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© Uwe Fengler

Von impfmüden Ärzten...

Aus dem Tagebuch eines impfwilligen
Patienten
Die Blätter beginnen sich bunt zu färben
und zu fallen. In den letzten Tagen ist es
auch spürbar kälter geworden. Wie ich
diese Jahreszeit hasse. Bald wird es auch
noch erheblich früher dunkel. Ein
normaler Mensch ist für diese Jahreszeit
wirklich nicht geschaffen. Es wird also
Zeit für die Grippeimpfung der Saison. Da
ich mehrere Jahrzehnte als Krankenpfleger
gearbeitet habe, ist mir bekannt, dass die
Grippe eine schwerwiegende Erkrankung
ist, die man nicht mit einer harmlosen
Erkältung verwechseln sollte; im
Zweifelsfall also besser mal zum Arzt
gehen. An der echten Grippe sterben
jedes Jahr in Deutschland an die 10 000
Menschen, in manchen Jahren auch mehr.
Komisch, dass ich davon noch nie zuvor
in einer Zeitung gelesen habe, zumindest
nicht in breiten Lettern auf den Titelseiten.
In diesem Jahr jedoch geht noch zusätzlich
die Schweinegrippe um. Und darüber weiß
plötzlich jeder Bescheid. Einen trüben
Sommer lang bekamen wir immer wieder
neue Meldungen auf den Titelseiten der
Tagespresse und im Fernsehen.

Wir kannten den ersten Menschen der an
dieser Grippe in Deutschland starb. Die
Presse stellte uns auch die weiteren Toten
vor. Inzwischen sind es (zum Zeitpunkt da
ich diese Zeilen schreibe) neun Menschen
die an der neuen Grippe verstorben sind.

Als es endlich einen Impfstoff gegen
diese neue Erkrankung gibt, sterben
sogleich die Hoffnungen der Menschen
durch die erneuten Meldungen der
Tagespresse. Zwei Impfstoffe seien im
Umlauf, einer für die Politiker und die
Bundeswehr und einer für den
Normalbürger. Und letzterer sei erheblich
gefährlicher. Und diese Meldung
verunsichert auch mich etwas. Als ich
mich nun am 6. Oktober zur normalen
Grippeimpfung bei meinem Hausarzt
einfinde, frage ich ihn mal zu seiner
Meinung zur Impfung zur neuen Grippe.
Er könne noch nichts Genaues sagen,
gegenwärtig würde er wegen der
Nebenwirkungen eher abraten. Ich solle
mich aber noch einmal zum Monatsende
telefonisch melden. Nicht wesentlich
schlauer begebe ich mich also nach Hause.
In den nächsten Tagen sitze ich vor
meinem Computer. Hier erfahre ich nun,
dass zumindest für mich die genannten
Nebenwirkungen teilweise bei fast allen
Impfungen (Schwellung, Rötung der Haut
und Schmerzen) auftreten können, der
Rest der Nebenwirkungen kann bei vielen
auch oral eingenommenen Medikamenten
auftreten – und steht zu keinem Verhältnis
zu den Folgen, die bei einer schwer
verlaufenden Grippe – sei sie vom
Schwein oder sonst woher verursacht,
auftreten können.

Also entschied ich mich zur Impfung.

Inzwischen habe ich auch erfahren, dass
die Grippeimpfung am 26. Oktober
beginnt. Rechtzeitig melde ich mich nun
telefonisch bei meinem Hausarzt. Da ich
mindestens drei Krankheiten aufweise, die
zu den genannten Risikogruppen gehören,
möchte ich auch möglichst frühzeitig
geimpft werden.
(Anmerkung: An meinem Wohnort findet
die Impfung nicht an zentralen Impfstellen
statt, sondern wird durch die Hausärzte
durchgeführt.)
Am Telefon erfahre ich, dass ich in eine
Warteliste aufgenommen werde, die dem
Arzt übergeben werde und dieser mich
zurückrufen und einen Termin vereinbaren
werde. Meine neue Telefon-Nr. wird
notiert. Als ich 3 Tage später noch immer
keinen Rückruf erhalten habe, melde ich
mich noch einmal telefonisch.
Wir haben gerade gestern (also am 28. 10.)
den Impfstoff erhalten. Jetzt müssen wir
erst mal alles organisieren, höre ich am
anderen Ende der Leitung. Gut, auch dafür
habe ich Verständnis und warte noch ein
paar Tage ab. Inzwischen steigt die Zahl
der gemeldeten Erkrankungen an. Ich
befürchte, das die Sorglosigkeit der
Menschen in unserem Lande bald ein
Ende haben wird und ein Run auf den
Impfstoff stattfindet.
Zu diesem Zeitpunkt gibt es zuhauf
Pressemeldungen über die impfmüden
Menschen in unserer Republik. Über nicht
rechtzeitig impfende oder mit der neuen
Aufgabe völlig überforderte Arztpraxen,
lese ich nichts.
Also begebe ich mich am 3. 11. in die
Praxis meines Hausarztes um persönlich
einen Termin zu vereinbaren. Den
Fragebogen der erwartet wird habe ich mir
schon mal in der Internetseite meines
Hausarztes vorsorglich ausgedruckt und
auch ausgefüllt und unterschrieben.
„Ich drucke Ihnen mal einen Fragebogen
und eine Einverständniserklärung aus“ -
sehr routiniert die Stimme, „den füllen sie
sie aus und reichen ihn in den nächsten
Tagen wieder ein.“
„Brauchen Sie nicht, hab ich schon
unterschrieben mit“, höre ich meine
Stimme und lege den ausgedruckten und
unterschriebenen Fragebogen auf die
Theke.
Sie nimmt den Fragebogen lächelnd
entgegen und sagt mir, dass ich in den
nächsten Tagen einen Anruf erhalten
werde, spätestens in der nächsten Woche.
Hoffnung steigt in mir auf, sollte ich
wirklich noch in diesem Jahr geimpft
werden?

Ich hab schon einige Geschichten in den
letzten Jahren geschrieben, die wirklich
erfunden waren. Bei dieser Geschichte
handelt es sich jedoch um absolute
Wahrheit, erlebt und niedergeschrieben.

Inzwischen habe ich auch einen
verbindlichen Termin, nämlich am 12. 11.
In diesem Jahr, versteht sich.
Diesen werde ich auf jeden Fall
wahrnehmen, sollte ich nicht vorher an der
neuen Grippe erkranken.

© Uwe Fengler