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Landeshauptstadt

München
Kreisverwaltungsreferat
Branddirektion

Veranstaltungssicherheit

Berufsfeuerwehr
München
Veranstaltungssicherheit
Leitfaden für Feuerwehr, Sicherheitsbehörde und Polizei
sowie Veranstalter und deren Sicherheitsdienstleister

3. überarbeitete und um die Erkenntnisse des BMBF-Forschungsprojektes


„BaSiGo – Bausteine für die Sicherheit von Großveranstaltungen“
erweiterte Auflage der Vorgängerschrift
„Handreichung für die Sicherheit von Großveranstaltungen“

Eine Anwendungsempfehlung durch das


Bayerische Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr
analog zur 2. Auflage wird angestrebt.

Stand: Juni 2015


Impressum

Herausgeberin und Kontakt: Urheber- und Kopierrechte:

Landeshauptstadt München Eine Vervielfältigung dieser Unterlage oder Teile


Kreisverwaltungsreferat, HA IV – Branddirektion davon ist auch im Einzelfall nur in den Grenzen
Einsatzvorbeugung – Kontrolle der gesetzlichen Bestimmungen des Urheber-
Veranstaltungssicherheit rechtsgesetzes (UrhG) in der jeweils geltenden
An der Hauptfeuerwache 8 Fassung möglich. Die dadurch begründeten
80331 München Rechte, insbesondere die der Übersetzung, des
Telefon (0 89) 23 53 – 40 00 Nachdrucks, der Entnahme von Abbildungen,
Telefax (0 89) 23 53 – 61 34 Texten und Tabellen, der Mikroverfilmung und
bfm.veranstaltungssicherheit@muenchen.de der Einspeisung in Datenbanksysteme bleiben,
auch auszugsweise, der Branddirektion Mün-
In Zusammenarbeit mit den Partnern des durch chen und den Autoren vorbehalten.
das Bundesministerium für Bildung und For-
schung im Rahmen des Sicherheitsforschungs- Hinweise:
programms der Bundesregierung unter dem
Förderkennzeichen 13N12048 geförderten Diese aktualisierte Version enthält Inhalte des
Projektes „BaSiGo – Bausteine für die Sicher- BaSiGo-Guides, eines Handbuches, das nach
heit von Großveranstaltungen“. Projektende in der Schriftenreihe „Praxis im
Bevölkerungsschutz“ des Bundesamtes für Be-
Projektpartner neben der Branddirektion völkerungsschutz und Katastrophenhilfe (Hrsg.)
München sind: erscheint.
- Bergische Universität Wuppertal
- Berliner Feuerwehr Aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit wird
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und auf die geschlechtsneutrale Differenzierung,
Katastrophenhilfe z. B. Besucher/innen, verzichtet. Sämtliche
- Deutsche Hochschule der Polizei Rollen-Bezeichnungen gelten im Sinne der
- Forschungszentrum Jülich Gleichbehandlung grundsätzlich für beide Ge-
- IST GmbH schlechter.
- PTV Group
- Universität Siegen Stand: Juni 2015
- Vereinigung zur Förderung des Deutschen
Brandschutzes e.V.

Downloadbereich der Branddirektion München zum Thema Veranstaltungssicherheit sowie die aktuelle
Version dieses Leitfadens:
www.muenchen.de/branddirektion-veranstaltungssicherheit
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Hauptautoren und für die Redaktion Autoren / Mitwirkende:
verantwortlich:
BaSiGo-Projektpartner
Peter Bachmeier, München Kapitel 2.4., 7.1.
Johannes Thomann, München
Dennis Vosteen, München Bergische Universität Wuppertal /
Lehrstuhl Methoden der Sicherheitstechnik /
Planung und Koordination: Unfallforschung
Kapitel 3.2.
Manuela Kiefer, München
Bergische Universität Wuppertal /
Lektorat: Lehr- und Forschungsgebiet Straßenverkehrs-
planung und Straßenverkehrstechnik
Claudia Picker, München Kapitel 3.3.2.2.13.
Ewald Penzenstadler, München
Deutsche Hochschule der Polizei /
Grafik: Fachgebiet „Öffentliches Recht mit Schwer-
punkt Polizeirecht einschließlich des internatio-
wpgh kommunikation gmbh, München nalen Rechts und des Europarechts“
Kapitel 2.3.10., 4.
Druck:
Deutsche Hochschule der Polizei /
Aumüller Druck, Regensburg Fachgebiet „Polizeiliches Krisenmanagement“
Kapitel 2.3.9., 5., 6.2.
Gedruckt auf Papier aus zertifizierten Holz aus
kontrollierten Quellen und Recyclingmaterial Anne Fiedler, Jochen Herrmann, Uli Barth,
Peter Bachmeier, Paolo Henkelmann
Kapitel 3.2.4.

Dieser Leitfaden ist entstanden auf Grundlage Der Leitfaden folgt dem Aufbau:
des Praxiswissens der Berufsfeuerwehr München
sowie unter Verwendung wissenschaftlicher • Einführung in das „System Veranstaltung“
Erkenntnisse des bundesweiten Forschungs- • Einordnung der beteiligten Akteure
projektes „BaSiGo – Bausteine für die Sicher- • Unterteilung der Veranstaltung in Phasen, um
heit von Großveranstaltungen“, gefördert Bearbeitungsschwerpunkte zu erkennen
durch das Bundesministerium für Bildung und • Festlegung der Verantwortlichkeiten durch
Forschung. eine klare Rollenverteilung
Es wird eine Anwendungsempfehlung durch • Benennung und Erläuterung der Inhalte des
das Bayerische Staatsministerium für Inneres, Sicherheitskonzeptes
Bau und Verkehr analog zur vorherigen Auflage • Beschreibung des Genehmigungsverfahrens
angestrebt. • Planung für und Reaktion auf sicherheitsrele-
vante Ereignisse anhand verschiedener Arten
des Betriebes während der Durchführung der
Veranstaltung
5
Inhalt

Vorwort 8
1. Zielsetzung 10
2. Einführung 14
2.1. Definition von Veranstaltungen 16
2.2. Kategorisierung von Veranstaltungen 16
2.3. Beteiligte einer Veranstaltung 17
2.3.1.
Veranstalter 18
2.3.2.
Betreiber 19
2.3.3.
Veranstaltungsleiter 19
2.3.4. Ordnungsdienst / Sicherheitsdienst 19
2.3.5.
Sanitätsdienst 19
2.3.6. Feuerwehr / Brandschutzdienststelle 20
2.3.7.
Rettungsdienst 21
2.3.8.
Katastrophenschutz 22
2.3.9. Polizeiliche Gefahrenabwehr 22
2.3.10.
Genehmigungsbehörden 24
2.3.11. Weitere regelmäßig Beteiligte einer Veranstaltung 25
2.4. Veranstaltungsphasen 25
2.4.1. Ideenphase 25
2.4.2. Planungsphase 25
2.4.3. Umsetzungsphase 26
2.4.4. Durchführungsphase 26
2.4.5. Nachbereitungsphase 26
3. Planungsphase 28
3.1. Darstellung der Veranstaltungsidee 30
3.2. Risikobeurteilung 31
3.2.1. Grundsätze einer Risikobeurteilung 32
3.2.2. Risikobewertung 36
3.2.3. Risikobewältigung 37
3.2.4. Risikoeinteilung 37
3.3. Sicherheitskonzept 50
3.3.1. Allgemeines 50
3.3.2. Inhalt eines Sicherheitskonzeptes 51
3.3.3. Herstellen des behördlichen Einvernehmens 84
4. Genehmigungsverfahren 86
4.1. Anmeldung der Veranstaltung 86
4.2. Funktionen der Behörden im Genehmigungsverfahren 86
4.3. Verfahren / Prüfung 89
4.4. Einheitlicher Ansprechpartner 90
4.5. Erstellen von Bescheiden / Interessensabwägung 90
4.6. Gesetzliche Grundlagen 91

6
4.6.1. Bundesrecht 92
4.6.2. Landesrecht am Beispiel Bayern 95
4.6.3. Beispiele für weitere Landesrechte mit Veranstaltungsbezug 98
4.6.4. Beispiel „Hamburger Fischmarkt“ auf dem Wittelsbacher Platz in München 99
4.7. Die Kommune als Veranstalter 99
4.7.1. Verfahrensrechtliche Konstruktion 100
4.7.2. „In-sich-Verfahren“ 100
4.7.3. Empfehlung 100
5. Einsatzplanung der polizeilichen und nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr
sowie der Sicherheitsdienstleister des Veranstalters 102
5.1. Allgemeines 104
5.2. Einsatzplanung der Feuerwehr 105
5.3. Einsatzplanung des Rettungsdienstes 107
5.4. Einbindung der Polizei insbesondere bei Brandereignissen,
Technischen Hilfeleistungen und Großschadensfällen 108
6. Durchführungsphase 110
6.1. Betriebsarten der Veranstaltung 112
6.1.1. Regelbetrieb (Ampelphase „Grün“) 113
6.1.2. Abstimmungsbedürftiges Veranstaltungsereignis (Ampelphase „Gelb“) 113
6.1.3. Schadensfall (Ampelphase „Rot“) 113
6.2. Umgang mit Szenarien 114
6.2.1. Informationsgewinnung 114
6.2.2. Informationsweitergabe 115
6.2.3. Beurteilung der Lage 115
6.2.4. Entschlussfassung 116
6.2.5. Maßnahmenumsetzung 116
6.2.6. Dokumentationspflichten 116
7. Nachbereitungsphase 118
7.1. Nachbereitung einer Veranstaltung 120
7.2. Veranstaltungsnachbereitung am Beispiel München 121
8. Weiterführende Literatur 122
9. Verzeichnisse 126
9.1. Quellen 128
9.2. Abkürzungen 129
9.3. Tabellen 130
9.4. Abbildungsnachweis 130
10. Anlagen 132

7
Vorwort

Die Sicherheit von Veranstaltungen ist ein The- Die Sicherheit von Veranstaltungen ist jedoch
ma von allgemeingesellschaftlicher Relevanz für die Branddirektion München weiterhin ein
– egal ob Fußballbundesligaspiel in Dortmund, Kernthema. Jährlich werden im Brandschutz-
Marathon in Hamburg, Messe in Leipzig, Open- abschnitt „Veranstaltungen“ mehr als 2.000
Air Konzert in Kassel oder der Besuch des Veranstaltungen bearbeitet und das Einverneh-
Oktoberfestes in München als weltweit größtes men zu mehr als 70 Sicherheitskonzepten von
Volksfest: Nahezu jeder Mensch in Deutschland unterschiedlichsten Veranstaltungen hergestellt.
sowie unzählige Gäste aus der ganzen Welt Diese Erfahrung hat uns nicht nur zu Experten
besuchen jedes Jahr die unterschiedlichsten für Veranstaltungssicherheit im Rahmen der
Veranstaltungen. Das Gefühl des gemeinsamen Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuer-
Erlebens ist in den letzten Jahren ungebrochen, wehren in Deutschland (AGBF Bund) gemacht,
so dass immer neue Ideen für Veranstaltungen sondern auch zu unserer Partnerschaft am
entstehen und sich zumeist größter Beliebtheit durch das Bundesministerium für Bildung und
erfreuen. Forschung (BMBF) geförderte interorganisatio­
nale Verbundprojekt „BaSiGo – Bausteine für
Die Geschehnisse auf der Love Parade in Duis- die Sicherheit von Großveranstaltungen“ ge­-
burg im Jahr 2010 haben jedoch die Freude an führt. Als größte kommunale Feuerwehr
den Veranstaltungen getrübt und die Unsicher- Deutschlands konnten wir in diesem Projekt
heit auf Seiten der Veranstalter, der Geneh- besonders die Anforderungen der kommunalen
migungsbehörden und der Gefahrenabwehr Behörden betonen und deren Interessen zur
verstärkt. Das Bayerische Innenministerium hat Geltung bringen.
umgehend nach dem Unglück von Duisburg re-
agiert und die Konsequenzen aus den Gescheh- Mit Abschluss des Projektes in 2015 wollen
nissen in einer Arbeitsgruppe aufgearbeitet. Die wir nun die im Forschungsprojekt durch wis-
Branddirektion München war intensiv an dieser senschaftliche und praxisbezogene Expertise
Arbeitsgruppe beteiligt und konnte das eigene erstellten Ergebnisse mit dem Ziel nutzen,
Wissen und die eigenen Fähigkeiten einbringen. einen nicht nur in Bayern, sondern bundesweit
Die bereits im Vorfeld durch die Branddirektion umsetzbaren aktuellen Leitfaden zur Veranstal-
herausgegebene „Handreichung für die Sicher­ tungssicherheit zu erstellen und die Handrei-
heit von Großveranstaltungen“ hat die in chung aus dem Jahr 2012 fortzuschreiben. Der
Deutsch­land bestehende rechtliche Handlungs- Leitfaden soll keine anderen in Deutschland
lücke außerhalb des § 43 der Musterversamm- erstellten Papiere zur Veranstaltungssicherheit
lungsstättenverordnung für Veranstaltungen im ersetzen, sondern diese durch aktuelle Erkennt-
Freien durch praxisbezogene Herangehenswei- nisse und erfolgreich in der Praxis angewandte
se und unter Einbeziehung der polizeilichen und Lösungsansätze ergänzen.
ordnungsrechtlichen Gefahrenabwehr verklei-
nert.

8
Aus den Erfahrungen der Veranstaltungsbear- In München hat die kontinuierliche Bearbeitung
beitung in München wird vor allem das Thema und Nachbereitung von Veranstaltungen dazu
der Verantwortung aufgegriffen und die Veran- geführt, dass die Herausforderung, Veranstal-
staltung in Phasen zur leichteren Bearbeitung tungen zu ermöglichen, zum Selbstverständnis
unterteilt. Die tatsächliche Durchführung der bei der Branddirektion geworden ist. Die jährli-
Veranstaltung wird in verschiedene, sicherheits- che Verbesserung des hohen Sicherheitsstan-
relevante Arten des Betriebes aufgegliedert dards auf dem Oktoberfest ist zu einem Thema
und damit die Reaktion hierauf präzisiert. Das der gesamten Branddirektion München gewor-
Kernelement dieses Leitfadens bildet weiterhin den, an dem sich alle Abteilungen intensiv mit
die Erstellung und Formulierung eines Sicher- Ideen beteiligen und diese aktiv gestalten, um
heitskonzeptes, das oftmals bei Erstellern und zur stetigen Verbesserung beizutragen; ge-
Prüfern aufgrund uneinheitlicher Regelungen zu mäß dem Motto: „Nach der Wiesn ist vor der
Schwierigkeiten führt. Wiesn.“ Die Verbesserung der Sicherheit zum
Wohle und im Interesse der Besucher einer
Das Ziel der Branddirektion München ist es, Veranstaltung ist das Ziel dieses Leitfadens.
Praxis und Wissenschaft so zu verbinden und
die Ergebnisse aufzubereiten, dass das Wis- München, im Juni 2015
sen universell anwendbar, leicht verständlich
und der Prozess „Veranstaltungssicherheit“ Oberbranddirektor
damit transparent gestaltet werden kann. Im Diplom-Ingenieur Wolfgang Schäuble
Leitfaden wird dementsprechend zuerst die Leiter der Branddirektion München
Zielsetzung konkretisiert und in das System
„Veranstaltung“ mit den beteiligten Akteuren
sowie den Veranstaltungsphasen zur Einteilung
der Bearbeitungsschwerpunkte eingeführt.
Anschließend folgt eine klare Rollenverteilung
zur Festlegung der Verantwortlichkeit, um im
Anschluss die Inhalte des Sicherheitskonzeptes
als Kern der Bearbeitung zu erläutern und dann
das Genehmigungsverfahren zu beschreiben.
Darauf aufbauend geht es um die Planung
und Umsetzung für Veranstaltungsereignisse
anhand der Betriebsarten der Veranstaltung und
abschließend die Nachbereitung der Veranstal-
tung durch die beteiligten Akteure.

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1

10
1

Zielsetzung

11
1
1. Zielsetzung

Dieser Leitfaden richtet sich an alle an einer Veranstaltungen in genehmigten Versamm-


Veranstaltung konzeptionell, planerisch oder lungsstätten werden im Rahmen der baurecht-
mit der Durchführung befassten Institutionen, lichen Genehmigung und der wiederkehrenden
Unternehmen und Personen. Er fasst dabei die baurechtlichen Überprüfungen hinsichtlich des
wesentlichen Aspekte für eine sichere Durch- gegebenen Risikos übergeprüft. Eine umfassen-
führung von Veranstaltungen zusammen. Es de Anwendung des Leitfadens scheint daher
ist nicht das Ziel des vorliegenden Leitfadens, entbehrlich, solange die Nutzung der Genehmi-
bestehende und anerkannte Veröffentlichungen, gung entspricht, diese nicht über den üblichen
wie den „Orientierungsrahmen für die kommu­ Umfang hinausgeht und keine besonderen
nale Planung, Genehmigung, Durchführung Gefährdungen zu erwarten sind.
und Nachbereitung von Großveranstaltungen Der Leitfaden kann den Entscheidern auch
im Freien“ des Ministeriums für Inneres und bei spontan oder regelmäßig stattfindenden
Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalens Veranstaltungen ohne festgelegte Organisation,
(MIK NRW), zu ersetzen, sondern diese zu wie z. B. Silvester-Feiern in Fußgängerzonen
ergänzen. oder Feiern nach Fußballspielen, als Richt-
schnur dienen. Diese Events sind schwieriger
Der Föderalismus verhindert allgemeingültige zu handhaben, da ein Veranstalter als Verant-
Rechtsgrundlagen zur Durchführung sicherer wortlicher fehlt. Dennoch muss die Kommune
Veranstaltungen zu benennen. Es ist dennoch entsprechende Vorkehrungen zur Schadensver-
möglich und sinnvoll auf Basis des Schutzni- meidung, Schadensbegrenzung etc. treffen und
veaus der Muster-Versammlungsstättenverord- Einsatzplanungen vornehmen.
nung (MVStättVO) Risikobetrachtungen vorzu-
nehmen. Als Grundlage für die Ausführungen
wurde daher die MVStättVO gewählt. Teilweise
erfolgen mit entsprechenden Hinweisen länder-
spezifische Aussagen zu Bayern.

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1

13
2

14
2

Einführung

2.1. Definition der Veranstaltung


2.2. Kategorisierung der Veranstaltung
2.3. Beteiligte einer Veranstaltung

2.3.1. Veranstalter
2.3.2. Betreiber
2.3.3. Veranstaltungsleiter
2.3.4. Ordnungsdienst / Sicherheitsdienst
2.3.5. Sanitätsdienst
2.3.6. Feuerwehr / Brandschutzdienststelle
2.3.7. Rettungsdienst
2.3.8. Katastrophenschutz
2.3.9. Polizeiliche Gefahrenabwehr
2.3.10. Genehmigungsbehörden
2.3.11. Weitere regelmäßig Beteiligte der Veranstaltung
2.4. Veranstaltungsphasen

2.4.1. Ideenphase
2.4.2. Planungsphase
2.4.3. Umsetzungsphase
2.4.4. Durchführungsphase
2.4.5. Nachbereitungsphase
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2
2. Einführung

2.1. Definition von Der Zweck kann in Anlehnung an § 2 Abs. 1


MVStättVO erzieherischer, wirtschaftlicher,
Veranstaltungen geselliger, kultureller, künstlerischer, politischer,
sportlicher oder unterhaltender Art sein. Hier
Die Vereinigung zur Förderung des deutschen
ist die Abgrenzung zur nach Art. 8 Grundge-
Brandschutzes e.V. (vfdb) (ebd., 2010) hat eine
setz (GG) beziehungsweise den einschlägigen
allgemeine Definition des Begriffes „Veran-
Gesetzen der Länder geschützten Versammlung
staltung“ in einer Richtlinie erarbeitet:
relevant, da diese besonderen Schutz genießt.
Trotzdem kann der Leitfaden in Teilen für die si-
„Veranstaltungen im allgemeinen Sinne sind
cherheitsrechtliche Beurteilung einer Versamm-
organisierte Treffen von Menschen über eine
lung verwendet werden. Selbstverständlich ist
bestimmte Zeit an einem bestimmten Ort
dabei der jeweilige, konkrete Prüfungsmaßstab
oder mehreren Orten gleichzeitig zu einem
zu beachten (z. B. kann ein umfassendes Sicher-
vorher festgelegten Zweck. Veranstaltungen
heitskonzept von einem Versammlungsanmel-
werden zeitlich vorher geplant.“
der in der Regel nicht eingefordert werden).

2.2. Kategorisierung von


Veranstaltungen
Die Infrastruktur einer Gemeinde ist in der
Regel auf die Einwohnerzahl, den üblichen
Pendlerverkehr und den Tourismus ausgelegt.
Wird diese Zahl nicht wesentlich überschritten,
so kann die An- und Abreise gut organisiert
werden, die Versorgung ist sichergestellt und
die Gefahrenabwehr (Feuerwehr, Polizei und
Rettungsdienst) ist hierauf eingestellt. Erfah-
rungsgemäß können somit Veranstaltungen mit
einer Besucherzahl, die ein Drittel der Einwoh-
nerzahl nicht übersteigt, bewältigt werden.

Die Definition und Kategorisierung einer Ver-


anstaltung kann nicht alleine an der erwarteten
Abb. 1: Darstellung der Definition einer Veranstaltung Besucher- oder Teilnehmerzahl festgemacht
werden, sondern erfordert jeweils eine Einzel-
Diese Definition deckt sich mit der üblichen Auf- fallabschätzung. Entscheidend ist, ob ein erhöh-
fassung, wann von einer Veranstaltung die Rede tes Gefahren- oder Konfliktpotenzial vorliegt.
ist. Darüber hinaus zeichnet eine Veranstaltung
aus, dass eine leibhaftige („natürliche“) Person Hierfür sind insbesondere folgende Kriterien
oder eine juristische Person (die wiederum heranzuziehen:
durch eine natürliche Person vertreten wird)
die Organisation als „Veranstalter“ übernimmt • Anzahl der Besucher / Teilnehmer
und es einen an diese Person adressierten • Relation der Besucher- / Teilnehmerzahlen zu
Genehmigungsbescheid (oder entsprechendes der vorhandenen Infrastruktur (Gemeinde-
behördliches Dokument) gibt. größe, Verkehrsanbindung etc.)
• Veranstaltungsort (Lage und Ausgestaltung,
Dies ist ein wesentliches Unterscheidungs- genehmigte Versammlungsstätte, neue bezie-
merkmal zu spontanen Feierlichkeiten oder hungsweise unbekannte Örtlichkeit etc.)
Zusammenkünften zahlreicher Menschen ohne • Infrastruktur am Veranstaltungsort (Zuwegun-
Veranstalter (z. B. Autocorso, Silvester). gen, Verkehrsanbindung, Anwohner / Anlieger
etc.)

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2
• Art der Veranstaltung (Alter der Besucher, • Für die sichere Durchführung einer Veran-
Umfang des Alkoholkonsums, Aggressionspo- staltung ist grundsätzlich der Veranstalter
tenzial, Konfliktpotenzial der Teilnehmer etc.) verantwortlich.
• erwartetes Verhalten der Besucher (aggressiv, • Die Genehmigungsbehörde erstellt, über-
hysterisch etc.) wacht und vollstreckt die Veranstaltungsaufla-
• zu erwartende Umwelt- und Wettereinflüsse gen.
• Die Behörden der Gefahrenabwehr (vor allem
Bei Beachtung und Beurteilung dieser und Feuerwehr / Brandschutzdienststelle, Polizei,
gegebenenfalls weiterer Aspekte im Rahmen Träger des Rettungsdienstes, Katastrophen-
einer Risikobeurteilung (s. Kapitel 3.2.) können schutzbehörde) sind Fachbehörden zur Unter-
verschiedene Kategorien von Veranstaltungen stützung der Genehmigungsbehörde.
unterschieden werden: • Der Sanitäts- sowie der Ordnungsdienstan-
bieter, Caterer etc. sind Dienstleister des
• normale Veranstaltung Veranstalters.
• kritische Veranstaltung
• Großveranstaltung Verschwimmen diese Rollen, führt dies unwei-
• kritische Großveranstaltung gerlich zu einer Unklarheit in der Verantwort-
lichkeit und damit zu einer möglichen Vernach-
lässigung der Aufgaben und Entscheidungen,
was besonders im abstimmungsbedürftigen
Veranstaltungsereignis beziehungsweise im
Anzahl der Besucher

Großveranstaltung Schadensfall (s. Kapitel 6.1.) stark negative Aus-


ng wirkungen haben kann. Die Klarheit der Rollen
altu
ranst ist essentiell zur Verkürzung der Chaosphase.
ßve
Gro Jeder der beteiligten Akteure muss sich auf die-
zur
w elle se besondere Situation individuell vorbereiten
Sch
und die eigene Aufgabe im Koordinierungskreis
„normale“ Veranstaltung
(s. Kapitel 3.3.) beziehungsweise im Krisenstab
des Landkreises kennen.
Größe der Kommune

Teilweise können die Rollen während der einzel-


Abb. 2: Abgrenzung Veranstaltung – Großveranstaltung
nen Veranstaltungsphasen (s. Kapitel 2.4.) sogar
variieren. In der Ideen- und Planungsphase einer
Aus der Einordnung in eine der beispielhaft Veranstaltung beispielsweise kann die Fachbe-
genannten Kategorien folgen dann unter- hörde als Dienstleister eine beratende Funktion
schiedliche Maßnahmen, die für die jeweiligen für den Veranstalter und die Genehmigungsbe-
Beteiligten je nach Aufgaben- beziehungsweise hörde übernehmen. In der Durchführungsphase
Zuständigkeitsbereich in unterschiedlichem ist es dann die Aufgabe derselben Behörde,
Umfang oder mit unterschiedlichen Schwer- die Umsetzung der von ihr gestellten Auflagen
punkten durchgeführt werden. Für den Bereich zu überprüfen und bei Nichtbeachtung diese
Feuerwehr findet sich in Anlage 2 der Sicher- einzufordern beziehungsweise eine Sanktion
heitskoeffizient Brandschutz, der als ein Beispiel auszusprechen. Im abstimmungsbedürftigen
dienen kann. Jedem Bereich, insbesondere auf Veranstaltungsereignis beziehungsweise im
Seiten der Behörden, wird empfohlen für den Schadensfall wiederum unterstützt die Fachbe-
eigenen Zuständigkeitsbereich ein entsprechen- hörde entsprechend ihrer fachlichen Zuständig-
des Bewertungssystem zu etablieren und so keit bei der Bewältigung der Problemstellung.
Beurteilungssicherheit für den Sachbearbeiter
und Transparenz gegenüber den Kunden zu Die einzelnen Akteure müssen sich daher,
schaffen (s. a. 3.2.4). gerade im Rahmen der interorganisationalen
Zusammenarbeit, ihrer eigenen Rolle in den ein-
2.3. Beteiligte einer Veranstaltung zelnen Veranstaltungsphasen bewusst sein, um
zielgerichtet an der Sicherheit mitwirken zu
Die Rollenklärung der einzelnen an der Veran- können und vor allem keine notwendigen Auf-
staltung beteiligten Akteure stellt eine Grundvo- gaben unbewusst zu unterlassen.
raussetzung für die Sicherheitsplanung dar. Die
zentrale Frage lautet dabei: „Wer macht was, Die Rollenklarheit ist besonders dann von
wann und warum?“ Die einzelnen an der Veran- Bedeutung, wenn mehrere Rollen im Genehmi-
staltung beteiligten Akteure müssen sich daher gungsverfahren zusammenfallen. Ein häufiges
ihrer Rechte, aber auch Pflichten bewusst sein: Beispiel sind Kommunen, die nicht nur Geneh-

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2
migungs- und Sicherheitsbehörde, sondern nicht nur eine Reihe an Rechten, sondern auch
selbst der Veranstalter sind. Diese Konstella- Pflichten verbunden ist. Diese ergeben sich
tion kann sich gegebenenfalls negativ auf die unter anderem aus dem Genehmigungsbe-
Transparenz des Genehmigungsverfahrens scheid für die Veranstaltung, der an den Veran-
auswirken, gerade in Bezug auf die Erteilung stalter beziehungsweise die natürliche Person,
möglicher Auflagen und Nebenbestimmungen die ihn vertritt, adressiert ist. Im Umkehrschluss
zum Genehmigungsbescheid. Es empfiehlt sich ist er damit für die Einhaltung der Auflagen und
daher, um eine Interessenskollision zu vermei- Nebenbestimmungen verantwortlich.
den, in diesem Fall die einzelnen Rollen auf un-
terschiedliche Ämter / Referate beziehungswei- Der Veranstalter ist erster Ansprechpartner für
se Abteilungen aufzuteilen. Hierbei sind klare grundsätzliche Entscheidungen und letztverant-
Zuständigkeiten festzulegen, um den Fokus auf wortlich. Wichtige Entscheidungen, Einwände,
die entscheidenden Aufgaben zu richten. Eine Mängel etc. sollten immer direkt mit dem
Rollenklärung zwischen den beteiligten Behör- Veranstalter und nicht (nur) mit Dritten geklärt
den im Vorfeld ist daher zwingend erforderlich: werden. Dies setzt voraus, dass in der Pla-
namentlich benannter Veranstalter, Genehmi- nungs-, Umsetzungs- und vor allem Durchfüh-
gungsbehörde, Fachbehörden (z. B. Ordnungs- rungsphase der Veranstaltung erreichbar sein
amt, Brandschutzdienststelle, Jugendamt). muss. Gerade in der Durchführungsphase ist
Die Veranstaltung kann dann wie jede andere eine persönliche Anwesenheit und Erreichbar-
Veranstaltung bearbeitet werden und es gibt keit vor Ort oft nur schwer umzusetzen, da in
keinen Bonus für einen Veranstalter, der aus dieser Phase andere Aufgaben vom Veranstalter
einer öffentlichen Stelle kommt, sondern die wahrgenommen werden müssen (Empfang und
einzelnen Ämter / Referate beziehungsweise Betreuung wichtiger Gäste, Pressegespräche
etc.). Daher kann sich der Veranstalter durch
Abteilungen arbeiten autark und wie bei einer
einen Veranstaltungsleiter vertreten lassen.
„normalen“ Veranstaltung.
Dieser ist entsprechend (schriftlich) dazu zu
bevollmächtigen und die notwendige Entschei-
Im Kapitel 4.7. wird noch einmal ausführlich
dungsbefugnis muss übertragen werden.
auf das Zusammenfallen von Veranstalter und
genehmigender Stelle eingegangen.
Darüber hinaus kann der Veranstalter sich durch
eigene Mitarbeiter und Dienstleister unterstüt-
2.3.1. Veranstalter zen lassen. Insbesondere mit den Aufgaben
„Sanitätsdienst“ und „Ordnungsdienst“ werden
Der Veranstalter ist der Ausgangspunkt einer in aller Regel Dienstleister beauftragt. Ebenfalls
Veranstaltung. Er hat in aller Regel die Idee und wird oftmals die Erstellung des Verkehrskonzep-
das Konzept für die Veranstaltung entwickelt. tes an Spezialisten übergeben.
Er beauftragt Dienstleister und stellt die Finan-
zierung sicher. Der Veranstalter verfolgt ein Es wurden gute Erfahrungen gemacht, wenn
konkretes Ziel mit der Veranstaltung (Werbung das Sicherheitskonzept durch den Veranstalter
für sich oder ein Produkt, Unterhaltung von selbst erstellt wurde, da er für die Sicherheit
Besuchern verbunden mit finanziellem Gewinn letztendlich verantwortlich ist und die Veranstal-
für die Beteiligten, Belohnung der Besucher, tung am besten kennt. Hieran beteiligt werden
beispielsweise bei Firmenfeiern, Verdienen des sollte der Ordnungsdienstleiter, da dieser mit
Lebensunterhaltes, beispielsweise mit einem seinen Mitarbeitern das Sicherheitskonzept
Straßenfest, Sammeln von Spenden etc.). Die- maßgeblich umsetzen muss, auch wenn die
ses Ziel ist für Inhalt und Art der Veranstaltung Entscheidung zur Durchführung der Maßnah-
maßgeblich. Im Abstimmungs- und Genehmi- men an anderer Stelle getroffen wird. Wenn
gungsprozess der Planungsphase stellt es den der Veranstalter das Sicherheitskonzept selbst
Maßstab dafür dar, wie im Konfliktfall eine Lö- (mit)verfasst hat, kennt er die Planungen und
sung gefunden werden kann (welche Elemente die beschriebenen Maßnahmen haben eine
o. Ä. sind zur Erreichung des Zieles erforderlich, wesentlich höhere Akzeptanz.
welche haben keine hohe Priorität?).
Neben der gründlichen Erstellung des Sicher-
Der Veranstalter kann eine natürliche oder eine heitskonzeptes und der persönlichen Vorbe­
juristische Person sein. In dem Fall, dass er eine reitung, kann der Veranstalter durch eine
juristische Person (Wirtschaftsunternehmen, gewissenhafte Auswahl seiner (Sicherheits-)
Verein, Kommune, Körperschaft etc.) ist, ist Dienstleister die Vorplanung für den Notfall
zwangsläufig zu klären und anzugeben, wer unterstützen. Die gewissenhafte Auswahl kann
diese als natürliche Person vertritt. Hintergrund beispielsweise durch die Einholung von Erfah-
ist, dass mit der Funktion des Veranstalters rungswissen über die Arbeit der Dienstleister

18
2
oder das Anfordern von Referenzen geschehen. weisungsbefugt sein und die Entscheidungs-
Im Einzelfall kann die Nachfrage bei den zustän- kompetenz haben, um notwendige Maßnah-
digen Behörden hilfreich sein. men festlegen und umsetzen zu können.

2.3.2. Betreiber 2.3.4. Ordnungsdienst /


Sicherheitsdienst
In baulichen Anlagen ist der Betreiber der Ver­
an­staltungsörtlichkeit (beziehungsweise die Der Ordnungsdienst (häufig auch als „Sicher-
natürliche Person, die ihn vertritt) analog § 38 heitsdienst“ oder „Security“ bezeichnet) ist ein
MVStättVO für die Sicherheit der Veranstaltung Dienstleister des Veranstalters. Er setzt die im Si-
und die Einhaltung der Vorschriften verantwort- cherheitskonzept festgelegten Aufgaben und in
lich. Er ist für die Zusammenarbeit der Dienst- aller Regel auch das Hausrecht des Veranstalters
leister des Veranstalters (vor allem Brandsicher- um beziehungsweise durch, hat aber keine poli-
heitswache, Sanitätsdienst, Ordnungsdienst) zeilichen Befugnisse, d. h. er kann oft nur verbal
mit den Sicherheitsbehörden (vor allem Feuer- oder durch körperliche Präsenz wirken. Körper-
wehr, Rettungsdienst, Polizei) verantwortlich. liche Gewalt kann allenfalls nach § 127 Abs. 1
Analog dem Veranstalter muss er während der Strafprozessordnung (StPO) (Jedermann-Fest-
Durchführungsphase der Veranstaltung ständig nahme) beziehungsweise §§ 32 und 34 Strafge-
vor Ort sein, kann sich jedoch durch einen von setzbuch (StGB) (Notwehr und Rechtfertigender
ihm beauftragten Veranstaltungsleiter betreiber- Notstand) angewendet werden. Grundlage für
seits vertreten lassen. den erfolgreichen Einsatz des Ordnungsdienstes
ist, dass jeder Mitarbeiter die für ihn relevanten
Die Aufgabe des Betreibers ist es, den Betrieb Teile des Sicherheitskonzeptes kennt.
der Veranstaltung in seiner Veranstaltungsört-
lichkeit zu beenden, wenn notwendige Anlagen, Zusätzlich kann eine frühzeitige Einbindung des
Einrichtungen oder Vorrichtungen nicht betriebs- Ordnungsdienstes in die Planung der Veran-
fähig sind oder wenn Betriebsvorschriften nicht staltung durch Fachwissen und die Prüfung der
eingehalten werden können. Umsetzbarkeit der Konzepte zur Verbesserung
der Sicherheit beitragen. Die Einbindung des
Der Betreiber kann die genannten Verpflich- Ordnungsdienstleiters (ODL), der die Veranstal-
tungen durch schriftliche Vereinbarung auf tung in der Durchführungsphase betreuen wird,
den Veranstalter übertragen, wenn dieser oder bei der Erstellung des Sicherheitskonzeptes
dessen beauftragter Veranstaltungsleiter mit der sollte Standard sein, da er – wie dargestellt –
Örtlichkeit und deren Einrichtungen vertraut ist. wesentliche Teile der Verantwortung für die
Die Verantwortung des Betreibers bleibt dann sichere Durchführung der Veranstaltung trägt.
dennoch unberührt.

2.3.5. Sanitätsdienst
2.3.3. Veranstaltungsleiter
Der Sanitätsdienst ist ein Dienstleister des
Wie oben bei der Rollenbeschreibung für den Veranstalters. Häufig übernehmen Hilfsorga-
Veranstalter dargestellt, kann er sich durch einen nisationen (Malteser Hilfsdienst, Deutsches
Veranstaltungsleiter vertreten lassen. Da ein Rotes Kreuz, Johanniter Unfallhilfe, Arbeitersa-
Teil der Veranstalter mit der Durchführung von mariterbund etc.) oder Privatunternehmen, die
Veranstaltungen unerfahren ist, ist dieser Fall teilweise auch am Rettungsdienst beteiligt sind,
insbesondere bei Großveranstaltungen die Regel. diese Tätigkeit.
Der Veranstaltungsleiter übernimmt die ihm
übertragenen Pflichten und die Handlungsver- Dem Sanitätsdienst kommt die Aufgabe zu, den
antwortung für diesen Verantwortungsbereich. öffentlichen Rettungsdienst im Bereich der je­-
Er ist damit persönlich verantwortlich. Voraus- weiligen Veranstaltung durch die Versorgung von
setzung dafür ist, dass er vom Veranstalter Bagatellverletzungen und -erkrankungen (Kopf-
gewissenhaft ausgewählt wurde: Er muss schmerzen, Blasen etc.) zu entlasten und zudem
persönlich geeignet sein, über ausreichend ein frühzeitiges, qualifiziertes Eingreifen und
Fachwissen und die für die Art und Größe der damit eine Verkürzung des behandlungsfreien
Veranstaltung nötige Erfahrung verfügen. Hier- Intervalls bei medizinischen Notfällen zu gewähr-
für liegt die Verantwortung beim Veranstalter. leisten. In diesem Fall hat er die unverzügliche,
Der Veranstaltungsleiter ist erster Ansprech- zielgerichtete Alarmierung des Rettungsdienstes
partner für die Sicherheitsbehörden und muss und dessen Einweisung an der Einsatzstelle zu
Dienstleistern und Mitwirkenden gegenüber gewährleisten. Insbesondere bei weitläufigen

19
2
oder unübersichtlichen Örtlichkeiten mit einer anstaltung ein. Als Beispiel ist auf Seite 80 ein
großen Anzahl von Besuchern kommt dieser modifiziertes Maurer-Schema dargestellt, das
Aufgabe eine große Bedeutung zu. in der Landeshauptstadt München Verwendung
findet.

Die Beauftragung eines Sanitätsdienstes stellt


einen privatrechtlichen Vertrag zwischen Veran-
stalter und Anbieter dar. Der vom Veranstalter
beauftragte Sanitätsdienst ist daher lediglich
für das Veranstaltungsgelände selbst und den
unmittelbaren Umgriff zuständig und darf ohne
Auftrag der zuständigen (Rettungs- / Integrier-
ten-)Leitstelle grundsätzlich keinen eigenständi-
gen Patiententransport außerhalb des Veranstal-
tungsgeländes oder in die Klinik durchführen.
Eine Ausnahme bilden der Schutz vor Gefahren
für das Leben oder die Gesundheit des Patien-
ten, sofern der öffentliche Rettungsdienst nicht
rechtzeitig eintreffen kann und der Transport mit
Abb. 3: Unfallhilfsstelle bei einer Open-Air-Veranstaltung
der Leitstelle abgestimmt ist.
Die Abarbeitung der Aufgabenschwerpunkte
muss unverzüglich und gegebenenfalls zeitgleich 2.3.6. Feuerwehr / Brandschutz-
erfolgen können. Dies kann nur mit dem Einsatz dienststelle
geeigneter Kräfte zur Durchführung des Sanitäts-
dienstes gewährleistet werden. Die erforderliche In Deutschland kann eine Feuerwehr in der
Stärke, Ausstattung und Qualifikation ist daher Regel in drei möglichen Formen auftreten:
im Genehmigungsbescheid festzulegen. öffentliche Feuerwehr (gesetzlicher Auftrag
der Kommune), private Werkfeuerwehr (ein
Alternativ ist es möglich, dass ein vom Dienst- Unternehmen wird gesetzlich verpflichtet eine
leister (Hilfsorganisation oder privater Anbieter) eigene Feuerwehr zu unterhalten) und private
erstelltes Einsatzkonzept zur Prüfung bei der Betriebsfeuerwehr (freiwillige Aufstellung einer
Genehmigungsbehörde eingereicht wird. Die Feuerwehr durch ein Unternehmen, beispiels-
Festlegung der Mindestforderungen bezüglich weise um Sachwerte zu schützen).
Stärke, Ausstattung und Qualifikation liegt
jedoch allein in der Zuständigkeit der entspre- Bei dem umgangssprachlichen Begriff der „Feuer-
chenden Behörde. wehr“ mit den vier bekannten Schlagwörtern

Die Bemessung erfolgt meistens nach einer • Retten (einen Menschen aus einer Gefahren-
Risikoeinschätzung („Maurer-Schema“). Alter- situation in Sicherheit bringen, medizinische
nativ steht der „Kölner Algorithmus“ nach der und technische Hilfe leisten),
Methode einer ingenieur-wissenschaftlichen Be­- • Löschen (die klassische Aufgabe des abweh-
darfsplanung zur Verfügung. Generell gehen in renden Brandschutzes)
die Bemessung vorrangig die Örtlichkeit, die • Bergen (Sicherstellung von Sachgüter aus
erwartete Besucherzahl und die Art der Ver- einem Gefahrenbereich) und

Abb. 4: Löschzug der Berufsfeuerwehr München

20
2
• Schützen (Mitwirkung im Katastrophenschutz, Brandschutzdienststelle
vorbeugende Maßnahmen zur Verhinderung Die Funktion der Brandschutzdienststelle wird
einer Gefahr für Menschen, Umwelt und größtenteils durch die Kreisverwaltungsbe-
Sachwerte durch beispielsweise Brandsicher- hörde / Landratsämter in Verbindung mit dem
heitswachen, Brandschutzerziehung, Umwelt- Repräsentanten der öffentlichen Feuerwehren
schutz oder die Mitwirkung bei der Realisie- (Kreisbrandrat, -meister oder -inspektor, je nach
rung von Bauvorhaben als Fachbehörde) Bundesland) wahrgenommen.

muss im Kontext von Veranstaltungen im Zu den Aufgaben der Brandschutzdienststel-


Bereich der Freiwilligen Feuerwehren zwischen le zählt der Vorbeugende Brandschutz (z. B.
„Feuerwehr“ und „Brandschutzdienststelle“ Einsatzplanungen, fachliche Stellungnahmen
differenziert werden. für Genehmigungsbehörden, Erklärung des
Einvernehmens zum Sicherheitskonzept einer
Feuerwehr Veranstaltung oder Genehmigung feuergefährli-
Dies ist die örtlich zuständige (öffentliche) Feu- cher Handlungen), die Ausbildungskoordination
erwehr, deren Aufgaben primär die des Rettens, der kommunalen Einsatzkräfte und die Führung
Löschens und Bergens sowie des Schützens im bei größeren Einsatzlagen.
Katastrophenfall sind. Sie stellt im Regelfall die
Brandsicherheitswache für eine Veranstaltung. Außerdem können der Brandschutzdienststelle
Diese ist in der DIN 14011 definiert als: „Wache, Aufgaben einer Genehmigungsbehörde durch
die in der Regel von der Feuerwehr gestellt den Geschäftsverteilungsplan der Kommune
wird, wenn ein erhöhtes Brandrisiko besteht übertragen werden.
oder bei einem Brandausbruch eine größere
Anzahl von Menschen gefährdet ist“. Berufsfeuerwehren
In größeren Städten nehmen die derzeit 107
Die Sicherstellung der Aufgaben der Feuerwehr Berufsfeuerwehren Deutschlands gleichzeitig
ist in Deutschland durch die Landesfeuerwehr- die Aufgaben der Feuerwehr und der Brand-
gesetze festgelegt. Die Sicherstellung des ab- schutzdienststelle wahr. Vielfach sind sie auch
wehrenden Brandschutzes und der technischen durchführende des Rettungsdienstes und die
Hilfeleistung sind dabei den Gemeinden für ihr Katastrophenschutzbehörde.
Gebiet übertragen. Diese stellen hierzu Freiwil-
lige Feuerwehren (FF) auf, die mit überörtlichen
Einrichtungen, Spezialfahrzeugen und -geräten 2.3.7. Rettungsdienst
durch die Landkreise unterstützt werden.
Der öffentliche Rettungsdienst hat die gesetz-
In großen Industriebetrieben und z. B. den Ver- liche Aufgabe bei medizinischen Notfällen vor
kehrsflughäfen gibt es darüber hinaus staatlich Ort qualifiziert zu helfen, Leben zu retten und
anerkannte Werkfeuerwehren (WF), die bei den Patienten medizinisch überwacht in ein
einem Gefahrenfall auf ihrem Gelände die öf- geeignetes Krankenhaus zu transportieren.
fentliche Feuerwehr unterstützen. Eine ähnliche
Aufgabe haben die Betriebsfeuerwehren, die
allerdings nicht staatlich anerkannt sind, da die
Betriebe gesetzlich nicht zu einer Aufstellung
verpflichtet sind.

In Städten mit Berufsfeuerwehr (BF) nimmt die-


se die entsprechenden Aufgaben der örtlichen
Feuerwehr wahr.

Die örtliche Feuerwehr ist immer dann bei Ver-


anstaltungen zu beteiligen, wenn ihre Belange
(Sicherstellung des abwehrenden Brandschutzes, Abb. 5: Gemeinsamer Einsatz für Luftrettungsdienst
der technische Hilfeleistung und je nach Land und bodengebundenen Rettungsdienst bei einem
auch des Rettungsdienstes) betroffen sind oder Verkehrsunfall
eine Brandsicherheitswache erforderlich ist.
Zum öffentlichen Rettungsdienst gehören der bo-
dengebundene Rettungsdienst, die Luft-, Berg-,
Höhlen- und Wasserrettung. Der Rettungsdienst
kann unterschieden werden in die Notfallrettung

21
2
(inkl. Notarztdienst), arztbegleitete Patienten- b) die Gefahr nur abgewehrt oder die Störung
transporte und den Krankentransport. Die zu- nur unterbunden und beseitigt werden
ständige Aufsichts- und Fachbehörde richtet sich kann, wenn unter Leitung der Katastrophen-
nach den jeweiligen Rettungsdienstgesetzen schutzbehörde die im Katastrophenschutz
in Verbindung mit der jeweiligen Gemeinde- mitwirkenden Behörden, Dienststellen,
ordnung. Die Aufgabe der rettungsdienstlichen Organisationen und die eingesetzten Kräfte
Versorgung ist in Deutschland von den zustän- zusammenwirken.
digen Institutionen der Landesebene auf die
Landkreise beziehungsweise die kreisfreien Städ- Die Verantwortlichkeit für die Feststellung einer
te delegiert worden, die diese zu organisieren Katastrophe liegt in den Landkreisen und kreis-
haben. Beispielsweise können die Aufgaben der freien Städten beim jeweiligen Hauptverwal-
Aufsichts- und Fachbehörde innerhalb des örtlich tungsbeamten (Landrat, Oberbürgermeister).
zuständigen Rettungszweckverbandes oder des Zu den vorbereitenden Maßnahmen des KatS
Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuer- zählt vor allem die Aufstellung, Ausbildung und
wehralarmierung organisiert sein. Finanzierung von Katastrophenschutzeinheiten
(in der Regel in Zusammenarbeit mit den be-
Die Kommunen können die Leistung selbst kannten Hilfsorganisationen, den Feuerwehren
sicherstellen, z. B. durch die Berufsfeuerwehr, und privaten Rettungs- und Sanitätsdiensten)
oder eine Ausschreibung tätigen, so dass und die Erstellung entsprechender Katastro-
Hilfsorganisationen oder private Anbieter diese phenschutzplanungen, aber auch der bauliche
Tätigkeit übernehmen. Die Besetzung und Per- Bevölkerungsschutz.
sonalqualifikation der Rettungsmittel sowie die
einzuhaltende Hilfsfrist (in der Regel die Zeit der Über die Einheiten des Katastrophenschutzes
Notfallmeldung bis zum Eintreffen des ersten verfügt allein die zuständige „Untere Katastro-
Rettungsdienstfahrzeuges) richten sich nach phenschutzbehörde“. Es ist daher wichtig, dass
den Vorgaben des jeweils gültigen Rettungs- die Akteure ihre Rolle kennen und die öffentlich-
dienstgesetzes des Bundeslandes. rechtliche Rolle als Teil des Katastrophenschut-
zes nicht mit einer privatrechtlichen Rolle, z. B.
Die zuständige Fachbehörde kann für Veran- als Sanitätsdienstanbieter verwechseln. Die
staltungen, bei denen die rettungsdienstliche Einheiten des Katastrophenschutzes müssen
Absicherung nicht anders möglich ist, eine – gerade bei Großveranstaltungen – als notwen-
kurzzeitige Erhöhung der rettungsdienstlichen dige Reserve einsatzbereit sein und dürfen nicht
Vorhaltung vorsehen und die Durchführenden doppelt verplant werden.
der Notfallrettung (öffentlicher Rettungs- und
Notarztdienst) mit der Durchführung beauf- Die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW)
tragen. Eine entsprechende Ausführung ist ist Teil des Zivilschutzes des Bundesministeri-
beispielsweise in Artikel 20 des Bayerischen ums des Innern und kann daher nur auf Anfor-
Rettungsdienstgesetzes (BayRDG) geregelt. derung durch die Katastrophenschutzbehörde,
Der beauftragte Durchführende hat im Fall einer die Polizei oder die Feuerwehr und im Rahmen
Großveranstaltung, bei der nicht nur unwesent- der Amtshilfe tätig werden. Privatrechtliche
lich auch Gewinnerzielungsabsichten verfolgt Absprachen orientieren sich am THW-Gesetz.
werden, gegen den Veranstalter einen Anspruch
auf Zahlung eines Benutzungsentgelts für die 2.3.9. Polizeiliche Gefahrenabwehr
Erhöhung der rettungsdienstlichen Absicherung
der Veranstaltung. 2.3.9.1. Aufgaben und Ziele der Polizei
Die Aufgaben der Polizei im Kontext einer
2.3.8. Katastrophenschutz Veranstaltung ergeben sich aus den jeweiligen
Polizeigesetzen der Länder und des Bundes und
Die Aufgabe des Katastrophenschutzes (KatS) werden durch entsprechende Vorschriften (z. B.
ist es, Menschenleben, Sachgüter und die Verwaltungsvorschriften) konkretisiert. Dabei
Umwelt im Falle eines außergewöhnlichen nimmt die Polizei lage- beziehungsweise veran-
Schadensereignisses zu schützen; d. h. der staltungsangepasst insbesondere die folgenden
Katastrophenschutz beginnt, wenn Kernaufgaben wahr:

a) durch ein Geschehen, bei dem Leben oder • Gefahrenabwehr


Gesundheit einer Vielzahl von Menschen • Verfolgung von Straftaten und Ordnungswidrig­
oder die natürlichen Lebensgrundlagen oder keiten
bedeutende Sachwerte in ungewöhnlichem • Verkehrsmaßnahmen
Ausmaß gefährdet oder geschädigt werden
22
2
Die originäre Zuständigkeit für das polizeiliche
Veranstaltungsmanagement liegt grundsätzlich
bei den Polizeien der Länder. Die Bundespolizei
ist gemäß § 3 Bundespolizeigesetz insbeson-
dere für die Gewährleistung der Sicherheit auf
Bahnanlagen und in Zügen zuständig, um den
Veranstaltungsteilnehmern eine störungsfreie
und sichere An- und Abreise zu ermöglichen.

Ziel der Polizei ist es, den störungsfreien Veran-


staltungsablauf und den Schutz der Veranstaltung
durch den Einsatz von präventiven und repressi-
ven Maßnahmen sicherzustellen. Aus der Pers-
pektive der Polizei geht es vor diesem Hintergrund
um polizeiliche Gefahrenabwehr, beispielsweise
anlässlich gewalttätiger Auseinandersetzungen
(z. B. rivalisierende Fanszenen, Jugendgruppen),
die kommunikativ-deeskalierende Beeinflussung
von Gruppendynamiken („Taktische Kommunika-
tion“) und um die beweissichere Verfolgung von
Straftaten und Ordnungswidrigkeiten.

Ein weiteres Ziel der Polizei fokussiert nicht unmit-


telbar auf die Veranstaltung selbst, sondern auf die Abb. 6: Gemeinsame Lagebesprechung zwischen
Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst
Auswirkungen der Veranstaltung auf unbeteiligte
Dritte (z. B. Anwohner in unmittelbarer Nähe des
Im Schadensfall wirkt die Polizei über ihre Ein- /
Veranstaltungsgeländes) beziehungsweise das
Anbindung in / an die dann greifenden Krisenma-
Umfeld der Veranstaltung. Hier geht es darum, po-
nagementstrukturen (Einrichtung eines Krisen-
tentielle Beeinträchtigungen, die sich aufgrund der
stabes etc.) bei der Krisenbewältigung mit. Ihre
Veranstaltung für Unbeteiligte ergeben, möglichst
Aufgaben nimmt sie in diesem Kontext lagean-
zu verringern (z. B. Lärmbelästigung, Verkehrsbe-
gepasst und unabhängig von der Auslösung des
einträchtigungen durch Straßensperren) und für
Katastrophenfalls durch die zuständige Behörde
den Umfeldbereich der Veranstaltung entspre-
wahr. Die polizeilichen Maßnahmen lassen sich
chende Konzepte (z. B. zur Verkehrslenkung) zu
hierbei grundsätzlich den Bereichen der Gefahren-
entwickeln und zu realisieren.
abwehr (z. B. Absperrungen, Verkehrsregelungen,
Gewährleistung des Einsatzes der Fachdienste)
Während der Durchführung der Veranstaltung
und Strafverfolgung (z. B. Ursachenermittlung,
führt die Polizei ihre Maßnahmenplanung und
Todesermittlungsverfahren, Identitätsfeststellun-
-umsetzung hinsichtlich der Gefahrenabwehr und
gen) zuordnen.
Strafverfolgung grundsätzlich eigenverantwortlich
durch. In subsidiärer Zuständigkeit und auf Basis
Die Polizei sollte durch die Genehmigungsbehörde
des jeweiligen Polizei- und Ordnungsrechts wird
möglichst frühzeitig in die Veranstaltungsbearbei-
die Polizei neben der Umsetzung hoheitlicher
tung einbezogen werden, damit die Planungen
Maßnahmen (z. B. Streifengänge auf dem Veran-
der übrigen Akteure, insbesondere diejenigen der
staltungsgelände) insbesondere dann tätig, wenn
privaten Sicherheitsdienstleister des Veranstal-
beispielsweise die Durchführung unmittelbarer
ters, mit den polizeilichen Konzepten in Einklang
Zwangsmaßnahmen angezeigt ist.
gebracht werden. Als Beispiele hierfür sind zu
nennen: Zugangskontrollen, Ordnereinsatz,
Unter Berücksichtigung der Zuständigkeiten,
baulich-technische Sicherheitsaspekte, Not- und
Ressourcen und Kompetenzen der übrigen
Rettungswege, Parkraumbereitstellung, Jugend-
Akteure nimmt die Polizei die Aufgaben von z. B.
schutz, Verkehrskonzept etc.
originär zuständigen Behörden nur dann wahr,
wenn diese nicht rechtzeitig tätig werden können.
Zusätzlich sollte durch die weiteren Fachbehörden
Sicherheitsaufgaben des Veranstalters muss die
der Austausch mit der Polizei gesucht werden:
Polizei diesbezüglich grundsätzlich ebenfalls nicht
in Bezug auf die Festlegung von Rettungsmittel-
wahrnehmen, da dieser mit dem Ordnungsdienst
halteplätzen und Bereitstellungsräumen, dem
für die Gewährleistung der Sicherheit auf dem
Verkehrsmanagement etc.
Veranstaltungsgelände primär verantwortlich ist.

23
2
2.3.9.2. Aufbauorganisation Es bietet sich als umfassende Betreuung für
In der Regel erfordert die Komplexität von Veranstalter an, dass durch die Kommune ein
Großveranstaltungen, dass diese nicht aus der zentraler Ansprechpartner für Veranstaltungen
polizeilichen Alltagsorganisation, der „Allgemei- eingerichtet wird. Diese Stelle koordiniert dann
nen Aufbauorganisation“ (AAO), heraus bewäl- die weitere Einbindung von Fachbehörden be-
tigt werden können. Vielmehr wird hierzu eine ziehungsweise koordiniert das Genehmigungs-
der jeweiligen Veranstaltungslage angepasste, verfahren indem die entsprechende Genehmi-
hierarchisch gegliederte „Besondere Aufbauor- gungsbehörde eingebunden wird. Ein Beispiel
ganisation“ (BAO) gebildet, die Schnittstellen für einen solchen zentralen Ansprechpartner
zu den relevanten nichtpolizeilichen Akteuren ist das Veranstaltungs- und Versammlungsbüro
sowie weiteren veranstaltungsspezifischen Auf- (VVB) der Landeshauptstadt München, bei dem
baustrukturen (Koordinierungskreis, Krisenstab) die Veranstaltung angezeigt, Ansprechpartner
entsprechend berücksichtigt und abbildet. in den Fachbehörden vermittelt und die Ge-
nehmigung erteilt wird. Im Kapitel 4.4. wird
An der Spitze der BAO steht der Polizeiführer. noch einmal ausführlich auf den Einheitlichen
Er wird bei seiner Arbeit von einem Führungs- Ansprechpartner eingegangen.
stab unterstützt, dem er selbst nicht angehört.
Die polizeilichen Aufgaben (z. B. Schutz des Die Aufgabe als Genehmigungsbehörde kann
Veranstaltungsgeländes, Verkehrsmaßnahmen) durch unterschiedliche Rechtsgrundlagen auf
werden vor Ort in den verschiedenen Einsatzab- andere Behörden übergehen. Nachfolgend wer-
schnitten wahrgenommen. den einige Beispiele genannt, auf die ausführ-
lich im Kapitel 4.6. eingegangen wird.

Verbindungskräfte Polizeiführer Führungsstab Gewerberecht


Wenn die Behörde eine Veranstaltung als
gewer­berechtlich einstuft, ist die Genehmi-
Koordinierungs- gungsbehörde nach §§ 68, 155 Abs. 2 Ge-
kreis werbeordnung (GewO) in Verbindung mit der
landesrechtlichen Umsetzung, z. B. nach § 1
Verordnung zur Durchführung der Gewerbe-
Krisenstab
ordnung (Verordnung zur Durchführung der
Gewerbeordnung – GewV Bayern), die Kreisver-
waltungsbehörde.

Optional Straßenverkehrsrecht
Einsatz- Einsatz- Einsatz- Einsatz- Einsatz- weitere Für den Fall, dass durch die Veranstaltung die
abschnitt 1 abschnitt 2 abschnitt 3 abschnitt 4 abschnitt 5 Einsatz-
öffentlichen Verkehrsflächen mehr als über-
abschnitte
mäßig genutzt werden, richtet sich die Geneh-
Abb. 7: Beispiel für eine polizeiliche BAO bei einer migung nach § 29 Straßenverkehrsordnung
Veranstaltungslage (StVO). Ausnahmegenehmigungen für straßen-
verkehrsrechtliche Vorschriften können nach
2.3.10. Genehmigungsbehörden § 46 StVO erteilt werden. Für den Genehmi-
gungsantrag ist dann die Straßenverkehrsbehör-
Die Genehmigungsbehörde ist die erste Anlauf- de gem. § 44 StVO zuständig.
stelle zur Einholung der Genehmigung bezie-
hungsweise der Erlaubnis zur Durchführung Straßenrecht
von Veranstaltungen. An welche Behörde sich Sobald eine Veranstaltung auf öffentlichen
der Veranstalter wendet, hängt davon ab, wie Straßen, öffentlichen Plätzen und Fußgängerbe-
dies im Geschäftsverteilungsplan der Kommu- reichen stattfindet, ist der Anwendungsbereich
ne geregelt ist. In der Regel ist die kommu- des jeweils gültigen Straßen- und Wegegeset-
nale Ordnungsbehörde zuständig, die auf der zes (StrWG) beziehungsweise des Bundesfern-
Grundlage der Anmeldung eines Veranstalters straßengesetzes (FStrG) eröffnet. Wenn der
umfassend prüft, ob die Veranstaltung einer öffentliche Straßenraum über den Gemeinge-
Genehmigung beziehungsweise einer Erlaubnis brauch benutzt wird, ist eine Sondernutzungs-
bedarf, ob sie zu verbieten oder unter Auflagen erlaubnis erforderlich (gem. § 18 BayStrWG).
zu genehmigen ist. Diese muss bei der Straßenbaubehörde bean-
tragt werden.

24
2
Baurecht 2.4. Veranstaltungsphasen
Bei der Bauaufsichtsbehörde ist dann eine
Baugenehmigung von dem Veranstalter zu
beantragen, sobald bei der Veranstaltung ein 2.4.1. Ideenphase
Gebäude oder feste Tribünen im Freien genutzt
werden, die für den vorgesehenen Zweck nicht Die Ideenphase einer Veranstaltung ist dadurch
genehmigt sind. Ausschlaggebend sind hier Art charakterisiert, dass der Veranstalter eine grobe
und Umfang der Nutzung. In der Regel handelt Vorstellung der Projektidee entwickelt und eine
es sich bei Veranstaltungen um Nutzungen, wirklichkeitsnahe Abschätzung der Realisierbar-
für die die Versammlungsstättenverordnung keit dieser Idee recherchiert hat. Eine solche
einschlägig ist (unterhaltender Charakter, mehr Recherche vermeidet, dass nicht umsetzbare
als 200 Besucher zeitgleich im Gebäude, mehr Ideen weiter verfolgt werden. Ein Übertritt in die
als 1.000 Besucher im Freien). weiteren Veranstaltungsphasen findet aufgrund
der mangelnden Umsetzbarkeit der Idee dann
Bei allen baulichen Anlagen, die nicht als nicht statt.
Versammlungsstätte eingestuft und genehmigt
wurden, bedarf es somit einer weiteren Prüfung Für den Veranstalter bietet sich in dieser Phase
der Bauaufsichtsbehörde. Jedoch auch bei die Erarbeitung relevanter Unterlagen zur Unter­-
genehmigten Versammlungsstätten kann die stützung der Veranstaltungsidee an, um anhand
Prüfung erforderlich werden. Wenn beispiels- dieser mögliche Partner sowie Dritte (z. B. Ver­-
weise in einem Kino ein Konzert stattfinden mieter) zur Entwicklung eines passenden
soll, entspricht die geplante Nutzung nicht der Konzeptes für die Umsetzung der Idee einzubin-
genehmigten. Dies ist auch der Fall, wenn in den. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt sollte
einer genehmigten Versammlungsstätte die der Veranstalter die Genehmigungsbehörde,
genehmigte Höchstbesucherzahl überschritten Brandschutzdienststelle und Polizei einbinden,
werden soll. In der Regel ist in diesen Fällen ein um die Machbarkeit der angedachten Veranstal-
Baugenehmigungsverfahren zu durchlaufen. tung aus deren Sicht zu erörtern. Es sollte vor
In Bayern eröffnet § 47 VStättV eine vereinfach- der Kontaktaufnahme möglichst eine konkrete
te Zustimmung für die vorübergehende Verwen- Skizze der Veranstaltungsidee erstellt werden,
dung von Räumen zu Veranstaltungszwecken. aus der mindestens die Art, die geplante Größe
und mögliche besondere Risiken der Veranstal-
Landesstraf- und Verordnungsgesetz Bayern tung hervorgehen müssen.
In Bayern besteht als Besonderheit eine Anzeige-
pflicht von öffentlichen Vergnügungsveranstal- 2.4.2. Planungsphase
tungen und Menschenansammlungen bei der
Gemeinde nach Art. 19 und 23 Landesstraf- und Diese Phase grenzt sich zwingend von der
Verordnungsgesetz Bayern (LStVG). Ideenphase dadurch ab, dass alle Beteiligten
einer Veranstaltung eingebunden werden.
2.3.11. Weitere regelmäßig Der Veranstalter ist dabei ein entsprechendes
Veranstaltungskonzept zu entwerfen und daraus
Beteiligte einer Veranstaltung resultierend gegebenenfalls ein Sicherheits-
konzept zu entwickeln, welches die notwendi-
Aufgrund der Art, Ausstattung oder dem
gen Maßnahmen aufgrund der Risikoanalyse
Durchführungsort der Veranstaltung kann es
betrachtet. In gemeinsamen beziehungsweise
erforder­lich sein, weitere Fachdienststellen
bilateralen Gesprächen mit den Beteiligten
gemäß ihrem Aufgabenspektrum zu beteiligen.
einer Veranstaltung werden diese erläutert.
Um Planungssicherheit zu erreichen, können
Zu nennen sind hier vor allem:
die Genehmigungs- und Fachbehörden bereits
eine Stellungnahme hierzu abgeben, Nachbes-
• die Verkehrsbehörde
serungen fordern oder Auflagen stellen, die zur
• die Gesundheitsbehörde
Genehmigung zu erfüllen sind. Die Planungs-
• die Umweltbehörde
phase endet mit der Genehmigung beziehungs-
• das Jugendamt
weise der Erlaubnis der Veranstaltung durch die
• die Gewerbeaufsicht
zuständige(n) Behörde(n).
• die Betreiber des öffentlichen Personennah-
verkehrs (ÖPNV)

25
2
Planungs- Umsetzungs- Durchführungs- Nachbereitungs-
Ideenphase
phase phase phase phase

Abb. 8: Phasenmodell einer Veranstaltung

2.4.3. Umsetzungsphase phase wird die Veranstaltung von den eigent-


lichen Besuchern genutzt. In der Abbauphase
Die Umsetzungsphase beginnt mit dem Erhalt erfolgt die Wiederherstellung des Ursprungs-
der Genehmigung der Veranstaltung. Sie bein- zustandes des Veranstaltungsgeländes. Auch
haltet die weitere Vorbereitung und Planung der dieser Vorgang wird, wenn notwendig, von den
Veranstaltung bis zum Beginn der Veranstaltung entsprechenden Stellen kontrolliert. Bei mehrtä-
für die einzelnen Akteure. Entsprechend ihrer gigen Veranstaltungen können einzelne Aspekte
Zuständigkeiten ist der Umfang für die einzel- der Abbauphase, wie z. B. die Müllentsorgung,
nen Akteure sehr unterschiedlich. In der Umset- in der nachfolgenden Aufbauphase auftreten.
zungsphase können aufgrund von notwendigen
Abweichungen vom Veranstaltungskonzept 2.4.5. Nachbereitungsphase
noch Änderungen im Sicherheitskonzept erfol-
gen. Sie dürfen allerdings nicht die grundsätz- In der letzten Phase der Veranstaltung werden
liche Genehmigung der Veranstaltung in Frage der Ablauf des gesamten Prozesses von allen
stellen. Die Planungen für die Veranstaltungen notwendigen Beteiligten kritisch beleuchtet und
werden im Einzelnen konkretisiert, sofern es für eventuelle Fehler analysiert. Aber auch positive
die Genehmigung nicht bereits erforderlich war. Ereignisse werden besprochen, um diese
festzuhalten. Die Ergebnisse fließen dann bei
2.4.4. Durchführungsphase anderen Veranstaltungen beziehungsweise bei
Wiederholung dieser Veranstaltung in das neue
Die eigentliche Veranstaltung kann wiederum in Genehmigungsverfahren und in die Planungs-
drei (Unter-)Phasen unterteilt werden: die Auf- phase mit ein. Die Nachbereitungsphase einer
bauphase, die Veranstaltungsphase und die Ab- Veranstaltung ist nicht immer erforderlich. Sie
bauphase. Diese drei sind durch ihre jeweiligen trägt jedoch zur fortlaufenden Optimierung und
besonderen Ausprägungen besonders geformt. Handlungssicherheit aller Beteiligten bei und
Die Veranstaltung beginnt und endet für die sollte daher routinemäßig durchgeführt werden.
einzelnen Beteiligten zu unterschiedlichen Zeit-
punkten. Diese Zeitpunkte definieren sich durch
die Berührung des entsprechenden Beteiligten
gemäß seiner Zuständigkeit mit Punkten, die
relevant für den Ablauf der Veranstaltung sind.
Für den Veranstalter beginnt diese Phase zum
Beispiel mit dem Aufbau des Veranstaltungsge-
ländes. Das Ende dieser Phase ist ebenfalls für
jeden Beteiligten unterschiedlich.

Der Übergang von der Aufbauphase zur Ver-


anstaltungsphase beziehungsweise weiter zur
Abbauphase ist durch die Veranstaltungszeiten
festgelegt. Mit Beginn der Veranstaltungsphase
muss die Aufbauphase beendet sein. Die Ab­-
bauphase fängt nach dem Ende der Veranstal-
tungsphase an. Bei mehrtägigen Veranstaltun-
gen tritt der Phasenwechsel tageweise auf
und ist durch die täglichen „Öffnungszeiten“
bestimmt.

In der Aufbauphase werden die Planungen ver-


wirklicht und wenn notwendig von den zuständi-
gen Stellen überprüft und verbessert. Aber auch
die Belieferung der einzelnen Stände erfolgt in
diesem Zeitraum. Während der Veranstaltungs-

26
2

27
3

28
3

Planungsphase

3.1. Darstellung der Veranstaltungsidee


3.2. Risikobeurteilung

3.2.1. Grundsätze einer Risikobeurteilung
3.2.2. Risikobewertung
3.2.3. Risikobewältigung
3.2.4. Risikoeinteilung
3.3. Sicherheitskonzept
3.3.1. Allgemeines
3.3.2. Inhalt eines Sicherheitskonzeptes
3.3.3. Herstellen des behördlichen Einvernehmens

29
3
3. Planungsphase

3.1. Darstellung der und anschließend kooperativ beziehungswei-


se durch konzeptionelle Änderungen lösen zu
Veranstaltungsidee können. Die Darstellung der Veranstaltungsidee
sollte daher so aufrichtig wie möglich (z. B. in
Nachdem die Veranstaltungsidee durch den Ver-
Bezug auf die Besucherzahl, Showhöhepunkte)
anstalter entwickelt wurde, empfiehlt sich eine
erfolgen, um die eigenen und die Planungen der
möglichst frühzeitige Einbindung aller relevan-
Behörden auf eine solide Grundlage zu stellen
ten Beteiligten. Insbesondere die Einbindung
und routiniert abarbeiten zu können. Nur so kann
der Genehmigungsbehörde(n) sollte so früh wie
zu einem frühen Zeitpunkt Planungssicherheit
möglich durch den Veranstalter erfolgen, um
gegeben werden. Insbesondere bei internationa-
eine Abstimmung über den geplanten Veran-
len Veranstaltern ist darauf zu achten, dass die
staltungsablauf zu erreichen. Ebenfalls können
Darstellung in deutscher Sprache und unter der
durch die jeweilige Genehmigungsbehörde Hin-
Verwendung der in Deutschland üblichen Termini
weise auf die notwendige Einbindung weiterer
stattfindet. Die Grundlage hierfür ist § 23 des
Fachbehörden oder einzuhaltender Fristen, z. B.
Verwaltungsverfahrensgesetzes (Bund). Hiernach
für die Vorlage von Veranstaltungsunterlagen,
ist die Amtssprache deutsch und die Behörde
gegeben werden. Ressourcen wie Arbeitszeit,
soll unverzüglich die Vorlage einer Übersetzung
Geld etc. können durch die frühzeitige Einbin-
verlangen, wenn in einer fremden Sprache An-
dung gezielt eingesetzt und Fehlplanungen
träge gestellt oder Eingaben, Belege, Urkunden
verhindert werden.
oder sonstige Dokumente vorgelegt werden.

Es kann für die Genehmigungsbehörde im Sinne


des Dienstleistungsgedankens sinnvoll sein,
zur Vorbereitung einer Darstellung der Veran-
staltungsidee, Veranstaltern eine Übersicht der
notwendigen beziehungsweise gewünschten
Informationen (in Form einer Checkliste etc.)
zur Verfügung zu stellen. Ebenfalls empfiehlt
sich für die Genehmigungsbehörde selbst die
Erstellung einer internen Checkliste, in der
beispielsweise die Vollständigkeit der Antrags-
unterlagen, die behördlichen Zuständigkeiten,
die Prüfung der Veranstaltung innerhalb der
eigenen Zuständigkeit oder die Weitergabe
der Prüfungsergebnisse an weitere beteiligte
Behörden geregelt ist (Beispiel s. Anlage 4).

Bei der Darstellung der Veranstaltungsidee


durch den Veranstalter sollten folgende Punkte
Abb. 9: Arbeit am Entwurf des Aufbauplans zur
vorgestellt werden (gegebenenfalls kann dies
Abstimmung der Abschrankungen
nur in einer Entwurfsform geschehen):
In dieser frühen Veranstaltungsphase liegen
• Art der Veranstaltung
in der Regel noch nicht alle Informationen,
• Datum und gegebenenfalls
Konzepte, Verträge etc. vor, dennoch sollte
Ausweichtermin(e) der Veranstaltung
beim ersten Kontakt die Genehmigungsbehörde
• Zeitraum der Durchführung (inklusive Auf- und
so viele Informationen wie möglich durch den
Abbauzeiten)
Veranstalter erhalten. Diese sollten detailliert
• Handelt es sich um eine „offene“ oder
und umfassend sein, um eine Vorstellung der
„geschlossene“ Veranstaltung (ist der Zutritt
Veranstaltungsidee und der anvisierten Umset-
frei oder begrenzt und wenn ja, erfolgt eine
zung in der Behörde zu ermöglichen. Zu diesem
Regelung durch Kartenverkauf oder andere
Zeitpunkt ist in der Regel noch ausreichend
organisatorische Maßnahmen)
Zeit vorhanden, um Probleme zu erkennen
30
3
• Erwartete Besucher (gesamt und zeitgleich) Einzelne Punkte sollten durch die Darstellung in
• (Alters-) Struktur der Besucher (gemischtes einem Lageplan unterstützt werden. Zu diesem
Publikum, Einzelbesucher, Gruppen, Familien, frühen Zeitpunkt kann die Erstellung vermut-
hoher Anteil Jugendlicher, alter Menschen, lich nur skizzenhaft erfolgen, dennoch sollten
Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung alle bereits bekannten Informationen (Bühnen,
etc.) Fahrgeschäfte, Parkplätze, Zufahrten etc.) hierin
• Sind mögliche Störungen durch Zuschauerver- aufgenommen werden. Im weiteren Verlauf der
halten (kriminelle Handlungen) zu erwarten? Planungs- und Umsetzungsphase wird dieser
• Größe, Lage und Örtlichkeit der Veranstal- Plan immer detaillierter fortgeschrieben, bis am
tungsfläche Ende alle notwendigen Informationen in dem Plan
• Welche zusätzlichen Flächen sind erforderlich enthalten sind.
(Anfahrten für VIPs, Parkplätze, Abstellflächen
für Schausteller etc.) Es ist dabei darauf zu achten, dass der Lageplan
• Wie kommen die Besucher zur Veranstaltung allgemeinverständlich verfasst wird und Infor-
(gegebenenfalls prozentuale Verteilung Indivi­ mationen wie einen Maßstab, eine Legende für
dualverkehr, Öffentlicher Personenverkehr, die verwendeten Zeichen etc. enthält. Zusätz-
Fahrrad etc.)? lich sollte zur Orientierung aller Beteiligten eine
• Mögliche Wetterrisiken für die Durchführung bedarfsgerechte Unterteilung der Veranstaltung in
der Veranstaltung Abschnitte (z. B. „A,B,C“ oder „Infield, Camping
• Mögliche Wetterrisiken für die An- und Ab- A, Camping B, Gastromeile“ etc.) sowie in Raster
reise der Besucher (vergleichbar mit der Einteilung einer Straßen-
• Kenntnisse über Veranstaltungen im gleichen karte) erfolgen.
Zeitraum mit Auswirkungen auf die eigene
Veranstaltung 3.2. Risikobeurteilung
• Begehbarkeit des Veranstaltungsgeländes
(Untergrund, Höhenunterschiede, Nutzbarkeit Die Grundlage aller sicherheitsrechtlichen Ein-
durch mobilitätseingeschränkte Personen etc.) schätzungen (behörden- wie veranstalterseits) soll
• Erfahrungshintergrund des Veranstalters in neben der Beurteilung aufgrund rechtlicher Vor-
der Durchführung von Veranstaltungen gaben grundsätzlich eine Risikobeurteilung sein.
• Erfahrungshintergrund des Veranstalters in Die beiden maßgeblichen Faktoren in diesem
der Durchführung dieser Veranstaltung (erst- Verfahren sind mögliche Schadensfälle und deren
malige Veranstaltung, periodisch wiederkeh- Eintrittswahrscheinlichkeit. Die Risikobeurteilung
rende Veranstaltung, Durchführung erfolgte umfasst alle Aspekte der Planung der Veranstal-
bereits in einer anderen Kommune, ist Teil tung, in der Risikoquellen identifiziert, Risiken
einer Tour etc.) analysiert und bewertet sowie Schutzmaßnahmen
• Geplante Verwendung von Pyrotechnik und / formuliert werden. Dazu gehören:
oder Durchführung feuergefährlicher Handlun-
gen • Einteilung einer Veranstaltung in eine Risikoklas-
• Besondere Höhepunkte der Veranstaltung se durch die zuständigen Behörden inklusive
(Ablaufplan) der Ableitung möglicher Auflagen (s. Anlage 2
• Geplante Anordnung von Bühnen, Fahrge- Sicherheitskoeffizient Brandschutz bzw. Kapitel
schäften, Verkaufsständen etc. 3.2.4.)
• Besucherrelevante Persönlichkeiten (VIPs, • Durchführung einer Risikobeurteilung im Sinne
Personen die durch Facebook, Youtube etc. des Risikomanagements
eine Bekanntheit erlangt haben, Personen die • Formulierung von Schutzmaßnahmen zur
Teil des Showprogramms sind etc.) Bewältigung von nicht tolerierten Risiken im
• Schutzbedürftige Personen (z. B. Politiker, Rahmen des Sicherheitskonzeptes (veranstal-
Wirtschaftsvertreter, Personen die aufgrund terseits) beziehungsweise der Einsatzplanung
ihrer Religion, Weltanschauung, Kunst, Mei- (behördenseits)
nung etc. in Gefahr sein könnten)
• Erfahrungshintergrund des Sanitätsdienstan- Damit Veranstaltungen für alle Beteiligten
bieters (sofern bereits bekannt) ausreichend sicher sind, wird in der Planungs-
• Erfahrungshintergrund des Ordnungsdienstes phase, also vor der Veranstaltung, in Form eines
(sofern bereits bekannt) systematischen Verfahrens die Veranstaltung
• Erfahrungshintergrund weiterer sicherheitstechnisch beurteilt. Gegenstand der
Veranstaltungs­dienstleister (sofern relevant Risikobeurteilung ist eine kritische Auseinan-
und bereits bekannt) dersetzung mit Gefahren sowie den daraus
entstehenden Gefährdungen für Personen, die
Umwelt und Sachwerte.
31
3
Bei der Planung von Veranstaltungen sollten Allgemein würde dies so viel heißen, wie
sowohl der Veranstalter als auch die Behörden „Erhaltung der körperlichen Unversehrtheit des
somit grundsätzlich eine Risikobeurteilung Besuchers“. Doch wird das Schutzziel „Keine
durchführen. Die Ergebnisse der Risikobeurtei- Verletzungen der Besucher von Veranstaltun-
lung werden dann neben der Klassifizierung der gen“ kaum einzuhalten sein und sollte daher so
Veranstaltung in das Sicherheitskonzept bezie- nicht formuliert werden. Der Veranstalter sollte
hungsweise die Einsatzplanung übertragen. sich aber darüber Gedanken machen, welche
Arten von Verletzungen oder Erkrankungen er
3.2.1. Grundsätze einer Risiko- auf der Veranstaltung nicht tolerieren wird. So
könnte beispielsweise ein Ziel sein, dass es
beurteilung keine Lebensmittelvergiftungen auf einer Veran-
staltungen geben soll. Gibt es einen Verkauf von
Erstellen des Lebensmitteln auf der Veranstaltung, kann der
Veranstalter daher verlangen, dass alle gültigen
Kommunikation und Konsultation

Zusammenhangs

Überwachung und Überprüfung


Regeln zu diesem Aspekt eingehalten werden
Risikobeurteilung sollen und kann zusätzliche Kontrollen einbauen.
Beispiele für formulierte Schutzziele sollten so
Risikoidentifikation
konkret wie möglich sein:
Risikoanalyse
• Vermeidung kritischer Personendichten
Risikobewertung • Aufrechterhaltung von Gefahrenabwehrmaß-
nahmen und Fluchtmöglichkeiten für gefähr-
dete Personen
• Aufrechterhaltung der Kommunikationshoheit
Risikobewältigung des Veranstalters (technisch und inhaltlich)
• technische Instandhaltung von Kommunikati-
onsinfrastrukturen
Abb. 10: Risikomanagementprozess • Sicherstellung des Personalbedarfs
• Sicherstellung der Informationsketten
Die Risikobeurteilung ist Teil des Risikomanage-
mentprozesses nach ISO 31000 (International 3.2.1.2. Grenzrisiko
Organization for Standardization), der im neben-
Grenzrisiko

stehenden Bild graphisch dargestellt wird. Die


Risikobeurteilung besteht aus den Schritten tolerierbares nicht tolerierbares
Risiko Risiko
• Risikoidentifikation
• Risikoanalyse und
• Risikobewertung Abb. 11: Grenzrisiko

Vorangestellt ist das Erstellen des Zusammen- Im Rahmen der Formulierung der Schutzziele
hangs und anschließend folgt der Schritt der wird festgelegt, welche Risiken auf einer Ver-
Risikobewältigung. anstaltung noch toleriert werden können. Diese
Schwelle wird als „Grenzrisiko“ bezeichnet. In
3.2.1.1. Ableitung von Schutzzielen der Praxis stellt sich das Grenzrisiko eher als ein
Das Erstellen des Zusammenhangs ist der erste „mehr oder weniger breiter Korridor“ dar, denn
Schritt des Risikomanagementprozesses, wo- als eine „schmale Linie“. Dies erklärt sich bis zu
durch die Ziele der Veranstaltung zum Ausdruck einem gewissen Grad aus dem Umstand, dass
gebracht werden. Ziele bei einer Veranstaltung die Festlegung eines Grenzrisikos in der Regel
können unterschiedlich ausgestaltet sein: Bei- das Resultat eines Konsensfindungsprozesses
spiele sind der wirtschaftliche Gewinn, Wie- ist, bei dem unterschiedliche Interessen in Ein-
dererkennungswert (z. B. mit einem bestimm- klang gebracht werden müssen.
ten Produkt), zufriedene Besucher (welche Gerade bei der Einstufung was „akzeptierbar“
die nächste Veranstaltung wieder besuchen ist und was „unter Auflagen akzeptierbar“ ist
werden), ein bestimmungsgemäßer Veranstal- sind neben der persönlichen Einschätzung wei-
tungsverlauf und eine sichere Veranstaltung. tere Einflussgrößen von Bedeutung:
Durch die Formulierung dieser Ziele, werden
so genannte Schutzziele festgelegt, die für die
Bestimmung der Grenzrisiken notwendig sind.

32
3
Rechtsnormen Beispiel 1
Das durch rechtliche Vorgaben definierte Schutz- Auf einer Volksfestveranstaltung erwarten
niveau muss mindestens erreicht werden. Dies die Besucher unter anderem spektakuläre
wird auch so gesehen, wenn eine Veranstaltung Fahrgeschäfte sowie die Möglichkeit, Bier
formal zwar nicht in den Geltungsbereich der und andere alkoholische Getränke zu konsu-
MVStättVO fällt, aber hinsichtlich des Risikos mit mieren. Somit wird die Veranstaltung darauf
entsprechenden Veranstaltungen vergleichbar ist. ausgelegt, dass diese Erwartungen der
Besucher erfüllt werden. Es werden unter
Ingenieurmäßige Methoden anderem viele Bierstände aufgestellt und
Das tolerierbare Risiko kann auch über Berech- ein hoher Bierverkauf (und damit ein hoher
nungen und Simulationen bestimmt werden, Umsatz) ist ein Ziel der Veranstaltung. Bei
die idealerweise nachweisen, dass die Planung einer solchen Veranstaltung muss also davon
unkritisch ist. Die Methoden des ingenieurmäßi- ausgegangen werden, dass einige Personen
gen Brandschutzes können zum Nachweis einer eine sanitätsdienstliche Versorgung aufgrund
raucharmen Schicht, einer gesicherten Evakuie- von zu hohem Alkoholkonsum benötigen. Der
rung oder des Feuerwiderstandes von Bauteilen Veranstalter kann davon ausgehen, dass dies
herangezogen werden. Methoden der Verkehrs- allgemein toleriert wird und sein Schutzziel
planung können Verkehrsströme simulieren. (wie viele Personen aufgrund von erhöhtem
Es ist sicher zu stellen, dass die Eingangspa- Alkoholkonsum behandelt werden können)
rameter schlüssig sind und beim Nachweis darauf auslegen und somit das Grenzrisiko
möglichst zwei Rechenmethoden angewandt festlegen.
werden, wenn hiermit eine Abweichung von
den materiellen Vorgaben der MVStättVO Beispiel 2
begründet werden soll. Die Unabhängigkeit des Auf einem Kinderfest erwarten die Besucher
Gutachters muss natürlich gesichert sein (wer Spiele für Kinder, Unterhaltung durch Clowns
beauftragt und bezahlt den Gutachter?). und kindgerechtes Essen. Es werden solche
Stände aufgebaut, der Fokus liegt auf der
Veranstalterinteressen Unterhaltung der Kinder. Die möglichen
Die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel Sanitätsdiensteinsätze sind beispielsweise
dürfen bei der Definition des Grenzrisikos keine hauptsächlich Versorgungen von gestürzten
Rolle spielen, da dann keine objektive Beurtei- Kindern. Dass sich einige Kinder verletzen
lung möglich ist. So darf es z. B. keine Rolle werden, weil sie beim Spielen stürzen, wird
spielen, wie viel Budget für die Mietkosten von akzeptiert. Nicht toleriert werden hingegen
mobilen Absperrungen eingeplant ist, um fest- betrunkene Gäste, die möglicherweise sogar
zulegen welcher Gittertyp beispielsweise für unangenehm auffallen.
die Bühnenabschrankung verwendet wird und
was demnach bezüglich der mit dem Gittertyp Folglich können die Schutzziele und Grenzrisiken
verbundenen Nachteile noch unterhalb des sehr unterschiedlich sein. Bei einer sich wieder-
Grenzrisikos liegt. Die demnach aus den zu tref- holenden Veranstaltung sollte in der Planung ge-
fenden Maßnahmen resultierenden finanziellen prüft werden, ob sich die Schutzziele geändert
Belastungen sind daher frühzeitig in die Kalkula- haben.
tion mit einzubeziehen, damit die Durchführung
der Veranstaltung nicht gefährdet wird und die Die Definition von Schutzzielen und die Festle-
Risikobetrachtung objektiv erfolgen kann. gung von Grenzrisiken stellen die Kalibrierung
der Risikobewertung dar. In diesem Schritt wird
Möglicherweise ist das Sicherheitsinteresse die Höhe der Risiken mit den Grenzrisiken ver-
des Veranstalters jedoch auch weit höher als glichen und festgelegt, ob diese noch toleriert
seitens der Sicherheitsbehörde gefordert (z. B. werden können oder nicht.
Hauptversammlungen von Aktiengesellschaf-
ten, massiver Imageverlust des Veranstalters 3.2.1.3. Risikoidentifikation
bei Personenschäden). Die Risikoidentifikation wird als Prozess zum
Finden, Erkennen und Beschreiben von Risiken
Die Schutzziele und die daraus abzuleitenden definiert. Die Auflistung der Risiken ist dabei
Grenzrisiken sind nicht starr und allgemein für ohne Wertung vorzunehmen, d. h. es werden
alle Arten von Veranstaltungen anzuwenden. auch Risiken aufgenommen, die auf den ersten
Sie müssen mit jeder neuen Veranstaltung neu Blick unwahrscheinlich scheinen. Es ist wichtig,
formuliert oder zumindest überprüft werden. diesen Schritt der Risikobeurteilung sehr gewis-
Dies sollen folgende Beispiele veranschauli- senhaft durchzuführen. Denn je umfassender
chen: die Identifikation vorgenommen wurde, desto
33
3
weniger Risiken werden übersehen. Und jedes Folgende Gefährdungen sollten immer berück-
erfasste und verhinderte Risiko ist ein möglicher sichtigt werden:
Unfallfaktor weniger. Dies ist mit der Wasserglas-
Theorie von (Gottschalk / Gürtler 1959) bildhaft Standardgefährdungen
dargestellt.
• Wetter
Unfallursache Unfall - außergewöhnliche Temperaturen
- Sturm
- Hagel und Starkregen
- Gewitter mit Blitzgefahr
- Hochwasser
- Glatteis

Unfallursache Kein Unfall

Abb. 13: Zelteinsturz nach Sturmböen

• Zuschauerverhalten
- Überklettern von Absperrungen
Abb. 12: Wasserglastheorie nach Gottschalk / Gürtler
1959 - Erklettern von Aufbauten oder
Straßenmobiliar
Es sollte bedacht werden, dass eine vollständige - besonders ausgeprägter Enthusiasmus
Identifikation der Risiken nicht möglich ist. Denn - Besucherdruck und Gedränge
sie hängt vom Erfahrungs- und Fachwissen des - Werfen von Gegenständen
Anwenders ab. Es ist daher ratsam, in einem - Vandalismus, Körperverletzung
Team die Veranstaltung systematisch durchzu- - sonstige Kriminalitätsdelikte wie
sprechen und auf die möglichen Risiken einzu- Drogenkonsum und -verkauf, Taschen-
gehen. Dabei sollten die Phasen einer Veranstal- diebstahl, Mitnahme von Waffen etc.
tung berücksichtigt werden. Der Einlass birgt
andere Risiken als die Veranstaltung selbst und
auch der Auslass stellt die Beurteilenden vor
neue Herausforderungen. Neben der zeitlichen
Betrachtung (Phasen der Veranstaltung) ist eine
räumliche Betrachtung sinnvoll. So sollte sich
das Team fragen, welche Orte der Veranstaltung
ein besonderes Risiko bergen und diese genauer
betrachten, Beispiele sind Bühnen, hoch frequen-
tierte Bierstände und Ausgänge. Dabei stellt sich
natürlich die Frage, wie detailliert dieser Prozess-
schritt durchgeführt werden sollte. Es ist nicht
sinnvoll, nur ganz oberflächlich nach möglichen
Risikofaktoren zu suchen; zu detailliert vorzu-
gehen und dabei den Überblick zu verlieren, ist Abb. 14: Hohe Personendichte bei einer Faschingsver-
ebenfalls nicht zweckmäßig. Die Verhältnismä- anstaltung
ßigkeit muss gewahrt bleiben.

34
3
• sanitäts- und rettungsdienstliche Ereignisse • Gefährdungen für die (besucherrelevante)
- Verletzung Infrastruktur innerhalb / außerhalb der Veran-
- Unfall staltung inklusive der Verkehrswege
- hoher Drogen- / Alkoholkonsum - Ausfall gastronomischer Einrichtungen und
- Reizgas somit unzureichende Versorgung der Gäste
- vermisste Personen / Kinder mit Getränken
- Massenerkrankungen durch Lebensmittel- - Ausfall der Ver- und Entsorgung
vergiftungen - Ausfall des öffentlichen Personen(nah)
• Brandgefährdungen verkehrs (z. B. durch Personenschaden im
- Brand, Explosion Gleisbereich)
- Verwendung von Pyrotechnik durch Besucher - Ausfall des Individualverkehrs
• technische Gefährdungen (z. B. Unfall, Sperrung)
- Gasausströmung - Parkflächen nach Verkehrskonzept nicht
- Gesundheitsgefährdungen durch Austritt nutzbar
von Gefahrstoffen, wie Kühlmittel - Glasbruch
- Stromausfall
- Einsturz von Bauteilen oder Anlagen
- Unfälle (Fahrgeschäfte, Motorsport,
Stuntshows, Tiere, Flugshows)

Abb. 16: Ausfall einer Toilettenanlage und dadurch


verursachte erhöhte Personendichte

Grundgefährdungen bei besonderen Veran-


staltungstypen

• besondere politische Lage (Auftreten sicher-


heitsrelevanter Personengruppen)
• Gegenveranstaltungen
• hohe Anzahl nicht selbstrettungsfähiger Per-
sonen (Kleinkinder, körperlich eingeschränkte
Personen)
• Gewaltpotenzial der Veranstaltungsteilnehmer
(Rockergruppen, Hooligans, Fanatiker)

Gefährdungen durch Anschläge und


Drohungen

• Massenphänomene nach Drohungen


• Verdächtige Gegenstände
• Amoklauf
• Amokfahrt
Abb. 15: Rettungsaktion nach technisch bedingtem
• Sprengstoffanschlag
Stillstand eines Fahrgeschäftes
• Sprengstoffanschlag mit radioaktiver Ver-
schmutzung
• Anschlag mit chemischen Stoffen
• Anschlag mit biologische Stoffen

35
3
3.2.1.4. Risikoanalyse • gelegentlich (manchmal aufgetretenes Ereig-
nis, einmal bei fünf Veranstaltungen)
hoch • selten (ein Ereignis kann vorkommen / einmal
bei 20 Veranstaltungen)
• unwahrscheinlich (Ereigniseintritt wird nicht
erwartet, einmal bei 1.000 Veranstaltungen)
Eintrittswahrscheinlichkeit

• unmöglich (Ereigniseintritt unmöglich, einmal


bei 100.000 Veranstaltungen)

Bei zahlreichen denkbaren Schadensfällen (z. B.


Anschlagsszenarien) wird im Regelfall die Ein-
schätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit mit als
„unwahrscheinlich“ möglich sein.

Eine grundsätzliche Betrachtung ist dennoch


erforderlich, da sich die Einschätzung rasch
ändern kann. Auch wenn sich ein Anschlagssze-
gering Auswirkung hoch
nario schwer verhindern lässt, so ist es dennoch
Abb. 17: Risikomatrix möglich, die Auswirkungen auf Primärschäden
(unmittelbar Betroffene) zu begrenzen und
Die Risikoanalyse dient der Bestimmung der Sekundärschäden an nicht unmittelbar betroffe-
Risikohöhe und betrachtet laut der ISO 31000 nen Personen durch Sicherstellung ausreichend
(International Organization for Standardization), dimensionierter Rettungswege zu verhindern.
die Ursachen und Quellen der Risiken, ihre Wird nur mit umfangreichen Sperrmaßnah-
positiven und negativen Auswirkungen und die men auf ein erhöhtes Anschlagsrisiko reagiert,
Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens. Sie stellt so muss bei Veranstaltungen mit hohen (und
damit die Grundlage für die Risikobewertung vermeidbaren) Sekundärschäden gerechnet
dar. Häufig wird die Risikoanalyse gleichgesetzt werden.
mit der Bestimmung der Risikohöhe durch das
Produkt aus Schadensausmaß und Eintritts- In diesem Sinne ist auch zu berücksichtigen,
wahrscheinlichkeit. Dies wird dann beispiels- dass bei Großveranstaltungen regelmäßig ein
weise in die so genannte Risikomatrix (siehe großes Medieninteresse zu verzeichnen ist.
auch Abb. 17 Risikomatrix) eingetragen, die Somit sind ständig zahlreiche Medienvertreter
dann bereits Auskunft darüber geben kann, ob aller Sparten im Bereich der Veranstaltung ver-
das Risiko noch im tolerierbaren Bereich liegt. treten. Dies kann zum einen für mögliche Störer,
Aktivisten, Selbstdarsteller etc. als Motivation
Folgende Einteilung können für Schadens- dienen entsprechende Aktionen zu initiieren,
schwere und Eintrittswahrscheinlichkeit vorge- zum anderen ist das Medieninteresse im Scha-
nommen werden: densfall umso größer und die Berichterstattung
beginnt unmittelbar mit Schadenseintritt. Dies
Schadensschwere führt zu einer Anhebung der Risikohöhe.
(angelehnt an Kröger, 2010, Folie 31):
• katastrophal (Todesfälle, irreversible Schädi- Hinzu kommt die (gewollte) Anwesenheit vieler
gungen, mehrere Personen betroffen) Besucher, die somit zur Masse werden und
• kritisch (schwere Personenschäden, Transport im Sinne eines Massenphänomens die Dyna-
ins Krankenhaus erforderlich) misierung sonst unkritischer Situationen mit
• begrenzt (leichte Verletzungen, vorübergehen- sich bringen. Dies wird gegebenenfalls durch
de Schädigung) entsprechenden Alkohol- und Drogenkonsum
• vernachlässigbar (Bagatellverletzungen, am- gesteigert.
bulante Versorgung)
3.2.2. Risikobewertung
Eintrittswahrscheinlichkeit (Zahlenwerte zur
Orientierung) Auf Grundlage der ermittelten Risikohöhe im
(angelehnt an Kröger, 2010, Folie 30): Zuge der Analyse wird das vorliegende Risiko
• häufig (oft aufgetretenes Ereignis oder häu- bewertet, indem es mit dem Grenzrisiko vergli-
figes Vorkommen erwartet, mehrmals pro chen wird. Dieses Grenzrisiko ist dabei selten
Veranstaltung) ein fester Wert, sondern eher ein Risikoband,
• öfter (öfter aufgetretenes Ereignis, einmal pro wie es das Bild der Risikomatrix darstellt. Der
Veranstaltung) gelbe Bereich der Matrix stellt das Grenzrisiko
36
3
dar. Liegt das Risiko über dem Grenzrisiko (also Durch die Risikobewältigung können neue
im roten Bereich) muss es reduziert werden, Risiken entstehen oder bestehende verändert
unabhängig davon, wie viel es kostet bezie- werden. Daher ist es notwendig, die Risiken,
hungsweise wie hoch der Aufwand ist. Wenn die durch die Durchführung der Maßnahmen
diese Reduzierung nicht möglich ist, muss die entstehen könnten, zu beurteilen. So könnte
Aktivität beendet, also die Großveranstaltung zum Beispiel eine Gefahrenstelle durch einen
möglicherweise abgesagt werden. Liegt das Zaun abgeschirmt werden (technische Maßnah-
Risiko im gelben Bereich, können Maßnahmen me). Bei der Veranstaltung klettern die Besu-
zur Reduzierung eingeleitet werden, wenn die cher jedoch auf diesen Zaun, um die Bühne
Kosten der Maßnahmen nicht deren Nutzen besser sehen zu können und stürzen von den
übersteigt (vgl. O´Riordan, 1996). Zäunen und verletzen sich. Daher muss die
Maßnahme angepasst oder eine weitere Maß-
Es sollte angestrebt werden, so viele Risiken nahme durchgeführt werden.
wie möglich so weit zu reduzieren, dass sie im
grünen Bereich liegen. Es wird jedoch einige Der Maßnahmenplan sollte entsprechend
Risiken geben, die durch Schutzmaßnahmen / dokumentiert werden und findet in die Planung
Auflagen nicht so weit reduziert werden können. der Veranstaltung (Notfallplanung im Sicher-
So kann das Wetter nicht beeinflusst werden heitskonzept, Flächenplanung, Anpassung des
und bei der Durchführung der Risikobeurteilung Veranstaltungskonzeptes, Planung organisatori-
nicht eindeutig eingeschätzt werden. In diesem scher Maßnahmen etc.) beziehungsweise den
Fall muss mit allen Beteiligten eine fundierte Entwurf der behördlichen Auflagen Eingang.
Entscheidung getroffen werden, ob das Risiko
übernommen werden kann und lediglich das 3.2.4. Risikoeinteilung
Schadensausmaß nach Eintreten des Schaden-
falles durch entsprechend vorgeplante Maßnah- Die Risikoeinteilung wird innerhalb des Ge-
men eingedämmt werden kann. Diese Über- nehmigungsverfahrens durchgeführt und ist in
legungen sollten im Sicherheitskonzept in der Abhängigkeit des Gefährdungspotenzials der
Notfallplanung durchgeführt und die Ergebnisse Veranstaltung eine Entscheidungshilfe für die
dort dokumentiert werden. zuständigen Fachbehörden, welche Art der
Auflagen mit der Genehmigung verbunden
3.2.3. Risikobewältigung werden sollten, welches Verfahren und wel-
ches Delegationsmodell (z. B. bezüglich der
Laut der ISO 31000 (International Organization Unterschrift des Genehmigungsbescheides)
for Standardization) umfasst die Risikobewälti- angewandt wird. Mit Hilfe von Checklisten soll
gung die Auswahl und Umsetzung einer oder den zuständigen Fachbehörden die Möglichkeit
mehrerer Optionen zur Veränderung der Risiken. gegeben werden, das Gefährdungspotenzial
Folgende Gestaltungsrangfolge sollte dabei ein- besser einschätzen zu können und notwendige
gehalten werden: Maßnahmen auszuwählen.

• Vermeidung von Risiken, indem entschieden Ein Beispiel für eine Risikoeinteilung ist der
wird, die Aktivität aus der sich die Risiken er- Sicherheitskoeffizient Brandschutz inklusive des
geben, nicht aufzunehmen oder einzustellen; zugehörigen Maßnahmenkataloges (s. Anlage 2).
• Beseitigung der Risikoquelle;
• Veränderung der Wahrscheinlichkeit; Die „Münchener Methode“ zur Beurteilung
• Veränderung der Auswirkungen; der Veranstaltungssicherheit – der Sicher-
heitskoeffizient Brandschutz
Bei der Auswahl der Schutzmaßnahmen sollte (vgl. Fiedler; Herrmann; Barth; Bachmeier; Hen-
in Anlehnung an den Arbeitsschutz folgende kelmann, 2015).
Reihenfolge beachtet werden:
Die Münchener Methode ermöglicht durch
• Vermeiden/Beseitigen von Risikoquellen (z. B. eine Standardisierung der Abläufe für alle im
eine risikoträchtige Band nicht engagieren) Genehmigungsverfahren eingebundenen Akteure
• Technische Maßnahmen (z. B. Einzäunen von – Veranstalter sowie Behörden – ein ersichtli-
Gefahrstellen) ches und nachvollziehbares Verfahren, wodurch
• Organisatorische Maßnahmen (z. B. Hinweis Zweifel an der Sicherheit ausgeräumt werden.
auf Gefahrenstellen durch Ausschilderung) Die bekannten, klar definierten und strukturier-
• Verhaltensbezogene Maßnahmen (z. B. be­ ten Abläufe sollen zu einer Qualitätssicherung,
sondere Einweisungen des Ordnungsperso- beziehungsweise Qualitätsverbesserung
nals auf spezifische Risiken) beitragen, da diese in regelmäßigen Abständen
37
3
überprüft und gegebenenfalls angepasst wer- Beschreibung der „Münchener Methode“
den können. Gleichzeitig dienen sie als Instru- Die Münchener Methode ist ein systematisches
ment Dritten gegenüber, um Entscheidungen Verfahren für die Beurteilung der brandschutz-
und Bewertungen zu rechtfertigen, wodurch sie technischen Sicherheit einer Veranstaltung,
zur Klarheit beitragen und nicht zuletzt rechtfer- das für Dritte transparent ist. Ursprünglich auf
tigende Wirkung vor Gericht erlangen können. der Basis empirisch zusammengetragener und
bewerteter wissenschaftlicher Erkenntnisse für
Aufgrund der langjährigen Anwendung bei einer die Rahmenbedingungen in der Landeshaupt-
Vielzahl von Veranstaltungen im Raum München stadt erstellt, soll im Folgenden beschrieben
hat sich das Vorgehen in der Praxis bewährt. werden, wie eine Anpassung an unterschiedli-
Im Folgenden soll daher in einem ersten che kommunale Gegebenheiten erfolgen kann.
Schritt die „Münchener Methode“ als Mittel Dies soll einen Beitrag leisten, die spezifischen
der Risikoeinschätzung beschrieben werden, Risiken einer Veranstaltung und eventuell not­
um anschließend die Anpassungsmöglichkeit wendige brandschutz- und sicherheitstechni-
dieser auf München bezogenen Umsetzung an sche Auflagen im Zuge einer Genehmigung zu
unterschiedliche kommunale Gegebenheiten ermitteln sowie vorbereitende Maßnahmen für
darzustellen, so dass eine bundesweite Anpas- gegebenenfalls notwendige Einsatzplanungen /
sung durch die zuständigen Behörden ermög- -vorkehrungen zu schaffen. Somit werden
licht wird. Diese Anpassung ist grundsätzlich in neben den Belangen des Vorbeugenden Brand-
jeder Kommune umsetzbar, setzt allerdings die schutzes bei diesem Verfahren auch mögliche
Kenntnisse der örtlichen Strukturen und eine Auswirkungen auf den Abwehrenden Brand-
ehrliche Bewertung dieser voraus. schutz berücksichtigt.

1. Schritt: Risikofaktor ermitteln (FR = Risikofaktor)

Veranstaltungs- Zahl der


Risikogruppe Risikofaktor FR = 1, 1,25, 1,5, 2 oder 2,5
kategorie Besucher

2. Schritt: Sicherheitsfaktor ermitteln (FS = Sicherheitsfaktor, FE = Einflussfaktor)

Anfahrtswege
Löschwasser-
versorgung Kommuni-
kationswege Veranstalter-
Die Einflussfaktoren
bonus Zuschauer- k = 1 bis 9 bestimmen
verhalten den

Sicherheitsfaktor

Feuergefährliche
Handlungen
Brandszenarien
Flucht- und
Zu- und Rettungswege
Durchfahrten

3. Schritt: Sicherheitskoeffizient berechnen

FR • FS = Sicherheitskoeffizient

Abb. 18: Illustration der Verfahrensschritte der Münchener Methode

38
3
Zum Vergleich:
Kontrolle Lagefeststellung Der insbesondere in der
Nachbearbeitung: Informationen aus der Wirtschaft bekannte
waren die Auflagen Anmeldung ziehen: Demon- bzw. PDCA-Zyklus
ausreichend? wo, wie viele, …
Zu hoch? => Risikofaktor,
Sicherheitsfaktor

Act Plan

Check Do
Entscheidung /
Entschluss
Lagebeurteilung
Unterstützung durch den
Sicherheitskoeffizient
Sicherheitskoeffizient:
Welche Maßnahmen /
Auflagen?

Abb. 19: Risikobeurteilung einer Veranstaltung angelehnt an die FwDV 100

Die Methode verfügt über einen zweigliedrigen Unterstützt durch die Berechnung des Sicher-
Aufbau, bestehend aus der Ermittlung zweier heitskoeffizienten werden die erforderlichen
Faktoren: Auflagen und Maßnahmen für die Veranstaltung
festgelegt und notwendige Einsatzvorkehrungen
• dem Risikofaktor und der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr vorge-
• dem Sicherheitsfaktor plant. Entsprechend dem Regelkreislauf wird die
Veranstaltung evaluiert und durch die Fach- und
Aus der Multiplikation dieser beiden Faktoren Genehmigungsbehörden nachbereitet. Sofern
lässt sich schließlich der Sicherheitskoeffizient sich hieraus erforderliche Modifikationen für die
bestimmen, auf dessen Grundlage sich die Veranstaltung hinsichtlich der brandschutz- und
Maßnahmen und Auflagen ableiten. sicherheitstechnischen Aspekte ergeben, finden
diese wiederum in den Regelkreislauf Eingang.
Angelehnt an den Führungsvorgang nach der
Feuerwehrdienstvorschrift (FwDV) 100 kann die
Münchner Methode ebenfalls in einen Regel-
kreislauf eingebettet werden (siehe Abb. 19).
Beginnend mit der „Lagefeststellung“ werden
die erforderlichen Informationen zum Veranstal-
tungskonzept gesammelt und jeweils im Risiko-
faktor und Sicherheitsfaktor abgebildet. Anhand
des ermittelten Sicherheitskoeffizienten kann die
brandschutz- und sicherheitstechnische Architek-
tur der Veranstaltung aus Sicht der Gefahrenab-
wehrbehörde „beurteilt“ werden.

39
3
Tabelle 1: Risikofaktor (FR)

Sportveranstaltun-
Stehplatzkonzerte
in Veranstaltungs-

gen auf Strecken-

Sitzplatzkonzerte
Veranstaltungen

Kundgebungen

Ausstellungen

Risikogruppe
Umzüge und
und Kinovor-

Straßenfeste

Messen und
abschnitten

Sportveran-

Risikofaktor
staltungen
führungen
räumen

< 1.000 < 1.000 < 1.000 < 1.000 < 1.000 < 1.000 < 3.500 < 3.500 1 1
Besucheranzahl

> 1.000 > 1.000 > 1.000 > 1.000 > 1.000 > 1.000 > 3.500 > 3.500 2 1,25
> 3.500 > 10.000 > 10.000 > 10.000 > 10.000 > 10.000 > 15.000 > 15.000 3 1,5
> 7.000 > 20.000 > 20.000 > 20.000 > 20.000 > 20.000 > 30.000 > 30.000 4 2
> 10.000 > 30.000 > 30.000 > 30.000 > 50.000 > 50.000 > 60.000 > 60.000 5 2,5

gewählter Risikofaktor

Die Einteilungen basieren auf den gesammelten Erfahrungen und sind somit auf die konkreten Randbedingun-
gen Münchens zugeschnitten.

Risikofaktor (FR) wasserversorgung) „günstig“ und zusätzliche


Der Risikofaktor stellt den Wert dar, der einer Risiken ausgeschlossen sind. Damit sinkt der
Risikogruppe zugeordnet ist (s. Tabelle 1). Die Sicherheitskoeffizient und es müssen weniger
insgesamt fünf Risikogruppen beinhalten eine Auflagen zur Kompensation des vorhandenen
identische Kategorisierung unterschiedlicher, Risikos festgesetzt werden. Stellen sich die
in der jeweiligen Kommune stattfindenden Gegebenheiten jedoch als „sehr ungünstig“
Veranstaltungsarten. Für München wurden dar, kann sich dieser Faktor vervierfachen, was
acht unterschiedliche, häufig vorkommende höhere Anforderungen an die Genehmigung
Veranstaltungsarten gewählt, unter die fast alle (Auflagen) nach sich ziehen kann.
Veranstaltungen subsumiert werden können.
Den Veranstaltungskategorien zugeordnet sind Es handelt sich bei der Ermittlung des Sicher-
verschiedene Besucherzahlen. Je größer diese heitsfaktors um eine qualitative Bemessung, die
sind, desto höher fällt auch die Zuordnung in nicht spezifisch auf die Situation in München
eine bestimmte Risikogruppe aus. Die Veran- zugeschnitten ist und daher bei einer Verall-
staltungsart sowie die variierende Besucherzahl gemeinerung keiner Adaption bedarf. Aus der
legen also fest, welche Risikogruppe und damit Abbildung 20 wird ersichtlich, in welcher Weise
welcher Risikofaktor in die Berechnung der die Einflussfaktoren Bestandteil eines Ursache-
Münchner Methode eingeht. Wirkungs-Zusammenhangs sind und die Veran-
staltungssicherheit beeinflussen.
Sicherheitsfaktoren (FS)
Mit Hilfe der Einflussfaktoren (FE) wird die Die Feuerwehr München hat vorgesehen, die
anfängliche erste Einordnung einer V eranstal- Einflussfaktoren (s. Tabelle 2) alle gleichwertig
tung in eine Risikogruppe durch die zusätzli- zu gewichten und daher als arithmetisches
che verfeinerte Berücksichtigung der Art der Mittel als Sicherheitsfaktor zu berechnen. In
Veranstaltung sowie der tatsächlich verfügbaren die Betrachtung des bis hierhin ermittelten
Sicherheits- und Gefahrenabwehrmöglichkeiten Grundrisikos haben zunächst keine möglichen
an unterschiedlichen Orten konkretisiert. Dies Schutzmaßnahmen Eingang gefunden. Diese
kann dazu führen, dass die Beurteilung des (beispielsweise Erfahrungswerte mit dem Ver-
Veranstaltungsrisikos höher oder niedriger aus- anstalter und Ordnungsdienst der Veranstaltung)
fällt. So wird der ermittelte Risikofaktor halbiert, sind im Sicherheitsfaktor „Veranstalterbonus“
wenn alle Faktoren (z. B. Anfahrtswege, Lösch- berücksichtigt.

40
3
Anfahrtswege
Löschwasser-
versorgung Kommuni-
kationswege Veranstalter-
bonus Zuschauer-
verhalten

Sichere Veranstaltung

Feuergefährliche
Handlungen
Brandszenarien
Flucht- und
Zu- und Rettungswege
Durchfahrten

Abb. 20: Ursachen-Wirkungsdiagramm angelehnt an Ishikawa

Tabelle 2: Sicherheitsfaktor (FS)


Einflussfaktoren (FE) günstig normal ungünstig sehr ungünstig gewählt:
1. Anfahrtswege 0,5 1 2 4

2. Zu- und Durchfahrten 0,5 1 2 4

3. Löschwasserversorgung 0,5 1 2 4

4. Flucht- und Rettungswege 0,5 1 2 4

5. Kommunikationswege 0,5 1 2 4
der Gefahrenabwehr
6. Brandszenarien 0,5 1 2 4

zusätzliche Risiken sind…

ausgeschlossen weitestgehend nicht ausgeschlossen nicht ausgeschlossen


ausgeschlossen aber beherrschbar und schwierig zu
beherrschen
7. Zuschauerverhalten / 0,5 1 2 4
kriminelle Handlungen
8. Feuergefährliche 1 1,5 2 4
Handlungen
9. Veranstalterbonus Hohes Sicherheits- Normales Sicherheits- Normales Sicherheits- Nicht stark Nicht stark
bewusstsein des bewusstsein des bewusstsein des ausgeprägtes ausgeprägtes
Veranstalters und Veranstalters und Veranstalters und Sicherheits­ Sicherheits-
geschultes Sicher- geschultes schlecht geschultes bewusstsein bewusstsein
heitspersonal in Sicherheitspersonal Sicherheitspersonal des Veran­ des Veran-
hoher Anzahl stalters und stalters und
geschultes schlecht
Sicherheits­ geschultes
personal Sicherheits­
personal

0,5 1 2 2 4

Sicherheitsfaktor (arithmetisches Mittel)

41
3
Einflussfaktoren (FE) • Altersstruktur des Publikums
Die genannten Einflussfaktoren (s. Tabelle 3) • besucherrelevante Persönlichkeiten („VIPs“)
werden bei der Risikoeinteilung bei Veranstal- • Rückfallebenen bei unerwarteten Ereignissen
tungen in München durch die Branddirektion (Verfügbarkeit Katastrophenschutz)
verwendet, müssen jedoch nicht als abge- • Erfahrungshintergrund des Sanitätsdienstan-
schlossen betrachtet werden. Vielmehr kann bieters
eine Orientierung an örtlichen Begebenheiten • Erfahrungen in Bezug auf Versorgungs- und
erfolgen. Gerade für Veranstaltungen abseits Transportzahlen des Sanitätsdienstes aus
von Großstädten können weitere Faktoren sinn- vorherigen Veranstaltungen
voll zur Risikoeinteilung genutzt werden: • Wettereinfluss auf die Veranstaltung
• Begehbarkeit des Geländes (Beschaffenheit
• Besucherzahl (der zeitgleich auf der Veran- des Untergrundes)
staltungsfläche anwesenden Besucher) in
Relation zur vorhandenen Infrastruktur (wird
durch die Gemeinde festgelegt)

Tabelle 3: Einflussfaktoren (FE)


Einflussfaktor Bewertung Beschreibung

1. Anfahrtswege günstig kurze, ausreichend befestigte, breite und geradlinige Anfahrtswege,


unabhängig von Besucher- und Individualverkehr (Hilfeleistungsfristen
können deutlich unterboten werden), optimale Nutzung möglich
normal Anfahrt ohne Probleme möglich, Hilfsfristen werden eingehalten

ungünstig schwierige Wegeführung, Verzögerungen sind möglich, starke Belas-


tung durch Besucher- und Individualverkehr, gegebenenfalls abgele-
gene Örtlichkeit, gegebenenfalls unbefestigte Straßen, Anfahrtswege
durch mobiles Mobiliar eingeschränkt

sehr ungünstig schwierige, unübersichtliche Wegeführung, Verzögerungen sind zu


erwarten, gegebenenfalls abgelegene Örtlichkeit, Hilfsfristen werden
überschritten, Belastbarkeit für Großfahrzeuge nicht sichergestellt,
kein von den Rettungswegen für Besucher unabhängiger Anfahrtsweg
(Überlagerung mit Rettungswegen für Besucher)
2. Zu- und günstig uneingeschränkte Nutzbarkeit, Veranstaltungsbereich und Nachbarbe-
Durchfahrten bauung für Einsatzkräfte jederzeit zugänglich, Flächen für Feuerwehr
(Bewegungs- und Aufstellflächen) werden eingehalten, mehrere An-
fahrtsmöglichkeiten, kurze Wege von den Fahrzeugen zu potentiellen
Schadensorten, Zufahrten gekennzeichnet, Einsatzpläne vorhanden
normal Zu- und Durchfahrt ohne Probleme möglich

ungünstig Zu- und Durchfahrten schwierig zu nutzen, hohe Personendichte zu


erwarten, Verzögerungen möglich, Zugang zur Nachbarbebauung für
Einsatzkräfte schwierig, Flächen für Feuerwehr und Rettungsdienst
eingeschränkt

sehr ungünstig Zu- und Durchfahrten sehr schwierig zu nutzen, hohe Personendichte
bei engen Platzverhältnissen zu erwarten, Verzögerungen zu erwarten,
Flächen für Feuerwehr und Rettungsdienst stark eingeschränkt, lange
Wege zu potentiellen Schadensorten

3. Löschwasser- günstig leistungsfähiges Rohrnetz (leistungsfähiger als notwendig) mit


versorgung zahlreiche Hydranten in engen Abständen und guter Kennzeichnung,
freizugänglich / unverbaut, Ringleitungen
normal reguläre Löschwasserversorgung nach dem Deutschen Verein des Gas-
und Wasserfaches e.V. (DVGW 405, Abstand bis zu 300 m)
ungünstig große Abstände der Hydranten, schwierig auffindbar, Stichleitungen,
geringe Druchmesser
sehr ungünstig keine Hydranten, lange Schlauchstrecken erforderlich, abgelegene
Örtlichkeit, Aufstauen von Gewässern erforderlich

42
3
4. Flucht- und günstig die Kapazität der Flucht- und Rettungswege übersteigt die Höchstbe-
Rettungswege sucherzahl deutlich (z. B. freies Feld ohne bauliche Begrenzungen),
bestenfalls befestigt, eben, falls notwendig ausgeleuchtet
normal Flucht- und Rettungswege stehen in ausreichender Anzahl und Breite
(analog MVStättVO) für die gesamtzulässige Höchstbesucherzahl zur
Verfügung; die Rettungswegführung erfolgt in zwei entgegengesetzten
Richtungen, deutliche Kennzeichnung
ungünstig Flucht- und Rettungswege stehen nicht während der kompletten Veran-
staltung oder alle Bereiche des Veranstaltungsgeländes in ausreichen-
der Anzahl und Breite für die gesamtzulässige Höchstbesucherzahl zur
Verfügung; es können nicht zwei entgegengesetzte Richtungen in der
Rettungswegführung sichergestellt werden, lange Rettungsweglängen,
Rettungswegführung über Stauflächen von beispielsweise WC- oder
Gastroeinrichtungen, Rettungswege enden an befahrbaren Straßen,
Rettungswege sind für Menschen mit körperlichen Behinderungen
nicht nutzbar
sehr ungünstig Flucht- und Rettungswege stehen nicht in ausreichender Anzahl zur
Verfügung beziehungsweise die Wegführung in zwei entgegegesetzte
Richtungen ist nicht sichergestellt, Ein-/Ausgang nicht unabhängig mit
möglicher Staubildung, Trichterbildung im Rettungswegverlauf, nur
verzögert und gegebenenfalls nur mit Hilfsmitteln zu öffnen (z. B. bei
Verwendung von Kabelbindern, organisatorischen Regelungen etc.)
AUSSCHLUSSKRITERIUM FÜR DURCHFÜHRUNG DER VERANSTALTUNG!
5. Kommuni- günstig es liegt eine stets aktuelle Kommunikationsliste mit den Ansprech-
kationswege partnern der Veranstaltung für alle Kommunikationswege vor, die
Kommunikation ist über mindestens zwei Wege gesichert (in der Regel
Mobil und Funk [eigener Kanal] beziehungsweise Festnetzanschluss;
Mobilfunk hat eine hohe Ausfallquote!), alle benannten Mitglieder des
Koordinierungskreises sind vor Ort und kennen sich seit längerem,
Veranstalter verfügt über einen Festnetzanschluss
normal es liegt eine stets aktuelle Kommunikationsliste mit den Ansprechpart-
nern der Veranstaltung vor, die Kommunikation ist über mindestens
zwei Wege gesichert (in der Regel Mobil und Funk beziehungsweise
Festnetzanschluss; Mobilfunk hat eine hohe Ausfallquote!)
ungünstig eine Kommunikation mit dem Veranstalter beziehungsweise dessen
Dienstleistern beziehungsweise der Einsatzkräfte untereinander ist
erschwert aber möglich (z. B. durch Meldeläufer etc.), nur ein Kommu-
nikationsweg
sehr ungünstig die Erreichbarkeit des Veranstalters und dessen Dienstleistern sowie
die Kommunikation der Einsatzkräfte untereinander ist nicht sicherge-
stellt, da Verantwortliche nicht benannt sind und keine Kommunikati-
onslisten o.ä. vorliegen
6. Brand- günstig keine Verwendung von offenem Feuer, pyrotechnischen Gegenstän-
szenarien den, brennbaren Flüssigkeiten oder Gasen,
Prüfzeugnis / Zulassung für Schwerentflammbarkeit der Dekoration und
Ausstattung liegt vor,
geringe Brandlast,
Abstandsflächen zwischen den einzelnen Ständen sowie der vorhande-
nen Bebauung sind deutlich größer als vorgeschrieben
Veranstaltung im Freien (keine Verrauchung möglich)
normal Verwendung von brennbaren Flüssigkeiten und Gasen durch Fachkräfte
(an abgenommenen Anlagen und Einrichtungen), Prüfbescheinigungen
liegen vor
Ausreichende Abstände bei Verwendung von offenem Feuer zu brenn-
baren Stoffen,
Abstand zu Publikum und Akteuren durch Abschrankung,
Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) Vorgaben bei
Pyrotechnik werden eingehalten
genehmigte (d.h. abgenommene) feuergefährliche Handlungen durch
Fachkräfte
ausreichend Löschgeräte vorhanden

43
3
6. Brand- ungünstig kritische Umgebung beispielsweise wegen Waldbrandgefahrenstufe,
szenarien Verwendung von brennbaren Flüssigkeiten und Gasen, offenem Feuer
(Fortsetzung) und / oder Pyrotechnik durch „Amateure“ (an abgenommenen Anlagen
und Einrichtungen), geringe Abstände zu brennbaren Stoffen, Verwen-
dung von entflammbaren Stoffen, hohe Brandlasten (z. B. viel Holz),
enge Belegung des Geländes mit Kompensationsmaßnahmen
sehr ungünstig Verwendung von brennbaren Flüssigkeiten und Gasen, offenem Feuer
und / oder Pyrotechnik durch „Amateure“ mit nicht abgenommenen Ein­-
richtungen, Verwendung leichtentflammbarer Materialien, sehr hohe
Brandlasten, Verwendung von brennbaren Stoffen in großen Mengen
(z. B. Verpackungsmaterial), enge Belegung des Geländes / geringe Ab-
stände der Aufbauten ohne Kompensationsmaßnahmen (z.B. Nichteinhal-
tung der Abstände von brandlastfreien Streifen), schwierige Erreichbarkeit
7. Zuschauer- günstig keine Störungen / keine Beeinflussung der Veranstaltung zu erwarten
verhalten /
kriminelle normal weitestgehend vernachlässigbar, Störungen zu erwarten, friedlich
Handlungen
ungünstig Störungen nicht ausgeschlossen, aber beherrschbar z. B. hoher Alko-
holkonsum, Gewaltpotenzial vorhanden, Gegenveranstaltungen
sehr ungünstig Störungen zu erwarten und schwierig zu beherrschen z. B. sehr hoher
Alkoholkonsum, Drogenkonsum, besondere politische Lage, hohes
Gewaltpotenzial und hohe Gewaltbereitschaft vorhanden, Hooligans,
gewaltbereite, rivalisierende Gruppen

8. feuergefährliche günstig ausgeschlossen (finden nicht statt)


Handlungen
normal weitestgehend vernachlässigbar (z. B. einzelne Feuerzeuge im Publi-
kum oder abgenommene, genehmigte feuergefährliche Handlungen
durch Fachkräfte)
ungünstig nicht ausgeschlossen, aber beherrschbar (z. B. einzelne Wunderkerzen
u. ä., kritische Umgebung beispielsweise aufgrund Waldbrandgefah-
renstufen)
sehr ungünstig zu erwarten und schwierig zu beherrschen (Feuerzeuge, Wunderker-
zen u. ä. in großer Zahl, hohe Belegungsdichte, schwierige Erreichbar-
keit für Einsatzkräfte, hohe Brandlasten, kritische Umgebung)
9. Veranstalter- günstig bekannter, örtlich erfahrener Veranstalter mit leistungsfähigem Team
bonus im Hintergrund; hohes Sicherheitsbewusstsein des Veranstalters und
geschultes Sicherheitspersonal in hoher Anzahl; klare Rollen- / Aufga-
ben- und Kompetenzverteilung im Team

normal erfahrener Veranstalter oder nur eingeschränkt leistungsfähiges Team


im Hintergrund; normales Sicherheitsbewusstsein des Veranstalters
und geschultes Sicherheitspersonal, Rollen / Aufgaben- und Kompe-
tenzverteilung im Team bekannt

ungünstig unerfahrener Veranstalter und nur eingeschränkt Leistungsfähiges Team


im Hintergrund; normales Sicherheitsbewusstsein des Veranstalters
und schlecht geschultes Sicherheitspersonal, nicht stark ausgeprägtes
Sicherheitsbewusstsein des Veranstalters und geschultes Sicherheits-
personal, unklare Rollen / Aufgaben- und Kompetenzverteilung im Team
sehr ungünstig erstmaliger, unerfahrener Veranstalter ohne Team im Hintergrund;
nicht stark ausgeprägtes Sicherheitsbewusstsein des Veranstalters
und schlecht geschultes Sicherheitspersonal

44
3
Sicherheitskoeffizient Der Sicherheitskoeffizient legt auf einer Skala
Aus der Multiplikation des Risikofaktors mit von 0,5 bis 4,0 und größer die einzuleitenden
dem arithmetischen Mittel der Einflussfaktoren Maßnahmen fest. Beispielhaft sind in Tabelle
(Sicherheitsfaktor) folgt der Sicherheitskoeffizi- 4 einige spezifische Maßnahmen aufgeführt.
ent (s. Tabelle 4). Welcher Wert mit welchen Maßnahmen kor-
respondiert, ist für andere Städte individuell zu
kalibrieren.

Tabelle 4: Sicherheitskoeffizient

Wert Maßnahmen

< 1,5 Bearbeitung der Veranstaltung

Keine Einsatzplanung erforderlich

1,6 - 2,0 Bearbeitung der Veranstaltung

Abnahme der Veranstaltung

Keine Einsatzplanung erforderlich

2,1 - 2,5 Bearbeitung der Veranstaltung

Abnahme der Veranstaltung

Forderung eines Sicherheitskonzepts

Anwesenheit von vorbeugendem Brand- und Gefahrenschutz und Ordnungsamt während der
Veranstaltung mit Kontakt zum Veranstalter, Polizei und Rettungsdienst

Informationen des Abwehrenden Brandschutzes

Bei Pyrotechnik oder feuergefährlichen Handlungen wird zusätzlich eine Brandsicherheitswache


gestellt (in der Regel in der Stärke 0/1/1/2)
Weitergabe der einsatztaktisch relevanten Informationen an die Integrierte Leitstelle (ILS) mit der
Empfehlung „Sonderausrückung Großveranstaltung“

Einsatzplanung

2,6 - 3,0 Bearbeitung der Veranstaltung

Abnahme der Veranstaltung

Forderung eines Sicherheitskonzepts

Anwesenheit von vorbeugendem Brand- und Gefahrenschutz und Ordnungsamt während der
Veranstaltung mit Kontakt zum Veranstalter, Polizei und Rettungsdienst

Informationen des Abwehrenden Brandschutzes

Eine Brandsicherheitswache wird gestellt (in der Regel in der Personalstärke 0/1/5/6 + Hilfeleis-
tungslöschfahrzeug (HLF) oder gemäß Einsatzplanung)
Weitergabe der einsatztaktisch relevanten Informationen an die Integrierte Leitstelle (ILS) mit der
Empfehlung „Sonderausrückung Großveranstaltung“

Einsatzplanung

45
3
3.1 - 4,0 Bearbeitung der Veranstaltung

Abnahme der Veranstaltung

Forderung eines Sicherheitskonzepts

Anwesenheit von vorbeugendem Brand- und Gefahrenschutz und Ordnungsamt während der
Veranstaltung mit Kontakt zum Veranstalter, Polizei und Rettungsdienst

Informationen des Abwehrenden Brandschutzes

Eine Brandsicherheitswache wird gestellt (in der Regel in der Personalstärke 0/1/5/6 + Hilfeleis-
tungslöschfahrzeug (HLF) oder gemäß Einsatzplanung)

Einweisung des Einsatzführungsdienstes vor Ort

Weitergabe der einsatztaktisch relevanten Informationen an die Integrierte Leitstelle (ILS) mit der
Empfehlung „Sonderausrückung Großveranstaltung“

Einsatzplanung

> 4,0 Bearbeitung der Veranstaltung

Abnahme der Veranstaltung

Forderung eines Sicherheitskonzepts

Anwesenheit von vorbeugendem Brand- und Gefahrenschutz und Ordnungsamt während der
Veranstaltung mit Kontakt zum Veranstalter, Polizei und Rettungsdienst

Informationen des Abwehrenden Brandschutzes

Information des Kreisbrandrates (KBR) und der Katastrophenschutzbehörde

Eine Brandsicherheitswache wird gestellt (in der Regel in der Personalstärke 1/3/12/16 + Löschzug
(ELW, 2x HLF, DLK, RTW) oder gemäß Einsatzplanung)

Einweisung des Einsatzführungsdienstes vor Ort

Weitergabe der einsatztaktisch relevanten Informationen an die Integrierte Leitstelle (ILS) mit der
Empfehlung „Sonderausrückung Großveranstaltung“

Einsatzplanung

Mit Einführung der Berechnung des Sicherheits- des Qualitätsmanagements in der Veranstal-
koeffizienten zur brandschutz- und sicherheits- tungsbearbeitung erzielt. Bis dato erfahrungs-
technischen Bewertung von Veranstaltungen basierte Bewertungen von Veranstaltungen
bei der Berufsfeuerwehr München („Sicher- konnten nunmehr durch die Schaffung von be-
heitskoeffizient Brandschutz“, s. Anlage 2) last- und vergleichbaren Werten nachvollziehbar
wurde neben den positiven Auswirkung auf die dokumentiert werden, um Entscheidungen und
Belange des Vorbeugenden und Abwehrenden Bewertungen auch gegenüber Dritten recht-
Brandschutzes eine wesentliche Optimierung fertigen zu können.

46
3
Die Tabelle 5 zeigt exemplarisch die fiktive zu verschiedenen Ergebnissen bei der Ermitt-
Bewertung eines Veranstaltungsortes mit iden- lung des Sicherheitskoeffizienten und den sich
tischer Besucherzahl. Allein die unterschiedli- hieraus abzuleitenden Maßnahmen (vgl. hierzu
chen Veranstaltungsarten mit der spezifischen Tabelle 4).
Bewertung ihrer Einflussfaktoren führen hierbei

Tabelle 5: Gegenüberstellung einer Veranstaltungsbewertung


Veranstaltungsort Musterpromenade
Besucherzahl 12.000
Art der Veranstaltung Stehplatzkonzert Sportveranstaltung
Risikofaktor (FR) aus Tabelle 1 1,5 1,25
Einflussfaktoren (FE) aus Tabelle 2
Anfahrtswege 1 1
Zu- und Durchfahrten 1 1
Löschwasserversorgung 1 1
Flucht- und Rettungswege 1 1
Kommunikation 2 0,5
Brandszenarien 2 0,5
Zuschauerverhalten 2 1
Feuergefährliche Handlungen 2 1
Veranstalterbonus 2 1
Sicherheitsfaktor (FS) (vgl. Abbildung Seite 36) 1,6 0,9
Sicherheitskoeffizient (vgl. Abbildung Seite 36) 2,4 1,1

Anpassung der „Münchener Methode“ an Im Gegensatz dazu stellen die Einflussfaktoren


die kommunalen Gegebenheiten keine München-spezifische Maßzahl dar und
Im weiteren Verlauf soll nun der Anpassungs- können als – positiv wie negativ – beeinflussen-
prozess des Verfahrens den Anwendern de Faktoren bestehen bleiben; sie müssen nicht
beziehungsweise Nutzern unter anderen (d. h. angepasst werden.
nicht Münchener) Rahmenbedingungen darge-
legt und so den Interessenten eine profunde Elementare Bedeutung im Anpassungsprozess
Beurteilungsmöglichkeit der Sicherheit von kommt der bereits vorhandenen Dokumentation
Veranstaltungen verfügbar gemacht werden. durchgeführter Veranstaltungen der Städte oder
Hierfür hat eine Anpassung des Risikofaktors Kommunen zu, da die Münchner Methode ein
sowie des vom Sicherheitskoeffizienten ab- auf Erfahrung basierendes Verfahren ist.
hängigen Maßnahmenkataloges zu erfolgen.

47
3
Anpassung der Risikogruppe und des derten Expertenmeinung. In Tabelle 1 sind
Risikofaktors beispielhaft die für die Stadt München gel-
Zu Beginn des Anpassungsprozesses wird der tenden Werte aufgeführt. Veranstaltungen,
Risikofaktor festgelegt. Es empfiehlt sich die welche die aufgelisteten Zuschauerzahlen
örtlich stattfindenden Veranstaltungen aufzu- überschreiten, entbehren jeglicher Erfah-
listen, diese in unterschiedliche Kategorien, rungswerte und können daher nicht verall-
wie z. B. Umzüge, Sportveranstaltungen oder gemeinert betrachtet werden (Ausnahmen
Straßenfeste zu bündeln, um somit die Risiko- bilden hierbei das Oktoberfest sowie die
gruppen in Abhängigkeit des Besucherandrangs Messe Bauma).
festzulegen. Wichtig ist es hierbei eine nicht
zu feingliedrige Kategorisierung der Veranstal- 3. Festlegung der Risikogruppe 2, 3 und 4
tungsarten zu wählen; als Referenzwert können Diese Gruppen ordnen sich zwischen den
die acht Veranstaltungsarten aus München an- Gruppen 1 und 5 ein. Die Abbildung 21 zeigt,
gesehen werden. Es gilt zu klären, in welchem wie abhängig von der Besucherzahl die Ver-
Verhältnis das Risiko und die Besucherzahl bei anstaltungskategorien in die Risikogruppen 2,
unterschiedlichen Veranstaltungen zu der zur 3 und 4 eingeordnet werden.
Verfügung stehenden
Infrastruktur (bezüg- Veranstaltungskategorie: Besucherzahl
lich Gefahrenabwehr, 70 000
Verkehrswegen, Sitzplatzkonzerte
Versorgungsmöglich- 60 000
keiten und Verwaltung) Sportveranstaltungen

FR = 2
stehen. Mit anderen
Messen und 50 000
Worten, ab welcher Ausstellungen
Besucherzahl sich das
Straßenfeste 40 000
Risiko schrittweise
ändert und in welche
FR = 1,5
Sportveranstaltungen
Risikogruppe es einge- auf Streckenabschnitten 30 000
gliedert werden soll.
FR = 1,25

Umzüge und
Um zu differenzierte Kundgebungen 20 000
Werte zu vermeiden, Stehplatzkonzerte und
FR = 1

wurden fünf Risiko- Kinovorführungen 10 000


gruppen definiert, die Veranstaltungen in
nach folgenden Kriteri- Versammlungsräumen 1 000
en charakterisiert sind: 1 2 3 4 5
Risikogruppe
1. Risikogruppe 1 Abb. 21: Veranstaltungskategorien, Zahl der Veranstaltungsteilnehmer
Ungeachtet aller und Risikogruppen
örtlichen Gegeben-
heiten und Strukturen findet in der Risiko- Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Anzahl der
gruppe 1 bei der Betrachtung der Anzahl der Veranstaltungen in den unteren Risikogruppen
Personen keine Überlastung der kommuna- jene in den höheren um ein Vielfaches über-
len Infra­struktur statt. Sie entspricht somit steigt, weshalb bei der Zuordnung der Risikofak-
dem normalen Tagesbetrieb vor Ort. toren zu diesen die Skalierung in den Unteren
feingliedriger als in den Oberen gewählt wurde.
2. Risikogruppe 5
Die Risikogruppe 5 wird dadurch gekenn- Anpassung des Sicherheitskoeffizienten
zeichnet, dass keine höhere Gruppe existiert. Der Anpassungsprozess der Münchener Praxis
Es soll zum Ausdruck kommen, dass die beinhaltet maßgeblich, die Koeffizient-Inter­
Anwendbarkeit der Methode, im Gegensatz valle neu zu definieren sowie die daraus abzu­-
zu anderen (vgl.: Lit. Maurer Algorithmus), für leitenden Maßnahmen und Auflagen zu be­
Veranstaltungen eines „ortsüblichen Maßes“ stimmen; hierfür soll von repräsentativen und
gilt und somit eine Anwendungsgrenze, sicher durchgeführten Veranstaltungen der
keine nach oben offene Skala, vorliegt. Erst­ Sicherheitskoeffizient mit Hilfe des bereits auf
mals stattfindende Veranstaltungen, welche die örtlichen Gegebenheiten angepassten
bereits praktizierte und daher bekannte Ver­- Risikofaktors und der gleichbleibenden Sicher­
anstaltungen in ihrer Größe deutlich über- heitsfaktoren berechnet werden. Den unter-
steigen, können nicht erfasst und bewertet schiedlichen errechneten Werten sind die
werden und bedürfen deshalb einer geson­ jeweiligen von den Behörden durchgeführten

48
3
Maßnahmen zuzu­ordnen. Im letzten Schritt 2. Überprüfung und Anpassung der an den
können mittels dieser Auflistung Veranstal- Sicherheitskoeffizienten gekoppelten
tungen mit ähnlichen Maß­nahmen zu einem Maßnahmen
neuen Koeffizienten-Intervall gebündelt wer- Anschließend sollen die Koeffizienten-Inter-
den. Die Justierung kann in einigen Fällen mit valle neu bestimmt und die daraus zu ergrei-
einer Verringerung beziehungsweise Erhöhung fenden Maßnahmen neu definiert werden.
der Anzahl der Intervalle einhergehen. Wie Grundlage dieses Adaptierungsschritts bilden
der Abbildung 22 zu entnehmen ist, bauen die bereits sicher durchgeführte Veranstaltungen
empfohlenen Maßnahmenpakete und Auflagen und die dafür behördlich durchgeführten
systematisch aufeinander auf. Maßnahmen.

Zur Entwicklung und Verbesserung der Metho- 3. Festlegung zur Dokumentation des Ver-
de soll dieser Prozess kontinuierlich wiederholt fahrens
werden. Im Anschluss an die Adaption der Münchener
Praxis sollte festgelegt werden, auf welche

Mögliche Maßnahmen:

• Veranstaltung bearbeiten
• Sicherheitskonzept fordern
• Veranstaltung abnehmen
• Einsatzplanung vornehmen
• Feuerwehr-Führungsdienstgrade der Kreisverwal-
tungsbehörde und ggf. der Katastrophenschutzbe-
hörde informieren
• Feuerwehr-Führungsdienstgrade vor Ort einweisen
• Einsatztaktisch relevante Informationen an die
erstalarmierende Stelle (i. d. R. (integrierte) Leit-
stelle) weitergeben
• •• •• •••
• Brandsicherheitswache
stellen z.B. • 0/1/1/2
•• 0/1/5/6 + HLF oder
gemäß Einsatzplanung
••• 1/3/12/16 + LZ oder
gemäß Einsatzplanung
• Anwesenheit von Vorbeugenden Brand- und 1,5 2,1 2,6 3,1 > 4,0
Gefahrenschutz, Ordnungsamt u. a. Fachbehörden bis bis bis bis
während der Vernstaltung mit Kontakt zum Veran- 1,5 2,0 2,5 3,0 4,0
stalter, Polizei und Rettungsdienst veranlassen
1,0 2,0 3,0 4,0
Sicherheitskoeffizient
Abb. 22: Sicherheitskoeffizient und Maßnahmen

Wesentliche Punkte des Anpassungsprozesses Art und in welchem Rahmen die Durch-
Abschließend sollen kurz und prägnant die führung des Verfahrens und die ermittelten
wesentlichen Anpassungspunkte dargestellt Ergebnisse in einer zweckdienlichen, hinrei-
werden: chenden und angemessenen Dokumentation
verschriftlicht werden sollen.
1. Überprüfung und gegebenenfalls Anpas-
sung der Risikogruppen und des Risiko- 4. Einführung des angepassten Verfahrens
faktors Im Zuge der Einführung des Verfahrens in
Es gilt zunächst zu prüfen, ob die Veranstal- die kommunale Praxis des neuen Endanwen-
tungskategorien individuell angepasst wer- ders ist vorstellbar, zunächst erste Anwen-
den müssen. Falls notwendig, sollen diese dungserfahrungen dadurch aufzubauen, dass
definiert und anschließend die unterschiedli- bereits durchgeführte Veranstaltungen im
chen Veranstaltungen gebündelt werden. Es Nachhinein neu beurteilt werden. Geplante
folgt die Anpassung der Besucherzahlen in Veranstaltungen könnten noch für eine
den jeweiligen Risikogruppen; der Risikofak- gewisse Zeit parallel in der tradierten Weise
tor bleibt jedoch unverändert den Risikogrup- als auch mit dem neuen Verfahren beurteilt
pen zugeordnet. werden, bevor der Prozess vollständig auf
das neue Verfahren umgestellt wird.

49
3
5. Überprüfung und Fortschreibung des Ein Sicherheitskonzept ersetzt nie einen
Verfahrens entsprechenden Genehmigungsbescheid; aus
Außerdem sollte den Anwendern empfohlen einem behördlich abgestimmten Sicherheits-
werden, die Kalibrierung durch die gemach- konzept können keine Genehmigungen für die
ten Erfahrungen in angemessenen Zeiträu- Veranstaltung an sich abgeleitet werden.
men zu überprüfen und fortzuschreiben, um
die Methode zu optimieren. Ein zeitlicher Anmerkung zur Verwendung der Begriffe
Abstand von drei Jahren scheint für diesen „Sicherheitskreis“ und „Koordinierungs-
Zweck angemessen. Als besondere Anlässe kreis“
für eine außerordentliche Überprüfung hinge-
gen können insbesondere Unfälle, Verletzun- In dieser Auflage werden die Begrifflich-
gen von Besuchern oder weitere sicherheits- keiten „Sicherheitskreis des Veranstalters“
relevante Feststellungen im Rahmen von und „Koordinierungskreis des Veranstalters“
Veranstaltungen gesehen werden, aber auch eingeführt. Dies geschieht aufgrund von Be-
publizierte (wissenschaftliche) Erkenntnisse griffsdoppelungen der alten Begrifflichkeiten
und Änderungen in den einschlägigen Regel- „Sicherheitsstab“ und „Krisenstab“ außer-
werken und Vorschriften. halb Bayerns. Die neuen Begriffe ersetzen
diese im Sinne einer bundesweiten Anwend-
3.3. Sicherheitskonzept barkeit. Die Aufgaben und Pflichten des
Sicherheitsstabes und Krisenstabes bleiben
erhalten.
3.3.1. Allgemeines
3.3.1.1. In Versammlungsstätten
Für bestimmte kritische Veranstaltungen muss (Sicherheitskonzept nach § 43 MVStättVO)
vom Betreiber / Veranstalter ein Sicherheitskon- In Versammlungsstätten mit mehr als 5.000
zept erstellt werden. Entscheidend dabei ist die Besucherplätzen ist das Vorliegen eines Sicher-
sicherheitstechnische Bewertung einer Veranstal- heitskonzeptes gesetzlich vorgeschrieben. Der
tung. Zur Entscheidungsfindung hat sich ein risi- Betreiber der Versammlungsstätte muss dieses
kobasierter Ansatz durchgesetzt, der für Veranstal- im Einvernehmen mit den zuständigen Behör-
tungen ab einer bestimmten Risikoschwelle (z. B. den, insbesondere der Polizei, der Feuerwehr
Sicherheitskoeffizient ≥ 2,1) die Forderung eines und dem Rettungsdienst, aufstellen.
Sicherheitskonzeptes zur Folge hat.
Zudem muss der Betreiber einer Versamm-
Dieses Kapitel zeigt auf, welche Punkte in lungsstätte ein Sicherheitskonzept aufstellen,
einem Sicherheitskonzept Berücksichtigung wenn es die Art der Veranstaltung erfordert.
finden müssen. Dabei richtet sich das Kapitel Dies wird durch eine Risikoanalyse festgestellt.
sowohl an Veranstalter oder Betreiber, die das
Konzept erstellen, als auch an die zuständigen 3.3.1.2. Außerhalb genehmigter Versamm-
Behörden und Institutionen, die das Konzept auf lungsstätten
Plausibilität, Vollständigkeit und Schlüssigkeit Derzeit gibt es keine gesetzlichen Regelungen,
prüfen müssen. nach denen Veranstalter Sicherheitskonzepte
analog § 43 MVStättVO für Veranstaltungen au-
Zusätzlich gibt es, unter Beachtung der Grund- ßerhalb von genehmigten Versammlungsstätten
und Regelversorgung, Einsatzplanungen im erstellen müssen. Eine Verpflichtung hierzu kann
Bereich der polizeilichen und nichtpolizeilichen sich für den Veranstalter oder Betreiber allenfalls
Gefahrenabwehr, die aber nur intern wirken und zivilrechtlich aus Haftungsfragen (Ausschluss
begleitend zu den Maßnahmen der Veranstalter eines Organisationsverschuldens) stellen.
zu sehen sind (siehe Kapitel 5). Diese sind nicht
zu verwechseln mit dem Sicherheitskonzept Bei Veranstaltungen außerhalb des Geltungsbe-
des Veranstalters. reiches der MVStättVO empfiehlt es sich für die
Behörden, ebenfalls nach den in der MVStättVO
Das Kapitel umfasst alle zu berücksichtigenden zugrunde gelegten Kriterien vorzugehen. Ein An-
Themenbereiche eines Sicherheitskonzeptes. haltspunkt für eine behördliche Forderung kann,
Einige Bereiche werden an anderer Stelle in die- wie oben erwähnt, das Überschreiten einer
sem Leitfaden detaillierter erläutert. An diesen Schwelle der Risikoanalyse (z. B. Sicherheits-
Stellen findet sich ein entsprechender Hinweis. koeffizient Brandschutz, Anlage 2) sein. Für die
Forderung eines Sicherheitskonzeptes ist bei
solchen Veranstaltungen eine länderspezifische
Rechtsgrundlage erforderlich (beispielsweise

50
3
§ 29 Abs. 2 Straßenverkehrsordnung (StVO), in Das abgestimmte Sicherheitskonzept ist bin-
Bayern: Art. 19 Abs. 5 sowie Art. 23 Abs. 1 Lan- dend für den Betreiber sowie (Gast-)Veranstalter.
desstraf- und Verordnungsgesetz (LStVG) oder Es ergänzt objekt- beziehungsweise veranstal-
der Orientierungsrahmen des MIK NRW). tungsspezifisch die Betriebsvorschriften der
MVStättVO.
Bereits mit Zuleitung der Veranstaltungsan-
meldung sollten sich die Sicherheitsbehörde 3.3.2.2. Außerhalb genehmigter Versamm-
(in der Regel das Ordnungsamt), die Polizei lungsstätten
und die Feuerwehr darüber abstimmen, ob ein Die folgende Gliederung dient als Grobstruktur
Sicherheitskonzept gefordert werden soll. Dabei für Veranstaltungen außerhalb genehmigter
muss es ausreichen, dass mindestens eine der Versammlungsstätten, bei denen ein Sicher-
Behörden ein Sicherheitskonzept für erforder- heitskonzept gefordert wird:
lich hält, dies entsprechend begründet und die
Genehmigungsbehörde dies unverzüglich dem 3.3.2.2.1 Allgemeines
Veranstalter mitteilt und zur Auflage macht. Zu Beginn müssen die Angaben zum Verfas-
ser, der aktuellen Versionsnummer sowie dem
Erfolgt die Mitteilung an den Veranstalter nicht Stand der letzten Bearbeitung enthalten sein.
unverzüglich, wird es im größten Teil der Fälle Diese auf jeder Seite, z. B. als Kopf- / Fußzeile,
nicht möglich sein, dass der Veranstalter das zu wiederholen, hat sich nicht bewährt, da hier-
Konzept rechtzeitig vorlegt. Für den Abstim- unter die Übersichtlichkeit leidet.
mungsprozess innerhalb der Behörden sowie
mit dem Veranstalter, wäre als „rechtzeitig“ 3.3.2.2.2 Angaben zur Veranstaltung
die Vorlage der „Version 1“ (vgl. Seite 84, Hierunter fallen Angaben zur Art der Veranstal-
Abbildung 53) sechs Wochen vor der Veran- tung (Konzert, Straßenfest, Sportveranstaltung,
staltung anzusehen, damit ausreichend Zeit für Brauchtumsveranstaltung etc.), aber auch deren
die Abstimmung besteht. Dieser Vorlauf ist bei Name und ergänzende, allgemeine Angaben
komplexen, neuen Veranstaltungen entspre- sollen hier genannt werden. Eng damit verbun-
chend zu vergrößern. Das mit allen Behörden den ist das erwartete Besucherverhalten, zu
abgestimmte Konzept muss dann, unabhängig dem hier eine Einschätzung erfolgen sollte.
vom Eingang der „Version 1“, vier Wochen vor
der Veranstaltung vorliegen, da sonst weder 3.3.2.2.3 Veranstaltungsort und -flächen
eine behördeninterne (bei Polizei und Feuer- Die Angaben müssen die genaue Örtlichkeit be-
wehr: darauf aufbauende Einsatzplanung), noch schreiben, an der die Veranstaltung stattfinden
veranstalterseitige Umsetzung (u. a. Schulung wird. Bei Umzügen, Märschen, Rennen oder
des Ordnungsdienstes) erfolgen kann. Ähnlichem ist der genaue Verlauf der sich bewe-
genden Veranstaltung oder des entsprechenden
3.3.2. Inhalt eines Sicherheits- Veranstaltungsteiles anzugeben. Die grafische
Darstellung bringt zusätzliche Klarheit.
konzeptes
3.3.2.2.4 Öffnungs-, Ausschank-, Veranstal-
3.3.2.1. In Versammlungsstätten
tungszeiten
Das Sicherheitskonzept des Betreibers einer
Bei Angabe dieser Zeiten ist das für die Veran-
Versammlungsstätte (gegebenenfalls mit ver-
staltung typische oder geschätzte Besucher­
anstaltungsspezifischen Ergänzungen) soll die
verhalten bezüglich der ersten im / am Veran-
Punkte der Veröffentlichung „Sicherheitskon-
staltungsbereich eintreffenden Besucher zu
zepte für Versammlungsstätten“ der Arbeitsge-
berücksichtigen und – soweit sicherheitstech-
meinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren
nisch relevant – mit anzugeben. Dies kann bei-
in der Bundesrepublik Deutschland (AGBF
spielsweise in Tabellenform erfolgen, wobei die
Bund, 2008) beinhalten, da dies den Stand der
Einschätzung der einzelnen Zeitblöcke über ein
Technik für die nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr
Ampelsystem als „unkritisch“, „kritisch“ und
darstellt. Damit wird es einen großen Teil der im
„sehr kritisch“ gekennzeichnet werden kann.
Folgenden angeführten Punkte berücksichtigen.
Relevant sind diese Angaben auch in Bezug
auf Überschneidungen, Beeinträchtigungen
Das Konzept muss im Einvernehmen mit den
etc. im Rahmen der An- und Abreise – auch im
für Sicherheit und Ordnung zuständigen Behör-
Zusammenspiel mit dem öffentlichen Perso-
den, insbesondere Polizei, Feuerwehr und Ret-
nennahverkehr (ÖPNV), dem Lieferverkehr und
tungsdienst, aufgestellt werden und sollte dem
gegebenenfalls Parallelveranstaltungen.
Veranstaltungsbescheid (soweit zutreffend) als
Anlage beigefügt werden.

51
3
3.3.2.2.5 Auf-, Abbauzeiten n Beauftragter Veranstaltungsleiter /
Die Zeiten sind in enger Beziehung zu den unter Verantwortlicher vor Ort
„Öffnungs-, Ausschank-, Veranstaltungszeiten“ Die Angabe ist entbehrlich, wenn die unter
genannten zu sehen und insbesondere dann „Verantwortlicher Veranstalter“ genannte
von Bedeutung, wenn die Auf- und Abbauar- Person vor Ort ist und die Verantwortung für si-
beiten den öffentlichen Straßenverkehr beein- cherheitstechnisch relevante Aufgaben nicht de-
trächtigen. Sie sind dann einerseits für verkehrs- legiert hat. Wurde die Verantwortung delegiert,
rechtliche Anordnungen relevant, dienen aber ist explizit darzustellen, wie die Verantwortlich-
auch dazu einzuschätzen, ob die damit verbun- keiten aufgeteilt sind. Die Aufgabenteilung kann
denen Beeinträchtigungen vertretbar sind oder z. B. örtlicher oder inhaltlicher Art sein.
weitergehende Maßnahmen getroffen werden
müssen. n Ordnungsdienstleiter des Veranstalters
Sämtliche Sicherheits- / Ordnungsdienstmit-
3.3.2.2.6 Verantwortlichkeiten arbeiter müssen der hier zu nennenden Per-
Der Gliederungspunkt muss neben den Verant­­- son unterstellt sein. Die Person muss diesen
wortlichen auf Seiten des Veranstalters auch gegenüber weisungsbefugt sein und dient dem
dessen Dienstleister (Ordnungsdienst, Sanitäts­ Veranstalter und den Behörden als Ansprech-
dienst etc.) und die Ansprechpartner / Verant­ partner für alle mit den übertragenden Aufgaben
wortlichen der Behörden enthalten. Dies wären verbundenen Belangen.
das federführende Amt (in der Regel das
Ordnungsamt als Genehmigungsbehörde), die Der Ordnungsdienstleiter und die Ordnungs-
Bauaufsicht, das Jugendamt, die Feuerwehr dienstkräfte sind regelmäßig für die betriebli-
und der Rettungsdienst, die Polizei und der chen Sicherheitsmaßnahmen verantwortlich.
ÖPNV. Zu unterscheiden wären dabei die in der Dies sind – neben weiteren Aufgaben – insbe-
Planungsphase relevanten Ansprechpartner und sondere die Kontrolle an den Ein- und Ausgän-
die in der Durchführungsphase Verantwortlichen gen sowie den Zugängen zu den Besucherblö-
vor Ort. cken, die Einhaltung der maximal zulässigen
Besucherzahl und die Anordnung der Besucher­
n Verantwortlicher Veranstalter plätze, Personenlenkungsmaßnahmen, die
Hier ist die natürliche Person anzugeben, die Durchsetzung der Verbote offenen Feuers
als Veranstalter fungiert. Diese ist damit in der und der Verwendung von pyrotechnischen
Regel auch der Adressat des Genehmigungsbe- Gegenständen, die Durchsage von definierten
scheides und damit für die Einhaltung der darin Sicherheitsanweisungen sowie die geordne-
enthaltenen Auflagen und die Sicherheit der te Evakuierung im Gefahrenfall (analog § 43
Veranstaltung verantwortlich. Abs. 4 MVStättVO soweit zutreffend). Es kann
erforderlich sein, dass der Ordnungsdienst Ein-
Dazu ist es notwendig, dass der Veranstalter satzkräfte und den Sanitätsdienst im Einsatzfall
ständig vor Ort anwesend ist. Die Anwesen- durch Eskortierung und andere Maßnahmen
heitspflicht kann auf die unter „Beauftragter unterstützt.
Veranstaltungsleiter / Verantwortlicher vor Ort“
genannte Person delegiert werden. n Leiter Sanitätsdienst
Wie der Sicherheits- / Ordnungsdienst unter-
Der verantwortliche Veranstalter muss die steht auch der Sanitätsdienst einer leitenden
Zusammenarbeit von Ordnungsdienst, Brand- Person. Diese Person ist vorab hier zu nennen
sicherheitswache und Sanitätsdienst mit der und dient dem Veranstalter und den Behörden
Polizei, der Feuerwehr und dem Rettungsdienst als Ansprechpartner für alle Belange des Sani-
gewährleisten. Wenn für die Sicherheit notwen- tätsdienstes.
dige Anlagen, Einrichtungen oder Vorrichtungen
nicht betriebsfähig sind oder wenn die Auflagen n Verantwortlicher Veranstaltungstechniker
der Sicherheitsbehörden nicht eingehalten wer- Kommt bei der Veranstaltung umfangreiche
den können, hat dieser geeignete Maßnahmen Technik zum Einsatz, insbesondere Fliegende
zu ergreifen, die, gegebenenfalls in Absprache Bauten, umfangreiche Riggs, Ground-Supports,
mit dem Koordinierungskreis, bis zum Abbruch Video-Wände, (Delay-)Tower etc., so kann es
der Veranstaltung führen können. erforderlich sein, eine fachlich geeignete Person
zu benennen, die als verantwortlicher Ansprech-
Die genannten Verantwortlichkeiten ergeben partner für die damit verbundenen technischen
sich aus der analogen Anwendung des § 38 Belange fungiert.
MVStättVO „Verantwortlichkeiten des Betrei-
bers“.

52
3
3.3.2.2.7 Sicherheits- und Koordinierungs- Kommunikationsmöglichkeiten bekannt. Damit
kreis des Veranstalters die Behörden die richtigen Ansprechpartner des
Veranstalters erreichen können und der Veran-
n Personelle Zusammensetzung des Sicher- stalter ebenso die Kontaktpersonen behördli-
heitskreises des Veranstalters cherseits, ist diese zwingend notwendig.
Der Sicherheitskreis des Veranstalters ist eine
Gruppe, die sich aus dem Veranstalter so- Die wesentlichen Personen (grundsätzlich
wie von ihm ausgewählten Mitarbeitern und zumindest die Mitglieder des Koordinierungs-
Dienstleistern zusammensetzt. Eine Beteiligung kreises) müssen über zwei voneinander unab-
der Behörden ist nicht erforderlich. Die Gruppe hängige Wege erreichbar sein. In der Regel sind
tritt zusammen und entscheidet unterhalb einer dies ein Mobiltelefon und ein Funkgerät, das
Schwelle, ab der behördliche Beteiligung oder vom Veranstalter gestellt wird (BOS-Funkgeräte
ein behördliches Eingreifen erforderlich werden. sind nicht geeignet, da sie Privatpersonen oder
Dies können untergeordnete Logistikprobleme, Dienstleistern nicht zur Verfügung gestellt
Programmänderungen, Wünsche von VIPs / werden dürfen). Ortsfeste Stellen (z. B. das
Prominenten oder Ähnliches sein. Eine andere Organisationsbüro) sollten zudem über einen
übliche Bezeichnung wäre z. B. Organisations- Festnetzanschluss verfügen. Eine Erreichbarkeit
stab oder Veranstaltungsleitung. über Mobiltelefone allein ist nicht ausreichend,
da im Umfeld von Großveranstaltungen das
n Personelle Zusammensetzung des Koordi- Mobilfunknetz schon im Regelbetrieb zeitweise
nierungskreises des Veranstalters überlastet und damit nicht erreichbar ist.
Der Koordinierungskreis des Veranstalters ist Ursache dafür sind regelmäßig die Vielzahl der
in der Regel der um die Sicherheitsbehörden gleichzeitig anfallenden Verbindungen und die
erweiterte Sicherheitskreis. Es kann aber auch großen Datenmengen beim Versenden von
sein, dass nicht alle Mitglieder des Sicherheits- Fotos und Videos. Im Schadensfall ist davon
kreises automatisch als Mitglieder des Koordi- auszugehen, dass das Netz zusammenbricht, da
nierungskreises notwendig und deshalb nicht die Teilnehmer telefonieren beziehungsweise
dazu benannt sind. angerufen werden. Vorrangschaltungen bringen
dann ebenfalls erfahrungsgemäß keinen Vorteil.
Als Mitglieder zu nennen sind regelmäßig
der Veranstalter, der Veranstaltungsleiter, der Es empfiehlt sich die Kommunikationsliste als
Ordnungsdienstleiter, der Leiter Sanitätsdienst, Anlage zum Sicherheitskonzept vorzusehen, da
der verantwortliche Veranstaltungstechniker, sich diese bis zum Veranstaltungstag noch än-
Vertreter der Polizei und Feuerwehr sowie in dern kann. Alle Nummern und Kontakte müssen
der Regel das Ordnungsamt als Genehmigungs- vor Beginn der Veranstaltung auf ihre Richtigkeit
und Sicherheitsbehörde. überprüft werden. Es empfiehlt sich unmittelbar
vor Veranstaltungsbeginn die Kontaktliste ab-
Im Koordinierungskreis des Veranstalters haben schließend zu prüfen (z. B. in der „Kalten Lage“),
die Behördenvertreter zunächst eine beratende um Nummern und Personen abzugleichen.
Funktion. Sollten die Behörden der Gefahren-
abwehr (Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst n Raum und Treffpunkt für den Sicherheits-
oder das Ordnungsamt) feststellen, dass es kreis und den Koordinierungskreis des Veran-
ihrerseits Handlungsbedarf gibt, werden diese stalters („Koordinierungsstelle“)
gegebenenfalls die Führung im Koordinierungs- Für den Sicherheitskreis und den Koordinie-
kreis als Vorstufe zu einer Einsatzleitung der rungskreis des Veranstalters muss ein Raum
polizeilichen oder nichtpolizeilichen Gefahren- zur Verfügung stehen, der für Besprechungen
abwehr übernehmen. Hier ist der Veranstalter geeignet ist. Dieser wird als „Koordinierungs-
anwesend, um Maßnahmen umzusetzen und stelle“ – oder kurz „KooSt“ – bezeichnet, um
durch Fachwissen zu unterstützen. Die Führung eine klare, leicht zu kommunizierende und
liegt dann auf Seiten der jeweiligen Gefahren- einheitliche Bezeichnung zu haben.
abwehrbehörde (siehe Aufgaben des Koordinie-
rungskreises auf der folgenden Seite). Es muss sich dabei um einen ausreichend großen,
vor Witterungseinflüssen geschützten Raum
n Kommunikationsliste handeln, der zudem über die nötige technische
Diese Liste stellt – vor allem während der Ver­ Infrastruktur verfügt. Je nach Veranstaltung, Jah-
anstaltung – die Grundlage dafür dar, dass sich reszeit, Personenanzahl der Kreise etc. kann dies
die wesentlichen Beteiligten aller Organisatio- ein einfacher Raum mit einem Tisch und Stühlen
nen gegenseitig erreichen können. Innerhalb oder ein größerer Besprechungsraum mit kom-
der Organisation des Veranstalters sind die pletter IT-Technik und Zugangskontrolle sein.

53
3
Die KooSt sollte von der Lage so gewählt wer- damit verbundenen personenbezogenen Ver-
den, dass sie gut erreichbar ist und das Gelände antwortlichkeiten zu beschreiben. Dazu zählen,
idealerweise sogar überblickt werden kann, neben anderen, regelmäßig folgende:
die Kreise aber ungestört arbeiten können.
Zudem sollte die KooSt während der laufenden • operative Führung aller Maßnahmen seitens
Veranstaltung mit Fahrzeugen erreichbar sein, des Veranstalters ab Veranstaltungsbeginn
um hier gegebenenfalls die Einsatzleitung der • Koordination von internen und externen Maß-
Gefahrenabwehr aufwachsen lassen zu können. nahmen
• abgestimmte Pressearbeit
Die Örtlichkeit der KooSt muss in jedem Fall, • Information der Besucher und Mitwirkenden
inklusive einer Beschreibung der Zugänglichkeit, • Information der Sicherheits- und Fachbehör-
im Vorfeld fest benannt sein, damit im Gefah- den
renfall hierzu nicht mehr kommuniziert werden • Informationsaustausch (und auch Abgleich
muss oder es zu Verwechslungen / Unklarheiten der Informationen, z. B. bezüglich der Erreich-
kommt. In der Regel wird die KooSt auch in die barkeiten) vor Beginn der Veranstaltung.
Einsatzplanung der Gefahrenabwehr aufgenom-
men und dort örtlich benannt, damit sie von n Aufgaben des Koordinierungskreises des
Einsatzkräften angefahren werden kann. Veranstalters
Der vom Veranstalter mit seinen Schlüssel-
funktionen und den Behörden (unter anderem
Polizei, Feuerwehr, Ordnungsamt, Träger des
Rettungsdienstes sowie weitere relevante
Behörden und Fachdienststellen) besetzte
Koordinierungskreis ist für Themen zuständig,
die schnittstellenrelevant sind. Hierzu zählen
insbesondere die nachfolgend aufgeführten:

• Informationsaustausch (und Abgleich der


Informationen, z. B. bezüglich der Erreichbar-
keiten) vor Beginn der Veranstaltung.
Dies geschieht in einer sogenannten „Kalten
Lage“, die der Veranstalter koordiniert und
die durch ihn geleitet wird. Die „Kalte Lage“
dient dazu, die jeweiligen Entscheidungsträ-
ger kennenzulernen und Absprachen für den
Abb. 23: Mit Computern, Festnetztelefon, einer Lage-
Ernstfall zu treffen.
karte und ausreichen Platz ausgestattete Koordinie-
rungsstelle Während der laufenden Veranstaltung kann
es notwendig sein, weitere (regelmäßige)
n Einberufung des Sicherheitskreises und Lagebesprechungen anzusetzen. Bei längeren
des Koordinierungskreises des Veranstalters Veranstaltungen sollte zumindest täglich eine
Unter diesem Punkt ist darzustellen, wie und wer Besprechung durchgeführt werden.
die Kreise jeweils technisch einberuft. Grund- • operative Führung aller Maßnahmen im
sätzlich ist dabei vorzusehen, dass jedes Mitglied Falle eines abstimmungsbedürftigen Veran-
des Koordinierungskreises diesen ein­berufen staltungsereignisses unter Beachtung der
kann. Zu beschreiben ist, ob beispielsweise eine Zuständigkeiten der polizeilichen und nicht-
benannte Person über die Einbe­rufung informiert polizeilichen Gefahrenabwehr.
wird und diese dann die Mit­glieder über eine • Koordination von internen und externen Maß-
ebenfalls festgelegte Technik alarmiert oder ob nahmen seitens des Veranstalters im Falle
die einberufende Person selbst alle Mitglieder in- eines abstimmungsbedürftigen Veranstal-
formiert. Anzugeben ist auch die Frist, innerhalb tungsereignisses bis zur Übernahme durch
derer sich die Mitglieder in der Koordinierungs- die jeweilig zuständige Einsatzleitung von
stelle einfinden müssen. Sachgerecht erscheinen Feuerwehr, Rettungsdienst oder Polizei.
diesbezüglich wenige Minuten. Dies bedeutet, dass bei einer Abweichung
vom Regelbetrieb vor Eintreten eines Scha-
n Aufgaben des Sicherheitskreises des Ver- densfalles (ein abstimmungsbedürftiges Ver-
anstalters anstaltungsereignis) oder im Schadensfall (bis
Hier sind, im Gegensatz zu den im folgenden zum Eintreffen der zuständigen Einsatzleitung
Punkt aufgeführten konkreten Maßnahmen im von Feuerwehr, Rettungsdienst oder Polizei)
Schadensfall, übergreifende Tätigkeiten und die Entscheidungen getroffen und die resultieren-

54
3
den, lagebezogenen Maßnahmen eingeleitet Schadensfall durch ihren Gesetzesauftrag zu­
und kontrolliert werden. Nach Etablierung der ständig ist / sind und entsprechend tätig wird /
jeweiligen Einsatzleitung werden vom Koordi- werden.
nierungskreis die durch diese angeordneten
Maßnahmen umgesetzt und deren Vollzug 3.3.2.2.8 Flucht- und Rettungswege
zurückgemeldet. Der Koordinierungskreis Die Führung und Bemessung von Flucht- und
unterstützt und berät die Einsatzleitung. Rettungswegen bei Veranstaltungen in Ver-
• Information der Besucher und Mitwirkenden. sammlungsstätten wird in zahlreichen Bundes-
ländern gemäß den Vorgaben der MVStättVO
Der Koordinierungskreis dient so zum einen im geregelt, so dass hierfür eine landesgesetzli-
Regelbetrieb der Aufrechterhaltung der Kom- che Grundlage besteht. Die Regelungen der
munikation zwischen Veranstalter und Behörden MVStättVO gelten jedoch nicht für alle Veran-
und arbeitet als „echter“ Koordinierungskreis staltungen im Freien. In Ermangelung anderer
sobald der Regelbetrieb verlassen wird und ein geeigneter gesetzlicher Grundlagen werden die
abstimmungsbedürftiges Ereignis mit oder ohne Regelungen der im jeweiligen Bundesland ein­
Schadensereignis eintritt. Der Sicherheitskreis geführten Sonderbauvorschrift (in der Regel die
ist dann nicht mehr alleine zuständig, da die Versammlungsstättenverordnung (VStättV) auf
Sicherheitsbehörden bei allen Entscheidungen Grundlage der MVStättVO häufig auch für Ver-
und Maßnahmen beteiligt werden müssen. Der anstaltungen im Freien genutzt. Die MVStättVO
Veranstalter trägt die Verantwortung für den dient daher als Richtschnur, gegebenenfalls
weiteren Ablauf der Veranstaltung. Dies gilt sind Abweichungen in begründeten Einzelfällen
insbesondere für die Bereiche, die nicht durch möglich, da die MVStättVO keine gesetzliche
das Eintreten des abstimmungsbedürftigen Verbindlichkeit darstellt.
Ereignisses oder den Schadensfall betroffen
sind. Maßnahmen die sich auf die Störung be- n Rechnerischer Nachweis der Flucht- und
ziehungsweise den Schaden beziehen, werden Rettungswege
gemeinsam mit den Behörden getroffen. Um die im folgenden Punkt anzugebende
Teil der Aufgabendefinition ist die Abgrenzung Höchstbesucherzahl beurteilen zu können,
zu der Einsatzleitung der, je nach Einsatzlage, muss die mögliche Zahl der maximal zeitgleich
zuständigen Behörde(n), die im entsprechenden anwesenden Besucher ermittelt werden. Die

Verantwortlich: Behörde
Unterstützung: Koordinierungskreis
Schadensfall
Großschadensereignis oder Einsatzleitung(en)
katastrophales Ausmaß Entscheidungen: Krisenstab
tägliche
Gefahren- Verantwortlich: Behörde
Schadens- abwehr Unterstützung: Koordinierungskreis
ausmaß mit dem Veranstalter
Entscheidungen: Einsatzleitung
Ampelphase

Verantwortlich: Behörde
Unterstützung: Dienstleister, Veranst.
Betriebsart
abstimmungsbedürftiges

Entscheidungen: Behörden im
Koordinierungskreis
Ereignis

wenn erforderlich
ja

Verantwortlich: Veranstalter ja
nein Rückführung
Unterstützung: eigene Dienstleister, Personen-/
in Regelbetrieb
Behördenvertreter Sachschäden?
möglich?
Entscheidungen:Koordinierungskreis

nein
Regelbetrieb

Verantwortlich: Veranstalter Verantwortlich: Veranstalter


Unterstützung: eigene Dienstleister Unterstützung: eigene Dienstleister
Entscheidungen:Sicherheitskreis Entscheidungen: Sicherheitskreis

Zeit
 
Veranstaltungsbeginn abstimmungsbedürftiges ggf. Schadenseintritt weiterer Veranstaltungsablauf
Ereignis
Abb. 24: Wechselnde Zuständigkeiten in Abhängigkeit der Betriebsart

55
3
zulässige Besucherzahl ist von den Faktoren Ein Marktplatz mit 2.000 m² und insgesamt
„Breite der Flucht- und Rettungswege“ sowie 36 m Rettungswegbreite (verteilt auf mehrere
„Größe der Besucherfläche“ abhängig. Ausgänge) darf beim Ansatz von 2 Personen/m²
maximal mit 4.000 Personen bei Reihenbe­
Die Festlegung der Höchstbesucherzahl bemisst stuhlung oder Stehplatznutzung belegt werden.
sich nach dem folgenden Kriterium, das die ge­
ringere Personenzahl erlaubt: Die Darstellung sollte primär grafisch erfolgen,
um die Schlüssigkeit u. a. der Wegführung beur-
1. zur Verfügung stehende Flächen für Besucher teilen zu können. So müssen folgende Angaben
(hier dürfen nur Besuchern tatsächlich zu­ enthalten sein:
gäng­liche und genutzte Bereiche angesetzt
werden) • Darstellung der den Besuchern zur Verfügung
stehenden Flächen
2. zur Verfügung stehende Rettungswege • maximale Lauflängen der Besucher zu den
Ausgängen
zu 1.: • verfügbare Ausgangs- / Flucht- / Rettungs-
In Anlehnung an den § 1 Abs. 2 MVStättVO wegbreiten (jeweils engste Stelle)
kann die maximal zulässige Besucherzahl für • Angabe, wie viele Personen auf die jeweiligen
Stehbe­reiche mit durchschnittlich 2 Personen/ Ausgangs- / Flucht- / Rettungswegbreiten
m² und für Sitzplätze mit Reihenbestuhlung angewiesen sind
ebenfalls mit 2 Personen/m² und bei Sitzplätzen
an Tischen mit 1 Person/m² angesetzt werden. Kleinräumige Bereiche (z. B. 20 m²) mit sehr
Je nach Veranstaltung können auch höhere hohen Personendichten können bereits zu Ver-
Werte angesetzt werden. Für die Bereiche mit letzten führen, während großräumige Überfül-
erhöhten Besucherdichten sind die schnelle und lungen nicht automatisch kritisch sein müssen.
sichere Erreichbarkeit der Ausgänge ins Freie Als Konsequenz – „die letzten Male ist auch
und die Durchführung wirksamer Lösch- und nichts passiert“ – sollten jedoch weder klein-
Rettungsmaßnahmen gesondert darzustellen. noch großräumige Überfüllungen hingenommen
Die vorzusehenden Maßnahmen sind von der werden.
Größe des Bereiches, der Personendichte und
der Art der geplanten Veranstaltung abhängig; Kleinräumige Überfüllungen entstehen häufig
sie können organisatorischer, sicherheitstechni- durch die besondere Attraktivität einer Örtlich­
scher und baulicher Art sein, wie die Anordnung keit (z. B. ein WC in das alle gleichzeitig wollen)
von Gängen, Abschrankungen und zusätzlichen oder aber durch konzeptionelle Defizite. Bei-
Ausgängen, getrennte Zu- und Ausgänge, eige- spielhaft können hier genannt werden:
ne Angriffswege für die Feuerwehr.
• punktuelle Verengungen in Verkehrswegen
zu 2.: ohne Ausweichmöglichkeiten für Besucher
In Anlehnung an den § 7 Abs. 4 MVStättVO ist • unzureichende Einlasssituationen
im Freien pro 600 Besucher eine lichte Ret- • Kreuzungsbereiche stark frequentierter Ver-
tungswegbreite von 1,20 m erforderlich ist. Die kehrswege
lichte Mindestbreite eines jeden Teils von Ret- • Absperrmaßnahmen
tungswegen muss 1,20 m betragen. Zwischen- • Fahrverkehre im Veranstaltungsbereich (z. B.
werte sind zulässig. Lieferverkehr, Reinigung, Einsatzfahrzeuge)

Unabhängig davon ist sicherzustellen, dass es Großräumigen Überfüllungen kann am besten


mindestens zwei voneinander unabhängige, vorgebeugt werden, wenn die maximale Per-
möglichst entgegengesetzte Rettungswege sonendichte von 2 Personen/m² im Veranstal-
gibt, die entsprechend gekennzeichnet werden tungsgelände nicht überschritten wird. Diese
(Piktogramme nach BGV A8 und DIN 4844, Personendichte ermöglicht noch ein gezieltes
gegebenenfalls be- oder hinterleuchtet). Ausweichen an Hindernissen und unabhängig
hiervon auch eine zeitgerechte Zugänglichkeit
Beispiele: für Einsatzkräfte.
Für einen Besucherbereich mit 3.000 m² Netto-
Besucherfläche und vier Ausgängen à 2,40 m n Höchstbesucherzahl
sind bei Stehplatznutzung oder Reihenbestuh- Hier ist die Zahl an Besuchern anzugeben, die
lung maximal 4.800 Personen zulässig. der Veranstalter maximal zeitgleich erwartet und
auf die er deren Zahl organisatorisch beschränkt
(Klickern, Tickets, Bändchen etc.). Sie entspricht
56
3
der in der ordnungsbehördlichen Genehmigung • Gitter / Zäune,
festgelegten Höchstbesucherzahl und dient den • Besucherplätze (Steh-, Sitz-, Tischplätze),
Behörden als Bemessungs- und Prüfgrundlage. • Gastronomiestände,
Sie kann niedriger als die rechnerisch ermittelte • Toilettenanlagen,
Zahl an möglichen Besuchern sein, aber niemals • Merchandisingstände,
höher. • Verkehrs-, Flucht- und Rettungswege,
• Ein- und Ausgänge,
Bei Veranstaltungen für die die Festlegung einer • Vereinzelungsanlagen,
einzigen Höchstbesucherzahl nicht sinnvoll er- • Aufbauten für Licht- und Tontechnik,
scheint (z. B. Straßenfest, großflächiger Weih- • Plätze für Menschen mit Behinderungen
nachtsmarkt), können auch für die verschiede- (vor allem für Rollstuhlbenutzer),
nen Bereiche Höchstbesucherzahlen festgelegt • Kamerastandorte,
werden. Sollte auch das nicht möglich sein, • Belegflächen für Übertragungsfahrzeuge u. Ä.,
da beispielsweise eine Überwachung nur mit • sowie Flächen für den Sanitätsdienst, die
unverhältnismäßig großem Aufwand möglich Polizei und die Brandsicherheitswache.
wäre, ist darzustellen, dass bei einer realistisch
angenommenen Belegung mit x Personen/m² Es ist darauf zu achten, dass der Plan den ört­­­­-
immer noch ausreichend Rettungswege zur Ver­- lichen Gegebenheiten entspricht und diese
fügung stehen. Hier sind dann Maßnahmen zur adäquat darstellt. Dazu gehört, dass dieser maß-
Sicherstellung der höchst zulässigen Personen- stäblich und gut lesbar ist. Ein akkurat von Hand
dichte vorzusehen und zu beschreiben. Eine gezeichneter Plan kann die Anforderungen eben-
Maßnahme kann beispielsweise die Überwa- so erfüllen, wie ein mit CAD (computer aided
chung der angesetzten Personendichte durch design) digital erstellter. Als Plangrundlage haben
geschultes Personal sein. Dieses hat im Be- sich Auszüge aus dem amtlichen Geoinformati-
darfsfall den Koordinierungskreis zu unterrich- onssystem (GIS) der Kommunen bewährt.
ten, damit in Abstimmung mit diesem entspre-
chende Umleitungs- und Sperrmaßnahmen Da sich die Aufbau- und Flächenplanung in der
durchgeführt werden können. Planungsphase einer Veranstaltung regelmäßig
mehrmals ändert, ist der endgültige, von den
Als Beispiel kann ein Straßenfest dienen, das Behörden genehmigte Plan in das Sicherheits-
eine Besucherfläche von 40.000 m² bespielt konzept aufzunehmen. Durch die Aufnahme in
und über gleichmäßig verteilte Rettungswege die Genehmigung stellt er die Grundlage für die
in Form von Querstraßen mit einer Gesamtbrei- Aufbauarbeiten dar. Im Rahmen der behördli-
te von 190 m verfügt. Erfahrungsgemäß besu- chen Begehung vor Beginn der Veranstaltung
chen ca. 35.000 Personen zeitgleich das Fest. wird die Einhaltung des Planes kontrolliert.
Bei einer (in der Praxis unwahrscheinlichen) Be­
legung mit 2 Personen/m² ergeben sich damit Es hat sich bewährt, dass alle Beteiligten einer
80.000 Personen, die 190 m Rettungswegbrei- Veranstaltung mit den gleichen Plänen arbeiten
te sind für 94.800 Personen ausreichend. Die und diese auch der Integrierten Leitstelle (ggf.
Höchstbesucherzahl könnte damit auf 35.000 als georeferenzierte Daten) vorliegen.
Personen zeitgleich festge­setzt werden.
Punktuelle Überfüllungen (bei­spielsweise an n Abschrankung von Stehplätzen vor
den Bühnen oder anderen Attraktionen oder Szenenflächen (analog § 29 MVStättVO)
Gefahrenstellen) sind dennoch zumindest in Werden vor Szenenflächen / Bühnen mehr als
der Notfallplanung zu berücksichtigen. 5.000 Besucher erwartet, sind Abschrankungen
analog den Vorgaben des § 29 MVStättVO vor-
n Bestuhlungs-, Flucht- und Rettungsweg- zusehen und entsprechend zu beschreiben.
pläne, Aufbaupläne
Diesen Plänen kommt entscheidende Bedeu- Dabei ist darauf zu achten, dass
tung zu. Anhand dieser Pläne wird, neben dem
grafischen Teil des Flucht- und Rettungsweg- • aus den abgeschrankten Bereichen immer
nachweises (siehe oben), das Veranstaltungsge- zwei Ausgänge auf Flucht- und Rettungswege
lände auf dessen Eignung für die Veranstaltung führen,
beurteilt. • die Besucherzahl in den beiden abgeschrank-
Es sind darin sämtliche Aufbauten darzustellen. ten Bereichen festgelegt ist und eingehalten
Dazu zählen insbesondere wird; in der Regel ist dies organisatorisch zu
kontrollieren,
• Bühnen, • die Abschrankungen immer vollständig auf-
• Bühnenabschrankungen, gebaut werden (Bühnenabschrankung, erste

57
3
Abschrankung, zweite Abschrankung, jeweils bedenken, dass vor Toilettenanlagen, Gastro-
mit Ordner- / Sanitätsgang), nomie- / Merchandisingständen, Ausgaben und
• geeignete Gittertypen verwendet werden anderen Einrichtungen, an denen potenziell zahl-
(siehe Anlage 1) und reiche Menschen warten oder sich aufhalten,
• die Absperrungen bis außerhalb des Sichtbe- ausreichend Stauflächen vorhanden sind, die
reiches auf die Szenenfläche / Bühne geführt weder Teil wichtiger Verkehrs-, noch Flucht- und
werden, da Sichtflächen, also Flächen, die Rettungswege sind. So können Stauungen und
eine Sicht auf das Geschehen / Ereignis er- damit verbunden kritisch hohe Personendich-
möglichen, von den Besuchern als Stehflä- ten an vorherzusehenden Engstellen schon im
chen genutzt werden. Die Maßnahme dient Voraus konzeptionell vermieden werden.
vor allem dazu, den Ausgangsbereich frei von
Menschentrauben und so begehbar zu halten. Neben der Vermeidung von Stauungen auf
Flucht- und Rettungswegen im Regelbetrieb, ist
die günstige Anordnung der Einrichtungen mit
starkem Personenandrang unter Beachtung bei-
spielsweise des erwarteten An- bzw. Abreise-
verhaltens Ergebnis einer guten Raumplanung
und kann bewusst zur Besucherlenkung dienen.

Durch eine gezielte Positionierung von Verkaufs-


ständen, Toiletten und weiterer Besucherinfra­
struktur ergeben sich Veranstaltungsbereiche,
die aufgrund der fehlenden Sicht auf die
Attraktion (in der Regel das Bühnengeschehen)
von Besuchern nicht dauerhaft belegt werden.
Diese Bereiche ohne Sichtbezug werden somit
nicht durch Personen doppelt belegt, die zum
Abb. 25: Beispiel einer Abschrankung von Stehplätzen einen das Bühnengeschehen verfolgend und
vor einer Szenenfläche inkl. FOH-Platz und Gastrono- zum anderen beispielsweise an einer WC-Anla-
mieständen
ge anstehen.

Ein klassisches Negativbeispiel für eine dop-


pelte Flächenbelegung stellen Besucher dar,
die sich während der gesamten Veranstaltung
direkt an der Getränkeausgabe mit Sicht auf
die Bühne aufhalten und dadurch den Platz
für nachrückende Besucher, die sich ebenfalls
versorgen wollen, zusätzlich verengen.
Es ist kritisch zu beurteilen, ob und inwieweit
Bereiche ohne Sichtbezug zur Attraktion – bei
Veranstaltungen, die von diesem Sichtbezug
leben – in die Flächen mit eingerechnet werden
dürfen, die zur Bemessung der Höchstbesu-
cherzahl herangezogen werden.

Abb. 26: Abschrankung mit Sanitäts- und Ordnungs-


dienstgang im (noch) leeren Besucherbereich

n Raumplanung
Die Raumplanung spiegelt sich maßgeblich
im Aufbauplan wieder, beinhaltet aber einen Abb. 27: Beispiel einer getrennten Anordnung von
Vorgang, der weitaus komplexer als das bloße Einlassbereich (links) und Notausgang / Rettungsweg
Einzeichnen der Aufbauten ist. So gilt es zu (rechts)

58
3
ausreichend dimensioniert ist. Breite, „einla-
dend“ wirkende Flucht- und Rettungswege sind
ebenfalls zielführender im Vergleich zu schma-
len Gassen, die zwar 1,20 m Breite haben, aber
nicht als akzeptabler Fluchtweg wahrgenom-
men werden. Flucht- und Rettungswege sollten
daher augenfällig, geradlinig und überschaubar
verlaufen, da insbesondere ortsunkundige Per-
sonen auf die gute Erkennbarkeit dieser Wege
angewiesen sind.

Abb. 28: Abseits des Zuschauerbereiches und der


n Kennzeichnung von Flucht- und Rettungs-
Rettungswege platzierte Gastronomiestände wegen
Die Kennzeichnung der Flucht- und Rettungswe-
n Flucht- und Rettungswegführung ge muss in gewohnter Weise durch grafische
Die Flucht- und Rettungswegführung muss Darstellung gemäß den aktuell gültigen Normen
Bestandteil der Raumplanung sein und stellt (DIN ISO 23601, DIN 4844-2 oder ISO 7010)
einen wesentlichen Aspekt zur Realisierung beziehungsweise den Technischen Regeln für
einer störungsfreien Selbstrettung der Besucher Arbeitsstätten (ASR A1.3) erfolgen. Die Schilder
dar. So ist darauf zu achten, dass Besucher sind in grün mit weißen Piktogrammen gehal-
grundsätzlich in zwei voneinander unabhängige ten. In unbeleuchteten Räumen beziehungs-
Richtungen fliehen können. Es sollten keine weise auf unbeleuchteten Flächen und Wegen
Sackgassen in dem Sinne entstehen, dass Zu- müssen sie dazu hinter- bzw. beleuchtet sein.
schauerbereiche nur in eine Richtung verlassen In der Dämmerung und bei Dunkelheit müssen
werden können, da dies schon subjektiv durch die Piktogramme weiterhin für die Besucher
die Besucher als bedrohlich wahrgenommen sichtbar sein und sie sicher leiten.
werden kann.

Für die Reaktion der Besucher ist neben der In-


formation, dass eine Gefährdung für sie besteht
und die Veranstaltung über die Fluchtwege zu
verlassen ist, die Sichtbarkeit und Erkennbarkeit
der Fluchtwege (in der Sichtlinie der Besucher)
entscheidend. Nach Auftreten beziehungsweise
Erkennen der Gefahrensituation müssen sich
die Besucher zuerst orientieren, bevor ihre
Flucht beginnen kann. Durch schlechte Erkenn-
barkeit der Fluchtwege kann es zu Verzögerun-
gen kommen, dies sollte bei der Planung der
Fluchtwege unbedingt berücksichtigt werden.

Ebenso sind Verengungen oder gar Trichter im


Verlauf der Flucht- und Rettungswege unbe-
dingt zu vermeiden, da hier zu hohe Personen-
dichten zu erwarten sind. Ein gut sichtbarer und
als begehbar eingeschätzter Rettungsweg ist
von elementarer Bedeutung, wobei die Sichtlini-
en der Besucher entscheidend sind: Ist der Weg
aus 50 m Entfernung gut sichtbar, hat er einen
Abb. 29: Gute Umsetzung der Notausgangsbeschilde-
höheren Nutzen, als ein Weg, der erst in einem
rung: Notausgänge sind auch aus weiter Entfernung
Abstand von 10 m als solcher zu erkennen ist. erkennbar und können ab Beginn der Dämmerung
Ohne eine visuell erkennbare und zuordenbare beleuchtet werden.
Beschilderung, neigen Menschen dazu, eine
Veranstaltung durch den Einlass zu verlassen, Neben der rein optischen und funktionalen
durch den sie die Veranstaltung betreten haben. Erkennbarkeit hängt die Nutzbarkeit der Flucht-
Im Schadensfall kann dies zu einer zusätzlichen und Rettungswege vom Ort Ihrer Beschilderung
Gefährdung führen, wenn dieser als Ausgang ab. Der Besucher muss den Weg erkennen
genutzte Einlass weiter entfernt ist, als der können, um ihn zu nutzen. Eine Kennzeichnung
nächstgelegene (Not-)Ausgang und zudem nicht sollte daher vor allem aus größerer Entfernung

59
3
gut sichtbar sein. Kennzeichnungen unter 2 m licher Verfassung bewegen sich Personen-
Höhe können leicht durch eine kleine Personen- gruppen, wie im Alltag, in unterschiedlichen
gruppe vollständig verdeckt werden. Geschwindigkeiten: Ein Jugendlicher in der
Regel schneller als ein älterer Mensch mit einem
Besser ist es, die Kennzeichnungen über 2 m Rollator. Berücksichtigt werden müssen daher
Höhe und – falls erforderlich – auf der vollen Besuchergruppen, die gegebenenfalls eine
Breite des Ausgangs anzubringen. Unterstützung benötigen, um den Gefahrenbe-
reich verlassen zu können: z. B. alte oder mo-
bilitätseingeschränkte Menschen. Dies gilt im
Besonderen für Rollstuhlbenutzer, die über eine
niedrigere Sichthöhe verfügen und ebenerdige
Entfluchtungsmöglichkeiten benötigen. Auf-
grund dieser besonderen Anforderungen an den
Fluchtweg, sollte die Beschilderung explizit auf
die Nutzbarkeit durch Rollstuhlfahrer hindeuten.

Abb. 30: Ergänzende Kennzeichnung eines Fluchtwe- Abb. 32: Kennzeichnung eines Fluchtweges für Roll-
ges durch eines Flagge stuhlbenutzer

Speziell Rollstühle mit elektrischem Antrieb


können ein Eigengewicht von mehr 250 kg
erreichen, so dass ein Tragen von Rollstuhl und
Person damit nahezu unmöglich ist. Ebenfalls
bedacht werden sollte, dass der Rollstuhl als
technisches Hilfsmittel gegebenenfalls einen
Defekt haben kann und der Rollstuhlnutzer
dann Hilfe beim Verlassen der Veranstaltung
benötigt. Die Plätze für Rollstuhlbenutzer sollten
daher in der Nähe der Fluchtwege sein und die
Entfluchtung durch Kräfte des Ordnungsdiens-
tes unterstützt werden. Alternativ sind „sichere
Bereiche“ für den Zwischenaufenthalt für Per-
sonen zu schaffen, die sich nicht selbst retten
können. Dort muss ein sicheres Verweilen bis
zur Ankunft der Rettungskräfte möglich sein.

Die Sicherstellung einer Flucht ist nicht Aufgabe


der Feuerwehr. Grundsätzlich liegt die Räumung
Abb. 31: Kennzeichnung eines Fluchtweges durch eines Veranstaltungsgeländes in den Aufgaben
eine Flagge. Diese ist auch bei einer gut befüllten des Betreibers und die Selbstrettungsfähigkeit
Veranstaltung sehr gut zu erkennen, da die Kennzeich-
von Menschen mit Behinderungen muss sicher­-
nung nicht durch die Körper der Menschen verdeckt
werden kann. gestellt sein. Es können daher besondere
organisatorische Maßnahmen für Besucher mit
n Besondere Anforderungen an Flucht- und Behinderungen notwendig sein, wie beispiels-
Rettungswege durch Besucher weise die Benennung einer ausreichenden
Bei der Planung von Flucht- und Rettungswegen Anzahl eingewiesener Personen, die im Ge-
muss auf spezielle Besuchergruppen Rücksicht fahrenfall die Besucher mit Behinderungen auf
genommen werden. Je nach Alter und körper- bestehende oder sich abzeichnende Gefahren

60
3
oder Beeinträchtigungen hinweisen, sie beglei- Spezielle Anforderungen an die Fluchtweg-
ten oder ihnen behilflich sind. Die notwendigen gestaltung für Menschen mit Behinderungen
Maßnahmen sind im Rahmen der Gefährdungs- gibt es nicht. Die zugrunde gelegte DIN 18040
beurteilung im Einzelfall zu ermitteln und die be- beziehungsweise ASR V3a.2 können einzig
auftragten Personen vor Veranstaltungsbeginn eine Orientierung bieten. Die entsprechenden
einzuweisen. Die Sicherstellung der Selbstret- Passagen haben auf Veranstaltungen lediglich
tungsfähigkeit durch Verweis auf die Begleit- einen Hinweischarakter mit unbestimmten
person des Rollstuhlbenutzers ist kritisch zu Rechtsbegriffen als Schutzzielen, sollten je-
sehen: Die Person muss in der Lage sein, den doch vom Veranstalter im Sinne der Besucher-
Rollstuhlnutzer alleine aus dem Veranstaltungs- sicherheit berücksichtigt werden (vgl. hierzu
bereich zu bringen, dies erfordert besonders bei DIN 18040; Oberste Baubehörde im Bayeri-
einem Defekt am Rollstuhl eine extrem hohe schen Staatsministerium des Innern, 2013;
körperliche Leistungsfähigkeit, falls dies über- ASR V3a.2).
haupt möglich ist. Verantwortlich für die sichere
Entfluchtung ist der Betreiber / Veranstalter. Eine weitere spezielle Personengruppe stellen
ausländische Besucher und Menschen mit
Migrationshintergrund dar. Durchsagen zur
Sicherheit der Besucher sollten daher min-
destens in deutscher und englischer Sprache
erfolgen. Je nach Veranstaltungsart sind Durch-
sagen in weiteren Sprachen sinnvoll. Gleiches
gilt in diesem Zusammenhang für die Ausschil-
derung von Flucht- und Rettungswegen sowie
Hilfseinrichtungen wie z. B. den Sanitätsdienst.

n Flucht- und Rettungswege angrenzender


Gebäude
Beziehen sich die vorgenannten Punkte auf den
Veranstaltungsbereich und dessen Besucher, so
dürfen auch die in der angrenzenden Bebauung
anwesenden Personen nicht außer Acht gelas-
sen werden. Es ist ihnen nicht zuzumuten, auf-
grund der Veranstaltung einen ihrer Flucht- und
Rettungswege zu verlieren. Dies wäre dann der
Abb. 33: Neben den speziellen Anforderungen an Fall, wenn aufgrund von Aufbauten der Veran-
Rettungswege für Rollstuhlbenutzer, müssen diese staltung ein Anleitern durch Hubrettungsfahr-
auch im Einlassbereich berücksichtigt werden. zeuge der Feuerwehr nicht mehr möglich wäre.
Die dafür notwendigen Flächen können sich auf
Die Information der Besucher und Mitarbeiter der öffentlichen Verkehrsfläche, im Zuge von
einer Veranstaltung im Notfall beispielsweise Feuerwehrzufahrten beziehungsweise Auf-
bei der Räumung des Veranstaltungsgeländes, stellflächen befinden. Hier wäre die „Muster-
sollte grundsätzlich unter Verwendung des Richtlinien über die Flächen für die Feuerwehr“
„Zwei Sinne Prinzips“ erfolgen. Eine mangelnde (zur Ausführung des § 5 MBO; vgl. Bauminister-
Orientierung führt zwangsläufig zu enormen konferenz, 2012) als Maßstab anzusetzen.
Mobilitätsverlusten – sowohl bei seh- oder
höreingeschränkten Menschen, als auch bei In Abstimmung mit der örtlichen Feuerwehr
Menschen ohne Behinderung. Es sollten daher kann der Nachweis im Einzelfall auch über eine
immer mindestens zwei der drei grundlegenden Anleiterprobe mit dem klaren Hinweis geführt
(Orientierungs-) Sinne angesprochen werden. werden, dass es auf den Nachweis keinen
Dies hilft Menschen mit Einschränkungen, diese Bestandsschutz gibt, da die eingesetzten Fahr­-
zumindest teilweise zu kompensieren. Beispie- zeuge mit den Jahren wechseln können. Es ist
le hierfür sind kontrastreiche Darstellungen darauf zu achten, dass alle Drehleitern der rele­-
(beispielsweise der Kennzeichnung der Flucht- vanten Bereichsfolgen berücksichtigt werden,
wege) oder die Kombination von akustischer da Paralleleinsätze nicht auszuschließen sind.
und visueller Wahrnehmbarkeit von Alarm- und Anzusetzen wäre bei unterschiedlich leistungs­
Warndurchsagen (beispielsweise durch die fähigen Drehleiterfahrzeugen die mit der
Kombination von Durchsage und einem Warn- ge­ringsten Leistung (betreffend Ausladung /
licht oder unterschiedlicher Tonfolgen und der Rettungshöhe bei der möglichen Abstützbreite).
Darstellung auf einer Videoleinwand).

61
3
Ebenso inakzeptabel wäre die Einschränkung 3.3.2.2.9 Abstandsflächen
eines baulichen Flucht- und Rettungsweges. Abstandsflächen sind zum einen zur Nachbar-
So sind Durchfahrten / -gänge (beispielsweise bebauung (angrenzende Gebäude) als auch für
zu Innenhöfen), Ein- / Ausgänge von Gebäuden Aufbauten im Veranstaltungsbereich unterei-
und Treppenräume sowie Löscheinrichtungen / nander zu prüfen. Schutzziel ist die Verhinde-
Einspeisungen für Steigleitungen freizuhalten. rung einer Ausbreitung von Feuer und Rauch
auf nicht unmittelbar betroffene Bereiche. Die
n Orientierungsmöglichkeit für Besucher und Aspekte „Belichtung“ und „Belüftung“ blei-
Einsatzkräfte ben aus brandschutztechnischer Sicht bei der
Eine augenscheinliche Kennzeichnung von Aus­- Beurteilung von Veranstaltungen unberücksich-
gängen, Laternen, markanten Punkten etc. tigt. Rechtlich kann in der Regel auf die jeweils
sowie deren logische Benennung nach einer gültige Bauordnung zurückgegriffen werden,
abgestimmten Systematik erleichtern den da in aller Regel bei Veranstaltungen Bauten
Besuchern und Einsatzkräften die Orientierung mit „weicher Bedachung“ genutzt werden. Der
auf dem Veranstaltungsgelände. Durch gezielte Gesetzgeber sieht hier Abstände von 5 bis 24 m
Nachfrage der aufnehmenden Stelle (in der vor (§§ 6 und 32 MBO; vgl. Bauministerkonfe-
Regel die Leitstellen der polizeilichen und nicht­- renz, 2012).
polizeilichen Gefahrenabwehr) kann bei Not-
rufen oder Hilfeersuchen gezielt nach dieser Es ist abzuwägen, ob im Einzelfall von diesen
Beschilderung gefragt werden, so dass ein Werten abgewichen werden kann, was in en-
schnelles Auffinden des Einsatzortes bezie- gen Innenstadtbereich regelmäßig seitens der
hungsweise der meldenden Person erfolgen Veranstalter gewünscht ist. Hier ist wieder eine
kann. Die Kennzeichnungen sollten entspre- entsprechende Risikobeurteilung hilfreich. Ge-
chend im Sicherheitskonzept beschrieben und gebenenfalls kann unter Berücksichtigung der
auf Übersichtsplänen vermerkt sein. örtlichen Randbedingungen (z. B. Bebauungs-
struktur, Leistungsfähigkeit der Feuerwehr) eine
N-1 N-2 N-3 N-4
interne Festlegung zu erforderlichen Abstands-
flächen bei der Aufstellung von Fliegenden
W-3 O-2 Bauten und Ständen im Rahmen von Veranstal-
tungen erstellt werden.
W-2
Großes Zelt
= Ausgang O-1

W-1

N
S-1 S- 2 S-3 S-4

Abb. 34: Beispiel einer einheitlichen Ausgangsbe-


zeichnung von Süd nach Nord und von West nach Ost
bei einem Zelt.

Abb. 36: Durch Brand zerstörter Gastronomiebetrieb

Im Rahmen der Risikoeinschätzung hat bei-


spielsweise die Branddirektion München einen
„Münchener Standard“ erarbeitet. Dieser sieht
vor, dass der durch die Bauordnung festgelegte
Abstand auf festgelegte Werte verringert
werden darf. Die Anwendung des Münchener
Standards setzt aber voraus, dass eine früh-
zeitige Alarmierung gesichert ist und die Ein­-
Abb. 35: Kennzeichnung der einheitlichen Ausgangs- satzkräfte den Schadensort rasch erreichen
bezeichnung in einem Festzelt.
können, da von diesen Voraussetzungen die
62
3
Wahrscheinlichkeit rechtzeitiger und wirkungs- n Zeltanbauten an Gebäuden
voller Löschmaßnahmen abhängt. Als Hilfsfrist Bei Zeltanbauten direkt an Gebäuden wird da-
werden hier 5 Minuten bis zum Eintreffen von von ausgegangen, dass ein Veranstaltungsraum
Einsatzkräften in der Stärke einer Gruppe z. B. im Gebäude dadurch vergrößert wird. Wird das
mit HLF 20/16 oder TLF 20/40 vorausgesetzt. Zelt an andere Nutzungen (z. B. Labore, Läden,
Es muss ebenfalls gesichert sein, dass mögliche Kaufhäuser, Hotels) angebaut, die nicht für die
Schadensorte innerhalb des Veranstaltungsge- Veranstaltung genutzt werden, ist eine Einzelfal-
ländes rasch erreicht werden können. lentscheidung notwendig.

Tabelle 6: Abstandsflächen von Gebäuden mit harter Bedachung zu fliegenden Bauten


Mobile Einrichtung Holzbuden generell Zelte Zelte
bis 10 m² und Zelte > 75 m² bis 400 m² **) > 400 m² **)
(z. B. Pavillon, Schän- > 10 m² bis 75 m² *)
ke) mit geringer Brand-
last und Fahrzeuge *)
Gebäude- keine Vorgabe keine Vorgabe keine Vorgabe 12 m
klassen Gesamtfläche max. Gesamtfläche max.
1 und 2 400 m² (Gebäude- 400 m² (Gebäude-
klasseneinstufung); klasseneinstufung);
ansonsten 3 m ansonsten 8 m
Erdge- keine Vorgabe keine Vorgabe keine Vorgabe keine Vorgabe
schossige bis Brandabschnitts- bis Brandabschnitts- bis Brandabschnitts-
Gebäude größe 40 x 40 m, größe 40 x 40 m, größe 40 x 40 m,
dann 3 m dann 8 m dann 12 m
Sonstige keine Vorgabe 3m 8m 12 m
Gebäude

*) Abstände untereinander mindestens 2,50 m; ansonsten Aufaddierung der Flächen


**) Zelte untereinander siehe Tabelle 7

n Zelte / Stände untereinander

Tabelle 7: Abstandsflächen zwischen fliegenden Bauten mit weicher Bedachung


Mobile Einrich- Zelte Zelte Zelte Zelte
tung bis 10 m² bis 75 m² > 75 m² > 400 m² > 1.600 m²
(z. B. Pavillon, bis 400 m² bis 1.600 m²
Schänke) mit ge-
ringer Brandlast
und Fahrzeuge *)
Mobile Einrichtung keine Vorgabe
bis 10 m²
(z. B. Pavillon, Schänke)
mit geringer Brandlast
und Fahrzeuge*)
Zelte keine Vorgabe Ohne Abstand,
bis 75 m² jedoch max.
Gesamtlänge
40 - 60 m; Fläche
max. 1.600 m²
Zelte keine Vorgabe Ohne Abstand,, 5m
> 75 m² bis 400 m² jedoch max.
Gesamtlänge
40 - 60 m; Fläche
max. 1.600 m²
Zelte keine Vorgabe 5m 5m 12 m
> 400 m² bis 1.600 m²
Zelte keine Vorgabe 5m 8m 12 m 24 m
> 1.600 m²
*) Abstände untereinander mindestens 2,50 m; ansonsten Aufaddierung der Flächen

63
3
n Kompensation zeitlich unmittelbare Alarmierung der genannten
Eine Unterschreitung dieser Abstandsflächen Kräfte von entscheidender Bedeutung.
ist bei geeigneten Kompensationsmaßnahmen
unter Beachtung der nachfolgenden Mindestan- In diesem Zuge müssen die Texte entsprechen-
forderungen denkbar: der Sicherheitsdurchsagen definiert werden.
Die Texte müssen klar verständlich, ehrlich und
a) minimaler Abstand zwischen den Betrieben: möglichst kurz gehalten sein. Je nach Veran-
5m staltung müssen diese in unterschiedlichen
Sprachen vorliegen. Im Rahmen der Erstellung
b) Kompensation einer Differenz zum des Konzeptes sollte geklärt werden, inwieweit
Münchener Standard ≤ 3 m: Durchsagen im Bereich des ÖPNV möglich und
nichtbrennbare Außenwand zum angrenzen­ sinnvoll sind. Hier ist es von entscheidender
den Betrieb hin, Tragwerk dieser Wände in Stahl Bedeutung, die Verfahrenswege zur Veranlas-
oder feuerhemmend sowie geringe Brandlast sung entsprechender Durchsagen im Vorhinein
im Gebäude und Fensteröffnungen zum angren- zu klären, abzusprechen und zu dokumentieren
zenden Betrieb hin max. 1 m² und mindestens (Ansprechpartner, Entscheidungskompetenz).
1,50 m Abstand zwischen den Fenstern Neben Durchsagen können auch Laufschriften
oder auf Haltestellenanzeigen oder Videowände im
Sprinklerung: Anschluss an die öffentliche Veranstaltungsbereich möglich und sinnvoll
Wasserversorgung, Ausführung im Einver- sein. Hier sind ebenfalls technische Vorausset-
nehmen mit der Brandschutzdienststelle, zungen zu klären (in welcher Form werden die
Außenwandschutz als Teil der Sprinkleranlage Texte von wem benötigt?).
erforderlich.
Im Rahmen einer Risikobeurteilung sind regel-
c) Kompensation einer Differenz zum mäßig die folgend aufgeführten Gefährdungen
Münchener Standard > 3 m: Sprinklerung zu behandeln (s. hierzu auch Kapitel 3.2.1.3.
Risikoidentifikation). Im konkreten Fall kann
3.3.2.2.10 Notfallplanung es aber durchaus erforderlich sein auf weitere
Wesentliche Elemente der Notfallplanung sind Gefährdungen entsprechend einzugehen. Sollte
die Benennung von Gefährdungen, die Beur- die Eintrittswahrscheinlichkeit für eine hier
teilung deren Risiken und die Darstellung der genannte Gefährdung als so gering angesehen
Maßnahmen zur Vorbeugung von Schadens­ werden, dass sie nicht bearbeitet werden soll,
ereignissen und zur Begrenzung des Schadens- ist dies idealerweise ebenso darzustellen.
ausmaßes einschließlich deren Abarbeitung und
der Verantwortlichkeiten. Standardgefährdungen

Jedes für die Veranstaltung relevante Risiko ist • Wetter


zunächst zu beschreiben. Anschließend sind die - außergewöhnliche Temperaturen
für dieses Risiko zutreffenden Maßnahmen in de- - Sturm
ren zeitlichem Ablauf darzustellen. Hier sind auch - Hagel und Starkregen
die Verantwortlichkeiten für die Durchführung der - Gewitter mit Blitzgefahr
jeweiligen Maßnahmen zu regeln. Kurz gesagt, - Hochwasser
sollte zu jedem Punkt folgende Frage beantwor- - Glatteis
tet werden können:
• Zuschauerverhalten
Wer macht was wann? - Überklettern von Absperrungen
- Erklettern von Aufbauten oder
Maßnahmen können z. B. sein: Straßenmobiliar
- besonders ausgeprägter Enthusiasmus
• Bereich absperren, - Besucherdruck und Gedränge
• Notruf abgeben, - Werfen von Gegenständen
• weiteren Zustrom durch exakt benannte - Vandalismus, Körperverletzung
Absperrmaßnahmen verhindern oder - sonstige Kriminalitätsdelikte wie Drogen-
• bestimmte Verantwortliche informieren. konsum und -verkauf, Taschendiebstahl,
Waffen etc.
Ziel der Maßnahmen ist immer, zum Regelbe-
trieb zurückzukehren und die Notwendigkeit • sanitäts- und rettungsdienstliche Ereignisse
einer Intervention durch Feuerwehr, Polizei und - Verletzung
Rettungsdienst zu minimieren. Dennoch ist die - Unfall

64
3
- hoher Drogen- / Alkoholkonsum Beispielszenarien
- Reizgas (jeweils um die persönlichen Verantwortlich-
- vermisste Personen / Kinder keiten zu ergänzen: Wer?)
- Massenerkrankungen durch Lebensmittel-
vergiftungen Technische Gefährdungen

• Brandgefährdungen n Störung: Stromausfall


- Brand, Explosion
- Verwendung von Pyrotechnik durch Besucher Maßnahmen:
Rücksprache mit Technischem Leiter und
• technische Gefährdungen gegebenenfalls Energieversorger über vermu-
- Gasausströmung tete Dauer des Ausfalls; Feststellung der ma-
- Gesundheitsgefährdungen durch Austritt ximal tolerierbaren Ausfallzeiten; Einberufung
von Gefahrstoffen, wie Kühlmittel des Koordinierungskreises; Erstellung einer
- Stromausfall Prioritätenliste (welche Gewerke / Infrastruk-
- Einsturz von Bauteilen oder Anlagen turen müssen vorrangig mit Strom versorgt
- Unfälle (Fahrgeschäfte, Motorsport, werden); Initiierung möglicher Kompensati-
Stuntshows, Tiere, Flugshows) onsmaßnahmen (beispielsweise Starten von
Notstromaggregaten); wenn notwendig und
• Gefährdungen für die (besucherrelevante) möglich: Abänderung des Showprogramms;
Infrastruktur innerhalb / außerhalb der Veran- falls von Relevanz: Information der Besucher,
staltung inklusive der Verkehrswege Caterer und Künstler / Schausteller; gegebe-
- Ausfall gastronomischer Einrichtungen und nenfalls Räumung von klimasensiblen Berei-
somit unzureichende Versorgung der Gäste chen bei Ausfall von Klimaanlagen; Maßnah-
mit Getränken men zum Schutz von Sachgütern
- Ausfall der Ver- und Entsorgung
- Ausfall des öffentlichen Personen(nah)- Information:
verkehrs (z. B. durch Personenschaden im Polizei; Feuerwehr; Rettungsdienst; Sanitäts-
Gleisbereich) und Ordnungsdienst; Brandsicherheitswache;
- Ausfall des Individualverkehrs (z. B. Unfall, Veranstalter
Sperrung)
- Parkflächen nach Verkehrskonzept nicht Sonstiges:
nutzbar gegebenenfalls Abwägung in verschiedenen
- Glasbruch Stufen (Teilausfall)

Grundgefährdungen bei besonderen Veran- n Störung: Gasaustritt


staltungstypen
Maßnahmen:
• besondere politische Lage (Auftreten sicher- Alarmierung der Feuerwehr über 112; Rück-
heitsrelevanter Personengruppen) sprache mit Technischem Leiter und gegebe-
• Gegenveranstaltungen nenfalls Gasversorger; Abstellen der Gaszu-
• hohe Anzahl nicht selbstrettungsfähiger Per- fuhr; Einberufung des Koordinierungskreises;
sonen (Kleinkinder, körperlich eingeschränkte Räumung und Absperrung des gefährdeten
Personen) Bereichs (Berücksichtigung Sicherheitsab-
• Gewaltpotenzial der Veranstaltungsteilnehmer stand bei Explosionsgefahr); gegebenenfalls
(Rockergruppen, Hooligans, Fanatiker) Information der Besucher, Caterer und Künst-
ler / Schausteller, Verkehrsbetriebe
Gefährdungen durch Anschläge und
Drohungen
Information:
Polizei; Feuerwehr; Rettungsdienst; Sanitäts-
• Massenphänomene nach Drohungen
und Ordnungsdienst; Brandsicherheitswache;
• Verdächtige Gegenstände
Veranstalter
• Amoklauf
• Amokfahrt
Sonstiges:
• Sprengstoffanschlag
Auswirkungen auf weitere Veranstaltungs-
• Sprengstoffanschlag mit radioaktiver Ver-
bereiche berücksichtigen (beispielsweise
schmutzung
Personenströme, Personendichten)
• Anschlag mit chemischen Stoffen
• Anschlag mit biologische Stoffen

65
3
n Störung: Rohrbruch mit massiver Über- wenn möglich: Verlängerung des Showpro-
schwemmung gramms; Information der Besucher, Caterer
und Künstler / Schausteller; Aufrechterhaltung
Maßnahmen: des Catering
Rücksprache mit Technischem Leiter und
gegebenenfalls Wasserversorger; Einberu- Information:
fung des Koordinierungskreises; bei Abwas- Polizei; Feuerwehr; Rettungsdienst; Sanitäts-
ser: Sicherstellung des Infektionsschutzes; und Ordnungsdienst; Veranstalter
gegebenenfalls Dekontamination; Initiierung
möglicher Kompensationsmaßnahmen Sonstiges:
(beispielsweise Freigabe weiterer Camping- gegebenenfalls Abwägung in verschiedenen
flächen); Information der Besucher, Caterer Stufen (Teilausfall)
und Künstler / Schausteller; gegebenenfalls
Räumung von Teilbereichen; Maßnahmen n Störung: unerwartete Überlastung des
zum Schutz von Sachgütern ÖPNV beispielsweise durch eine konzent-
rierte Abreise der Besucher
Information:
Polizei; Feuerwehr; Ordnungsdienst; Veran- Maßnahmen:
stalter Abstimmung der Maßnahmen mit Betreiber
ÖPNV sowie gegebenenfalls Dienstleistern
Sonstiges: (beispielsweise DB Sicherheit); Errichtung und
-/- Betreiben von Vorsperren, um den Druck von
den Haltepunkten zu nehmen; Veranlassung
n Störung: Einsturz (z. B. von Tribünen) der Bereitstellung weiterer Transportkapazitä-
ten; Information der Besucher; Ordnung des
Maßnahmen: Raumes, um Wege freizuhalten
Alarmierung der Feuerwehr und des Rettungs-
dienstes über 112; Alarmierung der Brand- Information:
sicherheitswache, des Sanitäts- und Ord- Polizei; Feuerwehr; Rettungsdienst; Sanitäts-
nungsdienstes; Absperrung des betroffenen und Ordnungsdienst; Veranstalter
Bereiches; falls möglich Absicherung;
Einberufung des Koordinierungskreises; wenn Sonstiges:
möglich: Abänderung des Showprogramms; -/-
Information der Besucher, Caterer und Künst-
ler / Schausteller; gegebenenfalls Räumung n Störung: Blockade der Zufahrtsstraßen
von Teilbereichen des Veranstaltungsgelän- durch Anreiseverkehr
des; Menschenrettung; medizinische und
psychosoziale Versorgung; Maßnahmen zum Maßnahmen:
Schutz von Sachgütern Verkehrsabfluss zu den Parkflächen beschleu-
nigen (z. B. durch Parkplatzeinweiser, Hinweis-
Information: schilder, Informationen an die Besucher im Vor-
Polizei; Feuerwehr; Rettungsdienst; Sanitäts- feld); Informationen an die Besucher während
und Ordnungsdienst; Brandsicherheitswache; der Anreise (z. B. durch Radiodurchsagen); Auf-
Veranstalter rechterhaltung der Zufahrtsmöglichkeiten für
Einsatzfahrzeuge; gegebenenfalls Versorgung
Sonstiges: (z. B. mit Getränken) der im Anreiseverkehr
gegebenenfalls Abwägung in verschiedenen gebundenen Besucher, falls die Witterungslage
Stufen (Teilausfall) und Dauer dies erforderlich machen.

Störung der Verkehrswege Information:


Polizei; Feuerwehr; Rettungsdienst; Veranstal-
n Störung: (Teil-) Ausfall des ÖPNV zum ter
Ende der Veranstaltung
Sonstiges:
Maßnahmen: frühzeitige Entscheidung, ob zusätzliche Park-
Rücksprache mit Betreiber ÖPNV; Einberu- flächen freigegeben werden können; ein
fung des Koordinierungskreises; Initiierung Einwirken auf den öffentlichen Straßenverkehr
möglicher Kompensationsmaßnahmen (bei- darf nur in Absprache mit der Polizei und Ver-
spielsweise Vorplanung von Ersatzbussen); kehrsbehörde erfolgen.

66
3
n Störung: Be- / Verhinderung der Abreise Sanitäts- / Rettungsdienstliche Ereignisse
durch defekte / nicht nutzbare Fahrzeuge
(z. B. durch Defekt oder Witterungseinflüsse) n Störung: (oberflächliche) Schnittverletzung

Maßnahmen: Maßnahmen:
Je nach Veranstaltungsart und -örtlichkeit kann Alarmierung des Sanitätsdienstes; gegebenen-
es sinnvoll sein, während der An- und Abreise- falls Benachrichtigung des Ordnungsdienstes
zeit einzuplanen, dass defekte / nicht nutzbare zwecks Unterstützung (Freihalten des Arbeits-
Fahrzeuge schnellstmöglich wieder fahrtüchtig bereiches, Einweisung nachrückender Kräfte
gemacht werden, um die Abreise weiterer etc.)
Besucher nicht zu behindern.
Information:
Information: Sanitätsdienst; gegebenenfalls Ordnungs-
Polizei; Feuerwehr; Sicherheits- und Ordnungs- dienst; gegebenenfalls Rettungsdienst
dienst; Veranstalter; gegebenenfalls Unfallhilfe
der Verkehrsbetriebe bei Einfluss auf den Sonstiges:
Betrieb Dokumentation der Versorgung; gegebenen-
falls Überweisung an Hausarzt
Sonstiges:
bei einer hohen Anzahl defekter / nicht nutz- n Störung: bewusstlose Person
barer Fahrzeuge kann es notwendig sein, die
Maßnahmen:
Besucher darüber zu Informieren, dass es
Alarmierung des Sanitätsdienstes; Alarmierung
ein Unterstützungsangebot gibt und wie das
des Rettungsdienstes über 112; gegebenen-
Angebot in Anspruch genommen werden kann
falls Benachrichtigung des Ordnungsdienstes
(Ansprechpartner, Erreichbarkeiten etc.). Gege-
zwecks Unterstützung (Freihalten des Arbeits-
benenfalls kann eine qualifizierte Absicherung
bereiches, Einweisung nachrückender Kräfte
der Störstelle notwendig sein und sollte daher
etc.)
geplant werden.
Information:
n Störung: Gefährdung der Besucher oder
Sanitätsdienst; Ordnungsdienst; gegebenen-
Einrichtungen durch Unpassierbarkeit
falls Rettungsdienst
der Rettungswege
Sonstiges:
Maßnahmen: -/-
Verkehrsabfluss beschleunigen (z. B. durch
Parkplatzeinweiser, Hinweisschilder); Informa- n Störung: Massenanfall von Verletzten und
tionen an die Besucher während der An- bzw. Betroffenen (MANV)
Abreise (z. B. durch Radiodurchsagen); Ein-
berufung des Koordinierungskreises; Kom- Maßnahmen:
pensationsmaßnahmen zur Beschleunigung Alarmierung des Rettungsdienstes über 112;
einer möglichen Gefahrensituation (Öffnung Menschenrettung; Einberufung des Koor-
der Fluchtwege, Sperrmaßnahmen von für die dinierungskreises; Benachrichtigung der
Gefahrenabwehr notwendigen Zufahrtsstraßen Rettungsleitstelle; Initiierung unterstützen-
beziehungsweise dauerhafte Rettungsgassen, der Maßnahmen: Öffnen und Freihalten der
Besetzung neuralgischer Punkte wie z. B. Rettungswege; gegebenenfalls Abbruch des
U-Bahnstationen mit Sicherheitspersonal etc.); Showprogramms; gegebenenfalls Informa-
Einrichten von Einbahnregelungen tion der Besucher, Caterer und Künstler /
Schausteller; gegebenenfalls Räumung der
Information: Veranstaltung (gegebenenfalls Teilbereiche);
Polizei; Feuerwehr; Rettungsdienst; Veranstal- Maßnahmen zum Schutz von Sachgütern;
ter; Sanitätsdienst; Sicherheits- und Ordnungs- Aufrechterhaltung einer sanitätsdienstlichen
dienst Grundversorgung der restlichen Veranstaltung
um weitere lebensgefährliche(!) Notfälle abar-
Sonstiges: beiten zu können
-/-
Information:
Polizei; Feuerwehr; Rettungsdienst; Sanitäts-
und Ordnungsdienst; Brandsicherheitswache;
Veranstalter

67
3
Sonstiges: n Störung: Verwendung von pyrotechni-
gegebenenfalls Umsetzung im Vorfeld ge- schen Erzeugnissen durch Zuschauer
planter Maßnahmen, wie beispielsweise
Einbahnstraßenverkehr für Einsatzfahrzeuge; Maßnahmen:
im Nachgang: psychosoziale Unterstützung für Alarmierung der Feuerwehr über 112; Be-
Mitarbeiter berücksichtigen nachrichtigung der Brandsicherheitswache;
Maßnahmen zum Schutz der Besucher
n Störung: vermisstes Kind (gegebenenfalls Räumung von gefährdeten
Bereichen bei Abschuss der Erzeugnisse);
Maßnahmen: gegebenenfalls Einberufung des Koordi-
Benachrichtigung Sanitätsdienst, Ordnungs- nierungskreises; Kontrollmaßnahmen des
dienst und gegebenenfalls Polizei mit Personen­ Ordnungsdienstes verstärken; Information der
beschreibung und letztem Aufenthaltsort; Be­- Besucher; gegebenenfalls Unterbrechung des
nachrichtigung Schausteller, Catering etc. an Showprogramms; gegebenenfalls Maßnah-
sensiblen Bereichen (z. B. Ufer eines Flusses men zum Schutz von Sachgütern
oder Sees, Absturzkanten etc.) Mittel zur Besu-
cherkommunikation nutzen (Lautsprecher, Vi- Information:
deoleinwände etc.); gegebenenfalls Suchteams Polizei; Feuerwehr; Rettungsdienst; Sanitäts-
(des Sanitäts- / Ordnungsdienstes) bilden, wenn und Ordnungsdienst; Brandsicherheitswache;
eine unmittelbare Gefahr (beispielsweise Stra- Veranstalter
ßenverkehr) für das Kind zu erwarten ist
Sonstiges:
Information: gegebenenfalls Abwägung in verschiedenen
Polizei; Rettungsdienst; Sanitäts- und Ord- Stufen (Teilausfall)
nungsdienst
n Störung: offenes Feuer
Sonstiges:
-/- Maßnahmen:
Alarmierung der Feuerwehr über 112; Be-
Brandgefahren
nachrichtigung der Brandsicherheitswache; In-
formation der Besucher über die Gefährdung;
n Störung: Waldbrand- / Vegetationsbrand-
verstärkte Kontrollen des Ordnungsdienstes;
gefahr
Untersagung, gegebenenfalls inkl. Sanktions-
Maßnahmen: maßnahmen
Festlegung einer Person, die (falls notwendig
regelmäßig) über die aktuelle Waldbrandstu- Information:
fe informiert; gegebenenfalls Einberufung Polizei; Feuerwehr; Sanitäts- und Ordnungs-
des Koordinierungskreises; Sensibilisierung dienst; Brandsicherheitswache; Veranstalter
Ordnungsdienst, Mitarbeiter Catering etc. auf
Entstehungsbrände zu achten; verstärkte Strei- Sonstiges:
fengänge (z. B. der Brandsicherheitswache gegebenenfalls Abwägung in verschiedenen
und des Ordnungsdienstes); Information der Stufen (Teilausfall)
Besucher, Künstler und Schausteller achtsam
mit offenem Feuer umzugehen; gegebenen- Bedrohungen von Außen
falls Abänderung des Showprogramms (kein
Abbrennen eines Feuerwerks); gegebenen- n Störung: Bombendrohung
falls Räumung beziehungsweise Umsetzung
präventiver Maßnahmen (z. B. Wässern von Maßnahmen:
gefährdeten Bereichen); gegebenenfalls Maß- Rücksprache mit Einsatzleiter der Polizei über
nahmen zum Schutz von Sachgütern Lageeinschätzung; Einberufung des Koordi-
nierungskreises; Vorbereitung zur möglichen
Information: Räumung von Veranstaltungsbereichen;
Polizei; Feuerwehr; Rettungsdienst; Sanitäts- Initiierung möglicher Kompensationsmaßnah-
und Ordnungsdienst; Brandsicherheitswache; men (beispielsweise zusätzlicher Einsatz von
Veranstalter Sprengstoffspürhunden durch den Ordnungs-
dienst); gegebenenfalls Abänderung des
Sonstiges: Showprogramms; gegebenenfalls Information
gegebenenfalls Abwägung in verschiedenen der Besucher, Caterer und Künstler / Schau-
Stufen (Teilausfall) steller (Erläuterung für den Polizeieinsatz);

68
3
vorbereitende Maßnahmen zum Schutz von Intervention kann maßgeblich von der richtigen
Menschen und Sachgütern (z. B. Herstellen Reihenfolge und der Dauer (sofern einschätzbar)
der sofortigen Einsatzbereitschaft sämtlicher der einzelnen Maßnahmen abhängen. Wie bei
Kräfte des Sanitätsdienstes) den Störungsszenarien der Notfallplanung sind
auch für den Fall einer Räumung die entspre-
Information: chenden Sicherheitsdurchsagen zur Information
Polizei; Feuerwehr; Rettungsdienst; Sanitäts- der Besucher und Mitwirkenden vorzudefinieren
und Ordnungsdienst; Brandsicherheitswache; und hier anzugeben. Speziell die Kräfte des
Veranstalter Ordnungsdienstes sind in die Planung einzube-
ziehen.
Sonstiges:
-/- 3.3.2.2.12 Überfüllungskonzept
Insbesondere bei Veranstaltungen ohne Karten­
n Störung: Bandenkriminalität verkauf und einem freien Zutritt, kann das Ver­
anstaltungsgelände aufgrund einer Attraktivität
Maßnahmen: der Veranstaltung für viele Personen schnell
Information der Besucher; vermehrte Streifen- überfüllt sein. Zur Einschätzung müssen die
gänge des Ordnungsdienstes; Einbeziehung vorhandenen Aufbauten sowie eine mögliche
der Polizei; gegebenenfalls Einberufung des Randbebauung berücksichtigt werden. Speziell
Koordinierungskreises bei Veranstaltungen in Innenstädten oder bei de-
nen aufgrund des Aufbaus von Fahrgeschäften,
Information: Getränkeständen etc. Ganglinien entstehen,
Polizei; Ordnungsdienst; Veranstalter muss mit einer Überfüllung gerechnet werden.
Im Vorfeld sind daher im Sicherheitskonzept die
Sonstiges: entsprechenden, vom Füllungsgrad abhängig
-/- zu treffenden organisatorischen Maßnahmen,
inklusive der Angabe der hierfür erforderlichen
Umgang mit Szenarien Kräfte des Ordnungsdienstes detailliert zu
Im Kapitel 6.2. wird noch einmal ausführlich auf beschreiben. Zu- und Ausgänge, Stauflächen
den Umgang mit Szenarien in der Durchfüh- und (soweit möglich) Umleitungsstrecken
rungsphase eingegangen. müssen hierzu eindeutig benannt werden.
Entsprechende Beschilderungen, Informationen
3.3.2.2.11 Räumungskonzept der Besucher etc. sind zu erstellen und vor Ort
Die Räumung – beziehungsweise in der Bedeu- bereitzuhalten.
tung korrekterweise Evakuierung – eines Veran-
staltungsgeländes (oder auch von Teilbereichen)
kann jederzeit aufgrund unterschiedlichster
Ursachen oder Auslöser erforderlich werden.
Deshalb ist es notwendig, diesen Vorgang
konzeptionell eigenständig und damit vom
Gliederungspunkt „Notfallplanung“ losgelöst zu
betrachten.

Folgende Punkte sind darzustellen:

n Verantwortlichkeiten
Hier sind natürliche Personen namentlich zu
benennen, mindestens jedoch möglichst genau
umrissene Funktionen im Sinne eines Sammel-
begriffes (z. B. Ordner an den Zugangskontrol-
len, der Ordnungsdienstleiter).

n Aufgabenverteilung
Hier sind die detaillierten Maßnahmen der Räu-
mung oder Evakuierung aufzuführen.

n Ablauf
Abschließend ist die zeitliche Abfolge inkl. Abb. 37: Beispiel des grafischen Teils eines Umleitungskonzeptes
Gleichzeitigkeiten darzustellen. Der Erfolg einer

69
3
3.3.2.2.13 Verkehrskonzept

n Freihalten von Rettungswegen


Die Flucht- und Rettungswege müssen jeder-
zeit freigehalten werden. Im Verkehrskonzept
sind die Parkflächen und -zufahrten daher so zu
planen, dass eine mögliche Entfluchtung des
Veranstaltungsgeländes und die Rettungsar-
beiten der Gefahrenabwehr niemals behindert
werden. Dies gilt insbesondere für die Anfahrts-
und Angriffswege der Gefahrenabwehr, die
nicht durch haltende oder parkende Fahrzeuge
blockiert oder eingeschränkt werden dürfen.
Insbesondere bei Veranstaltungen mit einem
hohen Individualverkehrsanteil sollten daher Abb. 39: Es empfiehlt sich die Zusatzbezeichnung
wichtige Straßen und Zuwegungen durch die „Rettungsweg“ anzubringen (in dieser Abbildung feh-
Verkehrsbehörde mit einem absoluten Haltever- lend), um ein sofortiges Abschleppen zu ermöglichen
bote gekennzeichnet werden. Je nach Bundes-
land kann das Halteverbot mit brandschutz-
rechtlichen Vorschriften begründet werden und
beispielsweise um den Zusatz „Rettungsweg“
oder „Anfahrtzone für Feuerwehr“ ergänzt
werden (z. B. § 22 Abs. 1 der (bayerischen)
Verordnung über die Verhütung von Bränden
(VVB). Hierbei sollte durch die Genehmigungs-
sowie Fachbehörden in jedem Fall die operativ-
taktische Ebene der Gefahrenabwehr (hier vor
allem der Polizei, der Feuerwehr, des Rettungs-
dienstes sowie des Katastrophenschutzes)
eingebunden werden, um die Planungen zur
Einsatzabarbeitung dieser Ebene mit dem Ver-
kehrskonzept abzugleichen. Die Halteverbote Abb. 40: Auch Fahrräder oder andere mobile Hinder-
sind durchgehend durch die Fachbehörde zu nisse können einen Fluchtweg gefährlich machen
überprüfen und durchzusetzen, damit möglichst
wenig Nachahmer bei Verstößen die Durchfahrt Einen Sonderfall stellen sich bewegende Veran-
weiter verengen. Ebenfalls sollten Radfahrer auf staltungen dar, wie beispielsweise Umzüge. Der
die Freihaltung von Flucht- und Rettungswegen Veranstalter muss sicherstellen, dass Einsatz-
durch organisatorische Maßnahmen wie dem fahrzeuge jederzeit Straßen und Kreuzungen
Einsatz von Ordnern oder einer informierenden nutzen können. Dies muss anhand des Sicher-
Beschilderung hingewiesen und abgestellte heitskonzeptes belegbar sein.
Fahrräder ebenfalls entfernt werden.

Abb. 38: Abgestellte Fahrzeuge verengen die notwen- Abb. 41: Glasbruch kann Verkehrs- und Rettungswege
digen Anfahrtswege für Rettungskräfte und werden erheblich beeinträchtigen
daher im Auftrag der Polizei abgeschleppt

70
3
Verfügt die Veranstaltung über einen zentralen Einsatzfahrzeuge zur Entwicklung des Ein-
Parkplatz beziehungsweise sind die Parkflächen satzes) und Aufstellflächen (Flächen für Hub-
nur über wenige Hauptzufahrtsstraßen erreich- rettungsfahrzeuge) im Veranstaltungsbereich
bar, ist dies im Verkehrskonzept darzustellen. erforderlich sein. Bei Großzelten ist grundsätz-
Das Verkehrskonzept muss erläutern, wie bei lich eine Zufahrt einschließlich Umfahrt um das
Behinderungen auf den Zufahrtswegen oder Zelt erforderlich. Die Bildung von Sackgassen
den Parkflächen selbst, z. B. in Folge eines Un- ist in diesem Zusammenhang grundsätzlich zu
falls oder witterungsbedingter Einschränkungen vermeiden. Die festgelegten Zu- und Umfahr-
der Befahr- bzw. Nutzbarkeit, zu verfahren ist. ten sowie die Aufstell- und Bewegungsflächen
Insbesondere ist zu beschreiben, wie mögliche müssen den Einsatzkräften bekannt gemacht
Beeinträchtigungen für die Erreichbarkeit des werden und vor Ort klar erkennbar sein.
Veranstaltungsgeländes durch Einsatzkräfte der
nichtpolizeilichen und polizeilichen Gefahrenab- Es ist schon in der Planung sicherzustellen, dass
wehr verhindert werden. die Zufahrten und Zugänge für Einsatzkräfte /
-fahrzeuge und die Flucht- und Rettungswege
Gegebenenfalls ist der Sicherstellung des für die Besucher gleichzeitig, in aller Regel
Ausrückens der Einsatzkräfte der nichtpolizeili- gegenläufig (Besucher flüchten, Einsatzkräfte
chen und polizeilichen Gefahrenabwehr durch rücken an) und unabhängig voneinander genutzt
beispielsweise Wachbereitschaften oder eine werden können. Einsatzkräfte müssen den Ver­-
Neuverteilung der Einsatzkräfte für die Dauer anstaltungsbereich jederzeit erreichen und
der Veranstaltung Rechnung zu tragen. Dies ist ge­gebenenfalls umfahren können, Besucher
Aufgabe der jeweiligen Fachbehörde. müssen jederzeit über Flucht- und Rettungswe-
ge in der erforderlichen Breite flüchten können.
n Ergänzung der Gefahrenabwehr durch Die freigehaltenen Zu- und Durchfahrten können
ehrenamtliche Einheiten jedoch gleichzeitig die notwendigen Abstands-
Berücksichtigung sollte insbesondere auch die flächen zwischen den Aufbauten darstellen.
Erreichbarkeit der Gerätehäuser beziehungswei-
se Unterkünfte der Gefahrenabwehr und des Die Sicherstellung eines zeitgerechten Erstan-
Katastrophenschutzes durch die ehrenamtlichen griffs und damit der Kompensation verlängerter
Einsatzkräfte finden. In der Regel müssen die Eintreffzeiten, kann im Einzelfall durch die
Einsatzkräfte die Unterkünfte ohne die Nutzung Positionierung von Einsatzfahrzeugen auf dem
von Wegerechten nach § 38 StVO („blaues Veranstaltungsgelände (als Brandsicherheitswa-
Blinklicht mit Einsatzhorn“) erreichen; durch die che, durch Vorhalteerhöhungen etc.) erfolgen.
Veranstaltung darf es zu keinem verzögerten Der Grundschutz des weiteren Ausrückberei-
Ausrücken kommen! ches darf dadurch jedoch nicht beeinträchtigt
werden.
n Zufahrten und Zugänge für Einsatzkräfte
Der Veranstaltungsbereich und die Nachbar- n Lieferverkehr
bebauung müssen für Einsatzkräfte jederzeit Jede länger andauernde Veranstaltung wird
zugänglich sein. Hier werden zur Dimensionie- vor allem mit Lebensmitteln beliefert werden
rung die Vorgaben der „Muster-Richtlinien über müssen. Dafür sind von den Flucht- und Ret-
die Flächen für die Feuerwehr“ herangezogen, tungswegen unabhängige Wege und Flächen
sofern nicht größere Einsatzfahrzeuge (Ein- vorzusehen und die Lieferzeiten sind so vorzu-
satzleitfahrzeuge, Großraumrettungswagen, geben, dass es zu keiner zeitlichen Überschnei-
Kranfahrzeuge) gesonderte Vorgaben erfordern. dung von Anlieferung und Betrieb kommt. Der
Da stets die Tonnage und die Schleppkurven Betriebsbeginn definiert sich hier durch die
von Großfahrzeugen zugrunde gelegt werden, Anwesenheit einer nicht unerheblichen Anzahl
sind damit auch die Belange von Polizei- und an Besuchern.
Rettungsdienstfahrzeugen mit abgedeckt.
n Zu- / Abfahrten der Anlieger
Welche Bereiche wie erreicht werden müssen Auch während einer Veranstaltung wird es
(zu Fuß, mit Fahrzeugen) hängt von der kon- erforderlich sein, dass Anlieger ihre Gebäude
kreten Planung ab. In Anlehnung an die jeweils erreichen können. Hier sind Regelungen zu
gültige Bauordnung sollte als Mindeststandard treffen, wie dies ohne eine Gefährdung der
eine Annäherung an jeden Punkt des Veran- Besucher oder Beeinträchtigung von Flucht-
staltungsgeländes auf mindestens 50 m für und Rettungswegen realisiert werden kann.
Einsatzfahrzeuge möglich sein (§ 5 MBO; vgl. Insbesondere ist zu beschreiben, wie Betrof-
Bauministerkonferenz, 2012). Neben Zufahrten fene frühzeitig über die Veranstaltung und die
können auch Bewegungsflächen (Stellplätze für geplanten Maßnahmen informiert werden.

71
3
n Verkehrssperrungen n Hinweise zur Parkraumgestaltung
Eine Veranstaltung steht immer in Wechselwir- Für jede Veranstaltung müssen Parkbereiche
kung mit den Bereichen um den Veranstaltungs- zum Abstellen der Kraftfahrzeuge und Fahrräder
bereich herum. Verkehrlich ausschlaggebend vorgesehen werden. Im Folgenden werden die
sind hier besonders die Verkehrssperrungen, die erforderlichen Arbeitsschritte im Bereich der
mit anzugeben sind, da diese zum einen für die Parkbereiche detailliert beschrieben:
verkehrliche Anordnung der Verkehrsbehörde
notwendig sind, aber auch für die Schnittstel- • Schritt 1: Ermittlung des Stellplatzbedarfs
le zu Einsatzkräften relevant sein können (zu • Schritt 2: Ermittlung der vorhandenen Stellplätze
erwartende Stauungen, Umfahrungsmöglichkei- • Schritt 3: Stellplatzbilanz
ten bei Einsätzen im Veranstaltungsumfeld etc.). • Schritt 4: Erweiterung des Stellplatzangebotes
(optional)
n Besucherlenkung bei An- / Abreise • Schritt 5: Erstellung eines Parkraumkonzeptes
Probleme bei der An- bzw. Abreise können gra-
vierende Auswirkungen auf die Veranstaltung Schritt 1: Ermittlung des Stellplatzbedarfs
selbst haben. Je nach Örtlichkeit kann es erfor- „Die Anzahl der notwendigen Parkstände ergibt
derlich sein, hier detaillierte Konzepte zu erstel- sich aus dem Besucheraufkommen, dem Stand-
len. Es bedarf einer Analyse, wie viele Besucher ort und dem Angebot der öffentlichen Verkehrs-
auf welche Weise und auf welchen Wegen (also verbindungen“ (vgl. Forschungsgesellschaft für
mit welchem Verkehrsmittel), wann den Veran- Straßen- und Verkehrswesen, 2005).
staltungsbereich erreichen beziehungsweise
verlassen: Diese Verteilung wird als „Modal Für die Ermittlung des Stellplatzbedarfs sind
Split“ bezeichnet. Um Störungen der verkehrli- folgende Kennwerte erforderlich:
chen Infrastrukturen zu vermeiden, müssen im
Vorfeld geeignete Maßnahmen (Shuttleverkehr, • Erwartete Besucherzahl an einem Tag
Kombitickets [ÖPNV und Einlass], provisori- • Anteil des motorisierten Verkehrs am Modal
sche Parkplätze, Leitsysteme etc.) geplant und Split
anschließend umgesetzt werden. • Besetzungsgrad der Kfz (Anzahl der Personen
je Fahrzeug)
Ziel muss es sein, den Besuchern eine zeitge- • Umschlagrate der Parkplätze (Wiederbefül-
rechte An- und Abreise zu ermöglichen und die lung möglich? Wie oft, also durch viele Fahr-
Einschränkungen von notwendigen Flächen zeuge, wird ein bestimmter Parkplatz wäh-
und Wegen durch z. B. ein hohes Verkehrsauf- rend der Veranstaltung beziehungsweise an
kommen zu verhindern. Dazu müssen unter den einzelnen Veranstaltungstagen genutzt?
anderem folgende Punkte betrachtet werden:
Außer den Parkplatzbereichen für Besucher sind
• motorisierter Individualverkehr noch folgende Bereiche zu planen:
• Anreiserouten
• Parkraumgestaltung • Besondere Parkplatzbereiche für Mobilitäts-
• ÖPNV eingeschränkte, VIPs, Angestellte etc.
• Fahrradfahrer • Haltebereich / Parkplätze für Reisebusse
• Fußgänger, insbesondere mobilitätseinge- (gegebenenfalls auch für Wohnmobile, Krads)
schränkte Personen (Rollstühle unterschied- • Haltebereich Zuliefererverkehr
licher Art, Rollatoren etc.) • Haltebereiche Taxiverkehr und Bring- / Abhol-
• Einlasskonzept (Rückstau) verkehre

Insbesondere sollte eine genaue Betrachtung Anhand folgender Berechnungen kann mit den
der Parkraumgestaltung erfolgen, da sich durch oben genannten Kennwerten die Anzahl der
unzureichende Parkräume das Parken schnell benötigten Stellplätze ermittelt werden:
verselbstständigen kann („wildes Parken“ am
Straßenrand oder in Grünanlagen) oder es zu Beispiel:
Rückstauungen kommt. Weitere Problemstel- • Erwartete Besucher (mit Kfz) =
lungen (Freihalten von Flucht- und Rettungs- erwartete Besucher Anteil des motorisierten Verkehrs
wegen, Ergänzung der Gefahrenabwehr durch am Modal Split
ehrenamtliche Kräfte, Betrieb des Shuttlever-
kehrs, Schäden an Grünanlagen etc.) können • Ankommende Kfz = erwartete Besucher (mit Kfz)
sich hieraus entwickeln. Im folgenden Abschnitt Besetzungsgrad Kfz
wird daher genauer auf die Planung der Park- • Benötigte Stellplätze = ankommende Kfz
raumgestaltung eingegangen. Umschlagrate

72
3
In der Berechnung der benötigten Stellplätze Stellplätze für den Veranstaltungsverkehr frei
können auch Puffer für blockierenden Park- sind. Dafür sind Kenntnisse über den Veran-
such­­verkehr oder falsch geparkte Kfz eingebaut staltungszeitraum (Wochentag / Wochenende
werden. beziehungsweise Zeitraum) notwendig.

Beispiel: Liegen keine genauen Angaben zur Anzahl der


Tagesveranstaltung mit wechselnden Besuchern Stellplätze einer Fläche vor, können die Werte
• Erwartete Besucheranzahl an einem Tag: aus folgender Tabelle zur überschlägigen Er-
10.000 Besucher mittlung der Anzahl der vorhandenen Stellplätze
• Anteil des motorisierten Verkehrs am Modal genutzt werden. Die Tabelle liefert Orientie-
Split: 55 % rungswerte zum Platzbedarf von Stellflächen.
• Besetzungsgrad der Kfz: 2,8 Personen
• Umschlagrate der Kfz: 5 Kfz / Parkplatz Schritt 3: Stellplatzbilanz
(entspricht zeitgleich anwesend ca. 20% der Der Vergleich der in Schritt 1 ermittelten erfor-
Besucher) derlichen Stellplätze und der in Schritt 2 erhobe-
nen vorhandenen Stellplätze liefert die Anzahl
Erwartete Besucher, die mit dem Kfz anreisen der neu einzurichtenden Stellplätze.
= 10.000 Besucher 0,55 = 5.500 Besucher
Schritt 4: Erweiterung des Stellplatzangebotes
Ankommende Kfz gesamt
Falls die vorhandenen Stellplatzkapazitäten nicht
5.500
= ≈ 1.965 Kfz ausreichen, müssen weitere Möglichkeiten
2,8
für Parkbereiche des Veranstaltungsverkehrs
Benötigte Stellplätze gesucht werden. Hierfür kommen z. B. Brachflä-
1.965 chen oder Äcker in Frage.
= ≈ 393 Stellplätze
5
Zudem kann über die verschiedenen Medien
Schritt 2: Ermittlung der vorhandenen Stell- versucht werden, die Besucher in ihrer Ver-
plätze kehrsmittelwahl zu beeinflussen und somit den
Zunächst ist zu prüfen, welche Parkbereiche Modal-Split zu verändern.
im Umfeld des Veranstaltungsgeländes vorhan-
den sind und genutzt werden können. Dabei Zur Planung des benötigten Bedarfs an Veran-
kommen städtische Parkplätze ebenso wie staltungs-Parkplätzen liefert Tabelle 9 Orientie-
Parkplätze / Parkhäuser von Einzelhandels- und rungswerte zum Platzbedarf an unmarkierten
Gewerbeeinrichtungen in Frage. Eine mögliche Stellflächen inkl. Fahrgasse.
Nutzung ist durch den Veranstalter mit dem
Verfügungsberechtigten zu klären. Tabelle 9: Vor- und Nachteile der Organisationsform von Parkplätzen in
Bezug auf den Platzbedarf
Tabelle 8: Platzbedarf von Stellplätzen in Bezug (ivm, 2007, S. 48-50)
auf die Organisationsform Organisations- Vorteile Nachteile Platzbedarf inkl.
(Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrs- form Fahrgasse
wesen, 2005; ivm, 2007, S. 48-50) Wildes Parken kein keine kontrollierte / ≥ 40 m² / Pkw-
Organisationsform Platzbedarf (in der Regel nicht Personalbedarf geordnete Aufstel- Stellplatz
Senkrechtparken 2,50 m je Stellplatz zu empfehlen) lung mit eingepark-
am Straßenrand ten Fahrzeugen
und zugeparkten
Längsparken am Mit Markierung Fahrgassen ist zu
Straßenrand 5,70 m je Stellplatz rechnen
Ohne Markierung
Aufstellung in keine gefangene höherer 20-30 m² / Pkw-
5,30 m je Stellplatz
Längs- oder Aufstellung Personalbedarf Stellplatz
Schrägaufstellung Abhängig vom Winkel Querreihen individuelle Abfahrt erhöhter Bedarf
am Straßenrand z. B. bei 45 Grad Aufstell- möglich an temporären Ab-
winkel: 3,54 m je Stellplatz Wiederbefüllung sperrmaßnahmen
+ 3,54 m Rückversatz möglich (z. B. Flatterband)
Parkplatz inkl. 20 - 30 m² / Pkw-Stellplatz Block- / Kolonnen- geringer gefangene ~15 m² / Pkw-
Fahrgasse aufstellung (nur in Personalbedarf Aufstellung Stellplatz
Ausnahmefällen geringer Bedarf an keine individuelle
Für die verfügbaren Parkplätze ist die Summe zu empfehlen) temporären Ab- Abfahrt möglich
sperrmaßnahmen
der insgesamt vorhandenen Stellplätze zu er­- (z. B. Flatterband)
mitteln, dabei gilt es die gegebenenfalls vor-
Reisebusstellplatz 120-150 m² / Bus-
handene Belegung durch den Alltagsverkehr zu Stellplatz
berücksichtigen und abzuschätzen, wie viele

73
3
Bei der Aufstellung in Längs- oder Querreihen • Haltebereiche für Taxiverkehre und Bring- /
kann zwischen Längs-‚ Schräg- und Senkrecht- Abholverkehre
aufstellung unterschieden werden. Die Vor- und • Ist die Einrichtung eines Shuttle-Service
Nachteile dieser Aufstellungsformen und die notwendig, um die Parkplätze an die Veran-
jeweiligen Abmessungen zeigt folgende Tabelle. staltung anzubinden?

Tabelle 10: Vor- und Nachteile der Aufstellungsart Für die Befüllung der Parkplätze sind die
(Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen, 2005, S. 92; ivm, 2007, folgenden Punkte zu beachten:
S. 48-49) (Forschungsgesellschaft für Straßen- und Ver-
kehrswesen, 2005)
Vorteile Nachteile Abmessungen
Längsauf- zügiges (Erst-) Bepar- hoher Flächenbedarf Breite des Parkstrei- Je größer der Parkplatz und je höher der Um-
stellung ken möglich durch größere Anzahl fens ~ 2,00 m Länge schlagsgrad, desto wichtiger ist eine übersicht-
„relativ“ einfaches an Fahrgassen pro Pkw ~ 6,00 m
liche und leistungsfähige Verkehrsführung. Sie
Stellen der Fahrzeuge
soll so gewählt werden, dass zuerst die dem
Schrägauf- zügiges Beparken gleichmäßige Ausrich- Tiefe des Park- Fußgängerziel zugewandten Bereiche befahren
stellung (auch bei fahrgassen- tung der Fahrzeuge streifens ~ 5,00 m
werden können und die Parkstände vom Zielort
bezogener Anfahrt) im schwierig Breite pro Pkw
Ein­richtungsbetrieb Gefahr von „wandern­ ~ 2,50 m – 3,50 m wegführend aufgefüllt werden. Dadurch werden
deutlich engere den“ Reihen und unnötige Suchfahrten vermieden und Gefähr-
Fahrgassen möglich beengten Fahrgassen dungen der Fußgänger verringert.
Senkrecht- „relativ“ einfaches bei fahrgassenbe- Tiefe des Park-
aufstellung Stellen der Fahrzeuge zogener Anfahrt streifens ~ 5,00 m
Die Einteilung eines Pkw-Parkplatzes in Park-
gute Flächenausnut- gegebenenfalls Breite pro Pkw standreihen und in Fahrgassen ergibt sich nach
zung Verzögerungen beim ~ 2,50 m der gewünschten Verkehrsführung, die sich
einfache Wiederbe- Einparken wiederum nach der Lage von Ein- und Ausfahrt
legung und den Voraussetzungen für Ein- und Zweirich-
tungsverkehr in den Fahrgassen richtet.
Nach den Abmessungen aus dieser Tabelle las-
sen sich je nach Winkel und Breite der Fahrgas- Bei den Parkplätzen sind folgende Aspekte
se 4 bis 5 Stellplätze (inklusive Fahrgasse) pro zu beachten:
100 m2 realisieren. Bei verschiedenen Großver- (ivm GmbH, 2007)
anstaltungen konnten diese Daten überprüft
werden. • Stellplatzkapazität / Dichte der Beparkung,
• Schnelligkeit bei der Befüllung/Vermeidung
Weitere Details zur Planung von Stellplätzen lie- von Rückstaus in den fließenden Verkehr,
fert die Richtlinie „Empfehlung für die Anlagen • zügige Entleerung / Wiedereinfädelung in den
des Ruhenden Verkehrs“ (EAR) der Forschungs- fließenden Verkehr,
gesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen. • Begegnungsverkehr (paralleler An- und Abrei-
severkehr),
Schritt 5: Erstellung eines Parkraumkonzeptes • Wiederbefüllungsmöglichkeiten zwischenzeit-
Die folgenden Fragestellungen sollten bei der lich freigewordener Stellplätze,
Erstellung eines Parkraumkonzeptes geklärt und • Einfahrtskontrollen (gegebenenfalls Kontrolle
abschließend im Verkehrskonzept schriftlich der Zufahrtsberechtigung, Entrichtung der
festgehalten werden. Parkgebühren, gegebenenfalls Sicherheits-
kontrollen),
• Falls es mehrere Parkbereiche gibt: Wie • Komfort für Fahrer
sollten diese mittels eines Parkleitsystems
Um diese Ziele zu erreichen, können folgen-
beschickt werden?
de Maßnahmen durchgeführt werden:
• Wie sollen die Parkbereiche befüllt werden?
(ivm GmbH, 2007)
(Aufstellung / Abfertigung)
• Stehen die Parkplätze kostenlos zur Verfü-
• Optimierung der Fahrzeugaufstellung,
gung oder werden sie bewirtschaftet?
• Optimierung in der Abfolge Zufahrtskontrolle
• Wo können Parkbereiche für besondere Per-
> Abkassieren > Fahrzeugaufstellung,
sonenkreise eingerichtet werden?
• Absperrungen („Flatterband“) auf den Park-
• Parkplätze für Menschen mit eingeschränkter
plätzen als Beparkungshilfe / Anbringen von
Mobilität
Markierungen,
• VIP-Parkplätze
• Einsatz von Parkplatz- Einweisungspersonal,
• Schausteller- / Personalparkplätze
• Wegweisung zurück zum öffentlichen Straßen­-
• Halte- / Ladezonen für Lieferverkehr
netz,
74
3
• Erweiterung / Vermehrung der Parkplatzzu- Bei einer hohen erwarteten Zahl von Personen,
oder -ausfahrten, die mit dem Pkw abgeholt werden, sollte auch
• Reduzierung der Anzahl der Parkplatzzu- oder ein Konzept erstellt werden, wie sich die abzu-
-ausfahrten holenden Personen und die abholenden Perso-
nen finden können. Hierbei ist insbesondere zu
Parkleitsystem beachten, dass bei Großveranstaltungen häufig
(Forschungsgesellschaft für Straßen- und Ver- das Handynetz überlastet ist.
kehrswesen, 2005).
Die Haltebereiche können bei erwarteter
Durch das Parkleitsystem soll der Kraftfahrzeug- geringer Nutzung durch private Pkw auch für
verkehr so geleitet werden, dass die Fahr­zeug­- Taxi-Verkehre ausgewiesen werden.
führer auch ohne Streckenkenntnis kontinuier-
lich bis zum Parkziel geführt werden. Bereits an 3.3.2.2.14 Brandschutz
den Ortseingängen sollte auf großen Ankündi­
gungstafeln auf das gesamte öffentliche Park­ n Verwendung von offenem Feuer und
raumangebot leicht verständlich aufmerksam pyrotechnischen Gegenständen
gemacht werden, z. B. mit einer auf die jewei- Gemeint ist hier im Gegensatz zu den Störungs-
lige Fahrtrichtung bezogenen vereinfachten szenarien der Notfallplanung die Verwendung
Darstellung von Parkbereichen. Erläuterungsta- von offenem Feuer und pyrotechnischen
feln mit erweitertem Inhalt, z. B. mit Darstellung Gegenständen seitens des Veranstalters. Sollte
der Hauptrouten zu den Parkmöglichkeiten auf eine Verwendung geplant sein, ist diese mit den
einem vereinfacht dargestellten Stadtgrund- zugehörigen Sicherheitsmaßnahmen darzustel-
riss, gegebenenfalls mit Kennzeichnung und len, die im Einzelfall mit der Brandschutzdienst-
Benennung der Standorte usw. lassen sich in stelle abzustimmen sind.
der Regel nicht während der Vorbeifahrt lesen
und begreifen. Die Verwendung von Bühnenpyrotechnik bedarf
ferner auch der Genehmigung durch die für die
Folgende Fragestellungen sollten bei der öffentliche Sicherheit und Ordnung zuständige
Wegweisung zu den Parkplätzen berücksich- Stelle und die Zustimmung zur erforderlichen
tigt werden: Erprobung durch die Brandschutzdienststelle
(§ 23 Abs. 6 1. SprengV). Die rechtzeitige Anzei-
• Ist ein dynamisches (gegebenenfalls manuell: ge der Verwendung bei der Gewerbeaufsichts-
umklappbare Schilder) Parkleitsystem möglich / behörde ist hier nicht ausreichend (s. Anlage 6e,
notwendig? Oder reicht ein statisches Park- Informationsblatt „Pyrotechnik“).
leitsystem, da mit keinem erhöhtem Park-
suchverkehr bei Überfüllung eines Parkplatzes n Brandverhalten von Materialien
zu rechnen ist? (Nachweis des Brandverhaltens)
• Welche vorhandenen Parkleitsysteme können Hier sind Vorgaben von Seiten der Behörden zu
genutzt werden / müssen abgeschaltet oder machen, ob und welche Anforderungen an das
verdeckt werden? Brandverhalten von Materialien für Dekorations-
• An welchen Stellen sollten Wegweiser aufge- oder Ausstattungszwecke in welchen Bereichen
stellt werden, um die Richtung zum Veran- gelten: schwerentflammbar, nichtbrennbar etc.
staltungsort / zu den Parkplätzen anzuzeigen? Gegebenenfalls ist eine Rücksprache mit der
(Abbiegebeziehungen, Wiederholung der Brandschutzdienststelle notwendig.
Beschilderung auf gerader Strecke zur Redu-
zierung von Verunsicherung) n Verwendung von brennbaren Flüssigkeiten
und Gasen (unter anderem Flüssig- / Erdgas)
n Beschilderung von den Parkplätzen zur Sollte die Verwendung entsprechender Ener-
Veranstaltung giequellen zulässig / gewünscht sein, sind hier
Die Wegweisung für die von den Parkplätzen Vorgaben zur sicheren Verwendung zu machen.
kommenden Besucher sollte in das Beschilde- Beispielhafte Auflagen können der Anlage 6,
rungskonzept für Fußgänger integriert werden. Informationsblatt „Flüssiggasanlagen bei Veran-
staltungen“ entnommen werden.
n Haltebereiche
Vor allem bei Veranstaltungen, zu denen ein n Abstandsflächen
hoher Anteil Jugendlicher erwartet wird, sollten Abstandsflächen sind zunächst Teil der räumli-
Haltebereiche für den Hol- und Bringverkehr chen Planung der Veranstaltung und bestehen
vorgehalten werden. zur Nachbarbebauung sowie zwischen den
Aufbauten untereinander. Hier sind Vorgaben zu

75
3
fixieren, wie betrieblich mit den Flächen umzu- 3.3.2.2.15 Ordnungsdienstkonzept
gehen ist (Freihaltegebot). Gegebenenfalls ist es
hilfreich, darzustellen, welchen Zweck die Flä- n Personaleinsatz
chen erfüllen müssen beziehungsweise dass sie Die Anzahl der Ordner hängt unmittelbar von der
einen Zweck erfüllen, um das Verständnis für die Veranstaltung und den übertragenen Aufgaben
Freihaltung und damit die Akzeptanz zu erhöhen. des Ordnungsdienstes ab. Nach einer Einschät-
zung der Veranstaltung ist anzugeben, wo
n Blitzschutz (Postenplan), wann (Dienstzeiten) wie viele Ord-
Hier werden Maßnahmen beschrieben, die ner (Anzahl) mit welcher Qualifikation eingesetzt
bezüglich des Blitzschutzes zu treffen sind werden. Diese Angaben werden primär mit dem
beziehungsweise getroffen werden. Betroffen Ordnungsamt und der Polizei abgestimmt.
sind u. a. PA-Tower, Bühnen, Videowände und
Sicherheitseinrichtungen (Sicherheitsbeleuch- Darüber hinaus ist die Struktur idealerweise in
tung, Anlagen für Warndurchsagen etc.). einem Organigramm darzustellen sowie Aus-
sagen zur Erkennbarkeit der Ordner (Uniform,
n Sicherstellung wirksamer Lösch- und Westen etc.) zu machen. Bei der Kleidung
Rettungsarbeiten ist darauf zu achten, dass diese für die damit
Hier sind die Maßnahmen zu beschreiben, die verbundene Tätigkeit bezüglich Erkennbarkeit
der Sicherstellung wirksamer Lösch- und Ret- und Akzeptanz geeignet ist. So ist es z. B.
tungsarbeiten dienen. Dies ist beispielsweise nicht zielführend, wenn der Ordnungsdienst
die Bereitstellung entsprechender Löschgeräte, die gleichen, mit Sponsorenlogos versehenen
-einrichtungen und -mittel oder entsprechend Poloshirts trägt, wie alle anderen Mitarbeiter
eingewiesenen Personals, das Freihalten von und freiwilligen Helfer des Veranstalters. Hier
Hydranten sowie die Sicherstellung deren hebt sich der doch mit anderen, sicherheitsrele-
Nutzbarkeit (z. B. bei der Nutzung als Wasseran- vanten Aufgaben betraute Ordnungsdienst nicht
schluss für die Gastronomie) und die Überprü- ausreichend ab, wird nicht erkannt und somit
fung einer ausreichenden Löschwasserversor- durch Besucher nicht akzeptiert („Da kann ja
gung. jeder kommen ...“).

Es ist für den Veranstalter empfehlenswert, die


Einschätzung gemeinsam mit dem Ordnungs-
dienstleiter durchzuführen, da er für die korrekte
Abwicklung des Ordnungsdienstes verantwort-
lich ist und über die entsprechende Fachexper-
tise verfügt.

n Aufgaben
Dem Ordnungsdienst kommt eine maßgebliche
Rolle in der Umsetzung des Sicherheitskonzep-
tes zu. Hierzu ist es unbedingt erforderlich, dass
die aus dem Konzept für den Ordnungsdienst
Abb. 42: Beispiel für eine Armatur zur Wasserentnah- resultierenden Aufgaben benannt sind und dass
me für Toiletten / Gastronomie, wobei der Hydrant für die Mitarbeiter des Ordnungsdienstes diese
die Feuerwehr weiter nutzbar bleibt (freier Abgang kennen.
und Druckentlastungsmöglichkeit)
Eine Berechnung der Stärke des Ordnungs-
n Brandsicherheitswache dienstes allein nach der Anzahl der Besucher
Ist eine Brandsicherheitswache vor Ort, ist ist nicht zielführend, sondern es ist das Gefähr-
hier darzustellen, dass ihren Weisungen im dungspotenzial der Veranstaltung beziehungs-
Gefahrenfall Folge zu leisten, der ungehinder- weise die für die Veranstaltung notwendigen
te Zugang zu allen von ihr zu kontrollierenden Funktionen zu betrachten.
Bereichen zu ermöglichen und im gesamten
Veranstaltungsgelände eine selbstständige Um diese kompakt an einer Stelle finden zu
Bewegungsfreiheit zu gewähren ist. können, sind sie aufzulisten und zu erläutern.
Regelmäßig sind folgende Aufgaben enthalten:

• Absicherung des Veranstaltungsgeländes


• Freihaltung der Flucht- und Rettungswege
während Aufbau, Betrieb und Abbau

76
3
• Umsetzung des Einlasskonzeptes • Eskortierung der Einsatzkräfte vom Veran-
• Not- und Erstmaßnahmen bei Gefahr sowie staltungsgelände, um z. B. einen schnellen
beim Eintritt von Störungsszenarien Abtransport von Verletzten und Erkrankten zu
• Verkehrsposten ermöglichen oder ein Mitfahren von Besu-
• Kommunikation mit den Veranstaltern und chern auf Trittbrettern der Einsatzfahrzeuge
Sicherheitsbehörden zu verhindern
• Kommunikation mit den Besuchern
• Bühnenabsicherung Die Abarbeitung der Aufgabenschwerpunkte
muss unverzüglich und gegebenenfalls zeit-
Bei den Aufgaben kann zwischen Ordnungsauf- gleich erfolgen können. Dies kann nur durch
gaben und Sicherheitsaufgaben unterschieden eine verlässliche Struktur des Ordnungsdiens-
werden. Ordnungsaufgaben unterstützen den tes sowie dem Einsatz ausreichender und vor
Veranstalter in der Durchführung der Veranstal- allem geeigneter Kräfte gewährleistet werden.
tung. Dies können beispielsweise sein: Es ist daher sowohl durch den Veranstalter wie
auch die Genehmigungsbehörde (im Auflagen-
• Platzanweisertätigkeiten bescheid) genau festzulegen, welche Aufgaben
• Zugangskontrolle am Eingang oder den Besu- durch den Ordnungsdienst bearbeitet werden
cherbereichen sollen. Neben der erforderlichen Stärke sollten
• allgemeine Besucherinformationen (z. B. in zusätzlich die Aufgaben und gegebenenfalls
Bezug auf Veranstaltungsbereiche oder die Ausstattung einzelner Posten (z. B. an den
Attraktionen) Notausgängen) genau festgelegt werden.

Sicherheitsaufgaben hingegen betreffen den n Einweisung in das Sicherheitskonzept


Schutz von Personen und Sachgütern und Damit die im vorigen Punkt aufgeführten Aufga-
letztlich der Veranstaltung selbst. Dies können ben und die Hintergründe dazu bekannt sind, ist
beispielsweise sein: es erforderlich, die Mitarbeiter des Ordnungs-
dienstleisters in das Konzept und insbesondere
• Sicherheit von schutzbedürftigen Personen die Aufgaben einzuweisen. Hier ist demnach
• Schutz von Sachgütern plausibel darzustellen, wann wer durch wen in
• Herausheben von Personen aus dem welchem Umfang eingewiesen wird.
„Bühnengraben“
Den Behörden sollte eine Teilnahme an der Un-
Dem Ordnungsdienst kommt darüber hinaus die terweisung auf Wunsch ermöglicht werden.
Aufgabe zu, die Sicherheitsbehörden im Bereich
der jeweiligen Veranstaltung durch präventive n Qualifikation und Ausstattung
Maßnahmen, wie Streifengänge oder die Je nach Aufgabenbereich und Veranstaltung
Taschenkontrolle in Bezug auf die Mitnahme ergeben sich unterschiedliche Anforderungen
von Waffen, zu unterstützen und zudem ein an die Qualifikation der Ordner. So ergeben sich
frühzeitiges, qualifiziertes Eingreifen in Ge- an einen Mitarbeiter der Einlasskontrolle andere
fahrensituationen zu ermöglichen. Im Gefah- Anforderungen als an einen Mitarbeiter, der im
ren- bzw. Schadensfall hat der Sicherheits- und „Bühnengraben“ (Bereich zwischen der Bühne
Ordnungsdienst nach Kenntnisnahme die unver- und der Bühnenabschrankung) eingesetzt wird.
zügliche, zielgerichtete Alarmierung von Polizei,
Brandsicherheitswache / Feuerwehr bzw. Aus der Aufgabe heraus, das Sicherheitskon-
Sanitätsdienst / Rettungsdienst und dessen Ein- zept umsetzen zu müssen und dabei in aller
weisung an der Einsatzstelle zu gewährleisten. Regel nur das Mittel der Kommunikation einset-
Insbesondere bei weitläufigen oder unübersicht- zen zu können, ergibt sich die Notwendigkeit
lichen Örtlichkeiten mit einer großen Anzahl von einen ausreichend qualifizierten Ordnungsdienst
Besuchern kommt dieser Aufgabe eine große zu beauftragen, der auch über ausreichend
Bedeutung zu. Zusätzlich sollte der Ordnungs- Erfahrung im Bereich Veranstaltungen verfügt.
dienst die Arbeit der alarmierten Einsatzkräfte Denn auch wenn die Ordnungsdienstkräfte über
unterstützen. Beispielsweise durch: die Unterrichtung oder Sachkundeprüfung nach
§ 34 a GewO verfügen, heißt dies nicht, dass
• Absperren von Veranstaltungsbereichen, um sie fachlich für den Einsatz auf Veranstaltungen
den Einsatzkräften die Arbeit zu ermöglichen geeignet sind. Die Inhalte orientieren sich nur
• Öffnen von Rettungswegen an den Aufgaben als Ladendetektiv, Türsteher
• Freihalten von Zufahrtswegen oder Streife beim Objektschutz.
• Bewachung von Einsatzfahrzeugen, um Dieb-
stahl oder Beschädigungen zu verhindern

77
3
Die Lenkung von und Einwirkung auf Personen- • unverzügliche, zielgerichtete Alarmierung des
ströme oder andere im Veranstaltungskontext Rettungsdienstes und dessen Einweisung an
relevante Maßnahmen sind (noch) nicht ein der Einsatzstelle
standardisierter Teil der Ausbildung. Dennoch • qualifizierte Patientenversorgung bis zum
kann man aus dem Nachweis der Qualifikation Eintreffen des Rettungsdienstes bei medizini-
entnehmen, dass die Person grundsätzlich die schen Notfällen
geistigen Anforderungen erfüllt, entsprechen-
de Sachverhalte aufzunehmen und adäquat
umzusetzen. In Ermangelung weitergehender,
standardisierter Qualifikationen wird der ent-
sprechende Nachweis in Verbindung mit dem
Vorliegen entsprechender Erfahrung bis auf
Weiteres die Grundlage bleiben.

Es ist verbindlich festzulegen, dass die Kommu-


nikation aller Einsatzkräfte in deutscher Sprache
zu erfolgen hat. Die Kräfte des Ordnungsdienstes
sollten außerdem grundsätzlich mit einem Aus-
weis oder einer Identifikationsnummer gekenn-
zeichnet sein, um von Einsatzkräften, Besuchern
etc. zugeordnet werden zu können.

Das Mitführen und die Verwendung von Gegen-


ständen die unter das Waffengesetz (Schusswaf-
fen, Messer, Schlagstöcke etc.) fallen oder zur
Durchsetzung von Zwangsmaßnahmen ange-
wandt werden können (Handschellen, Kabel-
binder etc.) sollten durch die Behörde untersagt
werden. Ausnahmen, beispielsweise für die
Sicherheit schutzbedürftiger Personen, oder für
die Anwendung durch speziell geschultes Perso-
nal (ODL, Bereichsleiter, Obleute), erfordern die
Zustimmung der Genehmigungsbehörde.
Abb. 43: Behandlungsplatz eines Sanitätsdienstes in
Zur zulässigen Ausstattung zählen beispiels- einem Schnelleinsatzzelt, wie es beispielsweise auch
weise Megaphone und Flatterband, die an auf einer Veranstaltung als Unfallhilfsstelle aufgebaut
werden kann.
bestimmten Posten benötigt werden können.

3.3.2.2.16 Sanitätsdienstkonzept

n Aufgabenschwerpunkte Sanitätsdienst
Dem Sanitätsdienst kommt die Aufgabe zu,
dem Regelrettungsdienst im Bereich der
jeweiligen Veranstaltung Bagatellverletzungen
und -erkrankungen abzunehmen und zudem ein
frühzeitiges, qualifiziertes Eingreifen und damit
eine Verkürzung des behandlungsfreien Inter-
valls bei medizinischen Notfällen zu gewährleis-
ten. Dem kommt insbesondere bei weitläufigen
oder unübersichtlichen Örtlichkeiten mit einer
großen Zahl von Besuchern eine große Be-
deutung zu. Die Aufgabenschwerpunkte für
den Sanitätsdienst lassen sich stichpunktartig
zusammenfassen:

• erweiterte Erste-Hilfe
• frühzeitiges, qualifiziertes Eingreifen bei Baga-
tellerkrankungen und -verletzungen (Kopf- Abb. 44: Erstversorgungsteam (EVT) des Sanitäts-
schmerzen, Blasen, Prellung etc.) dienstes auf dem Weg zu einer Einsatzstelle

78
3
n Einsatzabschnitte des Sanitätsdienstes n Personaleinsatz, -stärke und Qualifikation
Um eine schnelle zeitgerechte Verfügbarkeit der Die Abarbeitung der Aufgabenschwerpunkte
Sanitätstrupps und gegebenenfalls der Ärzte des muss unverzüglich und gegebenenfalls zeit-
Sanitätsdienstes im gesamten Veranstaltungsbe- gleich erfolgen können. Dies kann nur mit dem
reich zu gewährleisten, kann es erforderlich sein, Einsatz geeigneter Kräfte zur Durchführung des
den Veranstaltungsbereich in Einsatzabschnitte Sanitätsdienstes gewährleistet werden. Die
zu gliedern. Für jeden Einsatzabschnitt ist die Stärke und Qualifikation des Sanitätsdienstes
Anzahl der Sanitätstrupps sowie Arzttrupps durch wird daher üblicherweise durch die für den
den Sanitätsdienstleister vorzuplanen. Ebenso ist Rettungsdienst zuständige Behörde festgelegt.
deren Ausstattung in einem Einsatzplan zu be- Alternativ ist es möglich, dass ein vom Dienst-
schreiben. Dabei sind auch ortsfeste oder mobile leister (Hilfsorganisation, privater Anbieter)
Unfallhilfsstellen zu berücksichtigen. erstelltes Einsatzkonzept zur Prüfung bei der

Tabelle 11: Qualifikation Sanitätsdienst


(s. a. Lutomsky, Flake (2000)
Qualifikation Ausbildung möglicher Einsatz als
Sanitätshelfer/in • unterste Ausbildungsstufe des Sanitätsdienstes, zu- • Erstversorgungsteam (EVT),
(SanH oder meist innerhalb der Hilfsorganisationen ausgebildet. • Behandlung von Bagatellverletzungen,
San A,B,C) • Erweiterte Erste-Hilfe-Ausbildung inklusive Schulung • Unterstützung der rettungsdienstlichen Maßnahmen
rettungsdienstlicher Einsatztaktiken und Maßnahmen.
Rettungshelfer/in • 160 Std. theoretische Ausbildung Jeweiliges Landesrettungsdienstgesetz beachten!
(RH) • In den Bundesländern unterschiedliche Praktikumsan- Zusätzlich zum SanH:
teile, z. B. • Theoretische Kenntnisse des Rettungsdienstes,
– 80 Std. klinische Ausbildung • Kenntnisse über Verwendung medizinischer Gerät-
– 80 Std. praktische Ausbildung an einer Rettungswache schaften,
• Keine eigenverantwortliche Tätigkeit
• Assistent des RS, RA, NA z. B. als Fahrer Krankentrans-
portwagen (KTW) oder Rettungs(transport)wagen (RTW)
Rettungssanitäter/in • 160 Std. theoretische Ausbildung Jeweiliges Landesrettungsdienstgesetz beachten!
(RS) • 160 Std. klinische Ausbildung zusätzlich zum RH:
• 160 Std. praktische Ausbildung an einer Rettungswache • Wird eigenverantwortlich als Transportführer beim
• 40 Std. Abschlusslehrgang mit anschließender Prüfung Krankentransport und
• jährliche Pflichtfortbildungen • als Fahrer eines Notarzteinsatzfahrzeuges (NEF) oder
RTW eingesetzt
Rettungsassistent/in • Berufsausbildung gemäß Rettungsassistentengesetz Jeweiliges Landesrettungsdienstgesetz beachten!
(RA) (RettAssG). Zweijährige Ausbildung inklusive: Zusätzlich zum RS:
• 820 Std. schulische Ausbildung • Eigenverantwortliche Tätigkeit,
• 120 Std. RD-Praktikum • Durchführung invasiver Maßnahmen im Rahmen der
• 420 Std. klinische Ausbildung staatliche Prüfung gesetzlichen Regelungen („Notkompetenz“)
• 1.600 Std. praktische Ausbildung an einer staatlich • Wird eigenverantwortlich als Transportführer in der
anerkannten Lehrrettungswache Notfallrettung eingesetzt
• staatliche Prüfung
• jährliche Pflichtfortbildungen
Notfallsanitäter/in • Berufsausbildung gemäß Notfallsanitätergesetz (Not- Jeweiliges Landesrettungsdienstgesetz beachten!
(NotSan) SanG) Dreijährige Ausbildung inklusive: Zusätzlich zum RA:
• 1.920 Std. schulische Ausbildung • Eigenständiges Durchführen heilkundlicher Maßnah-
• 1.960 Std. praktische Ausbildung an einer staatlich men, die durch zuständige Ärzte vorgegeben, überprüft
anerkannten Lehrrettungswache. und verantwortet werden
• 720 Std. klinische Ausbildung • Wird künftig eigenverantwortlich als Transportführer in
• staatliche Prüfung der Notfallrettung eingesetzt
• jährliche Pflichtfortbildung
Arzt / Ärztin • ärztliche Vollapprobation Jeweiliges Landesrettungsdienstgesetz beachten!
• jährliche Fortbildungen Zusätzlich zum Arzt:
• (Fach-) Ärztliche Versorgung von Verletzungen und
Erkrankungen vor Ort
Notarzt / Notärztin • Zusatzausbildung für Ärzte mit Vollapprobation für die Jeweiliges Landesrettungsdienstgesetz beachten!
(NA) Tätigkeit im Rettungsdienst Zusätzlich zum Arzt:
• Fachkundenachweis / Zusatzbezeichnung • Erfahrung in der Durchführung notfallmedizinischer
• jährliche Fortbildungen Maßnahmen, wie die Gabe schmerznehmender Medi-
kamente, Sicherung der Atemwege etc.
• klinische Erfahrung
• Medizinischer Einsatzleiter

79
3
Genehmigungsbehörde eingereicht wird, die bei bezeichnung „Notfallmedizin“ oder Fachkunde-
Zustimmung die Bemessung und Qualifikation nachweis „Rettungsdienst“). Der Begriff „Stär-
der Kräfte übernimmt. Für bestimmte Positi- ke“ definiert hier darüber hinaus die Anzahl an
onen (z. B. die Besetzung eines Rettungswa- Personen in der jeweiligen Qualifikation.
gens) ist gegebenenfalls das gültige Landesret-
tungsdienstgesetz zu berücksichtigen. Die Bemessung kann entsprechend nachste-
hender Übersicht analog der Landeshauptstadt
Die Qualifikation der einzelnen Einsatzkräfte ist München erfolgen, wobei hier der leistungsfä-
detailliert darzustellen, z. B. Sanitäter, Sanitäts- hige öffentlich-rechtliche Rettungsdienst mit
helfer, Rettungssanitäter, Rettungsassistent, berücksichtigt ist.
Notfallsanitäter, Arzt, Notarzt (Arzt mit Zusatz-

Sanitätsdienstbemessung

Gesamtpunktzahl =
Punktwert · Risikomultiplikator Risikozuschläge
+ Summe der Risikozuschläge

Punktwert ermitteln Risikomultiplikator gewaltbereites ja Risiko-


Publikum zuschlag 1-2
allgemein 1
Besucherzahl Punktwert Motorsport bis 1,5 nein
Sport- ja Radsport bis 1,5 Personen mit ja Risiko-
Veranstaltung Inline-Skating 1,5 Sicherheitsstufe zuschlag 1-2
500 - 1.500 1 Flug-VA bis 2
Fußball 1,2 nein
1.501 - 3.000 2 nein
3.001 - 6.000 3 Erfahrungen Ja Risiko-
6.001 - 10.000 4 Verkaufs- ja Ausstellungen 0,7 bis 1 aus früheren VA zuschlag 1-2
10.001 - 15.000 5 Veranstaltung Messen 0,5 bis 0,8
15.001 - 20.000 6 nein
20.001 - 30.000 7 nein ja Risiko-
(erwartetes)
30.001 - 40.000 8 Wetterrisiko zuschlag 1,5
ja Klassikkonzert 0,8
40.001 - 50.000 9 Musik-
Veranstaltung Sonstiges Konzert bestuhlt 1 bis 1,5
50.001 - 60.000 10 nein
Sonstiges Konzert unbestuhlt 1,2 bis 2
60.001 - 70.000 11 starker Alkohol- ja Risiko-
70.001 - 80.000 12 nein und Drogenkonsum zuschlag 1-2
80.001 - 90.000 13 Fasching 1,2 bis 1,5
90.001 - 100.000 14 sonstige ja Theater 1 nein
Veranstaltungen Zirkus 1,1
Stadtteilfest 1 ja Risiko-
Brandrisiko
zuschlag 1-2

Gesamtpunktzahl
Punktwert • Risikomultiplikator + Summe Risikozuschläge =

mithilfe der Gesamtpunktzahl Qualifikation ermitteln

Gesamtpunktzahl 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 15 17 18 19 20 21 22 23 24 25
Anzahl der Sanitätshelfer 2 3 4 4 6 10 14 18 22 26 30 34 38 42 46 50 54 58 62 66 70 74 78 82 86
davon Rettungssanitäter 1 1 2 2 3 4 5 6 7 8 9 10 12 13 14 16 17 18 19 20 21 22 23 23
Anzahl der Ärzte 1 1 1 2 2 3 3 3 4 4 4 5 5 5 6 6 6 6 6 7 7
davon Notärzte 1 1 1 1 2 2 2 2 2 3 3 3 4 4 4 4 5 5 5 6
TEL-Sanitätsdienst X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X
Vorlage des Sanitätsdienstkonzeptes X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X
Anzahl der Sanitätsdienststationen/-fahr­
1 1 2 3 3 3 4 5 5 6 6 6 7 7 7 8 8 8 9 9 9 10 10
zeuge bzw. Einhaltung einer 4.min-Hilfsfrist
Anzahl der AEDs 1 1 2 3 3 3 4 5 5 6 6 6 7 7 7 8 8 8 9 9 9 10 10

Abb. 45: Sanitätsdienstbemessung in der Landeshauptstadt München

80
3
n Einfluss des Wetters auf die Arbeit des als ungünstig kann das Wetterrisiko betrach-
Sanitätsdienstes tet werden, wenn:
Ein (erwartetes) Wetterrisiko kann einen erheb-
lichen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit des • hohe Temperaturen (über 25 °C) vor allem in
Sanitätsdienstes haben. Beispielsweise können Verbindung mit einer hohen Luftfeuchtigkeit
Glatteis oder sehr hohe Temperaturen zu einer (höher 70% relativ) erwartet werden
merklichen Erhöhung der Versorgungen durch • niedrige Temperatuten (unter 0 °C) in Ver­
den Sanitätsdienst führen. Kann von einem bindung mit Regen oder Wind zu erwarten sind
Wetterrisiko für die Veranstaltung, z. B. aufgrund • hohe oder niedrige Temperaturen „untypisch“
der Jahreszeit, ausgegangen werden, muss dies auftreten (z. B. Frost im Mai oder schwülwar-
in der Bemessung des Sanitätsdienstes Berück- mes Wetter nach mehreren kalten Festivalta-
sichtigung finden und gegebenenfalls die Stärke gen) und die Besucher keine Möglichkeit haben
der Kräfte zu Veranstaltungsbeginn angepasst sich im Vorfeld hierauf einzustellen (Mitnahme
werden. warmer Kleidung und Getränke beziehungswei-
se Sonnenschutz etc.)
Bei einer Biathlonveranstaltung im Januar muss • ergiebiger Regen, starker Wind, Schneefall,
beispielsweise mit kalten Temperaturen, Schnee- Glatteis und / oder ein Wetterwechsel zu erwar-
fall und Glätte gerechnet werden. Dies kann zu ten sind
einer großen Anzahl von z. B. Unterkühlungen
und Verletzungen durch Stürze, sowohl bei den als sehr ungünstig kann das Wetterrisiko
Sportlern wie auch den Zuschauern, führen. betrachtet werden, wenn:
Ausreichende Kapazitäten des Sanitätsdienstes,
aber auch des Rettungsdienstes, müssen daher • sehr hohe Temperaturen (über 35 °C) erwartet
eingeplant werden und zur Verfügung stehen. werden
Gleichzeitig wirken sich die Witterungseinflüsse • sehr niedrige Temperaturen (unter -10 °C)
auf den Sanitätsdienst selbst aus: Die Erstversor- erwartet werden
gungsteams können sich nur langsamer auf dem • Unwetter (Sturm / Orkan, Hagel, Starkregen,
Veranstaltungsgelände bewegen, wenn nasse Gewitter) erwartet werden,
und schlecht begehbare Wege zur Verfügung • eine lange Trockenperiode besteht,
stehen. Gleiches gilt für den Rettungsdienst: • starker Schneefall, Blitzeis und / oder Glatteis
Dessen Kapazitäten können aufgrund der Wit- zu erwarten sind
terung ebenfalls stark ausgelastet sein und die
Straßenverhältnisse eine Einhaltung der Hilfsfris-
ten erschweren, wodurch sich gegebenenfalls
Transporte ins Krankenhaus erheblich verzögern.

Für eine Risikobewertung des Sanitätsdienstes


in Bezug auf ein Wetterrisiko empfehlen sich
insbesondere folgende Punkte:

als günstig kann das Wetterrisiko betrachtet


werden, wenn:

• es sich um eine weitestgehend wetterunab-


hängige Veranstaltung (z. B. in einer Veranstal- Abb. 46: Ein Veranstaltungszelt ist durch einen Sturm
tungshalle) handelt – hierbei sind jedoch die beschädigt worden und droht einzustürzen.
Ein- und Ausgangsbereiche zu berücksichtigen
• von mittleren Temperaturen (ca. 10-25 °C)
ausgegangen werden kann
• kein Wind oder Regen zu erwarten sind

als normal kann das Wetterrisiko betrachtet


werden, wenn:

• von mittleren Temperaturen (ca. 10-25 °C)


Abb. 47: Das Veranstaltungszelt am nächsten Tag.
ausgegangen werden kann Trotz Maßnahmen der Feuerwehr in der Nacht,
• leichter Wind oder Regen zu erwarten sind konnte ein Einsturz nicht verhindert werden. Die Kraft
des Windes war so groß, dass sogar Baucontainer
umgeworfen worden sind.

81
3
n Ausstattung des Sanitätsdienstes
Zur Ausstattung von ortsfesten oder mobilen
Sanitätsstationen beziehungsweise Unfallhilfs-
stellen (UHS) sind durch den Dienstleister in Ab-
stimmung mit den zuständigen Behörden Stan-
dards festzulegen beziehungsweise die (DIN-)
Normen zu beachten. Generell müssen diese
jedoch die qualifizierte Patientenerstversorgung
bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes und
die Umsetzung der gängigen Hygienerichtlinien
ermöglichen. Für eine mobile Sanitätsstation
bietet sich beispielsweise ein Krankentrans-
portwagen oder ein speziell als Sanitätsstation
ausgebauter Pkw-Anhänger mit einer Patien-
tenliege, einer Trage und einem Notfallkoffer
an. Das Material zur Versorgung von Patienten
sollte jedoch in jedem Fall ausreichend sein,
um Bagatellverletzungen und -erkrankungen
versorgen zu können. Hierzu gehört Material zur Abb. 49: Der Patientenraum dieser Unfallhilfsstelle
kann gemäß den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts
Wundversorgung, Schienung von Verletzungen,
gereinigt und desinfiziert werden. Die Verwendung
unterstützender Beatmung, Kühlung, Diag- einer Rolltrage für schwerverletzte bzw. -erkrankte
nostik und zum Wärmeerhalt. Zusätzlich sollte Personen ermöglicht eine patientenschonenden Um-
ein automatisierter externer Defibrillator (AED) lagerung in den Rettungswagen
und Material zur Sauerstoffgabe Standard sein;
sofern dies erforderlich ist und die Qualifikation Die persönliche Schutzausrüstung der Mitarbei-
der Mitarbeiter zur Anwendung vorliegt. ter des Sanitätsdienstes sollte den allgemeinen
arbeitsschutzrechtlichen Vorgaben der Berufs-
genossenschaften entsprechen und mindestens
aus Sicherheitsschuhen Kategorie S3, einer
Hose und Jacke mit Reflexstreifen (gegebe-
nenfalls ist die EN ISO 20471 zu beachten)
sowie einem Helm bestehen. Ein einheitliches
optisches Auftreten sollte Standard sein.

Abb. 48: Unfallhilfsstelle des Malteser Hilfsdienstes


Bremen e.V. auf Anhängerausbau inklusive Kennt-
lichmachung und Kennzeichnung in deutscher und
englischer Sprache

Abb. 50: Beispiel für eine Sanitätsdienstbekleidung

82
3
Die Ausstattung der im Sanitätsdienst einge- wie die Kontaktaufnahme zum Wachhabenden
setzten Fahrzeuge zur Patientenversorgung und der Brandsicherheitswache (sofern vorhanden),
zum Patiententransport sollte den Mindestan- werden ausdrücklich empfohlen. Die Sanitäts-
forderungen der Fahrzeuge des Rettungsdiens- dienststandorte sind deutlich zu kennzeichnen.
tes entsprechen. Diese sind in DIN-Normen Der Sanitätsdienst muss als solcher erkennbar
verankert: DIN EN 1789 (unter anderem KTW, sein.
RTW) und DIN 75079 (NEF).
Die Versorgungen von Patienten sind schriftlich
zu dokumentieren. Die Genehmigungsbehör-
de kann im Auflagenbescheid festlegen, dass
eine Übersicht der erfolgten Versorgungen auf
Verlangen der zuständigen Behörde jederzeit
vorgelegt werden muss und die vollständig
dokumentierten Unterlagen binnen drei Tagen
nach Beendigung des Sanitätsdienstes zur Ver-
fügung gestellt werden können.

Abb. 51: Mitarbeiter eines Sanitätsdienstanbieters


beim Aufbau eines Schnelleinsatzzeltes (in diesem
Fall durch das Bayerische Staatsministerium des In-
nern, für Bau und Verkehr für den Katastrophenschutz
beschafft), wie es beispielsweise auch bei Sanitäts-
diensten eingesetzt werden kann

n Notwendigkeit von Sonderdiensten


(wie Berg-, Wasser- oder Höhlenrettung)
Je nach Örtlichkeit der Veranstaltung kann es
notwendig sein, dass der reguläre Sanitäts- Abb. 52: Versorgung eines Patienten im Biergarten
eines Festzeltes
dienst um Sonderdienste ergänzt wird.
Der Einsatzleiter Sanitätsdienst ist angehalten,
n Durchführung des Sanitätsdienstes umgehend den Veranstalter und die Geneh-
Die Beauftragung eines Sanitätsdienstes sollte migungsbehörde sowie die Leitstelle des
ausschließlich an ein geeignetes, d. h. in der Rettungsdienstes zu verständigen, wenn nach
Durchführung von Sanitätsdiensten erfahrenes eigener Einschätzung die Sanitätsdienstkräfte
Unternehmen erfolgen. Der Sanitätsdienst nicht ausreichend sind.
beginnt in der Regel mit dem Einlass der Besu-
cher, spätestens jedoch sollte er bei Veranstal- Wird die ursprünglich angenommene Besucher-
tungsbeginn aufgenommen werden. Das Ende zahl überschritten oder soll der Sanitätsdienst
orientiert sich an den Besuchern: Der Dienst aufgrund einer geringeren Personenzahl redu-
kann beendet werden, wenn der Großteil der ziert werden, ist hierfür das Einvernehmen der
Besucher die Veranstaltung verlassen hat, so Genehmigungsbehörde erforderlich. Bei einer
dass für die verbleibende Personenzahl kein Überschreitung der angenommenen Besucher-
Sanitätsdienst mehr erforderlich ist. zahl kann eine Erhöhung des Sanitätsdienstes
durch die Genehmigungsbehörde angeordnet
Während der Dienstzeit ist die Erreichbarkeit
werden.
des Sanitätsdienstes über Funk, Festnetzan-
schluss oder die Platzierung an einem festge-
Es wird empfohlen, an der Qualitätssiche-
legten Standort sicherzustellen. Eine Kontakt-
rung und -steigerung des Sanitätsdienstes zu
aufnahme des Einsatzleiters Sanitätsdienst zur
arbeiten und aufgetretene Probleme mit dem
Leitstelle des Rettungsdienstes unter Nennung
Betreiber, Veranstalter und der genehmigenden
des eigenen Namens, der Stärke des Sanitäts-
Behörde zu lösen.
dienstes und der gesicherten Erreichbarkeit so-

83
3
3.3.3. Herstellen des behördlichen Der Grundsatz, dass behördliche Vorgaben auf
einer Rechtsgrundlage basieren und verhältnis-
Einvernehmens mäßig sind, ist natürlich auch bei der Her-
stellung des behördlichen Einvernehmens zu
Der Veranstalter wird analog § 43 Abs. 2 Satz 1
beachten.
MVStättVO per Genehmigungsbescheid ver-
pflichtet, bezüglich seines Sicherheitskonzeptes
Eine Möglichkeit das Verfahren der Abstim-
das Einvernehmen mit den für Sicherheit und
mung zu regeln, ist folgendem Ablaufdiagramm
Ordnung zuständigen Behörden (insbesondere
zu entnehmen:
Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst) herzu-
stellen.

Veranstalter erstellt ein


Sicherheitskonzept

Sicherheitskonzept
Polizei
Version 1

Feuerwehr
Veranstalter stimmt Version
mit den Behörden ab
ggf. über Einheitlichen
Sicherheitsbeh./ Ansprechpartner
Ordnungsamt

ja
Rettungsdienst Einvernehmen

nein

Polizei Sicherheitskonzept
Version 2

Feuerwehr
Veranstalter stimmt Version
mit den Behörden ab
ggf. über Einheitlichen
Sicherheitsbeh./ Ansprechpartner
Ordnungsamt

Rettungsdienst ja
Einvernehmen Ende

nein
Koordinierung des weiteren
Abstimmungsprozesses durch Sicherheitskonzept
Genehmigungsbehörde bzw. Version 3
Einheitlichen Ansprechpartner

Abb. 53: Vorschlag zum Verfahrensablauf zur Abstimmung des Sicherheitskonzeptes.

84
3

85
4

86
4

Genehmigungsverfahren

4.1. Anmeldung der Veranstaltung


4.2. Funktionen der Behörden im Genehmigungsverfahren
4.3. Verfahren / Prüfung
4.4. Einheitlicher Ansprechpartner
4.5. Erstellen von Bescheiden / Interessensabwägung
4.6. Gesetzliche Grundlagen
4.6.1. Bundesrecht
4.6.2. Landesrecht am Beispiel Bayern

4.6.3. Beispiele für weitere Landesrechte mit


Veranstaltungsbezug

4.6.4. Beispiel „Hamburger Fischmarkt“ auf dem


Wittelsbacher Platz in München
4.7. Die Kommune als Veranstalter
4.7.1. Verfahrensrechtliche Konstruktion
4.7.2. „In-sich-Verfahren“
4.7.3. Empfehlung

87
4
4. Genehmigungsverfahren

4.1. Anmeldung der 4.2. Funktionen der Behörden im


Veranstaltung Genehmigungsverfahren
Für eine sachgerechte und abgestimmte Prü- Innerhalb des Genehmigungsverfahrens von
fung müssen die vollständigen und prüffähigen Großveranstaltungen obliegt dem Veranstalter
Veranstaltungsunterlagen, einschließlich des ge- zuallererst die Pflicht, die Veranstaltung anzuzei-
gebenenfalls erforderlichen Sicherheitskonzep- gen beziehungsweise hierfür eine Genehmigung
tes des Veranstalters, rechtzeitig vor Beginn der einzuholen. In der Planungsphase sollte die
Veranstaltung vorliegen. Darauf ist schon beim größtmögliche Sorgfalt auf einen sicheren Ablauf
ersten Kontakt mit dem Veranstalter hinzuwir- der Veranstaltung gelegt werden. Auf Seiten des
ken. Eine rechtliche Vorgabe bzgl. der Zeiträume Veranstalters sollte die Planungsphase so früh
gibt es nicht. wie möglich angesetzt werden, damit genügend
Zeit für die Einordnung von Gefahren sowie die
Folgende Punkte sollten hierbei zumindest dazu notwendigen Abwehrmaßnahmen getrof-
geprüft werden: fen werden können.

• Veranstaltungskonzept / -beschreibung In dieser Phase sollten zeitnah alle zuständigen


• Pläne (Lage-, Aufbau-, Bestuhlungspläne) Fachbehörden mit einbezogen werden. Die
- Darstellung im korrekten Maßstab Planung obliegt dem Veranstalter. Die Behör-
- Lesbarkeit den prüfen im Anschluss die Planungen auf
- Aussagekraft (wesentliche Informationen Schlüssigkeit und ergänzen gegebenenfalls ihre
enthalten) eigenen Vorhalteplanungen (etwa eine stärkere
- Aktualität Wachbesetzung einer Feuerwache). Im Zuge
- Umgriff der Antragstellung erwarten den Veranstalter
• Besucherzahl gesamt / zeitgleich verschiedene Pflichten, wie etwa Brandschutz,
• Sicherheitskonzept Sanitätsdienstvorhaltung, privater Ordnungs-
- Rettungswegnachweis dienst, Verkehrsmaßnahmen, Immissionsschutz
- Verkehrskonzept sowie eine genaue Analyse von Gefährdungspo-
- Überfüllungs- / Räumungskonzept tenzialen und die Ausarbeitung eines Sicherheits-
konzeptes, welches die konkreten Gefährdun-
Ebenso sollte der Veranstalter darauf hingewie- gen berücksichtigt und geeignet ist, bereits im
sen werden, dass die Veranstaltung erst mit Vorfeld diese möglichst zu vermeiden oder das
Vorliegen der vollständigen und aussagekräf- Risiko weitestgehend zu minimieren.
tigen Unterlagen umfassend geprüft werden
kann. Fehlende oder unzureichende Unterlagen Gleichzeitig muss das Sicherheitskonzept
sollten zeitnah nachgefordert werden. beschreiben, welche Maßnahmen zu unterneh-
men sind, wenn es tatsächlich zu Gefährdungen
Es empfiehlt sich seitens der Behörden ein- und Schäden kommt. Dabei ist die Erstellung
heitliche Anmeldeformulare vorzuhalten, die eines Sicherheitskonzeptes Pflicht, wenn die
die wesentlichen Angaben abfragen und eine Genehmigungsbehörde diese fordert. Ansonsten
Übersicht über die regelmäßig einzureichenden ist dies eine freiwillige Leistung. Die einzelnen
ergänzenden Unterlagen enthalten. Diese For- Fachbehörden müssen bzw. sollten die von
mulare sollten im Internet abrufbar sein. ihnen gestellten Auflagen vor Ort während der
Veranstaltung überprüfen. Die Genehmigungsbe-
hörde – als Bescheidersteller – hat die Umset-
zung dieser Auflagen durchzusetzen und ggfs.
Sanktionen gegenüber dem Veranstalter einzu-
leiten. Wird durch die Genehmigungsbehörde,
die Ordnungsbehörde, die polizeiliche oder die
nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr ein Sicherheits-
konzept gefordert, ist dies durch die Genehmi-
gungsbehörde beim Veranstalter einzufordern.
88
4
4.3. Verfahren / Prüfung - Rauchableitung
- Nachweis der Standsicherheit (gegebenen
Am Anfang des Verfahrens sollte geklärt wer- falls durch einen Statiker)
den, welche rechtlichen Vorgaben zu beachten - Brennbarkeit verwendeter Baustoffe
sind beziehungsweise eingehalten werden - Türen im Rettungsweg
müssen (s. Kapitel 4.6.). Daraus ergibt sich • Anordnung der Bestuhlung / Stehplätze
welche Erlaubnisse / Genehmigungen erteilt • Angaben zur Sicherheitsbeleuchtung
werden müssen / notwendig sind. Sollten diese • Angaben zu Feuerlöschgeräten und -einrich-
nicht durch den Einheitlichen Ansprechpartner tungen
(s. Kapitel 4.4.) erteilt werden können, sind • Verkehrskonzept schlüssig und ausreichend
die zuständigen Dienststellen zu ermitteln und umfassend?
die Unterlagen entsprechend weiterzuleiten. - verkehrliche Anordnungen notwendig?
Parallel wird durch den Einheitlichen Ansprech- - Kennzeichenvornotierung?
partner beziehungsweise die einzelnen Geneh- - Einbezug ÖPNV
migungsbehörden das Anhörungsverfahren mit • Konzept zur Ver- und Entsorgung
Weiterleitung der Unterlagen an die Fachdienst- - Toiletten (inkl. Personaltoiletten)
stellen gestartet. - Abfallentsorgung
- Mehrweg / Pfandsystem
Die zutreffenden Rechtsvorschriften sind zu be- - Lieferverkehr
achten beziehungsweise im Falle einer Abwei- • Regelungen zu offenem Feuer, Pyrotechnik /
chung ist die gleiche Sicherheit nachzuweisen. Feuerwerk
Handelt es sich um ein Gesetz oder eine andere • Angaben zu wetterabhängigen Maßnahmen
Rechtsnorm ist gegebenenfalls formell eine • Verwendung brennbarer Flüssigkeiten / Gasen
Abweichung erforderlich (z. B. bei Abweichun- • Anforderungen an Materialien (Dekorationen /
gen von der Versammlungsstättenverordnung, Ausschmückungen)
soweit deren Anwendungsbereich eröffnet ist). - Schwerentflammbarkeit
Bei einer Abweichung von materiellen Vorgaben - Nichtbrennbarkeit
technischer Baubestimmungen reicht allein der • Kommunikationsliste
Nachweis der gleichen Sicherheit (z. B. Richtli- • Blitzschutz
nie über Flächen für die Feuerwehr). • Überfüllungs- / Räumungskonzept schlüssig
und ausreichend umfassend?
Folgende Punkte sollten beispielhaft zumindest • Information der Besucher möglich?
geprüft werden: • Orientierung für Einsatzkräfte ausreichend
möglich?
• Sicherheitskonzept notwendig? • Löschwasserversorgung sichergestellt?
• Höchstbesucherzahl • Ordnungsdienst beziehungsweise Sanitäts-
- Rettungswegnachweis dienst
- Flächennachweis - Personalansatz
• Rettungswege - Verteilung
- Führung - Aufgaben
- Dimensionierung - Qualifikation beziehungsweise Notwendig-
• Raumplanung (WC, Gastronomie, Besucher- keit Sonderdienste
flächen, Bühnen etc.)
- Stauflächen Darüber hinaus ist intern zu prüfen, ob die
- keine Sackgassen Erstellung von Einsatzplanungen / -konzepten
- getrennte Rettungswegführung erforderlich und diese zwischen den Behör-
• An- / Um- / Abfahrten für Einsatzfahrzeugen den ausreichend abgestimmt sind. Dies kann
- innerhalb des Geländes beispielsweise über den Sicherheitskoeffizient
- für die angrenzende Bebauung Brandschutz nach der Münchener Methode
• Abstände Aufbauten geschehen. Aus dem dort hinterlegten Maßnah-
- untereinander menkatalog ergibt sich dann auch, ob beispiels-
- zur angrenzenden Bebauung weise eine Information an den Einsatzführungs-
• Gitteranordnung (Zuwegung, Absperrung nicht dienst erforderlich ist.
zugänglicher Bereiche, Rettungswege etc.)
• Abschrankungen vor Stehplatzflächen
• Angabe zum Gebäude (vorübergehende Nut-
zung als Versammlungsstätte)
- Angaben zum Feuerwiderstand wesent-
licher Bauteile

89
4
4.4. Einheitlicher Ansprechpartner Dem Antragsteller einer Veranstaltung wird
ermöglicht, die für eine Veranstaltung nötigen
Der Anknüpfungspunkt für die Errichtung eines Genehmigungsverfahren, Formalitäten und alle
Einheitlichen Ansprechpartners (E. A.) ist die in anderen Behördenläufe ausnahmslos über die
Europa stetig anwachsende Herausforderung einheitliche Stelle abzuwickeln, ohne sich an
in Hinblick auf die Bewältigung verwaltungs- jede einzelne dieser Behörden direkt wenden zu
verfahrensrechtlicher Anforderungen bei der müssen. Damit ist gemeint, dass der Antrag-
Ausübung von Dienstleistungen. Je nach Art steller einer Veranstaltung von der Einholung
und Umfang einer wirtschaftlichen Tätigkeit notwendiger Auskünfte bis zur Entgegennahme
können viele verschiedene Verwaltungsverfah- einer abschließenden Behördenentscheidung
ren bei unterschiedlichen Behörden erforderlich nur mit der einheitlichen Stelle korrespondiert.
sein. Der E. A. soll hier anknüpfen und für den Dabei kann es sein, dass der Antragsteller mit
Veranstalter die erste und in der Regel einzige der zuständigen Behörde insofern keinen Kon-
Anlaufstelle sein. takt mehr hat. Zwingend ist dies nicht.

Zentralistisch für die Etablierung des E. A. bei In schwierigen Fallkonstellationen oder Unsi-
Veranstaltungen ist das der Europäischen Richt- cherheiten rund um das Genehmigungsverfah-
linie zugrunde liegende Verwaltungsverständnis, ren steht es dem Veranstalter immer noch frei,
welches den Apparat der Verwaltung als Dienst- die jeweils zuständige Behörde aufzusuchen.
leister betrachtet, dessen Fokus es sein soll,
Privaten grundsätzlich wenige Hinder­nisse bei Funktional erweist sich die einheitliche Stelle
der Ausübung ihrer Dienstleistungsfreiheit zu mithin als „Verfahrensrechtlich kanalisierend
bereiten. Der Einsatz des E. A. bei Veranstaltun- wirkende Vorschaltlösung“ (Huck in Bader,
gen eröffnet die Frage seiner Begriffsbeschrei- Johann / Ronellenfitsch, Michael, Kommentar
bung. Das Verfahren ist im Abschnitt 1a in den zum VwVfG, § 71a Rn. 33). Bei Veranstaltungen
§§ 71 a – 71 e Verwaltungsverfahrensgesetz wird ihre Hauptaufgabe darin liegen, parallele
(VwVfG) geregelt. Der Abschnitt selbst trägt die und behördenübergreifende Entscheidungspro-
Überschrift „… Verfahren über eine einheitliche zesse im Interesse des Antragstellers zu bün-
Stelle …“ und in § 71 a Abs. 1 VwVfG heißt es deln, weitgehend zu organisieren und ständigen
„… dass ein Verwaltungsverfahren über eine Kommunikationskontakt zum Antragsteller und
einheitliche Stelle abgewickelt werden kann …“ zur zuständigen Behörde zu halten (zur Etablie-
Das Gesetz spricht dem Wortlaut nach von der rung des E. A. auf kommunaler Ebene:
Einrichtung einer „einheitlichen Stelle“. s. Veranstaltungs- und Versammlungsbüro
(VVB) der Landeshauptstadt München (http://
Der E. A. wäre die erste und in der Regel die www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/
einzige Anlaufstelle zur Einholung der Geneh­ Kreisverwaltungsreferat/Veranstaltungs-und-
migung / Erlaubnis zur Durchführung von Ver­- Versammlungsbuero.html).
anstaltungen. Die Funktion der einheitlichen
Stelle besteht darin, dem Antragsteller einer 4.5. Erstellen von Bescheiden /
Veranstaltung eine erste Orientierung über alle Interessensabwägung
entsprechenden Vorschriften und notwendigen
Verfahren sowie die jeweils zuständigen Behör- Vor Erstellung eines Veranstaltungsbescheides
den zu geben. Damit verbunden ist allerdings sind viele verschiedene fachliche Fragen, in der
keine rechtliche Beratung. Als erste Anlaufstelle Regel durch Einbindung von Fachdienststellen,
kann die mit einer Veranstaltung verzahnte zu klären.
gesamte Verfahrenskorrespondenz mit den
zuständigen Behörden abgewickelt werden. Gleichgültig auf welcher Rechtsgrundlage der
abschließende Bescheid ergeht, es handelt sich
Die einheitliche Stelle fungiert hier als „Lotse“, immer um Ermessensentscheidungen, denen
der das eigentliche Verwaltungsverfahren nicht eine Abwägung vorangehen muss. Gerade im
selbst durchführt. Er muss aber über den jewei­- Falle von Veranstaltungen bestehen oft viele
ligen Verfahrensstand den Antragsteller einer unterschiedliche Interessen, auch unter den ver-
Veranstaltung informieren. Die bestehenden Zu- schiedenen Sicherheitsbehörden, die am Ende
ständigkeiten bleiben erhalten; sie bekommen idealerweise alle in Einklang gebracht wurden.
keine andere rechtlich ausgestaltete Richtung.

90
4
Das Genehmigungsverfahren beginnt mit der
Planungsphase, also dann wenn der Veranstal-
ter die Genehmigungsbehörde kontaktiert. In
vielen Kommunen gibt es bereits einen E. A.
(s. Kapitel 4.4.) als zentrale Anlaufstelle für den
Veranstalter, die die Einbindung der Fachdienst-
stellen koordiniert, so dass der Veranstalter
einen zentralen Ansprechpartner hat anstelle
von vielen Anlaufstellen. Ein weiterer Vorteil ist,
dass keine Fachdienststelle vergessen werden
kann. In der Landeshauptstadt München nimmt
beispielsweise das Veranstaltungs- und Ver-
sammlungsbüro (VVB) diese Aufgabe wahr.

In kreisangehörigen Kommunen sollte ab einer


gemeinsam festgelegten Größe der Veranstal-
Abb. 54: Am Ende des Genehmigungsverfahrens tung das Einvernehmen des Landratsamtes
steht der Genehmigungsbescheid.
zum Genehmigungsbescheid eingeholt werden,
da ab einer gewissen Größenordnung dessen
Bei Veranstaltungen können nicht selten die
Belange betroffen sind. Dies betrifft die Belange
fachlichen Vorgaben einzelner Dienststellen
des Katastrophenschutzes, des ÖPNV und
voneinander abweichen oder sogar völlig diver-
anderer überregionaler Angelegenheiten.
gieren.

Beispielsweise kann es Vorgabe der Polizei 4.6. Gesetzliche Grundlagen


sein, bei einer Veranstaltung mit einer schutz-
bedürftigen, gefährdeten Person ausreichend Die hier aufgeführten und zitierten Rechts-
Abstand und Absperrungen zwischen Zuschau- quellen sollen lediglich einen Überblick ver-
er und Aufenthaltsbereich der Schutzperson mitteln. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit
sicherzustellen. Die Forderung nach Absperrung der zur Verfügung gestellten Gesetze und Ver-
wird aber von der Feuerwehr nicht mitgetragen, ordnungen wird keine Haftung übernommen.
da diese die Rettungswege versperren und eine Maßgebend ist allein die durch den jeweiligen
Entfluchtung behindern. Gesetzgeber verkündete amtliche Fassung
des Gesetzes oder der Rechtsverordnung
Jede der Anforderungen ist für sich genommen nach geltendem Recht.
nachvollziehbar und richtig. Im Ergebnis sollten
beide Vorgaben beachtet werden. Es besteht Die hier verwendeten Texte sind aus den digi-
somit ein klassischer Zielkonflikt, für den eine tal abrufbaren Internetquellen der jeweiligen
möglichst einvernehmliche Lösung gefunden Gesetzesgeber entnommen. Die aktuellen
werden muss. Fassungen sind im Internet zu finden unter:

Bei einer Veranstaltung bei der ein Sicherheits- Bundesgesetze: www.gesetze-im-internet.de


konzept des Veranstalters vorliegt ist es, auch
wenn (gerade im Abstimmungsprozess mit den Landesgesetze: jeweilige Verkündungsplatt-
Behörden) viele behördliche Auflagen Eingang form des Bundeslandes, z. B.
in das Konzept finden, nach wie vor erforderlich, www.gesetze-bayern.de
die Auflagen zum Bestandteil der Genehmigung
zu machen. Somit ist es möglich, Verstöße Die gesetzlichen Grundlagen zur Erteilung der
auf Grundlage der Genehmigung rechtlich Genehmigung einer Veranstaltung können
zu verfolgen. Das Sicherheitskonzept ist ein unterschiedlich sein und geben der Geneh-
Konzept des Veranstalters oder Betreibers und migungsbehörde die Möglichkeit, Auflagen
basiert auf dem Veranstaltungskonzept. Im und Maßnahmen auf gesetzlicher Grundlage
Bescheid kann jedoch auf einzelne Passagen festzusetzen beziehungsweise durchzuführen.
des Sicherheitskonzeptes Bezug genommen Der Grundsatz von Ermessen und Verhältnis-
werden (z. B. „Die Anzahl sowie die Besetzung mäßigkeit muss jedoch immer gewahrt bleiben.
des Ordnungsdienstpersonals richtet sich nach
dem im anliegenden Sicherheitskonzept des
Veranstalters aufgeführten Einsatzplan für den
Ordnungsdienst“).

91
4
erteilt werden, wenn der Veranstalter eine
von dem für seinen Wohnsitz oder in Erman-
gelung eines solchen von dem für seinen
gewöhnlichen Aufenthaltsort zuständigen
Landeskriminalamt erteilte Unbedenklich-
keitsbescheinigung oder einen Abdruck der
Unbedenklichkeitsbescheinigung im Sinne
des § 33e [Bauartzulassung und Unbedenk-
lichkeitsbescheinigung; Anm. der Autoren]
Abs. 4 besitzt. § 33d Abs. 1 Satz 2, Abs. 3
bis 5, die §§ 33e, 33f [Ermächtigung zum
Erlass von Durchführungsvorschriften; Anm.
der Autoren] Abs. 1 und 2 Nr. 1 sowie die
§§ 33g [Einschränkung und Ausdehnung der
Erlaubnispflicht, Anm. der Autoren] und 33h
[Spielbanken, Lotterien, Glücksspiele; Anm.
der Autoren] gelten entsprechend.
(3) Wer im Reisegewerbe eine Spielhalle
oder ein ähnliches Unternehmen be-
Abb. 55: Zur rechtssicheren Bearbeitung einer Veran-
staltung gehört auch die entsprechende Archivierung
treiben will, bedarf der Erlaubnis der für
der relevanten Unterlagen. den jeweiligen Ort der Gewerbeausübung
zuständigen Behörde. § 33i [Spielhallen und
Die Vorschriften, die bei Veranstaltungen zur An- ähnliche Unternehmen; Anm. der Autoren]
wendung kommen, können von gewerberecht- gilt entsprechend.
lichen über straßenrechtliche und baurechtliche (4) [...]
bis hin zu sicherheitsrechtlichen Vorschriften
reichen. Dabei ist es möglich, dass ein und die- § 60b GewO Volksfest
selbe Veranstaltung je nach Schätzung und Ge- (1) Ein Volksfest ist eine im allgemeinen regel-
wichtung der jeweiligen Genehmigungsbehörde mäßig wiederkehrende, zeitlich begrenzte
in der ersten Gemeinde ohne Genehmigung Veranstaltung, auf der eine Vielzahl von
durchgeführt werden kann, sie in der zweiten Anbietern unterhaltende Tätigkeiten im Sin-
einer Marktfestsetzung nach dem Gewerbe- ne des § 55 Abs. 1 Nr. 2 ausübt und Waren
recht bedarf und sie in der dritten als bauliche feilbietet, die üblicherweise auf Veranstal-
Anlage definiert wird. Insbesondere folgende tungen dieser Art angeboten werden.
Vorschriften sind bei der Genehmigung und (2) § 68a Satz 1 erster Halbsatz und Satz 2,
Durchführung von Veranstaltungen relevant: § 69 Abs. 1 und 2 sowie die §§ 69a bis 71a
finden entsprechende Anwendung; jedoch
bleiben die §§ 55 bis 60a und 60c bis 61a
4.6.1. Bundesrecht sowie 71b unberührt.
4.6.1.1. Gewerberecht (3) (weggefallen)

Das Gewerberecht gilt, wenn die Veranstaltung § 68 GewO Spezialmarkt und Jahrmarkt
einen gewerblichen Charakter hat: (1) Ein Spezialmarkt ist eine im allgemeinen
regelmäßig in größeren Zeitabständen
Gewerbeordnung (GewO) wiederkehrende, zeitlich begrenzte Veran-
staltung, auf der eine Vielzahl von Anbietern
§ 60a GewO Veranstaltung von Spielen bestimmte Waren feilbietet.
(1) (weggefallen) (2) Ein Jahrmarkt ist eine im allgemeinen regel-
(2) Warenspielgeräte dürfen im Reisegewer- mäßig in größeren Zeitabständen wieder-
be nur aufgestellt werden, wenn die Vo- kehrende, zeitlich begrenzte Veranstaltung,
raussetzungen des § 33c [Spielgeräte mit auf der eine Vielzahl von Anbietern Waren
Gewinnmöglichkeit; Anm. der Autoren] Abs. aller Art feilbietet.
1 Satz 2 erfüllt sind. Wer im Reisegewer- (3) Auf einem Spezialmarkt oder Jahrmarkt
be ein anderes Spiel im Sinne des § 33d können auch Tätigkeiten im Sinne des
[andere Spielgeräte mit Gewinnmöglichkeit; § 60b [Volksfest; Anm. der Autoren] Abs. 1
Anm. der Autoren] Abs. 1 Satz 1 veran- ausgeübt werden; die §§ 55 bis 60a und 60c
stalten will, bedarf der Erlaubnis der für bis 61a [diese betreffen das Reisegewerbe;
den jeweiligen Ort der Gewerbeausübung Anm. der Autoren] bleiben unberührt.
zuständigen Behörde. Die Erlaubnis darf nur

92
4
§ 69 GewO Festsetzung 4.6.1.2. Gaststättengesetz (GastG)
(1) Die zuständige Behörde hat auf Antrag
des Veranstalters eine Veranstaltung, die Eine Gestattung ist erforderlich für den Aus-
die Voraussetzungen der §§ 64, 65, 66, 67 schank von Alkohol außerhalb von konzessio-
oder 68 erfüllt, nach Gegenstand, Zeit, Öff- nierten Gaststätten.
nungszeiten und Platz für jeden Fall der
Durchführung festzusetzen. Auf Antrag § 12 GastG Gestattung
können, sofern Gründe des öffentlichen In- (1) Aus besonderem Anlass kann der Betrieb
teresses nicht entgegenstehen, Volksfeste, eines erlaubnisbedürftigen Gaststättenge-
Großmärkte, Wochenmärkte, Spezialmärkte werbes unter erleichterten Voraussetzun-
und Jahrmärkte für einen längeren Zeitraum gen vorübergehend auf Widerruf gestattet
oder auf Dauer, Messen und Ausstellungen werden.
für die innerhalb von zwei Jahren vorgesehe- (2) (weggefallen)
nen Veranstaltungen festgesetzt werden. (3) Dem Gewerbetreibenden können jeder-
(2) Die Festsetzung eines Wochenmarktes, ei- zeit Auflagen erteilt werden.
nes Jahrmarktes oder eines Spezialmarktes
verpflichtet den Veranstalter zur Durch- § 18 GastG Sperrzeit
führung der Veranstaltung. (1) Für Schank- und Speisewirtschaften sowie
(3) Wird eine festgesetzte Messe oder Ausstel- für öffentliche Vergnügungsstätten kann
lung oder ein festgesetzter Großmarkt nicht durch Rechtsverordnung der Landesre-
oder nicht mehr durchgeführt, so hat der gierungen eine Sperrzeit allgemein fest-
Veranstalter dies der zuständigen Behörde gesetzt werden. In der Rechtsverordnung
unverzüglich schriftlich anzuzeigen. ist zu bestimmen, dass die Sperrzeit bei
Vorliegen eines öffentlichen Bedürfnisses
§ 69a GewO Ablehnung der Festsetzung, oder besonderer örtlicher Verhältnisse allge-
Auflagen mein oder für einzelne Betriebe verlängert,
(1) Der Antrag auf Festsetzung ist abzulehnen, verkürzt oder aufgehoben werden kann. Die
wenn Landesregierungen können durch Rechts-
1. die Veranstaltung nicht die in den §§ 64, verordnung die Ermächtigung auf oberste
65, 66, 67 oder 68 aufgestellten Voraus- Landesbehörden oder andere Behörden
setzungen erfüllt, übertragen.
2. Tatsachen die Annahme rechtfertigen, (2) (weggefallen)
dass der Antragsteller oder eine der mit
der Leitung der Veranstaltung beauf- 4.6.1.3. Straßenverkehrsrecht
tragten Personen die für die Durchfüh-
rung der Veranstaltung erforderliche Straßenverkehrsordnung (StVO)
Zuverlässigkeit nicht besitzt, für den Fall, dass durch die Veranstaltung die
3. die Durchführung der Veranstaltung öffentlichen Verkehrsflächen mehr als übermä-
dem öffentlichen Interesse wider- ßig genutzt werden:
spricht, insbesondere der Schutz der
Veranstaltungsteilnehmer vor Gefahren für § 29 StVO übermäßige Straßennutzung
Leben oder Gesundheit nicht gewährleis- (1) Rennen mit Kraftfahrzeugen sind verboten.
tet ist oder sonstige erhebliche Störungen (2) Veranstaltungen, für die Straßen mehr als
der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung verkehrsüblich in Anspruch genommen
zu befürchten sind oder werden, bedürfen der Erlaubnis. Das ist der
4. die Veranstaltung, soweit es sich um einen Fall, wenn die Benutzung der Straße für den
Spezialmarkt oder einen Jahrmarkt han- Verkehr wegen der Zahl oder des Verhaltens
delt, vollständig oder teilweise in Ladenge- der Teilnehmenden oder der Fahrweise der
schäften abgehalten werden soll. beteiligten Fahrzeuge eingeschränkt wird;
(2) Die zuständige Behörde kann im öffentli- Kraftfahrzeuge in geschlossenem Verband
chen Interesse, insbesondere wenn dies zum nehmen die Straße stets mehr als verkehrs-
Schutz der Veranstaltungsteilnehmer vor Ge- üblich in Anspruch. Veranstaltende haben
fahren für Leben oder Gesundheit oder sonst dafür zu sorgen, dass die Verkehrsvor-
zur Abwehr von erheblichen Gefahren für die schriften sowie etwaige Bedingungen und
öffentliche Sicherheit oder Ordnung erforder- Auflagen befolgt werden.
lich ist, die Festsetzung mit Auflagen ver- (3) [...]
binden; unter denselben Voraussetzungen ist
auch die nachträgliche Aufnahme, Änderung
und Ergänzung von Auflagen zulässig.

93
4
§ 33 StVO Verkehrsbeeinträchtigungen betreiben, Waren oder Leistungen auf
(1) Verboten ist der Straße anzubieten (§ 33 Absatz 1
1. der Betrieb von Lautsprechern, Nummer 1 und 2);
2. das Anbieten von Waren und Leistun- 10. vom Verbot der Werbung und Propagan-
gen aller Art auf der Straße, da in Verbindung mit Verkehrszeichen
3. außerhalb geschlossener Ortschaften (§ 33 Absatz 2 Satz 2) nur für die Flächen
jede Werbung und Propaganda durch von Leuchtsäulen, an denen Haltestel-
Bild, Schrift, Licht oder Ton, wenn lenschilder öffentlicher Verkehrsmittel
dadurch am Verkehr Teilnehmende in angebracht sind;
einer den Verkehr gefährdenden oder 11. [...]
erschwerenden Weise abgelenkt oder 12. von dem Nacht- und Sonntagsparkverbot
belästigt werden können. Auch durch (§ 12 Absatz 3a).
innerörtliche Werbung und Propaganda [...]
darf der Verkehr außerhalb geschlosse- (2) Die zuständigen obersten Landesbehörden
ner Ortschaften nicht in solcher Weise oder die nach Landesrecht bestimmten
gestört werden. Stellen können von allen Vorschriften dieser
(2) Einrichtungen, die Zeichen oder Verkehrs- Verordnung Ausnahmen für bestimmte
einrichtungen (§§ 36 bis 43 in Verbindung Einzelfälle oder allgemein für bestimmte
mit den Anlagen 1 bis 4) gleichen, mit ihnen Antragsteller genehmigen. Vom Sonn- und
verwechselt werden können oder deren Feiertagsfahrverbot (§ 30 Absatz 3) können
Wirkung beeinträchtigen können, dürfen sie darüber hinaus für bestimmte Straßen
dort nicht angebracht oder sonst verwen- oder Straßenstrecken Ausnahmen zulassen,
det werden, wo sie sich auf den Verkehr soweit diese im Rahmen unterschiedlicher
auswirken können. Werbung und Propagan- Feiertagsregelung in den Ländern (§ 30
da in Verbindung mit Verkehrszeichen und Absatz 4) notwendig werden. Erstrecken
Verkehrseinrichtungen sind unzulässig. sich die Auswirkungen der Ausnahme über
(3) [...] ein Land hinaus und ist eine einheitliche
Entscheidung notwendig, ist das Bundesmi-
Für den Fall, dass eine Ausnahmegenehmigung nisterium für Verkehr und digitale Infrastruk-
benötigt wird: tur zuständig; das gilt nicht für Ausnahmen
vom Verbot der Rennveranstaltungen (§ 29
§ 46 StVO Ausnahmegenehmigung und Absatz 1).
Erlaubnis (3) Ausnahmegenehmigung und Erlaubnis
(1) Die Straßenverkehrsbehörden können in können unter dem Vorbehalt des Widerrufs
bestimmten Einzelfällen oder allgemein für erteilt werden und mit Nebenbestimmungen
bestimmte Antragsteller Ausnahmen geneh- (Bedingungen, Befristungen, Auflagen) ver-
migen sehen werden. Erforderlichenfalls kann die
1. von den Vorschriften über die Straßenbe- zuständige Behörde die Beibringung eines
nutzung (§ 2); Sachverständigengutachtens auf Kosten des
2. [...] Antragstellers verlangen. Die Bescheide sind
3. von den Halt- und Parkverboten mitzuführen und auf Verlangen zuständigen
(§ 12 Absatz 4); Personen auszuhändigen. [...]
4. vom Verbot des Parkens vor oder gegen- (4) Ausnahmegenehmigungen und Erlaubnisse
über von Grundstücksein- und -ausfahr- der zuständigen Behörde sind für den Gel-
ten (§ 12 Absatz 3 Nummer 3); tungsbereich dieser Verordnung wirksam,
4a. von der Vorschrift, an Parkuhren nur wäh- sofern sie nicht einen anderen Geltungsbe-
rend des Laufens der Uhr, an Parkschein- reich nennen.
automaten nur mit einem Parkschein zu
halten (§ 13 Absatz 1);
4b. von der Vorschrift, im Bereich eines
Zonenhaltverbots (Zeichen 290.1 und
290.2) nur während der dort vorgeschrie-
benen Zeit zu parken (§ 13 Absatz 2);
4c. - 6. [...]
7. vom Sonn- und Feiertagsfahrverbot (§ 30
Absatz 3);
8. vom Verbot, Hindernisse auf die Straße
zu bringen (§ 32 Absatz 1);
9. von den Verboten, Lautsprecher zu

94
4
4.6.2. Landesrecht am Beispiel dies aus Gründen des Straßenbaus oder der
Sicherheit oder Leichtigkeit des Verkehrs
Bayern verlangt.
(2a) Für Sondernutzungen können Sonder-
4.6.2.1. Bayerisches Verwaltungsverfahrens-
nutzungsgebühren erhoben werden. Sie
gesetz (BayVwVfG)
stehen in Ortsdurchfahrten den Gemein-
den, im Übrigen dem Träger der Straßen-
Art. 35 BayVwVfG Begriff des Verwaltungs-
baulast zu. Das Staatsministerium des
akts
Innern regelt die Erhebung und Höhe der
Verwaltungsakt ist jede Verfügung, Entschei-
Sondernutzungsgebühren durch Rechtsver-
dung oder andere hoheitliche Maßnahme, die
ordnung, soweit sie dem Freistaat Bayern
eine Behörde zur Regelung eines Einzelfalls auf
als Träger der Straßenbaulast zustehen. Die
dem Gebiet des öffentlichen Rechts trifft und
Landkreise und Gemeinden können dies
die auf unmittelbare Rechtswirkung nach
durch Satzung regeln, soweit ihnen die
außen gerichtet ist. Allgemeinverfügung ist ein
Sondernutzungsgebühren zustehen. Für die
Verwaltungsakt, der sich an einen nach allge-
Bemessung der Sondernutzungsgebühren
meinen Merkmalen bestimmten oder bestimm-
sind Art und Ausmaß der Einwirkung auf
baren Personenkreis richtet oder die öffentlich-
die Straße und den Gemeingebrauch sowie
rechtliche Eigenschaft einer Sache oder ihre
das wirtschaftliche Interesse des Gebüh-
Benutzung durch die Allgemeinheit betrifft.
renschuldners zu berücksichtigen.
(3) Der Erlaubnisnehmer hat dem Träger der
Art. 40 BayVwVfG Ermessen
Straßenbaulast alle Kosten zu ersetzen,
Ist die Behörde ermächtigt, nach ihrem Ermes-
die diesem durch die Sondernutzung zusätz-
sen zu handeln, hat sie ihr Ermessen entspre-
lich entstehen. Hierfür kann der Träger der
chend dem Zweck der Ermächtigung auszuüben
Straßenbaulast angemessene Vorschüsse
und die gesetzlichen Grenzen des Ermessens
und Sicherheiten verlangen.
einzuhalten.
(4) Der Erlaubnisnehmer ist verpflichtet,
die Sondernutzungsanlagen nach den
4.6.2.2. Bayerisches Straßen- und Wegege-
bestehenden gesetzlichen Vorschriften
setz (BayStrWG)
und allgemein anerkannten Regeln der
Technik zu errichten und zu unterhalten.
§ 18 BayStrWG Sondernutzung nach öffent-
(5) + (6) [...]
lichem Recht
Sobald eine Veranstaltung auf öffentlichen
4.6.2.3. Landesstraf- und Verordnungsgesetz
Straßen, öffentlichen Plätzen und Fußgängerbe-
(LStVG)
reichen stattfindet, ist der Anwendungsbereich
des jeweils gültigen Straßen- und Wegegeset-
Art. 8 LStVG Grundsatz der Verhältnis-
zes (StrWG) beziehungsweise des Bundesfern-
mäßigkeit
straßengesetzes (FStrG) eröffnet. Wenn der
(1) Unter mehreren möglichen und geeigneten
öffentliche Straßenraum über den Gemeinge-
Maßnahmen ist diejenige zu treffen, die den
brauch benutzt wird, ist eine Sondernutzungser-
einzelnen und die Allgemeinheit am wenigs-
laubnis gemäß BayStrWG erforderlich und muss
ten beeinträchtigt.
bei der Straßenbaubehörde beantragt werden:
(2) Ein durch die Maßnahme zu erwartender
Schaden darf nicht erkennbar außer Verhält-
(1) Die Benutzung der Straßen über den
nis zu dem beabsichtigten Erfolg stehen.
Gemeingebrauch hinaus (Sondernutzung)
(3) Maßnahmen sind zu beenden, wenn ihr
bedarf der Erlaubnis der Straßenbaube-
Zweck erreicht ist oder sich zeigt, dass er
hörde, in Ortsdurchfahrten der Erlaubnis
nicht erreicht werden kann.
der Gemeinde, wenn durch die Benutzung
der Gemeingebrauch beeinträchtigt werden
Art. 19 LStVG Veranstaltung von
kann. Soweit die Gemeinde nicht Träger der
Vergnügungen
Straßenbaulast ist, darf sie die Erlaubnis nur
(1) Wer eine öffentliche Vergnügung veran-
mit Zustimmung der Straßenbaubehörde
stalten will, hat das der Gemeinde unter
erteilen.
Angabe der Art, des Orts und der Zeit der
(2) Die Erlaubnis darf nur auf Zeit oder auf
Veranstaltung und der Zahl der zuzulassen-
Widerruf erteilt werden. Soweit die Ge-
den Teilnehmer spätestens eine Woche
meinde nicht Träger der Straßenbaulast ist,
vorher schriftlich anzuzeigen. Für regelmäßig
hat sie eine widerruflich erteilte Erlaubnis zu
wiederkehrende, gleichartige öffentliche Ver-
widerrufen, wenn die Straßenbaubehörde
gnügungen genügt eine einmalige Anzeige.

95
4
(2) Absatz 1 gilt nicht für Vergnügungen, die gemeinsame höhere Behörde Anordnun-
vorwiegend religiösen, künstlerischen, gen für den Einzelfall erlassen.
kulturellen, wissenschaftlichen, belehren- (3) Mit Geldbuße kann belegt werden, wer einer
den oder erzieherischen Zwecken oder auf Grund der Absätze 1 oder 2 erlassenen
der Wirtschaftswerbung dienen, sofern die Verordnung oder vollziehbaren Anordnung
Vergnügungen in Räumen stattfinden, die zuwiderhandelt.
für Veranstaltungen der beabsichtigten Art
bestimmt sind. 4.6.2.4. Verordnung zur Verhütung von
(3) Die Veranstaltung öffentlicher Vergnügungen Bränden (VVB)
bedarf der Erlaubnis, wenn
1. die nach Absatz 1 erforderliche Anzeige § 20 VVB Straßenfeste, Märkte und Veran-
nicht fristgemäß erstattet wird, staltungen
2. es sich um eine motorsportliche Veran- (1) Aus- und Zugänge bestehender Gebäude,
staltung handelt oder Feuerwehrzufahrten, Aufstellflächen für
3. zu einer Veranstaltung, die außerhalb da- Hubrettungsfahrzeuge, Brandschutzeinrich-
für bestimmter Anlagen stattfinden soll, tungen an Gebäuden sowie Hydranten und
mehr als eintausend Besucher zugleich Löschwasserentnahmestellen müssen auch
zugelassen werden sollen. bei Straßenfesten, Märkten und Veranstal-
Zuständig sind die Gemeinden, für motor- tungen frei nutzbar sein.
sportliche Veranstaltungen die kreisfreien (2) Bauliche Anlagen, die geeignet sind, wie-
Gemeinden und Landratsämter. derholt an wechselnden Orten aufgestellt
(4) Die Erlaubnis nach Absatz 3 ist zu versa- und zerlegt zu werden, müssen bei Stra-
gen, wenn es zur Verhütung von Gefahren ßenfesten, Märkten und Veranstaltungen so
für Leben, Gesundheit oder Sachgüter aufgestellt werden, dass Hauptwege mit
oder zum Schutz vor erheblichen Nachtei- einer Länge von mehr als 50 m mindes-
len oder erheblichen Belästigungen für die tens 3,50 m breit, für Feuerwehrfahrzeu-
Allgemeinheit oder Nachbarschaft oder vor ge befahrbar und im Abstand von jeweils
erheblichen Beeinträchtigungen der Natur höchstens 50 m mit ausreichenden Bewe-
oder Landschaft erforderlich erscheint. Das gungsflächen für die Feuerwehr ausge-
gleiche gilt, sofern andere öffentlich-rechtli- stattet sind, es sei denn, die Verhütung von
che Vorschriften entgegenstehen. Gefahren für Leben, Gesundheit, Eigentum
(5) Die Gemeinden, für motorsportliche Veran- oder Besitz durch Brand ist anderweitig
staltungen die kreisfreien Gemeinden und ausreichend sichergestellt. Dies gilt auch für
Landratsämter, können zum Schutz der in abgestellte Fahrzeuge und Anhänger.
Absatz 4 Satz 1 bezeichneten Rechtsgüter (3) Offenes Feuer und offenes Licht sind in
Anordnungen für den Einzelfall für die baulichen Anlagen im Sinn von Abs. 2 Satz 1
Veranstaltung öffentlicher Vergnügungen mit Ausnahme fliegender Bauten nur zuläs-
und sonstiger Vergnügungen treffen. sig, wenn eine ständige Aufsicht gewähr-
Reichen Anordnungen nach Satz 1 nicht leistet ist und brennbare Gegenstände nicht
aus oder stehen andere öffentlich-rechtliche unbeabsichtigt entzündet werden können.
Vorschriften entgegen, so kann die Veran- (4) Flüssige und gasförmige Brennstoffe
staltung untersagt werden. müssen bei Straßenfesten, Märkten und
(6) – (9) (…) Veranstaltungen so verwendet werden, dass
die Brennstoffbehälter nicht erwärmt
Art. 23 LStVG Menschenansammlungen oder beschädigt werden können. Werden
(1) Zur Verhütung von Gefahren für Leben, Brennstoffbehälter in baulichen Anlagen im
Gesundheit, Sittlichkeit, ungestörte Religi- Sinn von Abs. 3 oder in deren unmittelbarer
onsausübung, Eigentum oder Besitz können Nähe aufgestellt, müssen sie für Lösch- und
die Gemeinden für Ansammlungen einer Kühlmaßnahmen der Feuerwehr zugänglich
größeren Anzahl von Menschen, insbeson- sein.
dere bei religiösen Feiern, Volksfesten und (5) Zur Sicherstellung des Brandschutzes
Sportveranstaltungen, Verordnungen und kann die Gemeinde weitergehende Re-
Anordnungen für den Einzelfall erlassen. gelungen erlassen. Insbesondere kann sie
Dies gilt nicht für Versammlungen im Sinn vom Veranstalter besondere Brandschutz-
des Bayerischen Versammlungsgesetzes; maßnahmen wie Feuerlöscheinrichtungen,
die Vorschriften des Straßenverkehrsrechts Brandschutzbeauftragte oder Brandsicher-
bleiben unberührt. heitswachen verlangen.
(2) Für Ansammlungen, die über das Gebiet
einer Gemeinde hinausgehen, kann auch die

96
4
4.6.2.5. Bayerische Bauordnung (BayBO) 4.6.2.7. Bayerisches Rettungsdienstgesetz
(BayRDG)
Vollzug des Art. 72 BayBO Richtlinie über
den Bau und Betrieb Fliegender Bauten Das BayRDG sieht in Artikel 20 vor, dass der
Nach der Bayerischen Bauordnung (BayBO) sind Zweckverband für Rettungsdienst und Feuer-
fliegende Bauten (außer denjenigen nach Art. wehralarmierung durch die die Anzeige entge-
72 Abs. 3 BayBO) Sonderbauten, an die durch gennehmende beziehungsweise die Erlaubnis
die Bauaufsichtsbehörden weiter gehende An- erteilende Behörde informiert werden muss,
forderungen gestellt werden können, wenn das sobald durch Auflage ein Sanitätsdienst für eine
zur Abwehr von erheblichen Gefahren oder von Veranstaltung angeordnet wird.
Nachteilen erforderlich ist. Anforderungen für
die am häufigsten vorkommenden fliegenden Bei Veranstaltungen mit wirtschaftlichem
Bauten enthält die Richtlinie über den Bau und Charakter kann eine Vorhalteerhöhung des
Betrieb fliegender Bauten – FlBauR (Fassung öffentlichen Rettungsdienstes unter bestimm-
Juni 2010). ten Umständen dem Veranstalter in Rechnung
gestellt werden.
Für Fliegende Bauten ist ein Prüfbuch erforder­
lich, in das die durch den TÜV Süd beziehungs­ Art. 20 BayRDG Großveranstaltungen
weise die Landesgewerbeanstalt Bayern durch­- (1) Die für die Entgegennahme der Anzeige
geführten Prüfungen einzutragen sind. Die Vor- oder die Erlaubnis einer öffentlichen
lage des Prüfbuches ist zur Gebrauchsabnahme Veranstaltung zuständige Behörde hat
durch die Bauaufsicht erforderlich. Ein Probe- unverzüglich nach Eingang der Anzeige oder
aufbau von Fliegenden Bauten kann eingefor- des Genehmigungsantrags den Zweck-
dert werden, in der Regel sind Zelte mit mehr verband für Rettungsdienst und Feuer-
als 1.500 Besucherplätzen oder mit mehr als wehralarmierung über Veranstaltungen
750 m² Grundfläche, Fahr-, Schau- und Belus- zu informieren, bei denen die Einrichtung
tigungsgeschäfte, Tribünen mit mehr als 500 eines Sanitätsdienstes zum Schutz von
Besucherplätzen sowie Bühnen vor der Inbe- Leben und Gesundheit insbesondere von
triebnahme probeweise aufzustellen. Auf die Veranstaltungsteilnehmern und Besuchern
Gebrauchsabnahme kann nach pflichtgemäßem erforderlich ist. Sie soll ihm Gelegenheit zur
Ermessen der Baufsichtsbehörde verzichtet Stellungnahme geben.
werden. Bei allen Anlagen vorwiegend maschi- (2) Der Zweckverband für Rettungsdienst
neller Art ist jedoch ein Probebetrieb mit den und Feuerwehralarmierung entscheidet
der Berechnung zugrunde gelegten ungünstigs- mit Zustimmung der Sozialversicherungs-
ten Belastungen vorzunehmen. träger über die kurzzeitige Erhöhung der
rettungsdienstlichen Vorhaltung für Ver-
4.6.2.6. Verordnung über den Bau und anstaltungen. Die Entscheidung hat unver-
Betrieb von Versammlungsstätten (Ver- züglich zu erfolgen. Die erhöhte Vorhaltung
sammlungsstättenverordnung – VStättV) darf nur angeordnet und die Durchführenden
des Rettungsdienstes dürfen hiermit nur
§ 43 VStättV Sicherheitskonzept, Ordnungs- beauftragt werden, wenn die rettungsdienst-
dienst liche Absicherung nicht anders möglich ist.
(1) Erfordert es die Art der Veranstaltung, hat der Kann keine einvernehmliche Entscheidung
Betreiber ein Sicherheitskonzept aufzustel- zwischen dem Zweckverband für Rettungs-
len und einen Ordnungsdienst ein­zurichten. dienst und Feuerwehralarmierung und den
(2) Für Versammlungsstätten mit mehr als Sozialversicherungsträgern erzielt werden,
5.000 Besucherplätzen hat der Betreiber im ist unverzüglich die Strukturschiedsstelle
Einvernehmen mit den für Sicherheit oder anzurufen. Bei Versammlungen im Sinn des
Ordnung zuständigen Behörden, insbeson- Bayerischen Versammlungsgesetzes bedarf
dere der Polizei, der Feuerwehr und der es einer Zustimmung der Sozialversiche-
Rettungsdienste, ein Sicherheitskonzept rungsträger hinsichtlich des Umfangs der
aufzustellen. Im Sicherheitskonzept sind die Vorhalteerhöhung.
Mindestzahl der Kräfte des Ordnungsdiens- (3) Für angeordnete Vorhalteerhöhungen
tes gestaffelt nach Besucherzahlen und bei planbaren Großveranstaltungen mit
Gefährdungsgraden sowie die betrieblichen wirtschaftlichem Charakter, die im Rahmen
Sicherheitsmaßnahmen und die allgemeinen der rettungsdienstlichen Bedarfsermittlung
und besonderen Sicherheitsdurchsagen gemäß Art. 7 Abs. 2 keine Berücksichti-
festzulegen. gung finden, besteht für die beauftragten
(3) + (4) [...] Durchführenden gegen den Veranstalter

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4
ein Anspruch auf Zahlung eines Benut- Einsätze hilfeleistender Werkfeuerwehren
zungsentgelts für die Erhöhung der rettungs- (Art. 15 Abs. 7) entstanden sind. Der An­
dienstlichen Absicherung der Veranstaltung. spruch wird durch Leistungsbescheid gel-
Der Veranstalter ist mit der Anordnung über tend gemacht. Auf Aufwendungsersatz soll
die Kostenfolge zu informieren. In diesem verzichtet werden, wenn eine Inanspruch-
Fall bedarf die Anordnung der Vorhalteer- nahme der Billigkeit widerspräche.
höhung nicht der Zustimmung der Sozial- (2) Kostenersatz nach Absatz 1 kann verlangt
versicherungsträger. Die Geltendmachung werden
des Benutzungsentgelts entsprechend 1. - 3. [...]
den Durchschnittskosten des öffentlichen 4. für Einsätze, die durch eine vorsätzlich
Rettungsdienstes erfolgt über die Zentrale oder grob fahrlässig herbeigeführte
Abrechnungsstelle für den Rettungsdienst in Gefahr veranlasst waren,
Bayern. 5. [...]
6. für Sicherheitswachen.
4.6.2.8. Bayerisches Feuerwehrgesetz (3) Zum Ersatz der Kosten ist verpflichtet,
(BayFwG) 1. wer in den Fällen des Absatzes 2 Nrn. 1,
2, 3 und 4 die Gefahr, die zu dem Einsatz
Das BayFwG weist auf die Pflicht der Feu- der Feuerwehr geführt hat, verursacht hat
erwehren hin, Brandsicherheitswachen zu oder sonst zur Beseitigung der von der
stellen, jedoch auch diese in Rechnung stellen Feuerwehr behobenen Gefahr verpflich-
zu können. Gleichzeitig führt es allerdings auch tet war,
aus, dass die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr 2. + 3. [...]
durch andere Aufgaben (hierunter kann bei- 4. wer in den Fällen des Absatzes 2 Nr. 6 die
spielsweise die Funktion als Parkplatzeinweiser Feuerwehr in Anspruch genommen hat.
verstanden werden) nicht beeinträchtigt werden Mehrere Verpflichtete haften als Gesamt-
darf. schuldner.
(4) [...]
Art. 4 BayFwG Arten und Aufgaben der
Feuerwehren 4.6.2.9. Bayerisches Immissionsschutzgesetz
(1) Der abwehrende Brandschutz und der tech- (BayImSchG)
nische Hilfsdienst werden durch gemeindli-
che Feuerwehren (Freiwillige Feuerwehren, Art. 14 BayImSchG Verordnungen der Ge-
Pflichtfeuerwehren, Berufsfeuerwehren) meinden
und nach Maßgabe des Art. 15 durch Werk- Zum Schutz vor unnötigen Störungen können
feuerwehren besorgt. Die gemeindlichen die Gemeinden Verordnungen über die zeitli-
Feuerwehren sind öffentliche Einrichtun- che Beschränkung ruhestörender Hausarbei-
gen der Gemeinden. ten oder Gartenarbeiten, über die Benutzung
(2) Die Feuerwehren sind verpflichtet, Sicher- von Musikinstrumenten, Tonübertragungsgerä-
heitswachen zu stellen, wenn dies von ten und Tonwiedergabegeräten sowie über das
der Gemeinde angeordnet oder auf Grund Halten von Haustieren erlassen.
besonderer Vorschriften notwendig ist und
die Sicherheitswache rechtzeitig angefordert 4.6.3. Beispiele für weitere
wird. Das Absichern, Abräumen und Säu-
bern von Schadensstellen ist nur insoweit Landesrechte mit Veranstaltungs-
ihre Aufgabe, als es zur Schadensbekämp- bezug
fung oder Verhinderung weiterer unmittelbar
drohender Gefahren notwendig ist. Aufgrund des föderalen Systems und dem
(3) Andere Aufgaben dürfen die Feuerweh- damit verbundene Subsidiaritätsprinzips in
ren nur ausführen, wenn ihre Einsatzbe- der Bundesrepublik Deutschland, können in
reitschaft dadurch nicht beeinträchtigt den bundesdeutschen Ländern die Gesetze,
wird. Verordnungen und Vorschriften in Bezug auf
ihre Ausgestaltung variieren. Nachfolgend sollen
Art. 28 BayFwG Ersatz von Kosten daher exemplarisch Rechtsvorschriften aufge-
(1) Die Gemeinden können nach Maßgabe der zeigt werden, um eine Adaption in weiteren
nachfolgenden Bestimmungen Ersatz der Bundesländern zu ermöglichen:
notwendigen Aufwendungen verlangen,
die ihnen durch Ausrücken, Einsätze und
Sicherheitswachen gemeindlicher Feuer­
wehren (Art. 4 Abs. 1 und 2) oder durch

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4
4.6.3.1. Straßenrecht 4.6.4. Beispiel „Hamburger Fisch-
§ 18 Straßen- und Wegegesetz Nordrhein-
markt“ auf dem Wittelsbacher
Westfalens (StrWG NRW) sowie § 11 des Platz in München
Berliner Straßengesetzes (BerlStrG) regelt
die Erfordernis einer Sondernutzungserlaubnis, Die Veranstaltungserlaubnis für die Nutzung
für den Fall, dass der Öffentliche Straßenraum des öffentlichen Grundes erfolgt auf Grund-
über den Gemeingebrauch hinaus benutzt wird. lage des § 29 Abs. 2 StVO „übermäßige
Straßennutzung“.
§ 21 StrWG NRW sowie § 13 BerlStrG wer-
den dann relevant, wenn im Fall einer Erlaubnis Die Festsetzung zur Durchführung erfolgt
nach der Straßenverkehrsordnung keine geson- dabei nach der § 69 der Gewerbeordnung
derte Sondernutzungserlaubnis erforderlich ist. (GewO) „Marktfestsetzung“, wobei die
Die Straßenbelange werden nach Beteiligung sicherheitsrechtlichen Auflagen gemäß. § 69a
der Behörde in einem einheitlichen Bescheid GewO erstellt werden.
mitberücksichtigt (unter Berücksichtigung der
§18 StrWG beziehungsweise §11 BerlStrG). Der Ausschank alkoholischer Getränke er-
fordert wiederum die gaststättenrechtlichen
4.6.3.2. Baurecht Genehmigungen nach § 12 Gaststättengesetz
(GastG).
z. B. § 2 Abs. 1 und § 75 Abs. 1 und § 79 der
Landesbauordnung Nordrhein-Westfalen 4.7. Die Kommune als Veranstalter
(BauO NRW) wenn bauliche Anlagen berührt
sind. Das Zusammenfallen von Veranstalter und
z. B. Sonderbauverordnung (SBauVO) des genehmigender Stelle (dies wird hier als „Be-
Landes Nordrhein-Westfalen beziehungswei- hördenidentität“ bezeichnet) erweist sich im
se die jeweils gültige Versammlungsstätten- Hinblick auf die Garantie objektiver Genehmi-
verordnung (VStättV) des Bundeslandes gungsbedingungen als komplex. Diese Konstel-
lation kann sich nachteilig auf die Transparenz
4.6.3.3. Das jeweils gültige Landesrettungs- des Genehmigungsprozesses, gerade in Bezug
und / beziehungsweise Feuerwehrgesetz auf die Erteilung möglicher Auflagen und
Nebenbestimmungen zum Genehmigungsbe-
z. B. § 7 des Gesetzes über den Feuerschutz scheid, auswirken. Die Konstellation ist ver-
und die Hilfeleistung (FSHG) des Landes gleichbar mit der Genehmigung eines kom-
Nordrhein-Westfalen, wenn eine erhöhte munalen Gebäudes durch die Bauaufsicht der
Brandgefahr besteht und bei Ausbruch eines Kommune. Bei Veranstaltungen, bei denen die
Brandes eine große Anzahl von Personen ge- Kommune gleichzeitig der Veranstalter ist, also
fährdet sein könnte. bei Vorliegen der Behördenidentität, kann es zu
Interessenkollisionen kommen. Auflagen und
4.6.3.4. Allgemeines Ordnungsrecht Vorkehrungen, die zu beachten sind, laufen Ge-
fahr, nicht im Fokus ein und derselben Behörde
z. B. § 27 des Ordnungsbehördengesetzes zu sein. Sind Veranstalter und Behörde iden-
(OBG) des Landes Nordrhein-Westfalen für tisch, kann es daher eher zu Interessenkonflik-
den Fall ordnungsbehördlicher Verordnungen, ten oder politischen Entscheidungen kommen,
welche dem Veranstalter Pflichten auferlegen. als wenn eine klare Trennung von Veranstalter
und genehmigender Behörde vorgenommen
4.6.3.5. Immissionschutzgesetz wird.

z. B. § 9 und § 4 des Landes-Immissions- Daher ist eine Rollenklärung zwischen den


schutzgesetzes (LImschG) des Landes Nord- beteiligten Behörden im Vorfeld zwingend
rheinwestfalen, wenn Belange des Nacht- erforderlich: namentlich benannter Veranstalter,
schutzes berührt werden. Genehmigungsbehörde, Fachbehörden (z. B.
Ordnungsamt, Feuerwehr, Jugendamt). Die
Veranstaltung kann dann wie jede andere Ver-
anstaltung auch bearbeitet werden und es gibt
keinen Bonus aufgrund eines Veranstalters der
aus einer Behörde kommt.

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4
4.7.1. Verfahrensrechtliche 4.7.3. Empfehlung
Konstruktion
Daher ist sicherzustellen, dass das Amt, wel-
Behörde im Sinne des § 1 Abs. 4 VwVfG ist jede ches die Veranstaltung plant und durchführt,
Stelle, die Aufgaben der öffentlichen Verwaltung nicht zugleich die Genehmigungsbehörde ist
vornimmt. Im für den Veranstalter ungünstigs- (Vier-Augen-Prinzip). Ist die Kommune zugleich
ten Fall wird die Veranstaltung nicht genehmig. Veranstalter, ist auch sie verpflichtet, ein Sicher-
Denn die Sicherheit von Leib und Leben der heitskonzept zu erstellen, wenn dies gefordert
Besucher ist immer höher zu bewerten als das wird oder aber, wenn ein Sicherheitskonzept
wirtschaftliche Interesse des Veranstalters an freiwillig erstellt wird. Bei Identität zwischen
der Durchführung der Veranstaltung. Werden Genehmigungsbehörde und Veranstalter sollte
also einem öffentlichen Veranstalter Genehmi- der Rat der zuständigen Aufsichtsbehörde in
gungen und Erlaubnisse von der Behörde eines Anspruch genommen oder auf Erfahrungen an-
anderen Verwaltungsträgers erteilt oder werden derer Kommunen zurückgegriffen werden, die
ihm gegenüber von einer Behörde eines anderen bereits ähnliche Veranstaltungen durchgeführt
Verwaltungsträgers Anordnungen auf Grundlage haben. Es besteht außerdem die Möglichkeit,
von Vorschriften getroffen, die „an sich“ auf Experten zur Beratung und Moderation hinzuzu-
das Staat-Bürger-Verhältnis zugeschnitten sind, ziehen.
so steht nach dem bisher Gesagten fest, dass
derartige Maßnahmen dieselbe Rechtsnatur Rechtsdogmatisch entspricht es aber grundsätz-
haben wie die Maßnahmen, die auf derselben lich allgemeiner Auffassung, dass eine Behörde
Rechtsgrundlage gegenüber einem Bürger jedenfalls dann, wenn sie einen gleichartigen
erlassen werden, und dass sich das auf ihren Verwaltungsakt auch gegenüber einem Privaten
Erlass gerichtete Verwaltungsverfahren inso- hätte erlassen können, auch gegenüber dem
weit i. d. R. nach den §§ 9 ff. VwVfG richtet. eigenen Rechtsträger Verwaltungsakte – also
Die öffentliche Stelle in ihrer Funktion als Ver­ Maßnahmen mit Außenwirkung – erlassen
anstalter ist damit dem privaten Veranstalter kann, und dass in derartigen „In-Sich-Verfahren“
diesbezüglich gleichzusetzen. auch die „normalen“ verwaltungsverfahrens-
rechtlichen Bestimmungen der §§ 9 ff. VwVfG
gelten.
4.7.2. „In-sich-Verfahren“
In derartigen Fällen erfolgt die Bekanntgabe
Diese verfahrensrechtliche Konstruktion wird nach § 41 VwVfG i. d. R. durch Ausfertigung
allerdings teilweise für die Fälle bestritten, in eines „normalen“ Bescheides, der dann zu den
denen eine Behörde auf derartiger Rechtsgrund- Akten des Amtes gegeben wird, das für die
lage eine Maßnahme gegenüber ihrem eigenen Umsetzung dieses Verwaltungsakts zuständig
Rechtsträger erlässt, sog. „In-sich-Verfahren“. ist. Im Ergebnis unterscheiden sich damit in
So wird etwa angenommen, dass die Erteilung rechtlicher Hinsicht die Erteilung von Genehmi-
einer straßenrechtlichen Sondernutzungserlaub- gungen und der Erlass von Ordnungsverfügun-
nis dann nicht in Betracht komme, wenn Son- gen gegenüber dem eigenen Rechtsträger nicht
dernutzungen von anderen „stationes fisci“ des wesentlich von dem Erlass entsprechender
Baulastträgers in Anspruch genommen würden. Genehmigungen und Ordnungsverfügungen
Denn die Baulastträgerkörperschaft nutze dann gegenüber Privaten.
die Straße für eigene Zwecke, so dass an die
Stelle der Erlaubnis nur eine Verwaltungsver-
einbarung der beteiligten Dienststellen trete.
Entsprechend wird vielfach nur vom Vorliegen
eines Verwaltungsinternums ausgegangen (das
aber dieselben Rechtsfolgen wie eine „normale
Festsetzung“ habe), wenn für die Marktfestset-
zung nach § 69 GewO die Gemeinden zuständig
sind und die Gemeinde dann letztlich bei sich
selbst die Festsetzung eines Marktes bean-
tragt. An dieser Stelle fokussiert sich dann das
Problem der „Behördenidentität“ (s. vorherige
Seite).

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5

Einsatzplanung der polizeilichen


und nichtpolizeilichen Gefahren-
abwehr sowie der Sicherheits-
dienstleister des Veranstalters

5.1. Allgemeines
5.2. Einsatzplanung der Feuerwehr
5.3. Einsatzplanung des Rettungsdienstes
5.4. Einbindung der Polizei
insbesondere bei Brandereignissen,
Technischen Hilfeleistungen
und Großschadensfällen

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5
5. Einsatzplanung der polizeilichen
und nichtpolizeilichen Gefahren-
abwehr sowie der Sicherheits-
dienstleister des Veranstalters

5.1. Allgemeines Der folgende Text soll die Planungen unter-


stützen, die teilweise eine interorganisationale
Neben den Planungen der Veranstaltungsbetei- Abstimmung erfordern, ohne jedoch in die
ligten zur Durchführung des Ordnungsdienstes autonome Einsatzplanung der einzelnen Akteure
und des Sanitätsdienstes, obliegt es Polizei, einzugreifen. Im Folgenden werden Beispiele
Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophen- genannt. Die Rahmenbedingungen der Veran-
schutz die Einsatzplanungen für ihre Bereiche staltung (Besucherzahl, Zeitpunkt etc.) und die
zu erstellen. örtlichen Gegebenheiten (Infrastruktur, Ein-
wohnerzahl, Leistungsfähigkeit der Gefahren-
Darüber hinaus muss vor Eintritt eines abstim- abwehr etc.) und ein eventuell vorhandener
mungsbedürftigen Veranstaltungsereignisses Erfahrungshintergrund bestimmen den Umfang
beziehungsweise vor Eintritt eines Schaden- der Einsatzvorbereitung.
falles festgelegt sein, wie beispielsweise die
Informations- und Kommunikationswege des Eine angemessene Einsatzplanung orientiert
Sicherheits- und Koordinierungskreises erfol- sich an den zu erwartenden Gefährdungen
gen. Dies kann grundsätzlich geregelt sein, und ermöglicht einen wirksamen Einsatz der
spätestens jedoch für die Veranstaltung selbst Strukturen der Gefahrenabwehr, da die Einsatz-
ist dies (in der Regel im Sicherheitskonzept) planung die Veranstaltung, ähnlich einem
festzulegen. komplexen Gebäude, hinreichend beschreibt.

Abb. 57: Einsatzplanung der nichtpolizeilichen Gefah-


renabwehr für eine Veranstaltung in München

Abb. 56: Unterteilung und Benennung einer Veranstal-


tung in einzelne Bereiche und Einsatzabschnitte

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5
Identifikation von Gefährdungen 5.2. Einsatzplanung der
Als erster Schritt sollte explizit die Reaktion
auf durch Störungen ausgelöste Gefährdungen
Feuerwehr
berücksichtigt werden (s. auch Kapitel 3.2.
Diese Planungen erfordern eine Abstimmung
Risikobeurteilung). Im Vorfeld sollten daher die
zwischen örtlicher Feuerwehr, Brandschutz-
folgenden Punkte organisationsintern erörtert
dienststelle, Polizei und Rettungsdienst.
und gegebenenfalls mit weiteren Partnern abge-
stimmt werden:

Sicherheitsdienstleister des Veranstalters


(z. B. Sanitäts- und Ordnungsdienst)

• Welche möglichen Störungen beziehungswei-


se Auswirkungen haben einen Einfluss auf die
Durchführung der Veranstaltung?
• Welche möglichen Störungen haben negative
Auswirkungen auf den Ablauf der Veranstal-
tung und die daraus resultierend Auswirkun-
gen auf die Gesundheit der Besucher und die
Veranstaltungssicherheit?
• Welche Maßnahmen erfordern diese einzel-
nen Störungsszenarien?
• Welche Kräfte sind zur Beseitigung des jewei-
ligen Störungsszenarios notwendig?
• Welche weiteren Kräfte sind über die Störung
zu unterrichten?
• Wie, wann, durch wen und bei welchen Stö-
Abb. 58: Arbeit an der Lagekarte auf Grundlage der
rungen erfolgt die Unterrichtung des Koordi-
Einsatzplanung
nierungskreises?
• Wie ist das Vorgehen der Einsatzkräfte der Si-
Grundsätzliches
cherheitsdienstleister des Veranstalters beim
Bei Großveranstaltungen kann zur Sicherstel-
Auftreten von Störungen?
lung des Brandschutzes durch die zuständige
Fachbehörde – in der Regel ist dies die Kom-
Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst,
mune selbst oder die Brandschutzdienstelle –
Katastrophenschutz
eine Brandsicherheitswache gefordert werden.
Diese Brandsicherheitswache wird in der Regel
• Wie ist das Vorgehen der Einsatzkräfte der
durch die örtlich zuständige Feuerwehr gestellt.
polizeilichen und nichtpolizeilichen Gefahren-
Die Kosten sind durch den Veranstalter zu
abwehr beim Auftreten von Störungen?
tragen.
• Welche weitergehenden Maßnahmen
müssen durch die Gefahrenabwehr bewältigt
Gleichzeitig muss die Brandschutzdienststelle
werden?
bei der Einbindung der örtlichen Feuerwehr be-
• Wie wirkt sich die Veranstaltung auf die
rücksichtigen, dass durch ein Brand- oder Hilfe-
Sicherstellung des Grundschutzes aus? Ergibt
leistungsereignis in Stadt oder Gemeinde weder
sich hieraus der Bedarf für eine besondere
der Veranstaltungsschutz noch der Grundschutz
Vorhaltung an Ressourcen?
unzulässig beeinträchtigt werden darf. Gegebe-
• Ist eine Umverteilung von Einsatzkräften und
nenfalls sollten daher umliegende Feuerwehren
-fahrzeugen während der Veranstaltungsdauer
in die Einsatzplanung mit einbezogen werden,
notwendig?
um nachrückende Einheiten stellen zu können.
• Ist die Kompatibilität von Einsatzkonzepten
und -geräten der Sicherheitsdienstleister und
der zuständigen Behörden gewährleistet und
ist diese geprüft worden oder muss eine
Anpassung durch den Dienstleister an die
örtlichen Vorgaben erfolgen?

Im Vorfeld sollte daher die Zusammenarbeit


zwischen den Dienstleistern und Behörden
abgestimmt werden.

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5
Koordinaten der Bereitstellungsräume bei
den Planungen hinterlegt werden. Es emp-
fiehlt sich einfache Klarnamen für vordefi-
nierte Orte zu verwenden, die auch über
Funk einfach zu verstehen sind (z. B. „Ab-
rufplatz Anton“ oder „Lotsenpunkt Nord“).
- Die Planungen sind den relevanten Kräften
im Vorfeld der Veranstaltung zur Kenntnis
zu geben und gegebenenfalls durch
Übungen zu unterstützen.
• Abstimmung der Planungen mit weiteren
Konzepten, z. B. dem Verkehrskonzept (Rege-
lung von Straßensperrungen und die Anord-
nung von Parkverbotszonen mit dem Hinweis
Rettungsweg durch die Straßenverkehrsbe-
hörde zur Nutzung der relevanten Straßen als
Anfahrtswege)
• Abstimmung der Bereitstellungsräume / Kräf-
tesammelstellen anderer Gefahrenabwehrbe-
hörden
• Im Sinne des Schnittstellenmanagements bei
Abb. 59: Mit den weiteren Gefahrenabwehrbehörden
brandschutzrelevanten Ereignissen sollten
abgestimmter grafischer Teil des Feuerwehreinsatz-
planes des Oktoberfestes akteursübergreifend im Vorfeld insbesondere
folgende Prüffragen geklärt werden:
Folgende Punkte sind in der Einsatzplanung zu - Wie lange brauchen die Einsatzkräfte der
berücksichtigen: Feuerwehr, bis sie an möglichen Ereignis-
orten eintreffen?
• Einweisung der eingesetzten Kräfte der - Wie zeitnah können gegebenenfalls über-
Brandsicherheitswache und Information der örtliche Kräfte mögliche Ereignisorte er-
örtlich von der Veranstaltung betroffenen reichen?
Einsatzkräfte der Regelvorhaltung in Bezug - Wie sind Anfahrtswege zu gestalten und
auf veranstaltungsbezogene Besonderheiten. freizuhalten?
Auch die Leitstelle ist in geeigneter Weise
vorab zu informieren, damit diese wichtige
Informationen bezüglich der Veranstaltung an
die Kräfte weitergeben kann.
• Vorplanung von Anfahrtswegen und Flächen
für die Feuerwehr:
- Beschilderung entsprechender Wege auf
dem Veranstaltungsgelände und den
Campingplätzen, z. B. mit Straßennamen
zur Orientierung der Kräfte
- Vorbereitung von Übersichtsplänen des
Geländes, z. B. in Form von Rasterkarten
(Geländebezeichnung)
• Erstellen und Abstimmen einer Raumordnung
• Planung der Anfahrtswege zu den Bereitstel- Abb. 60: Kennzeichnung eines vorgeplanten Stand-
lungsräumen für den Ereignisfall: ortes für die Örtliche Einsatzleitung
- Es ist darauf zu achten, dass sich Anfahrts-­
wege möglichst nicht mit Flucht- und - Wo sind Sperrmaßnahmen durchzuführen?
Rettungswegen für Besucher kreuzen - Sind die Zufahrtswege zum Veranstaltungs-
beziehungsweise zugleich als solche ge- gelände breit genug und ausreichend be-
nutzt werden. festigt?
- Zur sicheren Orientierung sollte die Raum- - Gibt es relevante Baustellen, die z. B.
ordnung einfach beschrieben sein: Hierzu Zu- oder Abwegungen behindern?
sind Straßennamen und markante Punkte • Wie sollte die Verteilung der Kräfte der
zur Beschreibung zu verwenden, um das Brandsicherheitswache auf dem Veranstal-
Auffinden mittels Navigationssystem zu tungsgelände erfolgen, damit möglichst kurze
erleichtern. Zusätzlich können die GPS- Hilfsfristen umgesetzt werden können?
106
5
• In welcher(n) Räumlichkeit(en) soll die Brand- wehr unterscheiden, sind Einsatzkonzepte und
sicherheitswache untergebracht werden? -gerät auf Kompatibilität zu prüfen beziehungs-
Wichtige Voraussetzungen sind z. B. weise durch den Dienstleister an die örtlichen
- ausreichende Größe der Räumlichkeit Vorgaben anzupassen.
- Nähe der Räumlichkeit zum Veranstaltungs-
gelände
- Nähe der Räumlichkeit zum Sicherheitskreis 5.3. Einsatzplanung des
beziehungsweise zum Koordinierungskreis Rettungsdienstes
- sehr gute An- und Abfahrtmöglichkeiten für
Einsatzfahrzeuge (vor allem von Lkw) Die Planungen erfordern ebenfalls eine Ab-
• Flächen für besondere Einsatzerfordernisse stimmung zwischen dem Rettungsdienst, der
(z. B. Aufstellen einer Drehleiter oder einer Feuerwehr und der Polizei.
Hubrettungsbühne) Im Zuge der Planung für sanitäts- und rettungs-
dienstliche Ereignisse sind insbesondere die
Mögliche Standorte einer (örtlichen) Einsatzlei- folgenden Punkte zu klären:
tung (Ö(EL) können bereits vor der Veranstaltung
geplant und abgestimmt werden, um die im Ein­- • Ist eine Vorhalteerhöhung für den öffentlichen
trittsfall entstehenden Gesprächsbedarf zur Ab- Rettungsdienst erforderlich?
stimmung des Treffpunktes verkürzen zu können. • Ist eine räumliche Neuverteilung von Einsatz-
kräften und -fahrzeugen während der Veran-
Zur Abstimmung unter den beteiligten Fach- staltungsdauer notwendig?
diensten ist die direkte und persönliche Ab- • Im Vorfeld sollte die Zusammenarbeit zwi-
sprache der jeweiligen Führungskräfte vor Ort schen dem Dienstleister (Sanitätsdienst) und
unabdingbar. Dies kann durch einfache Maßnah- der Behörde (öffentlicher Rettungsdienst)
men wesentlich erleichtert werden: abgestimmt werden. Zusätzlich gilt dies für die
Zusammenarbeit mit den Einsatzkräften von
• Austausch der Erreichbarkeiten (Funk und Polizei sowie Sicherheits- und Ordnungsdienst.
Telefon) und Namen, • Vorplanung von Anfahrtswegen und Rettungs-
• Vereinbarung von festen Treffpunkten bezie- gassen für den Rettungsdienst:
hungsweise eine Vorauswahl von gemeinsa- - Beschilderung der Gassen auf dem Veran-
men Standorten für die jeweilige Einsatzlei- staltungsgelände sowie Nebenplätzen (z. B.
tung und Campingplätze) mit Straßennamen zur
• Kennzeichnung derer vor Ort mit Schildern Orientierung von Rettungskräften etc.

Abb. 61: Krisenstab der nichtpolizeilichen Gefahren- - Beschilderung und Nummerierung von
abwehr in München während einer Veranstaltung Fluchtwegen zur besseren Orientierung bei
Hilfeersuchen beziehungsweise Anfahrt auf
Es sollte möglichst versucht werden, erprobte das Veranstaltungsgelände
und funktionierende Strukturen aus dem alltäg- - Vorbereitung von Übersichtsplänen des
lichen Einsatzgeschehen und von Übungen zu Geländes z. B. in Form von Rasterkarten
nutzen, um die Arbeit bei Einsätzen im Rahmen (Geländebezeichnung)
von Veranstaltungen zu erleichtern. • Planung der Anfahrtswege zu vorgeplanten
Bereitstellungsräumen für den Ereignisfall:
Sollte sich der Dienstleister der Brandsicher- - Es ist darauf zu achten, dass sich Anfahrts-­
heitswache von der örtlich zuständigen Feuer- wege möglichst nicht mit Flucht- und

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5
Rettungswegen der Besucher kreuzen Mögliche Standorte einer (örtlichen) Einsatzlei-
beziehungsweise zugleich als solche genutzt tung (Ö)EL) sollten analog der Einsatzplanung
werden. Feuerwehr vorabgestimmt werden (s. oben).
- Zur sicheren Orientierung sollte die Raum- Während der Durchführungsphase ist grund-
ordnung einfach beschrieben sein: Hierzu sätzlich der Veranstalter für die Gewährleis-
sind Straßennamen und markante Punkte tung der Zusammenarbeit seiner Dienstleister
zur Beschreibung zu verwenden, um (Sicherheits- / Ordnungsdienst, Brandsicher-
das Auffinden mittels Navigationssystem heitswache [sofern vorhanden] und Sanitäts-
zu erleichtern. Zusätzlich können die GPS- dienst) mit den Behörden (Polizei, Feuerwehr
Koordinaten der Bereitstellungsräume bei und öffentlicher Rettungsdienst) verantwort-
den Planungen hinterlegt werden. Es emp- lich. Der gegenseitige persönliche Kontakt der
fiehlt sich einfache Klarnamen für vorde- handlungsrelevanten Akteure, insbesondere
finierte Orte zu verwenden, die auch über der Vertreter der Gefahrenabwehrbehörden, ist
Funk einfach zu verstehen sind (z. B. „Ab- förderlich und kann durch den gegenseitigen
rufplatz Anton“ oder „Lotsenpunkt Nord“). Austausch von Verbindungspersonen in die
- Die Planungen sind den relevanten Kräften jeweiligen Einsatzleitungen unterstützt werden.
(z. B. des Katastrophenschutzes) im Vorfeld
der Veranstaltung zur Kenntnis zu geben. 5.4. Einbindung der Polizei ins-
besondere bei Brandereignissen,
Technischen Hilfeleistungen und
Großschadensfällen
Die Polizei trägt bei der Ereignisbewältigung
im Kontext von brandschutzrelevanten sowie
sanitäts- und rettungsdienstlichen Ereignissen
im Rahmen ihrer Zuständigkeiten / gesetzlichen
Aufgabenzuweisungen grundsätzlich mit folgen-
den Maßnahmen zur kooperativen Ereignisbe-
wältigung bei:

• Absperrung des Ereignisortes


• Verkehrsregelung
• Freimachen und Freihalten von Zufahrts- und
Abb. 62: Schnittstelle zwischen Sanitätsdienst und
öffentlichem Rettungsdienst auf einer Veranstaltung Rettungswegen für Einsatzfahrzeuge
• Gewährleistung des ungehinderten Einsatzes
• Abstimmung der Planungen mit weiteren der Kräfte, Fahrzeuge und Mittel der Fach-
Konzepten, z. B. dem Verkehrskonzept (Rege- dienste (vor allem Feuerwehr, Rettungsdienst)
lung von Straßensperrungen und Einrichtung • Strafverfolgung (Ermittlung von Brand-, Unfall-
von Parkverbotszonen zur Nutzung der rele- und Todesursachen, Identitätsfeststellungen
vanten Straßen als Not- und Rettungswege). etc.)
Dies sollte in Abstimmung mit der Geneh- • Gefahrenabwehr hinsichtlich der evtl. Wahr-
migungsbehörde oder sofern vorhanden der nehmung von Eilzuständigkeiten (z. B. Versor-
koordinierenden Stelle geschehen. gung / Betreuung von Verletzten)
• Einbindung der umliegenden Krankenhäuser
zur Verteilung der Patienten sowie, in Rück­ Gegebenenfalls sind etwaige Planungen der
sprache mit den Krankenhäusern und der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr im Vorfeld
Katastrophenschutzbehörde, Festlegung von der Veranstaltung entsprechend mit der polizei-
Maßnahmen für einen Massenanfall von lichen abzustimmen.
Verletzten (MANV).

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6

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6

Durchführungsphase

6.1. Betriebsarten der Veranstaltung


6.1.1. Regelbetrieb (Ampelphase „Grün“)
6.1.2. Abstimmungsbedürftiges Veranstaltungs-
ereignis (Ampelphase „Gelb“)
6.1.3. Schadensfall (Ampelphase „Rot“)
6.2. Umgang mit Szenarien

6.2.1. Informationsgewinnung
6.2.2. Informationsweitergabe
6.2.3. Beurteilung der Lage
6.2.4. Entschlussfassung
6.2.5. Maßnahmenumsetzung
6.2.6. Dokumentationspflichten

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6
6. Durchführungsphase

Im Vorfeld einer Veranstaltung wird viel geplant, Sollte es zu einer Veranstaltung keinen Geneh-
besprochen und abgestimmt. Wenn die Festle- migungsbescheid geben (z. B. genehmigte
gungen und Vorgaben in der Durchführungspha- Versammlungsstätte) oder eine Begehung aus-
se jedoch nicht umgesetzt und Auflagen nicht schließlich durch die Brandschutzdienststelle
eingehalten werden oder unvorhergesehene erfolgen, kann dies auf Grundlage der jeweiligen
Ereignisse eintreten, wird das festgelegte und Verordnung über die Brandverhütungsschau als
erforderliche Sicherheitsniveau nicht erreicht. anlassbezogene Begehung trotzdem wirkungs-
voll geschehen.
Außerdem haben die besten abgestimmten Plä-
ne keinen Nutzen, wenn während des Betriebes Zu jedem Zeitpunkt der Veranstaltung ist die
durch einen der Beteiligten ohne Abstimmung Kommunikation untereinander sicherzustellen,
Änderungen vorgenommen werden. um kurze Abstimmungswege garantieren zu
können.
Die Anwesenheit der Behördenvertreter vor und
während der Veranstaltung verdeutlicht nicht 6.1. Betriebsarten der
zuletzt dem Veranstalter den hohen Stellenwert
der Sicherheit bei seiner Veranstaltung, sondern Veranstaltung
trägt auch wesentlich zur konsequenten Umset-
zung der Auflagen bei und schafft die Möglich- Es ist wichtig, sich die unterschiedlichen Arten
keit etwaige Änderungen direkt abzustimmen. des Veranstaltungsbetriebes während der
Die Dokumentation der damit verbundenen Durchführungsphase bewusst zu machen. Die-
Handlungen, Anweisungen etc. ist von wesent- se Betriebsarten können unterschiedliche Ab-
licher Bedeutung. Wenn es zu einem Scha- stimmungen zwischen den Akteuren erfordern,
densfall gekommen ist, sind dies mit die ersten die, wenn sie nicht erfolgen, stark negative
Unterlagen, die für die Ermittlungsbehörden Auswirkungen auf die Veranstaltungssicherheit
von Interesse sind und als Informationsquelle haben können: Entscheidungen einzelner kön-
dienen. nen sicherheitstechnischen Einfluss haben und
die gesamte Planung beeinflussen. In der Praxis
In Abhängigkeit von der Größe und Art der hat sich eine dreiteilige Unterteilung bewährt,
Veranstaltung sind folgende Treffen der Verant- die plakativ auch in den Ampelfarben dargestellt
wortlichen während der Durchführungsphase werden kann.
erforderlich:
Im Vorfeld der Ausgestaltung der einzelnen
• Begehung vor Beginn der Veranstaltung Betriebsarten müssen diese inhaltlich jedoch
(„Abnahme“) genau geplant werden und die Rahmenbedin-
• Begehung(en) während der Laufzeit der Ver- gungen für die Vorbereitung, Durchführung
anstaltung und Nachbereitung – etwa der Treffpunkt, die
• Durchführung von Lagebesprechungen Kommunikationsmöglichkeiten untereinander
(„Kalte Lage“) durch den Veranstalter (Behör- und die zu beteiligten Personen – festgelegt
den als Berater) werden. Dies geschieht in der Regel im Sicher-
• Einrichtung / Einberufung des Koordinierungs- heitskonzept.
kreises (bei Bedarf)
• Einrichtung / Einberufung einer Einsatzleitung
im Schadensfall (Rollenklärung je nach
Rechts­grundlage des Schadensfalles unbe-
dingt erforderlich)

Insbesondere bei den ersten drei Punkten kann


es erforderlich sein, mehrere Termine mit unter-
schiedlichem Teilnehmerkreis durchzuführen,
da die Aufgabenstellungen beziehungsweise
Themen unterschiedlich sind.

112
6
6.1.1. Regelbetrieb Koordinierungskreis des Veranstalters kann das
Ereignis eigenständig bearbeiten oder führt bis
(Ampelphase „Grün“) zum Eintreffen externer Einsatzkräfte notwendi-
ge / lageabhängige Erstmaßnahmen durch. Die
Im Regelbetrieb läuft die Veranstal-
Sicherheitsbehörden (i. d. R. Polizei, Feuerwehr,
tung wie geplant ab. Die Planungen
Rettungsdienst, Ordnungsamt) können wenn
des Sicherheitskonzeptes werden
es die Lage erfordert die Führung des Koordi-
umgesetzt, es entstehen keine si-
nierungskreises als Vorstufe einer Einsatzleitung
cherheitsrelevanten Probleme. Die
der polizeilichen oder nichtpolizeilichen Gefah-
sich entwickelnden Problemstellun-
renabwehr übernehmen. Sie handeln dann auf
gen betreffen lediglich die Struktur
ihrer jeweils zutreffenden Gesetzesgrundlage
des Veranstalters: Dies können
(Feuerwehr-, Rettungsdienst-, Polizeiaufgaben-
untergeordnete Logistikprobleme,
oder Katastrophenschutzgesetz).
Programmänderungen, Wünsche
von wichtigen Persönlichkeiten /
Die Zusammensetzung des Koordinierungskrei-
Prominenten oder ähnliches sein. Eine Beteili-
ses sollte nach dem Prinzip „so viele wie nötig,
gung der Behörden ist nicht erforderlich.
so wenig wie möglich“ erfolgen: Nur qualifizierte
und entscheidungsbefugte Personen, die konst-
Die Verantwortlichkeit für den reibungslosen
ruktiv an Problemstellungen mitarbeiten können,
Veranstaltungsablauf liegt beim Veranstalter, der
sollten in diesem Kreis vertreten sein, das heißt,
sich von durch ihn ausgewählte Mitarbeiter und
dass nicht alle Mitglieder des Sicherheitskreises
Dienstleister beraten lassen kann.
automatisch Mitglieder des Koordinierungskrei-
ses sind.
Dieser Sicherheitskreis des Veranstalters kann
dauerhaft, turnusmäßig oder anlassbezogen ein-
Mitglieder des Koordinierungskreises sind in der
berufen werden und entscheidet unterhalb einer
Regel der Veranstalter, der Veranstaltungsleiter,
Schwelle, ab der behördliche Beteiligung oder
der Ordnungsdienstleiter, der Leiter Sanitäts-
ein behördliches Eingreifen erforderlich werden.
dienst, der verantwortliche Veranstaltungstech-
niker, Vertreter von Polizei und Feuerwehr sowie
6.1.2. Abstimmungsbedürftiges das Ordnungsamt als Genehmigungsbehörde.
Veranstaltungsereignis
(Ampelphase „Gelb“) 6.1.3. Schadensfall
(Ampelphase „Rot“)
Ein Ereignis, das eine Abstimmung
zwischen Veranstalter, Sicher- Der geplante Ablauf der Veranstal-
heitskreis und Behördenvertretern tung wird durch ein Ereignis massiv
erfordert (beispielsweise besonde- beeinflusst beziehungsweise die
re Witterungsbedingungen oder ein darauf folgenden Maßnahmen der
kritisch hoher Befüllungsgrad der Behörden haben einen erheblichen
Veranstaltung), wirkt sich auf den Umfang. Auslöser kann ein einge-
Regelbetrieb aus: zunächst ohne tretener Schadensfall oder ein akut
dass der Ablauf der Veranstaltung drohender Schadenseintritt sein.
eine signifikante und damit für Somit kann es bereits zu Personen-
den Besucher bemerkenswerte und Sachschäden gekommen sein
Beeinflussung erfährt. Dieses Ereignis kann sich oder mit deren Eintritt ist jederzeit
jedoch im weiteren Veranstaltungsverlauf zu zu rechnen. In jedem Fall ist die Lage jedoch
einer signifikanten Störung – gegebenenfalls inkl. durch die zuständige Gefahrenabwehrbehörde
Personen- und Sachschäden – entwickeln, so als Krisenfall mit einem möglichen beziehungs-
dass eine gemeinsame koordinierende Abspra- weise realisierten Schadenseintritt und den dar-
che notwendig ist, um „vor die Lage“ zu kom- aus resultierenden Personen- und Sachschäden
men, d. h. weiter agieren zu können und nicht zu bearbeiten, zumal Einsatzkräfte der Gefahren-
zum reinen Reagieren gezwungen zu werden. abwehr z. T. einen zeitlichen Vorlauf benötigen.

Der Veranstalter bleibt weiterhin für den Ablauf Die zuständige Behörde (in aller Regel die poli-
der Veranstaltung verantwortlich, die Behör- zeiliche oder nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr)
denvertreter übernehmen zunächst lediglich schreitet entsprechend den gültigen gesetzlichen
eine beratende Funktion, unterstützen den Grundlagen (Feuerwehr-, Polizei-, Rettungs-
Veranstalter und informieren gegebenenfalls dienst- und Katastrophenschutzgesetz) ein, um
den eigenen Bereich über die Lage. Dieser Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten.
113
6
Nach dem Eintreffen der Einsatzkräfte unter- Im Rahmen der Durchführungsphase kann
stützt der Koordinierungskreis diese bei der es lageabhängig notwendig werden, dass die
Umsetzung der notwendigen Maßnahmen einzelnen Gremien parallel oder in einer anderen
soweit dies erforderlich ist. Der Koordinierungs- Betriebsart arbeiten.
kreis ist dabei die Verbindungsstelle zwischen
den externen Einsatzkräften beziehungsweise In der Abbildung 24 auf Seite 55 ist die wech-
der Einsatzleitung und dem Veranstalter und selnde Zuständigkeit von Sicherheits- und Koor-
stellt auch die entsprechende Kommunikation dinierungskreis sowie Einsatzleitung / Krisenstab
sicher. Der Veranstalter fungiert als (Fach-)Be- in Abhängigkeit von der Betriebsart grafisch
rater der zuständigen Behörde und unterstützt dargestellt.
bei der Bewältigung der entsprechenden Lage.
Die veranstaltungsbezogenen Kreise bleiben 6.2. Umgang mit Szenarien
bestehen. Es greifen die im Sicherheitskonzept
beschriebenen Szenarien beziehungsweise
die Einsatzplanungen der zuständigen Behör- 6.2.1. Informationsgewinnung
den werden umgesetzt. In Abhängigkeit vom
Ausmaß des Ereignisses werden Einsatzlei- Zur Erhebung von Informationen über mögliche
tungen (Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst) Gefährdungen sollten nach Möglichkeit alle
neben dem Krisenstab der Gebietskörperschaft zur Verfügung stehenden Informationsquellen
nach Katastrophenschutzgesetz eingerichtet. genutzt werden. Dies umfasst:
Diese Führungsstrukturen müssen aufruffähig
hinterlegt sein. • die Leitstellen von Feuerwehr und Polizei
(kontinuierlicher Austausch über Lageentwick-
Zwischen dem Krisenstab und den Einsatzstä- lungen mit den vor Ort befindlichen Vertreter
ben kann es zu personellen Überschneidungen im Koordinierungkreis)
(Verbindungsbeamte) kommen. Die Arbeitsfä- • Radiostationen (beispielsweise zur Informati-
higkeit der entsprechenden Gremien ist daher on über Staumeldungen)
durch eine entsprechende Personalplanung • automatisierte Warneinrichtungen über
sicherzustellen. E-Mail / SMS / App-Service (z. B. Stauwarnun-
gen, Wetterwarnungen etc.)
Tabelle 12: Übersicht Sicherheitskreis und Koordinierungskreis • den auf dem Gelände befindlichen Ordnungs-
und Sanitätsdienst sowie weitere Dienstleis-
Sicherheitskreis Koordinierungskreis Einsatzleitung /
Krisenstab
ter
• Betreiber, Schausteller etc.
Mitglieder Veranstalter, Veranstalter, relevante zuständige Behörde
• Posten oder automatisierte Systeme bei-
Dienstleister Dienstleister, Polizei,
Feuerwehr, Sicher- spielsweise zur kontinuierlichen Beobachtung
heitsbehörde von Besucherströmen und der Verkehrssitu-
ation (Verkehrsmonitoring) während der An-
Federführung Veranstalter Veranstalter/Behörden zuständige Behörde
jedes Mitglied möglich und Abreisephase
• gegebenenfalls Beobachtung der sozialen
Einberufung Veranstalter Einberufung ad hoc, zuständige Behörde
durch Arbeits- permanent gegebenenfalls dauer- gemäß gesetzl.
Medien (Facebook, Twitter etc.) in Bezug auf
fähigkeit hafte Einrichtung Vorgabe sicherheitsrelevante Entwicklungen
• gegebenenfalls Auswertung von Luftbildern
Betriebsart Regelbetrieb abstimmungsbedürf- Schadensfall
tiges Ereignis

114
6
6.2.2. Informationsweitergabe 6.2.3. Beurteilung der Lage
Die Kommunikation zwischen den Besuchern Die bei der Polizei, Feuerwehr oder den Stellen
und den Einsatzkräften des Sanitäts- und des Veranstalters während der Durchfüh-
Ordnungsdienstes sowie der polizeilichen und rungsphase eingehenden beziehungsweise
nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr ist sicher- erhobenen Informationen beispielsweise zur
zustellen. Gleiches gilt für die Kommunikation Verkehrssituati­on oder der Störung von Ver-
der Einsatzkräfte mit der Einsatzleitung des Sa- kehrswegen, sollten zunächst im Rahmen einer
nitätsdienstes, den Leitstellen der polizeilichen akteursübergreifen­den Lagebesprechung bezie-
und nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr sowie hungsweise innerhalb der gewählten Gremi-
dem Koordinierungskreis. Die Sicherstellung enstrukturen (Sicherheitskreis, Koordinierungs-
der Kommunikation ist Grundlage der Erfas- kreis) erörtert werden. Anschließend erfolgt
sung beziehungsweise Kenntniserlangung von eine Einstufung hinsichtlich der zu erwartenden
relevanten Lageinformationen über mögliche Gefährdungen (z. B. inwie­fern hat die Störung
Einsätze sowie sich abzeichnende Lageverän- von Verkehrswegen einen direkten Einfluss
derungen. Diese Kommunikationswege sind im auf den geplanten Veranstaltungsablauf?). Im
Sicherheitskonzept zu beschreiben. Beispiel bleibend:

Zusätzlich muss sichergestellt werden, dass die • unkritische, weil im Regelbetrieb abzuarbei-
Besucher in der Lage sind ohne die Verwen- tende Störung der Verkehrswege
dung eines Mobiltelefons Hilfe anzufordern. • Störung von Verkehrswegen mit Beeinträchti-
gung (Abstimmung im Koordinierungskreis)
Dies kann z. B. erfolgen durch: • Störung von Verkehrswegen aufgrund eines
Schadensfall (Abstimmung zwischen Koordi-
• Notrufeinrichtungen auf dem Gelände („Not- nierungskreis und Einsatzleitung)
rufzellen“)
• Streifengänge auf dem Veranstaltungsgelände Ergibt die Beurteilung der Lage, dass ein ab­
• deutliche Kennzeichnung der Unfallhilfsstellen stimmungbedürftiges Ereignis oder gar ein
auf dem Veranstaltungsgelände Schadensfall besteht, ist im Koordinierungskreis
• Kommunikationswege des Sicherheits- und
Ordnungsdienstes (Betriebsfunk, Melder etc.) • eine akteursübergreifende Einschätzung der
• Information / Einbindung von Schaustellern Lage vorzunehmen und
und weiteren Dienstleistern (Bekanntgabe • es sind abgestimmte Maßnahmen zu erörtern
der telefonischen Erreichbarkeit des Sanitäts- und gegebenenfalls in Abstimmung mit der
dienstes, Standorte der Posten des Ord- Einsatzleitung unmittelbar umzusetzen.
nungsdienstes etc.)

115
6
6.2.4. Entschlussfassung 6.2.5. Maßnahmenumsetzung
Zur Gewährleistung einer effektiven und Die getroffenen Entscheidungen und die
effizienten Entscheidungsfindung sowie der umzusetzenden Maßnahmen sind den hierfür
Koordination von Maßnahmen, können über die vorgesehenen Kräften (z. B. Ordnungsdienst,
Zusammenarbeit im Koordinierungskreis hinaus Bühnenmanager, Sanitätsdienst, Polizei, Feuer-
zwischen den Einsatzleitungen der relevan- wehr, Rettungsdienst) mitzuteilen. Ebenso gilt
ten Akteure Verbindungskräfte ausgetauscht dies für den Betreiber, die Schausteller, Künstler
werden; gegebenenfalls kann für die Veranstal- etc., die gegebenenfalls über für sie zu treffen-
tung eine gemeinsame Zentrale der relevanten de Maßnahmen oder Unterstützungsleistungen
Akteure eingerichtet werden. (beispielsweise Ansage durch den Künstler an
das Publikum) rechtzeitig vorher zu unterrichten
Wenn aufgrund der zu erwartenden oder bereits sind.
eingetretenen Gefährdung die Veranstaltung
nicht wie geplant weiter ablaufen kann oder Die Umsetzung der Maßnahmen ist bei Aus-
eine Gefährdung für die Veranstaltungsteilneh- wirkungen auf den Veranstaltungsbesuch an die
mer oder Einrichtungen (Bühnen, Zelte etc.) Besucher zu kommunizieren. Hierfür sollten vor
erwartet wird oder bereits besteht, sind in allem Durchsagen über Beschallungsanlagen
Abhängigkeit vom angenommenen Ausmaß (gegebenenfalls in mehreren Sprachen) genutzt
weitere Maßnahmen zu treffen; hierzu zählen werden. Als Ergänzung bieten sich Hinweise
insbesondere die folgenden: auf Videoleinwänden oder durch Ordner an.
Weitere Kommunikationswege, wie beispiels-
• Einlassstopp weise Radiostationen oder falls vorhanden
• Sperrmaßnamen (z. B. von Verkehrswegen, Apps / Internetseiten, sollten ebenfalls bei der
welche die Fluchtwege kreuzen oder für die Informationsweitergabe berücksichtigt und
Anfahrt von Fachdiensten und / oder Behör- vorgeplant werden, da diese die Erreichbarkeit
den und Organisationen mit Sicherheitsaufga- der Veranstaltungsbesucher erhöhen.
ben relevant sind)
• Öffnung von Fluchttoren
• Durchsagen über Beschallungsanlagen, gege-
6.2.6. Dokumentationspflichten
benenfalls in mehreren Sprachen
Die Vertreter der jeweiligen Akteure sollten
• Unterbrechung der laufenden Veranstaltung
(unter anderem hinsichtlich der Nachbereitung,
• (Teil-)Abbruch der laufenden Veranstaltung
s. folgendes Kapitel) erkannte Probleme sowie
• Räumung des Veranstaltungsgeländes /
ihre Entscheidungen, Entscheidungsgrundlagen
Evakuierung der Besucher
etc. nachvollziehbar dokumentieren (z. B. über
elektronische Einsatzprotokollsysteme).
Die jeweils beschlossenen Maßnahmen sollten
zeitnah und abgestimmt an die Medien kom-
muniziert werden, um z. B. anlassbezogen eine
weitere Anreise zur Veranstaltung zu reduzieren.

Die getroffenen Entschlüsse und Maßnahmen


sind im Sinne der Kontrolle der Maßnahmenum-
setzung sowie der Nachbereitung nachvollzieh-
bar zu dokumentieren.

116
6

117
7

118
7

Nachbereitungsphase

7.1. Nachbereitung einer Veranstaltung


7.2. Veranstaltungsnachbereitung am Beispiel München

119
7
7. Nachbereitungsphase

7.1. Nachbereitung einer Veran- Die gemeinsame Nachbereitung dient dazu, das
interdisziplinäre Management relevanter Ge-
staltung fährdungen zu überprüfen und die getroffenen
Entscheidungen und umgesetzten Maßnahmen
Der Veranstalter und seine Dienstleister sowie
hinsichtlich der Abwehr entsprechender Gefah-
die polizeiliche und nichtpolizeiliche Gefahren-
ren für die Veranstaltungsteilnehmer sowie Ein-
abwehr sollten nach Beendigung der Veranstal-
richtungen auf dem Veranstaltungsgelände zu
tung einen internen Erfahrungsbericht er­stellen
analysieren und auszuwerten. Zusätzlich sollen
und die Veranstaltung zunächst intern auswer­
mögliche Schwachstellen im Sicherheitskonzept
ten. Die Themensetzung dieser internen Nach­-
identifiziert und Optimierungsansätze entwickelt
bereitung muss jede Institution eigenverant-
werden.
wortlich festlegen. Beispielsweise kann die
Anzahl von Diebstählen für die Polizei und den
Als weitere mögliche Themenfelder ergeben
Ordnungsdienst von großer Relevanz sein, wo-
sich z. B.
hingegen dieser Punkt für die Feuerwehr oder
den Sanitätsdienstleister irrelevant ist. Für die
• Probleme hinsichtlich der Einhaltung der für
Polizei wiederum sind fehlende Feuerlöscher
die Veranstaltung erteilten Auflagen
höchstwahrscheinlich nicht zu bemerken oder
• Effizienz und Effektivität hinsichtlich der
der ungünstige Untergrund für die Verwendung
Entscheidungsfindung und der Umsetzung
einer Rolltrage zur Erfüllung der polizeilichen
beschlossener Maßnahmen
Aufgaben nicht relevant. Bei der Themenset-
• Einsatzhäufigkeit und -stichworte des Sani-
zung der internen Nachbereitung sollte jedoch
tätsdienstes und der Brandsicherheitswache
berücksichtigt werden, dass in einem zweiten
• Erreichbarkeit der Beteiligten während der
Schritt weitere Beteiligte der Veranstaltung, vor
Veranstaltung
allem die Mitglieder des Koordinierungskreises,
eingebunden werden und dementsprechend
Es empfiehlt sich, die Nachbetrachtung als
Themen von allgemeinem Interesse Berücksich-
“Fehlermelde- und Verbesserungssystem“
tigung finden.
auf­zufassen und explizit den „menschlichen
Faktor“ zu berücksichtigen. Dies dient vor allem
der Akzeptanz- und Wissensvermittlung der
Beteiligten.

Während der Veranstaltung aufgetretene posi-


tive wie negative Diskussions- und Kritikpunkte
sollten unter Einbeziehung aller relevanten
Beteiligten angesprochen und Maßnahmen zur
Stärkung und Optimierung der Kommunikation
untereinander umgesetzt werden können. Nach
Beendigung der Veranstaltung ist ausreichend
Zeit für die interne und organisationsübergrei-
fende Nachbereitung vorhanden.

Die Nachbereitungsergebnisse sind zu doku-


mentieren, allen Beteiligten zugänglich zu ma-
chen und dienen als Grundlage für die Planung
zukünftiger Veranstaltungen (Anpassung des
Sicherheitskonzepts, Erteilung / Anpassung von
Auflagen, Einsatzplanung der Gefahrenabwehr
etc).

Abb. 66: Stimmungsbild im Rahmen einer Veranstal-


tungsnachbesprechung.

120
7
Bei einer mehrtägigen Veranstaltung kann es Die Vorlage berücksichtigt wesentliche Punkte
notwendig und / oder sinnvoll sein, bereits wäh- der gegebenenfalls aufgrund der Größe und
rend der Durchführungsphase, z. B. am Ende Art der Veranstaltung am Beginn der Durchfüh-
eines Veranstaltungstages, eine Nachberei- rungsphase notwendig gewordenen Veran­-
tung durchführen. Wichtige Erkenntnisse oder staltungsabnahme und vermerkt, ob und gege-
notwendige Anpassungen für den weiteren benenfalls in welchem Zeitrahmen, die Fehler-
Veranstaltungsverlauf können dann direkt mit behebung nach Mitteilung stattgefunden hat.
allen Beteiligten abgestimmt und in der laufen- Einen weiteren Aspekt stellt die durch Beob-
den Veranstaltung koordiniert werden. achtung erhobene tatsächliche Besucheranzahl
im Vergleich zur genehmigten dar. Bei mehrma-
7.2. Veranstaltungsnachbereitung ligen oder identischen beziehungsweise unter
vergleichbaren Voraussetzungen (Zielgruppe,
am Beispiel München Eintrittspreis etc.) stattfindenden Veranstaltun-
gen, kann dieser Punkt für die Ermittlung einer
Aus behördlicher Sicht erscheint eine Nachbe- Besuchertendenz genutzt werden.
reitung ebenfalls sinnvoll. Als Mindestmaßnah-
me werden bei der Feuerwehr in der Landes- Die ausgefüllte Vorlage zur Veranstaltungsnach-
hauptstadt München u. a. folgende Punkte bereitung sollte unbedingt in den Vorgang zur
erfasst: Veranstaltung übernommen werden und in der
Planungsphase zukünftiger Veranstaltungen,
• Vollständigkeit der Planungsunterlagen insbesondere bei regelmäßigen beziehungswei-
• Einhaltungsgrad der Auflagen (jeweils „in se wiederkehrenden Veranstaltungen, durch die
Ordnung / vereinzelt / öfter / häufig / durch- Behörde als Vergleich genutzt werden. Not-
gehend“) wendig gewordene Anpassungen hinsichtlich
- Feuerlöscher ungeeignet der Bemessung des Sanitätsdienstes und der
- Feuerlöscher abgelaufen Brandsicherheitswache oder eine Anpassung
- Feuerlöscher fehlt des Sicherheitskoeffizienten (s. Anlage 2) kön-
- Gasabnahme fehlt / mangelhaft nen durch die Sammlung dieser „Erfahrungsbe-
- Rettungswege eingeschränkt nutzbar richte“ gestützt werden und stellen eine beleg-
- Feuerschutzabschlüsse offengehalten bare Planungsgrundlage für die Behörde dar.
- Löscheinrichtungen beeinträchtigt
- Abweichungen vom Bestuhlungs- /
Belegungsplan
- Sonstiges
• Mängelbeseitigung ja / ja, verzögert / teil-
weise / nein
• Wem wurden die Mängel mitgeteilt?
• Einsatzgeschehen (Einsätze der Feuerwehr
bei der Veranstaltung)
• Sanitätsdienst ausreichend bemessen?
• Besucherzahl genehmigt / vor Ort
• Anpassung Sicherheitskoeffizient erforderlich?
• Koordinierungskreis einberufen?
• Kommunikation durch Veranstalter sicherge-
stellt (Geräte, Kommunikationsliste, Erreich-
barkeit u. ä.)?
• Probleme bei der Zusammenarbeit
(Behörden / Veranstalter)?
• Zuverlässigkeit Veranstalter gegeben?
• Anmerkungen der Integrierten Leitstelle?
• Presseberichterstattung?
• Anmerkungen

Diese exemplarische Vorlage zur Nachbereitung


wurde anhand der Erfahrungen in der Veran-
staltungsbearbeitung, der Beteiligung an den
Koordinierungskreisen bei Veranstaltungen und
den ausgewerteten Berichten der Brandsicher-
heitswache erstellt.

121
8

122
8

Weiterführende Literatur

123
8
8. Weiterführende Literatur

Projekt „BaSiGo – Bausteine für die Sicher- Rechtsgutachten zum Verfahrensrecht zur
heit von Großveranstaltungen“ Genehmigung von Großveranstaltungen

Die Dokumentation erfolgt nach Abschluss des An dieser Stelle sei zur vertiefenden Lektüre
Projektes „BaSiGo“ durch einen Projektbe- auf den im Rahmen des Projektes durch das
richt. Alle BMBF-Projektberichte werden in der Fachgebiet von Herrn Prof. Dr. Dieter Kugel-
Datenbank der Technischen Informationsbiblio- mann von der Deutschen Hochschule der
thek (TIB) Hannover digitalisiert und sind dort Polizei erstellten Tagungsband „Verfahrensrecht
recherchierbar. für die Sicherheit von Großveranstaltungen“
verwiesen, der im Nomos Verlag erschienen
Des Weiteren erscheint das Handbuch ist. Der Tagungsband enthält ein juristisches
„BaSiGo-Guide“ mit den innerhalb des Projek- Gutachten, das die aktuelle Gesetzeslage zur
tes erstellten Bausteinen zu einzelnen The- Veranstaltungsgenehmigung und Forderung von
menbereichen nach Ende des Projektes in der Sicherheitskonzepten prüft, stellt die unter-
Schriftenreihe „Praxis im Bevölkerungsschutz“ schiedlichen Regelungen in den Bundesländern
des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und dar und vergleicht diese. In einem dritten Ab-
Katastrophenhilfe (Hrsg.). schnitt werden die Besonderheiten dargestellt,
die bestehen wenn eine Veranstaltung durch
eine öffentliche Stelle als Veranstalter durchge-
führt wird.

Kugelmann, Dieter (Hrsg.) (2015):


„Verfahrensrecht für die Sicherheit von Groß-
veranstaltungen“, Baden Baden (Nomos).

124
8

125
9

126
9

Verzeichnisse

9.1. Quellen
9.2. Abkürzungen
9.3. Tabellen
9.4. Abbildungsnachweis

127
9
9. Verzeichnisse

9.1. Quellenverzeichnis
Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren in der Bundesrepublik Deutschland
(AGBF Bund) (2008): Sicherheitskonzepte für Versammlungsstätten, München.

Bauministerkonferenz (2012): Musterbauordnung – MBO, Berlin. Im Internet zu finden unter:


www.is-argebau.de/IndexSearch.aspx?method=get&File=b8a84yy3y8b984808abb4yb8y9ya8ayyb9y
884b94ya2a0a14849a3abaaa04b80b8y04qth54dr2siuvtjk4t3bxupu, abgerufen am: 11.03.2015.

Deutsches Institut für Normung (DIN) (2010): DIN 14011 Begriffe aus dem Feuerwehrwesen.

Fiedler, Anne-Kathrin; Herrmann, Jochen; Barth, Uli; Bachmeier, Peter; Henkelmann, Paolo (2015):
Münchener Methode – Ein systematisches Verfahren zur Beurteilung der Sicherheit geplanter Ver-
anstaltungen; in: Bevölkerungsschutz, 1/2015, S. 32-37.

Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) (Hrsg.) (2005): Empfehlung


für die Anlagen des ruhenden Verkehrs, Köln (FGSV Verlag GmbH).

ivm GmbH (Hrsg.) (2007): Leitfaden für Veranstaltungsverkehre, Frankfurt am Main.

International Organization for Standardization: ISO 31000 Risikomanagement.

Kröger, Wolfgang (2010): Grundlagen der technischen Risikoanalytik - Basismethoden der Risi-
koanalytik. Vortrag an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Im Internet zu finden
unter: http://www.lsa.ethz.ch/education/vorl/gtr_slides_10/02_Basismethoden_der_Risikoanalytik.
pdf, abgerufen am 23.02.2015.

Lutomsky, Boris; Flake, Frank (Hrsg.) (2000): Leitfaden Rettungsdienst, 2. Auflage, München
(Urban + Fischer)

Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern (2013): Änderung der


bauordnungsrechtlichen Anforderungen für das barrierefreie Bauen zum 01.07.2013; Erläuterungen
zur Anwendung der DIN 18040-1 und -2 als Technische Baubestimmungen, Schreiben an die sieben
Bayerischen Regierungen, München. Im Internet zu finden unter: http://www.innenministerium.
bayern.de/assets/stmi/buw/baurechtundtechnik/erl%C3%A4uterungen_zur_anwendung_der_
din_18040-1_und_18040-2.pdf

O´Riordan (1996): Umweltwissenschaften und Umweltmanagement. Berlin-Heidelberg (Springer


Verlag)

Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e.V. (vfdb) (Hrsg.) (2010): Einsatz-
planung Großveranstaltungen, vfdb Richtlinie 03-03, Altenberge.

128
9

9.2. Abkürzungen
AAO.................. Alarm- und Ausrückeordnung*
AAO.................. Allgemeine Aufbauorganisation**
ASR................... Technischen Regeln für Arbeitsstätten
BAM................. Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung
BAO.................. Besondere Aufbauorganisation
BauO ................ Bauordnung
BayRDG............ Bayerisches Rettungsdienstgesetz
BayStrWG ........ Bayerisches Straßen- und Wegegesetz
BF..................... Berufsfeuerwehr
BGV.................. Berufsgenossenschaftliche Vorschriften
BMBF............... Bundesministerium für Bildung und Forschung
CAD.................. Computer Aided Design
DIN................... Deutsches Institut für Normung
DLK................... Drehleiter (mit Korb)
DVGW............... Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches
E. A. ................. Einheitlicher Ansprechpartner
ELW.................. Einsatzleitwagen
EVT................... Erstversorgungsteam
FOH.................. Front-of-House (Mischpultplatz im Publikumsbereich
FStrG ............... Bundesfernstraßengesetz
FwDV................ Feuerwehrdienstvorschrift
GewO .............. Gewerbeordnung
GewRV ............ Gewerberechtsverordnung
GG.................... Grundgesetz (der Bundesrepublik Deutschland)
GIS.................... Geoinformationssystem
HLF................... Hilfeleistungslöschfahrzeug
ISO.................... International Organization for Standardization
KatS.................. Katastrophenschutz
KTW.................. Krankentransportwagen
LStVG BY ......... Landesstraf- und Verordnungsgesetz Bayern
MBO................. Musterbauordnung
MIK NRW......... Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen
MVStättVO....... Musterversammlungsstättenverordnung
NEF................... Notarzteinsatzfahrzeug
ODL.................. Ordnungsdienstleiter
ÖPNV................ öffentlicher Personen(nah)verkehr
RTW.................. Rettungs(transport)wagen
SBauVO ........... Sonderbauverordnung
StGB................. Strafgesetzbuch
StPO................. Strafprozeßordnung
StrWG............... Straßen- und Wegegesetz
StVO................. Straßenverkehrsordnung
TLF................... Tanklöschfahrzeug
UHS.................. Unfallhilfsstelle
vfdb................... Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e.V.
VStättV.............. Versammlungsstättenverordnung (Bayern)
VVB................... Veranstaltungs- und Versammlungsbüro der Landeshauptstadt München
VwVfG ............. Verwaltungsverfahrensgesetz
1. SprengV........ 1. Verordnung zum Sprengstoffgesetz

* Feuerwehr / Rettungsdienst
** Polizei

129
9
9.3. Tabellen
Alle Tabellen, sofern nicht anders gekennzeichnet: © Landeshauptstadt München,
Kreisverwaltungsreferat, Hauptabteilung IV – Branddirektion.

Tabelle 1: Risikofaktor
Tabelle 2: Sicherheitsfaktor
Tabelle 3: Einflussfaktoren
Tabelle 4: Sicherheitskoeffizient
Tabelle 5: Gegenüberstellung einer Veranstaltungsbewertung
Tabelle 6: Abstandsflächen von Gebäuden mit harter Bedachung zu fliegenden Bauten
Tabelle 7: Abstandsflächen zwischen fliegenden Bauten mit weicher Bedachung
Tabelle 8: Platzbedarf von Stellplätzen in Bezug auf die Organisationsform
Tabelle 9: Vor- und Nachteile der Organisationsform von Parkplätzen in Bezug auf den Platzbedarf
Tabelle 10: Vor- und Nachteile der Aufstellungsart
Tabelle 11: Qualifikation Sanitätsdienst
Tabelle 12: Sicherheitskreis- und Koordinierungskreis

9.4. Abbildungsnachweis
Alle Abbildungen und Grafiken, sofern nicht anders gekennzeichnet:
© Landeshauptstadt München, Kreisverwaltungsreferat, Hauptabteilung IV – Branddirektion

Abb. 7: © Deutsche Hochschule der Polizei, Fachgebiet polizeiliches Krisenmanagement


Abb. 10: © International Organization for Standardization
Abb. 11, 12, 17: © Bergische Universität Wuppertal, Lehrstuhl Methoden der Sicherheitstechnik
Abb. 18, 20, 21, 22: © Uli Barth / Jochen Herrmann
Abb. 19: © Jochen Herrmann
Abb. 38, 39: © Polizeiinspektion Traunstein
Abb. 43, 51: © Franz Stegmann, Malteser Hilfsdienst München-Stadt e.V.
Abb. 48, 49: © Michael Rüffer, Rettungs-Magazin
Abb. 56, 57: © Landeshauptsatdt München, Kommunalreferat, GeodatenService 2013
Abb. 59: © KK Fire Service GmbH

iStock, fotolia: Titel und Rücktitel


Creativ Collection: Seite 102
Aid Box: Seiten 28, 118, 122, 126, 132

130
9

131
10

132
10

Anlagen

133
10
10. Anlagen

• Anlage 1: Sicherheitsabsperrungen bei Veranstaltungen 135


• Anlage 2: Sicherheitskoeffizient Brandschutz der Branddirektion München 149
• Anlage 3: Tabelle zum Brandverhalten von Baustoffen 154
• Anlage 4: Checkliste für Sicherheitsbehörden zur Prüfung einer Veranstaltung
am Beispiel der Arbeitsweise der Branddirektion München 155
• Anlage 5: Vorlagen zur Dokumentation des behördlichen Einvernehmens
mit dem Sicherheitskonzept 157
• Anlage 6: Informationsblätter der Branddirektion München 160
6 a Fahrgeschäfte mit großen Höhen 160
6 b Flüssiggasanlagen bei Veranstaltungen 161
6 c Feuer im Freien 163
6 d Verwendung von Fackeln 163
6 e Pyrotechnik 164
6 f Skylaternen und nichtsteuerbare Heißluftballone 168
6 g Laternenumzug 168
6 h Fliegende Bauten 169
6 i Vorübergehende Verwendung von Räumen für Veranstaltungen
mit mehr als 200 Teilnehmern 172
6 j Merkblatt für private und öffentliche Veranstaltungen in Gebäuden
mit weniger als 200 Teilnehmern 174
6 k Begleitperson für Rollstuhlfahrer 175
6 l Holifestival 176

134
10
Anlage 1: Sicherheitsabsperrungen bei Veranstaltungen
Stand: Juni 2015

Inhalt

1. Einführung 136
2. Schutzziele 136
3. Anwendungsfälle 136
3.1. Fan-Trennung 136
3.2. Sichtschutz 136
3.3. Abschrankung der Besucherfläche vor der Szenenfläche
(Bereich für den Sanitäts- und Ordnungsdienst) 137
3.4. Abschrankung in Stehplatzbereichen vor Szenenflächen 137
3.5. Umzäunungen von Veranstaltungsplätzen 138
3.6. Sichere und rasche Räumung von Veranstaltungsbereichen 138
3.7. Zu- und Abfahrtsmöglichkeit für Einsatzfahrzeuge 139
3.8. Zugangskontrolle ÖPNV 139
4. Arten von mobilen Sicherheitsabsperrungen 139
4.1. Bauzaun 139
4.2. Absperrgitter 141
4.3. Polizeigitter 142
4.4. Bühnenabsperrgitter 142
4.5. Zaunwagensysteme 143
4.6. Absperrband, Absperrgurt / Tensator, Absperrkordel und Absperrkette 144
4.7. Rollzaun-Systeme 145
5. Schließung von mobilen Sicherheitsabsperrungen 145
6. Anordnung der Sicherheitsabsperrungen 146
6.1. Grundsätze 146
6.2. Beispiele 146
7. Abbildungsnachweis / -verzeichnis 148
7.1. Abbildungsnachweis 148
7.2. Abbildungsverzeichnis 148

Aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit wird auf die geschlechtsneutrale Differenzierung,
z. B. Besucher und Besucherinnen, verzichtet. Sämtliche Rollen-Bezeichnungen gelten im Sinne der
Gleichbehandlung grundsätzlich für beide Geschlechter.
Das diesem Merkblatt zugrundeliegende Vorhaben „BaSiGo – Bausteine für die Sicherheit von Groß-
veranstaltungen“ wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Sicherheits-
forschungsprogramm der Bundesregierung unter dem Förderkennzeichen 13N12048 gefördert.
Das Merkblatt ist durch die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e.V. (vfdb)
veröffentlicht worden (MB 13-02).
135
10
1. Einführung • Gewährleistung einer raschen Entleerung der
Zuschauerbereiche bei einer Evakuierung durch
Mobile Sicherheitsabsperrungen sind ein unver- Freihaltung, Kennzeichnung und Definition der
zichtbares Instrumentarium bei allen Großveran- Flucht- und Rettungswege
staltungen. • Schaffung gesicherter An-, Zu- und Umfahrten
für Einsatzkräfte
Bewegliche Absperrungen können von großem • Schaffung von Bewegungsflächen für Einsatz-
Nutzen im Sinne einer vorausschauenden Pla- kräfte (Behandlungsplätze, Einsatzmaßnahmen
nung, strukturierten Organisation und Perso- im Brandfall, etc.)
nenlenkung sowie sicheren Durchführung einer • Sicherung veranstaltungsrelevanter Infra-
Veranstaltung sein, können jedoch ebenso eine struktur gegen unbefugten Zutritt (Bühnen,
Gefahr für die Besucher darstellen und wirksame Backstagebereiche, Sanitätsstationen, PA- /
Lösch- und Rettungsarbeiten erheblich behin- Licht-Tower, FOH-Plätze, etc.)
dern. Aus Sicht der nichtpolizeilichen Gefahren- • Strukturierung des Veranstaltungsgeländes,
abwehr stehen neben der raschen Entleerung um die Nutzbarkeit durch Besucher, Mitwirken-
der Besucherbereiche, die Sicherstellung der de und Dienstleister sicherzustellen
Hilfsfrist und der gesicherte Abtransport von • Gewährleisten einer möglichst gleichmäßigen
Verletzten insbesondere bei einem eventuellen Befüllung des Veranstaltungsbereiches und
Schadenfall im Vordergrund. definierten Führung von Personenströmen

Daher muss der Aufbau im Rahmen des Geneh- 3. Anwendungsfälle


migungsverfahrens bzw. des Sicherheitskon-
zeptes überprüft werden. Dabei dürfen durch Mobile Absperrungen lassen sich in zahlreichen
Absperrungen keine Gefährdungen hervorgeru- Einsatzkontexten finden. Nachfolgend sind einige
fen werden. Anwendungsfälle aufgeführt, in denen mobile
Absperrungen regelmäßig zum Einsatz kommen.
Die Vorgaben der Versammlungsstättenverord- Bei jedem Einsatz ist immer zu prüfen, ob die
nung (MVStättVO – Fassung Juni 2005) trifft Art der eingesetzten Absperrungen dem Zweck
Aussagen zu Absperrungen, zur Blockbildung in entspricht und ob aus dem Einsatz ggfs. negative
Sportstadien, zur Abschrankung von Stehplätzen Konsequenzen resultieren.
vor Szenenflächen und zur Einfriedung von Sta-
dionanlagen. Konkrete Aussagen zur Wahl des
Absperrmaterials sind nicht enthalten.
3.1. Fan-Trennung
zur Vermeidung von Ausschreitungen bei Sport-
Für die Anwendung von mobilen Absperrungen
veranstaltungen, hauptsächlich bei Fußballspie-
außerhalb des Geltungsbereiches der Ver-
len, durch das Aufeinandertreffen rivalisieren-
ordnung existieren zum jetzigen Zeitpunkt
der Fangruppierungen, so diese nicht baulich
keine standardisierten Vorgaben – die Muster-
vorhanden sind.
Versammlungsstättenverordnung kann hier als
Anhaltspunkt genutzt werden, bietet jedoch
Eine Fan-Trennung kann insbesondere seitens
für einen Teil der Anwendungsbereiche keine
der nationalen und internationalen Sportverbände
ausreichende Hilfestellung.
zur Auflagen gemacht werden. Die daraus resul-
tierenden Maßnahmen sind aber stets mit den
Aus diesem Grunde, aber auch aufgrund unter-
örtlich zuständigen Behörden abzustimmen.
schiedlicher umgangssprachlicher Begriffe für
ein und dieselbe Absperreinrichtung, soll dieses
Merkblatt zur Vereinheitlichung und somit zur 3.2. Sichtschutz
Verständlichkeit beitragen.
zur Vermeidung unerwünschter Zaungäste oder
der Beeinflussung des Besucherverhaltens.
2. Schutzziele Die oft zahlreichen, außerhalb der Einlasskontrol-
len mithörenden Zaungäste von Open-Air-Konzer-
Aus der Einführung lassen sich folgende Schutz-
ten können das Sicherheitskonzept gefährden,
ziele bezüglich der Verwendung von Sperren und
da Ausgänge aus dem Veranstaltungsgelände
Gittern als Sicherheitsabsperrung bei Veranstal-
blockiert werden und die An- und Abfahrt von
tungen ableiten:
Einsatzfahrzeugen erschwert werden kann. Auch
an Engstellen im Veranstaltungsgelände können
• Schutz der Besucher vor zu hohen Personen-
Sichtschutzzäune zu einem wesentlich verbes-
drücken
serten Besucherfluss führen, in dem Bereiche
• Segmentierung von Veranstaltungsbereichen
136
10
geschaffen werden, die für die Besucher auf- 3.4. Abschrankung in Stehplatz-
grund gestörter oder sogar fehlender Sicht nicht
länger attraktiv sind. Hierdurch können Person-
bereichen vor Szenenflächen
entsprechend der Muster-Versammlungsstätten­
endichten gezielt beeinflusst werden. Erfah-
verordnung (§ 29 Abs. 2 MVStättVO)
rungsgemäß verweilen Besucher in Bereichen
ohne Sicht zur Bühne oder anderen attraktiven
Showflächen in der Regel nicht.

Das Abschirmen bestimmter veranstaltungsbe-


zogener Aktionen (z.B. den Beginn des Einlasses)
kann darüber hinaus das Besucherverhalten
positiv beeinflussen und beruhigen.

3.3. Abschrankung der Besucher-


fläche vor der Szenenfläche
(Bereich für den Sanitäts- und
Ordnungsdienst)
entsprechend der Muster–Versammlungsstätten-
verordnung (§ 29 Abs. 1 MVStättVO)

Die Abgrenzung dient der Definition des Beginns


des Stehplatzbereiches für Zuschauer und als
Zugriffsmöglichkeit für den Ordnungs- und Sani-
Abb. 2: Bühnenabsperrgitter mit dahinter liegendem
tätsdienst. Diese können von dort direkt auf den Sanitäts- und Ordnungsgang vor Veranstaltungsbeginn
potentiell am dichtesten mit Personen belegten
Bereich zugreifen, um deeskalierend zu wirken Werden vor Szenenflächen / Bühnen mehr als
oder helfen zu können. Umgangssprachlich wird 5.000 Besucher erwartet, sind zwei weitere
dieser Bereich oft als „Bühnengraben“ bezeich- Abschrankungen analog den Vorgaben des
net. § 29 MVStättVO vorzusehen. In Abhängigkeit
vom Zielpublikum und der Art der Darbietung
kann sich auch bei weniger als 5.000 Besuchern
die Notwendigkeit ergeben, entsprechende Ab-
schrankungen vorzusehen.

Die Abschrankungen im Zuschauerbereich


die­nen, neben einer Zugriffsmöglichkeit für
Ordnungs- und Sanitätsdienst auf die vordersten
Bereiche, der Vermeidung starker Personen-
drücke. Die Bereiche dürfen entsprechend ihrer
Größe in Anlehnung an § 1 Abs. 2 MVStättVO
mit 2 Personen/m² gefüllt werden. Naturgemäß
drängen sich dann an der bühnenzugewandten
Seite mehr Personen, so dass hier höhere
Personendichten erreicht werden. Die Personen
haben jedoch in diesem Bereich die Möglichkeit
in den hinteren Bereich innerhalb der abge-
schrankten Bereiche auszuweichen, ohne dass
weiterer Druck von hinten aufgebaut wird. So
kommt es zum typischen Bild der im vorderen
Bereich gut, im hinteren Bereich sehr locker
Abb. 1: Zwischen der vorgelagerten Bühnenabschran-
gefüllten Abschrankung (umgangssprachlich oft
kung und der Bühne ist der Sanitäts- und Ordnungs-
gang zu sehen als „Wellenbrecher“ bezeichnet).

Die MStättVO sieht darüber hinaus in der 2014


aktualisierten Fassung vor, dass bei der Bean-
tragung einer höheren Anzahl von Besuchern
je Quadratmeter Grundfläche, die schnelle und

137
10
sichere Erreichbarkeit der Ausgänge und die
Möglichkeit zur Durchführung wirksamer Lösch-
und Rettungsarbeiten gesondert nachzuweisen
sind. Diese Maßnahmen können sowohl organi-
satorischer und sicherheitstechnischer, als auch
baulicher Art sein. Beispiele hierfür sind:

• zusätzliche Gänge und Ausgänge


• getrennte Zu- und Ausgänge oder
• eigene Angriffswege für die Feuerwehr

Unabhängig davon ist sicherzustellen, dass es


mindestens zwei voneinander unabhängige,
möglichst entgegengesetzte Rettungswege
gibt, die entsprechend gekennzeichnet werden
Abb. 4: Abschrankungen im leeren Besucherbereich
(Piktogramme nach BGV A8 und DIN 4844, ggf.
be- / hinterleuchtet).
3.5. Umzäunungen von
Im Bereich hinter der zweiten Abschrankung Veranstaltungsplätzen
(nach MVStättVO mindestens 20 m Abstand zur zur Begrenzung der Besucherzahl
Bühne bzw. Szenenfläche) ist i. d. R. der Per-
sonendruck nicht mehr so groß, dass es einer Der Veranstalter bzw. Betreiber einer Versamm-
weiteren Abschrankung bedarf. lungsstätte muss aus unterschiedlichen Gründen
das Veranstaltungsgelände baulich eingrenzen.
Dies kann u. a. aus Gründen der Zugangs-
kontrolle, Diebstahlschutz, Verkehrssicherung
oder Personenlenkung sein.

3.6. Sichere und rasche Räumung


von Veranstaltungsbereichen
mit Berücksichtigung der Erkennbarkeit der
Ausgänge

Hier dienen Sicherheitsabsperrungen der Perso­


nenlenkung und -führung auf den definierten
Flucht- und Rettungswegen. Diese müssen
durch augenfällige, eindeutige Rettungsweg-
kennzeichnungen in ausreichender Größe
ergänzt werden. Dies dient der Orientierung
des ortsunkundigen Besuchers, der es in der
Regel gewohnt ist, die Veranstaltung auf dem
Weg zu verlassen, auf dem er sie betreten hat.
Dieses Phänomen ist in der Psychologie sehr
gut erforscht: Die Besucher kennen diesen Weg,
Abb. 3: Open-Air-Veranstaltung mit 25.000 Besuchern weitere Durch- und Ausgänge sind ihnen grund-
im Innenbereich des Olympiastadions in München. sätzlich erst einmal nicht bekannt. Die bekannte
Deutlich erkennbar sind die Abschrankungen vor der Beschilderung analog der geltenden Normen
Szenenfläche mit den Ordner- und Sanitätergängen DIN EN ISO 7010 und DIN 4844 bzw. der Be-
rufsgenossenschaftlichen Vorschriften (BGV A8)
und Technischen Regeln für Arbeitsstätten
(ASR A1.3) gibt den Besuchern das Gefühl, diese
Wege ebenfalls gefahrlos nutzen zu können.

Die Wege sind je nach Veranstaltungszeit


zusätzlich zu beleuchten. Die Beleuchtung muss
auch bei Ausfall der übrigen Stromversorgung
funktionsfähig sein. Dies kann durch Anschluss
an eine Sicherheitsstromversorgung oder andere

138
10
geeignete Maßnahmen (Aufteilung auf unter- 4. Arten von mobilen Sicherheits-
schiedliche Trafostationen) erfolgen. Dies ist
unabhängig der Verwendung von Absperrungen
absperrungen
relevant und daher grundsätzlich sicherzustellen.
4.1. Bauzaun
3.7. Zu- und Abfahrtsmöglichkeit
Maße
für Einsatzfahrzeuge Mittelhoch: h = 1,20 m, b = 3,50 m
zur Trennung von Zuschauerbereichen bzw. de-
Standard: h = 2,00 m, b = 3,50 m / 2,20 m
ren Verkehrsflächen und denen der Einsatzkräfte
Extra hoch: h = 2,45 m, b = 3,50 m
Zufahrten und Umfahrten für Einsatzfahrzeuge
Synonyme: Heras-Gitter, Heras-Zaun, Mobilzaun
müssen grundsätzlich zu jedem Zeitpunkt für die-
se nutzbar sein. Um eine anderweitige Nutzung
oder Belegung mit Aufbauten zu verhindern,
kann hierfür eine Abschrankung notwendig sein.

3.8. Zugangskontrolle ÖPNV


zur Gewährleistung einer geordneten Personen-
führung an der Schnittstelle zum öffentlichen
Personennahverkehr

Je nach Veranstaltungsart reisen zahlreiche Be-


sucher mit öffentlichen Verkehrsmitteln an und
wieder ab. Die Bahnhöfe und Haltestellen sind
jedoch regelmäßig nicht für die damit verbun-
denen Personenströme, sondern das übliche
Fahrgastaufkommen ausgelegt. Hinzu kommt,
dass die Ein- und Aussteigemöglichkeiten in
aller Regel an befahrenen öffentlichen Stra-
ßen oder in unmittelbarer Nähe von genutzten
Gleisbereichen liegen. Um hier keine Gefähr-
dungen entstehen zu lassen, kann der Einsatz Abb. 5a: Bauzaunfelder zur Zutrittsverhinderung
von geeigneten Absperrungen in Verbindung
mit entsprechend unterwiesenem Ordnungs-
dienstpersonal unerlässlich sein und muss in
Absprache mit den Verkehrsunternehmen bzw.
-dienstleistern sowie den Sicherheitsbehörden
erfolgen.

Insbesondere müssen bei der zuständigen


Stelle (beispielsweise der Polizei für Verkehrs-
lenkungsmaßnahmen oder den Verkehrsbetrie-
ben für Arbeiten im Bereich von Bahnanlagen
oder ähnlichem) die Rahmenbedingungen
(Zustimmung bzw. Ermächtigung) eingeholt
werden, dass private Ordnungsdienste im
öffentlichen Bereich / Bereich des öffentlichen
Verkehrs tätig werden können.

Abb. 5b: Bauzaunfelder zur Zutrittsverhinderung

139
10
Der Bauzaun ist ein gängiger und weit verbreite-
ter Gittertyp. Er ist günstig und in großer Menge
leicht verfügbar. Er ist in allen Bereichen ohne
Personendruck einsetzbar, da er horizontale
Kräfte nur schlecht aufnehmen kann und leicht
kippt. Mit den entsprechenden Abstützungen /
Sturmstreben oder Dreiecken können die
Elemente gegen allzu leichtes Kippen gesichert
werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die
Streben Rettungs- und Verkehrswege nicht
beeinträchtigen.

Zu beachten ist, dass die Standfüße in 90°-Po-


sition eine Stolpergefahr darstellen. Bei einer
Aufstellung entlang von Flucht- und Rettungs-
Abb. 6: Bauzaun als Sichtschutz mit Notausgangs- wegen ist dies entsprechend abzuwägen.
kennzeichnung; zu beachten sind mögliche Wind-
lasten, die auf die Banner einwirken können. Verschraubte Bauzäune stellen für Einsatzkräfte
ein Hindernis dar, das ggf. zu erheblichen Ver-
zögerungen im Einsatz führt. Hier ist zu prüfen,
ob ein Einhängen der Gitter nicht ausreicht, ggf.
unterstützt durch Kabelbinder.

Oftmals kommen aus Sichtschutz- oder Kenn-


zeichnungsgründen „beplante“ (= mit Planen /
Bannern versehene) Bauzäune zum Einsatz
(s. z. B. Abb. 6). Hierbei ist stets die reale bzw.
vorhergesagte Windstärke zu beachten, da ge-
schlossene Bauzäune windlastanfällig sind und
Abb. 7: Bauzaun mit Rollen als Flucht- und Rettungs- bei aufkommendem Wind leicht kippen bzw. in
weg inklusive Kennzeichnung (außerhalb des Betriebs). sich brechen können. Dies kann bei vollflächiger
Beplanung bereits bei Windstärken zwischen
4-6 Beaufort (20-49 km/h) eintreten. Liegende
Bauzäune stellen dann eine erhöhte Gefährdung
der Besucher und Mitwirkenden dar und erfül-
len darüber hinaus ihren ursprünglichen Zweck
nicht mehr. Beplante Bauzäune sind daher nur
zu verwenden, wenn die Stabilität der Zaunanla-
ge (siehe oben) entsprechend erhöht wird oder
eine Gefährdung durch Wind ausgeschlossen
werden kann.

Generell ist darauf zu achten, dass die Rettungs-


wegkennzeichnung so angebracht wird, dass
sie jederzeit für jeden Besucher gut sichtbar ist
und nicht verdeckt werden kann. Hierfür sind
allgemein gültige Piktogramme zu verwenden.
Eine Kennzeichnung analog der geltenden Nor-
men DIN EN ISO 7010 und DIN 4844 bzw. der
Berufsgenossenschaftlichen Vorschriften (BGV
A8) und Technischen Regeln für Arbeitsstätten
(ASR A1.3) bietet hierzu eine Orientierung, da
sie allgemein bekannt und anerkannt sind.

Abb. 8: Bauzäune mit Laufrollen als Notausgang


während einer Veranstaltung. Die zusätzliche erhöhte
Kennzeichnung verhindert ein Verdecken des Pikto-
gramms durch davor stehende Menschentrauben.

140
10
Anwendung Absperrgitter sind wie Bauzäune weit verbrei-
l geeignet n bedingt geeignet s ungeeignet tet. Auch dieser Gittertyp hält Personendruck
nicht stand, da er leicht kippt. Hinzu kommt
n Fan-Trennung die schwierige Erkennbarkeit: Wenn Personen
l Sichtschutz vor den Absperrgittern stehen, sind die Gitter
s Begrenzung mit hohem Personendruck für andere Personen aufgrund ihrer geringen
(z.B. Bühnenabgrenzung) Höhe oft schwer zu erkennen. In Bereichen
mit höherer Personendichte würden die Gitter
s Abschrankung / Abtrennung in Stehplatz-
unweigerlich kippen, da die ersten Reihen den
bereichen (hoher Personendruck)
Druck weitergeben (müssen).
l Begrenzung und Umzäunung ohne
Personendruck Bei diesem Gittertyp geht ebenfalls von den
l Im Verlauf von Rettungswegen, wenn auf Füßen eine Stolpergefahr aus, die entsprechend
Laufrollen (ohne Feststelleinrichtung) und zu berücksichtigen ist.
die Drehachse des Zauntores an Ober- und
Unterkante gesichert ist
l Im Verlauf von Feuerwehrzufahrten,
wenn auf Laufrollen und die Drehachse
des Zauntores an Ober- und Unterkante
gesichert ist

4.2. Absperrgitter
Maße: h = 1,10 m, b = 2,50 m
Synonyme: Mannheimer Gitter,
Fan-Gitter,
Mannesmann-Gitter,
Luxemburger Gitter,

Abb. 11: Weiteres Beispiel zur Anwendung: Einlass-


schleuse aus Absperrgittersystem außerhalb der
Rettungswege.

Anwendung
l geeignet n bedingt geeignet s ungeeignet
n Fan-Trennung (Übersteigen möglich)
s Sichtschutz
s Begrenzung mit hohem Personendruck
(z.B. Bühnenabgrenzung)
Abb. 9: Absperrgitter
s Abschrankung / Abtrennung in Stehplatz-
bereichen (hoher Personendruck)
l Begrenzung und Umzäunung ohne
Personendruck
l Im Verlauf von Rettungswegen, wenn auf
Laufrollen (ohne Feststelleinrichtung)
l Im Verlauf von Feuerwehrzufahrten

Abb. 10: Absperrgitter auf Rollen

141
10
4.3. Polizeigitter grundsätzlich mit den zuständigen Behörden
und Beteiligten abzustimmen und sollte nur in
Maße: h = 1,10 m, b = 2,00 ... 3,00 m Erwägung gezogen werden, wenn es kurzfristig
Synonyme: Hamburger Reiter, Hamburger Gitter keine andere Lösungsmöglichkeit vor Ort gibt.
Zusätzlich sind Polizeigitter als bühnenseitige
Absperrung bei erster und zweiter Abschran-
kung (Sanitäts- und Ordnungsdienstgang)
geeignet.

4.4. Bühnenabsperrgitter
Maße: h = 1,10 m b = 1,09 m, t = 1,00 m
Synonyme: Holland-Gitter, Mojo-Barrieren,
Mojos, Konzertgitter, Gigs,
Bühnenbarrikaden, Stagebarrier,
Bühnengitter, Crashbarrier
Abb. 12: Einzelelement Polizeisperrgitter, klappbar

Polizeigitter gibt es in fester und klappbarer


Ausführung. Unabhängig davon haben Polizeigit-
ter eine gute Standfestigkeit und sind durch die
Trittfläche auch bei Personendruck kippsicherer
als Absperrgitter. Aufgrund der Stäbe im Feldbe-
reich wirkt auf die Personen in der ersten Reihe
jedoch eine große punktuelle / stabförmige
Kraft, die teilweise zu schwereren Verletzungen
oder zumindest unangenehm empfundenen
Drücken führen kann. In Bereichen mit entspre-
chend hohem Personendruck wie vor Bühnen
sind Polizeigitter somit nicht geeignet.

Anwendung
l geeignet n bedingt geeignet s ungeeignet
n Fan-Trennung (Übersteigen möglich)
s Sichtschutz
s Begrenzung mit hohem Personendruck
(z.B. Bühnenabgrenzung)
Abb. 13: Absperrung vor einem abfallenden Hang –
n Abschrankung / Abtrennung in Stehplatz- Vorderansicht
bereichen (hoher Personendruck)
l Begrenzung und Umzäunung ohne
Personendruck
s Im Verlauf von Rettungswegen, wenn auf
Laufrollen (ohne Feststelleinrichtung)
s Im Verlauf von Feuerwehrzufahrten

Zu beachten ist, dass die Gitter, sobald Perso-


nen darauf stehen, nicht mehr verschiebbar
sind. Gerade im Bereich von Zufahrten oder in
Bereichen von Flucht- und Rettungswegen ist
dies zu bedenken. Unter Beachtung des Un-
fallschutzes (Stolper- / Verletzungsgefahr durch
rückwärtige Streben) kann als letzte Alternative
eine umgedrehte Anordnung helfen (Trittfläche
nach Innen). So ist zumindest ein Öffnen nach Abb. 14: Absperrung innerhalb eines Stehplatzberei-
Innen möglich. Diese Verfahrensweise ist ches – Rückansicht

142
10
Bühnenabsperrgitter sind prädestiniert für 4.5. Zaunwagensysteme
alle Bereiche mit hohem Personendruck. Sie
unterscheidet von Polizeigittern, dass sie an Maße: h = 1,00 m (2 Zaunrollen à 25 m)
der Vorderseite (zum Publikum hin) flächige
Lochbleche aufweisen und an der Rückseite
über Trittstufen verfügen. Diese erleichtern
dem Sanitäts- und Ordungsdienst den Zugriff
auf das Publikum. Darüber hinaus haben sie
eine bessere Standfestigkeit, da die Konstruk-
tion insgesamt stabiler ist (Vierkantrohre statt
Rundrohre, Lochbleche statt Gitter am Boden,
stabile Verschraubung statt losem Einhängen).
Auf ebenem und sauberem Untergrund (Teer,
Hallenboden, Beton etc.) ist es für die Stand-
sicherheit zwingend erforderlich, die Abschran-
kung auf Gummimatten zu stellen.

Weiterhin gibt es eine Vielzahl an Spezialbau-


teilen, die eine individuelle Anpassung der
Abschrankung für die jeweilige Örtlichkeit erlau-
ben (Eckelemente innen / außen, Elemente mit
Kabeldurchlässen, Einlassschleusen / -tore, etc.).
Im Gegensatz zu anderen Absperrungen ist
jedoch zu bedenken, dass die Bühnenabsperr-
gitter nicht ohne weiteres mobil sind und daher
einen großen Auf- und Abbauaufwand haben. Abb.15: Basis-Zaunwagen

Anwendung Zaunwagensysteme haben den Vorteil, dass


l geeignet n bedingt geeignet s ungeeignet viele Laufmeter Zaun auf kleinem Raum gela-
n Fan-Trennung gert werden können. Der Nachteil besteht im
schlechten Druckaufnahmevermögen. Eine op-
l Sichtschutz tische Führung der Personenströme durch den
l Begrenzung mit hohem Personendruck Zaun ist sicher gegeben, „Ausreißern“ bietet
(z.B. Bühnenabgrenzung) das System aber keinen großen Widerstand.
l Abschrankung / Abtrennung in Stehplatz-
bereichen (hoher Personendruck) Anwendung
l Begrenzung und Umzäunung ohne l geeignet n bedingt geeignet s ungeeignet
Personendruck n Fan-Trennung (Übersteigen möglich)
s Im Verlauf von Rettungswegen s Sichtschutz
s Im Verlauf von Feuerwehrzufahrten s Begrenzung mit hohem Personendruck
(z.B. Bühnenabgrenzung)
s Abschrankung / Abtrennung in Stehplatz-
bereichen (hoher Personendruck)
l Begrenzung und Umzäunung ohne
Personendruck
s Im Verlauf von Rettungswegen
s Im Verlauf von Feuerwehrzufahrten

143
10
4.6. Absperrband, Absperrgurt / Bei diesen Absperrmitteln handelt es sich nicht
um Gitter, sondern um flexible Absperrungen, mit
Tensator, Absperrkordel und mehr optischem Charakter. Wird diese Art der
Absperrkette Absperrung verwendet, setzt dies die Akzeptanz
des Systems seitens des Publikums voraus oder
die Maßnahme ist personalintensiv.

Bei Absperrgurten / Tensatorbändern ist zu


beachten, dass Versionen erhältlich sind, die zum
Einsatz in Rettungswegen geeignet sind. Bei den
entsprechenden Ausführungen ist die Aufnahme
des Bandes so gestaltet, dass diese sich bei
leichtem, horizontalem Druck löst (Magnet oder
„Panikverschluss“ mit reversibler Sollbruchstelle).
Die Gurtpfosten dürfen die Besucher jedoch nicht
behindern.
Abb. 16: Absperrband (auch Trassierband oder Flatter-
band) Absperrband bietet den Vorteil, dass man es an
vielen Stellen vorhalten und leicht entfernen kann.
Bei hohem Personendruck reißt das Band oder
kann leicht durchtrennt werden. Es kann so dem
Ordnungsdienst helfen, temporäre Sperr- oder
Umleitungsmaßnahmen auch im Bereich von
Flucht- und Rettungswegen durchzuführen. In
diesen Bereichen gibt es oft keine Möglichkeit mit
Gittern zu arbeiten, so dass in Abstimmung mit
der Sicherheitsbehörde, Absperrband die einzige
Möglichkeit bietet, dem Personal ein Hilfsmittel
an die Hand zu geben. Durch die Verwendung von
Abb. 17: Absperrgurt (auch Tensator oder Flughafen- Absperrband kann dies mit einem geringeren Per-
band) sonalbedarf geschehen, als wenn die Maßnahme
alleine durch Ordner durchgeführt wird.

Anwendung
l geeignet n bedingt geeignet s ungeeignet
s Fan-Trennung
s Sichtschutz
s Begrenzung mit hohem Personendruck
(z.B. Bühnenabgrenzung)
s Abschrankung / Abtrennung in Stehplatz-
bereichen (hoher Personendruck)
Abb. 18: Absperrkordel
l Begrenzung und Umzäunung ohne
Personendruck
n Im Verlauf von Rettungswegen, wenn sich
die Absperrung bei Druck in Fluchtrichtung
leicht selbsttätig löst
l Im Verlauf von Feuerwehrzufahrten

Abb. 19: Absperrkette

144
10
4.7. Rollzaun-Systeme Ein Rollzaunsystem wie ist ein mobiles, aber
dennoch standfestes System, das flexibel in
Maße: h = 2,00 m (mobil) Bereichen ohne Personendruck verwendet
werden kann.

Anwendung
l geeignet n bedingt geeignet s ungeeignet
l Fan-Trennung
l Sichtschutz
s Begrenzung mit hohem Personendruck
(z.B. Bühnenabgrenzung)
s Abschrankung / Abtrennung in Stehplatz-
bereichen (hoher Personendruck)
l Begrenzung und Umzäunung ohne
Personendruck
s Im Verlauf von Rettungswegen, wenn sich
die Absperrung bei Druck in Fluchtrichtung
leicht selbsttätig löst
s Im Verlauf von Feuerwehrzufahrten

Abb. 20: Mobiles Rollzaunsystem


5. Schließung von mobilen
Sicherheitsabsperrungen
Besteht die Notwendigkeit die o. g. Sicher-
heitsabsperrungen zu verschließen (z. B. über
Nacht), so empfiehlt sich:

• die Bewachung durch einen geeigneten


Sicherheitsdienst
• die Schließung mittels Bügelschlössern, die
durch Einsatzkräfte geöffnet werden können
(Bügelstärke ≤ 5 mm oder Schließsystem der
Feuerwehr)

Abb. 21: Mobiles Rollzaunsystem Diese Maßnahmen dienen der Sicherstellung


des ungehinderten Zugangs für Einsatzkräfte der
polizeilichen und nichtpolizeilichen Gefahrenab-
wehr außerhalb der Veranstaltungszeiten, um
unnötige Verzögerungen bei der Rettung von
Menschen und Sachwerten zu verhindern und
eine schnelle Gefahrenabwehr sicherzustellen.

Abb. 22: Transport des mobilen Rollzauns

145
10
6. Anordnung der Sicherheitsab- • geeignete Gittertypen verwendet werden
(s. vorherige Seiten)
sperrungen • die Absperrungen bis außerhalb des Sichtbe-
reiches auf die Szenenfläche / Bühne geführt
6.1. Grundsätze werden, ggf. kann die notwendige Breite der
Abschrankung an den äußeren Enden durch
Bei der Anordnung von Sicherheitsabsperrun- Zäune mit Sichtschutz reduziert werden („wo
gen ist darauf zu achten, dass man nichts sieht, bleibt man nicht stehen“).
Die Maßnahme dient vor allem dazu, den
• aus den abgeschrankten Bereichen immer Ausgangsbereich frei von Menschentrauben
zwei Ausgänge auf Flucht- und Rettungswege und so begehbar zu halten.
führen • Berücksichtigung der Art der Besucher;
• keine Sackgassen oder Trichter gebildet wer- werden bspw. Kinder in großer Zahl erwartet,
den ist dies bei der Gitterauswahl zu beachten.
• spitzwinklige Anordnungen insbesondere vor Manche Gittertypen sind in diesem Fall un-
Bühnen und Szenenflächen mit Personen- geeignet, da sich das obere Rohr des Gitters
druck vermieden werden auf Hals- / Gesichtshöhe der Kinder befindet
• die Besucherzahl in den abgeschrankten und diese gegebenenfalls durch die Gitter
Bereichen festgelegt ist und eingehalten wird; gedrückt werden können.
ggf. ist dies organisatorisch zu kontrollieren • Bei der Anwesenheit von Kleinkindern ist
• die Abschrankungen immer vollständig auf- gem. MVStättVO darauf zu achten, dass ein
gebaut werden (Bühnenabschrankung, erste Überklettern der Abschrankungen erschwert
Abschrankung, zweite Abschrankung, jeweils wird
mit Sanitäts- und Ordnungsdienstgang)
6.2. Beispiele

Abb. 23: Grundbegriffe bei Sicherheitsabsperrungen vor Bühnen / Szenenflächen

146
10

Abb. 24: Vermeidung spitzer Winkel

Abb. 25: Grundsatz der zwei Rettungswege (inkl. Vermeidung spitzer Winkel;
entsprechende Durchgangshöhe wird für den unter der Bühne durchgehenden
2. Ausgang vorausgesetzt)

Notausgang
x

bauliche
Anlage Anlag e
bauliche

x
Absperrung
Absperrung

Besucherbereich

Abb. 26: Vermeidung von Trichtern

147
10
7. Abbildungsnachweis / -verzeichnis

7.1. Abbildungsnachweis
Abbildungen 1 - 8, 11, 13, 14, 23 - 26: Branddirektion München
Abbildungen 9, 10, 12, 16 - 19: Messe München GmbH
Abbildungen 15, 20 - 22: www.secufence.de

7.2. Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Zwischen der Bühnenabschrankung und der Bühne ist der Sanitäts- und
Ordnungsgang zu sehen. Seite 137
Abbildung 2: Bühnenabsperrgitter mit dahinter liegendem Sanitäts- und Ordnungsgang vor
Veranstaltungsbeginn. Seite 137
Abbildung 3: Open-Air-Veranstaltung mit 25.000 Besuchern im Innenbereich des Olympia-
stadions in München. Deutlich erkennbar sind die Abschrankungen vor der
Szenenfläche mit den Ordner- und Sanitätergängen. Seite 138
Abbildung 4: Abschrankungen im leeren Besucherbereich. Seite 138
Abbildung 5a: Bauzaunfelder zur Zutrittsverhinderung. Seite 139
Abbildung 5b: Bauzaunfelder zur Zutrittsverhinderung. Seite 139
Abbildung 6: Bauzaun als Sichtschutz mit Notausgangskennzeichnung; zu beachten sind
mögliche Windlasten, die auf die Banner einwirken können. Seite 140
Abbildung 7: Flucht und Rettungsweg mit Kennzeichnung in Bauzaunfeld auf Rollen gelagert
(außerhalb der Betriebzeit). Seite 140
Abbildung 8: Bauzäune mit Laufrollen als Notausgang während einer Veranstaltung.
Die zusätzliche erhöhte Kennzeichnung verhindert ein Verdecken des Piktogramms
durch davor stehende Menschentrauben. Seite 140
Abbildung 9: Absperrgitter. Seite 141
Abbildung 10: Absperrgitter mit Rollen. Seite 141
Abbildung 11: Weiteres Beispiel zur Anwendung: Einlassschleuse aus Absperrgittersystem
außerhalb der Rettungswege. Seite 141
Abbildung 12: Einzelelement Polizeisperrgitter, klappbar. Seite 142
Abbildung 13: Absperrung vor einem abfallenden Hang – Vorderansicht. Seite 142
Abbildung 14: Absperrung innerhalb eines Stehplatzbereiches – Rückansicht. Seite 142
Abbildung 15: Basis-Zaunwagen. Seite 143
Abbildung 16: Absperrband (auch Trassierband oder Flatterband). Seite 144
Abbildung 17: Absperrgurt (auch Tensator oder Flughafenband). Seite 144
Abbildung 18: Absperrkordel. Seite 144
Abbildung 19: Absperrkette. Seite 144
Abbildung 20: Mobiles Rollzaunsystem. Seite 145
Abbildung 21: Mobiles Rollzaunsystem. Seite 145
Abbildung 22: Transport des mobilen Rollzauns. Seite 145
Abbildung 23: Grundbegriffe bei Sicherheitsabsperrungen vor Bühnen / Szenenflächen. Seite 146
Abbildung 24: Vermeidung spitzer Winkel. Seite 147
Abbildung 25: Grundsatz der zwei Rettungswege (inkl. Vermeidung spitzer Winkel;
entsprechende Durchgangshöhe wird für den unter der Bühne durchgehenden
2. Ausgang vorausgesetzt). Seite 147
Abbildung 26: Vermeidung von Trichtern. Seite 147

148
10
Anlage 2: Bewertungssystem zur brandschutztechnischen Einschätzung von
Großveranstaltungen (Sicherheitskoeffizient)
Stand: Juni 2015

Veranstaltungsort:

Datum/Uhrzeit:

Beschreibung der Veranstaltung:

Sachbearbeiter:

Erstelldatum:

Sicherheitskoeffizient

(Risikofaktor arithmetisches Mittel der Sicherheitsfaktoren)

Risikofaktor
Risikogruppe 1 (Risikofaktor 1) Besucher Risikogruppe 2 (Risikofaktor 1,25) Besucher
Veranstaltungen in Versammlungsräumen < 1.000 Veranstaltungen in Versammlungsräumen > 1.000
Stehplatzkonzerte + Kinovorführungen < 1.000 Stehplatzkonzerte + Kinovorführungen > 1.000
Umzüge, Kundgebungen < 1.000 Umzüge, Kundgebungen > 1.000
Sportveranstaltungen auf Streckenabschnitten < 1.000 Sportveranstaltungen auf Streckenabschnitten > 1.000
Straßenfeste < 1.000 Straßenfeste > 1.000
Messen, Ausstellungen < 1.000 Messen, Ausstellungen > 1.000
Sportveranstaltungen < 3.500 Sportveranstaltungen > 3.500
Sitzplatzkonzerte < 3.500 Sitzplatzkonzerte > 3.500

Risikogruppe 3 (Risikofaktor 1,5) Besucher Risikogruppe 4 (Risikofaktor 2) Besucher


Veranstaltungen in Versammlungsräumen > 3.500 Veranstaltungen in Versammlungsräumen > 7.000
Stehplatzkonzerte + Kinovorführungen > 10.000 Stehplatzkonzerte + Kinovorführungen > 20.000
Umzüge, Kundgebungen > 10.000 Umzüge, Kundgebungen > 20.000
Sportveranstaltungen auf Streckenabschnitten > 10.000 Sportveranstaltungen auf Streckenabschnitten > 20.000
Straßenfeste > 10.000 Straßenfeste > 20.000
Messen, Ausstellungen > 10.000 Messen, Ausstellungen > 20.000
Sportveranstaltungen > 15.000 Sportveranstaltungen > 30.000
Sitzplatzkonzerte > 15.000 Sitzplatzkonzerte > 30.000

Risikogruppe 5 (Risikofaktor 2,5) Besucher


Veranstaltungen in Versammlungsräumen > 10.000 Gewählter Risikofaktor:
Stehplatzkonzerte + Kinovorführungen > 30.000
Umzüge, Kundgebungen > 30.000
Sportveranstaltungen auf Streckenabschnitten > 30.000
Straßenfeste > 50.000
Messen, Ausstellungen > 50.000
Sportveranstaltungen > 60.000
Sitzplatzkonzerte > 60.000

149
10
Sicherheitsfaktoren

1. Anfahrtswege Faktor 2. Zu- und Durchfahrten Faktor


günstig 0,5 günstig 0,5
normal 1 normal 1
ungünstig 2 ungünstig 2
sehr ungünstig 4 sehr ungünstig 4
gewählt: gewählt:

3. Löschwasserversorgung Faktor 4. Flucht- und Rettungswege Faktor


günstig 0,5 günstig 0,5
normal 1 normal 1
ungünstig 2 ungünstig 2
sehr ungünstig 4 sehr ungünstig 4
gewählt: gewählt:

5. Kommunikationswege Faktor 6. Brandszenarien Faktor


günstig 0,5 günstig 0,5
normal 1 normal 1
ungünstig 2 ungünstig 2
sehr ungünstig 4 sehr ungünstig 4
gewählt: gewählt:

7. Feuergefährliche Handlungen Faktor 8. Zuschauerverhalten Faktor


zusätzliche Risiken sind … zusätzliche Risiken sind …
ausgeschlossen 1 ausgeschlossen 0,5
weitestgehend vernachlässigbar 1,5 weitestgehend vernachlässigbar 1
nicht ausgeschlossen, aber beherrschbar 2 nicht ausgeschlossen, aber beherrschbar 2
dito und schwierig zu beherrschen 4 dito und schwierig zu beherrschen 4
gewählt: gewählt:

9. Veranstalterbonus Faktor
Hohes Sicherheitsbewusstsein des Veranstalters und geschultes Sicherheitspersonal in hoher Anzahl 0,5
„Normales“ Sicherheitsbewusstsein des Veranstalters und geschultes Sicherheitspersonal 1
„Normales“ Sicherheitsbewusstsein des Veranstalters und schlecht geschultes Sicherheitspersonal 2
Nicht stark ausgeprägtes Sicherheitsbewusstsein des Veranstalters und geschultes Sicherheitspersonal 2
Nicht stark ausgeprägtes Sicherheitsbewusstsein des Veranstalters und schlecht geschultes Sicherheitspersonal 4

Bemerkungen

150
10
Beschreibung des Sicherheitskoeffizienten
Sicherheitskoeffizient 1,5
Bearbeitung der Veranstaltung
Keine Einsatzplanung erforderlich

Sicherheitskoeffizient 1,5 bis 2


Bearbeitung der Veranstaltung
Abnahme der Veranstaltung
Keine Einsatzplanung erforderlich

Sicherheitskoeffizient 2,1 bis 2,5


Bearbeitung der Veranstaltung
Abnahme der Veranstaltung
Forderung Sicherheitskonzept
Anwesenheit von Vorbeugendem Brand- und Gefahrenschutz und Ordnungsamt während der Veranstaltung mit Kontakt zum Veranstalter,
Polizei und Rettungsdienst
Information der Wache(n)
Bei Pyrotechnik oder feuergefährlichen Handlungen wird zusätzlich eine Brandsicherheitswache gestellt (i.d.R. 0/1/1/2)
Weitergabe der einsatztaktisch relevanten Informationen an die Abteilung der Einsatzvorbereitung mit der Empfehlung „Sonderausrückung Groß-
veranstaltung“
Anfertigung einer entsprechenden Einsatzplanung

Sicherheitskoeffizient 2,6 bis 3,0


Bearbeitung der Veranstaltung
Abnahme der Veranstaltung
Forderung Sicherheitskonzept
Anwesenheit von Vorbeugendem Brand- und Gefahrenschutz und Ordnungsamt während der Veranstaltung mit Kontakt zum Veranstalter,
Polizei und Rettungsdienst
Information der Wache(n)
Eine Brandsicherheitswache wird gestellt (Stärke 0/1/5/6 + Löschfahrzeug, je nach Notwendigkeit)
Weitergabe der einsatztaktisch relevanten Informationen an die Abteilung der Einsatzvorbereitung mit der Empfehlung „Sonderausrückung Groß-
veranstaltung“
Anfertigung einer entsprechenden Einsatzplanung

Sicherheitskoeffizient 3,1 bis 4,0


Bearbeitung der Veranstaltung
Abnahme der Veranstaltung
Forderung Sicherheitskonzept
Anwesenheit von Vorbeugendem Brand- und Gefahrenschutz und Ordnungsamt während der Veranstaltung mit Kontakt zum Veranstalter,
Polizei und Rettungsdienst
Information der Wache(n)
Eine Brandsicherheitswache wird gestellt (Stärke 0/1/5/6 + Löschfahrzeug, je nach Notwendigkeit)
Einweisung des Einsatzführungsdienstes vor Ort
Weitergabe der einsatztaktisch relevanten Informationen an die Abteilung der Einsatzvorbereitung mit der Empfehlung „Sonderausrückung Groß-
veranstaltung“
Anfertigung einer entsprechenden Einsatzplanung

Sicherheitskoeffizient > 4,0


Bearbeitung der Veranstaltung
Abnahme der Veranstaltung
Forderung Sicherheitskonzept
Anwesenheit von Vorbeugendem Brand- und Gefahrenschutz und Ordnungsamt während der Veranstaltung mit Kontakt zum Veranstalter,
Polizei und Rettungsdienst
Information der Wache(n)
Information an den Leiter der betroffenen Feuerwehr bzw. an den Kreisbrandrat und die Katastrophenschutzbehörde
Eine Brandsicherheitswache wird gestellt (i.d.R. 1/3/12/16 + Löschzug, je nach Notwendigkeit).
Einweisung des Einsatzführungsdienstes vor Ort
Weitergabe der einsatztaktisch relevanten Informationen an die ILS mit der mit der Empfehlung „Sonderausrückung Großveranstaltung“
Anfertigung einer entsprechenden Einsatzplanung

151
10
Bewertungssystem zur Festlegung der Sanitätsdienststärke

Veranstaltungsort:

Datum/Uhrzeit:

Beschreibung der Veranstaltung:

Sachbearbeiter:

Erstelldatum:

Gesamtpunktzahl

(Punktwert Risikomultiplikator) + Risikozuschläge

Punktwert Risikomultiplikatoren
(Maximalwert)

Punktwert in Abhängigkeit der Sportveranstaltungen Wert
Personenzahl (zeitgleich) allgemein 1
Erwartete Personenzahl Punktwert Motorsport bis 1,5
500 – 1.500 1 Radsport bis 1,5
1.501 – 3.000 2 Inline-Skating 1,5
3.001 – 6.000 3 Flugveranstaltung bis 2
6.001 – 10.000 4 Fußball 1,2
10.001 – 15.000 5
15.001 – 20.000 6 Musikveranstaltungen Wert
20.001 – 30.000 7 Klassikkonzert 0,8
30.001 – 40.000 8 Sonstiges Konzert bestuhlt 1 bis 1,5
40.001 – 50.000 9 Sonstiges Konzert unbestuhlt 1,2 bis 2
50.001 – 60.000 10
60.001 – 70.000 11 Verkaufsveranstaltungen Wert
70.001 – 80.000 12 Ausstellungen und Flohmärkte 0,7 bis 1
80.001 – 90.000 13 Messen 0,5 bis 0,8
90.001 – 100.000 14
100.001 – 110.000 15 Sonstige Veranstaltungen Wert
110.001 – 120.000 16 Fasching 1,2 bis 1,5
120.001 – 130.000 17 Theater 1
gewählt: Zirkus 1,1
Stadtteilfest 1

gewählt:

152
10
Risikozuschläge

Gewaltbereites Publikum (lt. Polizei) Wert


10 bis 20 Personen 1
mehr als 20 Personen 2
gewählt:

Zusätzl. Personenschutzmaßnahmen für Personen mit Sicherheitsstufe Wert


Sicherheitsstufe 1 bis 5 1
Sicherheitsstufe 5 bis 10 2
gewählt:

Erfahrungen aus früheren Veranstaltungen (ggf. auch Abzug möglich) Wert


1 bis 2
gewählt:

Besondere Wetterlage Wert


bis 1,5
gewählt:

Besonders starker Alkohol- und Drogenkonsum Wert


1 bis 2
gewählt:

Brandgefahr/-auswirkungen Wert
1 bis 2
gewählt:

Bemerkungen

153
10
Anlage 3: Brandverhalten von Baustoffen
angelehnt an: Bauregelliste A Teil 1, Anlage 0.2.2 (2009 / 1), Deutsches Institut für Bautechnik, DIBT)

Zusatzanforderungen Europäische Klasse nach
DIN EN 13501-1
Bauaufsichtliche kein Rauch kein brennendes Bauprodukte, aus- lineare Klasse nach
Benennung Abfallen / genommen lineare Rohrdämmstoffe DIN 4102-1
Abtropfen Rohrdämmstoffe
nichtbrennbar ja A1 A1 fl A1
A2 - s1, d0 A2 fl - s1 A2
schwerentflammbar ja B - s1, d0 B fl - s1 B1
C - s1, d0 C fl - s1
ja A2 - s2, d0
A2 - s3, d0
B - s2, d0
B - s3, d0
C - s2, d0
C - s3, d0
ja A2 - s1, d1
A2 - s1, d2
B - s1, d1
B - s1, d2
C - s1, d1
C - s1, d2
A2 - s3, d2
B - s3, d2
C - s3, d2
normalentflammbar ja D - s1, d0 A2 fl - s2 B2
D - s2, d0 B fl - s2
D - s3, d0 C fl - s2
E D fl - s1
D - s1, d1 D fl - s2
D - s2, d1 E fl
D - s3, d1
D - s1, d2
D - s2, d2
D - s3, d2
E - d2
leichtentflammbar F F fl B3

154
10
Anlage 4: Checkliste für Sicherheitsbehörden
am Beispiel der Branddirektion München
Stand: Juni 2015

Vollständigkeit der Antragsunterlagen

❑ Veranstaltungskonzept
❑ Pläne (Lagepläne, Bestuhlungspläne)
❍ maßstäblich
❍ lesbar
❍ aussagekräftig (wesentliche Informationen enthalten)
❍ umfassend
❍ aktuell
❑ Besucherzahl (zeitgleich)
❑ Rettungswegnachweis
❑ Sicherheitskonzept
❑ Verkehrskonzept
❑ Überfüllung- / Räumungskonzept

Zuständigkeiten/Anhörung

❑ Welche rechtliche Vorgaben müssen eingehalten werden/welche Erlaubnisse sind erforderlich


❑ ggf. zuständige Dienststellen für die Bescheide ermitteln und Unterlagen weiterreichen
❑ Auflagen bei Fachdienststellen erfragen / Anhörungsverfahren

Prüfung der Veranstaltung

❑ Sicherheitskonzept notwendig?
❑ Höchstbesucherzahl
❍ Rettungswegnachweis
❍ Flächennachweis
❑ Rettungswege
❍ Führung
❍ Dimensionierung
❑ Raumplanung (WC, Gastronomie, Besucherflächen, etc.)
❍ Stauflächen
❍ keine Sackgassen
❍ getrennte Rettungswegführung
❑ An- / Ab- / Umfahrten für Einsatzfahrzeuge
❍ innerhalb des Geländes
❍ zur bestehende Bebauung
❑ Abstände Aufbauten
❍ untereinander
❍ zur bestehenden Bebauung
❑ Gitteranordnung (Zuwegung, Absperrung nicht zugänglicher Bereiche, Rettungswege, etc.)
❑ Abschrankungen vor Stehplätzen
❑ Angaben zum Gebäude (vorübergehende Nutzung nach § 47 VStättV)
❍ Angaben zum Feuerwiderstand wesentlicher Bauteile
❍ Rauchableitung
❍ Nachweis der Standsicherheit durch Statiker
❍ Baustoffe
❍ Türen im Rettungsweg
❑ Anordnung der Bestuhlung
❑ Angaben zur Sicherheitsbeleuchtung
❑ Angaben zu Feuerlöschgeräten und -einrichtungen
❑ Verkehrskonzept schlüssig und ausreichend
❍ verkehrsrechtliche Anordnungen nötig
❍ Kennzeichenvornotierungen
❍ Einbezug ÖPNV
155
10
❑ Konzept zur Ver- und Entsorgung
❍ Toiletten (inkl. Personaltoiletten)
❍ Abfallentsorgung
❍ Mehrweg / Pfandsystem
❍ Lieferverkehr
❑ Regelungen zu offenem Feuer, Pyrotechnik / Feuerwerk
❑ Angaben zu wetterabhängigen Maßnahmen
❑ Verwendung brennbarer Flüssigkeiten oder Gasen
❑ Anforderungen an Materialien (Dekorationen, Ausschmückungen, etc.)
❍ schwerentflammbar
❍ nichtbrennbar
❑ Blitzschutz
❑ Kommunikationsliste
❑ SK Brandschutz ermitteln
❍ Einweisung der Einsatzkräfte?
❍ Einsatzpläne erforderlich?
❑ Sanitätsdienst bemessen
❑ Ordnungsdienst
❍ Personalansatz
❍ gewerblicher Ordnungsdienst notwendig?
❑ Weitere Fachdienste (Wasser-, Berg-, Höhenrettung, etc.)
❑ Löschwasserversorgung
❑ Orientierung für Einsatzkräfte möglich (Ausgänge, markante Punkte, etc.)
❑ Einsatzkonzepte abgestimmt
❑ Information der Besucher möglich
❑ Überfüllung- / Räumungskonzept

Ergebnis / Bescheiderstellung

❑ Information an alle Betroffenen, auch Fachdienststellen


❑ Information der Öffentlichkeit, ggf. durch eigene Pressemeldung
❑ Begehung / Ortstermin nötig?
❍ vor oder während der Veranstaltung
❍ mit welchen Beteiligten
❍ dauerhafte Anwesenheit / Krisenstab vorsorglich einrichten
❑ Brandsicherheitswache?

Notizen:

156
9
Anlage 5: Vorlagen zur Dokumentation des behördlichen
Einvernehmens mit dem Sicherheitskonzept
Stand: Juni 2015

Abs.:

I. An die Sicherheitsbehörde / Ordnungsamt

Wir bitten um Prüfung des als Anlage zugeleiteten

Sicherheitskonzeptes

Stand: Version: mit Seiten, erstellt von

für die Veranstaltung

am/vom bis , Örtlichkeit .

Dieses Schreiben geht parallel inkl. Anlage an die Polizei und die Feuerwehr.

Mit freundlichen Grüßen

II. zurück an

Wird von der Sicherheitsbehörde/Ordnungsamt ausgefüllt:

❑ Mit dem o. g. Sicherheitskonzept besteht in der genannten Fassung Einverständnis.


Ein Abdruck dieses Schreibens geht an die Feuerwehr und die Polizei.
❑ Das o. g. Sicherheitskonzept ist gemäß den in der Anlage aufgeführten Punkten zu überarbeiten.
Ein Abdruck dieses Schreibens inkl. Anlage geht an die Feuerwehr und die Polizei.
Die geänderte Fassung (Änderungen sind z. B. farblich hervorzuheben, Streichungen lesbar gestrichen) ist inkl. neuem
Anschreiben erneut der Sicherheitsbehörde, der Polizei und der Feuerwehr zur Prüfung zuzuleiten.


Ort, den


Sicherheitsbehörde/Ordnungsamt

Hinweis: Sobald alle drei Behörden ihr Einverständnis mit der selben Version des Sicherheitskonzeptes erklären, sind die drei entsprechenden
Schreiben dem Konzept als Anlage anzufügen und die endgültige Version ist den Behörden zuzuleiten (ohne hervorgehobene Änderungen).

157
Abs.:

I. An die Feuerwehr

Wir bitten um Prüfung des als Anlage zugeleiteten

Sicherheitskonzeptes

Stand: Version: mit Seiten, erstellt von

für die Veranstaltung

am/vom bis , Örtlichkeit .

Dieses Schreiben geht parallel inkl. Anlage an die Polizei und die Sicherheitsbehörde/ Ordnungsamt.

Mit freundlichen Grüßen

II. zurück an

Wird von der Feuerwehr ausgefüllt:

❑ Mit dem o. g. Sicherheitskonzept besteht in der genannten Fassung Einverständnis.


Ein Abdruck dieses Schreibens geht an die Feuerwehr und die Polizei.
❑ Das o. g. Sicherheitskonzept ist gemäß den in der Anlage aufgeführten Punkten zu überarbeiten.
Ein Abdruck dieses Schreibens inkl. Anlage geht an die Sicherheitsbehörde und die Polizei.
Die geänderte Fassung (Änderungen sind z. B. farblich hervorzuheben, Streichungen lesbar gestrichen) ist inkl. neuem
Anschreiben erneut der Sicherheitsbehörde, der Polizei und der Feuerwehr zur Prüfung zuzuleiten.


Ort, den


Feuerwehr

Hinweis: Sobald alle drei Behörden ihr Einverständnis mit der selben Version des Sicherheitskonzeptes erklären, sind die drei entsprechenden
Schreiben dem Konzept als Anlage anzufügen und die endgültige Version ist den Behörden zuzuleiten (ohne hervorgehobene Änderungen).

158
Abs.:
9

I. An die Polizei

Wir bitten um Prüfung des als Anlage zugeleiteten

Sicherheitskonzeptes

Stand: Version: mit Seiten, erstellt von

für die Veranstaltung

am/vom bis , Örtlichkeit .

Dieses Schreiben geht parallel inkl. Anlage an die Feuerwehr und die Sicherheitsbehörde/Ordnungsamt.

Mit freundlichen Grüßen

II. zurück an

Wird von der Polizei ausgefüllt:

❑ Mit dem o. g. Sicherheitskonzept besteht in der genannten Fassung Einverständnis.


Ein Abdruck dieses Schreibens geht an die Feuerwehr und die Polizei.
❑ Das o. g. Sicherheitskonzept ist gemäß den in der Anlage aufgeführten Punkten zu überarbeiten.
Ein Abdruck dieses Schreibens inkl. Anlage geht an die Sicherheitsbehörde und die Feuerwehr.
Die geänderte Fassung (Änderungen sind z. B. farblich hervorzuheben, Streichungen lesbar gestrichen) ist inkl. neuem
Anschreiben erneut der Sicherheitsbehörde, der Polizei und der Feuerwehr zur Prüfung zuzuleiten.


Ort, den


Polizei

Hinweis: Sobald alle drei Behörden ihr Einverständnis mit der selben Version des Sicherheitskonzeptes erklären, sind die drei entsprechenden
Schreiben dem Konzept als Anlage anzufügen und die endgültige Version ist den Behörden zuzuleiten (ohne hervorgehobene Änderungen).

159
10
Anlage 6: Informationsblätter der Branddirektion München

Anlage 6a: Bei Störfällen in Fahrgeschäften sind zwei Sze-


narien zu unterscheiden:
Fahrgeschäfte mit großen Höhen
Stand: Juni 2015
• Störungen, die durch den Betreiber selbst in
kurzer Zeit beseitigt werden können und
In Deutschland unterliegen Fahrgeschäfte der
• Unfälle, bei denen die Feuerwehr Insassen
„Richtlinie Fliegende Bauten“, den Normen DIN
befreien oder Gefahren beseitigen muss
EN 13 782 und 13 814 sowie den Bauverord-
nungen der Länder, werden regelmäßig wieder- Störungen:
kehrend durch Sachverständige überprüft und Bei einer Störung sollte sich der Betreiber des
die Fahrgeschäftsbetreiber sind wie der Besitzer Fahrgeschäftes über Notruf 112 bei der Leitstel-
eines Kraftfahrzeuges dazu verpflichtet, für die le melden und den Störfall sowie die vermutli-
Wartung ihres Eigentums zu sorgen. che Dauer der Störung melden. Zur Verifizierung
des Anrufes, ruft die Leitstelle im Anschluss
Dennoch kommt es immer wieder auf Veran- den Betreiber zurück und versichert sich der
staltungen zu Störungen und Unfällen in Zu- Richtigkeit des zuvor getätigten Anrufes. Es soll-
sammenhang mit Fahrgeschäften. Für Fahrge- te daher in der Planungsphase der Veranstaltung
schäfte mit großen Höhen, wie beispielsweise eine Kontaktliste der Fahrgeschäftsbetreiber
Riesenrädern, Freifalltowern oder Achterbahnen beim Veranstalter durch die Brandschutzdienst-
ergibt sich daraus eine besondere Herausforde- stelle angefordert und in der täglichen Kalten
rung für die nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr. Lage die Kontaktdaten geprüft werden. Zusätz-
Durch den Veranstalter sollte daher eine Gefah- lich sollte durch die Leitstelle der Sanitätsdienst
renanalyse durchgeführt und der zuständigen informiert werden.
Genehmigungsbehörde vorgelegt werden, die
diese dann mit der zuständigen Fachbehörde Gehen zwischenzeitlich Notrufe bei der Leitstel-
zu bewerten und gegebenenfalls Auflagen zu le ein, die das Fahrgeschäft (z.B. Stillstand mit
erstellen hat. Das mögliche Störungsszenario Personen) betreffen, versichert sich die Leitstel-
und die entsprechenden Maßnahmen sollten le beim Betreiber des Fahrgeschäftes, ob sich
ebenfalls Gegenstand des Sicherheitskonzeptes die Lage verändert hat und ob ein Eingreifen der
der Veranstaltung sein. Feuerwehr oder des Rettungsdienstes notwen-
dig ist.
Die zuständige Brandschutzdienststelle sollte
unter Einbeziehung der örtlich zuständigen Ist die Störung beseitigt, informiert der Betrei-
Feuerwehr eine Abstimmung mit dem Betrei- ber wiederum über Notruf 112 die Leitstelle.
ber des Fahrgeschäftes in der Planungsphase
der Veranstaltung anstreben, um mögliche Unfall:
Rettungsmöglichkeiten (mitgeführte Kräne, Bei einem Unfall setzt der Betreiber beziehungs-
Zugänglichkeit zu einzelnen Bereichen, Sicher- weise die verantwortliche Person einen Notruf
heitseinrichtungen der Fahrgeschäfte etc.) über 112 an die Leitstelle ab und informiert den
abzustimmen. Außerdem sollte die Erreichbar- Sanitätsdienst der Veranstaltung.
keit einer verantwortlichen Person des Fahrge-
schäftsbetreibers – mindestens während der Insbesondere folgende Angaben sind durch den
Betriebszeiten – bei der Leitstelle hinterlegt Betreiber an die Leitstelle zu übermitteln:
werden.
• Anzahl der Personen im Fahrgeschäft, mit
Die Fachbehörde sollte darüber hinaus eine Nennung der Höhe über Erdgleiche
Einsatzplanung erstellen bzw. diese an die • Anzahl der Verletzten, Art der Verletzung
Gefahrenanalyse anpassen. Erfordernisse der • Aktuell beste Anfahrtsmöglichkeit für Feuer-
Einsatzplanung sind insbesondere: wehrfahrzeuge (LKW)

• Anpassung der Alarm- und Ausrückeordnung Der Betreiber hat sich bis zum Eintreffen der
(AAO) der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr Feuerwehr an der Kasse aufzuhalten und geht von
• Ortskunde der Einsatzkräfte sich aus aktiv auf den Einsatzleiter (in der Regel
• vordefinierte Aufstellbereiche für Drehleiter, erkennbar an einer farbigen Weste oder einem
Kran sowie weitere Sonderfahrzeuge Überwurf) zu. Gibt es mehrere Kassen, hat der
Betreiber sicherzustellen, dass seine Beschäftig-
ten wissen, an welcher Kasse er sich aufhält.
160
10
Anlage 6b:
Information zum Aufstellen von
Flüssiggasanlagen bei Veranstal-
tungen (Gewerblicher Gebrauch)
Stand: Oktober 2014

Dieses Informationsblatt soll dazu dienen, die


über die Gerätesicherheit hinausgehenden
Anforderungen darzustellen.

Die sicherheitstechnische Überprüfung durch


eine „befähigte Person“ (Sachkundiger) beinhal-
tet die Gerätesicherheit der Flüssiggasanlage.
Bei der Gesamtbeurteilung der Veranstaltung ist
eine Ablehnung der Flüssiggasanlage, begrün- Die Blechschränke sind grundsätzlich im Freien,
det auf Art. 19 und Art. 23 des Landesstraf- und von außerhalb des Standes/Betriebes frei zu-
Verordnungsgesetzes, im Einzelfall möglich. gänglich und gut sichtbar anzuordnen. Sie sind
entsprechend zu kennzeichnen (schwarzes „G“
Vorbemerkung auf gelbem Grund).
Die Verwendung von Flüssiggasanlagen ist in
Veranstaltungsräumen, in Räumen unter Erdglei- Schläuche und Leitungen der Flüssiggasanlage
che, Treppenräumen, Fluren, Durchgängen und sind so zu verlegen, dass sie zugentlastet und
Durchfahrten unzulässig. gegen mechanische Belastungen geschützt
sind.
Grundsätzliche Anforderungen für Grill- und
Bratzwecke Schlauchleitungen mit einer Länge von mehr
Die Verwendung von Flüssiggas ist grundsätz- als 40 cm sind als Sicherheitsschlauch oder fest
lich untersagt. Kann auf Flüssiggasanlagen verlegte Leitung auszuführen.
zu Grill- und Bratzwecken aus betrieblichen
Gründen nicht verzichtet werden, sind die Die ordnungsgemäße Beschaffenheit der
Flüssiggasflaschen im Einvernehmen mit der Flüssiggasanlage (Dichtigkeitsprüfung) muss
Branddirektion in allseits geschlossenen, ge- bescheinigt werden. Die Bescheinigung ist auf
kennzeichneten Blechschränken mit Bodenbe- Verlangen vorzulegen.
lüftung unterzubringen.
Die maximal zulässige Flüssiggasmenge pro
Stand beträgt 2 x 11 kg.

Leitungsanlage der Flüssiggasanlage Prüfung der Gültigkeit der


Flüssiggasanlage Bescheinigung
Anschluss einer Schlauchleitung mit max. 40 cm Länge Befähigte Person 2 Jahre
direkt an der Flüssiggasflasche oder dem Umschaltventil, (Sachkundiger) für
wobei bei der Aufstellung sonstige Schraubverbindungen Flüssiggas nach
nicht gelöst werden dürfen Betriebssicher-
heitsverordnung
(BetrSichV)
Sicherheits-Gasschlauchleitung mit Steckverbindung 2 Jahre
(Gassteckdose)
Flüssiggasanlagen in Fahrzeugen 2 Jahre
Sonstige Leitungen (deren Schraub­verbindungen beim für eine
Aufstellen gelöst bzw. neu verschraubt werden) Aufstellung
Hinweis:
Bei der Aufstellung der Flüssiggasanlage sind die BGV D34, die TRGS 510 und TRGS 800 anzuwenden.

161
10
Anforderungen an Terrassenheizstrahler Aufstellungsort von Flüssiggasflaschen oder
Der Verwendung von Terrassenheizstrahlern -tanks im Bereich von Veranstaltungen in
im Freien kann zugestimmt werden, wenn das Küchenzelten, Buden, Mandelständen, Gastro-
Gerät für den gewerblichen Betrieb zugelassen zelten, Pavillons, Verkaufswagen und Messe-
ist und eine Bescheinigung darüber vorliegt. bauten.

Aufstellungsort von Flüssiggasflaschen oder -tanks im Bereich von Veranstaltungen in Küchenzelten, Buden,
Mandelständen, Gastrozelten, Pavillons, Verkaufswagen und Messebauten
Innerhalb Außerhalb
Flaschenschrank von Flaschenschrank mit Bei nachweislichem In Absprache mit der
außen zugänglich, mit Bodenbelüftung mit Mehrverbrauch auf An- Branddirektion Gastank
nicht verschließbaren 2x11 kg trag 33-kg-Gasflaschen möglich
Öffnungen (Lüftung) ins möglich
Freie und 2x11 kg - kurzzeitig > 1,5 kg/h
- periodisch > 0,8 kg/h
- dauerhaft > 0,3 kg/h
Küchenzelt X X X X
Buden X X X
Mandelstand X X
Gastrozelt X X X X
Pavillon 3x3 m Flaschenschrank muss X
nicht von außen zugäng­
lich sein, wenn der
Pavillon durchlüftet ist.
Messe Nur Ausnahme im X X X
Einzelfall
Verkaufswagen X X X

Zelt oder Bude mit Gasschrank von außen

G
Zelt oder Bude mit Gasschrank von außerhalb

G
Pavillon ohne Seitenwände mit Gasschrank innen

Die einschlägigen Vorschriften können über www.bgn.de (Shortlink 754) bezogen werden.

162
10
Anlage 6c: Anlage 6d:
Hinweise zu offenem Feuer Hinweise zur Verwendung
im Freien von Fackeln
Stand: Februar 2013 Stand: Februar 2013

Bevor das Feuer entzündet wird, sollte vom • Die Fackeln dürfen bei starkem Wind nicht
Veranstalter oder Verantwortlichen die zuständi- entzündet werden. Bereits brennende Fackeln
ge Polizeiinspektion davon unterrichtet werden. sind unverzüglich zu löschen.
Die Feuerwehr München ist ebenfalls über den • Das Anzünden der Fackeln hat mit der gebo-
Notruf 112 unmittelbar vor dem Ereignis zu tenen Sorgfalt zu erfolgen, um Personen und
informieren. Sachschäden zu vermeiden. So ist ein ausrei-
chender Abstand zu den beteiligten Personen
Für das offene Feuer im Freien müssen folgen- einzuhalten, damit Kleidungsstücke und lange
de Auflagen erfüllt und eingehalten werden: Haare nicht entzündet werden können.
• Während der Veranstaltung oder eines Um-
• Der Grundstückseigentümer muss damit zuges ist mindestens ein Kleinlöschgerät und
einverstanden sein. eine Löschdecke nach DIN EN 1869 vorzuhal-
• Der Abbrennplatz muss einen festen nicht ten oder mitzuführen, damit ein Entstehungs-
brennbaren Untergrund haben bzw. der Rasen feuer schnell erstickt und abgelöscht werden
sollte ausgestochen werden. kann.
• Der Abstand zu Gebäuden, Fensteröffnungen • Das Verlassen des Zuges bzw. des Veran-
und sonstigen brennbaren Gegenständen staltungsbereiches mit brennenden Fackeln
muss mindestens 5 m betragen. sowie das Hochwerfen oder Wegschleudern
• Leicht entzündbare Stoffe (Holzwolle, Heu, brennender Fackeln ist verboten. Die bren-
Stroh, Papier u. Ä.) und an die Feuerstelle nenden Fackeln dürfen nicht an Unbeteiligte
grenzende Waldgrundstücke müssen mindes- abgegeben werden.
tens 100 m von der Feuerstelle entfernt sein. • Die Fackeln sind nach dem Abbrennen, spä-
• Es darf nur sauberes Brennholz (z.B. Scheit- testens jedoch unmittelbar nach Beendigung
holz oder „Schwartlinge“) verwendet werden. der Veranstaltung auf der dafür vorgesehenen
Das Verbrennen von Abfall ist verboten. Fläche, die zu Gebäuden oder Kraftfahrzeugen
• Eine Löschmöglichkeit muss in unmittelbarer einen Abstand von mindestens 10 m haben
Nähe vorgehalten werden (z.B. Feuerlöscher, muss, abzulöschen und abzulegen.
angeschlossener Wasserschlauch, gefüllte • Zum Ablöschen der Fackeln sind bei einem
Wassereimer o. Ä). Einsatz von bis zu 50 Fackeln mindestens
• Bei starkem Wind darf das Feuer nicht ent- zwei mit 10 l Wasser gefüllte Eimer bereit-
zündet werden. Ein bereits entzündetes Feuer zuhalten. Die Fackeln dürfen erst abgelegt
muss gelöscht werden (Funkenfluggefahr). werden, wenn Feuer und Glut erloschen sind.
• Vor dem Verlassen der Feuerstelle ist die Die abgelöschten Fackeln sind sofort nach
verbleibende Glut so abzulöschen, dass eine Veranstaltungsschluss abzutransportieren.
erneute Entzündung ausgeschlossen werden

163
10
Anlage 6e: Abnahme
An der Abnahme nehmen je nach Zuständigkeit
Infoblatt Pyrotechnik teil:
Stand: Oktober 2014
• Die beauftragte verantwortliche Person für
die Veranstaltung
• Der verantwortliche Pyrotechniker
• Gewerbeaufsichtsamt der Regierung von
Oberbayern (GAA) zur Überprüfung der pyro-
technischen Effekte und des Erlaubnis- bzw.
Befähigungsscheins
• Branddirektion hinsichtlich der Sicherstellung
des Brandschutzes, der Erprobung und der
Genehmigung

Besonderheiten bei Versammlungsstätten


Auf Theaterbühnen, Szenenflächen, sowie in
Sportstadien und sonstigen Versammlungsräu-
men ist ergänzend zur Genehmigung nach der
1. SprengV eine Ausnahme nach § 35 VStättV
erforderlich. Diese kann erteilt werden, wenn
die Verwendung von offenem Feuer, brennba-
Das Infoblatt beinhaltet alle wesentlichen Re-
ren Flüssigkeiten und Gasen, sowie pyrotech-
gelungen bei der Verwendung von Pyrotechnik
nischen Effekten in der Art der Veranstaltung
im Bereich von Veranstaltungen, Theatern und
begründet ist und der Veranstalter die erforder-
vergleichbaren Einrichtungen im
lichen Brandschutzmaßnahmen im Einzelfall mit
Zuständigkeitsbereich der Landeshauptstadt
der Brandschutzdienststelle (Branddirektion) ab-
München.
gestimmt hat. Die Verwendung pyrotechnischer
Effekte muss durch eine nach Sprengstoffrecht
Genehmigung (§ 23 Abs. 6 der 1. SprengV)
geeignete Person überwacht werden.
Genehmigung zur Erprobung:
Zuständigkeit in der Landeshauptstadt
Effekte mit pyrotechnischen Gegenständen
München
und pyrotechnischen Sätzen in Theatern und
vergleichbaren Einrichtungen dürfen nur dann
Branddirektion
vorgeführt werden, wenn der Effekt vorher
Genehmigung zur Erprobung und Vorführung
gemäß der beabsichtigten Verwendung erprobt
nach § 23 Abs. 6 der 1. SprengV,
worden ist.
Ausnahme von § 35 VStättV,
Genehmigung nach VStättV, LStVG bzw.
Für die Erprobung der Effekte ist eine Geneh-
Gewerbeordnung (GewO)
migung der für den Brandschutz zuständigen

Stelle (Branddirektion) erforderlich.
Telefon (0 89) 23 53 – 31 59
Telefon (0 89) 23 53 – 31 74
Genehmigung zur Veranstaltung:
Telefax (0 89) 23 53 – 61 34
Für die Vorführung der Effekte in Anwesenheit
E-Mail:
von Mitwirkenden oder Besuchern bedarf es
bfm.veranstaltungssicherheit@muenchen.de
zusätzlich der Genehmigung der für die öffentli-
che Sicherheit und Ordnung zuständigen Stelle
Für einen effektiven Arbeitsablauf im Geneh-
(Kreisverwaltungsreferat HA I).
migungsverfahren ist es sinnvoll, sich vorab das
Einverständnis des Inhabers / Betreibers der
Um den Verwaltungsaufwand zu minimieren,
Veranstaltungsstätte einzuholen.
wird diese Genehmigung im Anschluss an die
Erprobung von der Branddirektion (Kreisverwal-
Besonderheiten bei Gastspielen (§ 23 Abs. 7
tungsreferat HA IV) erteilt.
der 1. SprengV), Anzeigepflicht
Die Genehmigungen können versagt und mit
Wer in eigener Person außerhalb der Räume
Auflagen verbunden werden, soweit dies zum
seiner Niederlassung (Theater), auf Tourneen
Schutz von Leben, Gesundheit und Sachgütern,
pyrotechnische Effekte in Anwesenheit von Be-
Mitwirkenden oder Dritter erforderlich ist.
suchern verwenden will, hat dies grundsätzlich

164
10
der zuständigen Behörde (in Bayern: Gewerbe- Pyrotechnische Gegenstände für Bühne und
aufsichtsamt) zwei Wochen vorher schriftlich Theater
anzuzeigen. In der Anzeige sind anzugeben:
Kategorie T1
• Name und Anschrift der für das Abbrennen Pyrotechnische Gegenstände für die Verwen-
der pyrotechnischen Effekte verantwortlichen dung auf Bühnen, die eine geringe Gefahr dar-
Person, stellen. Der Umgang und Verkehr ist Personen
• Ort, Tag und Zeitpunkt der Verwendung von mit einem Alter von 18 Jahren gestattet.
Bühnenpyrotechnik / Feuerwerkskörper,
• Art, Umfang und Sicherheitsabstände der Kategorie T2
Bühnenpyrotechnik / Feuerwerkskörper Pyrotechnische Gegenstände für die Verwen-
• die Sicherungsmaßnahmen, insbesondere dung auf Bühnen, die zur ausschließlichen
Absperrmaßnahmen sowie sonstige Vorkeh- Verwendung durch Personen mit Fachkenntnis-
rungen zum Schutz von Leben, Gesundheit sen vorgesehen sind. Der Umgang und Verkehr
und Sachgütern Mitwirkender und Dritter. ist Personen mit einem Alter von 21 Jahren, die
Inhaber einer Erlaubnis und eines Befähigungs-
Regierung von Oberbayern scheines sind, gestattet.
Telefon (0 89) 21 76 – 1
Gewerbeaufsichtsamt Sonstige pyrotechnische Gegenstände
E-Mail: poststelle@reg-ob.bayern.de
Kategorie P1
Pyrotechnische Effekte werden nach ihrer Pyrotechnische Gegenstände außer Feuer-
Gefährlichkeit oder ihrem Verwendungs- werkskörper und pyrotechnische Gegenstände
zweck in folgende Kategorien eingeteilt: für Bühne und Theater, die eine geringe Gefahr
darstellen. Der Umgang und Verkehr ist Perso-
Feuerwerkskörper nen mit einem Alter von 18 Jahren gestattet.

Kategorie 1 (F1) Kategorie P2


Feuerwerkskörper, die eine sehr geringe Gefahr Pyrotechnische Gegenstände außer Feuer-
darstellen. Der Umgang und Verkehr ist Perso- werkskörper und pyrotechnische Gegenstände
nen mit einem Alter von 12 Jahren gestattet. für Bühne und Theater, die zur Handhabung
oder Verwendung nur durch Personen mit
Kategorie 2 (F2) Fachkenntnissen vorgesehen sind. Der Umgang
Feuerwerkskörper, die eine geringe Gefahr dar- und Verkehr ist Personen mit einem Alter von
stellen und die zur Verwendung in abgegrenzten 21 Jahren, die Inhaber einer Erlaubnis und eines
Bereichen im Freien vorgesehen sind. Der Um- Befähigungsscheines sind, gestattet.
gang und Verkehr ist Personen mit einem Alter
von 18 Jahren gestattet. Kategorie S1
Pyrotechnische Sätze geringer Gefährlichkeit
Kategorie 3 (F3) die z. B. für die Anwendung auf Bühnen, in
Feuerwerkskörper, die eine mittelgroße Gefahr Theatern oder vergleichbaren Einrichtungen, zur
darstellen und die zur Verwendung in abge- Strömungsmessung oder zur Ausbildung von
grenzten Bereichen im Freien vorgesehen sind. Rettungskräften dienen.
Der Umgang und Verkehr ist Personen mit
einem Alter von 18 Jahren, die Inhaber einer Kategorie S2
Erlaubnis sind, gestattet. Pyrotechnische Sätze großer Gefährlichkeit,
deren Umgang und Verkehr an die Befähigung
Kategorie 4 (F4) und Erlaubnis gebunden ist.
Feuerwerkskörper, die eine große Gefahr dar-
stellen und die nur von Personen mit Fachkennt- Anforderung an die pyrotechnischen Gegen-
nissen verwendet werden dürfen. Der Umgang stände
und Verkehr ist Personen mit einem Alter von
21 Jahren, die Inhaber einer Erlaubnis und eines § 5 Abs. 1 SprengG
Befähigungsscheines sind, gestattet. Pyrotechnische Gegenstände dürfen nur einge-
führt oder verwendet werden, wenn für sie der
Konformitätsnachweis erbracht wurde und die
Stoffe und Gegenstände mit der CE-Kennzeich-
nung versehen sind.

165
10
§ 6 Abs. 4 der 1. SprengV Anordnungen der zuständigen Behörden
Pyrotechnische Gegenstände und Explosivstof- nach § 32 SprengG
fe sind vor der erstmaligen Verwendung im
Geltungsbereich des Gesetzes der Bundesan- Die zuständige Behörde kann im Einzelfall
stalt für Materialprüfung (BAM) anzuzeigen. anordnen, welche Maßnahmen zu treffen sind,
Die Bundesanstalt vergibt zum Nachweis der soweit dies zum Schutz von Leben, Gesund-
Anzeige eine Identifikationsnummer heit und Sachgütern, Beschäftigter oder Dritter
Die verwendeten pyrotechnischen Gegenstän- erforderlich ist.
de müssen ein CE-Zeichen (z. B. CE 0589) und
eine Identifikationsnummer (z.B. BAM-T1-1202) Gefahrenanalyse
haben.
• Flammenbildung
Übergangsvorschriften nach § 5 Abs. 1 i. V. • Wärmestrahlung
§ 47 Abs. 2 SprengG • Splitterwirkung
• Funkenflug
Ab dem 04.07.2017 dürfen nur noch pyrotechni- • Druckwirkung
sche Gegenstände mit Konformitätsnachweis • Schallwirkung (Lärm)
(CE-Zeichen) und Identifikationsnummer der • Blendung
BAM verwendet werden. • gesundheitsgefährdende Gase, Stäube,
Dämpfe und Rauch
Erlaubnisschein nach § 7 SprengG • Staubablagerungen im Objekt
• gegenseitige Beeinflussung verschiedener
Der Erlaubnisschein hat DIN-A4-Größe und ist Effekte
rosa. Er wird nur im Original anerkannt. Er ist
fälschungssicher und auch beglaubigte Kopien Allgemeine Grundsätze
sind als Ersatz nicht zulässig.
Allerdings sind Mehrfertigungen als Originale • verantwortlich für die Effekte ist nur eine
für eine Firma möglich. Der Erlaubnisschein ist Person,
unbegrenzt gültig. • alle unbekannten Effekte unbedingt vorher an
sicherer Stelle erproben,
Es gibt folgende Erlaubnisscheine: • Kennzeichnung des Sicherheitsbereiches ggf.
durchführen lassen,
• Bühnenpyrotechnik • pyrotechnische Gegenstände sind auf den
• Filmeffekte tatsächlichen Bedarf zu beschränken
• Großfeuerwerk
Die Sicherheitsabstände für Bühnenpyrotechnik
Befähigungsschein nach § 20 SprengG sind i. d. R. auf den Verpackungen oder Beipack-
zetteln der pyrotechnischen Effekte angegeben.
Bei unselbstständig tätigen Personen, die mit
pyrotechnischen Gegenständen der Kategorien Kennzeichnung und Anleitung (§ 14 Abs. 1
T2 und S2, sowie mit Feuerwerkskörpern der der 1. SprengV)
Kategorien 3 und 4 umgehen, ist ein Befähi-
gungsschein nach § 20 SprengG erforderlich. Wer explosionsgefährliche Stoffe oder Spreng-
zubehör herstellt, einführt oder verbringt, darf
Der Befähigungsschein ist nur in Verbindung mit diese Stoffe oder Gegenstände anderen nur
einer Erlaubnis (z. B. Firmenerlaubnis) nach überlassen, wenn sie und ihre Verpackung nach
§ 7 SprengG gültig. dem Stand der Technik gekennzeichnet sind
und eine bezeichnete Anleitung beigefügt ist.
Der Befähigungsschein ist auf eine Person
bezogen und ist fünf Jahre gültig. Damit einem Folgende Kennzeichnung ist anzubringen:
Missbrauch vorgebeugt wird, ist der Befähi-
gungsschein nur in Verbindung mit dem Perso- • Konformitätsnachweis (CE-Zeichen)
nalausweis gültig. • Identifikationsnummer der BAM
• die Kategorie, Nettoexplosivstoffmasse und
Altersgrenze
• der Sicherheitsabstand (ist i. d. R. auf den
Verpackungen oder Anleitungen der zugelas-
senen pyrotechnischen Gegenstände angege-
ben).

166
10
Maßnahmen zur Sicherstellung des Brand- • im Aufbewahrungsraum keine Lagerung von
schutzes Druckgaspackungen (z. B. Spraydosen).
• Geeignete Einrichtungen zur Brandbekämp-
• Sicherheitsabstände beachten (Mitwirkende, fung (z. B. Feuerlöscher) müssen in der Nähe
Besucher, Dekoration) jederzeit leicht erreichbar sein
Sicherheitsabstände sind grundsätzlich einzu- • im Gefahrenfall den Aufbewahrungsort unauf-
halten! gefordert mitteilen (z. B. der Feuerwehr).
Verringerungen sind nur möglich, wenn Kom- • Kennzeichnung (Gefahrensymbol „Explosiv“)
pensationsmaßnahmen im Einvernehmen mit
der Brandschutzdienststelle (Branddirektion) neu alt
getroffen werden.
• Leistung und Wirkung der Lüftung, z. B.
Beachten des Funkenfluges durch Querluft
(Einflüsse im Gebäude),
• die Mitwirkenden sind in die Wirkung des
Effektes vom Verantwortlichen einzuweisen,
• Spalten und Ritze im Boden abdecken lassen,
• Einfluss auf die Brandmelde- und Löschanla-
gen beurteilen,
• Hinweis auf die Möglichkeit zur Abschaltung
von Meldergruppen, dabei ggf. Ersatzmaß-
nahmen festlegen,
• Löschmittel und Löschgeräte bereitstellen,
• ungehinderte Sicht auf die Szenenfläche, Ordnungswidrigkeiten
• Erste Hilfe (Möglichkeit überprüfen),
• Anwesenheit einer Brandsicherheitswache Bei Verstößen gegen die gesetzlichen Vorgaben
(BSW), Einweisung über die Wirkung des Ef- sind Ordnungswidrigkeitsverfahren nach dem
fektes vom Verantwortlichen, sowie Informa- Sprengstoffgesetz möglich.
tion durch Abnahmeprotokoll bzw. Szenerie-
bucheintrag Nach VStättV kann ein Ordnungswidrigkeitsver-
• Vorhänge, Ausstattungen und Ausschmückun- fahren eingeleitet werden, wenn den Anwei-
gen müssen mindestens schwerentflammbar sungen der Brandsicherheitswache nicht Folge
sein. geleistet wird.
• Anfeuchten der Dekoration, soweit zusätzlich
erforderlich. Die Beamten der Einsatzvorbeugung sind als
Teil der Brandsicherheitswache anzusehen.
Aufbewahrung pyrotechnischer Gegenstände Nach § 24 SprengG hat die verantwortliche Per-
Bei der Aufbewahrung pyrotechnischer Ge- son (Befähigungsscheininhaber) Beschäftigte
genstände sind insbesondere folgende Punkte und Dritte vor Gefahren für Leben, Gesundheit
einzuhalten: und Sachgüter zu schützen.

• die Mengenbegrenzung Die Verantwortung geht in keinem Fall auf


• nur in geeigneten Räumen (dürfen nicht dem Behörden über.
dauernden Aufenthalt von Personen dienen)
• Aufbewahrung nur in der Originalverpackung Abkürzungen:
des Herstellers
• Schutz gegen Diebstahl und unbefugte Ent- • SprengG: Sprengstoffgesetz
nahme bzw. unbefugten Zugriff • 1. SprengV: Erste Verordnung zum Spreng-
• Feuer- und Rauchverbot stoffgesetz
• keine Lagerung leichtentzündlicher oder an- • VStättV: Versammlungsstättenverordnung
derer brennbarer Stoffe in unmittelbarer Nähe
der Gegenstände

167
10
Anlage 6f: Anlage 6g:
Information zur Verwendung Hinweise für einen Laternenumzug
von Skylaternen und Stand: Februar 2013
unbemannten Heißluftballonen • Die Laternen dürfen bei starkem Wind nicht
Stand: Oktober 2014 entzündet werden. Bereits brennende Later-
nen sind unverzüglich zu löschen.
Gerade im Rahmen von Feiern oder ähnlichen • Das Anzünden der Laternen hat mit der gebo-
Veranstaltungen findet die Verwendung von tenen Sorgfalt zu erfolgen, um Personen- und
Skylaternen (auch Skyballone, Himmelslichter, Sachschäden zu vermeiden.
o. Ä. genannt) immer größere Beliebtheit. Was • Beim Laternenumzug ist darauf zu achten,
hierbei oft nicht beachtet wird, ist die erhöhte dass ein ausreichender Abstand zu den
Brandgefahr, die von diesen Flugkörpern aus- beteiligten Personen eingehalten wird, damit
geht. Kleidungsstücke und lange Haare nicht ent-
zündet werden können.
Skylaternen sind nach ihrem Start nicht mehr • Während des Umzuges ist eine Löschdecke
kontrollierbar. Immer wieder geraten die Flug- nach DIN EN 1869 mitzuführen, damit ein Ent-
körper in Brand und stürzen brennend ab. Jedes stehungsfeuer schnell erstickt und abgelöscht
Jahr werden zahlreiche Brände verursacht, bei werden kann.
denen u. a. landwirtschaftliche Flächen und • Die Laternen sind nach Beendigung des Zu-
auch Gebäude betroffen sind. ges abzulöschen. Sofern dafür ein bestimm-
ter Platz ausgewiesen wird, muss er einen
Grundsätzlich ist hierzu festzustellen, dass der Abstand zu Gebäuden oder Kraftfahrzeugen
Betrieb von Skylaternen und unbemannten von mindestens 10 m haben.
Heißluftballonen gemäß § 18 Abs. 5 der Verord-
nung über die Verhütung von Bränden (VVB) un-
zulässig ist. Eine vorsätzliche oder grobfahrlässi-
ge Zuwiderhandlung kann durch die zuständige
Ordnungsbehörde mit einer Geldbuße belegt
werden.

168
10
Anlage 6h: Vorhänge müssen mindestens schwerent-
flammbar (B1 nach DIN 4102 oder mind. Klasse
Informationen zur Aufstellung C s3,d0 nach DIN EN 13501) sein und dürfen
von Fest-, Zirkus- und Ausstel- den Fußboden nicht berühren. Sie müssen
lungszelten und Tribünen der so- leicht verschiebbar sein.
genannten “Fliegenden Bauten”
Dekorationen müssen mindestens schwerent-
Stand: Februar 2013
flammbar (B1 nach DIN 4102 oder mind. Klasse
C s3,d0 nach DIN EN 13501) sein. Sie dürfen
nicht brennend abtropfen.

Ausschmückungen aus Laub- oder Nadelholz


(Pflanzen) müssen frisch oder mit einem ge-
eigneten Mittel gegen Entflammen imprägniert
sein.

Abfallbehälter müssen aus nicht brennbaren


Baustoffen bestehen und dichtschließende
Deckel haben.

Rettungswege
Zelte müssen mindestens zwei möglichst
entgegengesetzte Ausgänge haben. Von jedem
Platz muss ein Ausgang ins Freie in höchstens
30 m (Lauflinie) erreichbar sein.
Dieses Informationsblatt soll die Informationen
zur Gebrauchsabnahme für Fliegende Bauten
Die lichte Breite eines jeden Teils von Rettungs-
nach Art. 72 BayBO (Bayerische Bauordnung) des
wegen muss 1,20 m je 200 Personen, mindes-
Referats für Stadtplanung und Bauordnung um
tens jedoch 1,20 m betragen.
die Belange des Brandschutzes ergänzen. Es in-
formiert dabei über die wichtigsten Vorgaben der
Räume über 100 m² müssen jeweils mindes-
“Richtlinie über den Bau und Betrieb fliegender
tens zwei möglichst entgegengesetzt gelegene
Bauten” (FlBauR) in der Fassung vom Mai 2007.
Ausgänge besitzen.
Geltungsbereich der Richtlinie
Bei Zelten mit mehr als 200 Besucherplätzen
Die Richtlinie gilt für Zelte ab 75 m², ausgenom-
müssen die Türen in Fluchtrichtung aufschla-
men hiervon sind Camping- und Sanitätszelte.
gen. Sie müssen während des Betriebes von
innen mit einem einzigen Griff leicht in voller
Brandschutz
Breite zu öffnen sein.
Zwischen Zelten und zwischen Zelten und
Gebäuden müssen die Abstände nach Art. 30
Balkone, Emporen, Galerien
Abs. 2 der Bayerischen Bauordnung (BayBO)
Sofern sie von Besuchern genutzt werden,
eingehalten werden. Diese betragen in der Regel
sind zwei voneinander unabhängige Treppen
12 m (zu Gebäuden mit harter Bedachung) bzw.
erforderlich.
24 m zwischen Zelten mit weicher Bedachung.
Wir empfehlen die Anordnung Fliegender Bau-
Rampen und Treppen
ten frühzeitig mit Bauaufsicht und Branddirekti-
Treppen für den allgemeinen Besucherverkehr
on abzustimmen, um die individuellen Gegeben-
dürfen – zwischen den Handläufen – maximal
heiten vor Ort berücksichtigen zu können.
2,40 m breit sein.
Die ungehinderte Anfahrt der Feuerwehr und
Sofern unter der Treppe Gänge, Sitzplätze oder
die Umfahrt um das Zelt muss möglich sein.
Verkaufsstände angeordnet sind, müssen Trep-
pen an den Unterseiten geschlossen sein.
Baustoffe, ausgenommen gehobeltes Holz,
müssen schwerentflammbar (B1 nach DIN 4102
oder mind. Klasse C s3,d2 nach DIN EN 13501)
sein. Für Bedachungen, die höher als 2,30 m
über begehbaren Flächen liegen genügen nor-
malentflammbare Baustoffe (B2 nach DIN 4102
oder mind. Klasse E d2 nach DIN EN 13501).
169
10
Beleuchtung Die Vorrichtungen zum Öffnen der Rauchab-
Bei Zelten mit mehr als 200 m² ist eine Sicher- züge müssen an gut zugänglichen Stellen des
heitsbeleuchtung (nach VDE 100-718: 2005-10 Zeltes und an der Bedienstelle gekennzeichnet
und VDE 108-100: 2005-01) erforderlich. Die („Rauchabzug“) sein.
Rettungswege sind bis zur öffentlichen Ver-
kehrsfläche zu beleuchten. Scheinwerfer müs- Beheizung (bei mehr als 200 Besucherplätzen)
sen mindestens 1,5 m von brennbaren Stoffen Feuerstätten und Geräte, die mit festen, flüs-
entfernt sein. sigen oder gasförmigen Brennstoffen beheizt
werden sind in Zelten unzulässig.
Feuerlöscher
Die Branddirektion empfiehlt an jedem notwen- Elektrische Heizstrahler und Heizgebläse
digen Ausgang (Teil von Rettungswegen) ein müssen unverrückbar befestigt sein und zu
Wasser- oder Schaumlöscher nach DIN EN 3 brennbaren Stoffen einen Abstand von 1 m, in
oder DIN 14406 mit mindestens 6 l Löschmittel- Abstrahlrichtung einen Abstand von 3 m haben.
inhalt aufzustellen. In Bereichen mit Elek­tro- Von Austrittsöffnungen, die zu Heizgebläsen
­verteilungen, Ton- / Lichtregieplätzen und ver- gehören, müssen Gegenstände aus brennbaren
gleichbaren Anlagen empfehlen wir Kohlen- Stoffen in Richtung des Luftstromes mindes-
dioxidlöscher nach DIN EN 3 oder DIN 14406 tens 2 m entfernt sein, sofern die Temperatur
mit mindestens 5 kg Löschmittelinhalt vorzuse- der Warmluft über 40 °C liegt.
hen. Zur Bekämpfung von Bränden in Fritteusen
bis zu 50 l Füllmenge ist ein Feuerlöscher nach Bestuhlung (bei mehr als 200 Besucherplätzen)
DIN EN 3 für die Brandklasse F bereitzuhalten. Die Stühle der Reihenbestuhlung müssen
mindestens 0,50 m breit sein und sind mitein-
Fritteusen mit mehr als 50 l Füllmenge sind mit ander zu verbinden (z. B. mit Kabelbindern). Die
einer automatischen Löschanlage auszustatten; einzelnen Reihen müssen eine freie Durch-
dies gilt auch, wenn mehrere nebeneinander gangsbreite von mindestens 40 cm aufweisen.
aufgestellte Einzelgeräte die Fettgesamtmenge An jeder Seite eines Ganges dürfen höchstens
von 50 l überschreiten und mit einer Brandüber- 10 Sitzplätze angeordnet sein. In Logen mit
tragung zwischen den Fritteusen gerechnet mehr als 10 Stühlen müssen diese unverrückbar
werden muss. befestigt sein.

Die Löschgeräte müssen von einem Sachkundi- Der Abstand zwischen Tischen (außer Biertisch-
gen geprüft sein (mindestens alle 2 Jahre). garnituren) muss mindestens 1,50 m betragen.
Von jedem Tischplatz darf der Weg zu einem
Hinweisschilder oder Zeichen Gang nicht länger als 10 m sein.
Sämtliche notwendige Ausgänge sind mit
Schildern gemäß der Unfallverhütungsvorschrift Bei Biertischgarnituren beträgt die Sitzplatzbrei-
„Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeich- te mindestens 0,44 m. Die Gänge zwischen den
nung” (BGV A8) bzw. mit Rettungszeichen nach Stirnseiten der Biertischgarnituren müssen eine
DIN 4844-2: 2001-02 zu kennzeichnen. Die Mindestbreite von 0,80 m aufweisen, sofern
Rettungswegkennzeichnung muss dauerhaft nicht mehr als 120 Personen auf sie angewie-
und gut sichtbar sein. sen sind. Die Gänge müssen auf mindestens
1,20 m breite Gänge führen (siehe unter „Ret-
In Abhängigkeit von der Sichtweite beträgt die tungswege“).
erforderliche Schildergröße:
Bestuhlungen von Fliegenden Bauten für mehr
Sichtweite bis Ausführung Schildergröße als 5.000 Besucher müssen aus mindestens
schwerentflammbarem Material oder gehobel-
15 m innenbeleuchtet 74 x 148 mm
tem Holz bestehen.
beleuchtet 148 x 297 mm
30 m innenbeleuchtet 148 x 297 mm Sanitätsdienst und Sanitätsraum
beleuchtet 297 x 594 mm Bei Veranstaltungen mit mehr als 500 Personen
(zeitgleich) ist ein ständiger Sanitätsdienst er-
Rauchabzüge forderlich. Die Stärke des Sanitätsdienstes wird
Zelte mit mehr als 1.500 Personen müssen von der Branddirektion festgelegt.
Rauchabzugsöffnungen mit einem lichten Quer-
schnitt von 0,5 % ihrer Grundfläche oder gleich- Bei Zelten mit mehr als 3.000 Besuchern und
wertige mechanische Einrichtungen haben. bei Zirkuszelten mit mehr als 1.500 Besuchern
ist ein Sanitätsraum erforderlich.

170
10
Betreiber Besondere Bauvorschriften für Tribünen
Der Betreiber oder ein von ihm beauftragter Die tragenden Teile bei mehr als zehn Platz-
sachkundiger Vertreter muss während des reihen und mehr als 32 cm Höhenunterschied
Betriebes die Aufsicht führen und ist für die Ein- müssen aus nichtbrennbaren Baustoffen
haltung der Betriebsvorschriften verantwortlich. bestehen.

Brandverhütung An jeder Seite eines Stufen- oder Rampenganges


Rauchverbot besteht in Fahrgeschäften, Be- in Zelten dürfen maximal 10 Plätze, zwischen
lustigungsgeschäften und Schaugeschäften, zwei Seitengängen höchstens 20 Plätze ange-
sowie in Zelten mit Szeneflächen während der ordnet sein.
Vorstellung.
Bei Tribünen im Freien dürfen maximal 20 Plätze,
In Zelten die Reihenbestuhlung haben oder bei steil ansteigenden Platzreihen höchstens 40
während der Vorstellung verdunkelt werden, Plätze angeordnet sein.
sowie in Zirkuszelten ist das Rauchen und die
Verwendung von offenem Feuer verboten; das Sitzplätze müssen mindestens 0,50 m breit
gilt nicht für Festzelte. sein. Sie müssen unverrückbar befestigt sein.
Zwischen den Sitzplatzreihen muss eine lichte
Brandsicherheitswache Durchgangsbreite von mindestens 0,40 m
Eine Brandsicherheitswache muss u. a. bei Ver- vorhanden sein.
anstaltungen in Fest- und Versammlungszelten
mit mehr als 5.000 Besuchern und Zirkuszelten Stehstufen auf Tribünen müssen mindestens
mit mehr als 1.500 Besucherplätzen anwesend 50 cm breit und höchstens 45 cm tief sein.
sein.
Werden mehr als fünf Stehstufen von Steh-
plätzen hintereinander angeordnet, so sind vor
der vordersten Stufe und nach jeweils zehn
weiteren Stufen Umwehrungen (Wellenbrecher)
anzubringen:

• Höhe mindestens 1,10 m


• Länge mindestens 3 m
• Seitlich höchstens 2 m voneinander entfernt.

171
10
Anlage 6i: bar abhängig von einer Risikobeurteilung unter
besonderer Berücksichtigung der Personen-
Vorübergehende Verwendung schutzbelange. Sollen Sachschutzbelange bei
von Räumen für Veranstaltungen der Beurteilung zurück gestellt werden, so ist
mit mehr als 200 Besuchern eine schriftliche Einverständniserklärung des
Betreibers, ggf. in Abstimmung mit dem Sach-
(§ 47 VStättV) versicherer, erforderlich.
Stand: Oktober 2014
Um eine brandschutztechnische Gesamtbeur-
Die bayerische Versammlungsstättenverord-
teilung zu ermöglichen, sind die in der Tabelle
nung sieht die Möglichkeit der vorübergehen-
aufgeführten Angaben erforderlich.
den Verwendung von Räumen für Veranstaltun-
gen mit mehr als 200 Besuchern vor. Daraus
Abkürzungen:
lässt sich aus Sicht der Branddirektion München
BayBO: Bayerische Bauordnung
ableiten, dass Abweichungen von baurechtlichen
VStättV: Verordnung über den Bau und Betrieb
Vorschriften der Versammlungsstättenverord-
von Versammlungsstätten
nung für diese vorübergehenden Veranstaltun-
BauVorlV: Verordnung über Bauvorlagen und
gen grundsätzlich möglich sind, auch wenn sie
bauaufsichtliche Anzeigen
nicht nach Art. 63 BayBO genehmigt sind. Die
Möglichkeit der Zustimmung ist damit unmittel-

Veranstaltungsort:
Datum der Veranstaltung:
Zeitraum:
Besucherzahl:
erforderliche Angaben nach § 44 VStättV und § 11 BauVorlV Abweichung Begründung / Kompensation
IST-SOLL
IST-Zustand SOLL-Zustand nach Baurecht ja nein
Brennbarkeit der Baustoffe (Dämm-
stoffe, Unterdecken, Bekleidungen
an der Decke oder Dach über Besu-
cherbereiche) [§ 5 VStättV]

Führung der Rettungswege, z. B.


bis zur öffentlichen Verkehrsflä-
che, zwei bauliche Rettungswege
[§ 6 VStättV]

beleuchtete Rettungswegzeichen
[§§ 6, 15 VStättV]

Bemessung der Rettungswege,


z. B. Rettungsweglänge, Rettungs-
wegbreite [§ 7 VStättV]

Sicherheitsbeleuchtung
[§ 15 VStättV]

Einrichtungen zur Rauchableitung


[§ 16 VStättV]

172
10
Feuerlöscheinrichtungen, z. B.
Feuerlöscher, Wandhydranten ab
1.000 m² [§ 19 VStättV]

Alarmierungs- und Lautsprecheran-


lage [§ 20 VStättV]

Abschrankungen vor Stehplätzen


bei Szenenflächennutzung
[§ 29 VStättV]

Feuerwehrzufahrt vorhanden;
unabhängig von der Stellplatzzu-
fahrt für Besucher [Art. 5 BayBO,
§ 31 VStättV]

Löschwasserversorgung; in der
Regel 1.600 l / min im Umkreis
von 300 m; nächster Hydrant max.
100 m [Art. 12 BayBO]

Angaben zur Feuerwiderstandsklasse Mindestens feuerhemmend oder Sprinklerschutz


von Decken und Dächern über Besucherbereichen ❑ ja ❑ nein

Verantwortliche Personen, besondere Betriebsvorschriften Name der Person bzw. Bemerkungen zur Notwendigkeit
Betreiber oder von ihm beauftragter Veranstaltungsleiter
[§ 38 VStättV]

Veranstalter; bei Übertragung der Verpflichtungen nach


§ 38 Abs. 5 VStättV

Verantwortliche für Veranstaltungstechnik


Notwendigkeit und Qualifikation nach § 40 VStättV

Brandsicherheitswache Notwendigkeit nach § 41 VStättV

Brandschutzbeauftragte, Feuerwehrpläne Notwendigkeit


nach § 42 VStättV

Sicherheitskonzept, Ordnungsdienstleiter erforderlich ab


5.000 Besucher oder wenn es die Art der Veranstaltung
erfordert [§ 43 VStättV]

Erforderliche Unterlagen:

• Angaben entsprechend der vorstehenden Tabelle
• Grundrisspläne im Maßstab 1 : 200 oder größer
• Bestuhlungs- und Rettungswegplan mit Angabe der Sitz- und Stehplätze,
einschließlich der Plätze für Rollstuhlbenutzer im Maßstab 1 : 200 oder größer.

173
10
Anlage 6j: Die Aufstellung von Flüssiggasflaschen ist
in Kellerräumen, in Treppenräumen, Fluren,
Brandschutzmerkblatt für Durchgängen und Durchfahrten von Gebäuden
private und öffentliche sowie in ihrer unmittelbaren Nähe und in Zelten
Veranstaltungen in Gebäuden (ausgenommen eine Flasche im Küchenbereich)
unzulässig. Flüssiggasflaschen müssen gegen
mit 40 bis 200 Personen den Zugriff Unbefugter gesichert sein.
Stand: Oktober 2014
Holzkohlegrillanlagen müssen nach den Seiten
Die Einhaltung der nachstehenden Punkte
zu Bauteilen aus brennbaren Baustoffen Abstän-
dient sowohl der Sicherheit Ihrer Besucher als
de von mindestens 40 cm haben, nach oben ist
auch der Minimierung des Brandrisikos in den
der doppelte Abstand einzuhalten. Zum Anzün-
genutzten Räumen.
den dürfen keine brennbaren Flüssigkeiten, wie
z. B. Spiritus, verwendet werden. Die Asche
Die Vorschriften der Verordnung über die Ver­-
des Grills muss nach der Veranstaltung vollstän-
hütung von Bränden (VVB), der Versammlungs-
dig erloschen in einen nichtbrennbaren Behälter
stättenverordnung (VStättV) und sonstiger Be-
gefüllt werden.
triebsvorschriften werden durch das Merkblatt
nicht ersetzt. Es wird davon ausgegangen, dass
Dekorationen und Ausstattungsgegenstände
nur Räumlichkeiten genutzt werden, die den
Als Dekoration und zum Ausstatten sollten
baurechtlichen Bestimmungen entsprechen
mindestens schwerentflammbare Gegenstände
und auch genehmigt sind.
und Stoffe (B1 nach DIN 4102 oder mindestens
Klasse C s3,d2 nach DIN EN 13501) verwendet
Rettungswege
werden.
Sämtliche Rettungswege wie Flure, Treppenräu-
me und Ausgangstüren müssen bis zur öffent-
Dekorationen in Rettungswegen (Flure, Treppen-
lichen Verkehrsfläche in voller Breite benutzbar
räume) müssen nichtbrennbar sein.
sein. Sie sind von Lagerungen, Serviceeinrich-
tungen, Absperrgittern und ähnlichem freizuhal-
Verhalten im Brandfall
ten.
• Warnen Sie umgehend Ihre Gäste. Achten Sie
Türen dürfen keinesfalls versperrt werden.
besonders auf Hilfsbedürftige (z. B. Gehbe-
Auf die Erkennbarkeit und Kennzeichnung aller
hinderte) und unterstützen Sie diese beim
Ausgangstüren sollte besonders geachtet
Verlassen des Gebäudes.
werden.
• Alarmieren Sie sofort die Feuerwehr. Dies
ist über die Notrufnummer - 112 - oder über
Löscheinrichtungen
Hand-Feuermelder im Gebäude (falls vorhan-
Um Entstehungsbrände sofort löschen zu kön-
den) möglich.
nen sind ausreichend Feuerlöscher erforderlich.
• Bekämpfen Sie den Brand mit dem nächsten
Empfohlen wird je Ausgang mindestens ein
Feuerlöscher. Achten Sie jedoch darauf, dass
Wasser- oder Schaumlöscher, der gut sichtbar
Sie keinen Brandrauch einatmen.
angeordnet werden sollte.
• Zur Verhinderung einer Rauchausbreitung
schließen Sie die Türen (nicht verschließen).
Sonstige Löscheinrichtungen wie Wandhyd-
• Aufzüge können im Brandfall zu einer tödli-
ranten oder Hydranten im Freien müssen gut
chen Falle werden. Benutzen Sie ausschließ-
sichtbar und zugänglich sein.
lich die Treppen.
• Weisen Sie die Feuerwehr ein und halten Sie
Verwendung von Feuer, Flüssiggas und Holz-
den Schlüssel bereit.
kohlegrillanlagen
Sind Feuereffekte oder Pyrotechnik vorgese-
Verantwortung
hen, ist auf die Gefahr einer Brandentstehung
Als Veranstalter sind Sie für den sicheren
besonders zu achten.
Betrieb und die Einhaltung der vorgenannten
Kerzen sind stets kippsicher in nichtbrennbaren
Punkte sowie der entsprechenden Vorschriften
Kerzenständern anzuordnen.
verantwortlich.
Der Einsatz von Pyrotechnik ist entsprechend
den Vorgaben des Sprengstoffgesetzes und
der Ersten Verordnung zum Sprengstoffgesetz
genehmigungspflichtig.

174
10
Anlage 6k: Weiterhin wird jedoch empfohlen, Plätze für
Begleitpersonen in direkter Umgebung der
Informationen zur Notwendigkeit Rollstuhlplätze anzuordnen.
von Begleitpersonen für Roll-
stuhlbenutzer in Versammlungs- Im Übrigen ist die Berechtigung zur Mitnahme
einer Begleitperson eines Schwerbehinderten
stätten durch das Merkzeichen „B“ im Schwerbehin-
Stand: Oktober 2014
dertenausweis kenntlich gemacht und in § 146
Abs. 2 Sozialgesetzbuch IX folgendermaßen
In Zusammenarbeit mit dem Behindertenbe-
geregelt:
auftragten der Landeshauptstadt München
„Zur Mitnahme einer Begleitperson sind
Dieses Informationsblatt gibt Auskunft über
schwerbehinderte Menschen berechtigt, die
die Verfahrensänderung bei der Genehmigung
bei der Benutzung von öffentlichen Verkehrs-
von Bestuhlungs- und Rettungsplänen und die
mitteln infolge ihrer Behinderung regelmäßig
bisherige Forderung nach einer Begleitperson
auf Hilfe angewiesen sind. Die Feststellung
für Rollstuhlfahrer.
bedeutet nicht, dass die behinderte Person,
wenn sie nicht in Begleitung ist, eine Gefahr
Am 01.01.2008 ist die derzeit gültige Versamm-
für sich oder andere darstellt.“
lungsstättenverordnung (VStättV) in Kraft getre-
ten. Diese sieht in § 42 folgendes vor:
Diese Verfahrensänderung wurde in Zusam-
menarbeit mit dem Behindertenbeauftragten
„Der Betreiber […] hat eine Brandschutzord-
der Landeshauptstadt München erstellt und soll
nung aufzustellen und durch Aushang bekannt
die einheitliche Sichtweise von Feuerwehr und
zu machen. In der Brandschutzordnung sind
Behindertenbeauftragtem zu dieser Thematik
[...] die Maßnahmen festzulegen, die zur
zeigen.
Rettung von Menschen mit Behinderung,
insbesondere Rollstuhlbenutzern, erforderlich
sind.“

Die Branddirektion vertritt nun die Meinung,


dass den baurechtlichen Anforderungen auch
entsprochen wird, wenn nicht mehr generell
Begleitpersonen gefordert werden. Die konkre-
te Festlegung und Anwendung der organisatori-
schen Maßnahmen zur Rettung von Menschen
mit Behinderung liegt somit beim Betreiber der
Versammlungsstätte und kann objektspezifisch
stattfinden.

175
10
Anlage 6l: Hinweise zur Verwendung:
Empfehlungen für die Benutzung • Pulvertüten müssen luftdicht und einzeln
von Farbpulver bei „Holi-Festivals“ verpackt sein.
Stand: Juli 2014 • Vermeiden von Zündquellen: z. B. Rauch- und
Feuerverbot, Verbot der Verwendung pyro-
Da sich „Holi-Festivals“ auch in Deutschland technischer Effekte
immer größerer Beliebtheit erfreuen, erschei- • Die Verwendung von Farbpulvern ist lediglich
nen Angaben zur brand- und explosionssiche- im Freien gestattet, da das Risiko einer Ver-
ren Verwendung der eingesetzten Farbpulver puffung in geschlossenen Räumen grundsätz-
notwendig. lich als zu groß eingeschätzt wird.
• Das mögliche Restrisiko (wie das Auftreten
Geprüft und im Freien, bei den üblichen Rah- einer Explosion, einer lokalen Verpuffung oder
menbedingungen, für vertretbar eingestuft einer Stichflamme) ist im Sicherheitskonzept,
wurden folgende Produkte: bezogen auf die konkrete Veranstaltung, im
Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung zu
• Maisstärke / - pulver untersuchen.
• Reismehl / - puder • Um die Sicherheit zu gewährleisten, dürfen
• Maismehl nur Pulver verwendet werden, die vom Ver­
anstalter zur Verfügung gestellt werden. Die
Für alle anderen Pulverarten wird ein Gutachten Verwendung anderer Pulver ist durch den
über das Explosionsverhalten für erforderlich Veranstalter zu verhindern.
gehalten. Der Produkthersteller ist hierbei • Vor Reinigungsarbeiten ist es empfehlens-
anzugeben. wert, die abgelagerten Pulverschichten mit
Wasser zu benetzen.
• Vom Sanitätsdienst ist, aufgrund der zu er-
wartenden Augenreizungen, auf dem Veran-
staltungsgelände eine ausreichende Anzahl
Augenspülstellen vorzuhalten.
• Gut sichtbar sind Hinweise für die Besucher
anzubringen, auf denen auf die allergische
Wirkung der Stoffe hingewiesen wird, um
insbesondere Asthmatiker und Allergiker
entsprechend zu informieren.
• Es sollte eine Empfehlung von Seiten des
Veranstalters zum Mitbringen von Staub-
masken und Brillen sowie Warnhinweise für
Kontaktlinsenträger ausgesprochen werden.
Gegebenenfalls sollen diese Produkte auch
vor Ort erworben werden können.

176
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1 Die Anzahl an Veranstaltungen und damit verbunden die An-
forderungen an die Sicherheit haben in den letzten Jahren stark
zugenommen. Um einen Überblick in die Veranstaltungsbear-
beitung zu erhalten und vor allem um Veranstaltungen zu er-
möglichen, anstatt sie zu verhindern, hat die Berufsfeuerwehr
München ihre aus dem Jahr 2012 stammende Handreichung
fortgeschrieben und erheblich erweitert.

Dieser Leitfaden dient allen für die Sicherheit von Veranstal-


tungen zuständigen Akteuren (Feuerwehr, Sicherheitsbehörde
und Polizei sowie Veranstalter und dessen Sicherheitsdienst-
leister) zur Orientierung bei Planung, Umsetzung und Durch-
führung von sicheren Veranstaltungen.