© Uwe Fengler

Geimpft
Vor drei Tagen war es endlich so weit: Ich begab mich gegen 11 Uhr Vormittags in die Praxis meines Hausarztes, um mich dort gegen die neue Grippe, in der deutschen Presse und somit auch im Volksmund besser bekannt als „Schweinegrippe“, impfen zu lassen. Pünktlich, versteht sich, denn ich wurde zunächst schriftlich auf der Homepage meines Hausarztes und bei der telefonischen Terminvereinbarung nochmals darüber aufgeklärt, das der Impfstoff erst kurz vor her aufbereitet werden darf und kurz darauf wieder verfällt. Auf keinen Fall wollte ich, dass dies mit meinem, für mich persönlich hergestellten Impfstoff passiert. Ich hatte mich ja, wie bereits in einem früheren Artikel erwähnt, für die Impfung entschieden, weil ich an mehreren chronischen Erkrankungen leide, von denen die Eine oder auch Andere, einen schwereren Verlauf der Grippe vermuten

lassen könnte. Dies hätte letztendlich auch zum Tode führen können. Nicht dass ich mich davor fürchten würde, aber die Umstände und vor allem der Zeitpunkt, zu dem es zu meinem Ableben hätte kommen können, passten nun wirklich nicht in meine derzeitige Lebensplanung. Also hin zum Arzt, und das besonders pünktlich. Ein wenig aufgeregt bin ich ja schon. Wie zum Beispiel wird meine Psyche auf die ganze Aufregung der letzten Zeit in den Medien über die möglichen Nebenwirkungen, reagieren? Schließlich weiß ich ja um die Wirkung von Placebo auf unseren Körper. Und wenn ich dann morgens in der Zeitung, mittags im Radio und abends im Fernseher nur noch Nebenwirkungen höre, was bleibt meinem Körper dann noch anderes übrig, als mit einer der genannten Nebenwirkungen zu reagieren. Endlich bin ich beim Arzt. In der Praxis ist es relativ ruhig, kein großer Andrang, kein Kampf um die letzte Spritze. Schließlich sitzen wir im Halbkreis um einen kleinen Tisch, auf dem sich alte Zeitschriften

befinden. Es geht recht schnell, ungefähr alle 1 -2 Minuten wird eine Person aufgerufen. Bald habe auch ich es geschafft. Hatte ich bei vorherigen Grippeimpfungen nach dem Einstich praktisch vergessen, dass sich ein Medikament in der Umlaufbahn meines Körpers befand, war hier nun tatsächlich alles anders. Schon zwei Minuten später bei einer Tasse Kaffee in der Bäckerei nebenan begann ich meinen Körper zu beobachten. Noch atmete ich normal und auch mein Herz schien gleichmäßig zu schlagen. Meine Haut zeigte keine Veränderungen. Aber komisch: Ein mir unbekannter älterer Herr, der sich ein belegtes Brötchen kaufte, winkte mir fröhlich zu. Erst am nächsten Morgen konnte ich eine leichte Rötung an der Einstichstelle, etwa in der Größe eines 2 Cent Stückes, mit einem minimalen Druckschmerz, feststellen. Nun ja, so etwass habe ich schon einmal vor etwa 20 Jahren nach einer Tetanusspritze in den Musc. Glutaeus gehabt. Nur war es damals erheblich größer und röter. Die Nebenwirkung der Rötung und Schwellung um die Einstichstelle herum muss also gar nicht unmittelbar etwas mit der

verabreichten Flüssigkeit zu tun haben, kann vielleicht sogar eher mit der Impftechnik der ausführenden Person zusammen hängen, denke ich bei mir. Angesichts dieser beruhigenden Tatsache begebe ich mich erst noch einmal ins Bett und schlafe noch eine Runde. © Uwe Fengler

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