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schola cantorum st.

stephanus
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Josquin Desprez 1440 – 1521, 570 Jahre Josquin Desprez
Josquin Desprez (auch Jossequin Lebloitte oder Josquin des Préz oder Josquinus Pratensis; zwischen
1440 und 1445; † 27. August 1521 in Condé-sur-l’Escaut, Frankreich) war ein franko-flämischer
Komponist und Sänger. Josquin Desprez beherrschte alle kompositorischen Techniken der
Frührenaissance meisterhaft und gilt als bedeutendster Vertreter dieser Zeit. Er war schon zu
Lebzeiten ein berühmter Komponist. Jossequin Lebloitte dit Desprez, wurde wahrscheinlich um 1440
oder etwas später als Sohn des Gossard Lebloitte dit Desprez († 1466 (?)) und dessen Ehefrau,
vielleicht einer Jeanne, geboren. Sein Geburtsort lag wohl im Hennegau, wahrscheinlich in der Nähe
von Saint-Quentin. Kindheit und Jugend Josquins sind nicht dokumentiert. Vielleicht ist er Chorknabe
in Saint-Quentin gewesen. Falls der im Sängergebet Loyset Compères genannte „Josquin“ mit
unserem Komponisten identisch ist, hat er sich bereits vor 1474, vielleicht sogar schon 1468 hoher
Wertschätzung unter seinen Kollegen erfreut, denn er wird in einem Atemzug mit Antoine Busnoys,
Johannes Ockeghem, Johannes Tinctoris, Johannes Regis und Guillaume Du Fay genannt.

Wann Josquin Schüler Ockeghems war, ist nicht entschieden. Wie aus der auffallend häufigen
Verwendung ockeghemscher Themen im Frühwerk Josquins hervorzugehen scheint, hat der Jüngere
Ockeghem sehr bewundert. Nach 1497 hat Josquin auf den Tod Ockeghems die Nänie Nymphes des
bois komponiert.

Im April 1477 ist Josquin als Mitglied der Kapelle des in Aix-en-Provence residierenden Herzogs René
von Anjou dokumentarisch nachweisbar. Diese Anstellung bestand spätestens seit Anfang 1475. Im
März 1478 wurde Josquin die erste freiwerdende Präbende an der Kollegiatskirche Sainte-Maxe-du-
Chateau in Bar-le-Duc versprochen. Josquin hat diese Präbende nicht angetreten. Als Herzog René
1480 starb und seine Herzogtümer Anjou und Bar an den französischen König Ludwig XI. fielen,
übernahm dieser die Kapelle des Verstorbenen. Ludwig, im September 1481 an einem Schlaganfall
erkrankt, ließ in der Sainte-Chapelle des königlichen Palastes zu Paris eine von ihm gestiftete Messe
täglich um sieben Uhr morgens von acht Sängern aus der früheren Kapelle des Herzogs singen. Es ist
gut möglich, dass Josquin zu diesen Sängern gehörte. Anscheinend hat Josquin den König mit der
Motette Misericordias Domini auf sein Talent aufmerksam gemacht. Deren Text hatte der König auf
50 riesige Pergamente schreiben und in den Räumen seiner Residenz (Plessis-lès-Tours) aufhängen
lassen.

Im Frühjahr 1483 hielt sich Josquin in Condé-sur-l’Escaut auf, wo er seinen Anspruch auf Grundbesitz
anmeldete, den sein Onkel Gilles Lebloitte und dessen Ehefrau Jacque Banestone ihm vererbt hatten.
Anlässlich dieses Aufenthaltes erhielt Josquin ein Weingeschenk von der dortigen Hauptkirche
Notre-Dame.

1483/84 ging Josquin nach Italien, allerdings nicht schon vor 1459, wie lange angenommen. Bei dem
Josquin, der um 1459 als Biscantor am Mailänder Dom tätig war und in den 1470er Jahren der
Hofkapelle des Mailander Herzogs angehörte, handelt es sich um den 1498 verstorbenen Josquin de
Kessalia (auch Jodocus de Francia, de Alamania, Joschino di Picardia).

Am 19. Juni 1484 ist Josquin im Haushalt des mächtigen Kardinals Ascagnio Sforza (1455–1505)
nachweisbar. Josquin hatte sich wegen seiner Pfründe an der Kirche Saint-Aubin mit der Bitte an die
Kurie gewandt, von der Residenzpflicht und der Amtsvoraussetzung der Priesterschaft entbunden
zu werden, und sich bei dieser Gelegenheit als capellanus et familiaris continuus commensualis des
Ascagnio bezeichnet. Als Prokurator hatte er einen hohen Beamten der Hofkanzlei Ludwigs XI.
genannt. Im August 1484 siedelte Ascagnio nach Rom über; Josquin scheint ihn begleitet zu haben.
Doch bereits 1485 war Josquin mit Vorbereitungen befasst, den Haushalt Ascagnios zu verlassen.
Wahrscheinlich fand er beim Herzog von Mailand, Gian Galeazzo Sforza (1469–1494), Anstellung;
wenigstens wird er in einem Dokument vom Februar 1489 „Sänger des Herzogs“ genannt.
1486 wurde Josquin Mitglied des Päpstlichen Kapellchores in Rom. Er ist dort von September 1486
bis Januar 1487, im September 1487 und von Juni 1489 bis März 1494 als anwesend verzeichnet. Aus
verschiedenen Dokumenten geht hervor, dass Josquin der Päpstlichen Kapelle wenigstens bis zum
30. November 1494 oder sogar bis zum 28. Februar 1495 angehört hat. Zu seinen Kollegen zählten
u. a. Gaspar van Weerbeke und Marbriano de Orto.

In dieser Zeit bemühte sich Josquin verstärkt um Pfründen, wobei er selbst Rechtsstreitigkeiten nicht
scheute. So wurde im Februar 1489 vor dem französischen Parlament der Rechtsstreit Josquins über
ein Benefizium an Saint-Aubin verhandelt. Am 9. September 1489 erhielt Josquin durch päpstlichen
Erlass rückwirkend zum 1. November 1486 eine Präbende und ein Kanonikat in Saint-Omer, zugleich
die Expektanz (Anspruch) auf ein dem Benediktinerkloster Saint-Ghislain gehörendes Benefizium.
Am 8. November 1493 begannen Ermittlungen gegen Emericus de Honstat, einen Kaplan an der
Wallfahrtskirche von Basse-Yttre bei Nivelles, gegen den Josquin den Vorwurf der Simonie erhoben
hatte. Außerdem sprach man Josquin zwei Pfründen an Kirchen bei Frasnes zu. Schließlich wurde
Josquin rückwirkend zum 9. November 1494 das Kanonikat und die Präbende von Saint-Géry in
Cambrai verliehen. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass Josquin eine dieser Pfründen angenommen
hat.

Nach seiner Zeit in Rom scheint Josquin in Beziehung zum burgundischen Hof Philipp des Schönen
gestanden zu haben. Darauf lässt der Umstand schließen, dass er um 1495 dem Erzherzog sein Stabat
mater schickte.

Wie es scheint, fand Josquin vorerst keine Anstellung im Norden und so ist es nicht
unwahrscheinlich, dass er 1498/1499 wieder dem Haushalt des Kardinals Ascagnio angehörte.
Jedenfalls wird in zwei Briefen ein Juschino erwähnt, der damit beauftragt war, ein Rudel Jagdhunde
nach Rom zu bringen.

Um 1500 scheint Josquin einige Jahre Mitglied der Hofkapelle des französischen Königs Ludwig XII. (†
1515) gewesen zu sein. Glarean berichtet, Josquin habe die Motette Memor esto verbi (Gedenke des
Wortes) geschrieben, um den König an ausstehende Lohnzahlungen zu erinnern, die Motette
Bonitatem fecisti (Du hast Gutes getan) aber, um sich für die Erfüllung irgendeines Versprechens zu
bedanken. Dabei könnte es sich um die Übertragung eines Kanonikats in Saint-Quentin gehandelt
haben. Dass Josquin dieses tatsächlich innehatte, geht aus Dokumenten vom 30. Mai 1503 hervor.
Außerdem, so Glarean weiter, habe Josquin ein Stück geschrieben, in welchem er den geringen
musikalischen Fähigkeiten Ludwigs XII. (oder doch eher Ludwigs XI.) auf scherzhafte Weise
Rechnung getragen habe.

In einem Brief vom 14. August 1502 machte Girolamo da Sestola (Il Coglia) seinem Dienstherren
Herzog Ercole I. d’Este von Ferrara († 1505) den Vorschlag, Josquin das seit 1497 verwaiste Amt des
Hofkapellmeisters zu geben. Wenig später, am 2. September 1502, empfahl Gian di Artiganova, auch
er auf der Suche nach einem Hofkapellmeister, die Anstellung Heinrich Isaacs, der ihm für den Posten
williger und geeigneter erschien und auch nicht so hohe Gehaltsforderungen wie Josquin stellte. Der
Herzog entschied sich für Josquin und gewährte diesem ab März 1503 Bezüge. Doch erst Ende April
1503 traf Josquin, aus Frankreich kommend, in Ferrara ein. Im Sommer 1503 brach dort die Pest aus,
weshalb der Herzog im September seinen Hof nach Comacchio verlegte. Die Epidemie dauerte bis
Anfang 1504, brach aber auch später immer wieder aus. Dies war vielleicht der Grund, weshalb
Josquin Ferrara bereits nach einem Jahr verließ. Für den Herzog hat Josquin sein Miserere
komponiert.

Am 3. Mai 1504 wurde anlässlich der Errichtung einer neuen Kirchturmspitze für Notre Dame in
Condé-sur-l’Escaut die Aufnahme von vier neuen Kanonikern erwähnt, unter ihnen Monsieur le
prevost messire Josse de pres. Zu dieser Kirche hatte Josquin spätestens ab den 1470er-Jahren enge
Beziehungen unterhalten, durch Tausch mit seiner Präbande in Saint-Quentin kürzlich hier sogar ein
Benefizium erlangt. Als Propst übte Josquin die weltliche Macht im Sprengel aus. Der Gottesdienst
wurde hier mit größerem Aufwand als in anderen Kirchen gleichen Ranges gefeiert. Der Chor
umfasste 16 Vikare und sechs Chorknaben, was die Aufführung sechstimmiger Musik ermöglichte.

Aus Josquins letztem Lebensabschnitt ist wenig bekannt. Am 23. Mai 1508 teilte das Kapitel der
Regentin der Niederlande, Margarete von Österreich, mit, dass Josquin sich guter Gesundheit
erfreue. Offenbar war man am Hofe Margaretes davon ausgegangen, dass der am 20. Mai 1508
verstorbene Duwez bis zu seinem Tode Propst in Condé gewesen war. Dies lässt erkennen, dass
Margarete Josquin nicht kannte und keine Vorstellungen von seinem Aufenthalt hatte. Im Mai 1509
verhandelte Josquin mit Rom wegen eines Benefiziums in Arras, im Januar 1513 wegen eines
Benefiziums in Tournai. 1519 bat Margarete Josquin, sich für die Einsetzung eines Jehan Lommel als
Dekan in Condé einzusetzen.

Am 23. August 1521 suchten Stadtbeamte Condés Josquin auf, um die Rechtmäßigkeit seines
Anspruchs, gewisse Rechte zu vererben, zu überprüfen. Josquin sagte von sich, dass er ein Ausländer
von jenseits des Flusses Noir Eauwe ([Eau Noire]) sei, also von jenseits der Grenze stamme. Am 27.
August 1521 starb Josquin Desprez. Er vererbte der Kirche Notre Dame ein Haus und Grundbesitz in
Condé mit der Auflage, daraus die Kosten für verschiedene Gedächtnisgottesdienste zu finanzieren.
Diese bestanden darin, an Marianischen Festtagen und den Samstagen des Jahres jeden Abend das
Salve zu feiern und während der allgemeinen Prozessionen die von ihm komponierte Motette Pater
noster/Ave Maria vor seinem Haus, das sich am Marktplatz befand, zu intonieren. Josquin wurde in
Condé-sur-l’Escaut (Frankreich) begraben, sein Grab 1793 zerstört.
Ungenannter Meister (um 1394)
Sei willekommen Herre Christ, weil Du unser aller Herre bist.
Sei willekommen lieber Herre, hier im Erdreiche also schone. Kyrieleis.
Aus dem Llibre Vermell de Montserrat (13. Jahrhundert)
Cuncti simus concanentes: Lasst uns singen:
Ave Maria! Gegrüßt seiest du, Maria.
Virgo sola existente en affuit angelus Als die Jungfrau allein war,
Gabriel est appelatus atque misus celitus da erschien ihr ein Engel
Clara facieque dixit: Ave Maria! Gabriel, so hieß er
Clara facieque dixit, audite, karissimi und er wurde vom Himmel gesandt
Enconcipies Maria: Ave Maria! Mit Freude verkündete er
Enconcipies Maria, audite karissimi Gegrüßt seiest du, Maria
Pariesque filium. Ave Maria! Du wirst ein Kind empfangen
Pariesque filium, audite karissimi Es wird ein Sohn die Welt erblicken
Vocabis eum Jesum: Ave Maria! Du wirst ihn Jesus nennen.
Jan Pietersson Sweelinck (1562-1621) Motette zu vier Stimmen
Herr, du bist unsre Zuflucht, für und für. Ein sichrer Hort und Hilfe für und für
Ehe die Berge und die Meere wurden, ehe die Welt und die Erde geschaffen,
bist du, Gott Zebaoth, von Ewigkeit zu Ewigkeit, bist du Gott, immerdar.
Josquin des Préz (1440-1521) Motette zu vier Stimmen
O bone et dulcissime Jesu Gütiger, freundlicher Jesus
per tuam misericordiam esto mihi Jesus. wollest offenbaren, Herr, dich mir
gnadenreich als Jesus.
Quid est Jesus? Was ist Jesus?
Nisi plasmator, nisi salvator. Weltbildner und Welterlöser.
Ergo, bone et dulcissime Jesu, Höre darum gütiger und freundlicher Jesus,
qui me plasmasti tua benignitate rogate. der du aus Gnade mich beseelt hast,
Ne pereat opus tuum, meine Bitte, dass nicht verderbe dein Werk
mea iniquitate. durch meine Sünden.
Ergo quaeso, anhelo, suspiro: ne perdas Höre mein Flehen, mein heißes Gebet:
quod tua fecit omnipotens divinitas. erhalte, was du erschaffen mit göttlicher
Allmacht.
Recognoce quod tuum est, Schaue auf das, was dein ist, und meines
et ne respicias quod meum est. Lebens Schuld wäge nicht ab.
Noli cogitare malum meum, Denke nicht, o Herr, an mein sündhaftes
ut obliviscaris bonum tuum. Leben, denke nur an dein göttliches Werk.
Si ego commisi per quod dannare me debes Wenn ich gesündigt habe, dass die
tu non amisisti unde me salvare potes. Verdammung wäre mein gerechter Lohn,
Et si secundum iustitiam tuam dannare me vis, dann versage mir nicht was mich erretten
ad tuam piissimam et ineffabilem misericorduam kann. Aber wenn du als Weltenrichter mich
appello.Ergo quaeso miserere mei, verdammen willst, rufe ich an deine
secundum magnam et pietatem tuam. Amen. unaussprechliche und heiligste Barmherzigkeit. Daher
bitte ich: gnadenreich erbarme dich, Herr, Verzeihung
schenke mir in deiner Heiligkeit. Amen.
Hildegard von Bingen (1098-1178) Responsorium
O clarissima mater sanctae medicinae O lichte Mutter der heiligen Heilkunst,
Tu unguenta per sanctum filium tuum durch deinen heiligen Sohn hast Salböl du
infudisti in plangentia vulnera mortis, gegossen in Wund und Wehe des Todes, das
quae Eva aedificavit in tormenta animarum Eva hat gebracht zum Schmerz der Seelen.
Tu destruxisti mortrem aedificando vitam. Den Tod hast du vernichtet und aufgebaut
Ora pro nobis ad tuum Natum, das Leben. Bitt‘ deinen Sohn für uns,
stella maris, Maria. du Meeresstern, Maria.
O vivificum instrumentum et laetum ornamentum Mittlerin des Lebens und Freude voll Glanz,
et dulcedo omnium delicarium, Köstlichkeit jeglicher Wonnen,
quae in te non deficient. die allzeit dir Eigen!
Ora pro nobis ad tuum Natum, Bitt‘ deinen Sohn für uns,
Stella Maris, Maria. du Meeresstern, Maria.
Gloria Patri et Filio et Spiritui Sancto. Dem Vater sei Ehre, dem Sohn und dem
Heiligen Geist!
Ora pro nobis ad tuum Natum, Bitt‘ deinen Sohn für uns,
Stella Maris, Maria. du Meeresstern, Maria
gregorianisch
Kyrie eleison. Herr, erbarme dich.
Christe eleison. Christe, erbarme dich.
Kyrie eleison. Herr, erbarme dich.
William Byrd (1543-1623)
Kyrie eleison aus der Messe zu 4 Stimmen
Josquin des Préz (1440-1521) Motette zu vier Stimmen
De profundis clamavi ad te Domine Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir.
Domine, exaudi vocem meam. Herr, höre meine Stimme!
Fiant aures tuae intendentes Lass dein Ohren merken auf die Stimme
in vocem deprecationis meae meines Flehens.
Si iniquitates observabis Domine So du willst, Herr, Sünde zurechnen?
Domine quis sustinebit? Herr, wer wird bestehen?
Quia apud te propitiatio est Denn in deiner Hand ist die Vergebung,
et propter legem tuam sustinui te Domine und dein Gesetz schafft Gnade, dass
man dich fürchte, Herre Gott.
Sustinuit anima mea in verbo eius Ich harre des Herrn, meine Seele harret
speravit anima mea in Domino und ich hoffe auf sein Wort.
A custodia matutina usque ad noctem Meine Seele wartet vom Morgen bis den
speret Israhel in Domino. Abend, so hoffe, Israel, auf den Herrn!
Quia apud Dominum misericordia Denn bei dem Herrn ist die Gnade
et copiosa apud eum redemptio und viel Erlösung bei ihm
et ipse redimet Israhel und er wird Israel erlösen
ex omnibus iniquitatibus eius. aus allen seinen Sünden.
Gloria Patri et Filio Ehre sei dem Vater und dem Sohne
et Spiritui Sancto, und dem Heiligen Geiste, wie es war
sicut erat in principio et nunc et semper im Anfang, jetzt und immerdar und
et in saecula saeculorum. Amen. von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Gregor Aichinger (1564-1628) Motette zu vier Stimmen
O Domine Jesu Christe, adoro te Herr Jesus Christus, Dich bete ich an,
in cruce vulneratum, felle et aceto potatum. Du am Kreuz zerfleischt, mit Galle und Essig getränkt
Deprecor te ut vulnera tua sint remidium Dich bitte ich, lass Deine Wunden meiner Seele
animae meae. Heilung sein.
Hildegard von Bingen (1098-1178) Antiphon “O virga mediatrix”
Alleluia! Halleluja!
O Virga mediatrix sancta viscera tua O Reis, du unsere Mittlerin, dein heiliger
Mortem super averunt Leib, er hat den Tod besiegt, dein Schoß
Et venter tuus omnes creaturas hat alle Kreatur erhellt durch jene
Illuminavit in pulchro flore de suavissima lichte Blüte, die dem verschloßnen
Integritate clause pudoris tui orto. Schoße dein in zarter Unberührtheit ist
entsprossen.
gregorianisch
Salva, Redemptor, plasma tuum nobile. Der edle Erlöser möge dein Reich retten,
Signatum sancto vultus tui lumine. als heiliges Zeichen im Angesicht deines Lichts,
Ne lacerari sinas fraude daemonum, er möge den bösen Geist beugen und zerstören,
propter quod mortis exsolvisti pretium. dessen Preis nah ist, vom Tod erlöst zu werden.
Dole captivos esse tuos servulos, Bedaure, dass die Gefangenen deine Sklaven sind.
Absolve reos, compeditos erige Erlöse sie von den Anklagen, von ihren
et quos cruore redimiste proprio. Fesseln und kaufe sie selbst frei.
Rex bone, tecum fac gaudere Guter König, ich werde dir immer
perpetim. Amen. Freude bereiten. Amen.
Loyset Compère ~1450-1518) Motette zu drei Stimmen
O vos omnes, qui transitis per viam O ihr alle, die ihr des Weges kommt,
attendite et videte si est dolor gebt Acht und seht.
sicut dolor meus. Gibt es einen Schmerz, der meinem gleicht?
Ludwig Senfl (um 1492-1555) Motette zu sechs Stimmen
Pange, lingua, gloriosi corporis mysterium Singe, Zunge, Lob dem Leibe,
Sanguinisque pretiosi, der ein Wunder in sich schloss
Quem in mundi pretium und das teure Blut beschreibe, das der Welt
Fructus ventris generosie zum Heile floss, das, als Frucht aus hehrem Weibe,
Rex effudit gentium. er, der Völker Fürst, vergoss.
Josquin des Préz (1440-1521) Motette zu vier Stimmen
Dominus regnavit, de corem indutus est: Gott, der Herr, ist König, prangt in königlichem
Indutus est dominus fortitudinem et praecinxitse. Schmuck, gewappnet mit Stärke, gegürtet mit
Et enim firmavit orbem terrae,. Gewalt und Herrlichkeit. Fest gegründet steht
qui non commovebitur sein Reich in aller Welt, nichts kann es
Parata sedes tua ex tunc: erschüttern. Bereitet steht dein Thorn von
a saeculo tu es. Anfang, von Anbeginn bist du.
Elevaverunt flumina, domine, Ströme erheben ihre Flut, dir zum Lob.
Elevaverunt flumina voces suas. Ströme erheben brausende Stimmen dir zur Ehr.
Elevaverunt flumina fluctus suos, Ströme erheben schäumende Wogen, dir zum a
vocibus aquarum multarum. Preis, der Wasserwogen voller Chor lobt Gott, den
Herrn.
Mirabiles elationes maris: Wogen des Meeres türmen sich gewaltig,
Mirabilis in altis dominus. Machtvoller thront in Höhen, Gott, der Herr.
Testimonia tua credibilia facta sunt nimis: Du hat aufgerichtet ein Zeugnis deiner Macht
Domum tuam decet sanctitudo, domine, groß und erhaben, Heiligkeit wohnt stets in deinem in
longitudinem dierum. Hause, Herre Gott, in alle Ewigkeit und Zeiten.
Gloria Patri et Filio Ehre sei dem Vater und dem Sohne
et Spiritui Sancto, und dem Heiligen Geiste, wie es war
sicut erat in principio et nunc et semper im Anfang, jetzt und immerdar und
et in saecula saeculorum. Amen. von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Hildegard von Bingen (1098-1178) Antiphon “O frondens virga”
O frondens virga in tua nobilitate stans O grünend Reis, Du stehst in Deinem Adel
sicut aurora procedit. Nunc gaude et laetara da, so wie die Morgenröte sich erhebt.
et nos debiles dignare a mala consuetudine Nun freue Dich und juble, befrei uns
liberare, atque manum tuam porrige ad Schwache gnädiglich von dem gewohnten
erigendum nos. Bösen und strecke Deine Hände aus, uns
aufzurichten.
gregorianisch: Salve Regina
Salve, Regina, mater misericordiae Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit
Vita, dulcedo et spes nostra, salve Unser Leben, unsere Wonne, unsere Hoffnung, sei
gegrüßt
Ad te clamamus, exsultes filii Evae. Zu dir rufen wir, verbannte Kinder Evas.
Ad te suspiramus, gementes et flentes Zu dir seufzen wir, trauernd und weinend,
in hac lacrimarum valle. in diesem Tal der Tränen.
Eia ergo, advocata nostra, Wohlan denn, unsere Fürsprecherin,
illos tuos misericordes oculos ad nos converte deine barmherzigen Augen wende uns zu.
Et Jesum, benedictum fructum ventris tui, Und Jesus, die gesegnete Frucht deines Leibes,
nobis post hoc exsilium ostende. zeige uns nach diesem Elend!
O clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria!
Jacob Reiner(1560- 1609) Der Lobgesang der Maria zu 4 Stimmen, Magnificat
Magnificat anima mea Dominum, Meine Seele erhebt den Herrn,
et exsultavit spiritus meus und mein Geist freuet sich Gottes,
in Deo salutari meo. meines Heilands. Denn er hat die
Quia respexit humilitatem ancillae suae. Niedrigkeit seiner Magd angesehen.
Ecce enim ex hoc beatam me Siehe, von nun an werden mich
dicent omnes generationes. selig preisen alle Kindeskinder.
Quia fecit mihi magna, qui potens est, Denn er hat große Dinge an mir getan,
et sanctum nomen eus. der da mächtig ist und des Name heilig
Et misericordia eius a ist. Und seine Barmherzigkeit währet
progenie in progenies timentibus eum. immer für und für bei denen, die ihn
Fecit potentiam in brachio suo, fürchten. Er übet Gewalt mit seinem Arm
dispersit superbos mente cordis sui. und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres
Deposuit potentes de sede Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen
et exaltavit humiles. vom Stuhl und erhebt die Niedrigen.
Esurientes implevit bonis Die Hungrigen füllt er mit Gütern
et divites dimisit inanes. und lässt die Reichen leer.
Suscepit Israel puerum suum, Er denkt der Barmherzigkeit
recordatus misericordiae suae. und hilft seinem Diener Israel auf,
Sicut locutus est ad patres nostros, wie er geredet hat unsern Vätern,
Abraham et semini eius in saecula. Abraham und seinem Samen ewiglich.
Gloria Patri et Filio Ehre sei dem Vater und dem Sohne
et Spiritui Sancto, und dem Heiligen Geiste, wie es war
Orlando Gibbons (1583-1625) Der Lobgesang des Simeon zu 4 Stimmen, Nunc dimittis
Lord, now lettest thou Nun läßt du, Herr, deinen Knecht,
thy servant depart in peace wie du gesagt hast,
according to thy word, in Frieden scheiden.
for mine eyes have seen thy salvation, Denn meine Augen haben das Heil
which thou hast prepared gesehen, das du vor allen Völkern
before the face of all people. bereitet hast, ein Licht, das die Heiden
To be a light to lighten the gentiles. erleuchtet und Herrlichkeit
And to be the glory of thy people, Israel. für sein Volk Israel.
Glory be to the father and to the son Ehre sei dem Vater und dem Sohn
and to the holy ghost und dem Heiligen Geist.
as it was in the beginning Wie im Anfang, so auch jetzt und alle
and is now and ever shall Zeit und in Ewigkeit. Amen.
be world whithout end. Amen.