MAP P

Magazin für Politische Antizipation
HERBST 2010

Zussammenfassung
1. Leitartikel
2. Die Auswirkungen der

DRINGEND
Die Erneuerung unserer Vorräte an
wahrscheinlicher Zukunft

europäischen Krise für den sozialen Mit MAP, dem Magazin für Politische Antizipation, startet LEAP ein
Medium, das kostenlos alle vier Monate erscheint. Damit sollen zwei
Bereich in Frankreich : Tanz
Ziele erreicht werden:
auf dem Vulkan
-

3. Anticipolis : Ein auf politische
Antizipation spezialisiertes
Verlagshaus
-

5. Essay :
Nach der Krise - Auf dem Weg in
die Welt von Morgen
mit Franck Biancheri

. Politische Antizipation kann ein größeres Spektrum an politischen
und sozialen Themen aufgreifen
. Politische Antizipation erreicht ein größeres Publikum; mehr Menschen wird somit die Möglichkeit gegeben wird, die Änderungen auf
dem Weg in die Welt von Morgen besser zu verstehen.

MAP ermöglicht Autoren, die von LEAP in den Methoden Politischer
Antizipation geschult wurden, ihre Arbeiten und Analysen zu unserer
gemeinsamen Zukunft einem großen Publikum zugänglich zu machen.

7. Geldtransfers von Europa nach

MAP bietet allen Interessenten alle vier Monate europäische rationale Sichtweisen auf die Herausforderungen der Welt. Es ist meine feste
Überzeugung, dass die Europäer eine entscheidende Rolle als Katalysator in dieser umfassenden weltweiten Krise übernehmen und dazu
8. Politische Antizipation :
beitragen können, dass die Welt von Morgen schneller und friedlicher
eine Anleitung
entsteht. Aber dafür müssen sie in die Lage versetzt werden, ihre Zuku11. Die weltweite Umweltkrise hat nft eigenständig zu denken und zu verwirklichen!

Afrika - wenn der Geldsegen
versiegt

begonnen

LEAP/E2020 und sein Partner NewropMag werden die Autoren von
MAP darin unterstützen, neue Visionen unserer Zukunft zu entwickeln.
14. FuturHebdo 09/11/2060 : Umstrittene Küstenlinien Denn vieles von dem, was einmal als Rahmenbedingungen der weiteren Entwicklung Europas galt, ist seit dem Ausbruch der Krise nicht
17. Lateinamerika / Vereinigte
mehr von Aktualität. Die „neue Weltordnung“, die der Westen vor nicht
Staaten: das Jahrzehnt, das die allzu langer Zeit noch anstreben wollte, war schon gescheitert, bevor
Emanzipation festigt
sie auch nur in Ansätzen entstehen konnte. Wir brauchen neue Ideen
und Visionen, wie unsere Zukunft aussehen könnte, einen „Vorrat an
18. Roman :
möglichen Zukünften“. Dann wird es darauf ankommen, die zu verDer Haarteppichknüpfer,
wirklichen, die wir uns wünschen.
Andreas Eschbach
MAP wird von Anfang an in drei Sprachen (Französisch – Deutsch –
Italienisch) erscheinen. Wir gehen davon aus, dass andere bedeutende
MAP ist eine Publikation des Laboratoire
Européen d’Anticipation Politique (LEAP) in Sprachen wie Englisch, Spanisch, Russisch, Chinesisch und Arabisch
Zusammenarbeit mit NewropMag
bald folgen können. Denn MAP soll einen möglichst großen Leserkreis
unmittelbar erreichen.
-

Herausgeberin : Marie-Hélène Caillol
Redaktioneller Berater : Franck
Biancheri
Editor : Michaël Timmermans
Mitarbeiter : Jérôme Defaix, Ludovic Follot,
Bruno Paul, Sébastien Rouxel, Olivier Parent
Kontakt : map@leap2020.eu

Ich wünsche MAP den weltweiten Erfolg, der dem GEAB vergönnt war.
Denn MAP ergänzt die Themen des GEAB zu einem umfassenden Blick
auf unsere Zukunft.
Franck Biancheri, Forschungsdirektor LEAP (Übersetzung : Harald Greib)

Die Auswirkungen der europäischen Krise für den sozialen
Bereich in Frankreich : Tanz auf dem Vulkan
von Jérôme Defaix*
Übersetzung : Maik Rast
Seit Anfang 2010 scheint die Situation im sozialen Bereich in Frankreich ruhig. Gleichwohl zählt man
seit Oktober 2008, dem Beginn der Krise, 600.000 zusätzliche Arbeitslose bei der staatlichen Arbeitsvermittlung. Im Jahr 2010 werden 400.000 Arbeitslose das Ende ihres Leistungsanspruchs aus der
Arbeitslosenversicherung erreichen und sich so in einer unsicheren Situation wiederfinden. Schauen
wir uns die Beobachtungen bezüglich der Armut in Europa und dann in Frankreich im Hinblick auf
gewisse Gebiete (ZUS1) und auf bestimmte besonders betroffene Bevölkerungsschichten (Berufsanfänger bis 25 Jahre) an. Anschließend werden wir einige stark ausgeprägte Tendenzen hinsichtlich
der Auswirkungen im sozialen Bereich für den Zeitraum Ende 2010 – 2011 aufzeigen.
Der Anteil der in relativer Armut lebenden Menschen ist im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts stabil
geblieben. Zu Beginn des Jahres 2000 hat die Europäische Union die Entschlossenheit ihrer Politik zur
Schau getragen. Trotz der Absichtserklärung1 der Staats- und Regierungschefs auf dem Gipfel in Lissabon im März 20002 bleibt das Fortbestehen des großen sozialen Ausschlusses während des gesamten
Jahrzehnts jedoch sehr beunruhigend und das vom Europäischen Rat im Jahr 2000 gesetzte Ziel, „die
Beseitigung der Armut entscheidend voranzubringen“, ist nicht erreicht worden. Auf Grund dieser
Terminvereinbarung haben der Europäische Rat und das Europäische Parlament am 22. Oktober 2008
entschieden, das Jahr 2010 zum Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung zu erklären.
Anteil materieller Deprivation und Anteil der Armutsgefährdung in der EU

Im Jahr 2007 verfügten 79 Millionen Bürger der Europäischen Union über ein Einkommen, das unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze, welche mit 60 % des Medians des nationalen Nettoäquivalenzeinkommens definiert wird, lag; dies entspricht 16 % der europäischen Bevölkerung. Dieser Anteil von
um die 16 % ist im Verlauf der vergangenen zehn Jahre stabil geblieben. In Frankreich beträgt der Anteil
im Jahr 2007 13,4 %; dies entspricht 8 Millionen französischer Bürger, die von weniger als 908 Euro pro
Monat 3 pro Person leben.
*Jérôme Defaix, Arbeitsamt, Generaldirektion für Informationssysteme, Kundenbetreuung, Tiers, France
1. ZUS : Sensible Städtische Zonen
2. „[Es ist] unannehmbar [...], dass Menschen unterhalb der Armutsschwelle leben und von sozialer Ausgrenzung betroffen sind; schließt sich der Forderung dieses Rates nach Stärkung der Maßnahmen zur Bekämpfung von Armut und sozialer
Ausgrenzung an, damit ein umfassendes Konzept angenommen wird, um den entscheidenden Schwung zur Beseitigung
der Armut bis zum Jahr 2010 zu erneuern [...].“
3. Unter ihnen verfügten 3,7 Millionen Personen über Einkommen zwischen 700 und 900 Euro pro Monat und 1,3 Millionen hatten ein Einkommen, das unterhalb oder bei 600 Euro pro Monat (dies entspricht 40 % des Medians des nationalen Nettoäquivalenzeinkommens) lag. Innerhalb der armutsgefährdeten Personen, hat sich die Situation der in relativer
Armut lebenden Menschen, also jenen, die von weniger als 40 % des Medians des nationalen Nettoäquivalenzeinkommens leben, verschlechtert und ihre Anzahl ist gestiegen.

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Die EU ist im Kampf gegen die Armut hinsichtlich ihrer
Ziele für das Jahr 2020 vorsichtig geworden
Im Rahmen der Vorbereitung des Europäischen Jahres zur
Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung 2010 hat sich
in Brüssel eine Debatte über die Zweckmäßigkeit bezifferter Zielsetzungen im Bereich der Armutsbekämpfung entsponnen. Der
Ausschuss für Sozialschutz erwähnt im November 2009 keine etwaigen Gemeinschaftsziele mehr und bleibt sehr vorsichtig im
Hinblick auf messbare nationale Ziele. In diesem Kontext ist der
Ehrgeiz der sogenannten „Europa 2020“-Strategie, welche der im
Jahr 2000 verabschiedeten Lissabon-Strategie im neuen Jahrzehnt
nachfolgen wird, beschränkt.

Armut in Frankreich, ihr Niveau hängt mit den seit 2005
beobachteten Spannungen zusammen
Werfen wir nun einen Blick auf die Beschreibung der Armut in Frankreich4. Die Organismen der sozialen Sicherung haben ihre Daten zusammengetragen. Diese führen zu folgendem aufschlussreichen Befund:
Fortbestand der regionalen Ungleichheiten

Ein auf politische
Antizipation spezialisiertes
Verlagshaus
Mit der Gründung des
Verlags Anticipolis
stellen wir uns eine doppelte
Aufgabe:
            • Ein wegen seiner Absicht Werke zu veröffentlichen,
die sich unmittelbar an einen
europäischen
Leserkreis
wenden und so von Beginn an
geschaffen werden, in drei oder
vier Sprachen veröffentlicht zu
werden, im wahrsten Sinne des
Wortes Europäisches Verlagshaus ins Leben zu rufen.
      • Dem europäischen Publikum Werke vorzustellen, die sich
bemühen die Zukunft, insbesondere die gemeinsame Zukunft
unseres Kontinents zu entschlüsseln, zur Hilfe für Bürger und
Führungskräfte zur besseren
Bestimmung ihrer Entscheidungen, ihrer Absichten und ihrer
Hoffnungen.

Die Karte zur Grundsicherung, der Armut oberhalb eines Anteils
von 7,5 % bis zu 25 %, entspricht der Karte der heftigsten Sozial4. Bericht des Nationalen Observatoriums für Armut und soziale Ausgrenzung (ONPES) 2009-2010 – Zehnjahresbilanz der Beobachtung der Armut
und der sozialen Ausgrenzung in Zeiten der Krise – http://www.ladocumentationfrancaise.fr/rapports-publics/104000099/index.shtml

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Die litterarischen Äusserungen, welche Anticipolis vorstellen wird, werden vielfältig sein,
denn Europa hat viele Gestalten.
Aber sie werden sämtlich eine
Überzeugung zum Ausdruck
bringen, die unserem Vorgehen
innewohnt: „Ab heute bestimmt
die Zukunft die Gegenwart“ wie
unser Leitspruch es ankündigt.
In der Tat hat sich unser Verhältnis zur Zukunft im Lauf von etwa
fünfzig Jahren von Grund auf
geändert. Unsere Zeit ist wohl die
erste diese Realität zu betonen.
Die Zukunft bestimmt heute
ebenso stark wie die Vergangen-

bewegungen in den vergangenen Jahren :
-Im November 2005 entzünden sich die Pariser Vororte im Departement Seine-Saint-Denis5, und die Toulouser Vororte in der Region
Süden-Pyrenäen (Midi-Pyrénées) 6
-Zwischen dem 20. Januar und dem 10. April 2009 wird auf Initiative der Führerin der LKP, Elie Domota, zunächst in Guadeloupe7,
dann auf Martinique sehr heftig gestreikt.
Dies ist kein Zufall. Wenn ein Viertel der Bevölkerung einer Stadt,
einer Region, eines Staates oder Europas mangels ausreichender
staatlicher oder familiärer Solidarität von Armut gefährdet ist,
können Lebensinstinkte alsbald durch Überlebensinstinkte ersetzt
werden.

Armut fördernde und Armut hemmende Faktoren
Der Befund im ONZUS-Bericht 20098 ist aufschlussreich. Jugendliche9 in ZUS sind doppelt so oft von Armut betroffen wie Jugendliche außerhalb von ZUS; die Höchstwerte liegen bei 43,6 %.
Außerdem liegt der Grundbetrag des RSA10 wenngleich er für
bestimmte Jugendliche eine Einkommensquelle darstellt, unterhalb der Armutsgrenze (453,63 Euro pro Monat für eine alleinstehende Person, die keine andere Tätigkeit ausübt und über keine
anderen Einnahmen verfügt, bzw. 908 Euro als Armutsgefährdungsgrenze, also 60 % des Medians des nationalen Nettoäquivalenzeinkommens).
Die von der Krise, also nach dem verfügbaren Untersuchungszeitraum (2007), vorrangig betroffenen Bevölkerungsteile, die Jugendlichen unter 25 Jahren, sehen sich wegen des schwierigeren
Zugangs zur Arbeitslosenversicherung auf Grund der erforderlichen Mindestbeitragszeiten besonders der Armut ausgesetzt. Die
beiden Risiken für diese Bevölkerung liegen in der wachsenden
Armut für die bereits von Armut betroffenen Bevölkerungen als
auch in der Unumkehrbarkeit der Armut, welche mit der Entfernung vom Arbeitsmilieu und den erhöhten Risiken des Kompetenzenverlustes zusammenhängen.
5. Systémique et Politique, MOUVEMENTS SOCIAUX « A LA FRANÇAISE »,
1995-2006, Essai systémographique, Pierre F. Gonod.
6. http://www.youtube.com/watch?v=03JbrCP9qD8 bringt die Maläse der von
der Teilhabe ausgeschlossenen Vororte zum Ausdruck. bringt die Maläse der
von der Teilhabe ausgeschlossenen Vororte zum Ausdruck.
7.
http://de.wikipedia.org/wiki/Generalstreik_auf_den_Französischen_Antillen_2009
8. Nationales Observatorium für die Sensiblen Städtischen Zonen (ONZUS) [2.
Dezember 2009], http://www.onpes.gouv.fr/Observatoire-National-des-Zones.
html
9. Oecd : Montée du chômage des jeunes dans la crise : comment éviter un
impact négatif à long terme sur toute une génération ? http://docs.jean-jaures.
org/NL389/1_ocde_chom.pdf
10. http://de.wikipedia.org/wiki/Revenu_de_Solidarité_active

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heit unsere heutige Gesellschaft.
Bis in die Mitte des XX. Jahrhunderts haben die Menschen ihre
tagtägliche Aktion an Gewohnheiten, Überlieferungen und der
Geschichte ausgerichtet. Aber
seit einigen Jahrzehnten bestimmt unsere Vorstellung von den
kommenden Gestaltungen, den
Zwängen der Normen oder der
Entwicklung des Klimas unsere
Entscheidungen. So wird künftig
das Heute vom Morgen vorgeschrieben.
Künftig wird Geschichte in der
Zukunft ebenso viel wie in der
Vergangenheit geschrieben. Unsere täglichen Entscheidungen
entspringen mehr als je unserer
Erfahrung und unseren Zukunftsbildern. Doch sind heute
Bürger und Eliten unserer Welt
in keiner Weise auf diese neue
Betrachtung der Geschichte vorbereitet. Nirgends lehrt man sie,
vorauszusehen um zu regieren,
wo doch das, was immer ein
guter Rat für geschickte Führer
war, eine Lebensnotwendigkeit
für die gesamte Menschheit geworden ist. Bescheiden wird Anticipolis versuchen, mit Essays,
Lehrbüchern, Romanen ihren
Beitrag zu leisten zu dem, was
wir für eine tiefgreifende intellektuelle Revolution halten: lernen
die Zukunft in den Auf bau der
Gegenwart einzubeziehen.
Kontaktieren Sie uns
Editions Anticipolis
47, boulevard des deux corniches
06300 Nice - France
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Armutsgefährdungsquote (in %), entsprechend der 60-%-Grenze, nach Altersgruppen
in den ZUS und im restlichen französischen Mutterland1 für die Zeiträume 2005-2006
und 2006-2007

Essay :
Nach der Krise – Auf dem Weg in
die Welt von Morgen
mit Franck Biancheri
Traduzione : Romana Rubeo

Die Finanz- und Wirtschaftskrise,
deren Folgen seit zwei Jahren
unsere Welt verheeren, markiert
das Ende der
Nachk riegsweltordnung. 1989
stürzte
deren
erster „Pfeiler“,
die
Sowjetunion und mit ihm
der
Ostblock
ein; heute zerbricht der zweite
„Pfeiler“, die USA, und droht, den
Westen mit in den Abgrund zu
reißen.

Die treibenden Kräfte der kommenden Entwicklungen im
Bereich der sozialen Bewegungen für den Zeitraum Ende
2010 – 2011
Die Daten stehen der französischen Verwaltung und Regierung seit
2002 zur Verfügung. Nichtsdestotrotz bleiben die in der Städtebauförderung für Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf
und in Gesellschaftsprojekten getroffenen Maßnahmen altbekannt und beschränkt, was die Stabilität des nationalen Anteils armutsgefährdeter Menschen bei um die 13,5 % zur Folge hat. Was
in den fetten Jahren, zwischen 2000 und 2007, in Ermangelung
des politischen Willens, anders als angekündigt, nicht möglich war,
wird schwieriger und gerät ab Oktober 2008 vollends in Gefahr.
Die bereits vorhandenen Spannungen werden sich verstärken.
Diese Entwicklungen gelten ebenso für Europa wie für Frankreich11:
bei Betrachtung der sozialen Ereignisse in Griechenland dürften
Spanien, das Vereinigte Königreich, Estland, Italien die nächsten
auf der Liste sein. Nach den Unterhauswahlen am 6. Mai steht das
Vereinigte Königreich ab Ende 2010, wenn die ersten anstehenden
drastischen Sparmaßnahmen allen bekannt sein werden12, auf der
Startposition13, 14. In Anbetracht der Krise kann die Ausrichtung der
11. Les Echos 15/07/2010 : La crise touche désormais des régions jusque là
épargnées
12. http://www.guardian.co.uk/business/2010/may/05/uk-budget-deficitworse-than-greece
13. http://www.telegraph.co.uk/finance/jobs/7928933/Mass-strikes-loom-in-awinter-of-discontent-for-UK-Government.html
14. http://www.rue89.com/entretien/2010/10/03/letat-se-prepare-a-uneguerre-dans-les-cites-169076

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Zwei Jahrzehnte lebten wir in
dem Irrglauben vom „Ende der
Geschichte“, der Westen und sein
politisches und wirtschaftliches
Modell hätten sich weltweit und
für immer durchgesetzt. Deshalb
ist es uns beinahe unmöglich, uns
eine Welt von Morgen vorzustellen, in der die Geschicke der Welt
nicht in Washington und der Wall
Street diktiert werden, „amerikanisch“ nicht notwendigerweise
Synonym von „modern“, und der
Dollar nicht mehr Alleinherrscher
an den Finanzmärkten ist.
Wie die Regierungen und Menschen Osteuropas vor 1980 sind
heute die Eliten und Medien des
Westens unfähig, das „Undenkbare zu denken. Zu sehr sind sie
damit beschäftigt, uns das „Unvergessliche vergessen zu lassen“, nämlich die sozialen und
wirtschaftlichen Verheerungen,
die die Krise weltweit angerichtet
hat.
Dieses Buch will die Unfähigkeit
zur Voraussicht unserer Regierungen und Entscheidungseliten

Wirtschaftspolitik sich in drei völlig verschiedenen Szenarien niederschlagen :
Scenario

1- Starker europäischer Wille, die Armut zu verringern.
Programm mit einem
Budget von 50 bis 75
Milliarden Euro pro
Jahr
2- Status quo ante
2000-2010. Beobachtung der Armutslage
ohne dass die Staaten
der EU jedoch ausreichend starke und zielgerichtete politische
Maßnahmen träfen.
3- Sparpolitik. Ohne
sie so zu bezeichnen,
wie F. Fillon (Einfrieren), oder ausdrücklich benannt, das
Sparen hält Einzug.
Strenge Sparpolitik im
Bereich des öffentlichen Dienstes.

Eigenschaften

Bewertung des
Szenarios

Es handelt sich
Zustimmung der Bevum ein Modell,
welches völlig
ölkerungen der EU.
Dieser Plan erlaubte es, das mit dem domiArmutseinkommen für 79 nierenden selbMillionen Menschen quasi st-regulierenden
zu verdoppeln.
Kapitalismus
Beispiel für andere geoohne Staatsinpolitische Sphären.
terventionen
bricht.
Furcht der Bevölkerungen
der EU.
Es handelt sich um das
Gießkannenprinzip. Wenn
der Kessel pfeift, wird ein
wenig Dampf abgelassen.

Die Politiken
der Staaten sind
sporadisch,
kurzfristig
angelegt und oft
widersprüchlich
(Junge gegen
Rentner), etc.

Ablehnung
durch
die
Bevölkerungen der Mit- E’ il consenso
gliedsstaaten der EU.
della destra al
Störungen im öffentlichen potere al parlaDienst. Vervielfachung der mento dell’UE
Konflikte. Gesteigerte Un- e in gran parte
gleichheiten in der Vermödegli stati
gensverteilung. Zahlreiche
membri.
soziale Bewegungen.

Das Szenario 3, mit der Ausbreitung der Sparpolitik, gar einer extremen Sparpolitik, in Europa, ist das wahrscheinlichste. In Frankreich bringen die Verhandlungen über die Zukunft der Renten
Spannungen im Hinblick auf die Mittelklasse zum Vorschein. Die
Verringerung der Eingriffe seitens der Städte, der Departements und
der Regionen wird die Situation einer bereits in großer sozialer Unsicherheit lebenden Bevölkerung weiter verschärfen. Bedeutsame
und zahlreiche Spannungen sind Ende 2010 und im Jahr 2011 absehbar, um das Boot wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Die EU hat es an einem einzigen Wochenende, jenes des 10. Mai
2010, geschafft, durch die Bereitstellung von Finanzmitteln in Höhe
von 750 Milliarden Euro, Maßnahmen zur Beruhigung der Märkte
und Spekulanten zu beschließen. Warum sollte sie nicht zügig in der
Lage sein, Maßnahmen zu beschließen, um 79 Millionen Bürgern
auf menschliche Art und Weise zu helfen?
1862 erläuterte Victor Hugo in „Die Elenden“: „Eine Revolution ist
die Rückkehr vom Künstlichen zum Reellen.“ Unserer Meinung nach
werden die Jahre 2010-2020 die Revolution der Verteilung des Reichtums mit sich bringen. Oder eine große soziale Aufruhr...

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kompensieren und entwirft eine
konkrete Vision für Europa und
die Welt bis 2020..
Welche Konflikte können in der
Welt von Morgen entstehen ?
Wie sich auf die in den kommenden Jahren bevorstehenden
Wirtschafts- und Währungsumbrüche vorbereiten? Welche Rolle
für uns Europäer? Welche Rolle
für die Schwellenländer Brasilien,
Indien, Russland und zuvorderst
China? Welche Schwierigkeiten
sind für diese Länder mit ihrem
Aufstieg zu Weltmächten verbunden? Wie können sich unsere
Kinder auf die Herausforderungen
der Welt von Morgen in Demokratie und Berufsleben vorbereiten?
Dies sind einige der Fragen, auf
die das Buch Antworten geben
möchte. Es gibt Denkanstöße und
Handlungsvorschläge für Bürger,
Regierungen, Institutionen und
Organisationen der Zivilgesellschaft. Denn die gegenwärtige
Krise ist nicht nur das „Ende der
Welt von Gestern“ sondern auch
eine einmalige Gelegenheit die
„Welt von Morgen“ zu gestalten,
vorausgesetzt dass wir uns nicht
über die Gefahren, Herausforderungen und Möglichkeiten, die vor
uns liegen, täuschen.

*Franck Biancheri, Jahrgang 1961, ist
Forschungsdirektor des Laboratoire
Européen d’Anticipation Politique.
“ Crise mondiale : En route pour le monde
d’après - France, Europe et monde dans la
décennie 2010-2020 ”
von Franck Biancheri
Editions Anticipolis
www.anticipolis.eu
ISBN : 978-2-919574-00-1
preis : 20,00€

Geldtransfers von Europa nach Afrika - wenn der Geldsegen versiegt
von Ludovic Follot*
Übersetzung : Maik Rast
Die Rücküberweisungen afrikanischer Migranten in ihre Heimat spielen für die Wirtschaft der afrikanischen Staaten eine überaus wichtige Rolle. Nach Aussage der Verantwortlichen in den betreffenden Ländern
machen sie je nach Land zwischen 9 und 24 % des BIP aus, was 80 bis 750 % der Wirtschaftshilfen entspricht,
die diese Länder erhalten. Für zahlreiche Unternehmen im Finanzsektor stellen diese Überweisungen ein bedeutendes Wachstumspotential dar, denn bis zum heutigen Tag erfolgen die meisten Rücküberweisungen auf
informellen Wegen, sodass keinerlei Rückverfolgbarkeit gegeben ist. Unter den Hauptakteuren auf dem Finanzmarkt haben es vor allem die Telekommunikationsunternehmen auf die Marktführerschaft abgesehen,
indem sie massiv in mobile Zahlungssysteme investieren und einen umfassenden Service in Ländern anbieten,
in denen der Großteil der Bevölkerung nicht über ein Bankkonto verfügt. Es steht ein harter Konkurrenzkampf bevor: Auch die Banken haben die Absicht, sich diese neue Einnahmequelle nicht entgehen zu lassen,
und die auf internationale Geldtransfers spezialisierten Unternehmen wollen natürlich ihren Marktanteil
halten.
Um zu verstehen, wie die Krise die Gewohnheiten der Migranten verändern und die wirtschaftliche Lage in
ihren Heimatländern verschärfen wird, müssen wir bei den Migranten und den Beträgen, die sie in ihre Heimatländer überweisen, beginnen. Wir werden zeigen, wie sich die Anbieter für mobile Zahlungsabwicklung
infolge der Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfelds anpassen und neue Parameter berücksichtigen müssen, um überleben zu können.

Der größte Teil der Rücküberweisungen kommt von Arbeitern in unsicheren
Beschäftigungsverhältnissen
Eine genauere Betrachtung des Berufsprofils dieser Menschen, die Geld von Europa nach Afrika überweisen, ist
aufschlussreich. Fast 75 % von ihnen leben in unsicheren Verhältnissen: Sie sind entweder niedrigqualifizierte
Arbeitnehmer oder arbeitslos. Lediglich 13 % von ihnen sind Führungskräfte oder Freiberufler.

Abbildung 1: Berufsprofil der Migranten. Quelle : Afrikanische Entwicklungsbank
* Ausgebildet als Ingenieur, war Ludovic Follot die letzen zehn Jahre als Berater für mehrere Telekommunikationsunternehmen in Frankreich, Afrika und dem Mittleren Osten tätig, um deren Service-Angebot zu erweitern. Seit 5
Jahren konzentriert er sich auf den Einsatz von mobilen Bankdienstleistungen für verschiedene Finanzinstitute und
Unternehmen.

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80 % der überwiesenen Gelder werden für den täglichen Bedarf verwendet und reichen somit gerade einmal, um die Existenz der Familien
zu sichern. Dieses Geld stellt nicht etwa einen Zuschuss oder Rücklagen
dar, sondern ist vollständig als Haupteinkommen zu sehen.

Frankophones Afrika: 2 Milliarden Euro außerhalb der
offiziellen Wege überwiesen
Diese Beträge machen einen bedeutenden Teil des BIP der Empfängerstaaten aus. Wenn man nur die Gelder berücksichtigt, die
von Frankreich in die Staaten südlich der Sahara überwiesen wurden - fast 9 Milliarden Euro im Jahr 2006 1, stellt man fest, dass
das Verhältnis Geldtransfer/BIP zwischen 9 % und 24 % schwankt.

Politische Antizipation :
eine Anleitung
Auszug aus “Handbuch der
politischen Antizipation”
von Marie-Hélène Caillol
Übersetzung : Mandy Thieme
In diesem Buch, erschienen bei
Anticipolis, erklärt Marie-Hélène
Caillol, Präsidentin des Laboratoire
Européen d’Anticipation Politique
(LEAP), die notwendigen Methoden und Werkzeuge der politischen
Antizipation. Diese Arbeit über
die Disziplin des Theoretiserens
der Antizipation basiert auf den
umfangreichen Erfahrungen von
mehr als 20 Jahren Recherche
und der Verwirklichung des Global Europe Anticipation Bulletin
(GEAP) und will allen Menschen
die Möglichkeit geben, kommende
Ereignisse zu antizipieren und
sich darauf vorzubereiten. Dieser
Auszug aus dem Handbuch der
politischen Antizipation zeigt, wie
wichtig die Unabhängigkeit eines
Antizipationsforschers für das Erhalten stichhaltiger Ergebnisse ist.

Abbildung 2: Verhältnis Geldtransfer/BIP in den wichtigsten Ländern des französischen
Korridors: 5,8 Milliarden Euro wurden überwiesen, davon 2 Milliarden auf
informellen Wegen.
Quelle : Afrikanische Entwicklungsbank.

Die Migration wird von vielen Ländern als eine althergebrachte Lösung
für eine schwierige sozio-ökonomische Situation angesehen. Die
Geldtransfers der Migranten sind für sie überlebenswichtig. Sie ermöglichen den Ländern den Ausbau von Infrastruktur und sozialen Dienstleistungen (Schulen, Gesundheitsämter, Straßen etc.) 2
1. http://senegal-business.com/2009/04/impact-de-la-crise-financiere-sur-lestransferts-d’argenten-attendant-la-baisse-annoncee-des-flux/
2. Zusammenarbeit zwischen Mali, Marokko und Europa

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« Für ein gutes Ergebnis darf man
nichts verkaufen wollen: weder
Ideen noch Produkte. Dadurch hat
man die Fähigkeit, im Bezug
auf die Zukunft
neutral zu denken, was von
großer Bedeutung ist. Wenn
man nicht darauf
achtet,
diese Neutralität ständig aufrecht zu erhalten, kann man sich
schnell irren. Das sollte eigentlich
selbstverständlich sein, doch in
Wirklichkeit ist es ein Vorgang, der

Die wesentlichen Auswirkungen werden in einer Mitteilung der
Abteilung Staatshaushalt vom Juli 2009 beschrieben 3. In Anbetracht
der prekären Lage, in der sich die meisten in Europa arbeitenden Migranten befinden, liegt es auf der Hand, dass sie mit als Erste von der
gegenwärtigen Krise betroffen sein werden. Die Arbeitslosenquote unter
niedrigqualifizierten Personen wird rapide ansteigen. Die überwiesenen
Beträge werden mit Sicherheit sinken, wodurch eine Kettenreaktion mit
verheerenden Auswirkungen auf die ohnehin schon mitgenommenen
Volkswirtschaften ausgelöst wird 4 :
- Die Abnahme der Mittel wird die Staatshaushalte aus dem Gleichgewicht bringen.
- Für diejenigen Länder, die Lebensmittel importieren müssen, wird es
immer schwieriger werden, sich auf dem globalen Markt zu versorgen.
- Die lokale Landwirtschaft kann, wenn sie nicht weit genug entwickelt
ist, den Mangel nur mittelfristig ausgleichen.
- Die Zahl der Touristen aus den OECD-Staaten wird infolge der Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse und aufgrund der immensen Reisekosten zurückgehen.
- Die Länder werden bei Infrastrukturprojekten oder gar im Bereich der
Sozialleistungen finanzielle Einschnitte hinnehmen müssen.
- Die Kurse der wichtigsten Rohstoffe werden sich voraussichtlich durch
eine hohe Volatilität auszeichnen und so eine besonnene Vorbereitung
der Staatshaushalte verhindern (mit Ausnahme der Edelmetalle, die
vermutlich den Status defensiver Anlagemittel wiedererlangen werden).
- Wie der IWF bereits im April 2009 5, andeutete, könnten sich zahlreiche Länder möglicherweise zu einer Abwertung ihrer Währung gezwungen sehen. Die Länder der CFA-Franc-Zone haben diese bittere
Erfahrung bereits 1994 machen müssen.
- Schlussendlich werden die politischen Maßnahmen im Kampf gegen
illegale Einwanderung die Existenz der Arbeiter in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen, die die exponiertesten Stellen in verschiedensten
Wirtschaftssektoren wie Bauwesen und Gaststättengewerbe besetzen,
erschweren.

„Mobile Banking“ - das erste High-Tech-Opfer der Krise?
Der Begriff „Mobile Banking“ bezeichnet die Gesamtheit der Finanzdienstleitungen für Menschen mit und ohne Bankkonto, die per Mobiltelefon in Anspruch genommen werden können. Mobile Banking
zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass in den meisten Fällen kein
direkter Kontakt zu einem Kreditinstitut aufgenommen wird. Es werden
6

3. Emerging Markets und reduziert Überweisungen
4. UNECA
5. Bericht des IWF zur Abwertung des FCA : http://anr.typepad.com/
anr/2009/05/la-prochaine-dévaluation-du-f-cfa-va-plomber-durablement-lafrique.html
6. Mobile Banking

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große Aufmerksamkeit erfordert.
Es ist die natürliche menschliche
Neigung, Dinge zu bevorzugen,
die uns wünschenswert erscheinen
oder die uns gefallen oder die eine
Weltanschauung bestätigen. Daher
rührt die Unvereinbarkeit von Ideologie und Antizipation: je mehr
man in seinen Anschauungen festgelegt ist, sei es durch die Gesellschaft, die Welt, seine Arbeit, desto
weniger ist man fähig, die Wirklichkeit zu antizipieren. Denn diese
Wirklichkeit hat man bereits ausgeschlossen, man sieht sie auf einem
moralischen Schachbrett, entweder
gut oder böse, und das ist vollkommen unvereinbar mit der benötigten
Objektivität.
Nebenbei gesagt gibt es bei der
Antizipation, wie auch in der Geschichte, nie nur gut oder böse. Das
heißt nicht, dass man als Mensch
nicht betroffen sein darf, wenn
man sieht, wie manche Entwicklungsprozesse ins Rollen gebracht
werden. Das heißt nicht, dass man
als Bürger nicht das Recht hat, nach
Vorgehensweisen zu schauen, die
unliebsame Entwicklungen aufhalten können – im Gegenteil!
Will man aber richtig antizipieren,
muss man seine eigenen Ansichten
beiseitelegen, man darf den persönlichen Eindruck nicht einfließen
lassen. Natürlich gibt es keine absolute Objektivität, der Mensch ist
von Natur aus subjektiv, aber man
muss diese beiden Dinge so gut es
geht voneinander trennen.
Das erklärt auch, warum die Bemühungen, die Zukunftsforschung
und die Antizipation zu institutionalisieren, zum Scheitern verurteilt
sind. Institutionen haben natürlich Interessen, Ziele und konkrete
Zwecke (Ziel vs. Objektivität). Deshalb sind sie nicht bereit hinzunehmen, dass Menschen aus ihrer
Mitte anfangen zu diskutieren und
Ideen zu entwickeln, die im Gegensatz zu dem stehen, was sie selbst
wollen, oder die für ihre Zweckerfüllung zum Problem werden können. Deshalb werden die institu-

die folgenden Dienstleistungen angeboten: Ein- und Auszahlung von
Geld, Begleichen von Rechnungen, Rückzahlung von Mikrokrediten im
Falle einer Partnerschaft mit Mikrofinanzinstituten, Empfang internationaler Überweisungen und Tätigung von Inlandsüberweisungen etc.
Das Geschäftsmodell dieser Systeme beruht im Grunde auf einer geringen Provision für die Transaktionen. Damit diese Dienstleistungen
rentabel sind, bedarf es somit eines erheblichen Transaktionsvolumens.
Vor diesem wirtschaftlichen Hintergrund sollte man sich dennoch die
Frage stellen, ob es richtig ist, Menschen, die kaum ihren Lebensunterhalt verdienen können, Finanzdienstleistungen anzubieten. Das Volumen
der internationalen Finanztransaktionen wird, ebenso wie die Geschäftstätigkeit, deutlich abnehmen, was einen Rückgang an potentiellen Transaktionen wie etwa Überweisungen zwischen Kunden sowie Ein- und
Auszahlung von Geld mit sich bringen wird. Das Geld, auf dem dieser
neue Markt ja überhaupt erst auf baut, kann somit nicht das erhoffte
Volumen gewährleisten.
In dieser Situation ist es notwendig, die besonderen Risiken in Verbindung mit jeder Art von Zahlungssystem zu berücksichtigen. Betrug und
mangelndes Vertrauen seitens der Kunden sind die größten Sorgen der
Institutionen, die derlei Finanzdienstleistungen anbieten. In dem endlosen Wettstreit, den sich Betrüger mit der Abteilung für Betrugsbekämpfung liefern, sind errungene Siege nur von kurzer Dauer. So hat es bei
M-pesa, dem derzeit fortschrittlichsten System für mobiles Banking,
mehrere Betrugsfälle gegeben 7. Jedes Mal musste wieder umgedacht
und in bessere Sicherheitsmaßnahmen investiert werden. Wir stoßen
hier somit auf ein neues Problem, das es zu lösen gilt: die Gewährleistung ausreichend hoher Sicherheitsstandards bei gleichzeitig möglichst
niedrigen Investitionen, damit das System rentabel bleibt.
Sollten einige Länder oder gar ganze Wirtschaftszonen (wie die Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion) letzten Endes ihre
Währung abwerten müssen, so werden diese Branchen ihren Geschäftsplan ernsthaft überdenken müssen. Wenn Sie aus jeder Transaktion
einen Gewinn von 1 Cent ziehen wollen, Sie letzten Endes aber nur die
Hälfte 8 erhalten, müssen Sie Ihre gesamte Geschäftstätigkeit überdenken, um das Überleben des Unternehmens zu sichern.
Auch wenn diese neuen Dienstleistungen zukunftsträchtig sind und für
die Schwellenländer ein Mittel darstellen, am Finanzkreislauf teilzuhaben und somit die Weiterentwicklung dieser Staaten zu ermöglichen,
muss der Hype der vergangenen 5 Jahre ein wenig nachlassen.
Die gegenwärtige Krise hat nie gekannte Ausmaße und könnte die
Wirtschaftsakteure auf diesem neuen Markt dazu zwingen, ihre
Gewinnschwelle zu überdenken. Sie müssen sich möglicherweise damit
abfinden, dass sie ihre einst gesetzten Gewinnziele erst in rund zehn
Jahre erreichen werden.
7. Man braucht sich nur die Untersuchungsergebnisse anzusehen, um sich
davon zu überzeugen.
8. Hypothese bei der letzten Abwertung in der CFA-Zone 1994

MAP
-10-

tionalisierten Expertengruppen für
Zukunftsforschung oft verdrängt
oder ganz ausgelöscht oder, noch
schlimmer, sind zu Kommunikations- oder Agitationsproblemen
geworden.
Die Expertengruppe der Europäischen Kommission, eine gute Idee
aus der Zeit Delors, Politiker der
Sozialistischen Partei Frankreichs,
wurde beispielsweise nach und
nach von denjenigen Beamten unterdrückt, die es nicht hinnehmen
wollten, dass die Mitglieder Dinge
verlangten, die ihren eigenen Wünschen widersprachen. Anstatt eine
direkte Verbindung zur Führungsebene zu haben (idealerweise hätten die Mitarbeiter direkt mit den
3 wichtigsten Institutionen kommunizieren müssen: mit der Kommission, dem Parlament und dem
Verwaltungsrat), musste die Expertengruppe immer mehr Berichte
über diese Beamten leiten. Daher
kommen die geänderten Berichte
mit nichtssagenden Inhalten. Die
Entscheidungsträger erhielten nur
noch sinnlose Berichte und nach 10
Jahren hatte die Expertengruppe
für Zukunftsforschung keinen Wert
mehr für die Führungsebene der
EU.  »

Marie-Hélène Caillol ist Präsidentin
von LEAP. Sie hat Soziologie und Linguistik studiert und im Bereich der
südeuropäischen, der europäischen
und der internationalen Beziehungen
gearbeitet, und zwar im Rahmen der
UNDP, als Beraterin (auf europäischer
Ebene) und in der europäischen Verbandsarbeit.
“ Handbuch der politischen Antizipation ” von Marie-Hélène Caillol
Edizioni Anticipolis
www.anticipolis.eu
ISBN 978-2-919574-04-9
preis : 10,00€

Die weltweite Umweltkrise hat begonnen
von Bruno Paul*
Übersetzung : Katrin Raiman

Im Laufe der Geschichte sind die Beschädigungen der Umwelt und der Klimawandel mit die wichtigsten Gründe für den Zusammenbruch von Gesellschaften 1. Eine ökologische oder Umweltkrise stellt
das Modell der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung in Frage, ist also eine Krise dieses
Modells. Der in Frage stehende Zeitrahmen betrifft in erster Linie uns: die Phänomene sind schon da,
wir werden die ersten strategischen Umbrüche sehend miterleben. Und wenn wir diese Umweltkrise
nicht zu lösen vermögen, bleibt unseren Kindern oder Kindeskindern nichts als die zerstörerischen
Folgen 2 unserer Unfähigkeit zur Umformung unseres Gesellschaftsmodells zu erdulden.
Ein Zusammenbruch auf planetarer Ebene tritt als „weltweite Krise“ sowohl im gesellschaftlich- wirtschaftlichen Bereich als auch ökologischer Ebene in Erscheinung. Die ökologische Krise tritt sowohl weltweit (Klima,
Fischbestand …) als auch innerhalb jedes Landes auf (Raubbau an Naturschätzen, Bevölkerungswachstum …).
Uns erscheint wesentlich, die Zusammenhänge zwischen der gegenwärtigen gesellschaftlich- wirtschaftlichen
Krise einerseits und andererseits allen Ausmassen der Umweltkrise darzustellen.3, 4 Es gibt bereits Studien zu
Zukunftsszenarien auf Grund der makro-ökonomischen Ungleichgewichte aus einer geostrategischen Perspektive 5. Die Studie der UNO Millennium Ecosystem Assessment 6 will die Zukunft nur mittels vier absichtlich
karikaturaler und unzusammenhängender Szenarien erforschen, die keine vorausschauenden Überlegungen,
sondern lediglich Ausgangspunkte für die Untersuchung des Feldes denkbarer Entwicklungen darstellen.
Diese Arbeit steht unter einem anderen Gesichtspunkt : dem einer weltweiten Krise deren vielfältige Elemente
sich im Laufe der kommenden Jahre gegenseitig verstärken. Die gewöhnlich in der Vorausschau benutzten Blickwinkel werden mehr und mehr von dem ständigen Druck beeinflusst, den die Umweltkrise wie alle grundlegenden Krisen bewirkt.
Die geläufigsten Vorgänge 7 im Zuge einer Umweltkrise sind: Abholzen von Wald, Verlust der Bodenfruchtbarkeit,

* Bruno Paul ist verantwortlich für Methoden und Werkeuge in einem großen globalen IT-Unternehmen und beschäftigt sich dort mit der Konzeption und Entwicklung von innovativen Angeboten. Er ist Ingenieur mit einem Doktor
der Universität Pierre und Marie Curie und integriert seine Beziehungen und Erfahrungen in verschiedenen Sektoren
(chemische Industrie, Verteidigung, Pharma-Industrie, Dienstleistungssektor), um zukünftige Verschiebungen und Entwicklungen vorherzusehen. Es geht ihm darum, Expertise in verschiedenen Bereichen zu verbinden, um neue Perspektiven zu erzeugen.
1. Jared Diamond - Effondrement - Gallimard 2006
2. In der Geschichte bedeutet das : Völkermord, Bürgekrieg, Ausfall der Zentralregierung, Epidemien, Hungersnot, Unaufhaltsame Verarmung, Migrationsswellen, kurz eine Minderung von 50 – 90 % der ursprünglichen Bevölkerung über
40 – 200 Jahre (Réf.1 p.756).
Die grössten bekannten Katastrophen der Menschheit sind die Pest in 1347, die im Lauf von 5 Jahren 30 – 50 % der Bevölkerung Europas hinraffte und etwa 25 Millionen Opfer forderte, Der Grosse Sprung Vorwärts von 1958 – 1961 in China
der 20 bis 45 Opfer forderte, d.h. ca 6 % der Bevölkerung und die 99 % der Maya des Peten (schätzungsweise von 3 bis 14
Millionen) als Opfer einer Umweltkrise nach dem Jahr 800.
3. François Heisbourg – Vainqueurs et vaincus : lendemains de crise – Stock 2010 - p.126
4. Studien von Costanza [1997] und Stern [2006] zitiert im L’Atlas de l’environnement – Le Monde Diplomatique - Armand Colin 2008 – p.14
5. Siehe z.B. die Arbeiten des LEAP
6. Diese Studie von 1300 Experten aus 95 Lä ndern hat sich auch mit des kommenden weltweiten Umweltkatastrophen
(100 Millionen Tote) befasst:: “Ecosystems and Human Well-Being” (4 Bände) – Island Press 2005
7. Réf. 1, p.738 – 754 für eine vollständige Darstellung

MAP
-11-

schlechte Wasserwirtschaft, Übermass von Jagd und Fischfang, Mangel an Energie, Bevölkerungswachstum.
Sie ziehen sich über lange Zeiten hin, im Gegensatz zu einem schlagartigen Gewahr werden, im Unterschied
auch zu den phasenweisen Beschleunigungen, wie man sie bereits von der Great Depression kennt. Hier gibt
es keine brutale Bank- oder Staatspleite, weder Goldkurssprünge noch Absturz des Dollar, die man von Tag
zu Tag verfolgen kann. Die Umweltprobleme können eher mit einem „langsamen Abstieg verarmter Vororte“
verglichen werden derart, wie sie in einer nicht umkehrbaren Lage enden. Dem Ausbruch von Gewalt entspricht
der Hurrikane, dem Verlust beruflicher Aussichten die Trockenheit, dem fortschreitenden Schliessen der Läden
das Schwinden der Erzeugung von Nahrungsmitteln, den tagtäglichen Schwierigkeiten die tiefe Armut und
Hungersnot.
Dieser lange Zeitrahmen der Ökologie findet seine Entsprechung in dem langen Zeitrahmen der Geopolitik.
Gemessen am weltweiten Ökosystem, können nicht Völker auf einer Seite als Gewinner und auf der anderen als
Verlierer stehen. Die klassische geopolitische Überlegung (Hegemonie zuerst) hat keine Zukunft. Freilich werden
die grossen Länder zunächst diesen Kurs einschlagen, denn die Entscheidungsträger kommen nicht leicht aus
den herkömmlichen Denkgeleisen heraus.
Der lange Zeitrahmen der Ökologie gestattet es auch ernsthafte Vorausschau-Szenarien für lange Perioden (40
Jahre und mehr) 8. zu erstellen. Dieser Zeitraum ist kurz genug, dass er auch für unser eigenes Leben bedeutsam
ist für die heute unter 40jährigen. Die anderen, die übrigens oft an verantwortlicher Stelle stehen, dürfen sich
nicht für nicht betroffen halten. Sie sind vor allen anderen als die Generation gefordert, die dafür verantwortlich
ist, die Menschheit aus der gegenwärtigen Bahn heraus zu leiten, die geradewegs in den weltweiten Zusammenbruch unsere Zivilisation führt. 9

Vom Erlangen des Bewusstseins für die Umwelt zum politischen Denken
Dieses Zukunfts-Scenario geht aus von einer erheblichen Bemühung um ein „Bremsen“ eines Teils der Weltbevölkerung hinsichtlich ihres durchschnittlichen Einflusses auf die Umwelt, die aber bei Weitem nicht ausreicht,
die Wirkungen des Bevölkerungszuwachses auszugleichen. Unser Konsummodell wird nicht in Frage gestellt.
Umweltschutz wird nicht massiv als Alternative der letzten Chance gegenüber dem entzügelten Kapitalismus
betrachtet.
Angemerkt sei, dass ein pessimistisches Szenario ohne jegliche Minderung des durchschnittlichen Einflusses
auf die Umwelt für die Dauer unserer Vorausschau schlechthin undenkbar ist. Die tragbare Weltbevölkerung für
einen hohen mittleren Lebensstandard liegt unter 2 Milliarden Menschen und unter 6 Milliarden für einen mittelmässigen weltweiten Lebensstandar .10 Der weltweite Lebensstandard wird notgedrungen sinken.
Dieses Scenario ist für unsere Arbeiten zwingend angesichts dessen, dass heute weitaus die Mehrheit der Weltbevölkerung sich kaum über noch ungewisse Kosten sorgt, die in 5, 10 oder 20 Jahren von anderen Generationen
getragen werden.»11

8. Siehe in den Beilagen die derzeit am meisten erarbeiteten Daten für die Welt in 2010 und 2050. Bilan écologique du
monde en 2010 - Anticipation de l’état écologique du monde en 2050
9. Zur begründeten Antwort auf die geläufigen Gegenargumente (« die Technik wird unsere Probleme lösen / man findet
immer einen Ersatz für einen erschöpften Rohstoff /die Ernährungsfrage ist gelöst durch /seit einigen Jahren bessert sich
die Lage / es gibt kein Zeichen für einen Zusammenbruch / das ist wieder so ein Kassandraruf /die Weltbevölkerung stabilisiert sich /Umweltbewusstsein ist Luxus und geht nur die reichen Länder an / man kann die Zukunft nicht borhersagen,
auch nicht aus dem Studium der Vergangenheit“) siehe Anm. 1, S. 764 u. ff.
10. Anm. 4 – S.15
11. Jean-Marie Chevalier - Les nouveaux défis de l’énergie ; Climat Economie Géopolitique – ouvrage collectif – Economica 2009 – p.294

MAP
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      Pays de l'OCDE      Europe centrale et orientale et CEI
Pays arabes
           Asie de l'Est
Asie du Sud
Afrique sub-saharienne

Amerique latine et Espace Caraïbe

L’évolution de l’IDH entre 1975 et 2004 12

Zudem erhöht die Entwicklung der Bevölkerung nur den sehr wenig besorgten Teil der Bevölkerung. […] Viele
Länder haben gute Gründe, das Erwachen des Bewusstseins und das Handeln hinauszuzögern.
Die mächtigste Kraft aber, die sich jedem Richtungswechsel entgegenstemmt „rührt aus der Eigendynamik
des Kapitalismus her. Die Führer der Wirtschaft, insbesondere die Führer und die Aktionäre der Unternehmen,
deren Tätigkeit durch einen ökologischen Umschwung der Wirtschaft in Frage gestellt würde, stehen selbstverständlich jeder Änderung des Status quo feindlich gegenüber […] Die grosse Masse der Unternehmen, vor allem
die Mächtigsten von ihnen wegen ihrer zentralen Stellung in dem Entwicklungsmodell der Vergangenheit, sehen
im Übergang zu einer dauerhaften Wirtschaft vor allem die Bedrohung des Bestandes ihrer Tätigkeit. Sie haben
durchaus recht. » 13
Unser Szenario des fortschreitenden Anschwellens der Umweltkrise läuft in 4 grossen Stufen ab, welche die das
Zusammenspiel strategischer Allianzen orientieren. Wir besprechen hier nur die erste Stufe :

2010-2020 : Die Umweltkrise vernichtet die schwächsten Staaten
Diese Vorausschau fällt zusammen mit den 2 Scenarien für das Jahrzehnt 14, die von den anderen Blickwinkeln
12. http://de.wikipedia.org/wiki/Human_Development_Index
13. Alternatives Economiques – L’état de l’économie 2010 - Hors série N°84 – 2ème trimestre 2010 - p.90
14. F. Biancheri – Crise Mondiale ; En route pour le monde d’après – Anticipolis 2010

MAP
-13-

der Analyse handeln (Wirtschaft, Politik usw.).
Die ersten « aufgegebenen Länder » 15 des Jahrzehnts liegen zum einen
im Mittleren Osten (Afghanistan, Irak, Pakistan, Iran, Georgien, Jemen),
sowie im sub-saharischen und Äquatorial-Afrika (von Guinea-Bissau bis
Somalia, einschliesslich Burundi, Rwanda, Kongo, Zimbabwe, Malawi,
Uganda) und in Asien  (Bangladesh, Népal, Maldiven, Sri Lanka, Nordkorea, Tadjikistan) sowie die Salomon Inseln und Haïti.

2010-2011 
- Die Länder oder politischen Gruppierungen entwickeln unabhängig
voneinander ihre eigene Strategie der Ersetzung oder Wirtschaft im Bezug auf Energie (erneuerbar oder nicht): das ist der Abschnitt „Energie
für sich selbst“.
- Diese Länder kooperieren, um Raubbau, Handel und Beförderung energiefreier Rohstoffe weiterhin zu gewährleisten: das ist der Abschnitt
„Rohstoffe für alle“. Beidseitige Handelsabkommen häufen sich. Die
WTO verliert an Einfluss.
- die Realpolitik funktioniert und gewährleistet die Hegemonie der
Industrieländer (somit wird auch die politische Meinung der Öffentlichkeit abgesichert), zum Nachteil der schwächsten Länder, deren Bevölkerung während des kompletten Jahrzehnts weiterhin unter einem
immer weiter wachsenden Opfer leidet.

2012-2014 
- In den „geopferten Ländern“ geschehen immer häufiger humanitäre
Katastrophen.
- Die Uno und die Neugründung der Weltordnungspolitik sind noch
immer paralysiert. Einsätze der Blauhelme werden immer seltener und
kleiner.
- Die Kosten für die Umweltschäden werden nur von denen bezahlt,
die es auch wirklich wollen: die internationale Hilfe wird nur im Falle
einer Katastrophe großen Ausmaßes freigegeben und der Betrag bleibt
auf einem konstanten jährlichen Niveau, während die Probleme immer häufiger werden, es reicht aber, um die öffentliche Meinung in
anderen Ländern zu unterdrücken. Was aufgrund fehlender Gelder nicht
repariert werden kann, wird es einfach nicht. Daraus folgt eine langsame Verschlechterung aller Infrastrukturen in allen Ländern (allerdings auf unterschiedlichen Niveaus). Durch diese Langsamkeit können
die „Entscheidungsträger der Wirtschaft“ ihre dominierende Position
über die Völker noch eine Zeit aufrecht erhalten.

2015-2016 
15. Bilan Géostratégie – Edition 2010 – Hors Série Le Monde – p.170

MAP
-14-

FuturHebdo („Zukunftswoche“)
ist die Internet-Entdeckung
dieser ersten Ausgabe des
“Magazine d’Anticipation Politique” (Magazin für Politische
Antizipation).
FuturHebdo ist die Zeitschrift
zu unserer unmittelbaren Zukunft. Gestaltet als hypothetische
Zeitung mit kurzen Berichten,
möchte FH unseren Alltag, wie
er in einigen Jahrzehnten stattfinden
könnte,
erkunden.
2006 gegründet, bringt FH jede
Woche einen Artikel, dessen Inhalt eine populäre Darstellung
von sozialen, medizinischen,
wirtschaftlichen und politischen
Themen ist.

09.11.2060
Umstrittene Küstenlinien
von Olivier Parent*
Übersetzung : Lucia Fallaha

Der Weltkongress der Geografen
(WKG) tagt ab morgen für fünf
Tage in Bombay, Indien. Diese
Nicht-Regier ungsorga nisat ion
hat sich als Ziel gesetzt, als unabhängige Organisation die geoökonomischen, geo-politischen,
demographischen und industriellen Auswirkungen … des Anstiegs des Meeresspiegels auf
der Erde zu verfolgen. Was die
Meeresgrenzen betrifft, sind Satellitenbilder das unverzichtbare
Werkzeug des Geographen. Verträge, die die politischen Grenzen festlegen, sind ein weiteres.
Wir müssen feststellen, dass sich
die Rolle des WKG nicht mehr
auf die statische Darstellung der

- Erneut Dürre und Massenunruhen wegen Hunger im Maghreb, anhaltende politische Krise, die Zentralmacht wird schwächer
- Katastrophale Überschwemmungen in China ; Krise in den Grenzgebieten im Nordosten Chinas
- Massive Auswanderung und Ausbreitung sozialer Unruhen von Zimbabwe und Malawi nach Mosambik, Madagaskar, Botswana, Südafrika,
Sambia
- Vergrößerung des Einflusses auf die Umwelt pro Einwohner bis 2050 :

° starker Rückgang des ökologischen Fußabdrucks in Europa,
der die Vergrößerung des ökologischen Fußabdrucks in den unterentwickelten Ländern nicht ausgleicht

° der ökologische Fußabdruck der USA vergrößert sich trotz
Konsumrückgang: die Bevölkerung wächst (vor allem durch
Auswanderer) und orientiert sich am westlichen Lebensstil

2017 
Mehrere Indianerstämme aus dem Amazonasgebiet, die sich wegen der
durch Ölgewinnung entstandenen Umweltschäden seit 2009 in einer
offenen Rebellion gegen die Regierungen Perus und Brasilien befinden,
verursachen eine Unterbrechung des kumulierten Abbaus von mehreren Monaten; es folgt eine massive und blutige Niederschlagung.
Die Europäische Union protestiert, doch weder die USA noch China reagieren. Der Sicherheitsrat der UNO hat noch immer kein Mandat, um
im Falle massiver Zerstörung der Umwelt durch ein Land einzugreifen.

2018 
Mehrere Staaten Mittelamerikas erleiden eine Serie starker Hurrikans,
Überschwemmungen und Erdrutsche; die Präsidentschaftswahlen in
Mexiko werden durch Aufstände gestört: die Bevölkerung hat jedes
Vertrauen in die Zentralregierung verloren.

2019 
Das nordkoreanische Regime zerfällt 6 Monate nach dem Tod von Kim
Jong Il. Durch die Öffnung der Grenzen wird der internationalen Ge-

MAP
-15-

Umrisse der Länder und Nationen
unseres Planeten beschränkt.
Der Meeresspiegel steigt nicht
gleichmäßig auf dem ganzen Globus an. Ursachen dafür sind Volumen, Temperatur (die variable
Ausdehnungen des Wasservolumens verursacht), Meeresströmungen … (siehe dazu FH/YVA
du 19/01/2059: Ports à sec ou à
l’abri ?)
Die Erhöhung des Meeresspiegels
wird ab 1978 berechnet, dem
Beginn der Überwachung des
Meeresspiegels durch Satelliten.
Aber obwohl das Satellitenbild
eine präzise Bestandaufnahme
ermöglicht, kann man nicht für
alle Küsten automatisch verwahren … Man muss manchmal
einen bestimmten Anstieg als
zufällig oder temporär ansehen.
Das ist eine menschliche Entscheidung, eben eine der Aufgaben
des Geographen.
Einer anderen Aufgabe möchte
sich der Kongress der Geografen
annehmen: dies ist eine offizielle
Abbildung der Küsten, ein einmaliges, validiertes Küstenprofil.
Aber die Staaten, insbesondere
die Küstenstaaten, möchten
davon nichts hören. Mit gutem
Grund: eine Änderung der
Oberfläche des nationalen Territoriums wäre ein starkes
politisches Werkzeug für diejenigen, die Daten und Statistiken in
einen Vorteil verwandeln wollen.
Eine
vorteilhafte
Grenzziehung könnte eine Erhöhung
der Produktivität verursachen
oder könnte eine kontinentale
Stadt in einen Seehafen an einer
Flussmündung verwandeln: die
Mündung wäre etliche Kilometer
ins Landinnere verlegt.

meinschaft ein katastrophaler Ernährungszustand offen gelegt, schlimmer als man bis hierhin angenommen hatte. 16

2020 
- Die Situation der folgenden Länder wird als äußerst kritisch wahrgenommen( d.h. Staatszerfall im Falle einer plötzlichen Katastrophe):
Mongolei, Indonesien, Philippinen, Äquatorialguinea, Mexiko, Peru.
- Der Index der weltweiten menschlichen Entwicklung (HDI) stagniert,
trotzdem steigt er in den Industrieländern weiter
- 500 000 Tote pro Jahr in den USA aufgrund von Luftverschmutzung
- Keines der „geopferten Länder“ des Jahrzehnts verfügt mehr über
eine Zentralregierung mit einer soliden Macht. Es sind nur noch Kriegsführer, Bandenchefs und Führer kleiner Teile, die einige begrenzte
Zonen des Landes kontrollieren, vorhanden.

Nel 2050 auf der Welt 
- 4,7 Milliarden Menschen leiden an Hunger ;
- 88% der jährlichen Sterberate hängt mit Unterernährung zusammen
- 2 Milliarden Menschen auf der Welt haben keinen gesicherten Zugang
zu Trinkwasser

Gegen solche Manipulation
kämpfen die Geografen. Sie verlangen, dass eine sinnvolle Neutralität eine Garantie bietet für
eine gerechten Grenzziehung des
neuen Profils, das sich im Lauf
der Jahre abzeichnet und wieder
verändert, trotz der kolossalen
weltweiten Anstrengungen, die
Auswirkung unserer Zivilisation
auf die Umwelt zu reduzieren.
Aber die Staaten scheinen
nicht dazu bereit zu sein, diese
außergewöhnliche Waffe aufzugeben: einen Meeresspiegel,
der auf Wunsch schwankt. Einige
dieser Staaten haben keine Bedenken, einen unverschämten
Zynismus gegenüber den Bevölkerungen an den Tag zu legen,
die Opfer eben dieses Anstiegs
des Meeresspiegels sind. Aber
es scheint, dass die Staatsräson
wichtiger ist als das Menschliche.

*

Olivier Parent ist Regisseur
(www.olivierparent.fr) und Autor. Er
interessiert sich für die Geschichte
der Menschheit im engeren Sinne, für
Zeitgeschichte oder für Zukunftsgeschichte quer durch alles, was zum
Thema Antizipation geschrieben wird
und immer wieder einen neuen Blick
auf unsere eigene Gegenwart bietet.
16. http://de.wikipedia.org/wiki/Nordkorea

MAP
-16-

Journalismus, Erkundung und Antizipation sind die wichtigsten Gebiete seiner Arbeit als Autor.

Lateinamerika / Vereinigte Staaten: das Jahrzehnt, das
die Emanzipation festigt
von Sébastien Rouxel*
Übersetzung : Stefan Wrabetz

Für die US-amerikanische Industrie sind Lateinamerika und die karibischen Insen wegen des Panamakanals und der Rohstoffe von herausragender strategischer Bedeutung. Auch als nahegelegener und
leicht zugänglicher Markt und Quelle billiger Arbeitskräfte sind sie für die USA wichtig. Der amerikanische Präsident James Monroe brachte die hegemonialen Absichten seines Landes sehr deutlich zum
Ausdruck, als er Lateinamerika als „Hinterhof der Vereinigten Staaten Amerikas“ bezeichnete und
erklärte, dass es als solcher ausschließlich amerikanischem Einfluss unterworfen sein müsse. Diese
Haltung aus dem Jahr 1823 ist zu einer wahrhaftigen Doktrin der Außenpolitik geworden, die heute
als Monroe-Doktrin bezeichnet wird. Bei der Betrachtung der Vorgänge in Lateinamerika wird der
aktuelle (und künftige) Rückgang der amerikanischen Macht sichtbar.
Die Einrichtung der Union Südamerikanischer Nationen (UNASUR) am 23. Mai 2008 konkretisierte die Bestrebungen Lateinamerikas und der karibischen Inseln, sich zusammenzuschließen. Diese Union ist das Ergebnis
eines langen Prozesses, der durch die Nähe der Kulturen gefördert, vor allem aber durch die heutige außenpolitische Realität notwendig wurde. Zu den Faktoren dieser Realität zählen der Übergang einer bipolaren
in eine multipolare Welt nach dem Ende des kalten Krieges, die Globalisierung und die von der EU unterstützte Änderung der Machtverteilung zwischen Staat und multinationalen Konzernen. Die UNASUR ging aus
der Zusammenführung der Andengemeinschaft CAN mit dem MERCOSUR hervor und stellt gewissermaßen
den Gegner der Amerikanischen Freihandelszone (FTAA) dar, deren Vorhaben sie verteileln soll. So bestand
beispielsweise der Präsident Mexikos (Anrainerstaat der USA und vor allem bedeutender Handelspartner) bei
der Versammlung der UNASUR am 23. Februar 2010 darauf, den USA und Kanada keinen Beitritt zu der Gemeinschaft zu gewähren.
Die kommenden zwei Jahre werden für das Voranschreiten der regionalen Integration ausschlaggebend sein.
Zwei Faktoren, die den Prozess stark beschleunigen könnten, sind die Wahlen in Argentinien 2011 (mit negativen Auswirkungen im Falle eines pro-amerikanischen Kandidaten) und der Übergang Mexikos vom Gaststatus
zum ständigen Mitglied der UNASUR im Jahr 2012. Zudem würde ein Freihandelsabkommen zwischen Mexiko
und Brasilien und die daraus resultierende Erschließung eines 300 Millionen Menschen starken Absatzmarktes
wirtschaftlichen und politischen Aufschwung für Lateinamerika bringen.
Brasilien spielt innerhalb der UNASUR eine zentrale Rolle. Als international anerkanntes Schwellenland trägt es
zu der Glaubwürdigkeit und Stabilität bei, die diese Union braucht. Zudem wird Brasilien als ideales Vorzeigeland der UNASUR während der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und der olympischen Spiele 2016 auftreten.

Die Hauptziele der Union sind bei ihrer Festigung im Laufe des kommenden Jahrzehnts die Einführung
einer gemeinsamen Währung, eines eigenen Parlaments und eines lateinamerikanischen Verteidigungsrates. Die
regionale Eingliederung wird sich durch den zunehmenden Austausch der Hauptressourcen der einzelnen Länder
(Energie – Venezuela, Lebensmittel – Argentinien und Brasilien, Gesundheit – Kuba) auszeichnen. Zu Afrika

* Sébastien Rouxel ist Ingenieur und arbeitet als Controller. Er interessiert sich besonders für Geschichte, Ökonomie
und Geopolitik.

MAP
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werden Beziehungen aufgebaut, wohingegen die bereits vorhandenen
Beziehungen zur EU und zu China vertieft werden.

Zunehmende Spannungen zwischen USA und UNASUR

Roman :
Der Haarteppichknüpfer,
Andreas Eschbach
von Marie-Hélène Caillol

Die konfliktreiche Geschichte zwischen den Vereinigten Staaten und
den Ländern Lateinamerikas/der Karibik sorgt auch heute noch für
angespannte Verhältnisse und gar offene Feindseligkeit letzterer gegenüber den USA. Dementsprechend nimmt der Wunsch nach Autonomie und Distanzierung von den USA immer mehr zu. Bezeichnend für
das sich ändernde Kräfteverhältnis auf dem amerikanischen Kontinent
war der fünfte Amerika-Gipfel am 18./ 19. April 2009, an dem sich
Präsident Obama und 34 lateinamerikanische/karibische Staatsoberhäupter beteiligten:
- Die USA konnte sich mit seinen Zielen nicht durchsetzen.
- Das Hauptthema des Gipfels war die Aufhebung des amerikanischen
Embargos gegen Kuba.
- Keiner der lateinamerikanischen oder karibischen Staaten unterzeichnete die Abschlusserklärung des Gipfels.
- Die Zeremonie der Deklarationsunterzeichnung wurde abgesagt.
- Der brasilianische Präsident Lula verkündete, dass ein weiterer Amerikagipfel ohne Kuba nicht möglich sei.
Diese neue außenpolitische Situation lässt vermuten, dass dem amerikanischen Kontinent eine Zeit der Ungewissheit bevorsteht.
Im Jahr 2010 haben die Spannungen in Lateinamerika und in der Karibik stark zugenommen. Bespiele hierfür sind die von UNASURMitgliedsstaaten verurteilten Staatsstreiche in Honduras und der
Putschversuch in Ecuador. Konflikte zwischen Kolumbien und Venezuela aufgrund der Entsendung von Soldaten in die Grenzregionen,
die Bewilligung der Nutzung von US-Militärbasen unter Vorwand der
Bekämpfung von Drogen und der FARC sowie die Einrichtung einer USMilitärbasis mit 10.000 Soldaten auf Haiti nach dem Erdbeben haben
ebenso zu den Spannungen beigetragen. All diese Ereignisse können
als Versuche seitens der USA verstanden werden, die ALBA (Bolivarianische Allianz für Amerika) zu destabilisieren und damit ihre Hauptgegner auszuschalten. Diese verdeckten Angriffe gelten besonders
gebürtigen Südamerikanern, die im Begriff sind, Machtpositionen einzunehmen und mit deren Beseitigung erneut pro-amerikanische Regierungen eingesetzt werden könnten. Die Militarisierung, die Putschversuche und die Konflikte zwischen amerikanischen Satellitenstaaten
und anderen UNASUR-Mitgliedern drohen in der kommenden Zeit,
weiter stark zuzunehmen.
Die gemeinsame Handelspolitik der UNASUR gegen Drittstaaten
und die Aufnahme Mexikos 2012 sind ein herber Schlag für die USA.

MAP
-18-

Übersetzung : Katrin Raiman

Jede Nummer der MAP bringt
einen europäischen Science-Fiction-Autor für seinen mit den
Methoden der politischen Antizipation vergleichbaren Ansatz
zur Geltung.
Andreas Eschbach ist ein
deutscher Science-Fiction-Autor, er wurde 1959 geboren
und seine Werke, die meisten
davon Bestseller, wurden in
mehrere Sprachen übersetzt.
Seine bekanntesten Werke:
„Das Marsprojekt“ (2001), „Der
letzte seiner Art“ (2003) und
„Ausgebrannt“ (2009). Dank
seines Erfolges hat Eschbach
der deutschen Science-FictionSzene neues Leben eingehaucht
und so können sich mittlerweile in seinem Schatten neue
deutsche Autoren einen Namen
machen.
In diesem Science-Fiction-Roman aus dem Jahr 1995 wird alles
in Milliarden gezählt: Milliarden
von Haarteppichen, Planeten, Jahren…
wir befinden
uns in einem
überdimensionierten Universum, das
von einem einzigen Mann regiert wird, dieser
ist natürlich unsterblich (das Geheimnis seiner fast unbegrenzten Macht): Der Kaiser, den noch
nie jemand gesehen hat, aber den
alle vergöttern und verehren…
aber nicht nur das.

Mexiko ist die zwölftgrößte Handelsnation der Welt (gemäß dem
BIP 2009) und bildet zusammen mit den USA und Kanada das weltweit größte Freihandelsgebiet (die NAFTA). Für nordamerikanische
Unternehmen ist dieses Land der bevorzugte Lieferant. Der stetige
Kursrückgang des Dollars und die allgemeine Spannungszunahme
zwischen den wirtschaftlichen Zusammenschlüssen der Welt werden
eine Verringerung des US-mexikanischen Handelsvolumens bewirken, woraufhin Mexiko sich an UNASUR-internen, europäischen und
asiatischen Märkten orientieren wird. Diese Umorientierung wird an
den Grenzen zunehmend zu Konflikten führen und letztendlich eine
Grenzschließung zwischen Mexiko und den USA bewirken. Unter dem
Deckmantel der Bekämpfung von Drogen, Waffenschmuggel und illegaler Einwanderung wird zwischen der UNASUR und den USA eine
physikalische Grenze (eine Mauer, die seit 1994 gebaut wird) entstehen, die gleichzeitig als Symbol für die Nord-Süd-Spaltung des Kontinents dient.
In Anbetracht des wirtschaftlichen Zusammenbruchs der USA und
ihrer übermäßigen internationalen militärischen Präsenz werden sie
gezwungen, sich auf einige strategische Ziele zu konzentrieren. Dazu
gehört vor allem der Panamakanal, ferner jedoch Lateinamerika als
Ganzes, ein Gebiet, das die USA weiterhin als ihren „Hinterhof“ betrachtet. Zwischen einem Satellitenstaat wie Kolumbien und den anderen
Mitgliedsstaaten der UNASUR könnte jederzeit aus nichtigen Gründen
ein bewaffneter Konflikt entstehen. Die Falklandinseln stellen ebenfalls einen potentiellen Krisenherd dar, da der dortige Erdölabbau unter britischer Schirmherrschaft einen Konflikt mit Argentinien und anderen Ländern der UNASUR auslösen könnte.
Das kommende Jahrzehnt wird für die Einigung Lateinamerikas große
Chancen bereithalten. Dennoch ist der Weg zur Verwirklichung vom
Traum Bolivars voller politischer Stolpersteine. Die Länder Lateinamerikas werden einen Weg finden müssen, ihre internen Probleme,
ihre unterschiedlichen Wirtschaftsordnungen und ihre außenpolitischen Streitigkeiten zu überwinden. Dennoch ist die Zeit reif für einen
Zusammenschluss, bei dem die größte Unbekannte die Fähigkeit der
Amerikaner ist, einen solchen de-facto Staat zu akzeptieren und sich
auf ihn einzustellen.
Der Niedergang des amerikanischen Imperiums bedeutet eine Umschichtung der weltweiten Machtverteilung, bei der die Ergebnisse
der beiden kommenden US-Wahlen (2013 und 2018) entscheidend sein
werden. Ebenso wird die zunehmend wichtige Rolle und Größe der
lateinamerikanischen Bevölkerung innerhalb der USA (derzeit 18%
oder 45 Millionen, mit einer Wachstumsrate von 40 % über 10 Jahre)
ein wichtiger Faktor in der mittelfristigen Entwicklung der Beziehungen zwischen Nord- und Südamerika sein.

MAP
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So fertigen auf Millionen von
Planeten seit Millionen von Jahren mehrere Millionen Weber
Haarteppiche aus den Haaren
ihrer Frauen und Nebenfrauen
an, um den „Sternenpalast“, in
dem der Kaiser lebt, zu dekorieren. Die Tradition, die auf blindem Gehorsam gegenüber dem
Kaiser beruht, erhält durch unaufhörliche Wiederholung diese
Gesellschaften aufrecht, die ausschließlich rund um diese seltsame Mission organisiert sind:
„Das Unheil trifft jeden, der anfängt, den Kaiser anzuzweifeln.“
Es ist alles gesagt !
Und dennoch, in einem so weitem
und so gut organisiertem Universum, in diesen so unveränderlichen Gesellschaften, was würde
passieren, wenn der Kaiser verschwindet ? Wer würde ihn wie
und nach wie viel Zeit retten ?
Dem Leben von jedem Einzelnen
einen absurden, aber einfachen
Sinn zu geben, der aufgrund von
Tradition und Aberglaube nicht
hinterfragt werden darf, das
höchste Wesen, nach dem das
ganze System strebt, bis zur Unendlichkeit fernzuhalten, nicht
nur das Individuum, sondern die
ganze Gesellschaft in der Unvergleichbarkeit verschwimmen
zu lassen, das sind die Mittel
des Übertotalitarismus, die uns
dieses kaf kaeske Buch liefert.
Im Zusammenspiel mit dem
Thema verfolgt der originelle
narrative Erzählstil die Geschichte verschiedener Personen,
und nur durch das Hinzufügen
verschiedener Sichtweisen, wie
zum Beispiel einem Kaleidoskop,
ist es möglich, die gesamte Geschichte zu verstehen.

MAP P
Magazin für Politische Antizipation
WINTER 2011

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