinguistik bislang noch relativ
selten verwendet.
Das gilt noch mehr für gesteuerte Gruppen-
diskussionsverfahren. Dieses in den USA ent-
standene Verfahren wurde in Deutschland als
Bestandteil des Programms der Kommuni-
kativen Sozialforschung in Bielefeld entfal-
tet (Arbeitsgruppe Bielefelder Soziologen
1976). Es gibt eine fortlaufende Diskussion
und Weiterentwicklung sowohl im angel-
sächsischen als auch im deutschsprachigen
Raum (Fern 1988; Bohnsack 1997 u. 2000;
Barbour/Kitzinger 1999; Bloor/Thomas/
Robson 2001). Gruppendiskussion wird da-
bei definiert als Kommunikation einer Real-
gruppe, die vom Gegenstand der Diskussion
als Gruppe betroffen ist. Ein wichtiges Merk-
mal ist die Spontaneität der Äußerungen der
Beteiligten. Die Dynamik der Diskussion un-
ter im Prinzip Eingeweihten fördert viele als
relevant angesehene Informationen zutage;
die Experten in der Runde kontrollieren sich
gegenseitig, d. h. es wird erkennbar, inwieweit
es sich um geteiltes Wissen und anerkannte
Positionen oder um abweichende Meinungen
und ggf. Idiosynkrasien handelt. Tragendes
Interpretationsschema ist das Argumentati-
onsverfahren. Die Beteiligten bringen ihren
Standpunkt ein, begründen ihn und setzen
sich mit den anderen Standpunkten ausei-
nander. Dabei hat die argumentative Ausei-
nandersetzung oft eine Doppelfunktion als
Informationsquelle für den Forscher und als
Klärungs- und Lernprozess für die Teilneh-
mer (Vgl. u. a. Flick 2002, 168–187).
Die soziolinguistische Feldforschung hat
wesentliche Einsichten über die Aufnahme
von natürlichen Gruppengesprächen ein-
schließlich von Gruppendiskussionen ge-
wonnen, die den oben genannten Kriterien
entsprechen mit Ausnahme der Moderation
bzw. thematischen Steuerung durch den
Forscher (vgl. u. a. Kallmeyer 1994/1995).
Allerdings sind häufig auch Interventionen
des teilnehmenden Beobachters wie interes-
sierte Nachfragen, Erstaunen usw. belegt,
die im Rahmen der legitimen Beteiligungs-
rolle bleiben, im Zweifelsfall aber eine wei-
tergehende Funktion der thematischen
Steuerung haben können; z. B. wenn eine
Nachfrage zeigt, dass dem Beobachter Hin-
tergrundinformationen fehlen, die für die
Gruppenmitglieder selbstverständlich sind,
was eine lange Folge des Wiedererzählens
von „alten Geschichten“ auslösen kann, zur
Freude der Feldforscher und auch der Grup-
penmitglieder, welche die Gelegenheit genie-
ßen, noch einmal ihr Repertoire an Ge-
schichten und Vergangenheitsdarstellungen
ausbreiten zu können. Gesteuerte Gruppen-
diskussionen stellen einen starken Eingriff
in die beobachtete soziale Welt dar aufgrund
des expliziten Situationsarrangements und
der Steuerungsfunktion des Moderators. Im
Rahmen der Feldforschung liegt es daher
nahe, dieses Verfahren im Zweifelsfall rela-
tiv spät einzusetzen.
4.3. Analyseverfahren
Die Befragungsverfahren sind jeweils mit
Aufnahmen (in den meisten Fällen Tonauf-
nahmen, teilweise auch Videoaufnahmen,
z. B. von Gruppendiskussionen) verbunden.
Diese Aufnahmen sind zusammen mit den
Feldaufnahmen das Rohmaterial für die
weitere Analyse. Grundsätzlich wird von al-
len verwertbaren Materialien eine einfache
Verlaufsanalyse und Charakterisierung der
Segmente im Sinne eines Verlaufsprotokolls
durchgeführt. Dieses dient wiederum zur
Auswahl und Lokalisierung von analytisch
interessanten Stellen.
Inhaltsorientierte Verfahren der Textaus-
wertung spielen häufig bei der Interviewaus-
wertung sowie bei der Dokumenten- / Ak-
tenanalyse eine Rolle. In ethnographischer
Soziolinguistik werden sie vor allem in rela-
tiv informeller Weise benutzt, um zentrale
Inhaltselemente und wichtige Kategorien
explorativ aus dem Material zu gewinnen. In
der Soziolinguistik findet eine formellere In-
haltsanalyse als regelgeleitetes Verfahren
986 VII. Sociolinguistic Methodology
mit einem Kategoriensystem und dem Zerle-
gen des Materials in Bearbeitungseinheiten
(vgl. Mayring 1990) wenig Anwendung, u. a.
wegen der strukturanalytischen Schwächen
des Verfahrens, das bestimmte inhaltliche
Items erfasst, ggf. in Kollokationen und
nach Häufigkeiten, aber jeweils nicht als Teil
eines lokalen Strukturzusammenhanges.
Ethnographie der Verknüpfung der Auf-
nahmesituationen bzw. aufgenommenen
Personen und Ereignisse zu einem sozialen
Zusammenhang eine reichhaltige Kon-
textualisierung der jeweiligen Rohmateria-
lien. Eine wiederholt diskutierte Frage ist,
inwieweit bzw. wann und in welcher Form
von diesen Kontextualisierungsmöglichkei-
ten Gebrauch gemacht werden soll. Generell
kann man sagen, dass das Kontextwissen,
d. h. Wissen über den erfassten sozialen Zu-
sammenhang, eine zentrale Rolle bei der
Ordnung des Gesamtkorpus, der Orientie-
rung darin und der Auswahl von Materialien
für die detaillierte Analyse spielt; dass aber
der Einfluss dieses Vorwissens bei der tech-
nischen Detailanalyse vorübergehend aus-
zuschalten bzw. seinen Einfluss genau zu
kontrollieren ist. Die verschiedenen Ansätze
der Analyse von Gesprächs- und Inter-
viewmaterial verfolgen in dieser Hinsicht
unterschiedliche Strategien. Für alle gilt je-
doch, dass eine im technischen Sinne strikte
Strukturanalyse ohne jede Kontextberück-
sichtigung durchgeführt wird mit dem Ziel zu
erfassen, was tatsächlich „im Material“ ist.
In einem weiteren Schritt kann das Material
dann wieder kontextualisiert werden, um
offen gebliebene Rätsel aufzulösen (z. B. un-
klare Referenzen, spezifische Redeweisen,
in der Interaktion nicht aufgelöste An-
deutungen), die Befunde weitergehend zu
interpretieren (z. B. vor der Folie bisheriger
Einsichten in die sozialen Kategorien, Wert-
vorstellungen und sprachlich-sozialen Orien-
tierungen der Beteiligten Akteure) und das
analysierte Ereignis einzuordnen in den so-
zialen Zusammenhang und seine Dynamik
(z. B. als dramatischer Höhepunkt einer Kon-
fliktgeschichte zwischen Protagonisten un-
terschiedlicher Handlungsorientierungen in
einer in die Krise geratenen Institution, wo-
bei der Konflikt von den Akteuren u. a. mit
Fragen der Sprachverwendung und der kom-
munikativen sozialen Stilistik verknüpft wird
und die Konfliktgeschichte aus der Analyse-
perspektive als Bestandteil eines übergrei-
fenden sozialen Prozesses gedeutet werden
kann. Vgl. z. B. Kallmeyer/Keim 1996).
Wohl bislang das präziseste und zugleich
variabelste Analyseinstrument für sprachli-
che Interaktion ist die Konversations- oder
Gesprächsanalyse in ihren unterschiedli-
chen Spielarten (vgl. a. Art. 122). Schwer-
punkt ist die Analyse von sequenziellen
Strukturen unterschiedlicher Reichweite
von ganz lokalen Phänomenen über Muster
für Aktivitätskomplexe (z. B. Erzählen) bis
zum Verlauf von komplexen Ereignissen und
Ereignisfolgen. Konversationsanalyse, soweit
sie ganz allgemeine Strukturen und Verfah-
ren analysiert (vgl. die „formal structures of
practical action“; Garfinkel/Sacks 1970),
konzentriert sich auf eine Analyse des de-
kontextualisierten Materials. Die Rekon-
textualisierung ist in der Mikro-Ethnografie
und in der Folge in der ethnographischen
Anwendung der Gesprächsanalyse wieder
eingeführt worden. Die Objektive Herme-
neutik, die eine Alternative zur Gesprächs-
analyse bietet, ist durch eine Analyse von
kleinen dekontextualisierten Materialaus-
schnitten gekennzeichnet, für die alle ver-
nünftigerweise als möglich anzusehenden
Lesarten gesucht werden; diese Lesarten
werden anhand einer fortschreitenden se-
quenziellen Analyse überprüft und auf die
für das faktische Geschehen relevante Les-
art reduziert. Anschließend wird eine exten-
sive Kontextualisierung durchgeführt, um
die sozialstrukturelle Interpretation des Er-
eignisses zu vertiefen und Verallgemeinerun-
gen zu erreichen (vgl. Oevermann/Allert/
Kronau/ Krambeck 1979; Reichertz 1991).
Zu den wichtigen Verfahrensregeln der
Analyse von Erhebungsmaterialien gehört,
dass in allen Fällen das Zustandekommen
der Informationen dadurch kontrolliert
wird, dass alle kommunikativen Erhebungs-
verfahren wiederum als Kommunikations-
vorgang der Gesprächs- und Interaktions-
analyse unterworfen werden. Interviews z. B.
werden als Gespräch analysiert zur Bestim-
mung der Beteiligungsweise des Interviewers
und seines Anteils am Zustandekommen der
Auskünfte. In analoger Weise ist die Beteili-
gung des teilnehmenden Beobachters und
sein Einfluss auf das beobachtete Ereignis
zu analysieren, zumindest soweit Ton-/Bild-
dokumente vorhanden sind. Auf diese Weise
können auch „Pannen“ der Feldforschung
in Situationen, in denen der Feldforscher
mit seinem Erhebungsinteresse zum Spiel-
ball subversiver Interaktionen der Zielak-
teure wird, sehr aussagekräftig sein für die
Orientierungen und Verfahren in der beob-
100. Qualitative Methoden 987
achteten sozialen Welt (vgl. u. a. Schwitalla/
Streeck 1989).
Ein wesentliches Element der qualitativen
Forschung sind Vergleichs- und Triangulati-
onsverfahren (vgl. u. a. Glaser/Strauss 1967;
Glaser 1978). Vielfältig diskutiert werden
z. B. Verfahren des maximalen und minima-
len Vergleichs: Durch maximalen Vergleich
(mit sehr unterschiedlichen Materialien bzw.
Typen) ist die Kontur und der Kern des un-
tersuchten Typs gut erfassbar, während über
minimalen Vergleich sich Details der inne-
ren Struktur und Varianten ergeben. Trian-
gulation, ein aus der Trigonometrie entlehn-
ter Begriff, bezeichnet den Vergleich von
unterschiedlichen Perspektiven, d. h. Wahr-
nehmungen der Welt von unterschiedlichen
Akteuren oder Standpunkten aus. In der
Ethnographie gilt z. B. die Anforderung, die
Perspektive aller relevanten Akteure bei der
Rekonstruktion eines komplexen Ereignis-
zusammenhanges zu erfassen und mit einan-
der zu vergleichen (Kallmeyer 1995). Die
Strategie der Triangulation wurde auf unter-
schiedliche Gegenstände ausgedehnt wie
z. B. Materialtypen (Aktualkommunikation,
Dokumente, Rekonstruktion im narrativen
Interview, ggf. auch Befragungen im Feld
und Konfrontation von Mitgliedern mit ei-
genen oder fremden Äußerungen usw.) oder
auch Forschungsmethoden. Triangulation
gestattet, einerseits die Perspektivenabhän-
gigkeit von Wahrnehmungen herauszuarbei-
ten und andererseits auch darüber wieder
Analysebefunde abzusichern (z. B. die Rele-
vanz bestimmter Konfliktgegenstände im
sozialen Leben, die von allen – in jeweils ty-
pischer Weise – gesehen werden mit Ausnah-
me von Angehörigen einer sozialen Katego-
rie, deren Nicht-Wahrnehmung als aktive
Ausklammerung erkennbar wird).
5. Modelle qualitativer
Forschungsprozesse
Es liegen einige Modellierung qualitativer
Forschungsprozesse vor, welche die Spanne
zwischen der Ausgangsanforderung von
Offenheit und gleichschwebende Aufmerk-
samkeit als Strategie der Entdeckung von
Eigenschaften des Gegenstandes und der
Theoriebildung (unterschiedlicher Reich-
weite, d. h. eher gegenstandsnahen Theo-
rien geringer Reichweite oder stärker all-
gemeinen, „formalen“ Theorien im Sinne
von Glaser/Strauss 1967) als ein struktu-
riertes Verfahren darstellen, in dem die Gü-
tekriterien qualitativer Forschung veran-
kert sind.
Als Ausgangspunkt wird im Allgemeinen
Max Webers idealtypisches Verstehen, an-
gewendet auf Prozessstrukturanalyse, ge-
nommen (Weber 1904). Danach lassen sich
folgende forschungslogische Schritte unter-
scheiden: (a) Fallrekonstruktion und Fallkon-
trastierung. Jeder einzelne Fall wird rekon-
struiert, dann werden die rekonstruierten
Fallverläufe nach dem Prinzip der maximalen
und minimalen Konstrastierung verglichen.
(b) Ermittlung „reiner“ Fälle / Fallverläufe.
Dafür werden besonders klare und einfache
Ausprägungen der vermuteten Strukturen in
bestimmten Fällen zur Grundlage genommen.
(c) Einzelfallverstehen. Die Spezifika des Ein-
zelfalles werden aus der Differenz gegenüber
dem Idealtypus interpretiert, um „nicht das
Gattungsmäßige, sondern umgekehrt die
Eigenart von Kulturerscheinungen scharf zu
Bewusstsein zu bringen“ (Weber 1904, 202).
(d) Strukturverstehen. Im untersuchten Fall
werden die sozialen Strukturen identifiziert,
aus denen sich der Einzelfall (oder die Menge
der Einzelfälle) erklären lässt. Dazu wird das
Material neu gruppiert, nicht mehr idealty-
pus-orientiert, sondern nach bestimmten Aus-
prägungen bzw. Spuren von sozialstrukturel-
len Einflüssen.
Das gegenwärtig verbreitetste Prozess-
modell für qualitative Forschung ist die
„Discovery of grounded theory“ (Glaser/
Strauss 1967; Glaser 1978; Strauss 1987; vgl.
auch Wiedemann 1991). Die zentralen Ele-
mente sind hier:
(a) Theoretisches Sampling im Sinne
einer theorie- bzw. hypothesengeleiteten
Auswahl von Untersuchungseinheiten. Der
Umfang der Grundgesamtheit und ihre
Merkmale sind vorab unbekannt; es erfolgt
eine mehrmalige Ziehung von Stichproben-
elementen nach jeweils neu festzulegenden
Kriterien; die Stichprobengröße ist vorab
nicht definiert. Das Sampling wird beendet,
wenn theoretische Sättigung erreicht ist
(d. h. wenn neue Fälle / Befunde nicht mehr
zur Veränderung bzw. Entwicklung der
Theorie beitragen (vgl. a. Wiedemann 1991,
441). (b) Theoretisches Kodieren. Die Kate-
gorienbildung erfolgt in Auseinanderset-
zung mit dem Material. Drei Stufen des
Kodierens sind zu unterscheiden: offenes
Kodieren, das einer möglichst reichen Kate-
goriengewinnung in Auseinandersetzung
mit den Spezifika des Materials dient; axia-
les Kodieren, bei dem einigene Kategorien
988 VII. Sociolinguistic Methodology
schwerpunktmäßig ausgearbeitet werden;
theoretisches Kodieren, bei dem die axialen
Kategorien in einen theoretischen Zusam-
menhang integriert werden und Basiskon-
zepte gewählt werden (ein oder zwei für eine
Untersuchung). Dann folgen noch die Aus-
arbeitung der Basiskonzepte sowie die Ver-
dichtung und Integration der theoretischen
Konstrukte im Hinblick auf eine Theorie.
Ein Hilfsmittel dafür sind: (c) Theoretische
Memos. Diese sind kurze Skizzen, die der
Entwicklung von Hypothesen und methodi-
schen Überlegungen dienen. Die Memos
werden nach theoretischen Gesichtspunkten
sortiert und im Hinblick auf die Theoriebil-
dung ausgewertet. Es folgt das theoretisches
Schreiben bis zur Zusammenfassung der
Theorie.
Als Weiterentwicklung dieser Entwürfe
entstehen Schritt für Schritt weiter ausdif-
ferenzierte Prozessmodelle, die Aspekte
der fortschreitenden Methodenreflexion und
-entwicklung inkorporieren und die Beson-
derheiten von verschiedenen Untersuchungs-
typen wie Sampleanalyse und Fallanalyse be-
rücksichtigen (vgl. u. a. Flick 1991; Schütze
1993). Eine solche ausdifferenzierte Variante
kann man so charakterisieren: (a) Klärung
des Gegenstandsbereichs, Überblick, Samm-
lung, vorläufige Abgrenzung. (b) Reflexion
von Anlass/Motivation, Überprüfung des
theoretischen Vorwissens, Reduktion der Ka-
tegorien für die erste Beschreibung. Insbe-
sondere auch: Überprüfung von impliziten
Annahmen über den Gegenstand, die einen
Bias verursachen können. (c) Exemplarische
Analysen, Feststellung relevanter Phäno-
mentypen, Überprüfung der Beschreibungs-
kategorien und erneute Öffnung. (d) Analyse
einer Fallmenge, Vergleich, Befunde und Re-
flexion des Ansatzes. (e) Modellierung auf
der Grundlage der Befunde und der darüber
gebildeten Kategorien. (f) Ausdifferenzieren
des Modells, ggf. mit Rückgang in die Mate-
rialanalyse oder auch gezielter Erweiterung
der Materialauswahl. (g) Modellformulie-
rung. (h) Neue Belegung des Modells durch
frisches Material.
Bei der Fallanalyse spielt die Erfassung
der Komplexität der Fallkonstitution die
zentrale Rolle. Dem Vergleichsverfahren in
der Analyse von Fallmengen entspricht hier
die Spiegelung, d. h. Abbildung von Elemen-
ten in anderen Zonen des Fallzusammenhan-
ges (z. B. Aufscheinen derselben Falleigen-
schaften in unterschiedlichen Perspektiven,
Vorstufen und späte Verarbeitungen usw.).
6. Entwicklungsperspektiven
Qualitative Methoden haben unbestreitbare
Stärken bei der Erschließung von Arbeitsbe-
reichen und der Entwicklung einer angemes-
senen („realistischen“) Sicht auf die unter-
schiedlichen Weltausschnitte, d. h. eine hohe
explorative Kraft. Charakteristisch ist wei-
ter die Verbreitung in der Erforschung der
Handlungspraxis in bestimmten Tätigkeits-
feldern, z. B. in den „studies of work“ (vgl.
im Überblick Bergmann 1991) und in der
praxisnahen, angewandten Forschung, bei
der die Handlungsrelevanz der Ergebnisse
ein wesentliches Gütekriterium darstellt, so
in der Sozialarbeit, der Beratungsforschung,
in zunehmendem Maße auch als Verfahren
der Evaluation in beruflichen Kontexten
(z. B. Schule).
Wichtig für die Soziolinguistik sind vor
allem die Kombination von teilnehmender
Beobachtung und Analyse von dokumen-
tierten Rohdaten, die eine Wiederholung
und Überprüfung der Analyse gestatten, so-
wie Triangulationsverfahren mit dem Ver-
gleich von ethnographischen Situations-
interpretationen und dem analytischen
Nachweis der Relevanz von Interpretions-
kategorien in der aufgenommenen Interak-
tion.
In den letzten Jahren eine verstärkte Ent-
wicklung in der Methodologie; insbesondere
in Europa, vor allem Deutschland. Qualitati-
ve Verfahren sind im Forschungsprozess
ständig Gegenstand der Beobachtung und
Reflexion, als Selbstbeobachtung (und Pro-
tokollierung), als wechselseitige Beobach-
tung in Dialogverfahren der Offenlegung und
Begründung oder auch Formen der Supervi-
sion im Sinne eines Arrangements, dass in
kontrollierter Weise die Reflexion des Vorge-
hens und der Methodenentwicklung stützt.
Wichtigstes Element ist in diesem Zusam-
menhang weniger die leitfadenartige Ent-
wicklung und Vorgabe von konkreten Ar-
beitsschritten als vielmehr die Explizierung
von Logik und Ablauf der Untersuchung. Bei
der Explizierung der Forschungslogik und
der Gütekriterien sowie insbesondere der
Überprüfungsverfahren besteht noch ein De-
fizit.
Gegenstand verstärkter Klärungsbemü-
hungen sind in den letzten Jahren das Ver-
hältnis und die Kombinierbarkeit von quali-
tativen und quantitativen Verfahren. Nach
der Frontstellung früherer Jahre zwischen
den beiden Paradigmen gibt es eine neue
100. Qualitative Methoden 989
Diskussion um die mögliche wechselseitige
Durchlässigkeit der beiden Paradigmen
(vgl. auch Esser/Esser 1988). Die geläufige
Vorstellung von einer sinnvollen Kombina-
tion qualitativer und quantitativer Methoden
ist, dass qualitative Methoden der Explora-
tion und auch der schnellen Hypothesenge-
winnung dienen und quantitative und ggf.
experimentelle Methoden der Hypothesen-
überprüfung. Aber auch die umgekehrte
Reihenfolge kann sinnvoll sein, d. h. dass
quantitative Beobachtungen anschließend
mit qualitativen Methoden vertieft und hin-
sichtlich der involvierten Konstitutionspro-
zesse geklärt werden (vgl. auch v. Kardorff
1991, 8). Denkbar ist immer die Einbezie-
hung von Beobachtungen unterschiedlicher
methodologischer Herkunft in die Triangu-
lation, bei der ja gerade auch das Zustande-
kommen der verglichenen Befunde in Be-
tracht gezogen wird.
Einen Ansatzpunkt für die engere Ver-
knüpfung der unterschiedlichen Verfahren
bietet der Umstand, dass Zählen im einfa-
chen Sinne implizit oder explizit in vielen
qualitativen Beobachtungen enthalten ist,
z. B. wenn in der Konversationsanalyse kon-
statiert wird, dass in einem Korpus Phäno-
mene „in the vast majority of cases“ oder
„overwhelmingly“ auftreten im Unterschied
zu wenigen Abweichungen. Vorstellungen
von Normalität bzw. Regelhaftigkeit und
Abweichung sind auch gegründet auf die
Wahrnehmung von Quantitäten. Allerdings
erfüllen derartige einfache Mengenbeobach-
tungen noch nicht die Anforderungen von
statistischen Verfahren. In der Konversati-
onsanalyse wir die Einbeziehung von quan-
titativen Verfahren noch skeptisch diskutiert
unter Hinweis darauf, dass man die Beob-
achtungsphänomene erst verlässlich kodie-
ren und zählen kann, wenn man genug über
sie weiß; andernfalls besteht die Gefahr,
dass die interessanten Besonderheiten bei
der Anwendung von schon vorhandenen
Kategorien verdeckt werden (vgl. Schegloff
1993; Heritage 1995).
Für die Soziolinguistik ist wichtig, dass
einerseits einfache und relativ klare Men-
genverhältnisse, die für die Erkennung von
Typen und ihre Kategorisierung wichtig
sind, auch explizit erfasst werden. So sind
generell Präferenzen für bestimmte Aus-
drucksmittel konstitutiv für bestimmte Gen-
res bzw. Kommunikationsmuster (z. B. Prä-
ferenzen für bestimmte Verknüpfungen von
Türkisch und Deutsch beim Erzählen von
deutschtürkischen Jugendlichen der zweiten
Migrantengeneration; vgl. Kallmeyer/Keim/
Aslan/Cindark 2002); die den Präferenzen
der Ausdruckswahl entsprechenden Men-
genverhältnisse sind für die Typenbildung
relevant. Darüber hinaus sind Tendenzen,
allmähliche Verschiebungen und sukzessive
Veränderungen, die Gegenstand von quali-
tativen „naturgeschichtlichen“ Prozessbe-
obachtungen sind, ebenfalls nur mit (einfa-
chen) quantitativen Verfahren zu erfassen
(z. B. schon die Veränderung der Sprachva-
riationsmuster bei den deutsch-türkischen
Jugendlichen über ca. 10 Jahre, unter dem
Einfluss der Kommunikationserfahrungen
in der Schule und anderen Situationen au-
ßerhalb des familiären Bereichs; vgl. Kall-
meyer/Keim/Aslan/Cindark 2002).
Angesichts der Tatsache, dass der Sozio-
linguistik hin und wieder ein Mangel an
Theoriebildung vorgeworfen wird, können
die Verfahren einer „discovery of grounded
theory“ als Stützung einer dezidierten Theo-
riebildung für die Weiterentwicklung der
Soziolinguistik bedeutsam werden. Das gilt
insbesondere für die Erfassung und Konzep-
tualisierung komplexer Zusammenhänge
wie z. B. des Zusammenhangs von Kommu-
nikationsstrukturen und sozialen Strukturen,
d. h. von Ausdrucksformen, rhetorischen
Verfahren, Strategien des kommunikativen
Handelns, Kommunikationstypen/Gattun-
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tuationen und -rollen in der sozialen Organi-
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1. Einführung
2. Quantitative Forschung
3. Qualitative Forschung
4. Literatur (in Auswahl)
1. Einführung
Jeder Forschungsprozess unterliegt for-
schungslogischinternen und -externen Fakto-
ren, die den Ablauf einer empirischen Un-
tersuchung strukturieren. Zu den externen
Faktoren gehören Forschungsressourcen
(Zeit, Personal, Sachmittel) und Projektvor-
gaben (Zwischen- und Abschlussberichte
etc.). Forschungslogischintern durchläuft
jeder Forschungsprozess grob vier Haupt-
phasen, unabhängig davon, um welchen Typ
von Forschung es sich handelt:
(1) Problemfindung und präzise Formulie-
rung des Forschungsproblems,
(2) Planung und Vorbereitung der Erhe-
bung,
(3) Datenerhebung,
(4) Datenauswertung.
Welche Entscheidungen in diesen Haupt-
phasen im Einzelnen zu treffen sind und wie
die Phasen strukturiert sind, hängt aller-
dings auch davon ab, ob das Problem im
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Werner Kallmeyer, Mannheim
(Deutschland)
Rahmen eines quantitativen oder qualitati-
ven Forschungsansatzes (s. auch Art. 99 und
100 in diesem Band) gelöst werden soll.
Klassisch und paradigmenbildend für die
Soziolinguistik ist der lineare Phasenablauf
in der quantitativen Forschung; daneben
stehen rekursive Phasenabläufe in qualitati-
ven Ansätzen (s. Punkt 3).
2. Quantitative Forschung
Die Durchführung einer empirischen Unter-
suchung in der Perspektive der quantitati-
ven Forschung lässt sich in aufeinanderfol-
gende Schritte gliedern, die den zeitlichen
Ablauf und internen logischen Aufbau einer
Untersuchung widerspiegeln (vgl. im Ein-
zelnen Schlobinski 1996, 19ff.). Im ersten
Schritt der Untersuchung werden die Ideen
konzeptualisiert, die allgemeinen und spe-
ziellen Ziele der Untersuchung festgelegt
und der Untersuchungsgegenstand definiert
und operationalisiert. Anschließend werden
Hypothesen formuliert, die bei statistischen
Untersuchungen getestet, d.h. durch die Un-
tersuchung geprüft werden sollen. Die präzi-
se Formulierung der Hypothesen (und Ge-
genhypothesen) ist für statistische Analysen
101. Phasen des Forschungsprozesses / Stages of Research
101. Phasen des Forschungsprozesses 993
von zentraler Bedeutung. Im zweiten Schritt
erfolgt die Planung und Durchführung der
Datenerhebung. Zunächst wird die Stich-
probe (Art und Umfang) festgelegt, es wer-
den ggf. Vortests durchgeführt, Fragebögen
in einem Vorlauf getestet usw. Es folgt dann
die eigentliche Erhebung. Im dritten Schritt
wird das erhobene Material verarbeitet und
aufbereitet. Verbale Daten werden verschrif-
tet, interessierende Gesprächspassagen wer-
den ausgewählt, quantitative Daten werden
in Form von Tabellen und Graphiken zu-
sammengefasst (deskriptive oder auch ex-
plorative Datenanalyse). Im letzten Schritt
steht die eigentliche Analyse der Daten und
die Beantwortung der Frage, welche
Schlussfolgerungen aus dem Datenmaterial
gezogen werden können. Bei statistischen
Verfahren werden die zuvor formulierten
Hypothesen getestet. Die Ergebnisse der
Untersuchung sind mit den Ergebnissen an-
derer Untersuchungen zu vergleichen, und
ggf. sind Prognosen und Modelle anhand
der vorliegenden Untersuchung zu erstellen.
2.1. Problemwahl und Formulierung des
Forschungsproblems
Jede soziolinguistische Untersuchung hat
als Ausgangspunkt eine Forschungsfrage,
die als ein Forschungsproblem möglichst
klar zu formulieren ist. Anlass eines For-
schungsproblems können disziplinimmanente
Fragen sein, die sich aus dem Forschungs-
stand der Soziolinguistik ergeben, oder exter-
ne Fragestellungen: Viele Forschungen zu
Sprachbarrieren und die daraus resultieren-
den Kompensationsprogramme waren Folge
sozialer Probleme wie die Benachteiligung von
Unterschichten auf Grund ungleicher Bil-
dungschancen (s. hierzu auch Dittmar 1973,
97ff.). Forschungslogischimmanent ist z.B.
die Weiterentwicklung des additiven Modells
der Variablenregel von Labov zu sehen; das lo-
gistische und das log-lineare Modell sind Lö-
sungen einer widersprüchlichen Modellierung
(vgl. Art. 117).
Zur Eingrenzung, Strukturierung und
Konkretisierung eines Problems können ne-
ben Literaturrecherche, Beobachtungen im
sozialen Feld, Explorationsstudien und Vor-
untersuchungen relevant sein. Speziell in der
Soziolinguistik ist die rasche und anonyme
Datenerhebung eine Form der Interview-
technik, die meist explorativen Charakter
hat, wobei das Forschungsziel hier nicht
zwangsläufig die Prüfung von Hypothesen
ist, „sondern deren Entwicklung anhand des
empirischen Materials. Präzise Fragestel-
lungen stehen dann nicht am Anfang der
Untersuchung, sondern ergeben sich mögli-
cherweise erst als Resultat der Studie“
(Diekmann 1999, 163). Eine klassische Pi-
lotstudie ist die sog. Kaufhausstudie von La-
bov (1966), bei der es um eine phonologische
Fragestellung im New Yorker Englisch ging
im Rahmen der soziolinguistischen Erfor-
schung der sprachlichen Verhältnisse in
New York, speziell um das Vorhandensein
oder Fehlen von [r] in postvokalischer Posi-
tion, z. B. car, card, four, fourth, etc., und wie
die Allophone hinsichtlich sozialer und sti-
listischer Faktoren variieren. Um die sozia-
len Faktoren zu berücksichtigen, wählte La-
bov drei unterschiedliche Kaufhäuser als
Erhebungsorte aus, die in ihrem Rang und
Status deutlich divergieren: ein Kaufhaus in
der Fifth Avenue mit hohem Prestige, ein
nach Preis und Prestige in der Mitte gelege-
nes und ein billiges Kaufhaus, nicht weit von
der Lower East Side. Labov trat nun an An-
gestellte in der Rolle eines Kunden heran
und fragte sie nach einer Abteilung im vier-
ten Stock. Die Antwort erfolgte in einem in-
formellen Stil. Labov fragte anschließend
noch einmal nach und erhielt gewöhnlich
eine zweite, emphatische Äußerung ,Fourth
Floor!‘ (formeller Stil). Daraufhin notierte
er die sprachliche Realisierung, verschiede-
ne Daten zur Person und erfasste so folgen-
de Merkmale:
– Kaufhaus
– Stockwerk innerhalb des Kaufhauses
– Geschlecht
– Alter (geschätzt in Intervallen von fünf
Jahren)
– Tätigkeit (Verkäufer, Kassierer, etc.)
– Hautfarbe
– Akzent
Neben den so ermittelten unabhängigen, au-
ßersprachlichen Variablen erhielt Labov den
Gebrauch des [r] in vier verschiedenen Posi-
tionen:
– präkonsonantisch
– auslautend
– informell (zwanglos gesprochen)
– formell (emphatisch gesprochen)
In sechseinhalb Stunden ,interviewte‘ Labov
auf diese Weise 264 Personen. Anschließend
wurden die Sprachdaten statistisch ausge-
wertet.
Neben dem Vorteil eines schnellen und
systematischen Sampling hat die Methode
verschiedene Nachteile, die die Aussagekraft
einschränken. Zum einen besteht ein Nach-
994 VII. Sociolinguistic Methodology
teil darin, dass die Daten nicht auf einen
Tonträger aufgenommen wurden und somit
nicht überprüfbar sind. Es ist fraglich, dass
durch Nachfragen immer eine emphatische
Äußerung elizitiert wird, der Grad der Em-
phase wird stark variieren, die Stichprobe ist
nicht repräsentativ. Eine andere Form der
raschen Datenerhebung wurde im Philadel-
phia-Projekt als Voruntersuchung ange-
wandt, nämlich eine Erhebung per Telefon
(vgl. Labov 1981). In diesem Fall wurden In-
formanten nach dem Zufallsprinzip angeru-
fen und um Mitarbeit gebeten. Sprachpro-
ben wurden auf Tonband aufgenommen,
und es konnte so in kürzester Zeit ein grober
Überblick gewonnen werden, von dem aus-
gehend weitere Fragestellungen und Metho-
den entwickelt wurden. Nachteil dieser Me-
thodik ist die eingeschränkte Tonqualität.
Eine weitere Variante der raschen und ano-
nymen Datenerhebung ist die Erhebung von
Wegauskunftsdaten (Schlobinski 1987, 49f.).
Auf der Grundlage und im Anschluss an
eine Pilotstudie steht die stärker strukturier-
te Untersuchungsphase, für die zunächst die
in der Exploration gewonnenen Ergebnisse
operationalisiert und in präzisierte Pro-
blemstellungen, möglichst in Hypothesen-
form, überführt werden.
2.2. Operationalisierung und
Hypothesenbildung
Bei der wissenschaftlichen Untersuchung ei-
nes Problems erfolgt die angestrebte Lösung
dieses Problemes auf der Basis von Lösungs-
entwürfen, genauer: Forschungshypothesen.
Je präziser diese Forschungshypothesen for-
muliert sind, desto eher sind sie empirisch
überprüfbar. Eine operationalisierte Hypo-
these ist eine solche, die einer Messung und
somit empirischen Überprüfung zugänglich
gemacht wird.
Hinsichtlich des Geltungsbereichs sind
deterministische und probabilistische oder
stochastische Hypothesen zu unterscheiden.
Deterministische Hypothesen haben – ver-
gleichbar obligatorischen Regeln in der Sys-
temlinguistik – einen universellen Geltungs-
bereich, z. B. „Soziolektsprecher werden
(immer) stigmatisiert“, während probabilis-
tische Hypothesen Aussagen mit einer mehr
oder weniger bestimmten Wahrscheinlich-
keit sind, z. B. „Dialektsprecher werden in
der Regel stigmatisiert“ bzw. „Dialektspre-
cher werden zu 90 % stigmatisiert“. In der
korrelativen Soziolinguistik werden Ergeb-
nisse auf der Gundlage von Prüfstatistiken
mit Zufallserwartungen verglichen. Die Prüf-
statistik (z. B. Chi-Quadrat-Test) liefert
Kriterien, eine Hypothese auf der Grundla-
ge einer Wahrscheinlichkeitsaussage anzu-
nehmen oder abzulehnen. Dabei drückt die
sog. Nullhypothese (H
o
) aus, dass ein be-
stimmtes Untersuchungsergebnis zufällig
zustande gekommen ist, die Gegenhypothese
oder Alternativhypothese (H
1
) hingegen,
dass dem nicht so ist (vgl. Schlobinski 1996,
144ff. und Woods/Fletcher/Hughes 1989,
120ff.). Klassische Untersuchungen auf der
Basis von Prüfstatistiken sind die Arbeiten
von Bernstein (1962) und Labov (1966).
2.3. Methoden der Datenerhebung
Die Methoden der Datenerhebung und die
Erhebungsinstrumente dienen der Samm-
lung von Evidenzien für die in Frage stehen-
den Hypothesen, sie sind zudem abhängig
vom Forschungsdesign und von der Art des
Sampling (2.4). Im Hinblick auf das For-
schungsdesign ist grundsätzlich relevant, ob
eine Querschnitts- und/oder Längsschnitter-
hebung, ob eine Trendstudie, Panel- oder
Kohortenstudie etc. durchgeführt wird, ob
Parallel- und Kontrolluntersuchungen beab-
sichtigt sind, ob Gruppen von Individuen
oder Einzelpersonen untersucht werden sol-
len etc.
Für die Erhebung von Daten stehen ver-
schiedene Techniken zur Verfügung, die
nach Untersuchungsgegenstand und -ziel
ausgewählt werden müssen. Es ist ein Unter-
schied, ob man einen Soziolekt dokumentie-
ren oder eine lexikostatistische Untersu-
chung in Jugendzeitschriften durchführen
will. Grundsätzlich stellt sich das Problem,
was zu beachten ist, wenn man Sprache(n)
untersucht, und wie man sprachliche Belege
erhält. Zunächst ist darauf zu achten, dass
Belege der geschriebenen und gesprochenen
Sprache nicht gleichgesetzt werden. Eine
schriftgeprägte Voreinstellung findet sich in
zahlreichen Untersuchungen, die für sich in
Anspruch nehmen, Sprechweisen zu unter-
suchen. Folge ist eine falsche Methodik, die
dem Untersuchungsgegenstand nicht ge-
recht wird. Klassisches Beispiel hierfür ist
die Untersuchung von Henne (1986) zur Ju-
gendsprache. Henne versteht unter Jugend-
sprache ein „spielerisches Sekundärgefüge“,
das spezifische „Sprechformen favorisiert“
(Henne 1986, 208). Die ,favorisierten Sprech-
formen‘ erhebt Henne in einer Fragebogen-
erhebung mit Fragen wie „Kennst Du
Klangwörter (z. B. peng, ächz, lechz,
101. Phasen des Forschungsprozesses 995
usw.)?“. Der Fragebogen ist in diesem Fall
jedoch ungeeignet, Sprechformen zu doku-
mentieren (vgl. Brandmeyer/Wüller 1989,
149). Fragen nach dem Sprachwissen geben
noch keine Auskunft darüber, wie Jugendli-
che wirklich sprechen. Für Untersuchungen
zur gesprochenen Sprache ist es sinnvoll,
Tonaufnahmen zu erheben, und je nach Fra-
gestellungen in bestimmten Kontexten. Im
Falle der Untersuchung von Sprechformen
von Jugendlichen stellt sich das bekannte
Beobachterparadox (Labov 1972, 209) be-
sonders scharf: Man will möglichst natür-
liches Sprachmaterial erhalten, das do-
kumentiert, wie Jugendliche im Alltag
sprechen, wird als Interviewer es aber nicht
erreichen, in natürlichen Situationen per
Tonband authentische Daten zu erheben.
Um möglichst natürliches Sprachmaterial
erheben zu können, darf man nicht als
Fremder die Natürlichkeitsbedingungen der
Situation stören, die Tatsache, dass aufge-
nommen wird, tut ein Übriges.
Brauchbare Tonaufnahmen zu erheben,
stellt sich in der Praxis als recht schwierig
dar, von daher sind folgende Faktoren und
Fragen im Vorfeld zu beachten:
(1) Welche Rolle nimmt der Forscher selbst
bei der Tonaufnahme ein (z. B. Intervie-
wer versus teilnehmender Beobachter)?
(2) Wie sind die örtlichen Rahmenbedin-
gungen (z. B. geschlossener Raum ver-
sus Aufnahme im Freien).
(3) Konstellation der Aufnahmegruppe
(z. B. wieviel Personen werden aufge-
nommen?).
Technische Aspekte sollten von vornherein
geklärt werden. Bei Ungeübten, die zum ers-
ten Mal Tonaufnahmen durchführen, kann
man immer wieder feststellen, wie schwierig
es ist, die Geräte zu bedienen, das Mikro-
phon optimal auszurichten usw. Hinweise
zur Benutzung von Aufnahmegeräten geben
Samarin (1967, 88–102) und Healey (1989).
Ungeübte Interviewer bestätigen in der Re-
gel konstant den Gesprächspartner durch
Rückmeldepartikeln anstelle mit dem Kopf
zu nicken. Nebengeräusche, z. B. durch ein
offenes Fenster, überlagern die Tonaufnah-
me, bei Gruppenaufnahmen können durch
den Einsatz eines einzigen Mikrophons
Sprecher später nicht mehr identifiziert wer-
den usw. Probeaufnahmen sind von daher in
der Regel sinnvoll.
Die präziseste Methode, Daten zu erhe-
ben, ist das kontrollierte Experiment bzw.
der Test (vgl. im Einzelnen Art. 109 und 110
in diesem Band). Neben der Kausalitätsana-
lyse und der Kontrolle der Bedingungen als
Ausgangspunkt eines Experimentes (Aus-
schaltung von Störvariablen), sollen Experi-
mente wiederholbar sein. In Parallel- oder
Re-Tests müssen die gleichen Ergebnisse er-
zielt werden. Bei Experimenten kann zum
einen auf etablierte Verfahren zurückgegrif-
fen werden, zum anderen kann es erforder-
lich sein, eigene Messverfahren und -techni-
ken zu entwickeln bzw. zu modifizieren. So
übertrug Labov (1972, 308ff.) den von Lam-
bert et al. (1960) entwickelten Matched-
guise-Test aus der Spracheinstellungsfor-
schung auf die Soziolinguistik. Hierbei ist
darauf zu achten, dass Replikationen vorlie-
gender Tests nur dann möglich sind, wenn
detaillierte Angaben über Testaufbau und
über die Instrumentierung gegeben werden.
Die Entwicklung eigener Messtechniken ist
zu begründen und auf der Folie gesicherter
statistischer Grundlagen durchzuführen –
so sind beispielsweise viele konstruierte Dia-
lektindizes nicht reliabel.
Die schriftliche Befragung, bei der in rela-
tiv kurzer Zeit eine repräsentative Erhebung
erfolgen kann, läßt sich in fünf verschiedene
Phasen einteilen: (1) Fragebogenaufbau und
Formulierung der Fragen, (2) Festlegung
der Stichprobe, (3) Pretest: Überprüfung des
Fragebogens an kleiner Teilstichprobe, (4)
Erhebung und (5) statistische Auswertung.
Bei der Frageformulierung sind verschiede-
ne Faktoren zu berücksichtigen. Die Frage-
kategorien sind bezüglich der Hypothesen
und der weitern Auswertung relevant, wählt
man offene oder geschlossene, direkte oder
indirekte Fragen, Faktfragen, Wissensfragen,
Einschätzungs-, Bewertungs-, Einstellungs-
oder Handlungsfragen (vgl. auch Holm
1986, 32).
Das Interview ist die mündliche Befra-
gung als zielgerichtetes Gespräch. In Ab-
hängigkeit davon, wie stark die Zielrichtung
ist, lassen sich das standardisierte Interview
mit zuvor festgelegten Fragen und das offene
Interview oder auch Leitfadeninterview mit
Fragethemen und Frageanordnungen unter-
scheiden. In Abhängigkeit von der Anzahl
der Befragten ist das Einzelinterview vom
Gruppeninterview zu differenzieren. Das In-
terview hat in soziolinguistischen Untersu-
chungen insofern einen hohen Stellenwert,
als durch diese Methode verbale Daten sys-
tematisch erhoben werden können. „Das
wichtigste Verfahren zur Gewinnung eines
großen Korpus von verlässlichen Sprachda-
996 VII. Sociolinguistic Methodology
ten einer Person ist das auf Tonband aufge-
zeichnete Einzelinterview. Im großen und
ganzen ist das Interview sozial kontrolliertes
Sprechen – überwacht und gesteuert infolge
der Anwesenheit eines außenstehenden Be-
obachters“ (Labov 1976, 2). Aufgrund der
Nähe zu alltagssprachlichen Situationen ist
das Interview geeignet, soziolinguistisch
sensitive Daten zu erheben, wenn hierzu
auch spezielle Techniken angewandt werden
müssen wie Elizitierung von Erzählungen,
Matched-guise-Test etc.
Die teilnehmende Beobachtung ist die
Form der Beobachtung, bei der der Forscher
(=Beobachter) das Sprachverhalten von
Personen in natürlichen Kontexten beob-
achtet, indem er an Aktivitäten der Perso-
nen teilnimmt, ohne diese Aktivitäten zu
stören. Die Methode der teilnehmenden Be-
obachtung kommt aus der Ethnologie und
wurde zunächst bei ethnolinguistischen Un-
tersuchungen angewandt, später über die
Soziologie auch in soziolinguistischen Un-
tersuchungen, hier insbesondere im Para-
digma der Ethnographie des Sprechens (Hy-
mes 1979). Sie ist besonders geeignet, um 1.
möglichst natürliches und 2. schwer zugäng-
liches Sprachmaterial zu erhalten, allerdings
ist der Zeitaufwand sehr hoch und die Kon-
trolle über die Erhebungssituation gering.
2.4. Sampling
Unter Sampling versteht man die Art der
Stichprobenerhebung. Eine Totalerhebung
liegt dann vor, wenn Stichprobe und Grund-
gesamtheit identisch sind. In der Regel wird
eine Teilstichprobe gezogen. Für die Durch-
führung von Teilerhebungen stellt sich gene-
rell die Frage, wie die Auswahl zu planen ist.
Hierfür gibt es verschiedene Stichproben-
techniken und eine Stichprobentheorie. Die
bekanntesten Stichprobentechniken sind die
der Zufallsstichprobe und der Quotenaus-
wahl (geschichtetes Sample). Bei der Zufalls-
stichprobe wird aus der Grundgesamtheit
nach dem Zufallsprinzip eine Stichprobe ge-
zogen. Bei der Quotenauswahl wird das
Sample nach bestimmten Merkmalsausprä-
gungen gewählt, z. B. so, dass die Merkmals-
ausprägungen in der Stichprobe genau so
verteilt sind wie in der Grundgesamtheit.
Der Umfang einer repräsentativen Untersu-
chung liegt auf der Basis einer großen
Grundgesamtheit bei N 1000, wobei es bei
Zufallsstichproben spezifische Verfahren
gibt, Stichprobengrößen zu berechnen. Re-
präsentativität heißt, dass das Zurückschlie-
ßen (Induktionsschluss) auf die Grundge-
samtheit zulässig ist und die Stichprobe die
Grundgesamtheit widerspiegelt (vgl. auch
Abb. 101.1).
Bei der Beurteilung der Stichprobe sind
zwei Gütekriterien zu beachten, nämlich der
Auswahlbias (systematischer Fehler oder
kurz: Bias) und der Auswahlfehler (Zufalls-
fehler). Der Auswahlfehler liegt dann vor,
wenn die Präzision der Stichprobe mangel-
haft ist. Je kleiner die Stichprobe, desto
wahrscheinlicher und größer ist der Aus-
wahlfehler. Unter Bias versteht man die
„systematische Abweichung einer Statistik
vom Parameter“ (Knieper 1993, 60). Ein
Bias liegt dann vor, wenn die Stichprobe
nach anderen Parametern gezogen wird, als
sie in der Grundgesamtheit vorkommen. Die
Stichprobe ist dann ,verzerrt‘ bzw. ,ver-
fälscht‘. Will man eine Studie zum Dia-
lektgebrauch in München durchführen, so
werden die Ergebnisse in Bezug auf Allge-
meingültigkeit dann stark verzerrt, wenn
man bspw. nur über 80jährige Frauen be-
fragt.
Eine andere Methodik, eine Stichprobe
zu erhalten, ist mit Hilfe des sog. Schneeball-
prinzips möglich, wie es von Milroy (1980)
angewandt wurde. Milroy interessierte sich
für das Sprachverhalten in sozialen Netz-
werken und versuchte deshalb in soziale
Netzwerke einzudringen, indem sie einen
Ausgangspunkt wählte (principle of anchor-
age) und von diesem ausgehend über Emp-
fehlungen (principle of friends of a friend)
einen Informanten nach dem anderen inter-
viewte (vgl. Milroy 1980, 46–47 sowie 1987,
18f.).
2.5. Pretest und Datenerhebung
Vor der eigentlichen Datenerhebung ist es
notwendig, die Erhebungsinstrumente zu
testen, sei es eine Skala, eine Testverfahren,
ein Fragebogen oder ein Beobachtungssche-
ma. Durch sog. Pretests können Fehler ver-
mieden und Schwächen rechtzeitig erkannt
werden. Pretest sind an Teilstichproben
Abb. 101.1: Induktionsschluss von der Stichprobe
auf die Grundgesamtheit
101. Phasen des Forschungsprozesses 997
durchzuführen, unter Umständen sind meh-
rere Pretests erforderlich.
Im Anschluss an die Vorarbeiten beginnt
die eigentliche Erhebungsphase der Unter-
suchungsdaten gemäß der gewählten Me-
thode. Dabei ist Zeit und Aufwand der Feld-
arbeit abhängig von der gewählten
Methode, eine teilnehmende Beobachtung
ist wesentlich zeitintensiver als die Durch-
führung einer schriftlichen Befragung. Er-
fahrungsgemäß gilt: ,Was schief gehen
kann, geht schief‘, weshalb entsprechende
Zeittoleranzen vorzusehen sind.
2.6. Datenanalyse
In den meisten soziolinguistischen Untersu-
chungen werden Verbaldaten der geschrie-
benen und vorwiegend der gesprochenen
Sprache gesammelt, so dass vor der eigentli-
chen Datenanalyse eine Phase der Aufberei-
tung der Daten gehört. Hierbei müssen zum
einen die auf einen Tonträger aufgenomme-
ne Daten verschriftet werden – zu Tran-
skriptionssystemen s. Edwards/Lampert
(1993) sowie Selting et al. (1998) –, zum an-
deren müssen die Transkriptionen einer sys-
tematischen Analyse zugänglich gemacht
werden, wobei das Korpus in der Regel
EDV-mäßig verarbeitet wird (s. hierzu Barn-
brook 1996).
Im Anschluss an die Datenerfassung er-
folgt die Datenanalyse, die vereinfacht in
zwei Phasen gegliedert werden kann, im
Einzelnen vgl. Schlobinski (1996). In der
ersten Phase der Datenbeschreibung – bei
statistisch fundierten Untersuchungen
spricht man von der deskriptiven Statistik –
wird die Gesamtheit der Beobachtungsda-
ten geordnet und systematisiert, wobei die
Informationsmenge reduziert und kompri-
miert wird. Die Daten werden tabellarisch
und/oder graphisch dargestellt, Häufigkeits-
verteilungen und Konkordanzen werden er-
mittelt, statistische Kennwerte (Lage- und
Streuungsparameter, Korrelationsmaße)
werden errechnet. In der zweiten Phase der
Datenbeschreibung – bei statistisch fundier-
ten Untersuchungen spricht man von der in-
duktiven Statistik – werden die Daten über-
prüft hinsichtlich der Schlussfolgerungen,
die man aus ihnen ziehen will. Hierbei wer-
den die Ausgangshypothesen überprüft, in
statistischen Untersuchungen werden Prüf-
statistiken angewandt. Je nachdem, ob die
Hypothesen bestätigt werden oder wider-
sprechende Befunde vorliegen, werden die
Hypothesen verworfen oder modifiziert.
Schließlich werden die Resultate interpre-
tiert, mit anderen Untersuchungsergebnis-
sen verglichen, in bestehende Theorieansät-
ze eingeordnet etc.
3. Qualitative Forschung
Obwohl von quantitativen Forschungen vie-
le Aspekte des Aufbaus einer Untersuchung
auf qualitative Forschungen übertragen
werden können, gibt es eine Reihe von qua-
litativen Forschungsansätzen, in denen nur
begrenzt das lineare Ablaufschema (s. o.) an-
gewandt wird bzw. angewandt werden kann
(so in ethnosemantischen Ansätzen), da in
stärkerem Maße wechselseitige Abhängig-
keiten zwischen den Bestandteilen des For-
schungsprozesses bestehen. Zentral hierfür
ist, dass nicht Hypothesen an empirischen
Zusammenhängen überprüft werden, son-
dern dass die Annahmen „in der Auseinan-
dersetzung mit dem Feld und darin vorfind-
licher Empirie ,entdeckt‘ und als Ergebnis
formuliert werden. (…) Es geht nicht um die
Reduktion von Komplexität durch Zerle-
gung von Variablen, sondern um die Ver-
dichtung von Komplexität durch Einbezie-
hung von Kontext“ (Flick 1998, 57).
Resultat ist, dass im Forschungsprozess Da-
tenerhebung und -interpretation stärker ver-
zahnt und zirkulär verknüpft ist: Die Voran-
nahmen werden als „vorläufige Versionen
des Verständnisses und der Sichtweise auf
den untersuchten Gegenstand relevant, die
im Lauf des Forschungsprozesses reformu-
liert und vor allem weiter ausformuliert wer-
den. Durch diese Revision von Versionen am
empirischen Material wird die Konstruktion
des untersuchten Gegenstands vorangetrie-
ben“ (ibid., 61). Wie bei der quantitativen
Forschung bleiben die Phasen des Sampling,
der Wahl Untersuchungsdesigns und der
Methoden, der Datensammlung und der
Analyse der Daten bestehen. Gegenüber hy-
pothesenprüfenden Verfahren besteht der
entscheidende Unterschied in der methodi-
schen Kontrolle, und zwar der Kontrolle
„über die Unterschiede der Sprache von
Forschern und Erforschten, über die Diffe-
renzen ihrer Interpretationsrahmen, ihrer
Relevanzsysteme“ (Bohnsack 1999, 21).
Qualitative, genauer: rekonstruktive Ver-
fahren sind in Sonderheit die objektive Her-
meneutik, die dokumentarische Methode,
das narrative Interview und Gruppendiskus-
sionsverfahren (vgl. im Einzelnen Bohnsack
1999).
998 VII. Sociolinguistic Methodology
4. Literatur (in Auswahl)
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ters. A Practical Introduction to the Computer
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schung. Einführung in die Methodologie und Praxis
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Sprache‘. 1986. Berlin“, in: Osnabrücker Beiträge
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schung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen,
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Darstellung, Materialien, Kritik, Berlin.
Holm, Kurt (1986) Die Befragung, Bd. 1., Mün-
chen.
1. Sociolinguistic sampling
2. What is to be sampled?
3. The pertinence of sampling theory
4. Sample size
5. Stratification
6. Strata and other groups
7. Literature (selected)
1. Sociolinguistic sampling
To what extent the restricted observations
permitted any investigation, due to con-
straints of time, effort or resources, are typi-
cal of the natural or social phenomena they
are meant to reflect, is a preoccupation of all
disciplines with claims to scientific rigour. –
Hymes, Dell (1979) Soziolinguistik. Zur Ethnogra-
phie der Kommunikation, Coulmas, F., ed., Frank-
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Eine soziolinguistische Untersuchung, Berlin.
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den.
Selting, Margret (1998) „Gesprächsanalytisches
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Berichte 173, 91–122.
Woods, Anthony/ Fletcher, Paul/ Hughes, Arthur
(1986) Statistics in Language Studies, Cambridge.
Peter Schlobinski, Hannover (Deutschland)
In this article, we concentrate on those as-
pects of the problem that distinguish sociol-
inguistic research from related fields. Thus
we will not dwell on the attitude or usage
surveys of the sociology of language (e. g.
Fishman 1984, 21; LMP 1985), which make
use of the census or large population
samples. Nor will we treat the concerns of
traditional dialect geographers about areal
coverage and other problems (cf. Kurath
1973, 39–44, Pickford 1956, 211–233; König
1982, 463–484). We will not delve into the
closely related field of quantitative corpus
linguistics (Biber 1993; Oakes 1998), which
focuses more on stylistic and literary ques-
tions than social ones. Nor will we discuss
102. Problems of Representativeness / Probleme der Repräsentativität
102. Problems of Representativeness 999
psycholinguistic reliance on experimental
design for incorporating sociodemographic
variables into testing and evaluation studies.
In making these disciplinary distinctions, we
are in effect highlighting that sociolinguistic
research focuses on praxis, either as a pat-
terned process of interaction and communi-
cation, or as a manifestation of underlying
individual linguistic capacity, or of ideo-
logies and structures at the social level. Why
this is an important distinction can be
understood through a consideration of the
step after sampling in different research
paradigms. In other fields, sampling is fol-
lowed by the administration of a question-
naire or test, or the measurement of some
quantity in the individuals or objects
sampled. The range of possible responses or
measurements is characteristically known
beforehand. In sociolinguistics, sampling is
followed by the observation and recording,
during some period of time, of the com-
municative behaviour of the individuals or
groups sampled. No matter how constrained
the interview situation or how artificial the
context of interaction, the data, which is ob-
tained after sociolinguistic sampling, is infi-
nitely more rich than the precategorized ma-
terial in other disciplines. It is inevitable that
the recorded sociolinguistic corpus consti-
tutes, in itself, data on phonetics, phonology
and prosody, morphology and syntax and
the entire range of semantic, pragmatic and
discourse-level functions, as well as the soci-
ology and psychology of the interactions, re-
stricted though they may be. Of course, the
recordings are not exact reproductions of in-
teractions. They are of necessity decontex-
tualized to some extent, and they may be
missing some visual and/or other sensory
and spatial components of the situation.
Nonetheless, they are not reductions of in-
teraction to some analytical grid, or other
formalization. They contain a good propor-
tion, if not the majority, of the communi-
cative content, at almost all levels, of the
original events. In other fields, once the
questionnaire responses are coded and tabu-
lated, the raw data have been ‘used up’. This
is a consequence of the formalization of the
data while, or even before, they are col-
lected. In contrast, a sociolinguistic corpus
cannot, by its very nature, be used up. As
long as there are new questions about the
specific language(s) it contains, or new lin-
guistic theories that imply claims about per-
formance, the corpus remains pertinent. In-
deed, the oldest corpora, except insofar as
the technology of access becomes obsolete,
continue to be used as much or more than
recent ones, e.g. the Montreal French corpus
(Sankoff/Sankoff l973, 7–64) or the Ottawa-
Hull corpus (Poplack 1989, 411). New re-
search on them involves not reanalyses of old
statistics, but new confrontations with the re-
cordings (or depending on the research sub-
ject, the transcriptions or concordances of
the transcriptions, which, at most, are only
partial formalizations). – That the formaliz-
ation of sociolinguistic data is at least two
steps removed from its original collection has
important consequences for sampling, as will
be discussed in Sections 3 and 5.
2. What is to be sampled?
In gathering a sociolinguistic corpus, we
first must delimit the population or universe
to be sampled from, and decide on its sam-
pling units. Traditionally, the former will be
the speech community, and the latter, its in-
dividual speakers. In the study of communi-
cative behaviour, however, it can be argued
that the basic unit is the interaction or the
situation and that the sampling population
is the set of such units. If we construct a rep-
resentative sample of speakers, it is unlikely
that we will have the resources to record
each one in a large enough variety of situ-
ations to ensure representativeness at the in-
teractional level – an interview plus reading
style is not adequate. If, on the other hand,
we sample from some inventory of situ-
ations, we are even less likely to happen
upon a good sample of speakers each of
whom produces a sufficient volume of ma-
terial for analysis. Moreover, rigorous statis-
tical representativeness is more of a concern
of those working with sociodemographic-
linguistic correlations than it is for those
studying situation-specific behaviour. One
compromise, then, is to use a speaker-based
sample, but to sacrifice a large enough pro-
portion of the affordable sample size to en-
able sufficient interactional diversity to be
built into the corpus, without worrying
about strict representativeness at this level.
3. The pertinence of sampling theory
The elementary notion of representativeness
involving a completely random sample,
chosen with uniform probability over the en-
tire population, is not very useful in the so-
1000 VII. Sociolinguistic Methodology
ciolinguistic context. Speech communities
tend to consist of many varieties spoken by
groups containing very different numbers of
individuals, so that uniform sampling leads
to redundancy for some groups and risks
missing others entirely.
A more useful notion of representative-
ness requires not that the sample be a minia-
ture version of the population, but only that
we have the possibility of making inferences
about the population based on the sample.
For this, the probability of selection of indi-
viduals need not be uniform, as long as it is
known what these probabilities are (cf. Sec-
tion 5). The statistical theory of sampling
(Cochran 1977) has been developed to
answer a number of interrelated questions.
How many objects or individuals must be
sampled to achieve a given accuracy of gen-
eralization to the whole population? Should
all individuals be given the same chance to
be selected? If not, how can we assure that
some individuals do not have an unduly
large effect on the results? Is it advantageous
to stratify the population before sampling?
Can enough resources be saved by sampling
in clusters to justify any loss in accuracy
compared to more randomly dispersed
samples? All these questions, and others like
them, require some previous knowledge
about the specific formal quantity to be ana-
lyzed – its approximate range of variation in
the population, its distribution in terms of
homogeneity or heterogeneity within vari-
ous subgroups, its correlation with other
quantities. Some of this information is un-
doubtedly available for certain linguistic
variables likely to be studied in the corpus to
be collected. For others, it is not, especially
for the great number of research topics not
even envisaged at the time the recordings are
made (cf. Section 1). In designing the cor-
pus, then, we can only use the principles of
sampling theory as a general guide.
4. Sample size
What kinds of pattern do we try to detect
using a sample of speakers? We could be
looking for qualitative differences or quanti-
tative differences. In the case of qualitative
differences, it is relatively easy to know how
big a sample need be to detect them. If the
smallest group that is qualitatively different
from the rest of the community represents
10 % or more of the population, a random
sample of 30 is sure (at the 95 % level) to in-
clude at least one individual from this group.
If the smallest group were only 1 % of the
population, then a sample of 300 would be
needed. Such infrequent patterns, however,
tend to be of relatively little interest in so-
ciolinguistics, compared to medicine, crimi-
nology, quality control and other fields
using sampling techniques, and are probably
best found by investigative methods more
direct than sampling from the entire popu-
lation. Thus for qualitative distinctions,
sample sizes of a few dozen, rather than a
few hundred, suffice. In quantitative studies,
the emphasis in sociolinguistics is not on ac-
curately estimating the proportion of the
total population having some characteristic,
as it is in opinion polling, marketing and
other fields, nor the average of some value
across the total population, as in de-
mography of health and nutrition studies,
but rather on measuring differences, among
speakers or groups of speakers, among situ-
ations or styles, and especially among occur-
rence rates of linguistic variables in various
contexts. Linguistic change and variation
tend to involve large ranges in rate, if not
from 0 % to 100 %, then typically from 20 %
to 50 % or 40 % to 90 %. Differences of less
than 10 % tend to be of little interest. There
is no sure way to specify in advance how
large two groups of speakers must be to en-
able us to detect an average 10 % difference
in rates, since this depends on how homo-
geneous the two groups are (and on how ac-
curately individual rates are determined, as
discussed below). Typically, however, stan-
dard deviation of occurrence rates within so-
ciodemographic groups are large, say about
20 %, so that 40 or 50 speakers per group
might be necessary to assure that a 10 % dif-
ference is statistically significant (according
to a 95 % test for significant differences be-
tween two means). As for the occurrence
rates within linguistic contexts, to prove that
a rate of 50 % is significantly greater than
one of 40 %, several hundred tokens may be
required per context (assuming the rates are
based on the proportion of successes of a bi-
nomial experiment). Of course, the 10 % dif-
ference we are using is somewhat arbitrary –
had we used 15 %, perhaps only 20 speakers
per group would have sufficed on one hand
and only 200 tokens per context on the
other. Still, it is clear that to establish com-
parable differences as significant, we must
make use of 10 or 20 times as many tokens of
linguistic data per context as individuals in
102. Problems of Representativeness 1001
speaker groups. These purely statistical con-
siderations explain to a large extent why the
practice of sociolinguistic corpus construc-
tion has evolved in the direction of using
samples on the order of 100 speakers (cf.
Pradilla 2001, 3) (compared to 1000 individ-
uals in some other fields), but enough rec-
orded material (around one hour) to allow
the extraction of hundreds of tokens per
speaker, in phonology, or dozens of tokens
on the syntactic and lexical levels. This en-
ables the behaviour of each speaker to be as-
sessed with some precision in phonology,
and at least in a rudimentary way in other
areas, and allows comparison between
groups of speakers to detect differences
which are large enough to be of interest.
This discussion has not depended on a high
degree of homogeneity among speakers with
respect to occurrence rates across contexts,
though this is often cited as a reason for
small sociolinguistic sample sizes. Such ho-
mogeneity, however, where it does exist, re-
duces the number of tokens per speaker
required to estimate rates accurately. See
Guy (1979, 1–36) for a discussion of
numbers of tokens needed to estimate rates.
5. Stratification
As discussed in Section 1, the most useful
sociolinguistic corpora are those which pro-
vide data on many linguistic problem areas,
most of which need not have been envisaged
in any detail at the time the recordings were
collected. Thus we wish our sampling sche-
me to result in data appropriate for a wide
variety of research topics. We have outlined
the preoccupation of sociolinguistic re-
search with detecting and measuring differ-
ences between different subgroups of the
population. If we knew in advance that we
would always want to compare the same
groups, and if we knew approximately how
the heterogeneity of the linguistic measures
we would be using varied from group to
group, then we could invoke certain results
of sampling theory to tell us how many
speakers to sample in each. We do not, how-
ever have this information. Indeed, we often
prefer to regard as an empirical problem the
determination of the social dimensions
along which linguistic change and variation
proceeds. In this case the appropriate strat-
egy is to ensure that as much as possible of
the existing linguistic diversity in the com-
munity is represented in the sample. This is
done by assuring that whatever auxiliary
variables we suspect may be correlated with
some aspect or other of linguistic variation,
such as age, sex, place of birth, etc., are rep-
resented as fully as possible in the sample.
To accomplish this, a stratified design is set
up prior to sampling. The idea is to divide
the population into a number of strata, each
of which contains only individuals falling
into a restricted range on one or more of the
auxiliary variables. Thus, one stratum might
contain all women of a certain age range
born in a certain district. For each stratum,
a sampling quota is fixed, and speakers fal-
ling into the stratum are sampled at random
until the quota is filled. Often, unless the in-
dividuals in one stratum are known to be
more variable than those in others, the same
quota is allotted to all strata. Because there
is no requirement that the strata themselves
all have the same size, individuals belonging
to some strata will then have a greater prob-
ability of being sampled than those in other
strata. In the most elementary sense, the
sample is not representative, but from a
more sophisticated point of view, the strat-
ified sample is more informative than a com-
pletely random one would be. It is an easy
matter to correct for unevenness in sampling
probabilities, no matter how disparate. For
example, in estimating the mean rate of any
quantity across the entire population based
on values in the sample, instead of dividing
the sum of the sample values by the sample
size (as would be appropriate in the unstrat-
ified case), we add, for each individual in the
sample, the observed value divided by the
sampling probability of that individual, and
then divide the grand sum by the total popu-
lation size. It can be proved that this pro-
vides an unbiased estimate (in the statistical
sense) of the population mean, whereas the
ordinary simple average is biased. The ac-
tual sampling procedure involved in a strat-
ified design often presents considerable
practical difficulty. Generally, no lists enu-
merating the individuals in a given stratum
exist. However, there are a number of search
protocols and post-sampling validation
techniques (Sankoff/Sankoff 1973, 1–64; Po-
plack 1989, 411), which assure the quality of
a sample. Indeed, the imposition of a strat-
ified design tends to improve the representa-
tiveness of samples that are constructed by
means not purely random, such as the snow-
ball technique of sampling acquaintances,
acquaintances of acquaintances, etc.
1002 VII. Sociolinguistic Methodology
6. Strata and other groups
Once a sample is drawn, there is no restric-
tion on using, for analytical purposes, only
those auxiliary variables serving to stratify
the design. Often it is impossible to stratify
according to certain variables that would be
of great interest in sociolinguistic analysis,
e.g. participation in the linguistic market
(Sankoff/Laberge 1979, 239–250) or vicari-
ous cultural orientation (Naro l981, 63–98).
Nevertheless, if these can be measured in the
sample, it is perfectly valid to use them as ex-
planatory variables in the analysis. Note
that one of the virtues of a sample stratified
by as many cross-cutting variables as poss-
ible is that it is more likely to provide a good
representation of groups and variables not
foreseen in the original design than is an un-
stratified sample. Thus in the case of a west-
ern society, suppose we have a random
sample of reasonable size stratified by
household income. This sample will have a
much better representation than a random
sample of all major occupational groups,
prestige rankings and social classes, however
defined, as well as all educational levels, des-
pite the fact that these groups (or variables)
are sociologically distinct and may not
necessarily be connected with each other or
with household income in any one individ-
ual, simply because they are all statistically
correlated in these societies. Related to this
is the question of the social dimensionality
of linguistic variation. In situations of lin-
guistic change or variation, a minimum
requirement for any sample is that it have a
degree of representativeness on the bases of
age, sex and (some operationalization of) so-
cial class or educational level, or both, and
perhaps of ethnicity and rural versus urban
origin. On the phonological level it is rare
that variation will be independent of all of
these; it is helpful to sample at least two
styles or to partition the corpus according to
style, but even the nature and direction of
stylistic variation is most often predictable
from knowledge of variability according to
class or education. Much the same is true of
morphological variation. As we move into
syntactic, lexical and especially discourse-
level variation, however, it becomes increas-
ingly important to allow for idiosyncratic
and situation-specific behaviour.
7. Literature (selected)
Biber, Douglas (1993) “Representativeness in cor-
pus design”, in: Literary and Linguistic Comput-
ing 8, 243–257.
Cochran, William G. (1977) Sampling Techniques,
3rd ed., New York.
Fishman, Joshua A. (1984) “Mother tongue clai-
mants in the United States since 1960: trends and
correlates related to the ‘revival of ethnicity’”, in:
International Journal of the Sociology of Language
50, 21–99.
Guy, Gregory (1979) “Variation in the group and
the individual: the case of final stop deletion”, in:
Locating Language in Time and Space, Labov, W.,
ed., New York, I-36.
König, Werner (1982) “Probleme der Representa-
tivität in der Dialektologie”, in: Dialektologie,
Besch, W./Knoop, U./Putschke, W./Wiegand, H.
E., eds., 463–484.
Kurath, Hans [1939] (1973) Handbook of the Lin-
guistic Geography of New England, New York.
Language Minorities Project (1985) The Other
Languages of England, London.
Naro, Anthony J. (1981) “The social and struc-
tural dimensions of a syntactic change”, in: Lan-
guage 57, 63–98.
Oakes, Michael P. (1998) Statistics for Corpus
Linguistics, Edinburgh
Pickford, Glenna R. (1956) “American linguistic
geography, a sociological approach”, in: Word 12,
211–233.
Poplack, Shana (1989) “The care and handling of
a mega-corpus: the Ottawa–Hull French project”,
in: Linguistic Change and Variation, Fasold, R./
Schiffrin, D., eds, Amsterdam, 411–451.
Pradilla, Miquel Àngel (2001) The sociolinguistics
of variation: a methodological approximation (Part
II), Noves SL (summer), 1–9. http://cultura.
gencat.es/llengcat/noves/hm01estiu/metodologia/
a_pradilla1_9.htm
Sankoff, David/Laberge, Suzanne (1978) “The lin-
guistic market and the statistical explanation of
variability”, in: Linguistic Variation: Models and
Methods, Sankoff, D., ed., New York, 239–250.
Sankoff, David/Sankoff, Gillian (1973) “Sample
survey methods and computer-assisted analysis in
the study of grammatical variation”, in: Canadian
Languages in their Social Context, Darnell, R, ed.,
Edmonton, 1–64.
David Sankoff, Montreal (Canada)
103. Cross-Sectional and Longitudinal Studies 1003
1. Introduction
2. Stability
3. Age grading: individuals change while the
community remains stable
4. Generational change
5. Communal change: young and old together
adopting an innovation
6. Concluding remarks
7. Literature (selected)
1. Introduction
With the exception of two distinguished
avatars (Hermann’s 1929 restudy of Charmey;
and Brink and Lund’s (1975; 1979) monu-
mental study of Copenhagen), longitudinal
research was almost unknown in sociolin-
guistics before the 1990s. The past decade,
however, has seen a great upsurge in longi-
tudinal research as sociolinguists begin to
carry out follow-up studies of communities
originally studied between about 1965 and
1975. Such studies are of two major types. In
cross-sectional or trend studies (Labov 1994)
investigators take a new sample from an ear-
lier-studied community. Panel studies follow
particular individuals or groups over a period
of time. In this article, I will use longitudinal to
refer to both types of research. I will consider
research that uses longitudinal methods not
to investigate acquisition or language shift,
but to study language change and variation
within speech communities that have not,
during the relevant time period, experienced
significant population mobility and change
due to language contact (cf. Sankoff 2001).
Before considering longitudinal research as
such, we will begin with the concept of “ap-
parent time”, used in sociolinguistics to infer
change in progress from synchronic observa-
tions. Labov (1964) introduced the paired con-
cepts of real time and apparent time in his 1964
New York City study. Labov showed that syn-
chronic variation reflected long-term trends,
and that the speech of older people tended to
represent the state of the language when they
acquired it. This interpretation of systematic
age differences depends on individuals re-
maining fairly stable after initial language ac-
quisition. A good default hypothesis, it will
require some modification insofar as speakers
alter their linguistic systems over the course of
their lives.
Synchronic studies that plot the distribu-
tion of a particular sociolinguistic variable
against speaker age offer four interpretive
possibilities, as displayed in Table 103.1. If a
synchronic study shows no age differenti-
ation (the “flat” pattern), it is possible that
no change is occurring – both individual
speakers and the community as a whole are
stable (Interpretation #1). A flat pattern
might also indicate that all the speakers in
the community are changing together. In this
case, no age differences will appear because
older and younger speakers are at the same
stage in a change affecting them equally (In-
terpretation #4). The other pattern of inter-
est is a monotonic slope with age, and again
there are two possible interpretations. One is
that the community remains stable over time,
but that, generation after generation, indi-
viduals change as they get older. This inter-
pretation (#2, “Age-grading”) means that as
each cohort of speakers ages, it steadily in-
creases (or decreases) its use of one value or
variant of the variable. Alternately, individ-
uals may retain their childhood patterns,
with each age cohort of speakers registering
an increasing (or decreasing) use of the vari-
ant upon entering the community. This is the
classic “apparent time” interpretation (#3)
of change in progress.
Trend and panel studies can disentangle
“age grading” vs. “generational change” in
two ways. First, a comparable re-study car-
ried out some years later (a trend compari-
son) will certainly disambiguate the two in-
terpretations. As for panel studies, insofar as
such research does identify change in indi-
viduals, there are still two interpretations:
either the individuals are changing against a
backdrop of relative community stability, or
the individual change is part of a commu-
nity trend. Given that a trend study can re-
solve the question, one might well reject al-
together the idea of doing panel studies.
However, panel studies can help us trace the
limits of the possible in resolving questions
of whether and to what extent speakers
change particular linguistic features and
patterning across their lifetimes. Only panel
studies can reveal how the critical age relates
to various aspects of linguistic structure.
Although relatively little research has
been directed to this issue, it seems likely
103. Cross-Sectional and Longitudinal Studies
Querschnitt- und Längsschnittuntersuchungen
1004 VII. Sociolinguistic Methodology
that different subsystems of language be-
have differently across individual lifespans,
with phonology being the most stable com-
ponent. In reviewing the research on panel
studies, I will pay particular attention to the
relative stability of the different subsystems
of language. The four situations of Table
103.1 constitute a convenient rubric in or-
ganizing the relations between individuals
and speech communities.
2. Stability
Stable sociolinguistic variables are tradi-
tionally characterized as showing no age dif-
ferential in their patterning. To my knowl-
edge, no re-study has specifically examined
the stability over time of any sociolinguistic
variables that appear to be stable based on
extrapolation from synchronic data. How-
ever, studies of English (t/d) deletion and
(ing) show that children as young as 5 repro-
duce the probabilities of the stylistic con-
straints found in their parents’ individual
grammars (Labov 1989; Roberts 1993), and
point to stable variation for individual
speakers over time.
Both (t/d) and (ing) involve phonological
variation with morphological constraints.
Within phonology per se, several panel
studies have shown great individual stability
in vowel systems. Brink & Lund (1975)
examined recordings of several Danish
speakers over many decades, in one case
with a 50 year interval, and found all speak-
ers’ phonologies to be extremely stable.
Labov & Auger (1998) traced a group of
middle-aged Philadelphians in a real-time
study that showed no changes in their vowel
systems over a 17-year time span. Prince
(1987), tracking the Yiddish singer Sarah
Gorby across many decades, found that vo-
wels in close-class lexical items resisted the
phonological influences from the prestige
Yiddish dialect that Gorby had attempted to
emulate in open-class words.
With respect to morphology, two real-
time studies of Montreal French have re-
ported stability. Of the two M.A. theses de-
voted to the topic, Daveluy’s analysis (1987)
of the variant forms of the feminine demon-
strative cette ([set], [ste], and [se] before con-
sonant) showed no change between 1971 (60
speakers studied) and 1984 (the same 60
speakers and 12 younger speakers studied).
Lessard (1989), using the same sample, in-
vestigated the variable presence of the pre-
position de in infinitival constructions, and
also found no change. Such results are not
unexpected, since the default assumption in
examining any speech community is that at
any given period, most aspects of its lan-
guage will not be involved in ongoing
change. In a study of AAVE negation, how-
ever, Baugh (1996) found only one of the
four speakers he followed over time to be
stable: the three others reduced their usage
of nonstandard variants as they grew older.
3. Age grading: individuals change
while the community remains stable
Lexicon may well be the least stable lin-
guistic system over individual lifetimes. D.
Sankoff & Lessard (1975) indicated that in-
dividual speakers expand their vocabularies
throughout life, showing a steady incremen-
tation of lexicon with age for the 120 speak-
ers in the 1971 Montreal French corpus.
Also based on synchronic data, Labov
(2001) suggests that in the case of the stig-
matized pronunciations of (dh) and (th) as
stops in Philadelphia, the 16-year old spike
in the distributions is evidence of age grad-
ing. He reasons that one would expect
speakers to use more of a stigmatized fea-
ture in their youth, subsequently retreating
somewhat from this high level. Chambers
(1995) offers an “age grading” interpre-
tation of a similar pattern in Macaulay’s
data on glottal stop in Glasgow (1977). Ma-
caulay reported on adults and their children
Tab. 103.1: Patterns of change in the individual and the community [adapted from Labov 1994, 83].
Synchronic Pattern Interpretation Individual Community
Flat 1. Stability stable stable
monotonic slope with age 2. Age-grading unstable stable
monotonic slope with age 3. Generational change
[= “apparent time” interpretation]
stable unstable
Flat 4. Communal change unstable unstable
103. Cross-Sectional and Longitudinal Studies 1005
10 and 15 years old from four social class
backgrounds. Whereas all 10 year olds use
glottal for /t/ at a rate of more than 65 %, the
upper class 15 year olds withdraw consider-
ably from this pattern, as do the upper
middle class girls. Among adults, upper and
upper middle class groups are reduced to
less than 60 %, whereas lower middle and
lower class adults maintain a usage of 80 %
and higher. Apparently the middle and
upper class adolescents withdraw from glot-
tal stop as they get ready to enter the labor
force, where the standard pronunciation is
more appropriate to their social position.
Though the “age-grading” interpretation
of the synchronic data discussed above
awaits longitudinal verification, there is
longitudinal support for age grading. Based
on the 1971 Montreal data, Sankoff & La-
berge (1980) identified the replacement of
generic on by generic tu as a change from
below, the second stage in a morphological
chain-shift in which the first stage was the
replacement of nous ‘we’ by on. Thibault
(1991) confirmed this analysis, using a
sample of 25 of the 1984 speakers who
showed dramatic change over the 13-year in-
terval. Dubois studied “extension par-
ticles”, i.e. the discourse particles and short
phrases “serving to extrapolate from what
has previously been said” (1992, 179–80).
Examining the same 60 speakers who were
interviewed in both 1971 and 1984, as well
as the 12 younger speakers added in 1984,
she interpreted age effects as an age-grading
phenomenon, rather than real time change.
She reports that “the youngest speakers used
more extension particles, but this tendency
is lost after the teen years” (1992, 199).
In Brazil, Callou et al. (1998) studied the
weakening of syllable- and word-final (r) in
Carioca Portuguese. A balanced sample of
66 male and female subjects recorded in the
early 1970s, was stratified into three age
groups: 25–35; 36–55, and 56 and older. Five
male and five female speakers were re-re-
corded in the 1990s, along with a new
sample of younger speakers (9 male and 9 fe-
male). The original study had revealed that
younger speakers deleted final (r) at a rate
much higher than the middle-aged and older
speakers. However, not only had the 10 re-in-
terviewed speakers reduced their frequency
of (r)-deletion as they got older, but the new
sample of young people almost perfectly
matched their peers of a generation earlier.
This demonstration of the parallel results of
trend and panel research argues convincing-
ly for age grading as the appropriate inter-
pretation in this case.
4. Generational change
4.1. Longitudinal research in real time: use
of historical corpora
Reviewing the extensive literature on cor-
pus-based studies of language change within
historical linguistics would be well outside
the scope of the current discussion. How-
ever, it is notable that an increasing number
of studies in this field have been explicitly re-
lated to the theoretical concerns and the
methodology of quantitative socioling-
uistics
The corpus-based work of Kroch and his
associates uses quantitative reasoning and
methodology in studying historical change
with a model known as the “competing
grammars” approach. As in synchronic so-
ciolinguistic studies using variable rule
methodology, much care is devoted to defin-
ing the envelope of variation within which
competition occurs. Kroch (1989) enunci-
ated the “constant rate hypothesis”, a logi-
cal extension of the independence of con-
straints to the analysis of language change.
Other studies include Santorini (1993) on
phrase structure change in the history of
Yiddish; Taylor (1994) on word order
change in Ancient Greek; Pintzuk (1995) on
Old English clause structure, and Kroch and
Taylor (1997) on verb movement in Old and
Middle English. All of this work falls
squarely within the rubric of trend studies.
In another historical study, Raumolin-
Brunberg (1996) addresses Labov’s sugges-
tion (1994, 84) that morphological change is
typically generational. Raumolin-Brunberg’s
trend study is based on the correspondence
of younger and older generations in two
English families of the 16
th
and 17
th
cen-
turies. Of the four morphological variables
she reports on, the first three appear to be
generational in character. The fourth case,
however, leads her to conclude that the re-
placement of third singular -th with -s s
around 1600 occurred “in a communal
manner” (1996, 94).
Arnaud (1998) used a combined trend
and panel design to track the rise of the pro-
gressive in English in the 19th century via
the personal letters written by the most well
known authors of the day. Arnaud’s ‘den-
1006 VII. Sociolinguistic Methodology
sity’ measure is calculated as the number of
progressives per 100,000 words of text. In
letters written between 1830 and 1845, auth-
ors born prior to 1780 used the progressive
with a mean density of 170; whereas those
born after 1790 had a mean density of 241.
Further, for two of the three authors whose
usage he tracked across the decades of their
writing, Charles Dickens increased from 270
in the 1830s to 540 in the 1870s, and Eliza-
beth Gaskell increased from 210 in the 1820s
to 495 in the 1870s (Thackeray remained
stable at c. 500 across five decades).
An historical corpus of a different sort in-
cludes recordings made in the 1940s of 250
New Zealanders born in the 19
th
century,
some as far back as the 1850s. Gordon and
Trudgill (1999) trace the “embryonic” pres-
ence of some well-known New Zealand pho-
nological variants (notably the centralized,
stressed short /I/ as in [p’g] ‘pig’), raising the
question of “why some early variants should
later develop into present-day features of
New Zealand English and others disappear
completely” (1999, 111).
4.2. The real-time verification of change in
progress
Although relatively few trend studies have
so far been conducted, sociolinguistic work
of the late 1960s and early 1970s has been
followed up in a growing number of studies.
The eight cases known to me will be re-
viewed in this section.
4.2.1. Charmey and New York City
Labov (1994) summarizes Hermann’s res-
tudy (1929) of the original research on
the Suisse Romande village of Charmey
(Gauchat 1905). The three vowel changes
Gauchat identified on the basis of apparent
time calculations were all advanced, but of
the two consonantal changes Gauchat had
postulated, “the aspiration of [Q] had not
advanced, but showed the same type of vari-
ation that Gauchat had found in 1904 …
Gauchat had indeed succeeded in locating
linguistic change in progress; but … real-
time information was needed to resolve the
ambiguity of data drawn from apparent
time” (Labov 1994, 85). Labov also dis-
cusses Fowler’s 1986 replication of his 1962
“rapid and anonymous” study of post-vo-
calic (r) in three New York City department
stores. Fowler’s trend study (an exact repli-
cation of Labov’s methods) uncovered
“clear evidence of generational change in
progress in real time” (Labov 1994, 90). But
this change from above had advanced only a
small amount between 1962 and 1986, and
was “quite slow compared with the evol-
ution of the New York City vowel system or
the palatalization of /l/ that Gauchat observ-
ed in Charmey’ (ibid, 90–91). Hermann’s
restudy was not designed to examine age
grading, but Fowler’s restudy discovered
that age grading accompanied the gener-
ational change, “in both the highest and sec-
ond highest status groups. The age-grading
effect is much larger than the generational
change: in Saks, the shift of all [r] from the
youngest group to the group 20 years older
remains at the high rate of 40 %, whereas the
upward movement after 24 years is only
10 %” (Labov 1994, 91).
4.2.2. Helsinki
In the early 1970s, Helsinki was the site of
one of the first urban sociolinguistic studies.
A sample of 96 subjects was stratified ac-
cording to sex; social class (upper middle,
lower middle and working classes); and age.
In the early 1990s, 15 of the original
32 speakers born in the 1920s, and 14 of
those born in the 1950s were re-interviewed
(Paunonen 1996). Eight male and 8 female
speakers born in the 1970s were added. Pau-
nonen’s report on a morphological change
in progress in Finnish thus offers both panel
and trend comparisons.
The change involves two types of possess-
ive constructions in the first person singular.
In the first, “reflexive”, the subject of the
sentence is co-referential with the possessor,
e.g. ‘I found my book’, whereas in the sec-
ond, “non-reflexive” type, it is not, e.g.
‘Mother found my book’. Speakers vary in
the use of both the suffix -ni, and of the in-
dependent pronoun, which may be either the
standard minun or the non-standard mun.
These two dimensions of variation thus
allow for the “synthetic” kirja-ni (‘book’-
‘my’), the “double-marked minun/mun kirja-
ni” (‘my’-‘book’-‘my’), and the “analytic”
minun/mun kirja (‘my’-‘book’). Results re-
vealed real-time generational change for
both reflexive and non-reflexive possessives.
Speakers born around 1900 used the syn-
thetic form almost categorically in reflex-
ives, and about half of the time in non-re-
flexives; whereas those born in the 1970s
used the analytic form accompanied by the
non-standard mun 60 % of the time in reflex-
ives and almost categorically in non-reflex-
103. Cross-Sectional and Longitudinal Studies 1007
ives. Intermediate generations showed valu-
es between these extremes. By and large,
speakers retained their original patterns
throughout their lives, but there was a small
age-grading component among the speakers
born in the 1920s who were restudied. Four
of the 5 women and 3 of the 4 men who
showed no use of the popular incoming
form (mun kirja) in the 1970s registered
some degree of its use (between 10 % and
50 %) in the 1990s. In keeping with previous
findings in morphology, the general trend is
one of generational change, here with a
small additional component of change over
individual lifespans for some speakers.
4.2.3. Paris
Hansen’s trend study of change in French
nasal vowels (2001) is based on 16 speakers
recorded in 1972–74, and 26 in 1989–93.
Two educational groups (speakers with the
baccalauréat vs. those with technical/practi-
cal backgrounds) and four age groups are
represented, with mean dates of birth in
1916, 1943, 1952, and 1973. The study re-
vealed a backing chain shift among the three
oral nasal vowels: /ES

/ f [ES

~AS

], /AS

/ f
[AS

~OS

] / [OS

}, and /OS

/ f {oS

}. Focusing
on /A$/, Hansen’s results show a decline in
frequency of the older [AS

] variant for
speakers in both educational categories.
“Technical” speakers of the 1916 age group
use [AS

] 58 %, whereas those in the 1973 age
group have declined to only 42 % use of this
variant. Baccalauréat speakers of 1916 show
70 % use, reduced to 55 % for those of the
1973 group. In addition, the “technical”
group speakers from both the 1952 and 1973
age groups use close to 10 % of the most ad-
vanced form, {oS

}, which has not yet been
adopted by the “baccalauréat” group.
Hansen’s trend study shows real-time evi-
dence for the chain shift in progress in the
nasal vowels.
4.2.4. Texas
Bailey et al. (1991) compare a number of
dialect features in two Texas surveys com-
pleted in 1989 with dialect survey work car-
ried out 15–20 years earlier. Features exam-
ined include the /O/ ~ /A/ merger; three
mergers before /l/: /i/ ~ /I/, /e/ ~ /E/, and /u/ ~
/U/; the fronting of /au/; the monophthon-
gization of /ai/; unconstricted postvocalic
/r/; the loss of /j/ after alveolars as in Tues-
day; the loss of /h/ before /j/ as in Houston;
intrusive /r/ in Washington; and two tense/
aspect features: the quasi-modal fixin to,
and double modals as in might could. In all
except three of these, real-time trend com-
parisons confirmed the apparent time inter-
pretation of the earlier data (Bailey 2001,
315). They also confirm the original infer-
ences in the fronting of /au/: variation is
stable and ethnically conditioned, with
White Anglo speakers generally fronting
and Hispanic and African American using
the un-fronted variant (Bailey 2001,
317–318). As for /ai/-monophthongization
and the use of double modals, discrepancies
may be due to methodological differences
between the studies, however, “when only
native Texans are considered, … the data do
in fact suggest a change in progress (i.e.
monophthongal /ai/ is expanding in words
like night)” (Bailey 2001, 319). Overall, the
results of the trend comparisons indicate
generational change for these phonological
and morphological changes in Texas.
4.2.5. Panama City
Cedergren (1987) studies the progress of
CH-lenition in Panama City on the basis of
return trips in 1982 and 1984, a trend study
comparable to her original research in 1969.
Cedergren reports her own 1969 interpre-
tations as follows: “Speakers 35 years and
younger, along with female speakers, were
strongly associated with the fricative vari-
ant … On the socioeconomic dimension,
what emerged was a curvilinear distribution
revealing that the middle social groups were
at the forefront of the lenition tendencies …
we concluded that CH lenition was a recent
phonetic change spreading within the com-
munity” (Cedergren 1987, 52). The 1982–84
results confirmed both Cedergren’s original
“apparent time” inferences and her predic-
tion that CH-lenition would spread geo-
graphically outside of Panama City. In addi-
tion, as speakers with a mean age of 20 in
1969 retreated to a lower level of CH-leni-
tion in 1982–84 when their mean age was 34,
we can also see the effect of age grading on
this variable, with a “young adult spike”
reminiscent of the “adolescent spike” Labov
discussed in Philadelphia. Cedergren re-
marks: “Rather than interpreting the beha-
vior of adolescent speakers as a … retro-
grade movement toward the earlier norm, …
these patterns confirm the social importance
of CH lenition in the linguistic market-
place … [indicating] their sensitivity to the
social importance of the newer variant”
1008 VII. Sociolinguistic Methodology
(Cedergren 1987, 53). Thus the restudy of
CH-lenition in Panama gives evidence of a
combination of real-time, generational
change, as well as age grading. Labov con-
cludes that: “[Cedergren’s] data show a re-
markable parallel to the importation of con-
stricted [r] into New York City. In each case,
age-grading is the dominant configuration.
In succeeding generations, speakers follow
the same pattern across apparent time. But
there is also a steady increment of the pro-
cess at a lower level, showing that a real-time
change is taking place” (Labov 1994, 97).
4.2.6. Norwich
The most comprehensive trend study to date
is Trudgill’s 1983 follow-up of his 1968 re-
search in Norwich. The original study in-
cluded 60 speakers born between 1875 and
1958; the 1983 study involved 17 younger
speakers born between 1958 and 1963. This
new generation manifested a number of new
features not at all (or only marginally) pres-
ent in1968. Trudgill (1988) reports on the
seven variables shown in Table 103.2:
Some local dialect features already re-
treating in 1968 showed further decline. For
example, the lengthened monophthong in
the lexical set of gate, “vestigial” in 1968,
was entirely absent in speakers under age 25
in 1983, although still manifested “in the
speech of older people”(1988, 40). Similarly,
the beer/bear merger (an ongoing change
from below in 1968) was complete except for
Upper Middle Class speakers. The third fea-
ture concerns the collapse of a distinction
(between the vowels of the moan vs. mown
word classes) specific to East Anglia. In the
1968 study the merger was “confined to a
small number of middle-class speakers”
1988, 40), and by 1983, “a number of speak-
ers from other social class groups [were] be-
ginning variably to adopt this feature”
(ibid.). The labialized /r/, barely present in
1968, had dramatically increased among the
young people by 1983, with 30 %–35 % of
speakers born after 1948 categorically using
the innovative form. Trudgill notes: “this is
one feature that would not have been thrown
up by a follow-up approach which relied
only on recontacting previous informants:
no speakers in Norwich appear to have
changed their pronunciation of /r/ in this di-
rection in the course of their lifetimes.”
(1988, 41) The fifth feature concerns the
/Q/ ~ /f/ and /D/ ~ /v/ merger. “[N]ot a single
speaker in the 1968 sample showed even one
instance of this phenomenon, … [but] of
people born between 1959 and 1973, … 41 %
have the merger variably; and 20 % have a
total merger, i.e. /Q/ has been totally lost
from their consonantal inventories” (1988,
43). Like /r/-labialization, this dramatic
change seems to be a generational one not
affecting adults.
The replacement of [t] by glottal stop and
the backing of /E/ before /l/ in words like belt
were both well advanced in 1968 but showed
considerable stylistic stratification. The major
change in 1983 was the rise in usage of the
innovative variants even in formal styles by
the younger speakers. Since the adults of the
1969 study were not re-studied in 1983,
Trudgill is not certain (he in fact expresses
some doubt) about whether there has been
an increase in the innovative forms over
adult speaker lifetimes. Overall, his results
on these seven phonological processes are a
testimony to the wealth of possibilities in
ongoing linguistic change, and to the necess-
ity of careful study to disentangle its varied
sources and dimensions.
Tab. 103.2: Variables involved in linguistic change in Norwich, adapted from Trudgill’s Table 1 (1988, 48).
Entries in the table are as noted by Trudgill: + = feature present; – = feature absent; ? = no data
rapid children adults internal external
1. /e:/ in face, gate – – + + +
2. beer/bear merger – + ? + –
3. moan/mown merger – – + ? +
4. /r/ labialization + + – ? +
5. /f/ > /Q/ + + – ? +
6. [?] – + ? ? +
7. /El/ + + ? + –
103. Cross-Sectional and Longitudinal Studies 1009
4.2.7. Montreal
The 1971 Montreal French study recorded
120 native Francophone Montrealers in a
random sample stratified by social class, sex
and age (Sankoff/Sankoff 1973). Speakers’
birth dates ranged from 1885 to 1956. The
1984 follow-up (Thibault/Vincent 1990) re-
contacted 60 of the original subjects and
added 14 younger speakers, born between
1959 and 1969. The 1995 study (Vincent/La-
forest/Martel 1995) followed 12 of the orig-
inal speakers and 2 of those added in 1984.
This design allows for comparison of the 60
individuals re-recorded in 1984 and 1995
both with their “earlier selves” (panel com-
parison) and with the 1971 and 1984 speak-
ers who were not restudied (trend compari-
son).
In addition to the studies cited in 1 and 2
above, in which stability or age grading was
found, other Montreal research documents
generational change in progress. The “ap-
parent time” interpretation given to the age
distribution of posterior (vs. alveolar) (r) by
Clermont & Cedergren (1979) was confirm-
ed by Cedergren (1987) via a trend study.
Sankoff, Blondeau and Charity (2001) con-
ducted a panel study to investigate lifetime
changes across 25 individual speakers,
grouped according to their usage in Table
103.3. The 8 Group I speakers were virtually
categorical users of the innovative form, [R],
in 1971, and were stable thereafter. Simi-
larly, 8 speakers stably maintained the older
[r] variant that they acquired in childhood.
As a group, the remaining 9 speakers were
more variable in 1971, and they increased
their usage considerably between 1971 and
1984, leveling off thereafter. This change has
clearly operated both at the level of the com-
munity and over individual lifetimes. Of the
7 speakers who made significant changes
(<.05) between 1971 – 1984, one was a teen-
ager, 3 were in their twenties, 2 were in their
forties and one was in his early fifties!
Several other papers on Montreal French
have focused on vowels. Québécois French
has maintained a clear distinction between
front and back (a), e.g. in a minimal pair like
patte [pat] ~ pâte [pAt, pOt]. However the
formerly back [A] of the -ation suffix under-
went a change to the front category between
1940–1960. Kemp and Yaeger-Dror (1991)
document this by a trend study comparing
34 early recordings of speakers born be-
tween 1860 and 1912 with 52 speakers of the
Montreal 1971 corpus. They trace this chan-
ge from middle-class women to middle class
men and working class women, with working
class men as the last holdouts. They are able to
include one exceptional working class male
speaker, born in 1918, who apparently made
this change in his own speech between 1950s
and the 1980s.
Yaeger-Dror and Kemp (1992), and
Yaeger-Dror (1994; 1996) also used the 1971
and 1984 data in a trend study of the lower-
ing of three mid-low lengthened vowels.
They conclude that vowel lowering is a
change from below, led by working class
women. The relative contribution of gener-
ational change vs. age grading is not ex-
plicitly raised in these papers, but their re-
sults “confirm that both etymological and
exceptional lexical diffusion are occurring
for these vowels along with the real-time
change” (Yaeger-Dror 1996, 276). ‘Year of
recording’ is a significant factor in the
multivariate analysis, which would lead us
to believe that speakers are changing over
their individual lifetimes, in addition to the
major trends established in the community
by speaker year of birth. Cedergren et al.
(1981) also studied vowel diphthongization,
reporting an apparent time interpretation of
increasing diphthongization of /:/ before /r/
and also of /o:/ as in chose ‘thing’.
In another real-time study, Thibault &
Daveluy (1989) report on five discourse
markers and one lexical/syntactic variable:
the expression of restrictives ‘only’ as seule-
ment, rien que, and juste. Using all the data
available from both 1971 (120 speakers) and
1984 (the 60 re-recorded speakers plus the
12 new, younger speakers), their multiple re-
gression analyses were run on “the complete
data sets from 1971 and 1984 (a trend study)
and the combined data repeated for the
60 reinterviewed individuals (a panel stu-
dy)” (1989, 44). Alors ‘then’ (associated with
higher educational/ occupational status)
was also clearly age graded, as speakers in-
creased their use of this marker as they got
older. As for tu sais ‘you know’ (associated
with working class speakers), Thibault &
Daveluy identified “a drastic increase in the
number of speakers who use it exclusively, …
much greater than the shift of speakers to-
wards the familiar form tu from vous in
other contexts” (1989, 144). This is clearly a
trend effect.
With respect to the pronominal system,
Blondeau (1999, 2001) identified a real-time
1010 VII. Sociolinguistic Methodology
change in which the simple plural forms
were replacing their compound analogue
forms with -autres between 1971 and 1995.
Whereas simple forms constituted only 8 %
of plural personal pronouns in 1971, this
had risen to 22 % in 1984 and to 29 % in
1995.
5. Communal change: young and old
together adopting an innovation
Labov’s characterizes this fourth possibility
as follows: “all members of the community
alter their frequencies together, or acquire
new forms simultaneously”, remarking that
this is “a common pattern of lexical change,
as Payne (1976) found in her study of speak-
ers entering the Philadelphia community”
(Labov 1994, 84). A further result on Tok
Pisin came from a re-examination by Labov
and myself of the results originally pub-
lished in Sankoff & Laberge (1973) on the
de-stressing of the future marker bai in Tok
Pisin. Laberge and I had originally shown
that child, native speakers carried the de-
stressing of bai further than had their par-
ents’ generation. When Labov and I con-
nected the children in the original diagram
with their own parents, we discovered a cor-
relation between children and parents
(r=.61), significant at the .02 level. The
children’s system “is a regular projection
from the language of their parents” (Labov
2001, 425). We can add a final case in which
the whole community appears to have prog-
ressed together in the adoption of an inno-
vation: the concatenated discourse marker
tu-sais-veux-dire (“y’know I wanna say”) in
Montreal French between 1971 and 1984.
Finding “no apparent time effect in either
1971 or 1984”, Thibault & Daveluy docu-
ment “the rapid spread of this form across
all sections of the population” (1989, 45).
6. Concluding remarks
There are many challenges to understanding
the relationship between language as a men-
tal construct in the minds of individual
speakers, and language as a creation of
speech communities. Future longitudinal
studies may further clarify these relation-
ships, as they have in bridging the gap be-
tween synchronic and diachronic linguistics,
and between real and apparent time. I be-
lieve they will also elucidate some of the as-
pects of the modularity of language, as we
discover that different levels of linguistic
structure are differentially susceptible to
modification in later life. In reviewing the
literature to date, it is clear that phonology,
even though stable in most of its features
across individual lifespans, is nonetheless
available to some speakers for some amount
of modification.
Given the variability we have encounter-
ed, it is probably too early to make valid
generalizations. Table 103.5 summarizes
contrasting results of the four longitudinal
studies of (r) reviewed in this paper: New
York City English; Norwich English; Mon-
treal French; and Carioca Portuguese. Ca-
rioca Portuguese shows age grading alone,
with no community change, whereas in Nor-
wich, speakers categorically use either non-
labialized or labialized (r), with younger
speakers adopting the change and no older
speakers being influenced. Montreal and
New York City show a mixture of real-time
change and age-grading, with the Montreal
study panel study indicating that perhaps
one-third of speakers have altered their (r)-
pronunciation in later life in the direction of
the change. Such a mixed result is likely
when other linguistic subsystems are exam-
ined in greater detail.
Labov’s generalization (1994, 85) holds
up quite well: lexical and discourse-level fea-
tures, as well as the more lexical aspects of
Tab. 103.3: Mean [R]/([R]+[r]) for Montreal speakers, 1971 – 1995.
Speaker
Groups
Number of Speakers
in 1984*
Mean Age
in 1971
mean [R]
1971
mean [R]
1984
mean [R]
1995
I 8 23 95 % 98 % 1.00 %
II 9 34 45 % 68 % 1.70 %
III 8 27 9 % 7 % 1.03 %
* All 25 speakers were present in 1984 when 2 younger speakers were added; the 1971 total is 23 speakers.
In 1995 only 14 speakers were re-recorded.
103. Cross-Sectional and Longitudinal Studies 1011
morphology (e.g. the French personal pro-
nouns) seemed more susceptible to change
over individual lifetimes than phonological
features. One study has attempted to test
such a generalization by looking at the same
speakers. Blondeau et al. (in press) tested
three hypotheses about the relationship be-
tween phonological and morphological
change across the lifespan by examining two
changes from above: the adoption of poster-
ior [R] and the use of simple plural pro-
nouns. Results confirmed our hypotheses
that (1) phonologically conservative speak-
ers may or may not accept a morphological
innovation; but (2) phonologically variable
speakers are likely to accept the morpho-
logical innovation, and (3) acceptance of a
phonological innovation implies acceptance
of a morphological innovation.
The studies reviewed here make clear the
importance of distinguishing two types of
patterns that we now call “age grading” in
future longitudinal studies. I propose that
we reserve the term “age grading” for those
situations in which groups of speakers in the
same community, generation after gener-
ation, find it appropriate to employ a par-
ticular pattern (e.g. a non-standard usage
among teenagers like the Glasgow glottal
stop, or higher values of a prestige variant
among young adults entering the labor mar-
ket, like CH-lenition in Panama). Such pat-
terns may often be associated with stable so-
ciolinguistic variables (cf. Eckert 1997). For
the other type of change, in which individual
speakers change over their lifespans in the
direction of a change in progress in the rest
of the community, I propose we dub these
cases of ‘lifespan change’. From the individ-
ual perspective, living in a community where
people younger than oneself are surging for-
ward with a change that makes our own
speech sound somewhat old fashioned may
be similar to that of adult speakers who ex-
perience dialect contact. Trudgill’s (1983)
study of the Beatles’ and the Rolling Stones’
use of post-vocalic constricted (r) and of
fronted short A over the period 1963–1999
illustrates the kinds of influences such
speakers may be subject to, and the kinds of
mixed responses that may be provoked, in a
case which may be generalizable to at least
some aspects of change over speakers’ life-
times, even when they stay home.
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Tab. 103.4: Patterns of change and variation in four longitudinal studies of (r).
Study Change over time Individual Speakers Age-Grading?
New York City
1963–1984
slow and steady variable yes
Norwich 1968–1993 precipitous categorical yes
Rio de Janeiro, early
1970s – early 1990s
no change variable yes
Montreal 1971–84–95 fairly rapid categorical at extremes; varia-
ble intermediate generation
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1. Introduction
2. Interviewing and communication norms
3. Idealized language conditions presupposed
in elicitation
4. Interviewing properties
5. Elicitation fragments from clinical medicine
6. Elicitation, power and social identity
7. Practical issues
8. Literature (selected)
1. Introduction
1.1. Elicitation is a special kind of discourse
usually involving two parties. One party
often controls the exchange. This dominance
may be temporary because of the role af-
forded the party performing the elicitation.
1.2. A reporter for a newspaper or radio
or television station can interview a power-
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Gillian Sankoff,
Philadelphia/Penn. (U.S.A.)
ful politician. The reporter’s skill in eliciting
information can provide him or her with
temporary domination and some measure of
power within the interview itself because the
exchange is a new, circumscribed speech
event that can make problematic or at least
mitigate the politician’s external sources of
dominance. The reporter’s possession of in-
formation and the ability to reconstruct and
use this information to influence other audi-
ences despite possible subsequent objections
by the politician constitutes a significant
source of power.
1.3. Police officers, lawyers, judges, and
probation officers, for example, can inter-
rogate suspects, defendants, witnesses, or ex-
convicts and thereby exercise considerable
domination that can exceed their official
authority despite the existence of criteria
104. Elicitation as a Problem of Discourse
104. Elizitierung als ein Diskursproblem
1014 VII. Sociolinguistic Methodology
that might normally place some of those
being interrogated in a higher social or
political standing than the one doing the in-
terrogation. The power can be extended sig-
nificantly by ‘leaking’ brief, ‘suggestive’ (that
is, potentially incriminating) remarks about
a suspect to a reporter under the condition
that the source remain undisclosed. The Of-
fice of Special Prosecutor in the United
States is a recent example of the enormous
power given to a person and assistants to in-
vestigate, intimidate, and elicit information
from potential witnesses as well as persons
at the highest levels of government. The
Special Prosecutor enjoys considerable dis-
cretion with respect to what can be investi-
gated and often is able to draw upon con-
siderable financial support and legal and in-
vestigative personnel.
1.4. Professional-client relationships, as in
physician-patient, lawyer-client, teacher-stu-
dent exchanges, routinely include forms of
domination such as differences in the knowl-
edge possessed by the professional and the
ability to use this knowledge with discourse
devices based on considerable experience in
countless past exchanges. This information
hegemony in discourse can lead to one per-
son’s views being imposed on the other per-
son in a way that can be perceived as coercive.
1.4.1. The reader will recognize that most
exchanges and their outcome are perceived
by the interlocutors as self-evident activities
even if they also resent the asymmetry in-
herent in the discourse. Similar conditions
exist in the case of informal and formal in-
terview styles.
1.5. Adult-child or patient-child or older-
younger relationships often include asym-
metrical dominance that can be quite direct
or indirect as part of demanding information
or being asked to account for prior activities.
Adult-child discourse, therefore, often means
that the adult addresses the child by her or his
given name while the child addresses the
adult by the use of a title or a formal ex-
pression such as “yes sir” or “Mrs. Jones”.
Communication among peers, however,
normally involves the use of a vernacular.
1.6. Military and paramilitary organiz-
ations and all bureaucratic settings typi-
cally exhibit asymmetrical relationships be-
tween those with official authority and
those in subordinate positions. The style of
interviewing is likely to be rather formal;
the use of titles, and a fairly standardized
language,
1.7. The elicitation of information under
conditions of perceived and expected (even
if resented) dominance can contrast sharply
with communication in social networks
where participants are likely to perceive
each other in egalitarian terms and employ
more of a vernacular rather than a standard-
ized version of language. In many verbal ex-
changes, therefore, the use of a more formal
style of standardized language is itself a
source of power.
1.8. The professional or research interests
of an investigator may create problems with
respect to obtaining particular types of data
and these problems may be a consequence of
the kind of interview style assumed or em-
ployed and/or accepted or rejected (at least
tacitly) by either the interviewer or respon-
dent. The variable interview styles that can
be displayed may be used as ‘evidence’ of the
quality of the interview despite the fact that
we would need a rather complete transcript
in order to make such assessments.
2. Interviewing and communicative
norms
Interviewing procedures can be contrasted
with different types of discourse normally
practiced in a community (Briggs 1984, 2)
and complex societies (Gobo 1997), and this
problem can be compounded in societies
where many dialects and speech styles can
be found within and across regions. But the
conditions noted by Briggs for small com-
munities need to be emphasized: interview
techniques invariably impose a particular set
of communicative norms that elicit in-
formation from others about a setting and
ignore the extent to which those being inter-
viewed are accustomed to communicating
their thoughts, feelings, health problems, or
whatever, under interviewing or different
circumstances. In particular, the topics
under review may seldom be discussed under
such circumstances as a formal interview
(Cicourel 1974, 53; 1982, 12).
2.1. Elicitation procedures can influence
opportunities for speaking or guiding an ex-
change, including restricting the allocation
of the floor to others or restricting the time
and content that ran be given to a question
and answer (Mehan 1979, 41ff.).
2.1.1. A general problem in the use of
elicitation procedures is the extent to which
informants or respondents are able to con-
struct responses to questions about which
104. Elicitation as a Problem of Discourse 1015
they may have not ever given explicit, reflex-
ive conscious thought. The use of structured
elicitation procedures tends to overlook the
fact that respondents rely on more than one
kind of memory whose distribution and or-
ganization are the focus of considerable re-
search (see Squire/Kandel 1999; Schacter
1995; Squire 1987). When we ask questions,
therefore, we are motivated by our theoreti-
cal conceptions as researchers and seldom
realize the extent to which our informants,
or respondents’ experiences have led to
memory organization or reorganization that
is not compatible with the way we have con-
ceived of a problem or set of issues (Cicourel
1964, 73ff.; 1974, 53ff.; 1982, 12ff.). These
conditions may require the interviewer to
guide the subject by the use of implicit or ex-
plicit probes.
2.2. A related way of discussing the inves-
tigator’s view of a problem, in contrast to
that of informants or respondents, has been
stated by Silverstein (1981, 4ff.). What is not
obvious in field research, notes Silverstein,
is that it is seldom possible to have our
native informants become aware of what to
us appear as factual aspects of the inform-
ants’ speech as action, especially if the in-
formants are unable to describe the pre-
sumed factual information in their own
language. The general issue noted by Silver-
stein and others is that informants are not
able to specify always when their speech is
contextually appropriate or becomes a way
to manipulate speech action for the re-
searcher.
2.3. The use of elicitation procedures
often places the informant or respondent in
a situation where a person must interrogate
their autobiographical knowledge. Access-
ing or remembering specific incidents from
our past is called episodic memory (Tulving
1983). Our general, factual knowledge of the
world, however is often called semantic
memory or declarative memory (Schacter
1995, 135ff.) and consists of an immense
network of associations, facts and concepts
without which an interview would be rather
strange. Another memory system is called
procedural or nondeclarative (Squire/Kan-
del 1999, 15ff.) which enables us to learn
many skills and how to do things in the
world such as drive a car, solve puzzles, and
use a keyboard. Procedural or nondecla-
rative memory is unconscious and the ability
to perform a skill, for example, is not part of
a conscious attempt to recall it. The taken
for granted nature of procedural knowledge
means that the informant or respondent
may experience difficulty producing some of
the responses demanded by the investigator.
2.4. In field research, we must always be
sensitive to the fact that elicitation pro-
cedures force informants or respondents to
become aware of issues or conditions about
which they normally are not aware of, or are
only aware of in the context of particular
everyday settings. Silverstein makes the
point forcefully when he notes that much if
not most of what is of interest to investi-
gators is beyond the informant’s ability to
articulate its meaning in the way in which we
would like or expect. For Silverstein, the key
issue is the pragmatic awareness used by
native participants to guide their action in
social systems as expressed in the prag-
matics of speech and in meta-pragmatic
speech; the way reference to pragmatic
speech is made to facilitate calling it up con-
sciously. Lawyer-client or physician-patient
relationships are pervasive with respect to
the way, say, a physician’s understanding of
a problem can differ from that of the pa-
tient’s pragmatic awareness of their condi-
tion. The pragmatic and meta-pragmatic
speech of doctor-patient exchanges typically
involve misunderstandings that can confuse
and be detrimental to both participants.
2.4.1. Gobo (1997) has focused on issues
associated with implementing interviews, in-
cluding the subtle consequences that can ac-
company the use of different lexical items,
intonation and stress and the kinds of inter-
personal relations that emerge over the
course of the exchange.
2.5. In the pages that follow I will review
aspects of interviewing that have been con-
ceptualized under different idealized condi-
tions as specified by philosophers such as H.
Paul Grice (1975, 45ff.), and David Harrah
(1973, 450ff.). Linguistic anthropologists
such as Silverstein (1981, 4ff.) have ident-
ified several important aspects of interviews
that give us clues about the limits of the in-
formation produced, while Briggs (1984,
21ff.) reminds us of discrepancies in the rep-
ertoires of native informants and the use of
formal interview procedures. Finally, I shall
refer to some aspects of medical interview-
ing in order to provide the reader with some
hints that might be of practical value in try-
ing to avoid some of the limits of direct elici-
tation procedures.
1016 VII. Sociolinguistic Methodology
3. Idealized language conditions
presupposed in elicitation
A central aspect of language use in everyday
settings is the tacit information or knowl-
edge we utilize or presuppose for under-
standing an exchange with others. Speakers
and listeners not only make use of the set-
ting and artifacts therein, but also rely on
what they know of each other. They also
may be reminded of past experiences, plans,
and what each thinks the other ought to
know. The use of elicitation procedures pre-
supposes and relies on tacit information or
knowledge and its attribution by partici-
pants of discourse or conversation, yet such
materials are seldom an explicit part of a da-
tabase. Building on the work of Austin
(1961, l0ff.), Polanyi (1958, 20ff.), Schuetz
(1945, 540ff.; 1953, 5ff.), and Wittgenstein
(1953, 38ff.), we recognize how tacit in-
formation or knowledge and routine talk
can influence the way participants com-
municate or fail to communicate their inten-
tions and the way they understand or at-
tribute intentions to others.
3.1. In everyday discourse, participants
presumably rely on Grice’s (1975, 45ff.) no-
tion of conversational implicature, or the
idea that inferences do not always follow the
verification of the given premises of utter-
ances. The premises are necessary but not
sufficient for negotiating the comprehension
of sequential utterances found in conver-
sation. Rather, the listener expands an utter-
ance in order to pursue its implication, par-
ticularly when supplemented by further
conditions. The listener thus goes beyond
the information given as a means of creating
inferential coherence from what has been
said. Elicitation procedures depend on this
notion of conversational implicature, but in-
terviewers usually take implicature for
granted when they use particular lexical
items or phrases to elicit information and
when making inferences about the state-
ments of their informants or respondents.
3.1.1. The use of elicitation procedures
presupposes Grice’s notion of the cooper-
ative principle and particularly the idea of
conversational postulates; namely, the way
these postulates facilitate our understanding
of what are assumed to be tacitly agreed
upon aims of the conversation. The postu-
lates specify that the speaker is expected to
be as informative as possible but should not
overstate what seems to be necessary nor say
anything believed to be false or that lacks
sufficient evidence. The speaker is also ex-
pected to say things that are relevant, yet be
brief, orderly, and clear. Although these
idealized conditions are always presupposed
in the use of elicitation procedures during
interviews, we know empirically that in-
formants or respondents can be unwittingly
or deliberately evasive or misleading or
vague or untruthful in their responses.
3.2. Sociolinguists with a background in
anthropology or sociology have borrowed
freely from linguistic philosophers despite
divergences in their respective interests. For
example, disruptions in actual speech are
seldom part of philosophical inquiry yet
such events can have important conse-
quences for the way questions are posed and
answered. In other words, the exchange can
take unexpected directions. What consti-
tutes a database is also of concern to sociol-
inguists, including the extent to which the
interview format imposes restrictions on dis-
course that can make it difficult for an in-
formant or respondent to employ in-
formation or knowledge that is not stored in
a format that is compatible with the ques-
tion asked (Cicourel 1974; Norman 1973,
135).
3.2.1. Students of speech act theory sel-
dom address the way discourse is initiated,
follows a predictable or problematic course
of development, and how plans or strategies
emerge for elaborating, blocking, and termi-
nating an exchange. Instead, speech act the-
orists study speech as atemporal discourse
structures rather than as emergent, develop-
mental processes constrained by local and
external interactional and organizational
conditions. The idea of local and external
interactional and organizational conditions
include the fact that professional-client or
doctor-patient discourse is facilitated or
constrained by their socially distributed
knowledge (Schuetz 1953) and that exchang-
es between two or more persons are always
part of a distributed cognitive process (Hut-
chins 1995)
3.2.2. The selective, continuous feedback
that is available to speaker and listener en-
ables us to monitor what is said in a reflexive
way and thus build up a retrospective sense
of what happened. Emergent conceptions of
what is going on in the interaction can
(while listening to the recording) lead to
summarizing or meta-statements of what
happened or is likely to happen during or
104. Elicitation as a Problem of Discourse 1017
in subsequent exchanges (Cicourel 1980,
126ff.). The elicitation of information, and
the interpretation of the content elicited,
therefore, are contingent on local artifacts
and unfolding conceptions or meta-state-
ments or schemata that are constructed over
the course of an interview, and can be com-
pared with our analysis of the information
obtained from the transcription. The elici-
tation process is itself an attempt by the in-
terviewer to assess the authenticity or credi-
bility of the subject or respondent. The
analysis of discourse materials always poses
such a concern. On-line auditory and visual
sources of information and a retrospective
examination of an audio and/or video tape
(if available) can enhance our use of a tran-
scription or written responses.
3.3. Researchers are not always aware of
the kinds of schematized knowledge or in-
formation that is activated by the kinds of
questions they ask (Norman 1973; McClel-
land/Rumelhart 1981, 376ff.). The inform-
ant or respondent must conduct memory
searches that require an integration of
knowledge or information that satisfies the
demands of the researcher but often is not
consistent with the way the informant
understands or would normally conceive of
the topic in the context of her or his daily life
activities.
3.4. The contrast between the conversa-
tional norms that might be invoked rou-
tinely in a community setting and the an-
thropological interviewing technique often
employed in field research has been sum-
marized by Briggs (1984, 2ff.). In many
western societies, interview techniques can
be familiar to most persons even if they are
not always happy with the asymmetric
power differences often associated with the
use of such techniques. In smaller commu-
nities and particularly in non-western set-
tings, Briggs notes, non-native ethnogra-
phers often enter a society lacking the
background necessary to obtain or elicit in-
formation according to native communi-
cative competence. Instead of trying to
understand this competence within the
native’s everyday world, the researcher often
pursues her or his own interests at the out-
set, and can make matters worse by seeking
information on topics possessed by only a
few members of the community. The ways in
which topics are pursued, notes Briggs, can
easily violate local norms of turn-taking and
topicalization and their ordering by natives.
The shifting of topics according to the re-
searcher’s interests can be disruptive to the
informant and may never allow the inform-
ant to speak about matters known to him or
her in a language and style in which a topic
is likely to appear in community conver-
sation.
3.5. Borrowing from work by Silverstein
(1979, 195ff.; 1981, 4ff.), Briggs character-
ized interviewing as a kind of speech event
which nevertheless may differ from native
speech events in its mode of interaction. For
example, following Silverstein, the interview
is selective in the types of message structures
that are likely to be sought. In Silverstein’s
terms, the foci of the messages selected are
notable for their susceptibility to surface
segmentation, their referential status, and
their presuppositional status. The segmen-
tation notion refers to elicitation as focusing
on utterances that can be analyzed with
typical linguistic units such as affixes, lex-
emes, and phrases. The referential nature of
elicited material refers typically to displaced
events outside of the actual interaction, but
there can be exceptions as in medical inter-
viewing during a physical examination. The
relative presuppositional aspects of elicited
materials call our attention to statements
that can be formulated retrospectively (or as
“appropriate”) with respect to particular as-
pects of the present context; they objectify
context.
3.5.1. A related but different approach to
interviewing, particularly therapeutic inter-
viewing, can be found in Labov/Fanshel
(1977, 30ff.), where interviews are subdi-
vided by who initiates the event, and who is
presumed to be the one that will be helped.
The general idea is a cross-sectional analysis
of utterances, propositions, and actions that
are viewed as having both vertical and hori-
zontal relations.
3.5.2. Briggs alerts us to another familiar
theme in interviewing; more spontaneous,
material that is more difficult to segment, is
less likely to be produced, as well as material
less reliant on reference. Citing Silverstein
again, Briggs reminds us that the character-
istics outlined above on interviewing materi-
al (segmentable, referential, presupposi-
tional) are likely to be within the speaker’s
control. As mentioned under 2.1.2., inter-
views encourage objective statements and
the production of context-free knowledge,
or at least knowledge that is not contami-
nated by the kinds of emergent routines that
1018 VII. Sociolinguistic Methodology
are common in spontaneous and/or infor-
mal everyday discourse.
3.5.3. Briggs suggests that we must first
learn something about the native metacom-
municational skills or repertoires available
and used in the community, using interviews
when they appear to be compatible with as-
pects of what is routine practice. Another
way of stating this problem is to ask: can the
interview employ elicitation procedures that
could lead to the simulation of native meta-
communicational skills, including accounts
that review forms of discourse or conver-
sation that might have been used when the
same topics emerged in previous daily life
settings? Studies by research analysts in their
own country often assume that the partici-
pants of interviews automatically share the
same metacommunicational skills because of
the use of a standard linguistic register.
3.6. Our knowledge of “native” metacom-
municative repertoires in large-scale so-
cieties such as the United States is limited
because of a variety of communities, social
classes, and organizational settings. We can
begin to approximate the goal of linking
elicitation procedures to speech repertoires
familiar to the native speaker by embedding
our sociolinguistic studies in ethnographic
settings that can be subjected to systematic
sampling of different ecological sites and
speech events. In addition, we must be sensi-
tive to the relentless daily encounters that
occur in societies with large-scale bureau-
cratic organizations and daily life circum-
stances in which natives must often interact
with a broad range of familiar and strange
persons and situations.
3.6.1. The reader should note that we have
ignored the complex communicational is-
sues inherent in organizations such as the
United Nations and the European Union
where many persons must utilize elicitation
procedures in their second or third or even
fourth language. What can we, therefore, say
to physicians, social workers, lawyers,
judges, nurses, police officers, parole and
probation officers, teachers, therapists, and
employment office personnel in order to
help them understand the use of elicitation
procedures in practical settings? First, we
can indicate some of the formal properties
of interviews, second, some empirical cases
of elicitation in, for example, a medical set-
ting, and then some practical suggestions.
The remainder of the paper addresses these
three issues.
4. Interviewing properties
The use of elicitation procedures restricts
the informational resources available to the
informant or respondent. Other persons
cannot be contacted for help, or the person
asked may return the question with another
question in order to establish the meaning or
intention of the initial question. Interviews
and surveys seek to restrict the question
frame, and surveys also restrict the answer
frame (Cicourel 1982, 12ff.). The imposition
of question and answer constraints, how-
ever, enables research analyst to codify and
aggregate a large amount of material in a
succinct way.
4.1. A general problem in the use of elici-
tation procedures is their use of questions
that may not evoke an appropriate recall be-
cause of being phrased differently from the
storage format of the informant’s or respon-
dent’s experiences and their ability to use
memory systems. This problem, called the
“paraphrase problem” by Norman (1973,
135ff.), asks how people store information
and access and combine general and con-
text-specific information in order to reveal
what they think is intended by the question.
The language of each elicitation influences
the pre-processing that occurs before an
answer can be produced. The informant or
respondent, notes Norman, must construct
information retrieved from memory. No
clear algorithm can be identified that spec-
ifies a sequence of steps or instructions that
links questions and answers. Instead, in-
formants and respondents are expected to
make inferences that may not necessarily
follow from the premises or statements given
by the elicitation procedures (contrary to
Grice’s (1975, 45ff.) notion of conversa-
tional implicature). Our use of elicitation
procedures seldom asks how their use
requires informants and respondents to ex-
pand and pursue the implications of ques-
tions in order to construct or derive coher-
ence from what is said.
4.1.1. As noted by Neisser (1967, 285ff.),
only selective elements of our experiences
are represented in memory and used to re-
construct a past event or set of circum-
stances. How fragments are constructed and
reconstructed, notes Schacter (1995, 55ff.)
involves specifiable areas of the brain and
are a consequence of the way we elaborate
fragments. The ability to elicit information
from a subject, following Schacter’s research
104. Elicitation as a Problem of Discourse 1019
and his review of other work, includes con-
verting fragmentary elements of experience
into narratives.
4.2. Question-answer systems are a sub-
set of speech events and acts. In contrast to
everyday language usage where often we em-
ploy indirect speech acts that do not always
follow an interrogative format when asking
questions, interviews are often direct and
can be perceived as intrusive. The formal
properties of interviews have been modeled
by Harrah (1973, 455ff.) and his remarks
parallel Grice’s more general remarks about
all conversations.
4.3. Harrah (1973, 450ff.) notes that the
questioner obeys the following conditions:
(a) Presumes to know what the problem is
about.
(b) Is able to express the question in an ef-
fective manner.
(c) Knows what possible alternatives
exist.
(d) Can specify that one of the alter-
natives is true.
(e) Is not disposed to knowing a particu-
lar alternative.
(f) Assumes that a well formulated ques-
tion will enable the respondent to produce a
helpful reply.
Harrah’s writings state that several logics
of questions exist and they can vary accord-
ing to the way questions are used in social
situations. The elicitation of information in
a Ph.D. examination, notes Harrah, can be a
challenge not only to the candidate but also
to members of the examining committee.
4.4. The person eliciting information and
the informant or respondent will each have
their own metaconceptions of what is hap-
pening, despite the often self-contained na-
ture of many elicitation procedures. The text
comprehension employed by the informant
becomes a search for a pattern, note
Kintsch/ van Dijk (1978, 365ff.; van Dijk
1972, 25ff.), or a search for an explanation
that goes beyond the information supplied
by the elicitation. The informant or respon-
dent’s active participation in the interview
means that he or she will create their own
hypotheses about what is happening often
regardless of the explicit or implied inten-
tions of the investigator’s questions.
4.5. All uses of elicitation procedures,
therefore, involve parallel efforts by re-
searcher and informant or respondent to cre-
ate working models of what each intends and
is trying to convey about different states of
affairs. The cultural mental models that par-
ticipants bring to interview exchanges guide
their perception and are influenced by past
and local knowledge that emerges over the
course of the interaction. Local information
includes particulars I have ignored in this
chapter; the nonverbal behavior between
participants as found for example in the way
the gaze of the interviewer can encourage or
discourage the articulation of an utterance
by the informant or respondent. The interac-
tion of schematized and local interpersonal
and environmental knowledge, therefore,
creates explicit and tacit knowledge or in-
formation conditions that are embedded in
emergent local circumstances of interaction
and record-keeping.
5. Elicitation fragments from clinical
medicine
A few examples from medical interviews can
clarify the role of tacit knowledge or in-
formation in the use and understanding of
elicitation procedures and responses.
(1) Dr.: What is bothering you at the mo-
ment?
(2) P: Well, Dr. B said I had high blood
pressure.
Asking what is bothering the patient “…
at the moment?” implies how the patient
feels during the interview. The patient’s re-
sponse references a prior condition that pre-
sumably brought her to see the physician.
The doctor did not pursue his initial ques-
tion by asking if the patient was experienc-
ing any symptoms while in his office. In-
stead, the physician builds on the patient’s
response.
(3) Dr.: And this was just uh found routinely,
uh
(4) [P: ‘Well’]
(5) in the course of an exam (book?)
(6) [patient tried to say something like
(7) ‘I was pregnant’.]
(8) made to see Dr. B
(slight pause) (simultaneous talk here).
(10) Dr. You were pregnant.
(11) P: That started it.
(12) I guess they thought it
would go down (slight pause)
(13) and uh (pause) it didn’t.
5.1. In line 3, the physician anaphorically
(‘this’) sustains the prior reference to the
high blood pressure mentioned in line 2 and
uses medical talk to ask the patient a leading
1020 VII. Sociolinguistic Methodology
question, namely, if [‘this’] condition “…
was just uh found routinely …” The physici-
an’s remark (line 10) “you were pregnant”
appears to be viewed by the patient as a tacit
request for more information. Thus, in li-
nes 11 and 12, the patient employs a series of
anaphoric expressions (‘that’, ‘it’, ‘they’) se-
veral times, while perhaps implying the idea
that the pregnancy precipitated or caused
the high blood pressure. The reference
(line 12) to “… they thought it would go
down …” presupposes prior discourse with
others, presumably physicians, with the im-
plication (line 13) that ‘it’ (the high blood
pressure) was expected to go down after the
pregnancy.
5.2. The brief excerpts presented above
can be converted easily into factual state-
ments that would link a particular preg-
nancy with high blood pressure. The pa-
tient’s responses, however, may not be easily
segmented and understood. The following
example between a patient and her gynecol-
ogist illustrates the kinds of problems that
can emerge from a different set of responses.
(a) Dr.: Do you know whi-which
hormone you were taking?
(b) P: So I (?) The yellow one, the
orange, yellow one.
(c) Dr.: Have you ever taken a differ-
ent dose from that?
(d) P: Well, uh, at Phipps they had
uh, subscribed half that dose,
(e) the little brown one,
(f) I believe … uh, but as I say,
don’t (?)
(g) Dr.: But that still caused breast
problems, too, hm?
(h) P: Hmm-hm, I mean, I just
stopped taking them and
(i) I hadn’t been back for a test or
anything.
(j) But my breasts are back to normal
(k) and I q-quit taking those things …
5.3. The patient in the above lines (a – k) has
been talking to the gynecologist about swel-
ling and soreness upon taking estrogen
three-four months and four years earlier
while being attended at a different medical
facility. The gynecologist appears to be try-
ing to establish the dosage of the hormone
the patient was taking by reference to the co-
lor of each pill. We can also suggest that the
physician is trying to link the dosage of
estrogen to side effects such as swelling and
soreness.
5.3.1. The doctor’s question (line a) uses
the term “hormone” and the patient re-
sponds (line b)) with color terms (“… yellow
one, the orange, yellow one.”) The physician
does not question these anaphoric ex-
pressions; he does not ask for clarification
or details. Instead, the doctor (judging by
his subsequent written notes) appears to
convert the color terms into a particular do-
sage and he asks (line c) if the patient has
ever taken a dosage that is different from her
initial description (line b) in which the pa-
tient had first used color terms. The patient’s
response (line d) refers to the previous clinic
and defines half the former dose (the yellow
pill) by identifying a (“… little brown one”).
The patient’s anaphoric color-coding re-
mains consistent and the physician does not
ask for additional details, implying that they
both are using similar cultural mental mod-
els and vocabularies about hormone dosage
that are mutually understandable despite the
lack of technical terms.
5.3.2. The physician (line g) anaphorically
links the presumed lower dosage (“that still
caused …”) to the previously mentioned “…
breast problems …” and the reference (not
shown) to swelling and soreness that oc-
curred in an earlier part of the interview.
The patient (line h) reports anaphorically of
having “… stopped taking them …” and “…
those things” and concludes by noting that
“… my breasts are back to normal …”
5.4. The elicitations and responses by
physician and patient suggest overlapping
cultural/technical mental models or schema-
ta vis-a-vis a set of prior events and pharma-
cological substances that have been coded
into parallel lexical items. Each participant
in this exchange is able to build on the pa-
tient’s use of color terms to encode estrogen
dosage. The physician had started his elici-
tation earlier in the interview by asking the
patient about “hormones” she had taken at
a previous clinic. The patient, at the outset
of an earlier interview, had actually used the
term “estrogen” when she described her
breast soreness and swelling. The physician’s
use of the term “hormone” and the patient’s
reply by reference to color terms permit us
to infer that both patient and physician have
the same substance in mind despite the use
of different referents and anaphoric func-
tions. We are able to suggest links between
prior events and the participants’ knowl-
edge base to local information and parallel
referents elicited during the interview.
104. Elicitation as a Problem of Discourse 1021
6. Elicitation, power and social
identity
Earlier, in the introduction, we alluded to
the domination and power that can accrue
to the party who can control the use of elici-
tation procedures. In physician-patient ex-
changes of the sort quoted in section 5, an
important source of domination that can
lead to power over the control and content
of exchanges stems from the fact that one
participant possesses particular kinds of
knowledge necessary for the ‘success’ of the
encounter.
6.1. Physicians and others with special
knowledge may not always be explicitly
aware of the way they can influence the re-
sponses of patients or clients by the way the
latter are asked questions. In the United
States, for example, the advent of private
Managed Care Medical Programs has in-
creased the likelihood that patients may not
always see a physician of their choice.
Health care delivery is part of a socially in-
stitutionalized process that enables phys-
icians and insurance companies to exercise
control over different forms of treatment
and drugs in some countries. Under such
conditions, it can be more difficult for pa-
tients to negotiate decisions with physicians.
6.2. Physicians (and others in similar
structural positions of power) can restrict
the patient’s ability to speak. For example,
as shown by Ainsworth-Vaughn (1998),
physicians often limit the patient’s ability to
ask for more information, or challenge a di-
agnosis or treatment procedure and, among
other problems, be subjected to inter-
ruptions. Ainsworth-Vaughn presents data
that reveals gender issues in health care de-
livery. For example, how physicians, particu-
larly males, may exercise greater interac-
tional power over both male and (especially)
female patients. In the case of oncology pa-
tients, however, Ainsworth-Vaughn’s data
suggest that sensitive physicians (particu-
larly those attending oncology patients) per-
ceive the importance of establishing a coop-
erative relationship with the patient in order
for the patient to be able to narrate her views
about her illness and what is to be done
about it.
7. Practical issues
The practical problem faced by someone
using local elicitation procedures revolves
around language use and the kinds of
knowledge constructed, activated in differ-
ent memory systems, and the immediate set-
ting. If the language of elicitation is different
from the language employed during the
original social contexts experienced by the
informant or respondent, then the latter per-
son is forced to interrogate herself or himself
in order to retrieve and construct infor-
mation or knowledge needed to answer the
question asked. It is commonplace in field
research to encourage research personnel
and informants or respondents to use a vo-
cabulary with which they feel comfortable.
But the key issue is not merely a “comfort-
able vocabulary,” but simulating lexical
items that were used at the time of the ex-
periences about which information is being
elicited. The use of lexical items familiar to
the patient is likely to increase the activation
of different memory systems and facilitate
the physician’s ability to employ appropriate
elicitation procedures.
7.1. The simulation of original settings in
which an informant or respondent experi-
enced some activity, event, object, or emo-
tional display does not guarantee that the
initial lexical items will be employed by the
informant. In general, we try to recreate the
setting by asking the informant to first de-
scribe the physical ecology and others pres-
ent at the time as a means of activating and
reconstructing schemata or culturally rel-
evant mental models associated with the
‘original’ situation while avoiding asking
leading questions.
7.2. Asking questions that permit the in-
formant to narrate the sequence of an ex-
change or event and her or his reactions at
the time, therefore, depends in large part on
the activation and reconstruction of nonde-
clarative memory. Elicitation procedures
should maximize the activation of experi-
enced-based schemata or cultural mental
models. But the simulation of past settings
should also seek to recover information that
may not be incorporated into elicited ac-
counts or ‘stories’ that summarize or pro-
vide the gist of past experiences. The simu-
lation should elicit conditions about past
experiences by asking informants to de-
scribe the way an exchange or event un-
folded. All elicitations that seek to activate
nondeclarative memory can also alter the
patient’s recall or recognition depending on
the local setting and the circumstances as-
sociated with the perceived purpose of the
1022 VII. Sociolinguistic Methodology
interview, the lexical terms employed, and
who is asking the questions.
7.3. The simulation of prior exchanges or
events can be the basis for discovering the
use of different kinds of speech repertoires
by participants. The retrieval of such in-
formation hinges on the informant taking
the role of others present at the time by re-
constructing or simulating prior sociocultu-
ral contexts in which prosodic and lexical
conditions were perceived. The successful
use of elicitation procedures, therefore, is
contingent on the activation of episodic, de-
clarative and nondeclarative knowledge as-
sociated with earlier experiences, while
avoiding statements that we associate with
constructions based on “objective” ques-
tions and abstract facts and scenarios.
8. Literature (selected)
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Aaron V. Cicourel,
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105. Forschungsplanung bei Mikro- und Makrostudien 1023
1. Ziel des Artikels
2. Zu den Titelwörtern Soziolinguistik, Mikro-,
Makro-, Forschungsplanung
3. Forschungsplanung bei einer idealtypischen
Mikro-Analyse
4. Forschungsplanung bei einer idealtypischen
Makro-Analyse
5. Die „normale“ soziolinguistische Analyse
als Mischform und Verschränkung aus
Makro- und Mikro-Elementen
6. Die Rolle der Statistik bei Mikro- und
Makro-Analysen oder die Frage nach der
Repräsentativität
7. Fazit und Schlussfolgerungen
8. Literatur (in Auswahl)
1. Ziel des Artikels
Die Konsistenz einer soziolinguistischen
Theorie hängt wie bei kaum einer anderen
linguistischen Disziplin in hohem Maße von
der Qualität der Konzeption und Durchfüh-
rung der einzelnen Forschungsprojekte ab.
Für diejenigen, die es nicht nur bei prinzipiel-
len Gedanken über die Zusammenhänge von
Sprache und Gesellschaft bewenden lassen,
sondern selbst eine kleinere oder größere Stu-
die anfertigen möchten, soll das Folgende
eine Planungshilfe sein. Die Möglichkeiten
der Vorgehensweisen sind vielfältig und je-
weils abhängig vom Erkenntnis- oder For-
schungsziel und den vorhandenen Ressour-
cen. Die genannten Faktoren bedingen sich
gegenseitig: Das Erkenntnisziel bestimmt die
Ressourcen und Wege, umgekehrt ist das For-
schungsziel wiederum davon abhängig, was
in einer bestimmten Zeit mit gegebenen Mit-
teln überhaupt durchführbar ist. Der Zeit-
rahmen ist bei Examensarbeiten, Dissertatio-
nen und anderen zeitgebundenen Vorhaben
in aller Regel befristet, die vorhandenen
Sach- und Personal-Mittel (Zahl und Ausbil-
dungsstand der Mitarbeiter und Hilfskräfte)
sind begrenzt. Ziele und Wege bestimmend
sind auch die zur Verfügung stehenden Da-
tenquellen. Das sind in der Regel einzelne
Auskunftspersonen oder Personengruppen
und vorhandene oder eigens zu präparieren-
de Text-Corpora. Die Interdependenz und
Vernetzung aller Voraussetzungen, Ziele,
Umstände, Arbeitsweisen, Daten und Aus-
wertungen sind ein markantes Kennzeichen
des soziolinguistischen Gegenstandsberei-
ches und der Arbeitsweise überhaupt (vgl.
auch die Artikel 98ff.). So kann bereits ein-
leitend festgestellt werden, dass es die sozio-
linguistische Theorie oder die soziolinguis-
tische Methode nicht gibt, ob man nun
von einer „Mikro-“ oder „Makro-“Modell-
bildung ausgeht oder nicht. Verschränkun-
gen jeder Art, nicht nur der ausgewählten
„Variablen“, sind das Markenzeichen der
soziolinguistischen Forschung.
2. Zu den Titelwörtern
Soziolinguistik, Mikro-, Makro-,
Forschungsplanung
2.1. Soziolinguistik als
empirisch-vergleichende (Sprach-)
Wissenschaft
Soziolinguistik ist in der Hauptsache eine
empirische, d. h. eine auf (eher unsystemati-
scher) Erfahrung (Empirie = Erfahrung) und
(eher systematischer) Beobachtung beruhen-
de Forschungsdisziplin, welche – verkürzt
ausgedrückt – die Beziehungen zwischen
sprachlichen Phänomenen, d. h. sprachlichen
Zeichen jeder Art: Wörtern, Wendungen,
Ausdrücken, Äußerungen ganzer Zeichen-
systeme oder Sprachen und deren Gebrauch,
und außersprachlichen (sozialen) Merkma-
len der sprechenden Menschen (Individuen
oder Gruppen) studiert und dabei reguläre
Korrelationen feststellen will sowie deren In-
terdependenz oder Kausalität. Den sprachli-
chen Zeichen kommt dabei in der Regel
Symptom- oder auch Symbol(isierungs)-
Funktion zu für außersprachliche/ soziale
Gegebenheiten (Variablen). Durch Beobach-
tung sprachlicher Äußerungen und sozialer
Merkmale von deren Produzenten werden In-
ter-Relationen zwischen den beiden Datenty-
pen festgestellt, die nicht zufällig sind, son-
dern in einem Fakt-Symptom- oder
Ursache-Wirkungs-Verhältnis stehen. In
Kenntnis der einen Variablenseite (Sprecher-
seite) kann man schließlich Mutmaßungen
oder gar Prognosen über die andere Varia-
blenseite (sprachliche Äußerungen) machen
oder auch nur von einem beobachtbaren
Phänomen (sprachlicher Ausdruck) auf ein
nicht beobachtbares Phänomen (soziale Zu-
gehörigkeit/ soziale Befindlichkeit) schlie-
ßen und umgekehrt. Solche Schlussfolge-
rungen sind dazu geeignet, unsere Kenntnis
105. Forschungsplanung bei Mikro- und Makrostudien
105. Research Planning in Micro- and Macro-Studies
1024 VII. Sociolinguistic Methodology
in Form von unsystematischen Erfahrungen
über die Komplexität der kommunikativen
Ereignisse und die daran beteiligten In-
dividuen, Gruppen, Ethnien oder Völker
zu erweitern und in systematisches Wissen
umzuwandeln. Dessen Zustandekommen
ist überdies „intersubjektiv überprüfbar“.
Es entstehen Einblicke in die Systematik,
Variabilität und Gebrauchsfunktion einzel-
ner sprachlicher Einheiten oder Teilsysteme
und in die kommunikativ-interaktionalen
Regeln, mit denen soziale Gruppen, Eth-
nien und Völker markiert oder gar definiert
werden. Um mit dieser Prozedur von der
vorwissenschaftlichen Intuition und All-
tagserfahrung über systematische Beobach-
tung, Datensicherung und -aufbereitung
und schließlich Auswertung und Deutung
zum gewünschten Erfolg und Erkenntniser-
trag zu gelangen, müssen mehrere Diszi-
plinen zusammenarbeiten (vgl. Art. 95–104;
106–112).
Der Blickpunkt der Soziolinguistik rich-
tet sich vor allem auf die Sprache und deren
bedeutende Rolle in dem Faktoren-Ge-
flecht, wenngleich soziologische, anthropo-
logische, psychologische oder statistisch-
ökonomische Komponenten die sprachli-
chen Gegebenheiten in den Hintergrund
drängen.
Die Soziolinguistik ist jedoch primär eine
linguistische Disziplin. Ihr Hauptobjekt ist
die Sprache bzw. sind sprachliche Äußerun-
gen jeglicher Art.
2.2. ,Mikro‘ und ,Makro‘ als
Forschungskategorien
Mikro- (klein) und Makro- (groß) werden
traditionell in den quantifizierenden oder
messenden Wissenschaften auf solche For-
schungsgegenstände angewendet, welche
man einerseits in ihren (kleineren) Teilen
oder Teil-Ganzen, andererseits auch als
(große) Ganze betrachten kann: Mikro-/
Makro-Kosmos, Mikro-/Makro-Moleküle,
Mikro-/Makro-Ökonomie etc. So befasst
sich eine „Mikro-Soziologie“ mit inner-
oder teilgesellschaftlichen Phänomenen, die
„Makro-Soziologie“ eher mit der Gesell-
schaft als solcher. Analog kann das Bezeich-
nungspaar dann auch zur quantitativen
Kennzeichnung von Projekten (micro-/ ma-
cro-studies) dienen: bezüglich Objektgröße
und -umfang oder auch bezüglich Komple-
xität von Fragestellung, Voraussetzungen,
Vorgehensweise oder Aufwand. Wollte man
zur weiteren Differenzierung zwischen Mikro-
und Makro- eine mittlere Ebene einziehen, so
müsste man diese mit „Meso-“ bezeichnen. In
der empirischen Sprachforschung sind „Mi-
kro-“ und „Makro-“ noch keine feststehenden
oder gar wohldefinierten Termini.
In der Gesprächsanalyse unterscheidet
man eine Makro-, Mikro- und Meso-Ebene,
auf denen pragmalinguistische Analysen an-
gesiedelt werden können. Zur Makro-Ebene
gehören die pragmatisch-situationellen Be-
dingungen, zur Mikro-Ebene die eigentli-
chen sprachlichen Äußerungen und deren
Teile, zur mittleren oder Meso-Ebene der
Gesprächsverlauf (Frei-Borer 1991, 111ff.;
Henne-Rehbock 1982, 20ff.; Linke 1985,
48f.). Mikro- und Makro- finden sich als Be-
griffspaar auch in der Soziolinguistik (vgl.
Mikro-/Makro-Reichweite einer Theorie bei
Dittmar 1997, 108; Mikro- und Makro-Ebe-
nen der Gesellschaft, Mikro-/Makro-Berei-
che lebensweltlicher Größen (Dittmar 1997,
109)). Die „Stellung des Deutschen als inter-
nationale Sprache“ wird als Makro-Kon-
strukt der Soziologie (Dittmar 1997, 111)
bezeichnet; von mikrosoziologischen Mo-
dellen ist die Rede (Dittmar 1997, 115) oder
von Mikro- und Makro-Diglossie (Dittmar
1997, 145, unter Bezugnahme auf Mioni/
Arnuzzo-Lanszweert 1979 und Trumper
1989). Unterschieden werden auch makro-
soziolinguistische (globale) und mikro-so-
ziolinguistische (feine/detaillierte) Parame-
ter (Dittmar 1997, 155). Phänomene und
Begriffe wie Nationalsprache, Offizielle
Sprache, Territorialsprache sind makro-so-
ziolinguistische, die Dimension der Lebens-
welt oder konkretes Interaktionsverhalten
einer Minderheit hingegen wären mikroso-
ziolinguistische Parameter (Dittmar 1997,
155).
Mikro- und Makro- können sich dabei
auf einzelne Teile der Beziehung Sprache –
Gesellschaft – Interaktion beziehen oder auf
die Reichweite einer Theorie oder einer em-
pirischen Untersuchung. Mikro und Makro
teilen den Gegenstandsbereich intensional
in groß und klein ein oder extensional die
„Reichweite“ in eng und weit. Objektbereich
und -abgrenzung sind jeweils offen, daher
rührt auch das gelegentliche Bedürfnis nach
einer zusätzlichen mittleren (Meso-)Ebene.
In der Soziolinguistik kann klein und groß
im Grunde auf alle an der Interrelation von
Sprache und Gesellschaft beteiligten Varia-
blen angewendet werden: Auf der „So-
zio“-Ebene kann man zwischen dem Indivi-
duum und seinen Sozialmerkmalen mit
105. Forschungsplanung bei Mikro- und Makrostudien 1025
Alter, Geschlecht, Beruf, Bildung (= Mikro)
und der Gesamtgesellschaft, dem Staats-
oder Sprachvolk (= Makro) unterscheiden
und den Zwischengrößen (= Meso) Gruppe,
Schicht, Klasse, Ethnie. Groß oder klein
können auch interaktional gesteuerte Phä-
nomene wie Diglossie oder Code-Switching
sein. Von einer Mikro- oder Makro-Linguis-
tik ist bislang nicht allgemein die Rede. Man
kann sich jedoch entsprechende Geltungs-
bereiche vorstellen: Auf die Linguistik bezo-
gen würde sich Makro- eher auf (ganze)
Sprachen und ihre Verwendung beziehen,
Mikro- hingegen auf deren (kleinere) Teile
(Sätze, Wörter, Laute etc.).
Andere Mikro- und Makro-Einteilungen
von Projekten wären denkbar je nach der
Größe der zur Verfügung stehenden Mittel
oder der Zahl an Personen, die an einem
Projekt mitforschen (Ein-Personen-Stu-
die/ Mehr-Personen-Projekt/ koordinierte
„Schwerpunkt-Projekte“). Auch könnte
man mit Mikro- und Makro- nur die zu un-
tersuchende oder zu berücksichtigende
Menge an sozialen oder linguistischen Da-
ten kennzeichnen, was man gemeinhin auch
als Einzel- oder Fallstudie und Massen- bzw.
Reihenuntersuchung zu nennen pflegt. So
gesehen können linguistische Mikro-Studi-
en sehr wohl an großen Datenmengen (vgl.
die Arbeiten in der Reihe „Idiomatica“, Ru-
off 1973ff.) zahlreicher Probanden (z. B. im
Atlas zur Aussprache des Schriftdeutschen,
König 1989) auf der Sozio-Seite also Ma-
kro-Studien darstellen. Umgekehrt können
linguistische Makro-Analysen, z. B. der un-
terschiedliche Gebrauch zweier Varietäten
in einer Diglossie-Situation oder zweier
Sprachen in einer Bilingualismus-Situation,
an sehr wenigen oder gar nur einer Person
(in Abhängigkeit von situativen Variablen)
untersucht werden. Hier steht dann einem
linguistischen Makro-Setting eine soziale Mi-
kro-Anlage gegenüber (z. B. Werlen 1998).
Eine bestimmte Regelmäßigkeit im Sinne ei-
ner ausgewogenen Verteilung der linguisti-
schen und nicht-linguistischen (sozialen und
situativen) Merkmale auf der Mikro- und
Makro-Skala gibt es nicht. Es sind so gut
wie alle Kombinationsmöglichkeiten denk-
bar – jeweils in Abhängigkeit der Fragestel-
lung und der erforderlichen und/oder vor-
handenen Mittel. Auch die Vorstellung, dass
Mikro-Einheiten (bestimmte Laute/ Phone,
Allophone) in großen Mengen anfallen und
daher prädestiniert seien für rein quantitati-
ve Analysen, Makro-Studien hingegen, wel-
che den Sprachgebrauch im Auge haben,
eher wenige Daten erfordern, dafür aber
qualitative Analysen, entspricht nicht der
Forschungsrealität. Der Normalfall ist of-
fensichtlich die „Verschränkung“ von Mi-
kro und Makro sowohl auf der Sprach- als
auch auf der Sozio-Ebene in Abhängigkeit
vom Erkenntnisinteresse und den For-
schungsbedingungen.
Soziolinguistik ist eine vornehmlich lin-
guistische Disziplin. Daher soll sich im Fol-
genden Mikro- und Makro- nur auf das Ob-
jekt Sprache, d. h. auf die linguistischen
Einheiten, beziehen. Ausschlaggebend für
die Zuordnung in Mikro- und Makro- sind
also in unserem Falle die Größe und Kom-
plexität der sprachlichen Einheiten, nicht
der Umfang des sprachlichen Datenmateri-
als oder die Zahl der Datenlieferanten oder
die Reichweite einer Theorie.
Als linguistische Mikro-Phänomene kann
man bezeichnen, was sozusagen „auf der
Zeile“ steht, angefangen bei den kleinsten
lautlichen (Phonen) oder prosodischen Ein-
heiten der Intonation und Akzentuierung,
zu einzelnen Partikeln, Wörtern, Wortgrup-
pen, Sätzen, Äußerungen, bis hin zu Text-
und Redebeiträgen. Linguistische Meso-
Phänomene (der mittleren Art) wären Texte,
Textsorten, Gespräche und Gesprächsty-
pen. Die Bezeichnung Meso- als Parameter
für linguistische Einheiten mittlerer Größe
hat sich allerdings noch nicht eingebürgert.
Als Makro-Phänomene hingegen können
der unterschiedliche Umgang mit bestimm-
ten ,Codes‘ oder Varietäten (z. B. in der Di-
glossie) oder sozialen Stilen einer Sprache
(,Soziale Stilistik‘) oder die Verwendung
und Einschätzung verschiedener Sprachen
(in Bilingualismus-Situationen) bezeichnet
werden. Auch andere Phänomene des
Sprachkontakts und der Zwei- und Mehr-
sprachigkeit (Sprach-Attitüden, Code-Swit-
ching/ -Shifting) gehören der linguistischen
Makro-Ebene an. Der Übergang von Mi-
kro- zu Makro- liegt ungefähr dort, wo die
Daten sich als Äußerungen oder Teile einer
Äußerung (und darunter) innerhalb einer
Sprache oder eines Sprachsystems identifi-
zieren lassen und auf der anderen Seite sich
über die einzelne Äußerung hinaus auf ge-
schlossene Varietäten (Subsysteme, Dialek-
te) einer Sprache beziehen sowie deren Ein-
schätzung und verschiedener Gebrauch
(Diskurssystem).
Trotz Beschränkung auf die äußere
Sprachebene und auf eine relativ klare Kon-
1026 VII. Sociolinguistic Methodology
turierung der linguistischen Einheiten sind
die Grenzen fließend. So bleibt offen, ob be-
stimmte Textsorten oder Textsortenbündel
wie z. B. eine Zeitung oder ein Roman oder
andere komplexere kommunikative Ereig-
nisse wie Unterrichts- und Beratungs- Ge-
spräche, Gerichtsverhandlungen, Konferen-
zen oder Gottesdienste eher der einen oder
der anderen Ebene zuzuordnen sind. Der
Gebrauch eines einzelnen Wortes kann dort
ebenso wichtig sein wie eine längere Phrase,
ein Wortwechsel oder Einhalten bzw. ein
Wechsel der Stilebene. Eine Zwischen-(Me-
so-)Ebene bringt keine Entflechtung der
Verschränkung von groß und klein. Die
Schwierigkeit der Zuordnung trotz klar defi-
nierter linguistischer Einheiten hat ihren
Grund: Auch Makro-Einheiten (Varietäten,
Stile, Sprachen) erweisen sich in der Realität
als Merkmalbündel der Mikro-Ebene. Um-
gekehrt erfolgt die Kennzeichnung und Zu-
weisung von Mikro-Einheiten (Phonemen
oder Allophonen) zu einer Varietät (z. B.
,Baseldeutsch‘ oder ,Ruhrdeutsch‘) jeweils
auf dem Hintergrund eines Konzeptes der
großen oder größeren Spracheinheit. Noch
komplizierter wird die terminologische Zu-
ordnung zu Makro und Mikro, wenn der So-
zio- und Handlungsbereich mit einbezogen
wird. Auf diese zusätzlichen Verschränkun-
gen soll hier nicht eingegangen werden.
2.3. Forschungsplanung
Die Forschungsplanung ist ein Teil der Me-
thodik und umfasst neben der Bereitstellung
der nötigen Ressourcen und deren Eintei-
lung vor allem auch die Formulierung des
Erkenntnisinteresses und Forschungszieles
und die Planung der einzelnen Vorgehens-
schritte von der Auswahl des geeigneten Ma-
terials, der Personen, Texte und anderer Da-
ten bis hin zur Festlegung der quantitativen
und/oder qualitativen Auswertungsmetho-
den (vgl. dazu auch die Art. 98ff.).
Hierin unterscheidet sich die Soziolin-
guistik als empirische Sprachwissenschaft
(Dittmar 1997; Schlobinski 1996) wenig
von der empirischen Sozialforschung (vgl.
dazu Atteslander 2000; Bortz/Döring 1995;
Kromrey 1998; Diekmann 1999; vgl. da-
zu auch die Art. 98ff. in diesem Hand-
buch).
Die Idealform einer soziolinguistischen
Forschungsplanung (unabhängig von Mi-
kro- oder Makro-Konzepten) sieht die fol-
genden Schritte oder Etappen vor (vgl. auch
Art. 101 in diesem Handbuch):
(1) Ausgangspunkt/Anlass für ein Projekt:
Spezielles Erkenntnisinteresse, ausge-
löst durch
– Persönliche Erfahrung oder Betroffen-
heit oder durch
– Forschungsliteratur
(2) Formulierung des Forschungszieles/
Hypothesen- und Modellbildung über
den vermuteten Zusammenhang von
Sprach- und Sozialdaten.
(3) Machbarkeits-Analyse:
Abklären der vorhandenen Mittel und
(eigenen) Möglichkeiten wie
– die eigene Person oder andere als For-
scher und deren Kompetenz (Vorbil-
dung/ Belesenheit/ Forschungserfah-
rung/ Betroffenheit)
– Datenquellen (-lieferanten):
– Personen
– Medien
– Dokumente
– Abklären der Möglichkeiten der Daten-
Beschaffung (Korpus-Bildung): Vor-
handene (Fremd-)Daten (aus zweiter
Hand)/ eigene Aufnahmen mittels In-
terview, Questionnaire/ Tests; mögliche
Auswahlen, Festlegen von Transkripti-
onsverfahren
– Abklären der Beschaffungsmöglichkeit
von Geldmitteln
– Abklären des Zeitrahmens
– Voraussetzung für die Datenbeschaf-
fung und -bearbeitung: Anforderungen
an die Bearbeiter (gegebenenfalls Spezi-
alkenntnisse in Interviewtechnik, Tran-
skribieren oder Statistik)
(4) Konkrete Zeitplanung in einzelnen
Schritten
– Literatur-Recherche (landscape-scree-
ning)
– Beschaffung und Bereitstellen von Ge-
räten (Tonband, Computer, Video)
– Bereitstellen der „Quellen“ (Personen
anfragen, orientieren oder zu Inter-
views einladen, Texte auswählen und
kopieren, Programmauswahl für Video-
Mitschnitte)
– Aufnahmephase: Interviews, Mitschnit-
te, Teilnehmende Beobachtung
– Aufbereitungsphase: Auswahl und Vor-
bereitung der Ausschnitte aus dem Kor-
pus: Transkription oder Markierung
der zu untersuchenden Passagen
– Ordnen und Klassifizieren der Sozial-
daten und linguistischen Daten
– Gegebenenfalls Durchführen von sta-
tistischen Verfahren für die Darstellung
105. Forschungsplanung bei Mikro- und Makrostudien 1027
von einfachen und komplexeren Zah-
lenverhältnissen und Korrelationen
– Herstellen von Diagrammen, Tabellen
und Kurven
– Formulieren der Verfahren und Ergeb-
nisse
– Versuch einer Interpretation auf der
Basis eines eingangs formulierten Mo-
dells/ Vergleich der Ergebnisse mit dem
Erkenntnisziel und den Hypothesen.
3. Forschungsplanung bei einer
idealtypischen Mikro-Analyse
3.1. Merkmale der Mikro-Analyse
Nach der obigen Einteilung ist eine Mikro-
Analyse nicht einfach eine dem Umfang
nach kleine Analyse von wenig Material und
weniger Informanten auf Grund weniger
Fragen, dargestellt an wenigen Beispielen.
Die soziolinguistische Mikro-Analyse un-
tersucht vielmehr sprachliche Einheiten un-
terhalb der Sprach-System-Ebene, also Sät-
ze, Äußerungen, Wörter, Formen, Laute (=
Analyse auf der Zeile; vgl. Mikro-Analyse in
der Gesprächsforschung) in ihrer Relation
zu außersprachlichen sozialen und situati-
ven Merkmalen.
Die kleinste Form einer soziolinguisti-
schen (Mikro-) Analyse ist eine Ein-Ele-
ment-Analyse (ein Laut, ein Wort), bezogen
auf soziale und pragmatische Parameter wie
Individuum, Gruppe, Situation, Stil u. a.,
zum Beispiel der Gruß Hoi im Zürichdeut-
schen (Glaser 1997) oder andere Gruß- und
Anredeformen (Besch 1997) oder die In-
terjektion Nu im Sächsischen (Herz 1997).
Solche Studien basieren zum einen auf per-
sönlicher Sprachkompetenz und Selbstbe-
obachtung, zum andern auf einer mehr oder
weniger systematischen „teilnehmenden Be-
obachtung“ (= aufmerksames Beobachten
und Hinhören mit Notizen) und Literaturre-
cherche. Solche nur teilsystematischen Ana-
lysen leisten einen Beitrag im Vorfeld auch
von größeren Untersuchungen, da sich auch
Makro-Phänomene wie Code- oder Stil-
wechsel an sprachlichen Einzelsymptomen
wie dat und wat für das Ruhrdeutsche (Thies
1985) oder am „Singen“ der jeweiligen
Nachbarmundart festmachen lassen (Hundt
1997). Zu weiteren Mikro-Studien vgl. auch
die Labovsche r-Artikulation in Abhängig-
keit von fünf situativen Varianten (Con-
textual Styles; Labov 1976, 1ff.; Dittmar
1997, 63) oder die Lautvariation als Sozio-
Phonologie (Löffler 1994, 187), welche in
der Regel auf mehr als einer Lautvariablen
basiert, z. B. dargestellt als Lautvariation
und -wandel bei drei Generationen (Sieben-
haar 2000) oder in einem Dreiländereck
(Ostermai 1999). Solche Studien nehmen
sehr schnell den Umfang einer Dissertation
oder eines mittleren Projekts an: z. B. Laut-
variation bei Jugendlichen innerhalb eines
größeren Stadtsprachenprojektes (Hofer
1997) oder Grußformeln, beobachtet in der
Portier-Loge eines Großbetriebs als Mikro-
phänomene und in derselben Untersuchung
bei denselben Probanden Code- und
Sprachwechsel am Arbeitsplatz als Makro-
Phänomene (Bürkli 1999).
3.2. Exemplarische Mikro-Analyse
Hier wird die Forschungsplanung einer Mi-
kro-Analyse am Beispiel „Sprachwandel im
städtischen Dialektrepertoire“ (Hofer 1997)
aus dem Basler Stadtsprachenprojekt (Hä-
cki Buhofer/Löffler 2000) nach obigem ide-
altypischen Schema rekonstruiert:
3.2.1. Ausgangspunkt /Anlass für ein
Projekt
Erkenntnisinteresse: Ein Beitrag zur besse-
ren Merkmalsbeschreibung der Varietät „Ju-
gendsprache“
Betroffenheit: Selbst-Erinnerung; Beobach-
tungen als Lehrer
Forschungsliteratur: zum Stichwort Ju-
gendsprache; Variationslingustik; Statistik
3.2.2. Forschungsziel und Hypothesen:
Jugendliche haben auf dem Weg zur Er-
wachsenennorm in ihrem Dialektrepertoire
ein anderes Laut-Variationsspektrum als
Erwachsene
In der Lautvariation von Jugendlichen
sind spätere Sprachwandelprozesse angelegt.
3.2.3. Machbarkeits-Analyse
Vorhandene Mittel/ Datenlieferanten:
– Eigenes Material/ Probanden: Jugend-
gruppen an Jugendtreffs, Schulklassen
– Abklären von Zugangsmöglichkeit zu
Jugendlichen oder zu Lehrpersonen
– Zeitrahmen
– Vergleichsmaterial/ Vergleichsergebnis-
se von Erwachsenen
– Sicherstellen der Voraussetzung für die
Datenbeschaffung und -bearbeitung:
– Elementare Fertigkeit in Interview-
bzw. Befragungs-Technik inklusive Be-
1028 VII. Sociolinguistic Methodology
tätigen der Aufnahmegeräte (Mikro-
phon/ Recorder)
– Elementare Fertigkeit im phonetischen
Transkribieren
– Grundkenntnisse über Dialekte
– Grundkenntnisse in statistische Aufbe-
reitung
3.2.4. Zeitplanung in einzelnen Schritten
(Durchführung)
Beobachtung/ Notation: Teilnehmende Be-
obachtung mit Notizen/ Tonaufnahmen, ge-
zielte Interviews, Lese- und Sprechtests/
Ganztagsaufnahmen mit Funkmikrophon
3.2.5. Aufbereitung der Belege
– Auswahl und Phonetische Transkripti-
on der Aufnahmen
– Einordnung der Daten in den Fragezu-
sammenhang „Lautvariation“
– Zuordnung zu den sozialen und situati-
ven Daten
3.2.6. Auswertung
– Korrelierung der Lautvarianz in Ab-
hängigkeit von Person/ Situation/ Text-,
Test-Art grob-statistisch als Listen der
Rohdaten oder in Tabellenform; Signi-
fikanztests nur bei unklarer Zuordnung
und gegebenem Erkenntnisinteresse
– Vergleich mit entsprechenden Untersu-
chungen an Erwachsenen
3.2.7. Formulieren der Ergebnisse
Bestätigung der Annahme: Jugendliche ha-
ben tatsächlich ein eingeschränkteres Laut-
spektrum
Modifikation der Annahme:
– Auch bei Jugendlichen ist die individu-
elle Sprachfertigkeit ein wichtigerer
Faktor für die Breite der Lautvarianz
als die Zugehörigkeit zu einer Alters-
gruppe.
– Die Annahme eines sich abzeichnenden
Lautwandels in der individuellen Laut-
variation bei Jugendlichen lässt sich
nicht beweisen
4. Forschungsplanung bei einer
idealtypischen Makro-Analyse
4.1. Merkmale der Makro-Analyse
Nach der obigen Einteilung ist die Makro-
Analyse nicht so sehr dadurch geprägt, dass
sie mit großem oder viel Material, vielen In-
formanten, vielen, globalen Fragen an zahl-
reichen Beispielen arbeitet – hierfür wäre
der Ausdruck ,Massen-Analyse‘ passender –,
Makro-Projekte im soziolinguistischen Sin-
ne befassen sich vielmehr mit Einheiten
oberhalb der sprachlichen Äußerung wie
Codes, Varietäten oder ganzen Sprachen
und Phänomenen des Kontaktes und der
Mischung oder überhaupt ihrem gegenseiti-
gen Verhältnis und dessen Folgen wie Pidgi-
nisierung, Kreolisierung, Bilingualismus,
Einstellungen und Attitüden oder Sprachge-
brauch in Abhängigkeit von Orts- und Lan-
desloyalität (vgl. „Soziale Stilistik“ im Mann-
heimer Stadtsprachen-Projekt: Kallmeyer
1995, Teil 1, 387ff.; Teil 3, 360ff.; Teil 4, 512f.;
Ortsloyalität und Sprachgebrauch in der
Basler Stadtsprache: Leuenberger 1998). Dies
lässt sich auf der sozialen und Handlungsebe-
ne sowohl bei einem Individuum in kleinem
Umfeld als auch bei Sprachgebrauch und
Sprachkonflikt von Gruppen in Sprachkon-
takt-Situationen (Werlen 1998) oder Ethnien
und Völkern in größeren Kontexten verfolgen.
Dabei stellen sich linguistische Makro-Phäno-
mene oft auch als soziale und demographische
Massenphänomene dar, die mittels Volkszäh-
lung oder Mikrozensus erhoben werden. (De-
moskopische Erhebungen zu Spracheinschät-
zung und Sprachgebrauch: Allensbacher
Jahrbuch 1974ff.; Schweizer Sprach-Zensus
von 1990: Bundesamt für Statistik 1993; vgl.
auch sprachlicher Mikrozensus: Stellmacher
1987; 1995; Dingeldein/ Friebertshäuser 1989).
4.2. Exemplarische Makro-Analyse
Am Beispiel der Schweizerischen Rekruten-
befragung von 1985 (Bickel/ Schläpfer 1994;
Schläpfer/ Gutzwiller 1991) soll auch hier
die Forschungsplanung rekonstruiert wer-
den.
4.2.1. Ausgangspunkt/ Anlass für ein
Projekt
Erkenntnisinteresse: Erforschung der Sprach-
kenntnisse und Spracheinstellungen der jün-
geren Generation in einem mehrsprachigen
Land wie der Schweiz
Betroffenheit: Selbst-Erinnerung; Beob-
achtungen als Eltern, Lehrer oder Ausbilder
Forschungsliteratur: Stichwörter: Sprach-
kenntnis, Mehrsprachigkeit, Sprachkon-
takt, Spracheinstellung
4.2.2. Formulierung des Forschungszieles
Hypothesen: Junge Menschen in einem
mehrsprachigen Land haben heute mehr
Kenntnisse (dank Schulbildung) in der je-
105. Forschungsplanung bei Mikro- und Makrostudien 1029
weils anderen Landessprache und ein aufge-
klärteres und toleranteres Verhältnis zu den
jeweils Anderssprachigen und Ausländern
als die Generation ihrer Eltern
– Eventuelle Unterschiede zu gleichaltri-
gen Frauen
4.2.3. Machbarkeits-Analyse
– Vorhandene Mittel/ Datenlieferanten:
Institution der Rekrutenbefragung in
der Schweiz: Am ersten „Dienst“-Tag
nach Einrücken in die Kaserne werden
alle Schweizer Wehrpflichtige eines
Jahrgangs (ca. 35000 Personen) mittels
Fragebogen zu aktuellen makro-sozio-
logischen Problemen interviewt. Im
Jahr 2000 hieß das Thema „Zum Son-
derfall Schweiz in Europa“
– Abklären der Zugangsmöglichkeit:
über die offizielle Behörde: Schweizeri-
sches Militärdepartement (neu: Depar-
tement für Verteidigung, Bevölkerungs-
schutz und Sport)
– Abklären der Fragebogenerhebung bei
jungen Frauen (in Schulen und Ausbil-
dungsstätten)
– Abklären der Machbarkeit mit den Ver-
antwortlichen: Verfügbare Mittel und
Personen
– Abklären der Finanzierung (Antrag an
den Nationalfonds auf Sachmittel und
Personal)
– Auswahl der „Prüfungsorte“ in den vier
Sprachregionen
– Sicherstellen der Voraussetzung für die
Daten-Beschaffung und -Bearbeitung:
– Erstellen eines Fragebogens
– 1. Vortest an einer Kontrollgruppe
– Übersetzen in die vier Landessprachen
– 2. Vortest an verschiedenen Sprach-
gruppen
– Instruktion der Instruktoren
– Entwurf eines Fragebogens für die
Kontrolluntersuchung bei gleichaltri-
gen Frauen
– Ausbildung der Mitarbeiter in Grund-
kenntnissen der Sprachpragmatik:
Sprachgebrauchsforschung, Empiri-
scher Sprachforschung inklusive Statis-
tik (gegebenenfalls Spezialkurse in Psy-
chologie, Soziologie und Statistik)
4.2.4. Zeitplanung in einzelnen Schritten
(Durchführung)
– Beobachtung/ Notation: Teilnehmende
Beobachtung mit Notizen am „Prü-
fungstag“/
– Versand der Kontrollfragebogen für
junge Frauen an ausgewählte Ausbil-
dungsstätten
– Flankierende Interviews mit einzelnen
Persönlichkeiten
4.2.5. Aufbereitung der Belege
– Auswahl einer repräsentativen Stich-
probe aus den Fragebogen der vier
Sprachgruppen (konkret: 4600 Frage-
bogen aus insgesamt 35000 von Rekru-
ten und 1400 aus insgesamt 3500 Frage-
bogen von jungen Frauen)
– Einordnung der Daten in den Fragezu-
sammenhang
– Zuordnung der einzelnen Antworten
zu Fragenkomplexen: Sprachfertigkeit,
Sprachgebrauch gegenüber Anders-
sprachigen, Einstellung gegenüber den
Anderssprachigen und deren Sprache,
Präferenzen etc.
– Vergleich mit den Grobdaten des Lan-
deszensus von 1990
– Vergleich der Daten der Männer mit de-
nen der jungen Frauen
4.2.6. Auswertung
Korrelierung der einzelnen Antworten mit
den sozialen Parametern: Sprach- und Re-
gionalzugehörigkeit und Geschlecht (Alle
anderen Variablen wie Alter, Landeszugehö-
rigkeit sind identisch und konstant: 19-jäh-
rige männliche wehrdiensttaugliche Schwei-
zer des Jahres 1995 und 20-jährige Frauen in
Ausbildung)
4.2.7. Formulieren der Ergebnisse
– Modifizierung der Hypothese: Junge
Menschen haben zwar eine größere
Sprachfertigkeit in den jeweils anderen
Landessprachen als der Landesdurch-
schnitt. Ihre Spracheinstellung lässt
aber ähnliche Stereotypen erkennen wie
bei den älteren Landsleuten. Es beste-
hen große Unterschiede zwischen den
Gleichaltrigen der vier Sprachregionen
Deutschschweiz, Westschweiz (franz.
Schweiz), Tessin (ital. Schweiz) und den
Rätoromanen in Graubünden
– Hinweis auf Mängel oder Desiderate:
Die Daten aus der Volkszählung von
1990 haben nicht denselben Grad an
Validität und Differenzierung
– Wünschenswert wäre eine Wiederho-
lung in einem Zeitabstand von zehn
Jahren, um eine Longitudinalstudie
(Längsschnitt) anzufertigen
1030 VII. Sociolinguistic Methodology
5. Die „normale“ soziolinguistische
Analyse als Mischform und
Verschränkung von Makro- und
Mikro-Elementen
Neben den eher selteneren idealtypischen
Mikro- und Makro-Analysen, die sich so-
wohl als Ein-Personen-Forschungen in Form
von Examens- oder Diplomarbeiten oder
Dissertationen als auch als durch Drittmittel
finanzierte Gruppenprojekte durchführen
lassen, ist die „Verschränkung“ von Makro
und Mikro sowohl auf der linguistischen als
auch ganz besonders auf der sozialen Seite
eher der Normalfall. Als exemplarisch sind
hier vor allem die in den letzten Jahren durch-
geführten umfassenderen Stadtsprachenpro-
jekte in Mannheim (Kallmeyer 1994/95), Ber-
lin (Schlobinski 1987; Dittmar/ Schlobinski
1988) und Basel (Häcki Buhofer/Löffler
2000), aber auch an vielen anderen urbanen
Agglomerationen (z. B. Augsburg, in Renn
1994) zu nennen. Die Stadt als ein demogra-
phisches, architektonisches, ökonomisches
oder kulturelles Konglomerat erweist sich
auch auf der soziolinguistischen Ebene als
ein Schmelztiegel verschiedenster sozialer
und linguistischer Variablen.
Die Forschungsplanung kann hier nur an-
gedeutet werden: Sie enthält Elemente der
Mikro- und Makro-Ebene, sie basiert auf
Ein-Personen-(Teil-)Projekten ebenso wie
auf der Arbeit von Forschergruppen. Auf der
Objektseite sind es einerseits die Individuen,
die mit ihrer Eigenheit die Sprachvielfalt prä-
gen, andererseits aber auch die ethnischen
oder funktionalen Gruppen, die sich an kom-
munikativen Schaltstellen oder Sprachmärk-
ten jeweils neu konstituieren. Die sprachli-
chen Variablen variieren von der einzelnen
Lautvariante bis hin zum Sprachenwechsel
zwischen Deutsch, Französisch oder Eng-
lisch oder einer der zahlreichen Sprachen von
Migrantengruppen und umgekehrt.
6. Die Rolle der Statistik bei Mikro-
und Makro-Analysen oder die
Frage nach der Repräsentativität
Die Soziolinguistik als integrative Disziplin
ist auch bei der Auswertung gegenüber ver-
schiedenen, auch statistischen Methoden of-
fen: Ihre Anwendung richtet sich nach der
Art des Erkenntniszieles, der Art des auszu-
wertenden Materials und dem angestrebten
Grad an Repräsentativität. Statistik dient ei-
nerseits zur Bewältigung (Auflistung, In-Be-
ziehung-Setzung) großer Mengen an Rohda-
ten, was manuell nur schwer durchführbar
wäre, andererseits kann Statistik die Reliabi-
lität (Zuverlässigkeit) und Validität (Gültig-
keit) der Befunde „offenlegen“, indem man
bei unklaren Befunden Signifikanz-Tests
durchführt und somit die Gefahr eines Zu-
fallsbefundes ausschließt. Die Frage „Statis-
tik oder nicht?“ lässt sich nicht einfach mit
Mikro (= ohne Statistik) und Makro (= mit
Statistik) beantworten. Auch reine Zahl und
Größe des zu untersuchenden Materials sind
nicht entscheidend. Die Verwendung einfa-
cher statistischer Präsentationsmethoden
wie Tabellen oder Prozent-Wert-Darstellun-
gen mit Säulen, Kurven oder „Kuchen“-Seg-
menten dient der optischen Übersichtlich-
keit und ist angezeigt, sobald mehrere
Variablen und „Größen“ neben- oder nach-
einander dargestellt werden sollen. Die Sig-
nifikanz-Tests und Variablen-Korrelations-
Verfahren sind dann angezeigt, wenn quanti-
fizierbares Material (Zahl von Lauten, Mor-
phemen, Wörtern, auf der einen und Zahlen
für Personen und deren Unterkategorisie-
rungen (= soziale Merkmale/ Variablen) wie
Alter, Geschlecht, Berufe, Gruppenzugehö-
rigkeit auf der anderen Seite) zuverlässig er-
hoben und grobstatistisch aufbereitet wor-
den ist und eine manuelle oder optische
Zuordnung der Zahlen zu keinem Befund
führt. Diese aufwendigen Verfahren sind vor
allem dann nützlich, wenn bisher unbekann-
te oder strittige Phänomene erst einmal auf-
gedeckt oder zum ersten Mal plausibel ge-
macht und bewiesen werden sollen.
Für Fallstudien oder Reihenbeobachtun-
gen, welche allgemeine Spracherfahrungen
und -beobachtungen verifizieren oder bele-
gen sollen, können in der Regel auch einfa-
che Beschreibungen genügen. Auch hier gilt:
Die Anwendung von Statistik auf unter-
schiedliche Abstraktionsniveaus ist von Fall
zu Fall zu klären. Eine generelle Vorschrift
gibt es nicht in der Weise, dass nur statisti-
sche Auswertungen wissenschaftlich wären
und andere nicht (oder umgekehrt). Die dif-
ferenzierteste Statistik nützt nichts, wenn
die Grundthese (Fragestellung) schlecht for-
muliert oder schlecht abgefragt und erhoben
worden ist. Eine zu geringe Zahl an Befrag-
ten oder überhaupt eine „schwache“ Daten-
grundlage lässt sich auch durch raffiniertes-
te Signifikanz-Tests nicht aufbessern.
In vielen Fällen wäre es wichtiger, die
Qualität der Datenerhebung zu erhöhen,
105. Forschungsplanung bei Mikro- und Makrostudien 1031
also schlechtes Material (Gefälligkeitsant-
worten, unklare Antworten, schlechte lin-
guistische Zuordnung der Elemente usw.)
statistisch zu „restaurieren“.
7. Fazit und Schlussfolgerungen
Mikro-Analysen (im mikro-linguistischen
Sinne) zielen auf sprachliche Zeichen inner-
halb eines Codes oder einer Einzelsprache.
Datengrundlagen sind Tonaufnahmen über
Laute, prosodische Muster, Wörter, Texte,
Gespräche live oder aus Radio- und Fernseh-
programmen. Es sind genaue linguistische
Kenntnisse erforderlich, um elementare pho-
netisch-phonologische Beschreibungsverfah-
ren durchzuführen oder grammatische und
textlinguistische Kategorien zu isolieren und
zu vergleichen. Makro-Analysen (im makro-
linguistischen Sinne) zielen auf ganze Spra-
chen, auf Sprachwechsel (Code-Shifting und
-Switching), auf Spracheinschätzung, Stereo-
typen und Attitüden.
Datengrundlagen sind auch hier Tonauf-
nahmen über größere Interaktionen, Inter-
views und Fragebogen zum Sprachgebrauch
und zur Selbsteinschätzung, Beobachtungs-
protokolle u.a.m. Hier sind neben allgemei-
nen und elementaren linguistischen Kennt-
nissen vermehrt Fähigkeiten in der
empirischen Sozialforschung vonnöten. So-
wohl für Mikro- wie für Makro-Analysen
gilt, dass die unterschiedlichsten Beobach-
tungs-, Aufnahme- und Transkriptionsver-
fahren von verbalen und non-verbalen Äuße-
rungen sowie der Einstellungsmessung, der
Selbst- und Fremdeinschätzung beherrscht
werden müssen. Für die Auswertung sind die
gewonnenen Daten in beiden Fällen modell-
haft auf soziale Variablen zu beziehen wie In-
dividuum, Gruppe, Gesellschaft, Ethnie oder
Volk. Hierin unterscheiden sich Mikro- und
Makro- nicht prinzipiell.
Auf beiden Ebenen kann man Einzelfall-
studien betreiben und dabei sowohl auf der
sprachlichen Seite (ein bestimmtes Phonem
oder Wort bei verschiedenen I