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Praktische Elektronik 4-1 Hans-Hellmuth Cuno

IV. Operationsverstärker

IV.1 Daten von renz zwischen den Eingängen bei ei-


Operationsverstärkern ner Ausgangsspannung Uaus = 0 V
a) Auswahl eines Operationsverstär- und unbelastetem Ausgang. Diese
kers Spannung addiert sich als Fehler zur
Die wichtigsten Kriterien für die Aus- Signalspannung an den Eingängen
wahl eines Operationsverstärkers und kann von dieser nicht unterschie-
sind geforderte Genauigkeit und die den werden. Die Offsetspannung soll
Bandbreite der Schaltung. Aus der darum möglichst klein sein.
Genauigkeit und der Größe der Ein-
gangssignale geht der zulässige Ein- Die Angabe der Offsetspannung im
gangs-Spannungsfehler hervor. Die- Datenblatt gilt für den Operationsver-
ser setzt sich zusammen aus der Ein- stärker ohne Nullabgleich. Eine von
gangs-Offsetspannung und dem Haus aus sehr kleine Offsetspannung
Spannungsabfall des Eingangs-Ruhe- kann dem Anwender den arbeitsin-
stroms am Innenwiderstand der tensiven Abgleichvorgang und ein Po-
Schaltung. Bei der Bandbreite prüft tentiometer ersparen. Dies kann den
man die Schleifenverstärkung des se- Einsatz eines besseren, teureren Ver-
lektierten Verstärkers an der Ober- stärkers rechtfertigen.
grenze des Frequenzbereichs. Durch
gegenseitiges Abwägen dieser Werte Bei den meisten Operationsverstär-
für verschiedene Verstärker und ei- kern läßt sich die Offsetspannung mit
nen Seitenblick in die Preisliste muß einem Potentiometer exakt auf 0 V
man den optimalen Kompromiß fin- abgleichen. Mit und ohne Nullab-
den. Leider haben diese 3 Parameter gleich sind Temperaturkoeffizient und
eines Verstärkers gegenläufige Ten- Langzeitkonstanz der Eingangs-
denz. Offsetspannung wichtig, um die Ge-
nauigkeit temperaturunabhängig und
Sind die Eingangsspannungen ex- auf Dauer zu erhalten.
trem klein, so muß auch das Rau-
schen berücksichtigt werden. Die Der exzellente Operationsverstärker
Rauschdaten und Rauschberechnung OP27 hat beispielsweise folgende
von Operationsverstärkern werden in Spezifikationen für die Eingangs-
Abschnitt VI.5 behandelt. Offsetspannung UEOS:

b) Eingangs-Offsetspannung (Input ungetrimmter Wert:


Offset Voltage): UEOS 30 (< 60) µV
(Eingangs-Nullspannung) Temperaturkoeffizient:
0,2 (<0,6) µV/ K
Die Eingangs-Offsetspannung (kurz: Langzeitstabilität:
Offsetspannung) eines Operations- 0,2 (<0,6) µV/Monat
verstärkers ist die Spannungsdiffe-
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c) Eingangsstrom (Input bias current):


IE
Der Eingangsstrom ist der im linearen
(= nicht übersteuerten) Betrieb in die
Eingänge fließende Strom. Dieser
Strom ist beim idealen Operationsver-
stärker = 0, erreicht aber bei Operati-
onsverstärkern mit bipolaren Ein-
gangstransistoren Werte im nA bis Abb. 4-1: Biasstrom Kompensation
µA-Bereich. Der Spannungsabfall des
Eingangsstroms am Innenwiderstand R1 ⋅ R2
der Schaltung bewirkt eine Abwei- Rk = ( R1|| R2 ) =
R1 + R2
chung vom Idealwert ohne Eingangs-
strom. Entsprechend der zulässigen zwischen den + Eingang und Masse,
Abweichung muß ein Verstärker mit so tritt an ihm durch den Eingangs-
ausreichend kleinem Eingangsstrom strom des + Eingangs eine gleich
ausgewählt werden. große Fehlerspannung auf. Die bei-
den Fehlerspannungen heben sich
Operationsverstärker mit Feldeffekt- damit auf. Das funktioniert aber nur
Eingangstransistoren haben Ein- bei exakt gleichen Eingangsströmen
gangsströme bis unter 1 pA. Dies des + und - Eingangs, also einem
geht allerdings mit deutlich schlechte- verschwindenden Eingangs-Offset-
ren Werten für die Eingangs- strom.
Offsetspannung einher. Der Kondensator parallel zum Kom-
pensationswiderstand Rk verhindert
d) Eingangs-Offsetstrom (Input offset in hochohmigen Schaltungen eine ka-
current). IEOS (Eingangs-Nullstrom) pazitive Rückkopplung auf den + Ein-
gang.
Der Eingangs-Offsetstrom (kurz:
Offsetstrom) ist die Differenz der Ein- e) Leerlaufspannungsverstärkung
gangsströme der beiden Eingänge (Voltage gain): Vo
des Operationsverstärkers. Ein klei- Alle für den Operationsverstärker ab-
ner Wert des Offsetstroms ist deswe- geleiteten Formeln gelten exakt nur
gen wichtig, weil durch eine zweck- für den "idealen" Operationsverstär-
mäßige Beschaltung des Operations- ker mit unendlich großer Leerlaufver-
verstärkers der Einfluß der Eingangs- stärkung Vo. Eine endliche
ströme kompensiert werden kann. Leerlaufverstärkung führt zum Auftre-
Diese soll am Beispiel eines invertie- ten einer Spannung ∆ U zwischen
renden Verstärkers erläutert werden: den Eingängen, wenn Uaus verschie-
den von O V wird:
Der Eingangsstrom des - Eingangs
erzeugt am Innenwiderstand des ∆ U = Uaus/ V o
Spannungsteilers R1, R2 eine Fehler- Beim OP-27:
span- nung, die sich zur richtigen ∆ U= 10 V/ 1,5 ⋅ 106 = 6,66 µV
Spannung addiert. Sie ist gleich dem
Eingangsstrom mal dem Innenwider- Diese kleine Spanungsdifferenz stört
stand Rk. Legt man nun einen Wider- nur bei höchstpräzisen Schaltungen.
stand mit dem Wert
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Eine große Leerlaufverstärkung ist pensierten Operationsverstärker geht


vor allem wichtig bei einer hohen deswegen von einer bestimmten Fre-
Außenverstärkung Va . Die Schleifen- quenz an linear mit einer Steilheit von
verstärkung Vs ist gleich der Leerlauf- 6 dB/Oktave zurück. In diesem Be-
verstärkung Vu mal der "Verstärkung" reich sinkt bei einer Verdopplung der
Vg des Gegenkopplungsnetzwerks. Frequenz die Leerlaufverstärkung auf
Alle Fehler des Operationsverstärkers die Hälfte ab. Das Produkt aus bei-
werden um den Wert von Vs verklei- den, das Verstärkungs-Bandbreite
nert, so daß 1/V s eine Abschätzung Produkt, ist daher konstant.
für die vom Operationsverstärker her- Die Leerlaufverstärkung am oberen
rührenden Fehler der Schaltung an- Ende der Bandbreite ist damit einfach
gibt. GBW/Maximalfrequenz. Für eine aus-
reichende Genauigkeit der Schaltung
muß die Außenverstärkung der
Schaltung mindestens 15 dB (Faktor

Abb. 4-3: 10000-fach Verstärker

Der Verstärker in Abb. 4-2 hat eine


Außenverstärkung von 104 . Die
Schleifenverstärkung
der Schaltung beträgt:

Vs = V u ⋅ Vg = 1,5 ⋅ 106 ⋅ 10-4=


= 1,5 ⋅ 102.
Der Fehlerliegt also im Bereich von Abb. 4-2: Frequenzgang der
ca. 1/150, also um 0,66 %. Leerlaufverstärkung Vo

Abb. 4-3 zeigt das Absinken von Vo 6) unter dieser Grenze bleiben. In
mit steigender Frequenz. Bei der ma- Abb. 4-3 sind die GBW-Produkte des
ximalen Arbeitsfrequenz der Schal- OP-27 (ca. 5 MHz) und des OP-37
tung muß genügend Schleifenver- (ca. 40 MHz) markiert.
stärkung bleiben, um die nötige Ge- Operationsverstärker, wie auch der
nauigkeit einzuhalten. OP27, sind normalerweise so fre-
quenzkompensiert, daß sie bei Vg = 1
f) Verstärkungs-Bandbreite Produkt stabil sind. Dafür muß der lineare Ab-
Gain-Bandwidth Product: GBW fall von Vo mit der Frequenz sich bis
Die Stabilitätsbedingung nach Nyquist zur Frequenz GBW erstrecken (V o =
sagt aus, daß für Stabilität einer 1). Deutlich höhere Leerlaufverstär-
Schaltung die Schleifenverstärkung kungen sind möglich, wenn sich der
bei zunehmender Frequenz mit 6 - 12 lineare Verstärkungsabfall nur bis zu
dB/Oktave zurückgehen muß. Die einer Frequenz erstreckt, bei der Vo
Leerlaufverstärkung aller intern kom- noch über 1 liegt. Für Stabilität darf
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die Schleifenverstärkung bei dieser sorgungsspannungen und ist daher


Frequenz maximal den Wert 1 haben besonders wichtig bei der Verstär-
und das Gegenkopplungsnetzwerk kung sehr kleiner Eingangssignale.
muß entsprechend dämfen. Die
Außenverstärkung hat dann minde- Eine Änderung der Betriebsspannung
stens den Wert von Vo bei dieser Fre- wirkt auf alle Stufen des Verstärkers,
quenz. wobei die Eingangsstufe am empfind-
Der Operationsverstärker OP-37 ist lichsten ist. Die Betriebsspannungs-
für eine minimale Außenverstärkung unterdrückung gibt an, um wieviel
von 5 kompensiert. Er hat dadurch im schwächer eine Änderung der Be-
Bereich des linearen Verstärkungsab- triebsspannung auf den Ausgang
falls die 5-fache Leerlaufverstärkung wirkt als eine Spannung zwischen
des OP-27 und den 5-fachen Wert den Eingängen. Hochwertige Operati-
von GBW. Entsprechend können Ge- onsverstärker haben Betriebsspan-
nauigkeit, Außenverstärkung oder nungs- unterdrückungen von 80 - 120
Bandbreite um diesen Faktor verbes- dB. Auch diese Unterdrückung sinkt
sert werden. mit wachsender Frequenz, was sich
aber durch eine kapazitive Ab-
g) Gleichtaktunterdrückung (Common blockung der Versorgungsspannung
mode rejection ratio): CMRR entschärfen läßt.
Trotz großen schaltungstechnischen
Aufwands hat die Eingangs- i) Anstiegsgeschwindigkeit (Slew rate
Gleichtaktspannung realer Operati- SR): dUA/dt
onsverstärker einen kleinen Einfluß Durch die internen Kapazitäten der
auf die Eingangsstufe des Verstär- Schaltung und die Ergiebigkeit der in-
kers. Die Gleichtaktunterdrückung ternen Stromquellen kann sich die
gibt an, um wieviel schwächer eine Ausgangsspannung nur mit einer ge-
Gleichtaktspannung an den Eingän- wissen Maximalgeschwindigkeit än-
gen auf den Ausgang wirkt als eine dern. Die Anstiegsgeschwindigkeit
Spannung zwischen den Eingängen. wird in V/µs angegeben. Bei geringer
Verstärkung und großem Hub der
Eine hohe Gleichtaktunterdrückung Ausgangsspannung begrenzt die An-
ist bei allen Anwendungen mit stiegsgeschwindigkeit die obere
Gleichtaktspannungen wichtig, z.B. Grenzfrequenz einer Schaltung.
beim nichtinvertierenden und beim
Differenzverstärker. Hochwertige j) Maximale Ausgangsspg.: UASS
Operationsverstärker haben Eingangsgleichtaktbereich: UEG
Gleichtaktun- terdrückungen von 80 - Der heutige Standard für Operations-
130 dB. Leider sinkt die Unter- verstärker und analoge Funktionsmo-
drückung mit wachsender Frequenz. dule spezifiziert Betriebsspannungen
von ± 15V und einen Signalbereich
h) Betriebsspannungsunterdrückung von ± 10 V. Das heißt, daß die Aus-
(Power supply rejection ratio): PSRR gänge auch mit Belastung einen
Die Betriebsspannungsunterdrückung Spannungshub von mindestens ± 10
wird beim Einsatz von Operationsver- V erreichen müssen. Typische Werte
stärkern gerne übersehen. Sie elimi- liegen bei ± 11 V bis ± 13 V mit einem
niert den Einfluß instabiler, auch unter Last garantierten Minimal-
verbrummter oder rauschender Ver- wert von ± 10 V.
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Diesem Ausgangsspannungshub Mit Hilfe der in Kapitel II.5a beschrie-


müssen die Eingänge folgen können. benen Schaltungstechnik kann man
Zum Beispiel beim Spannungsfolger Gleichtaktbereiche erzielen, welche
können die Eingänge im Betrieb den beide Versorgungsspannungen ein-
vollen Spannungsbereich durchlau- schließen. Solche Eingänge werden
fen. Dementsprechend beträgt der als rail-to-rail Eingänge bezeichnet.
Eingangsgleichtaktbereich typisch ± Legt man den Ausgang mit Transisto-
11 V bis ± 13 V mit einem Mindest- ren in Emitterschaltung an den Ver-
wert von ± 10V. Eine spezielle Schal- sorgungsspannungen aus, so können
tungsauslegung kann den diese den Ausgang bis zu ihrer Sätti-
Eingangsgleichtaktbereich bis zur ne- gungsspannung an die Versorgungs-
gativen Versorgungsspannung erwei- leitungen ziehen, also bis auf ca. 150
tern (siehe II.5). Dies ist für batterie- mV. Solche rail-to-rail Ausgänge sind
gespeiste Geräte wichtig, in denen hilfreich beim Betrieb an kleinen Ver-
man mit einer Betriebsspannung aus- sorgungsspannungen.
kommen muß. RRIO (rail-to-rail input/output) Ver-
stärker kombinieren diese beiden Ei-
genschaften.
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IV.2 Operationsverstärker-Schal-
tungen

Die nachfolgenden Schaltungen sol-


len möglichst verschiedenartige An-
wendungen aufzeigen und stellen
eine willkürlich getroffene Auswahl
dar. Einige Schaltungen von Strom-
quellen und aktiven Filtern folgen
noch in den jeweiligen Kapiteln. Die
Formeln werden nicht theoretisch her-
Abb. 4-6: Strom-Spannungs Wandler
geleitet. Zum Ausgleich wird in Ab-
schnitt IV.3 die Berechnung von
durch den Widerstand R zum Aus-
Operationsverstärker Schaltungen
gang abgeleitet. Der ganz große Vor-
beschrieben.
teil dieser Schaltung liegt im
Weitere Schaltungen finden sich in
verschwindend kleinen Spannungs-
Kapitel VII: Stromquellen.
abfall bei der Strommessung, der in
einem sehr kleinen Eingangswider-
a) Invertierender Verstärker
stand resultiert. Sein Wert beträgt
R/Vo .

c) Nichtinvertierender Verstärker

Abb. 4-5: Invertierender Verstärker

Beim invertierenden Verstärker fließt


durch R1 Strom zum - Eingang. Der
Verstärker gibt eine solche Aus- Abb. 4-4: Nichtinvertierender
gangsspannung Uaus ab, daß der - Verstärker
Eingang auf Massepotential bleibt
und der Strom durch R2 zum Aus- Die Eingangsspannung liegt direkt am
gang abfließt. Die Schaltung hat den hochohmigen + Eingang. Die Aus-
Eingangswiderstand R1 gangsspannung stellt sich so ein, daß
die durch R1 / R2 heruntergeteilte
b) Strom-Spannungs Wandler Spannung gleich der Eingangsspan-
Im invertierenden Verstärker wandelt nung ist. In dieser Schaltung tritt eine
R1 die Eingangsspannung in einen Gleichtaktspannung auf, die gleich
Strom um. Läßt man einen Strom di- der Eingangsspannung ist.
rekt zum - Eingang fließen, so wird er
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d) Spannungsfolger Schaltung stets auf Massepotential


fest, dadurch können keine Rückwir-
kungen zwischen den Eingängen auf-
treten. Die Schaltung ist prädestiniert
für Mischpulte etc.

f) Integrierer und Differenzierer

Abb. 4-8: Spannungsfolger

Im Spannungsfolger wird die Aus-


gangsspannung exakt der Eingangs-
spannung nachgeführt. Er wird als
Impedanzwandler mit sehr großem
Eingangs- und sehr kleinem Aus- Abb. 4-10: Integrierer
gangswiderstand eingesetzt. Die
Gleichtaktspannung überstreicht den Ersetzt man im invertierenden Ver-
vollen Signalbereich. Die Schleifen- stärker einen der beiden Widerstände
verstärkung ist gleich der Leerlaufver- durch einen Kondensator C, so ent-
stärkung, was hohe Forderungen an stehen der Integrierer und der Diffe-
deren Frequenzgang stellt. renzierer. Im Integrierer sitzt C im
Gegenkopplungszweig und wird mit
e) Summierer dem Strom Uein / R aufgeladen. Die
Ausgangsspannung ist exakt gleich
dem Integral über die Eingangsspan-
nung bzw. des Eingangsstroms.

Abb. 4-9: Summierer

Gibt man dem invertierenden Verstär-


Abb. 4-7: Differenzierer
ker mehrere Eingänge, so muß der
Ausgang die Summe der Ströme ab-
Im Differenzierer wird der Widerstand
leiten und die Ausgangsspannung
R1 des invertierenden Verstärkers
gibt die Summe der Eingangsspan-
durch einen Kondensator C ersetzt.
nungen wieder. Der Verstärker hält
Änderungen der Eingangsspannung
die Spannung am Summierpunkt der
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werden am Kondensator C in einen


Strom umgesetzt, der an R die Aus-
gangsspannung hervorruft. Die Schal-
tung hat die Komplikation, daß im
Gegenkopplungsweg ein RC-Glied
liegt, das einen Verstärkungsabfall
von 6dB/Oktave hat. Zusammen mit
den 6dB/Oktave des Verstärkers
selbst liegt man damit an der Grenze
der Stabilität gemäß Nyquist. Für kon-
trolliertes Verhalten müssen R’ und C’
eingefügt werden, welche die Schlei-
fenverstärkung leicht anheben, leider
aber die obere Grenzfrequenz der
Schaltung herabsetzen. Genaueres
hierzu siehe in Abschnitt IV.4.

Beim Vergleich der Eigenschaften


stellt man fest, daß der Integrierer
dem Ideal sehr nahe kommt, der Dif- Abb. 4-11 Komparator mit Hysterese
ferenzierer aber nicht. Will man die und mit Latch
Differentialgleichungen irgendwelcher
kers wird über einen Spannungsteiler
zeitlichen Vorgänge im Analogrech-
auf den +Eingang zurückgeführt, was
ner mit Operationsverstärker-Schal-
eine Mitkopplung bewirkt. Diese Hy-
tungen nachbilden, so wählt man
steresespannung ist gleich dem
immer die Ausführungsform mit Inte-
Spannungshub am +Eingang. Beim
grierern. Differenzierer werden nur
Umschalten des Ausgangs wird der
eingesetzt, wenn ihre Funktion unver-
Schaltpunkt des Komparators um die
zichtbar ist. Ein Beispiel dafür ist die
Hysteresespannung versetzt, was
Gewinnung der Geschwindigkeit aus
auch den Schaltvorgang beschleu-
einer ortsabhängigen Spannung.
nigt. Die Spannung am -Eingang muß
erst wieder um die Hysteresespan-
g) Komparator
nung absinken, damit der Komparator
Ein Komparator ist ein schneller Ope-
zurückschaltet. Erfahrungsgemäß rei-
rationsverstärker ohne Frequenzkom-
chen 5 - 10 mV zur Unterbindung von
pensation. Natürlich kann man auch
Oszillationen.
einen Operationsverstärker einset-
Benötigt die Anordnung den +Ein-
zen. Je nach der Spannung zwischen
gang, so kann man den Ausgang
den Eingängen schaltet der Ausgang.
auch auf den passenden Nullungs-
Kritisch wird es bei Spannungsgleich-
Eingang des Komparators führen.
heit der Eingänge. Die extrem hohe
Latch: Am Ausgang des Komparators
Leerlaufverstärkung führt bei Rau-
ist ein D-Flipflop angeschlossen, das
schen der Eingangsspannung und
beim ersten Schalten des Ausgangs
auch bei der geringsten Kopplung
gesetzt wird und gesetzt bleibt, bis es
vom Ausgang zum +Eingang zum
am R-Eingang zurückgesetzt wird.
Oszillieren des Ausgangs. Dagegen
Ein kleiner Nachteil ist die geringfügi-
gibt es 2 Abhilfen:
ge Verzögerung durch das Flipflop.
Hysterese: Der Ausgang des Verstär-
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h) Phasenschieber Allpaß i) Differenzverstärker

Abb. 4-11: Phasenschieber-Allpaß Abb. 4-12: Differenzverstärker

Die Schaltung verhält sich als Allpaß. Der Differenzverstärker verstärkt die
Die Verstärkung ist konstant, fre- Spannungsdifferenz zwischen seinen
quenzabhängig ist nur der Phasenun- beiden Eingängen um einen definier-
terschied zwischen Ein- und Aus- ten Faktor. Seine Eingänge sind nicht
gangsspannung. Am einfachsten ver- hochohmig und der + Eingang wirkt
steht man die Schaltungen durch Be- auf den - Eingang zurück. Seine
trachtung bei sehr tiefen und sehr Schaltung wird in Abschnitt IV.3 expli-
hohen Frequenzen: zit durchgerechnet.

Bei tiefen Frequenzen ist der Konden- Sehr gut eignet sich der Differenzver-
sator sehr hochohmig und man kann stärker zum Versatz von Gleichspan-
ihn völlig wegdenken. Die Eingangs- nungen. Die Schaltung hält die
spannung gelangt also unverfälscht Spannung zwischen Ausgang Uaus
auf den +Eingang des Operations- und Bezugsspannung Uref konstant,
verstärkers. Beide Enden des linken solange Gleichtakt- und Ausgangs-
Widerstands R1 liegen an der glei- spannungsbereich des Operations-
chen Spannung, dadurch ist dieser verstärkers eingehalten werden.
stromlos. Damit muß auch der rechte
Widerstand R1 stromlos sein und Damit löst man das Problem der An-
Uaus ist genau gleich Uein. steuerung von Digital-Panelmetern,
deren Eingangs-Bezugspunkt nicht
Bei sehr hohen Frequenzen ist der am Minuspol der Versorgungsspan-
Kondensator sehr niederohmig und nung liegt. Es wird einfach der Uref -
legt den +Eingang wechselspan- Anschluß an den Bezugspunkt gelegt.
nungsmäßig an Masse. Die Schal- Auch Erdschleifen können mit ihrer
tung arbeitet als invertierender Hilfe aufgetrennt werden.
Verstärker.

Einsatzgebiete dieser Schaltung sind


Filter und Entzerrer zur Kompensati-
on von Phasen- und Laufzeitabwei-
chungen.
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j) Instrumentenverstärker mit 3 Ope-


rationsverstärkern

Abb. 4-14: Instrumentenverstärker mit


Abb. 4-13: Instrumentenverstärker mit
2 Op.verstärkern
3 Op.verstärkern
kung zusätzlich erhöht werden, ohne
Ein Instrumentenverstärker ist ein Dif- ihn entfällt der rechte Term in der For-
ferenzverstärker mit hochohmigen mel für die Verstärkung. Bei hoher
Eingängen. Durch den symmetri- Außenverstärkung V muß der obere
schen Aufbau hat er bis zu hohen Verstärker sehr hoch verstärken, der
Frequenzen eine gute Gleichtaktun- untere dagegen sehr wenig. Hohe
terdrückung. Die erste Stufe kann Genauigkeit ist durch diese Unsym-
man als 2 nichtinvertierende Verstär- metrie nur bei niedrigen Frequenzen
ker ansehen mit R1 und R2/2 als Wi- erzielbar.
derstandsbeschaltung. Die "Mitte"
von R2 liegt auf dem Mittelwert der l) Slew-Rate Filter
beiden Eingangsspannungen. Die er-
ste Stufe verstärkt nur die Span-
nungsdifferenz zwischen den Eingän-
gen, nicht aber die Gleichtaktspan-
nung. Als 2. Stufe dient der schon be-
kannte Differenzverstärker, der die
Gleichtaktspannung unterdrückt und
die Ausgangsspannung Uaus auf Uref
bezieht. R2 als einziger nicht paar-
weise vorhandener Widerstand ist
prädestiniert zur Verstärkungseinstel-
lung.

k) Instrumentenverstärker mit 2 Ope-


rationsverstärkern Abb. 4-15: Slew-Rate Filter
Dieser Instrumentenverstärker kommt
mit 2 Operationsverstärkern aus. Mit Das Filter dämpft Störimpulse durch
dem Widerstand RG kann die Verstär- Begrenzung der Änderungsgeschwin-
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digkeit (=Slew-Rate) der Ausgangs- m) Bipolarer Koeffizient


spannung. Steigt die Spannung an R
über 0,65 V, so wird einer der beiden
Emitterfolger leitend und begrenzt die
Spannung. Das begrenzt den Lade-
strom für C und damit die Anstiegsge-
schwindigkeit von Uaus. Die
Schaltung ist im Prinzip ein Span-
nungsfolger, in dem die Ausgangs-
spannung über R1, R und R’ zum -
Eingang zurückgeführt wird. R und C
im Gegenkopplungspfad senken die
Schleifenverstärkung mit 6 dB/Okt. Ihr
schädlicher Einfluß auf die Stabilität
wird durch R’ und C’ ausgeschaltet. Abb. 4-17: Bipolarer Koeffizient

Schleifer oben: k=1, Spannungsfolger


mit U aus = U ein .
Schleifer mittig: k=0, Differenzverstär-
ker mit gleicher Spannung an beiden
Eingängen, Uaus = 0.
Schleifer unten: k=-1, invertierender
Verstärker, U aus = -U ein.
Die Verstärkung k kann kontinuierlich
zwischen 1 und -1 eingestellt werden.
Interessant ist der Einsatz mit einer
Referenzspannung am Eingang, wo-
bei die Ausgangsspannung kontinu-
Abb. 4-16: Wirkg. Slew-Rate Filter
ierlich durch 0 hindurch eingestellt
werden kann.
Liegt am Eingang ein Störimpuls, so
steigt die Ausgangsspannung wäh-
n) Sample & Hold Schaltung
rend des Impulses mit Maximalge-
Eine Sample&Hold Schaltung ist ein
schwindigkeit an, um danach auf den
analoger Spannungsspeicher. Bei ge-
Wert der Eingangsspannung zurück-
schlossenem Schalter (Sample-Zu-
zukehren. Vom hohen Störimpuls
stand) folgt der Ausgang der Ein-
bleibt nur eine dreiecksförmige Exkur-
gangsspannung. Die kapazitive Bela-
sion der Ausgangsspannung übrig,
stung der OP-Ausgänge durch den
die von einem nachfolgenden RC-Fil-
Speicherkondensator erfordert hohe
ter leicht unterdrückt wird. Ein einfa-
Ströme bei raschen Spannungsände-
cher RC-Tiefpaß integriert die
rungen und stellt erhebliche Anforde-
gesamte Spannungszeitfläche eines
rungen an die Stabilität. Bei offenem
Störimpulses auf und bewirkt eine
Schalter im Hold-Zustand speichert
sehr viel größere Spannungsabwei-
der Kondensator den letzten Span-
chung der Ausgangsspannung.
nungswert und die Ausgangsspan-
nung bleibt konstant. Die obere
Schaltung in Abb. 4-19 enthält den
Spannungsfolger OP1, der den Aus-
Praktische Elektronik 4-12 Hans-Hellmuth Cuno

onsmäßig identisch. Man will damit


nur andeuten, ob im Normalzustand
die Ausgangsspannung dem Eingang
folgt (Track) oder, ob die Eingangs-
spannung kurzzeitig abgetastet
(Sample) und danach festgehalten
wird.

o) Präzisions Gleichrichter

Abb. 4-18: Sample & Hold Schaltung

gang dem Eingang nachführt. Der


Spannungsfolger OP2 belastet den
Kondensator minimal bei offenem
Schalter und der hält die Ausgangs-
spannung konstant. Die Schaltung in-
vertiert nicht.

Die untere Schaltung enthält einen in-


vertierenden Verstärker OP1, der den
Ausgang des Integrierers OP2 dem
Eingang nachführt. Bei offenem
Schalter bleibt die Ausgangsspan-
nung des Integrierers konstant. Diese Abb. 4-20: Präzisions Gleichrichter
Schaltung invertiert die Eingangs-
spannung. Die Schaltungen bilden mit hoher Ge-
nauigkeit den Betrag der Eingangs-
spannung. In der oberen Schaltung
invertiert OP1 und die beiden Dioden
D1 und D2 entscheiden über den
Weg der Gegenkopplung. Bei positi-
vem Eingang leitet D1 und an Punkt
A liegt die invertierte Eingangsspan-
nung. Diese Spannung wird von OP2
noch einmal invertiert, so daß am
Ausgang wieder die Eingangsspan-
Abb. 4-19: Wirkung der nung auftritt.
Sample&Hold Schaltung Bei negativer Eingangsspannung lei-
tet D2 und die invertierte Eingangs-
spannung liegt an Punkt B. Sie wird
von OP2 nichtinvertierend verstärkt,
Eine Track&Hold Schaltung ist mit ei- so daß sie am Ausgang mit positivem
ner Sample&Hold Schaltung funkti- Wert auftritt. Der durch R2, R4 und
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R5 zum Eingang von OP1 zurück- p) High-Side Strommessung


fließende Strom gleicht die 1,5-fache
Verstärkung von OP2 exakt aus, so
daß negative Eingangsspannungen
um den gleichen Faktor verstärkt wer-
den, wie positive.

In der unteren Schaltung wird eine


positive Eingangsspannung über die
beiden Widerstände R einfach durch-
gereicht. Die Diode sperrt und der
verstärker ist voll in negativer Sätti-
gung. Bei negativer Spannung leitet
die Diode und der Verstärker inver-
tiert die Eingangsspannnung. Die
Ausgangsspannung ist in beiden Fäl- Abb. 4-21: High-Side Strommessung
len positiv.
Die Schaltung setzt den Strom Imess
Ungünstig für das dynamische Ver- in der +Leitung in eine Spannung ge-
halten ist die Tatsache, daß bei positi- gen Masse um. Der Operationsver-
ver Eingangsspannung der Verstärker stärker erzwingt gleiche Spannungen
in Sättigung geht. Die Rückkehr aus an R1 und R2. Der Strom durch R2
der Sättigung in den linearen Betrieb fließt auch durch R3, der Spannungs-
dauert einige µs und beim Einsatz der abfall ist die Ausgangsspannung.
Gegenkopplung kann ein Über-
schwingen auftreten.
Praktische Elektronik 4-14 Hans-Hellmuth Cuno

R2
IV.3 Berechnung von UOp+ = U+⋅ =
Operationsverstärker-Schaltungen R1+ R2
R2
Die Grundschaltungen des Operati- = Uaus + ( U− − Uaus)⋅
R1+ R2
onsverstärkers lassen sich in Kennt-
R1 + R2
nis der Spannungsgleichheit und U+ = Uaus ⋅ + U− − Uaus
R2
Stromlosigkeit der beiden Eingänge
R1 + R2 R2
sehr einfach berechnen. In kompli- U+ − U− = Uaus⋅ − Uaus⋅
R2 R2
zierteren Anordnungen tut man sich
R1
oft schwer mit der Aufstellung der = Uaus ⋅
R2
Formeln. Die hier beschriebene
"Holzhammer"-Methode beruht auf Damit erhält man die gesuchte Bezie-
einfachsten Prinzipien und führt im- hung:
mer zum Ziel.
R2
Man nimmt einfach an, die Ein- und Uaus = ⋅ ( U+ − U−)
R1
Ausgangsspannung zu kennen und
rechnet aus ihnen und der Beschal- b. Instrumentenverstärker mit 2 Ope-
tung die Spannung an den beiden rationsverstärkern:
Eingängen des Verstärkers aus. Im ( Siehe IV.2 l und Abb. 4-15)
zweiten Schritt setzt man die Span- "Unterer" Operationsverstärker. U∗ ist
nungen an den Eingängen gleich und die Spannung an seinem Ausgang:
löst auf nach Uaus . Die Vorgehens- 1. Schritt: Spannungen berechnen:
weise soll an zwei einfachen Beispie- Spg. am Op. +Eingang:
len gezeigt werden:
UOp+ = U−
a) Differenzverstärker
Als erstes Beispiel soll die Verstär- Spg. am Op. -Eingang::
kung des in IV.2 j vorgestellten und in
R1
Abb. 4-23 nochmals gezeigten Diffe- UOp− = Uref + ( U∗ − Uref ) ⋅
R1 + R2
renzverstärkers berechnet werden:
1.Schritt: Spannungen an den Ein-
gängen: 2. Schritt: Gleichsetzen:
Beim -Eingang wird zur Spannung
Uaus die vom Spannungsteiler R1, UOp+ = UOp−
R2 heruntergeteilte Spannungs-
U− = Uref + ( U∗ − Uref ) ⋅
R1
differenz zwischen U- und Uaus ad-
R1 + R2
diert:
Nach U∗ auflösen:
R2
UOp− = Uaus + ( U− − Uaus ) ⋅
R1
R1+ R2 U− = Uref + U∗ ⋅ −
R1 + R2
Am +Eingang liegt die heruntergeteil-
R1
te Spannung U + : − Uref ⋅
R1 + R2
R2
UOp+ = U+ ⋅
R1 + R2 U∗ ⋅
R1
=
R1+ R2
R1
= U− + Uref ⋅ ( − 1)
R1 + R2
2.Schritt: Gleichsetzen:
Praktische Elektronik 4-15 Hans-Hellmuth Cuno

R1 + R2
= U∗ ⋅
R1 R2
= U− + Uref⋅( − ) − U∗ + U+
R1 + R2 R1 + R2 R1+ R2
− R2 ∗ R2
= U− + Uref ⋅ = U ⋅( − 1) + U+
R1 + R2 R1 + R2
R2
= U− − Uref ⋅
R1 + R2 R1 + R2
= U∗ ⋅ (
R2
− ) + U+
Nun wird
R1
auf die rechte R1 + R2 R1 + R2
R1 + R2 − R1
= U∗ ⋅ + U+
R1 + R2
Seite gebracht:
= U+ − U∗ ⋅
R1
U∗ = U− ⋅
R1+ R2
− R1 + R2
R1 R2
Beide Seiten werden durch
R2 R1+ R2 R1 + R2
− Uref ⋅ ⋅ dividiert:
R1+ R2 R1
R1+ R2
Damit ist der Wert von U ∗ gefunden: Uaus = U+ ⋅ −
R2
R1 + R2 R1+ R2
U∗= U− ⋅ − U∗⋅
R2 R1
− Uref ⋅ ⋅
R1 R1 R1+ R2 R2
Jetzt wird der "obere" Operationsver-
R1+ R2 R1
stärker berechnet: Uaus = U+ ⋅ − U∗ ⋅
R2 R2
1. Schritt: Spannungen berechnen:

Spg. am Op. +Eingang: zum Abschluß U einsetzen:
R1 + R2
UOp+ = U+ Uaus = U+ ⋅ −
R2

R1+ R2 R2 R1
Spg. am Op. -Eingang: − ( U− ⋅ − Uref ⋅ )⋅
R1 R1 R2
UOp− = U∗ + ( Uaus − U∗ ) ⋅
R2
R1+ R2 R1+ R2 R1+ R2 R1
= U+ ⋅ − U− ⋅ ⋅ +
R2 R1 R2
R2 R1
+ Uref ⋅ ⋅
2. Schritt: Gleichsetzen: R1 R2
UOp+ = UOp−
R1+ R2 R1+ R2
R2 = U+ ⋅ − U− ⋅ + Uref
∗ ∗ R2 R2
U+ = U + ( Uaus − U ) ⋅
R1+ R2
Ergebnis:
Nach Uaus auflösen: R1+ R2
Uaus = Uref + ⋅( U+ − U− )
∗ R2 R2
U+ = U + Uaus ⋅ −
R1+ R2 Für eigene Rechenübungen eignet
sich sehr gut die Howland Stromquel-
R2
− U∗ ⋅ le aus Kapitel VII.2c. Ihre Formeln fal-
R1+ R2 len am Ende wie ein Kartenhaus in
R2
Uaus ⋅ = sich zusammen.
R1+ R2
Praktische Elektronik 4-16 Hans-Hellmuth Cuno

IV.4 Stabilität von am Verstärker auf kürzestem Weg mit


Operationsverstärkern induktionsarmen Kondensatoren nach
Nach Nyquist ist es hinreichend für Masse abgeblockt werden. Gut eig-
die Stabilität einer Operationsverstär- nen sich hierfür keramische Schei-
ker-Schaltung, daß die Schleifenver- benkondensatoren mit 0,1 µF.
stärkung ab einer bestimmten Dadurch sind die Versorgungsspan-
Frequenz mit einer Steigung zwi- nungen des Verstärkers auch bei ho-
schen 6 und 12 dB/Oktave abfällt. Bei hen Frequenzen stabil und Span-
Verdopplung der Frequenz muß die nungsabfälle an Zuleitungsinduktivitä-
Verstärkung mindestens auf die Hälf- ten können nicht über die Betriebs-
te und darf maximal auf 1/4 abfallen. spannung die Verstärkung herab-
Wir wollen jetzt Maßnahmen studie- setzen.
ren, mit denen man einer real vorhan- Diese Methode wird auch beim Ein-
denen Schaltung das Schwingen satz von 3-beinigen Spannungs-
abgewöhnen kann. Das Wissen um reglern dringend empfohlen. Ein 0,1
die Theorie ist zwar auch hier sehr µF Kondensator zwischen Eingang
hilfreich (es ist nichts so praktisch wie und Masse direkt am Spannungs-
eine gute Theorie), aber die Maßnah- regler sorgt für Ruhe. Auch ein
men müssen wirklich am Arbeitstisch Mensch steht beim Arbeiten lieber auf
ausgeführt werden und zum Erfolg festem Boden als auf einem wackli-
führen. gen Stuhl oder Glatteis.
Eine weitere Ursache für Schwingen
a) Ursachen des Schwingens und Ab- von ansonsten unkritischen Schaltun-
hilfe gen kann eine kapazitive Belastung
Das erste praktische Problem liegt des Ausgangs sein. Zusammen mit
darin, daß eine schwingende Schal- dem Innenwiderstand des Ausgangs
tung durchaus arbeitet, aber teilweise ergibt eine kapazitive Last einen Tief-
merkwürdige Eigenschaften zeigt. paß mit 6 dB/Oktave Verstärkungsab-
Selbst so behäbige Operationsver- fall. Abhilfe bringt ein Entkopplungs-
stärker wie der 741 können mit klei- widerstand (Richtwert 47 Ω) zwischen
ner Amplitude bei unerwartet hohen Ausgang und Last. Die Gleichstrom-
Frequenzen schwingen. Indizien für gegenkopplung wird an der Last ab-
Schwingen sind Handempfindlichkeit gegriffen, eine eventuelle Wechsel-
der Schaltung und jähe Span- spannungsgegenkopplung direkt am
nungsänderungen beim Anschließen Ausgang des Operationsverstärkers.
von Prüfspitzen oder beim Stochern
mit einem Schraubenzieher. Han- b) Die Wald- und Wiesenmethode
dempfindlichkeit kann aber auch von Diese Maßnahmen sind noch kein All-
antiparallelen Schutzdioden zwischen heilmittel. Schwingt die Schaltung im-
den Eingängen herrühren, die bei mer noch, so kann man versuchen,
wechselnder Beleuchtung schwan- die Schleifenverstärkung so weit her-
kende Photoströme abgeben. abzusetzen, daß sie die Verstärkung
1 mit einer Steigung zwischen 6 und
Sehr oft ist das Schwingen auf einen 12 dB/Oktave durchläuft. Dies ist die
zu schnellen Verstärkungsabfall bei "Wald- und Wiesenmethode", die im-
hohen Frequenzen zurückzuführen mer zum Erfolg führt,aber wegen des
und so sollten als erste Maßnahme Absenkens der Schleifenverstärkung
die Betriebsspannungen unmittelbar die Regelgenauigkeit herabsetzt.
Praktische Elektronik 4-17 Hans-Hellmuth Cuno

probeweise einen Kondensator (ca.


0,1 µF) in Reihe mit dem Widerstand,
um die Gleichstromgenauigkeit zu er-
halten. Wichtig sind in jedem Fall kur-
ze Verbindungen, um Rückwirkungen
vom Ausgang auf den +Eingang zu
vermeiden.

Die andere Möglichkeit (B) besteht im


Einführen einer Zeitkonstante in die
Abb. 4-22: Nyquist Diagramm von Vs Gegenkopplungsschleife, die deutlich
(ca. Faktor 10) größer ist, als alle vor-
Abb. 4-24 zeigt den Frequenzgang handenen Zeitkonstanten. Man legt
der Schleifenverstärkung Vs einer in- dazu einen Kondensator vom Aus-
stabilen Schaltung und die Frequenz gang des Operationsverstärkers zum
f1, oberhalb derer die Verstärkung mit -Eingang und steuert den -Eingang
mehr als 12 dB/Oktave absinkt. Die mit einem ausreichend großen Innen-
schon besprochene Möglichkeit (A) widerstand an. Dies Verfahren funk-
zur Beruhigung besteht in einer Ab- tioniert gut bei höheren Frequenzen,
senkung der Schleifenverstärkung. erfordert aber unrealistisch große
Die Schleifenverstärkung der Schal- Zeitkonstanten bei Temperaturrege-
tung ist jetzt so weit herabgesetzt, lungen. Hier erzielt man Stabilität auf
daß sie bei der Frequenz f1 gleich 1 Kosten eines langsameren Ein-
wird. Damit ist die Schaltung stabil, schwingverhaltens. Natürlich kann
aber auf Kosten der Genauigkeit. man die Möglichkeiten A und B kom-
Dies Verfahren ist bei Temperatur- binieren.
reglern üblich. Dort umschreibt man
die rigorose Herabsetzung der Schlei- Mathematisch Bewanderte entneh-
fenverstärkung vornehm als "Propor- men dem Ausdruck "hinreichend" im
tionalbereich", also einen Tempe- Nyquist-Kriterium, daß eine Schaltung
raturbereich, in dem sich die Stell- stabil sein kann, obwohl die Bedin-
größe proportional zur Regelabwei- gung nicht erfüllt ist. Ein weniger
chung ändert. Übliche Werte liegen scharfes Kriterium sagt aus, daß es
um 1°C und sind mittels Potentiome- für Stabilität ausreicht, wenn die Ver-
ter einstellbar. stärkung bei hohen Frequenzen mit
6-12 dB/Oktave abfällt und mit dieser
c) Durchführung der Verstärkungsab- Steigung die Frequenz durchläuft, bei
senkung welcher die Schleifenverstärkung = 1
Die einfachste Möglichkeit zur probe- wird. Der Verstärkungsverlauf in der
weisen Herabsetzung der Schleifen- Nähe dieser Frequenz ist also für die
verstärkung ist ein Widerstand von Stabilität entscheidend. Damit wird
1kΩ direkt zwischen den beiden Ein- das Nyquist Kriterium aber nicht wert-
gängen des Operationsverstärkers. los, denn eine nach Nyquist stabiler
Von den Auswirkungen vor allem auf Regelkreis hat ein viel besseres Ein-
den Biasstrom wollen wir lieber schwingverhalten als ein gerade noch
schweigen, aber der Einbau ist rasch stabiler Kreis nach dem anderen Kri-
ausgeführt. Will man den Widerstand terium.
auf Dauer installieren, so lege man
Praktische Elektronik 4-18 Hans-Hellmuth Cuno

Wir haben die Anwendung dieses Kri- d) Ein Beispiel aus der Praxis
teriums schon beim Differenzierer Temperaturregelungen z.B. eines
und beim Slew-Rate Filter kennenge- Wärmeofens zeigen oft hartnäckige
lernt, wo R’ und C’ die Schleifenver- Schwingungen bei recht tiefen Fre-
stärkung bei hohen Frequenzen quenzen. Die Wald- und Wiesenme-
wieder anhoben. Bei Einsatz in einem thode A hilft auch hier, doch sollte
Regelkreis legt man ein RC-Glied man zuvor die Anordnung des Tem-
vom Ausgang zum -Eingang des peraturfühlers betrachten:
Operationsverstärkers (Methode C). Die Wärme wird vom Heizwiderstand
Der Kondensator sperrt Gleichstrom zum Fühler vor allem durch die Ofen-
und erhält so die Regelgenauigkeit wände geleitet, die sowohl einen
bei tiefen Frequenzen, während der Wärmewiderstand als auch eine Wär-
Widerstand bei hohen Frequenzen ei- mekapazität haben. Dem entspricht
nen Bruchteil der Ausgangsspannung elektrisch eine Reihenschaltung sehr
zum Eingang zurückführt. Aus Sicht vieler RC-Glieder, die ab einer Grenz-
des Operationsverstärkers wird die frequenz einen immer steiler werden-
Schleifenverstärkung so weit angeho- den Verstärkungsabfall bewirken.
ben, bis sie beim Wert 0 dB bei der Dies ist ein Kettenleiter (gefürchtet
Frequenz f1 mit maximal 12 dB/Okta- bei Regelungstechnikern!).
ve abfällt. Diese Rückkopplung stellt
Ruhe her, sie behandelt aber nur die
Symptome und verbessert nicht das
Regelverhalten. Das RC-Glied muß
für diejenige Frequenz bemessen
sein, bei der die Schleifenverstärkung
den Wert 1 durchläuft.

Bei der Temperaturregelung eines


Peltierkühlers erwiesen sich 100 µF in
Reihe mit 100 kΩ als optimal, nach-
dem anfangs lange mit kleineren
Werten des Kondensators und vor al- Abb. 4-23: Ein Kettenleiter
lem des Widerstands herumprobiert
wurde. Um den Kettenleiter kurz zu halten,
darf der Temperaturfühler nicht allzu
weit vom Heizwiderstand entfernt
sein. Als Anhaltswert seien 10 % der
Ofenabmessungen genannt. Dies wi-
derspricht der intuitiven Absicht,
durch eine weit entfernte Anordnung
eine völlige Durchwärmung der Ofen-
wände zu erreichen und wird deswe-
gen ausdrücklich erwähnt.