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Beglaubigte Abschrift

Aktenzeichen:
13 0 74/18 KfH

1
Landgericht Karlsruhe

Im Namen des Volkes

Verzichtsurteil

In dem Rechtsstreit

VDAK - Verein Deutscher u.nd Ausländischer Kaufleute e.V„ vertreten durch d. Vorstand
Marc Redel, Halterner Straße 32 , 45657 Recklinghausen
- Kläger -

Prozessbevollmächtigter:
Rechtsanwalt Roland Heyer, Halterner Straße 32, 45657 Recklinghausen, Gz.: 0171/2018/RH/rh

. gegen

- Beklagter -

Prozessbevollmächtigter:

wegen Dienstleistungsvertrag

hat das Landgericht Karlsruhe - Kammer für Handelssachen 1 - durch den Vorsitzenden Richter
am Landgericht Dr. Wesche aufgrund des Sachstands vom 14.03.2019 für Recht erkannt:

1. Der Kläger wird mit dem Anspruch gemäß Anspruchsbegründung vom 01 .11.2018 abge-
wiesen.

' 2. Der Kläger hat die Kosten 9es Rechtsstreits zu tragen.


13 0 74/18 KfH - Seite 2 -

3. Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

Tatbestand

Der Kläger mahnte den Beklagten, der über das Internet mit Kohlenmonoxidmeldern handelte,
wegen eines behaupteten Wettbewerbsverstoßes ab. Der Beklagte gab am 06.03.2018 eine
strafbewehrte Unterlassungserklärung ab. Der Kläger rechnete daraufhin Kosten der Abmahnung
ab. Der Beklagte zahlte nicht.

Der Kläger trägt vor, berechtigt abgemahnt zu haben, denn der Beklagte habe auf eBay ein ver-
bindliches Angebot unter Verwendung der „Sofort-Kaufen"-Option abgegeben, ohne die näheren
Bedingungen der dort erwähnten Herstellergarantie zu erläutern. Der Kläger hält sich für an-
. spruchsberechtigt~ da ihm branchenübergreifend über 1.000 unmittelbare Mitglieder sowie andere
Wirts~haftsverbände angehörten, darunter auch ein repräsentativer Mitgliederbestand auf dem
maßgeblichen Markt elektrotechnischer Artikel. Eine Offenlegu~g des Namens der entsprechen-
den Mitglieder sei nicht geboten, da Geheimhaltungsinteressen entgegenstünden. Rechtsmiss-
brauch liege nicht vor.

Der Kläger hat beantragt, ·

den Beklagten zu verurteilen, an ihn 142,80 €nebst Zinsen i.H.v. 9 Prozentpunkten über
Basiszins seit 10.04.2018 sowie weitere 70,20 €nebst Zinsen i.H.v. 5 Prozentpunkten über
Basiszins seit Rechtshängigkeit zu zahlen.

Der Beklagte beantragt

Klagabweisung.

Er hatte sich zunächst pauschal auf Rechtsmissbräuchlichkeit der Abmahnung berufen und trägt
nach Mandatierung seines Prözessbevollmächtigten weiter vor, die Abmahnung sei unberechtigt
gewesen, da er keine Garantieerkläruhg abgegeben, sondern eine solche nur angekündigt habe.
Die Rechtsmissbräuchlichkeit ergebe sich aus den Formulierungen der vorformulierten Unterlas-
sungserklärung. Der Kläger sei nicht anspruchsbefugt, insbesondere fehle es unter den Mitglie-
dern des Klägers an einer erheblichen Zahl von Mitbewerbern. Schließlich bestreitet der Beklagte
die Anspruchshöhe.
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Nach Verweisung des Rechtsstreits vom Amtsgericht Karlsruhe hat das erkennende Gericht
mündlich verhandelt und mit Einverständnis der Parteien das schriftliche Verfahren angeordnet,
damit der Kläger zu einem gerichtlichen Hinweis Stellung nehmen kann. Der Kläger hat sodann
die Klage zurückgenommen; dem hat der Beklagte die Zustimmung verweigert. Daraufhin hat der
Kläger Anspruchsverzicht erklärt. Dem ist der Beklagte unter Hinweis auf die Unzulässigkeit der
Klage entgegengetreten.

Wegen der Einzelheiten wird auf die Schriftsätze nebst Anlagen sowie die Niederschrift der
mündlichen Verhandlung vom 17.01.2019 verwiesen.

Entscheidungsgründe

Die Klage ist unzulässig. Der Kläger hat entgegen dem gerichtlichen Hinweis vom 17.01.2019
seine Prozessführungsbefugnis nicht hinreichend dargetan (1.). Gleichwohl hat Verzichtsurteil zu
ergehen (2. ).

1. Der Kläger hat nicht hinreichend dargetan, klagebefugt gemäß § 8 Abs. 3 Nr. 2 UWG zu sein.
Dazu hätte der Vortrag und - wegen des Bestreitens des Beklagten - Beweisantritt gehört, welche
seiner Mitglieder als Mitbewerber zum Beklagten anzusehen sind.

a) Verbände sind prozessführungsbefugt und anspruchsberechtigt, soweit ihnen eine erhebliche


Zahl von Unternehmen angehört, die Waren oder Dienstleistungen gleicher oder verwandter Art
auf demselben Markt vertreiben. Für die Beurteilung, ob eine „erhebliche Zahl" von konkurrieren-
den Mitgliedsunternehmen vorliegt, ist nicht auf eine Mindestanzahl abzustellen, sondern danach
zu fragen, ob die fraglichen Unternehmen nach Anzahl und/oder Größe, Marktbedeutung und wirt-
schaftlichem Gewicht auf dem relevanten Markt in der Weise repräsentativ vertreten sind, dass
ein missbräuchliches Vorgehen des Verbandes ausgeschlossen werden kann (BGH, GRUR
2007, 610 Rn. 18 - Sammelmitgliedschaft V; BGH, GRUR 2007, 809 Rn. 15- Krankenhauswer-
bung; Köhler/Bornkamm/Feddersen/Köhler/Feddersen, 37. Aufl. 2019, UWG § 8 Rn. 3.42a).

Das Vorliegen dieser Voraussetzung muss mit der für das Freibeweisverfahren (Teplitzky/Büch,
Wettbewerbsrechtliche Ansprüche und Verfahren, 12. Aufl. 2019, Kap. 13 Rn. 30g m.w.N.) erfor-
derlichen Beweiskraft dargetan werden. Es handelt sich hierbei um eine Zulässigkeitsvorausset-
zung der Klage (Teplitzky/Büch, a.a.0., Rn. 30a m.w.N.).
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b) Der Kläger hat insoweit vorgetragen, ihm gehörten branchenübergreifend über 1.000 unmittel-
bare Mitglieder sowie andere Wirtschaftsverbände an, darunter auch ein repräsentativer Mitglie-
derbestand auf dem maßgeblichen Markt elektrotechnischer Artikel. Welche Mitglieder die Vor-
aussetzwng erfüllen, zum Beklagten in Konkurrenz zu stehen, hat der Kläger nicht spezifiziert.

Dieser Vortrag genügt nicht den rechtlichen Anforderungen. Das Gericht hat in der mündlichen
Verhandlung darauf hingewiesen, dass zu der Frage, ob die erforderliche Zahl mit dem Beklagten
konkurrierender Mitglieder (unmittelbar oder mittelbar) vorhanden ist, ergänzend Stellung zu neh-
men ist. Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung sind im gerichtlichen Klageverfahren bei ent-
sprechendem Bestreiten Name, Branche, Umsätze und örtlicher Tätigkeitsbereich mitzuteilen,
was auch für den Vortrag zu etwaigen mittelbaren Mitgliedern gilt; eine anonymisierte Mitgliederlis-
te genügt auch dann nicht, wenn Zeugenbeweis angetreten wird (Köhler/Bornkamm, a.a.O., Rn.
3.66; Teplitzky/Büch, a.a.O., Rn. 30h; je m.w.N.).

Trotz dieses Hinweises hat qer Kläger nicht ergänzend vorgetragen und insbesondere die Mitglie-
der, die im Wettbewerb mit dem Beklagten stehen sollen, nicht namentlich benannt.

c) Das Urteil enthält indes nicht die rechtskraftfähige Feststellung, dass der Kläger nicht klagebe-
fugt sei. Die Unzulässigkeit der Klage folgt allein daraus, dass der Kläger zu einer Zulässigkeits-
voraussetzung nicht ausreichend vorgetragen hat und daher - im Hinblick auf das entsprechende
Bestreiten des Beklagten - prozessual so behandelt werden muss, als wenn die Voraussetzung
tatsächlich nicht vorliegt.

Außerdem beschränkt sich das Urteil auf eine Aussage zum V~rhältnis des Klägers zum Beklag-
ten bzw. zum Wettbewerbsverhältnis von Mitgliedern des Klägers zum Beklagten. Eine Verallge-
meinerung auf andere Prozessrechtsverhältnisse zwischen dem Kläger und sonstigen etwaigen
Klagegegnern ist nicht möglich.

2. Das Gericht hat durch Verzichtsurteil, nicht durch klageabweisendes Prozessurteil zu ent-
scheiden.

a) Da der Verzicht eine Prozesshandlung darstellt, ist seine Wirksamkeit davon abhängig, dass
alle Prozesshandlungsvoraussetzungen erfüllt sind. Der Erklärende muss partei-, prozess- und
postulationsfähig sein (BeckOK ZPO/Elzer, 31. Ed. 1.12.2018, ZPO § 306 Rn. 9;
Musielak/Voit/Musielak, 15. Aufl. 2018, ZPO § 306 Rn. 3). Der Bundesgerichtshof hat mehrfach
entschieden, dass der Verzicht nur durch einen beim Prozessgericht zugelassenen Rechtsan-
walt erklärt werden kann (BGH, NJW-RR 2014, 831 Rn. 6; BeckRS 2010, 27057 Rn. 3; NJW
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1988, 210).

Danach steht es dem Erlass eines Verzichtsurteils nicht entgegen, dass der Kläger im Verhältnis
zum Beklagten als nicht prozessführungsbefugt anzusehen ist. Denn die allgemeinere Aussage,
die Klage sei trotz Verzichtserklärung bei Fehlen der Prozessvoraussettungen als unzulässig
abzuweisen (so Zöller/Feskorn, ZPO, 32. Aufl., § 306 Rn. 6), findet in der Rechtsprechung des
BGH keine Stütze. Es kommt vielmehr (nur) auf das Vorliegen der Prozesshandlungsvorausset-
zungen an. Diese sind beim Kläger unstreitig gegeben. Es handelt sich um einen eingetragenen
Verein, der durch seinen Vorstand und im Gerichtsverfahren ordnungsgemäß durch einen
Rechtsanwalt vertreten wird. Die Zuerkennung der Rechtsfähigkeit, die einem eingetragenen Ver-
ein zukommt, ist konstitutiv und im Wettbewerbsprozess nicht mehr zu hinterfragen
(Köhler/Bornkamm/Feddersen/Köhler/Feddersen, a.a.0., Rn. 3.66).

b) Der Kläger hat den Verzicht auch im Übrigen wirksam erklärt. Dies erfolgte zwar nicht bei der
mündlichen Verhandlung, wie der Wortlaut von § 306 ZPO verlangt. Im schriftlichen Verfahren
nach § 128 Abs. 2 ZPO genügt jedoch nach allgemeinen Regeln auch die Erklärung in einem
Schriftsatz (BeckOK ZPO/Elzer, 31. Ed. 1.12.2018, ZPO § 306 Rn. 31). Diese wurde hier fristge-
recht mit Schriftsatz vom 22.02.2019 abgegeben.

c) Ein Verzichtsurteil auf Klageabweisung ergeht auch ohne (erneuten) Antrag des Beklagten.
Dies gilt selbst dann, wenn der Beklagte weiterhin ein streitiges Urteil begehrt, für welches aber
das Rechtsschutzbedürfnis fehlt (Saenger, ZPO, 7. Aufl., § 306 Rn. 3 m.w.N.). Im Streitfall hat
der Beklagte zudem den Antrag auf Klagabweisung zuvor im Rahmen der mündlichen Verhand-
lung bereits gestellt. Sein Begehren, die Klage ungeachtet des Verzichts als unzulässig abzuwei-
sen, ist daher unbeachtlich. Es kommt hinzu, dass der Beklagte durch ein Verzichtsurteil, wel-
ches ein Sachurteil darstellt, „mehr" erlangt als durch ein Prozessurteil, welches dem Kläger die
erneute Anhängigmachung desselben materiellen Anspruchs erlauben würde.

3. Die Nebenentscheidungen beruhen auf§§ 91 Abs. 1, 708 Nr. 1 ZPO.

4. Angesichts der prozessualen Abläufe ist es nicht tunlich, von der Möglichkeit des§ 313b Abs. 1
ZPO Gebrauch zu machen.

Dr. Wesche
Vorsitzender Richter am Landgericht