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Dr.

Jan Seifert

Text und Zeichen

Abstract zum Vortrag im Studienportal 1

1. Linguistischer Textbegriff

„Der Terminus ‚Text‘ bezeichnet eine begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die in
sich kohärent ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion
signalisiert.“ (Brinker 2005: 17)

Kohärenz/Kohäsion resultiert aus einem semantischen Sinnzusammenhang und der


grammatischen Verknüpfung der einzelnen Einheiten. Ein Sinnzusammenhang ergibt sich
beispielsweise durch die Wiederaufnahme bereits eingeführter Elemente, wobei der
Zusammenhang auch durch das Weltwissen des Rezipienten herzustellen ist. Die
grammatische Verknüpfung ist durch Pronominalisierung, deiktische Verweise,
Konjunktionen usw. gewährleistet. Hinzu kommen äußerliche Gliederungssignale (z. B.
1., 2., 3. usw.).

Kommunikative Funktionen lassen sich im Anschluss an pragmatische


Kommunikationsmodelle (vgl. unten: Bühler) und die (in der Sprachphilosophie
entwickelte) Sprechakttheorie beschreiben. Die jeweils dominierenden kommunikativen
Funktionen ermöglichen zudem die Differenzierung von Textsorten.

 Informationsfunktion
o INFORMIEREN, UNTERRICHTEN, MELDEN usw., (Zeitungsnachricht), evtl.
zusätzlich auch:
o WERTEN (z. B. Rezension; Kommentar)
 Appellfunktion
o AUFFORDERN (z. B. Werbung, Erpresserbrief)
 Obligationsfunktion
o SICH VERPFLICHTEN (z. B. Gelöbnis, Garantieschein)
 Kontaktfunktion
o BEZIEHUNG HERSTELLEN/ERHALTEN (z. B. Glückwunsch-, Kondolenz-
schreiben)
 Deklarationsfunktion
o BEWIRKEN einer neuen Realität (z. B. Testament, Vollmacht)

2. Zeichenbegriff

Alle Zeichen – nicht nur sprachliche – basieren auf dem allgemeinen Prinzip aliquid stat
pro aliquo („etwas steht für etwas anderes“).
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2.1. Allgemeine Typologie der Zeichen nach Charles S. Peirce
 Index: Anzeichen
– Zeichen steht in einer Relation zum Bezeichneten, lässt Rückschlüsse zu:
• Rauch  Feuer
• Dialekt  Herkunft
• Fingerabdruck  Täter usw.
– Relationen: Ursache/Wirkung; Konvention/Handlung; Zweck/Mittel
usw.
– nicht zwangsläufig intentional gebraucht (Der Täter dürfte seinen
Fingerabdruck aus Versehen hinterlassen haben).
– Schlüsse können fehlgehen

 Ikon (Abbild):
– Verhältnis beruht auf Ähnlichkeiten, z. B.:
• Piktogramme
• Lautmalerei (Onomatopoiie)
• Programmusik (z. B. Beethoven: Pastorale)
– erschließt sich zumeist durch Erfahrung
– Verstehen ikonischer Darstellungen muss z. T. explizit erlernt werden
(Architekturpläne usw.)

 Symbol
– Beziehung zum Gegenstand rein konventionell
– willkürlicher, unmotivierter Zusammenhang
– Konventionen müssen erlernt werden
– prototypisch: Sprachzeichen (Wörter)

2.2. Grundeigenschaften sprachlicher Zeichen sind

 Arbitrarität (prinzipielle Beliebigkeit)


– Ausnahme: Lautmalerei usw.
– Neuschöpfung selten (vgl. sitt)
– Motiviertheit durch Wortbildung
– Neumotivation durch „Volksetymologie“ (z. B. a) Bratwurst; b) Friedhof:
heute analog auch Friedwald ‚Wald, in dem Urnen bestattet werden’ )
 Konventionalität
– aber kein „Diskurs“ (was die Bedeutungen voraussetzen würde…),
sondern Akzeptanz
 relative Stabilität
– Veränderung langfristig möglich
– Semantischer Wandel (geil; fett)
– Neologismen (Ypsabweicher, Schachbrettmörder)
– Archaisierung (Fräulein, heischen)
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2.3. Das Zeichenmodell von Ogden/Richards (1921)

veranschaulicht die Beziehung zwischen dem Zeichenträger (symbol/Signifikant, d. h. der


Lautfolge), dem dahinterstehenden gedanklichen Konzept (thought or reference;
Bedeutung; Sinn; Intension) und dem mit dem Zeichen bezeichneten außersprachlichen
Gegenstand (referent; Extension):

Nicht alle Wörter, die mit einem mentalen Konzept verbunden sind und somit eine
Bedeutung haben, beziehen sich auf einen außersprachlichen Gegenstand: So gibt es
keinen Gegenstand bzw. keine Person, auf die man mit dem Ausdruck Päpstin referieren
könnte (Phantasiewelten und metaphorische Verwendung ausgenommen).

2.4. Das Organonmodell von Karl Bühler (1934)

ist ein Kommunikationsmodell. Bühler zeigt, dass sprachliche Äußerungen auf


verschiedene Weise verstanden werden können, insofern sie sich auf die drei
Dimensionen relevanten Dimensionen „Sender“ (also Sprecher/Schreiber), „Empfänger“
(Hörer/Leser) und „Gegenstände und Sachverhalte“ beziehen lassen. Ein (komplexes)
Sprachzeichen – d.h. konkret: eine Äußerung! – „ist Symbol kraft seiner Zuordnung zu
Gegenständen und Sachverhalten, Symptom […] kraft seiner Abhängigkeit vom Sender,
dessen Innerlichkeit es ausdrückt, und Signal kraft seines Appells an den Hörer, dessen
äußeres oder inneres Verhalten es steuert wie andere Verkehrszeichen.“ (Bühler 1934: 28)
Beispiel: Die Äußerung „Es ist kalt“ hat in diesem Sinne drei unterschiedliche
Funktionen: a) Mitteilung über die Temperatur; b) Einblick in Befindlichkeit des
Sprechers; c) Appell, z. B. das Fenster zu schließen.
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3. Literaturhinweis:

Busch, Albert / Stenschke, Oliver (2007): Germanistische Linguistik. Eine Einführung.


Tübingen: Narr, 18-24; 28-31; 228-240.