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interview

SeS – nicht mehr spezifisch?


nicht mehr umschrieben?
Im September 2017 , zum DLD awareness Day (Developmental
Language Disorder), verkündete das Komitee für Mehrsprachigkeit und Multi­
kulturalität (MMac) des Weltverbandes für Logopädie und Phoniatrie (IaLP) die
neue vereinfachte nomenklatur für spezifische (primäre) sprachentwicklungs­
ke l Nun, aber die Ergebnisse des CATALISE-
störung (gem. f80 IcD­10 ­ umschriebene entwicklungsstörung des sprechens
Konsortiums, einer multinationalen und
und der sprache) und sprachentwicklungsstörungen im Zusammenhang mit
multidisziplinären Studie, die im Delphi-
Komorbiditäten (unspezifische ses, sekundäre ses, non­specific sLI). Die Kür­
Verfahren – ein mehrstufiges qualitatives
zel sses und uses wurden auf den vereinheitlichten Terminus ses reduziert.
Befragungsverfahren – unter Beteiligung
Karen ellger (ke) interviewte Prof. Dr. christina Kauschke (cK) zu den fachlichen
von Vertreterinnen aus Psychologie, Medi-
Hintergründen und Konsequenzen.
zin, Logopädie und Pädagogik zu einer neu-
dialog

en Nomenklatur geführt haben, wurden


ja bereits im Frühjahr 2017 veröffentlicht.
ke l Der frühere Begriff ‚Specific Langua- Und spätestens zum „Tag der Sprachent-
ge Impairment‘ (SLI) wurde ja vor einem
wicklungsstörung“ am 22.09.2017 wurde
Jahr international durch ‚Developmental
auch durch das MMAC-Komitee des IALP
Language Disorder‘, kurz DLD, ersetzt,
und durch z. B. den Deutschen Bundesver-
auf Deutsch also nur noch SES. Die Ver-
band für Logopädie (dbl) dazu aufgerufen,
breitung dieser neuen Terminologie wird
bei der Aufklärung zur Verwendung der
hier immer noch debattiert und hat sich
aktuellen und einheitlichen Terminologie
bisher nicht durchgesetzt. Warum?
zu unterstützen, da das die Grundlage
einer zielführenden interdisziplinären Zu-
Ck l Bevor sich eine neue Terminologie sammenarbeit ist. Bis heute scheint aber
durchsetzen kann, muss sie erst einmal
die neue Nomenklatur zwar der internatio-
diskutiert werden, und diese Diskussion
nalen Fachwelt, jedoch noch nicht allen an
beginnt im deutschsprachigen Raum ge­
der Diagnosestellung der SES Beteiligten
rade. Dabei halte ich es für wichtig, nicht
bekannt. Dabei geht es in Deutschland
nur Etiketten zu verändern, sondern
doch beispielsweise um die Überarbeitung
sich klarzumachen, was dahintersteckt,
der ICD-11 sowie der Leitlinie des Netzwer-
also warum sich das CATALISE­Komitee
kes der Wissenschaftlichen Medizinischen
um Dorothy Bishop zu einer Aufgabe
Fachgesellschaften in Deutschland, kurz
des Begriffs SLI zugunsten von DLD
AWMF-Leitlinie Sprachentwicklungsstö-
entschieden hat.
rungen.

Eine abgestimmte Terminologie und eine einheitliche Sichtweise


auf Sprachentwicklungsstörungen sind von entscheidender Bedeutung für
eine effektive Verständigung und interdisziplinäre Zusammenarbeit im
deutschsprachigen Raum. Ebenso wichtig ist es, aktuelle, international
geführte Debatten aufzugreifen und dazu Stellung zu nehmen.

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Ck l Ja, wir wollen in die Diskussion ein­ Ck l Treten Sprachentwicklungsstörungen
steigen, die Entwicklungen aufzeigen, nicht in Verbindung mit anderen Bedin­ KURZBIOGRAFIE
deren Konsequenzen für die deutsche gungen auf, greift die neue Bezeichnung
Terminologie reflektieren und überle­ DLD. Diese wird von Bishop und ihren Prof. Dr. Christina Kauschke ist Profes-
sorin für Germanistische Sprachwissenschaft
gen, was für den deutschen Sprachraum Kolleginnen im Jahre 2017 übersetzt fol­
mit dem Schwerpunkt Klinische Linguistik an
sinnvoll ist. Denn schließlich handelt es gendermaßen definiert: „Developmental
der Philipps-Universität Marburg. Nach einer
sich nicht nur um eine neue Bezeich­ Language Disorder (DLD) ist der bevor­ Ausbildung als Logopädin und dem Studium
nung. Die Umbenennung von SLI in DLD zugte Terminus für Sprachprobleme, die der Sprachwissenschaft war sie zuvor an den
spiegelt auch die veränderte Sicht auf schwerwiegend genug sind, um sich auf Universitäten Berlin (FU) und Potsdam tätig.
die sprachlichen und nichtsprachlichen das alltägliche Leben auszuwirken, die Ihre Schwerpunkte sind der normale und
Symptome, Begleiterscheinungen und eine ungünstige Prognose haben und gestörte Spracherwerb, Entwicklung von
Bedingungshintergründe von Sprachent­ nicht mit klaren biomedizinischen Ur­ Diagnostik- und Therapieverfahren für Kinder
wicklungsstörungen wider. sachen assoziiert sind.“ Der Unterschied mit Sprachentwicklungsstörungen, Wortver-
arbeitung sowie Sprache und Emotion.
zum bisherigen Konzept SLI ist nun, dass
ke l SSES und USES wurden ja bisher syno- DLD mögliche Begleiterscheinungen
nym verwendet und dadurch definiert, dass nicht ausschließt.
die sprachlichen Fähigkeiten eines Kindes
bei altersgerechtem Kommunikationsbe- ke l Ein bisschen verwirrend. Gehören denn
dürfnis und nonverbalen Fähigkeiten von z. B. psychosoziale Fehlentwicklung oder
der Norm abweichen. Dies darf aber nicht mangelnde Anregungen der Umwelt auch Ck l Dass diese kein Ursachenfaktor für
auf primäre Defizite, wie z. B. neurologi- zu den Bedingungshintergründen? Welche SES ist, ist unstrittig. Sprachliche Auffäl­
sche Erkrankungen o.ä., zurückzuführen Begleiterscheinungen können das sein? ligkeiten, die durch mangelnde Sprachan­
sein. Jetzt schließt der vereinfachte Begriff regung zustande kommen, werden laut
SES begleitende Störungen nicht mehr aus. Ck l ‚Co­occuring conditions‘, also be­ AWMF­Leitlinie als ‚umgebungsbedingte
Was steckt dahinter? gleitende Auffälligkeiten, sind parallele Sprachauffälligkeiten‘ bezeichnet. In der

dialog
Einschränkungen in kognitiven, senso­ internationalen Terminologie findet sich
Ck l Hier muss man sehr deutlich zwi­ motorischen oder verhaltensbezogenen hierfür ein ganz ähnlicher Begriff: ‚lack of
schen ursächlichen Faktoren und mög­ Entwicklungsbereichen, die in keiner kla­ familiarity with ambient language‘. Diese
lichen Begleiterscheinungen unter­ ren kausalen Relation zur Sprachentwick­ umgebungsbedingten Sprachprobleme
scheiden. Unter ursächlichen Faktoren, lungsstörung stehen. Während die Adjek­ sind aber sehr klar von SES zu trennen.
englisch: „differentiating conditions“, tive „specific“/“spezifisch“/“umschrieben“ Sie gehören in den weiter gefassten Kreis
werden biomedizinische Bedingungen bislang suggerierten, dass ein Kind mit der kindlichen Sprach­, Sprech­ und Kom­
verstanden, zu denen z. B. genetische SLI/SSES/USES in jeder Hinsicht außer munikationsauffälligkeiten, internatio­
Syndrome, Zerebralparesen, Hörstörun­ der Sprache unauffällig sei, wird diese nal nun SLCN genannt: ‚Children with
gen oder Störungen aus dem autistischen Normalitätsannahme nun gekippt. Als speech, language, and communication
Spektrum gehören. In diesen Fällen ist mögliche – natürlich nicht zwingende! needs‘.
die SES also Teil eines umfassenderen, – Begleiterscheinungen werden ADHS,
komplexen Störungsbildes und muss im LRS, emotionale Probleme, Verhaltens­ ke l Ist SLCN denn sozusagen der Oberbe-
Zusammenhang mit den sonstigen Ein­ auffälligkeiten oder orofaziale Störungen griff? Und was wäre das deutsche Äqui-
schränkungen betrachtet werden. Das genannt, die in der Praxis tatsächlich valent?
Konsortium schlägt dafür die Bezeich­ häufig eine Sprachentwicklungsstörung
nung ‚Language Disorder associated with begleiten. Durch die Umbenennung, die Ck l Ja, SLCN ist ein Oberbegriff, der ganz
…‘ vor. Eine passende deutsche Bezeich­ im Deutschen nur eine Verkürzung von unterschiedliche Phänomene umfasst: die
nung könnte ‚Sprachentwicklungsstörung SSES/USES zu SES ist, wird stärker be­ SES ohne eindeutige biomedizinische
assoziiert mit …‘ sein. tont, dass es sich bei der SES nicht um Ursachen, also DLD, die SES in Assozia­
eine selektive, auf Sprache beschränkte tion mit Komorbiditäten, also ‚Language
ke l Aber was ist mit den isolierten Sprach- Problematik handeln muss. Dadurch, dass Impairment associated with...‘, die um­
erwerbsstörungen, die in der ICD-10 unter auch Kinder mit den genannten Begleit­ gebungsbedingten Sprachauffälligkeiten
den umschriebenen Entwicklungsstörun- störungen unter den Begriff DLD/SES sowie Redeflussstörungen, Stimmstö­
gen des Sprechens und der Sprache aufge- fallen, soll deutlicher werden, dass auch rungen und verschiedene Formen von
führt sind und auch unter F80.1 und 2 noch sie selbstverständlich Zugang zu profes­ Aussprache­ bzw. Sprechstörungen wie
in eine expressive und eine rezeptive Form sionellen Interventionsmaßnahmen im Entwicklungsdyspraxien und phoneti­
unterteilt werden, wobei allerdings unklar Bereich Sprache haben müssen. sche Störungen. Am deutlichsten wird
ist, ob es sich dabei um verschiedene Aus- das durch eine Grafik, in der man die
prägungsgrade oder um unterschiedliche ke l Und zu der Frage nach mangelnder Klassifikation im Überblick sieht. Einmal
Störungsbilder handelt. Anregung durch die Umwelt? mit den Bezeichnungen aus Bishop und

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Kolleginnen aus dem Jahr 2017, ein­ ke l Es ist also unklar, ob bei Kindern mit
mal mit deutschen Entsprechungen. Sprachentwicklungsstörungen basale
Was ein gutes deutsches Äquiva­ DLD
Defizite gehäuft anzutreffen sind
lent für SLCN sein könnte, wäre und ob derartige Schwächen
zu diskutieren. kausal mit Problemen beim
Spracherwerb in Zusammen-
ke l Nach den bisherigen hang stehen.
Kriterien der ICD-10 sind
nur solche Sprachauffällig- Ck l Bei Störungsbildern,
keiten den umschriebenen die nicht auf den ersten
Entwicklungsstörungen zu- Blick auf eine Ursache zu­
zuordnen, die nicht durch rückzuführen sind, drängt
eine Intelligenzminderung, sich natürlich immer wieder
eine hochgradige Hörstörung, die Frage auf, warum die Pro­
ungünstige Umweltbedingun- bleme denn überhaupt beste­
gen oder tiefgreifende Entwick- hen. Bei manchen – nicht bei al­
lungsstörungen bedingt sind. Bei len – Kindern mit SES können De­
jedem Kind mit einer verzögerten fizite basaler kognitiver Leistungen
Sprachentwicklung sind deshalb die wie von Ihnen angesprochen vorliegen.
nonverbalen kognitiven Fähigkeiten mit Dabei ist jedoch keineswegs geklärt, ob
einem geeigneten Intelligenztest zu be- diese Einschränkungen tatsächlich eine
urteilen. Nochmal zurück zu DLD/SES: Abbildung 1 international verwendete Begriffe Ursache der SES darstellen oder ob die
Altersgerechte nonverbale kognitive Leis- aus Bishop et al., 2017 Wirkungsrichtung nicht auch umgekehrt
dialog

tungen sind nun nicht mehr zwingend für verlaufen kann. Möglich ist auch, dass
die Zuordnung? verschiedene Einschränkungen paral­
lel zueinander bestehen, ohne dass eine
Ck l So ist es. Das Kriterium der alters­ Differenzen ergeben sich aus widersprüch- die andere direkt beeinflusst. In Bezug
gerechten nonverbalen kognitiven Leis­ lichen Falldefinitionen, einer ungleichen auf die Ursachenfrage stehen genetische
tungen ist ohnehin schon seit langem Bewertung der normalen Variationsbreite Faktoren im Vordergrund, siehe AWMF­
umstritten und wurde jetzt fallen ge­ der Sprachentwicklung und Unterschieden Leitlinie. Vieles spricht dafür, dass vor
lassen. Bishop plädiert dafür, dass eine im diagnostischen Vorgehen. allem Vererbungsfaktoren eine wichtige
Diskrepanz zwischen verbalen und non­ Rolle bei der Entstehung von SES spielen.
verbalen Fähigkeiten kein diagnostisches Ck l Zur Prävalenz ergab eine Untersu­
Kriterium darstellen sollte, sondern dass chung von Norbury et al. 2016, dass die ke l Differenzialdiagnostik bleibt demnach
vielmehr auch Kinder mit einem niedri­ Häufigkeit von Sprachentwicklungsstö­ wichtig, auch wenn sich das in der verein-
geren IQ und sprachlichen Symptomen rungen insgesamt bei etwa 10% anzu­ fachten Benennung nicht niederschlägt?
zur Gruppe DLD/SES gezählt werden soll­ setzen ist. Davon fielen 2,4% auf SES
ten. Leichte kognitive Einschränkungen mit Komorbiditäten und 7,6% auf SES Ck l Ich glaube nicht, dass die neue Termi­
werden in diesen Fällen als begleitende mit unbekannter Ursache, also DLD. nologie irgendetwas am diagnostischen
Probleme angesehen; von einer eindeuti­ Von letzteren wiederum zeigten knapp oder therapeutischen Vorgehen ändert.
gen kausalen Beziehung zur SES in dem zwei Drittel eine unauffällige nonverbale Wir brauchen die Differenzialdiagnostik
Sinne, dass die kognitiven Schwächen die Intelligenz und ein gutes Drittel einen von medizinischer Seite, um mögliche,
SES verursachen, kann man hier nicht unterdurchschnittlichen nonverbalen IQ. die SES verursachende Krankheitsbilder
ausgehen. Kinder mit Krankheitsbildern, Auch hier wird deutlich, dass selbst bei und Komorbiditäten zu erkennen bzw.
die mit einer geistigen Behinderung ver­ den Sprachentwicklungsstörungen ohne ausschließen zu können. Wir wollen uns
bunden sind, wie z. B. bei genetischen Komorbidität die nonverbalen kognitiven ein Bild über die Stärken und Schwächen
Syndromen, sind hier natürlich nicht Leistungen nicht immer altersentspre­ des Kindes in allen Entwicklungsberei­
gemeint, sie fallen unter die Bezeichnung chend sind und nicht unbedingt deutlich chen machen, sodass es die notwendigen
der ‚SES assoziiert mit ...‘. besser als die sprachlichen Leistungen Hilfestellungen erhält. Darüber hinaus ist
ausfallen. Weder das Normalitäts­ noch die sorgfältige Diagnostik der Sprachfä­
ke l SES gehört ja zu den häufigsten Ent- das Diskrepanzkritierium ist somit bedin­ higkeiten auf allen Ebenen des Sprach­
wicklungsstörungen im Vorschulalter, die gend für die Diagnose SES/DLD. Die SES systems und ­gebrauchs nach wie vor
Angaben sind unklar und schwanken erweist sich also als weniger „umschrie­ unabdingbar, um gezielte sprachthera­
zwischen 2% und 40%. Diese extremen ben“ als zuvor angenommen. peutische Maßnahmen planen zu können.

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ke l Nun, Sprache ist ja eine komple- handelt werden, die Konzeption der
xe zerebrale Leistung, welche die Sprachtherapie verändern sie nicht.
Intaktheit zahlreicher kognitiver
Grundfunktionen zur Voraus- ke l Sie sagten ja eingangs, dass
setzung hat. In einigen Er- wir nun in die Diskussion um
klärungsmodellen werden die Terminologie einsteigen
Defizite basaler Fähigkeiten und überlegen, was für den
als pathogenetischer Hinter- deutschen Sprachraum sinn-
grund von Sprachentwick- voll ist. Wer ist mit „wir“ ge-
lungsstörungen angesehen meint und was genau wird
und deren Training als kau- ???? da unternommen?
sale Therapie betrachtet.
Ck l Mir geht es zunächst um
Ck l Sprachtherapie ist Information über die Hinter­
symptomatisch ausgerichtet, gründe der Debatte. Natürlich
eine kausale Therapie, die die wäre es mehr als wünschenswert,
Ursache der SES beseitigt, gab wenn alle Beteiligten, also Verord­
und gibt es nicht. Verschiedenste nerinnen, Therapeutinnen, Lehrende,
kindzentrierte, sprachsystematische Studierende usw. eine einheitliche Ter­
Ansätze, wie sie z. B. in Kauschke und minologie verwendeten und, was fast
de Langen­Müller, 2014, im Überblick noch wichtiger ist, unter bestimmten Be­
Abbildung 2 vorschläge für eine deutsche
dargestellt werden, bauen auf ganz ähn­ terminologie griffen dasselbe verstehen. Dazu braucht
lichen Grundgedanken auf. Da die SES es eine interdisziplinäre Diskussion und

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nicht ursächlich zu behandeln ist, wird Konsensfindung, gefolgt von Maßnahmen
gezielt an den sprachlichen Symptomen zur Verbreitung. Die Berufs­ und Fachver­
angesetzt, indem die Lernbedingungen len darauf ab, die Ressourcen des Kindes bände können dabei eine wichtige Rolle
auf vielfältige Art und Weise verbessert zu stimulieren und Veränderungen des spielen. Konkret haben Prof. Dr. Susanne
werden: durch Optimierung der Lernum­ sprachlich­kommunikativen Systems Vogt und ich eine AG zu diesem Thema
gebung, Anreicherung des Sprachange­ auszulösen, sodass das Kind effizienter für die ISES­Tagung im November in
bots, Erhöhung der Sensibilität für neue und schneller von seiner Umgebung ler­ Dortmund angemeldet, dort gäbe es eine
sprachliche Strukturen, Förderung der nen kann. Diese Grundgedanken sind gute Möglichkeit zum Austausch.
Verarbeitung und des Verständnisses unabhängig davon, ob die Bezeichnung
von Sprache, Schaffung strukturierter SSES oder SES lautet und auch davon, ke l Ja, diese Tagung der Gesellschaft
Produktionsgelegenheiten, in denen das ob das Kind neben seinen Sprachpro­ für interdisziplinäre Spracherwerbsfor-
Kind neue Zielstrukturen erproben kann, blemen noch weitere Schwierigkeiten in schung und kindliche Sprachstörungen
Angebot förderlicher Rückmeldungen, anderen Entwicklungsbereichen hat. Ist im deutschsprachigen Raum, abgekürzt
ggf. auch metasprachliche Verdeutli­ dies der Fall, müssen diese begleiten­ GISKID, ist sicherlich ein sehr guter Rah-
chung sprachlicher Regularitäten. Alle den Einschränkungen natürlich gesehen, men dafür, denn dort sind Praktikerinnen
diese therapeutischen Bemühungen zie­ berücksichtigt und ggf. auch eigens be­ und Forscherinnen vertreten.

für alle, die sich tiefer in die thematik einarbeiten möchten, listen wir hier abschließend die in unserem gespräch erwähnte literatur auf:

Bishop, D. V. M., Snowling, M. J., Thompson, P. A., Greenhalgh, T., & von Sprachentwicklungsstörungen (SES) unter Berücksichtigung um-
CATALISE­2 consortium (2017). Phase 2 of CATALISE: A multina­ schriebener Sprachentwicklungsstörungen. Frankfurt/Main: Peter Lang.
tional and multidisciplinary Delphi consensus study of problems with
language development: Terminology. Journal of Child Psychology and Kauschke, C., & de Langen­Müller, U. (2014). Sprachtherapeutische
Psychiatry, 58 (10), 1068­1080. Intervention bei Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen. Kinder-
und Jugendmedizin, 5, 306­316.
Bishop, D. V. M. (2017). Why is it so hard to reach agreement on terminol­
ogy? The case of developmental language disorder (DLD). International Norbury, C. F., Gooch, D., Wray, C., Baird, G., Charman, T., Simonoff, E.,
Journal of Language and Communication Disorders, 52 (6), 671­680. Vamvakas, G., & Pickles, A. (2016). The impact of nonverbal ability on
prevalence and clinical presentation of language disorder: evidence
De Langen­Müller, U., Kauschke, C., Kiese­Himmel, C., Neumann, K., from a population study. Journal of Child Psychology and Psychiatry,
& Noterdaeme, M. (2012). Interdisziplinäre S2k-Leitlinie: Diagnostik 57 (11), 1247­1257.

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