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AUS SANTA CRUZ DE LA SIERRA

/ Santa Cruz de la Sierra und das Schicksal letzter Reste


ursprünglicher Kulturen im ostbolivianischen Tiefland

I n diesem Jahre vermag Kau tu Cruz <le lu Sierra, der Vorurl des bolivianischen
Oriente, auf sein vierhundertjähriges Bestehen zurückzublicken. A m 26. Februar
1501 von dem vom Hio Paraguay her vordringenden npaiiueheD Konquistador
Nuflo de Ciiavez im Schichtstulenland von (Jhiquitoa gegründet, später über
den Kio Grande (Guapay) hinaus in die vom Hio l'iray durchschnittene, iut
Westen von der Silhouette der Kordillerenwand überragte l'ampu- und Dünen-
region der Llanos von Gngotä verlegt, ist Santa Cruz als älteste europäische
Niederlassung de.s bolivianischen Outen» bin zum heutigen Tage das einzige Gebilde städti-
schen Charakters geblieben, das man im Tiefland anzutreffen vermag.
Endpunkt der Bahnlinien von L'orumba (Ürabilien) und Yacuibu (Argentinien)
.sowie der Transandenstraße von Coehabamba, stellt die Stiuit heute einerseits einen
wichtigen Knotenpunkt der transkontinentalen Route dar, wie sie andererseits dauk
dieser verkehrsteehniitvhen Begünstigung den vielversprechend» n Beginn eines bedeut-
samen, aui' dem Anbau und der Viehzucht, vor nlltm aber der Erdölförderung grün-
denden wirtschaftlichen Aufschwungs erkennen läßt. Diese sich erst seit dem letzten
Jahrzehnt anbahnende ökonomische Aufwärtsentwicklung läßt die Cruzenos den 400.
Jahrestag der Gründung ihrer Stadt umso festlicher begehen, als sich dem Gedenken
iler seit den Tagen der KmiquL-tu stets ereignisreichen historischen Vergangenheit das
Wissen um die fortschreitende Wandlung des abgeschieden gelegenen, verträumten ko-
lonialen Landstädtehens zur modernen und wirtschaftlich aufstrebenden Metropole des
bolivianischen Ostens paart, i.^t in dieser Hinsicht der den Umbruch oder liebe rgaug
von der Beschaulichkeit des Gestern zur Betriebsamkeit des Heute fixierende Jahrestag
für die Geschichte der Stadt Santa Cruz von hervor ragender Bedeutung1, so stellt er
gleichzeitig ein wichtiges Datum im Ablaut' der Akkiilturation der bolivianischen Tief-
landsindianer dar.
Wie diese erst durch die Gründung von Santa Cruz eingeleitet worden ist, su hat
auch der Prozeß der Einbeziehung der Indianer in den Einflußbereich europäischer
Gesittung stets von dieser Stadt aus seine stärksten ImpuLse erhalten. Santa Cruz bil-
dete den Ausgangspunkt der Missionshestrebungen der Jesuiten, deren Ordensmitglieder
Del Castillo, Barrace, Marban und Arce im Jahre 1675 bzw. 1691 den Grundstein für
die den Großteil der Tieflandstämme umfassenden Mi.ssionsdistrikle Mojos*) und Chiqui-
tos zu legen vermochten. So sind es auch Cruzenos gewesen, von denen in der zweiten
Hälfte des vorigen Jahrhunderts die Erforschung und Erschließung der Gumnywälder
und somit die Kontaktaufnahme mit den diese bewohnenden indianischen Gruppen
durchgeführt worden ist. Im Zuge der Zivilisierung der Indianer haben sich vor allem
die Missionstätigkeit der Jesuiten und die Ausbeutung des Wildkautschuks, bedeutende,
durch Forscher- und l'nternelimergeist gekennzeichnete Beginnen, die oftmals der A n -
wendung recht drastischer Methoden des Vorgehens nicht entraten zu können glaubten,
auf die betroffenen ethnischen Gruppen in vielfacher Hinsicht einschneidend und uni-
wälzend ausgewirkt.
Wenn man von Fällen der Vernichtung ganzer Stammeseinheiten absieht, hat durch
Entwurzelung der Eingeborenen und Verpflanzung in neue Wohngegenden das altüber-
kommene Gefüge der Bevölkerungsverteilung eine grundlegende Aenderung erfahren,
wie durch die zwangsweise Einreihung der Indianer in den WirUschaftsprozeß das Ver-
blassen oder völlige Erlöschen wesentlicher Züge der ursprünglichen Kultur bewirkt
worden ist. Die.-e Entwicklung hat zur Ausbildung tiner ihrer Herkunft noch zwar
heterogenen, ihrem kulturellen Habitus entsprechend heute aber annähernd gleichartigen
indianischen Bevölkerung geführt, deren Elemente — durch das jeweilige historische
Schicksal bedingt — einen HU jedem Ort unterschiedlichen Grad zivilisatorischer Be-
einflußtheit aufweisen.
160 • ) Siehe ..SÜDAMERIKA" Jahrgang HI, Heft 2.
Nur wenigen Gruppen gelang es, völlig cUm Zugriff der Zivilisation zu entgehen,
doch drohen gerade diese heute von einem Schicksal ereilt zu werden, das sicher schneller
und unmittelbarer und vermutlich auch härter zupackt, als es bei ihren Rassegenossen
in früheren Zeiten der Fall gewesen ist. Diese Auffassung gründet auf der gerechten
Einschätzung einerseits der im Zusammenhang mit dein Auf- und Ausbau der Erdöl
industrie, des bisher größten wirtschaftlichen Unternehmens! das der bolivianische
Osten kennt, zu erwartenden umwälzenden Auswirkungen der intensiven Durchdringung
der fündigen Gebiete, andererseits aber der erfahrungsgemäß extrem fremdenfeind-
lichen Verhaltensweise der in ihren Wohngebieten aufgestörten Indianer.
Obwohl das Interesse an den Erdölvorkommen des östlichen Andenvorlandes schou
seit Jahrzehnten besteht — bereits am 9. August lU2b' wurde in Sttnandita von der Stan-
dard Oil mit der Förderung begonnen —, hat erst in den letzten Jahren der Ansturm
auf die Konzessionen eingesetzt, in die sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt außer der
nationalen Gesellschaft acht ausländische Unternehmen teilen, deren Topographen, Geo-
logen usw. unter Einsatz bedeutender finanzieller und technischer Mittel „die äußersten
Winkel auch der entlegensten Wälder" durchkämmen, d.h. solche Landstriche, die vor-
dem kein oder ein nur minderes wirtschaftliches Interesse zu wecken vermochten. Diese
Kegionen sind jedoch zumeist die „Rückzugsgcbiete" letzter Vertreter ursprünglicher
indianischer Kulturen, die sowohl den Bemühungen der Jesuiten-Missionare als auch
der Arbeiterwerbung zur Zeit der Gummi-Hausse entgehen konnten.
Die sowohl ihren indianischen Nachbarn uls auch den Mestizen und Weißen gegen-
über beobachtete Animosität dieser Gruppen folgert ohne Frage tius der Summe der im
Verlaufe von Generationen gesammelten betrüblichen Erfahrungen. Diese haben zur
Einnahme eines Standpunktes geführt, der offensichtlich die sich bei der Bewältigung
des Problems der Auseinandersetzung mit der Moderne eröffnende Alternative, ent-
weder sich auf dem Wege der Unterwerfung und Aufgabe der angestammten Lebensweise
anzugleichen, oder aber sich der Möglichkeit des physischen Unterganges ausliefern zu
müssen, in letzterem Sinne zu entscheiden gewillt ist.
Bei diesen Gruppen handelt c.-. sich um die fortschreitend im Aussterben begriffe-
nen, in wirtschaftlicher Hinsicht vornehmlich wildbeuteriseh orientierten KesU.1 vormals
zahlenmäßig stärkerer Einheiten und in jedem Fall um Angehörige solcher Stamme uder
Völkerschaften, deren größerer Teil schon seit lungern in den Akkulturations-Prozeß
einbezogen worden ist.
So sind die etwa 360 Individuen umffi48< nden sog. B a u r e s B r a v o s als eine
Abteilung des im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts dem Christentum zugeführten
Aruakstammes der Baure anzusehen, die sich vermutlich nach Auflassung der Jesuiten-
Missionen in die Waldgebiete .südlich der heutigen Ortschaft Baure (Departanieutu
Beni) zurückgezogen hat. In dieser verkehrstechnisch relativ entlegenen Hegiou sind die
Wohnplätze dieser Indianer in i';en letzten Jahren von Kleinflugzeugen aus gesichtet
worden. Gelegentliche Versuche der Herstellung eines friedlichen Kontaktes haben
bislang stets zu blutigen Auseinandersetzungen geführt.
Aehnlich verhält es sich mit den etwa noch 200 Seelen zählenden, der Sprach-
familie der Pano angehörenden P a c a g u a r a , die im Einzugsgebiet des Rio Madidi
(nördl. Departement*' L a Paz) streifen und der seßhaften Bevölkerung unter dem
Namen „Camisas Negras" bekannt sind, ihrer friedlosen Haltung wegen in gleichem
Maße gefürchtet wie verfolgt. Der größte Teil der Pacaguara ist während der Kautschuk-
Epoche, d.h. in den letzten Jahrzehnten das vorigen Jahrhunderts bereits befriedet
oder ausgelöscht worden.
Die Bevölkerung der südlichen Regionen des bolivianischen Tieflandes (Departa
mento Santa Cruz de la Sierra) weiß gleichfalls von blutigen Zusammenstößen mit
unbefriedeten Indianern zu berichten, die dem guaranitisehen Stamm der Sirionö und
den Ayoreos, Mitgliedern der Sprachfamilie der Zamueo, angehören.
Die A y o r e o s , Reste jener Zamueo, deren überwiegender Teil m der ersten
Hälfte des 18. Jahrhunderts von den Jesuiten in den südlichen Chiquitos-Missionen
reduziert worden ist, durchziehen seit jeher die wenig erforschten und nach europäischer
Auffassung unwirtlichen Trockenwälder und Grassteppen des Chaco Boreal in ihrer
Gesamtausdehnung, d.h. ein bedeutendes Areal, in dessen Grenzräumen es immer wieder
tu kriegerischen Auseinandersetzungen mit den anrainenden Bevölkerungselemeiiten
gekommen ist und noch kommt. Ihr Erscheinen in den nördlich der Bergzüge von
Chiquitos gelegenen Uebergangszonen der Trocken- und Feuchtsavannen datiert seit den
Jahren des Chaco-Krieges, und es darf angenommen werden, daß letztlich die Kampf-
handlungen die Nordwärtsbewegung der Ayoreos ausgelöst haben. Bereits zu Beginn
der dreißiger Jahre ist es zu planmäßigen Angriffen auf die Guaravos-Missionen ge-
konnnen. Er.st im letzten Jahrzehnt ist es nach wiederholten fruchtlosen Versuchen, die
fünf amerikanischen Missionaren das Leben gekostet haben, gelungen, nördlich der
Bahnlinie Corumha-- Santa Cruz >eh weifende Teile der Ayoreos zur Aufgabe ihrer
fremdenfeindliehtn Haltung zu bewegen und wenigstens zeitweise seßhaft zu machen,
doch existieren noch heute, so am Cerro Mäiiumu, nahe der brntiliunUchen Grenze, und
im Monte Grande, östlich des Hin Uran de, Horden, die gleich ihrtn Stammes verwandten
im Süden offenbar nicht gewillt sind, ihre fiemdenfeindliche Einstellung zu korrigieren.
Mit einer Kopfstärke von M-hätzungswi ise mehr als 1.500 Individuen sind die Ayoreo.s
als die volkreichste Einheit nnbefriedtter Indianer zu erachten, die heute noch im boli-
vianischen Osten anzutreffen ist.
Epidemien, nach Ausmaß und Dauer abnormer Ueherschwemmungen und vor allem
der Druck der vom Süden her in die Feuchtauvannen vordringenden, wenn auch nicht
zahlenmäßig, .-o doch wafl'*i;techni:s<h und organisatorisch überlegenen Ayoreos haben
schon in der Mitte der zwanziger Jahre einen Großteil der vordem das ausgedehnte,
sieh vom Itenez im Osten 1 >i^. zum Maiiiore im Westen und von den offenen Llrasland-
schaften des Beiii-Gebiete* im Nuiden süduärt.» bis; auf die Breite von Santa Cruz
erstreckende Aren! als Summier und Jäger durchstreifenden S i r i o n 6 zur Aufgabe
der bislang gewahrten extrem ablehnenden Haltung gegenüber jedem Stuiutiutsfremden
und ferner dazu veranlaßt, sieh (Wn Weißen und Mestizen zu t rieben bzw. als Arbeits-
kräfte zu unterstellen. Die freiwillige Aulgabe der angestammten Lebensführung durch
einen indianischen Stamm könnte bis zu einem gewissen Grade als singularer Vurgnug
angesehen werden, doch ist es heute nicht mehr möglich zu ermitteln, inwieweit sich
die Sirionö wirklich in einer Zwangslage befunden haben. Es darf angenommen wer-
den, daß bei ihrem Entschluß die feste Ueberzeugung Pale gestanden hat, dem un-
sicheren Ausgang notwendiger kriegerischer Auseinandersetzungen mit den Ayoreos die
Verständigung1 mit den Zivilisierten als das vergleichsweise kleinere Uebel vorziehen
zu können. Die zwischenzeitliche Entwicklung hat gezeigt, daß dieser Schritt die in
Frage kommenden Teile der Sirionö — es handelt sich um die mehr östlich lebenden
Horden — nicht vor ihrem Untergang zu bewahren vermochte; sie sind fast aus-
schließlich im Dienste ihrer Patrone erloschen.
Demgegenüber hatten die im Westen, jenseits des Kio (Jrunde und Kitt Piray hau-
senden Hürden keinen Anteil uu dieser Entwicklung und durchstreifen wie eh und je
heute das vom Flußfächer de* Chapaie, Chiniore, lehüö, Yapacunf, Palacioa und Pirä
entwässerte Gebiet, das wohl zu den verkelir-stechnisch am wenigsten erschlossenen .Re-
gionen Südamerikas gehört und keine zivilisierte Bevölkerung beherbergt. Die Sirionö
besitzen eine nur dürftige Ausstattung an technischen, für die Nuturbeherrachung be-
nötigten Hilfsmitteln und gehören in dieser Hinsicht /,u den primitivsten Übenden Ver-
tretern ursprünglicher Kulturen, die dem Völkerkundler bekannt sind. Die gelegent-
liche flüchtige Beobachtung die.-er primitiven Züge, wie z.U. des Fehlens jeglicher
Bekleidung, die Animosität der in kleinen, oft nur Familieustärke betragenden sozialen
Verbänden ein beträchtliches Areal durchstreifenden und jeder Begegnung auswei-
chenden Indianer und schließlich die aus dieser Haltung folgende außerordentlich»
Begrenztheit des exakten Wissens um das tatsächliche kulturelle Gepräge der Siriono
haben dazu geführt, daß diese in legendärer Weise Von Nachrichten um woben worden
sind, in denen man ihnen Kannibalismus, extrem kriegerischen Sinn, Grausamkeit,
den Besitz vergifteter Waffen, d.h. alle erdenklichen Attribute des „Barbarentums" in
kritikloser und, wie heute festgestellt werden kann, fälschlicher Weise zugeschrieben
und sie zu den Tieren nahestehenden Wesen gestempelt hat. Entsprechend dieser Ein-
stellung ihnen gegenüber sind die Sirionö im Verlauf der Geschichte stets als Paria
behandelt, von allen ihren indianisch!n Nachbarn befeindet und von den Mestizen
gleich dem scheuen W i l d des Waldes gejagt und verfolgt worden. Soweit die Nachrichten
über die Sirionö zurückreichen, stellt sich ihr Verhältnis zu den Stammes fremden als
eine nicht endenwollende Kette blutiger Auseinandersetzungen dar. Obwohl seit den
zwanziger Jahren die Wissenschaft das überkommene verzerrte Bild der Siriono zu
berichtigen vermocht hat, und zwar auf tiruud verschiedener, bei den Ost-Siriono ange-
stellter Untersuchungen, ist es von der zivilisierten Bevölkerung der in Frage kom-
menden Landstriche bezüglich der im Westen des Tieflandes hausenden Horden beibe-
halten worden. Ihnen gilt der Sirionö als gefürchteter Gegner, mit dem sich auseinander-
zusetzen als einzigste Möglichkeit die Waffengewalt angesehen wird. So kommt es
immer wieder in den Handgebieten der oben geschiiderten Regionen und an den Ufern
der genannten Flüsse zu blutigen Vorfällen, denen isoliert wohnende Fanner sowie
Kaiman- und Jaguar Jäger auf der einen Seite, der Nahrungssuche nachgehende In-
162 dianer auf der anderen zum Opfer fallen. Wie auch immer die Sachlage bei den ersten
„Kulturfoltiiwler" Indianer, de Pfvil ich unlHfrledetvr hutü aetroffen wurde

Anlä.-stn beschal IVn gewt-seii sein mag, die in liistoiist-her Zeit zur Ausbildung dieser
Todfeindschaft geführt haben, muß heute die Erörterung der Schuldfrage die häufig
als „organisierte Angriffe" gewerteten Ueberfälle der Siriono als bloße Racheakte oder
aher vorsorgliche, spontane Abwehrhandlungen erachten, die stets nur von wenigi u
schweifenden -lauern durchgeführt werden. Demgegenüber wird das Verbuken der Zivi-
lisierten ausschließlich von der Furcht diktiert, die sie in jedem Fall des Auftaucheon
der Indianer von der Watte Gebrauch machen läßt, uucli dann, wenn kein Anlaß dazu
besteht. Ist ein solcher tatsächlich gegeben, so löst er zumeist die Ausrüstung einer
Stra(Vc\[iidition aus, die stets auf die völlige Vernichtung der Indianer abzielt. So
wird z.H. am Kio Chiinore die geringfügige Plünderung eines vereinsamt im Walde
gelegenen Bananen-Feldes — ein in Anbetracht der wild beuter iachen Wirtschaftsführung
und Rechtaiidchauung der Siriono verständlicher und deshalb entschuldbarer l ! ebergriff —
von den Khetschua-Kolonisten als „schwerer Felddiebstahl'' gewertet und deinen t-
enteprechend mit äußerster Schärfe zu ahnden gesucht.
Die im Vorigen am Heispiel der Siriono geschilderte Situation — die insgesamt
etwa 400 Individuen umfassenden Horden dieses Volkes suchen den heute allerorts in
ihr Wohngebiet eindringenden Wegebautrupps der Erdöl firmen durch Ausweichen zu
entgehen - - ist mich mehr oder weniger für die übrigen, eingangs genannten Stämme
gegeln-n. Sofern es den durch Geduld und Langmut ausgezeichneten Methoden der in
diesen Gebieten tätigen Missionare nicht gelingen sollte, bald einen friedlichen Kontakt
mit diesen Gruppen herzustellen — die Arbeiten bei den Siriono am ]{io Chiiuore* haben
erst kürzlich einen Kückschlag erfahren, während sie bei den nördlichen Ayoreos er-
folgversprechend sind —, muß durchaus damit gerechnet werden, daß sich der Versuch
ihrer Zivilisierung nicht, wie es in früheren Zeiten immer möglich und zumeist der Fall
gewesen ist, in Form einer schrittweisen Angleichung in Sitte und Hriumi sondern
als Akt jähen Unterganges vollziehen wird. Damit würdtn in Ostbolivien die letzten,
etwa 2.500 Individuen umfassenden Träger ursprünglicher Kulturen verschwind.-n.
Der 400. JahroMag der Stadt Santa Cruz de la Sii-rr» als ühVstt* < uropäi-che
Niederlassung des bolivianischen Ostens einst Ausgangspunkt erster Heniühuiigen um
1
die Christianisierung der indianischen Bevölkerung , heute Sitz der im Tiefland tätigen
Krdüljji Seilschaften — ist ein Wendepunkt in der Geschichte dieser Itegioneii, da sich
mit ihrem Eintritt in die Interessensphäre weltmarkt-oricntierter 1'irt ernennten größten
Ausmaßes eine moderne Entwicklung anbahnt, wiihivnd sieh jrU'ii'h/eitijr und nicht
; uletzt durch diese bedingt das Schieks;il letzter Keste ein In iini~ehei un'i:.uischer K u l -
turen zu erfüllen scheint.
11 V. l \ /. /•: /. v
Bonn 163