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Datum: 31.08.

2010

Passauer Neue Presse vom 18.03.2009

Lokales Passau Stadt

Sprachlosigkeit trotz neuem Digitalfunk


Im Einsatzfall können Passauer und österreichische Einsatzkräfte
nur behelfsmäßig kommunizieren

Jörg Klotzek Sie arbeiten regelmäßig eng zusammen und sprechen die selbe Sprache, doch
wenn's hoch hergeht, herrscht Funkstille. Denn die Feuerwehren diesseits und jenseits von
Donau und Inn funken nicht auf gleicher Wellenlänge - daran wird wohl auch künftig der neue
Digitalfunk nichts ändern.

"Wenn der landesweite Digitalfunk kommt, müssen die jeweiligen Funkbereiche auch von und
nach Österreich freigegeben werden", fordert Stadtbrandrat Dieter Schlegl. Seit 2001 ist er
Passaus oberster Feuerwehrmann und genauso lange schon tritt er für gemeinsame
Funkfrequenzen ein.

"Wir helfen uns regelmäßig gegenseitig aus, bei Hochwasser, bei Schneebruch oder
Großbränden wie zuletzt beim Schwarzmüller in Saming oder beim Jesuitenschlössl in der
Innstadt - und jedes Mal können wir nur behelfsmäßig kommunizieren." So passiere es immer
wieder, dass der Löschzug Innstadt als einer der ersten vor Ort in Österreich ist, doch auf der
Fahrt zum Einsatz können die Feuerwehrler nicht, wie es sonst üblich ist, über die Lage
informiert werden. "Auch wenn die Schardenberger oder Freinberger uns zu Hilfe eilen,
müssen alle erst warten, bis wir jeweils einen Kameraden mit Handfunkgerät dem anderen
Kommandanten zur Seite gestellt haben." Bis diese "Funk-Kameraden" ausgetauscht sind,
vergeht oft wertvolle Zeit.

Zeit, die lebensrettend sein kann. Deshalb hat Dieter Schlegl gehofft, dass mit Einführung des
neuen Digitalfunks via Satellit die Kommunikation mit dem Nachbarn optimiert wird - da ja
beide Seiten die gleiche Sprache sprechen. Doch Bayern und Österreich setzen zwar aufs
gleiche Digitalsystem (Tetra), doch auf andere Endgeräte. Während im Freistaat Funkgeräte
der finnischen Marke Nokia im großen Stil angeschafft werden sollen, sind es in Österreich
französische Motorola-Geräte. Beide sind nicht kompatibel.

Unterstützung in seiner Forderung nach gleicher Wellenlänge erhält Passaus Stadtbrandrat


von Max Helm. "Ich bin der gleichen Meinung wie Dieter Schlegl", sagt der
Bezirksfeuerwehrkommandant von Schärding, vergleichbar einem Kreisbrandrat auf
bayerischer Seite. "Spätestens wenn der Digitalfunk kommt, muss wechselseitiges Sprechen
möglich sein", fordert Max Helm.

Die Funkproblematik im Grenzgebiet kennt nicht nur die Feuerwehr. Auch die Ersthelfer, die
von der BRK-Rettungsleitstelle Passau aus koordiniert werden, müssen sich "auf dem kleinen
Dienstweg helfen", wie Leitstellenchef Hubertus Ammer berichtet. So habe man dem

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Notarztwagen im österreichischen Schärding leihweise ein Funkgerät übergeben, weil der


Notarzt bei Notfällen auch im Raum Neuhaus hilft.

Hubertus Ammer nennt ebenfalls die Explosion im Juni 2008 im Anhänger-Werk


Schwarzmüller an der Stadtgrenze zu Passau als Beispiel, wenn er die mangelhafte
Kommunikation bemängelt. Österreichische Notarztwägen seien mit Verletzten ins nächste
Krankenhaus geeilt, in diesem Fall das Klinikum Passau, doch die Kommunikation musste
umständlich über die ÖRK-Leitstelle Ried zur BRK-Leitstelle Passau erfolgen. "Wenn es im
Katastrophenfall zu Verkehrsstaus käme, könnten wir die Einsatzfahrzeuge nicht einmal
lotsen, obwohl sie quasi vor unserer Haustüre sind."

"Das gleiche Problem ist auch an der Grenze zu Belgien aufgetaucht", sagt Holger Plank,
Sprecher des Bayerischen Innenministeriums in München. Auch dort seien unterschiedliche
Funkgeräte im Einsatz, die keinen wechselseitigen Betrieb ermöglichen. "Wir arbeiten an einer
Lösung", verspricht Plank.

Es müsse eine Schnittstelle gefunden werden, die unterschiedliche Gerätetypen kompatibel


mache. Das sei gar nicht so einfach. Dennoch: Wenn ab 2012 der Digitalfunk bayernweit
eingeführt werde, sollen nicht nur der überaltete analoge Sprechfunk, sondern auch die
digitale Sprachlosigkeit der Einsatzkräfte der Vergangenheit angehören.

Jörg Klotzek

(c) Neue Presse Verlags-GmbH

2295519, PNP, 18.03.2009, Words: 525, NO: 29 23409155

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