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Guten Abend, liebe Freunde!

Viele von euch werden sicherlich die Erfahrung gemacht haben, wie schwierig es ist zur Ruhe
zu kommen, sich zu konzentrieren. Es ist keine einfache Angelegenheit. Wir sind sehr komple-
xe Geschöpfe und wir sind kompliziert durch unser Denken.

Wie wir die Welt erleben - uns mit eingeschlossen - basiert auf der Wahrnehmungsebene des
dualistischen Denkens. Im dualistisches Denken teilen wir die Welt der Erscheinung in zwei Tei-
le, in Subjekt und Objekt. Wobei wir meistens das Subjekt sind und alles andere das Objekt.
Das ist eine relative Wahrheit, nicht die absolute. Diese Trennung von Subjekt und Objekt setzt
den Ich-Begriff voraus. Der Ich-Begriff ist ein Produkt unseres eigenen Geistes. Dadurch ist
jede Wahrnehmung, die auf dieser Basis funktioniert, ein Trugschluss. Wie die absolute Wirk-
lichkeit aussieht, muss jeder für sich selbst erfahren.

Wie wir dazu kommen, die absolute Wirklichkeit zu erleben, geschieht durch Versenkung,
durch Sammlung, durch Stillwerden. Solange wir uns im Bereich des Relativen bewegen oder
aufhalten, können wir nie die absolute Wahrheit, die absolute Wirklichkeit erkennen. Wir müs-
sen diese Welt in der wir zwischen Subjekt und Objekt unterscheiden, zur Ruhe bringen. D.h.
wir müssen unser dualistisches Denken für eine gewisse Zeit beiseitelegen. Deswegen machen
wir Konzentrationsübungen, sitzen wir im Zazen, verbringen wir eine ganze Woche gemeinsam
hier, um zu dieser Stille zu gelangen. Zu dieser Stille gehört auch, dass wir alle mentale Aktivi-
tät einstellen und das Suchen fallen lassen. Wenn wir uns zur Meditation hinsetzen, ist alles
Suchen überflüssig, denn dann sind wir bereits zu Hause angekommen. Mit Suchen meine ich,
Suchen nach der rechten Methode, dem rechten Lehrer, dem rechten Ort,…. In Wirklichkeit
sind es nur wir selbst, den wir brauchen und wir sind immer mit uns verbunden. Wir müssen
uns nur zur Ruhe kommen lassen. Wenn wir diese Ruhe und die Sammlung üben, kommen die
Einsichten, mit den Einsichten entwickelt sich unsere Reife und unsere Weisheit.

Außerhalb der Meditation kann die ganze Welt, der Himmel, die Wolken, die Bäume, das Was-
ser, die Vögel unser Lehrer werden. Solange wir im begrifflichen Denken verweilen, die Dinge
als Objekt sehen, beurteilen und bewerten, werden wir sehr, sehr wenig von der Natur lernen.
Wenn wir aber unvoreingenommen, offen, ohne zu beurteilen wahrnehmen, achtsam sind, wird
uns die Natur sehr vieles lehren. Wir müssen uns im Klaren sein, dass wir ein Teil der Natur
sind. Wir gehören dazu, wir sind nicht getrennt. Wir haben die gleiche Wurzel, den gleichen
Ursprung wie alles andere, das gleichzeitig mit uns existiert. Nur Form und Funktion aller Din-
ge sind verschieden; aber der Ursprung, die Wurzel ist die gleiche.

Wir haben uns leider von der Natur entfremdet. Wir glauben, dass wir etwas anders sind als
ein Vogel oder ein Baum oder ein Fluss. Alles ist Energie, nur in unterschiedlicher Erscheinung.
Wir sind aus Energie zusammengesetzt, unser Körper ist formgewordene Energie und gleich-
zeitig fließt durch diesen Körper Energie. Alles, was wir wahrnehmen ist Energie, auch unsere
Gedanken. Wenn wir Schwierigkeiten haben, uns nicht wohl fühlen, ist dieser Energiestrom ge-
stört. Wenn wir fixe Ideen, fixe Vorstellungen haben, dramatische Erlebnisse, die uns fixieren,
ist überall dort die Energie blockiert, die an sich frei fließen sollte. Ideal gesehen, soll unsere
Energie ungehindert wie ein Fluss fließen können. Wir sollen die Quelle dieser Energie sein und
zugleich der Fluss, hin fließen zum unendlichen Meer, eins werden mit dem ganzen Universum
als Energie. Wenn das der Fall ist, erleben wir, dass wir erfüllt sind, frei sind, ganz im Leben
stehen. Sobald dieser Fluss der Energie blockiert ist, erleben wir Unbehagen, Schmerz, Unbe-
friedigt-sein.

Wie können wir diese Hemmnisse der Energie lösen?

Es ist egal, welche Methode wir anwenden, wichtig ist, dass sie wirkt und die blockierte Energie
befreit. Durch die Meditation werden Blockierungen durch das Erkennen befreit. Wenn wir ge-
übt werden in der Sammlung und in den Einsichten, und tiefer eindringen in uns selbst, wer-
den uns viele Dinge bewusst, die uns bislang blockiert haben. Wenn sie uns bewusst werden,
wird die Blockierung frei gelegt und die Energie beginnt wieder zu fließen. Es geht nicht über
Nacht, es passiert nicht in einem Monat oder in einem halben Jahr. Worum es im Zen geht ist
die große Befreiung, und dazu gehört natürlich auch die Befreiung von Blockaden.
Die große Befreiung kommt, wenn wir von uns selbst frei werden. Unser Ich ist unser Gefäng-
nis. Alle Vorstellungen, alle Bedürfnisse, die von unserem Ich kommen, halten uns in diesem
Ich gefangen. Absolute Befreiung ist nur möglich, wenn das Ich vollkommen transzendiert
wird. Das bedeutet frei werden von Verlangen, frei werden von den Forderungen des Ichs. Es
kann in Wirklichkeit kein begrenztes Ich geben, sondern nur das absolute Selbst. Die Zielset-
zung ist, unsere Person zu „zerstören“, so wie wir sie jetzt kennen. Jetzt ist unser Verlangen,
jemand zu sein, etwas zu werden, etwas darzustellen, eine Rolle zu spielen, eine Vorstellung
von uns selbst zu verwirklichen. Der Weg zur Befreiung liegt in der entgegengesetzten Rich-
tung: weniger werden, niemand werden, aber dafür zu SEIN. Wenn wir frei werden von uns
selbst, dann bleibt nur unser wahres Selbst; das ist wirkliches SEIN. Viele Leute haben Angst
davor und wissen nicht, was da auf sie zukommt, wenn sie ihr Ich „zerstören“. Es kommt so-
wieso nicht über Nacht, es geht schrittweise. Wenn man länger praktiziert, erkennt man die
Begrenzungen, die Fesseln unseres Egos, unserer Persönlichkeit und es wird einem zuwider.
Man will frei werden.

Und dann kann es nicht rasch genug gehen, dieses Frei-Werden von uns selbst. Natürlich müs-
sen wir uns dabei anstrengen. Wir müssen immer wieder achtsam sein, bewusst sein, und im-
mer wieder, wenn wir merken, dass wir aus unserem Ego heraus funktionieren, uns sofort fal-
len lassen. Das Fallen-Lassen ist sehr wichtig. Wir haben die Tendenz, uns festzuklammern an
viele Dinge und jedes Festklammern an Vorstellungen, Wünsche, Personen ist ein Nichtfließen.

Leben aber heißt Fluss, ständiger Wandel, dahin fließen. Festklammern heißt, nicht mit dem
Lebensstrom fließen wollen oder können. Das bereitet uns Schwierigkeiten im Leben. Jeder von
uns kann es beobachten: wenn wir uns an irgendetwas festklammern, fühlt sich die Situation
nicht richtig an. Wir haben sehr viel Unbehagen, Angst, Wünsche. Loslassen heißt nicht, dass
wir nichts Erfreuliches mehr in uns erleben. Im Gegenteil, sobald wir loslassen, wird das Erleb-
nis der Freude viel intensiver.

Die Wirklichkeit wartet nicht, sie lässt sich nicht festhalten, es ist ein ständiger Wandel. Auch
die schönste Frau muss alt werden. Auch wenn sie sich noch so fest an die Schönheit ihrer Ju-
gend festklammern will, sie wird alt. Und auch die Blume, die am Morgen blüht, verwelkt am
Abend. Die Kinder werden groß, verlassen uns. An nichts können wir uns wirklich festhalten.
Mit dem Strom mitfließen, alles akzeptieren was das Leben bringt - diese Einstellung sollen wir
tagtäglich üben. Uns bewusst sein, dass hinter unserem gewöhnlichen alltäglichen Denken und
Handeln, das wir als Realität ansehen, noch eine andere Realität existiert, die Absolute, die je-
der von uns einzeln durch die Meditation erleben wird.

Wenn der Alltag für den einen oder anderen auch noch so grau erscheinen mag, kann er auf
diese Weise viel interessanter gestaltet werden: wenn wir bewusster leben, mit mehr Acht-
samkeit, uns selbst gegenüber etwas Abstand nehmen, nicht so getrieben werden von unseren
Gefühlen und Emotionen und weiser, überlegter werden in unseren Handlungen.
Doch nicht versuchen auf Kosten der Spontanität offener zu werden. Sondern anderen Men-
schen gegenüber aufmachen, großzügiger, liebender, bejahender werden. Überhaupt dem gan-
zen Universum bejahender gegenüber treten, nicht so viele Unterscheidungen machen zwi-
schen gut und böse, schön und hässlich, …. aufmachen, alles eindringen lassen. So wird unser
Leben reicher, interessanter und weniger schmerzlich.

So viel für heute. Danke.

Genro Dai Oshōs Vortrag am 3. Tag im Rahmen des Oster-Sesshins 1982